Kurzvorstellung
Alibaba betreibt mit Taobao und Tmall die führenden Onlinemarktplätze Chinas und zählt mit Alibaba Cloud zudem zu den größten Cloud-Anbietern Asiens. Wir haben uns den chinesischen Konzern genauer angesehen und geprüft, welche Chancen und Risiken Anleger bei der Aktie kennen sollten.
1. Das Unternehmen
Geschäftsmodell
Einleitung
In der nachfolgenden Grafik wird veranschaulicht, in welchen Sektoren Alibaba Umsatz generiert. Wir werden uns bei der Erläuterung des Geschäftsmodells auf die relevantesten (umsatzstärksten) Bereiche fokussieren.
Core-Commerce (vor allem e-Commerce)
Diese Sparte macht 85,6 % des Umsatzes aus und gliedert sich in den chinesischen und den internationalen Markt. Außerdem unterscheidet Alibaba noch zwischen dem Einzelhandel (Retail Commerce) und dem Großhandel (Wholesale Commerce), welcher dem B2B-Geschäft (Handel zwischen Unternehmen) entspricht.
Im Bereich des Einzelhandels gibt es sowohl Lösungen für den B2C- (Unternehmen handelt mit Privatperson), als auch für den C2C-Bereich (Handel zwischen Privatpersonen).
Cloud-Computing
„Alibaba Cloud“ fällt in den Bereich „Technologie und System-Infrastruktur“ und erwirtschaftete im Jahr 2020 rund 7,9 % des Gesamtumsatzes. Zum Cloud-Geschäft gehören folgende Dienstleistungen:
Bereitstellung von Datenbanken
Bereitstellung von Speicher und Rechenleistung
Big Data-Verarbeitung (Verarbeitung von großen, komplexen und sich schnell ändernden Datenmengen)
Alibaba Cloud gehört in diesem Bereich zu den Marktführern in Asien.
Digital Media and Entertainment
Der Bereich „Digital Media and Entertainment“ ist 2020 für 5,3 % des Gesamtumsatzes verantwortlich gewesen. Dazu gehört z.B. die Filmproduktionsgesellschaft „Alibaba Pictures“ oder die Online-Musik-Plattform „Xiami Music“ (AliMusic).
Fazit
Insgesamt ist Alibaba sehr breit aufgestellt, auch wenn der Großteil des Umsatzes immer noch im Kerngeschäft des „Core-Commerce“ liegt. Weitere zukunftsträchtige kleinere Sparten wie das Cloud-Computing sollen jedoch weiter ausgebaut werden. Zudem gibt es weitere spannende Tochterunternehmen der Alibaba Group, welche bis dato jedoch nicht für einen signifikanten Anteil des Konzernumsatzes verantwortlich sind. Eine detaillierte Übersicht der Umsatzverteilung des Konzerns erfolgt in der Fundamentalen Analyse.
Historie
Jack Ma gründete Alibaba im Jahr 1999 mit 17 Kollegen. Die ersten Angebote waren die B2B-Plattformen www.alibaba.com und www.1688.com.
2003 wurde die C2C-Plattform Taobao eröffnet und 2004 fand die Gründung des Finanzdienstleisters Alipay statt. Ab 2009 etablierte sich das Unternehmen auch im Geschäft des Cloud-Computing. Die B2C-Plattform AliExpress folgte als nächstes in 2010 und nun möchte Alibaba sogar das 2014 gegründete Fintech-Unternehmen Ant Group (Ant Financial) an die Börse bringen. 2015 wurde die größte englischsprachige Tageszeitung in Hongkong (South China Morning Post) von Alibaba übernommen, welche ein hohes Vertrauen in der Bevölkerung genießt. Nach der Übernahme wurde das Abonnement kostenlos und bis Mitte 2018 wurde die Reichweite vervierfacht. Die Forschungsinitiative des Konzerns (DAMO Academy) ist 2017 entstanden.
Der Börsengang erfolgte 2014 zunächst in den USA an der New York Stock Exchange, bei welchem Aktien im Wert von 21,8 Mrd. USD verkauft wurden. Dies war zu dem Zeitpunkt eines der größten IPOs aller Zeiten. Zuvor hatte die Softbank (2003) einmal Risikokapital zur Verfügung gestellt und Yahoo hatte sich mit 40 % beteiligt (2005), wovon sie 2012 die Hälfte verkauften. 2019 kam es zum zweiten Listing an der Hong Kong Stock Exchange.
