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Eckert & Ziegler Aktie Analyse

Der Kampf gegen Zivilisationskrankheiten

Analyse vom 17.04.2022

von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann

Kurzvorstellung

Der Fortschritt unserer Spezies seit der Industrialisierung hat uns das Leben deutlich erleichtert. Aber mit der Entwicklung immer besserer Lebensstandards in mehr Ländern auf der Welt, nehmen auch die Fälle von sogenannten „Zivilisationskrankheiten“ zu. Darunter fallen alle Erkrankungen, deren Häufigkeit