Gründer und Geschäftsführung
Jack Ma
Die bekannteste Persönlichkeit des Konzerns ist der Mitbegründer Jack Ma, welcher 2019 das Unternehmen verließ und damit auch seine letzte Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender aufgab. Er wollte sich nun mehr um die philanthropische „Jack Ma Foundation“ kümmern, während Daniel Zhang seine Nachfolge antritt. Es gibt Quellen, die die Vermutung anstellen, dass Ma nur in der Öffentlichkeit zurückgetreten ist, um den Druck der chinesischen Regierung zu umgehen. In der Vergangenheit gab es diesbezüglich häufiger Spannungen, weshalb manche meinen Zhang sei nur als ausführende Person unter Ma eingestellt.
Daniel Zhang
Daniel Zhang wurde 1972 in Shanghai geboren und studierte „Wirtschaft und Finanzen“ an der Shanghai University of Finance and Economics. Nachdem er seine Karriere als Buchhalter begann, wurde er 2007 Vorstandsmitglied und kaufmännischer Geschäftsführer bei Taobao (Tochterunternehmen von Alibaba). Im Jahr 2011 nahm er die Stelle als Präsident bei Tmall (Abspaltung von Taobao) ein und entwickelte den Singles Day, welcher inzwischen zu mehr Umsätzen führt als Black Friday und Cyber Monday zusammen. Ab 2013 führte Zhang die operativen Tätigkeiten der Alibaba Group und zwei Jahre später bekleidete er den CEO-Posten. Nach dem Rücktritt von Jack Ma nahm Daniel Zhang schließlich die Rolle als Vorstandsvorsitzender ein.
In Interviews werden einige von Zhangs Grundsätzen deutlich, unter anderem: „Management is not leadership.“ (Management ist nicht Führung.) Daran wird sein Führungsstil und der Anspruch der Alibaba Group als arbeitnehmerfreundlicher Arbeitgeber deutlich. Ob letzteres in der Realität auch wirklich zutrifft muss individuell bewertet werden. Eine weitere Leitlinie Zhangs ist „Study the future, not the past.” (Studiere/Analysiere die Zukunft, nicht die Vergangenheit.) Dies unterstreicht die Bereitschaft in Zukunftsthemen ein bedeutender Player auf dem Weltmarkt zu sein, zu werden oder zu bleiben.
Joseph Tsai
Ein weiterer Mitbegründer von Alibaba ist derzeit als Executive Vice Chairman bei Alibaba beschäftigt: Joseph Tsai. Der taiwanisch-kanadische Unternehmer wurde 1964 geboren und ist auch bekannt als Besitzer (oder Beteiligter) von diversen Sportvereinen in den USA. Ihm gehören unter anderem Anteile am NBA-Basketballteam „Brooklyn Nets“ aus New York. Zudem unterstützt er die Yale-Universität, an der er selbst studierte.
J.M. Evans
Diese guten Verbindungen in die USA hat auch J. Michael Evans, der Präsident von Alibaba. Der ehemalige Profi-Ruderer und Olympiamedaillengewinner wurde 1957 geboren und arbeitete bei Goldman Sachs, wo er bis zum Vice Chairman aufstieg. 1999 lernte er im Rahmen seines Berufs Jack Ma kennen und ist nun bereits seit 2014 Teil des Vorstands bei Alibaba und stieg 2015 zum Präsidenten auf, der für das internationale Geschäft zuständig ist. Dies unterstreicht die Ambition Alibabas global zu expandieren.
Diese internationalen Kontakte des Konzerns (bzw. der führenden Beschäftigten) zeigen sich auch bei den jüngsten Ereignissen im Rahmen der Corona-Pandemie. Evans kümmerte sich mit Alibaba darum, dass die Helfer/Mitarbeiter des Gesundheitswesens in New York genügend Equipment zum Schutz hatten. Der Gouverneur des Staates bedankte sich für die Hilfe.
Anzumerken ist an dieser Stelle, dass Alibaba stets die Absicht hat, sich neben Konkurrenten wie Amazon auch in den USA zu etablieren. Derzeit ist der Umsatz in den USA vernachlässigbar gering. Die internationalen Verbindungen können dadurch durchaus strategisch motiviert sein.
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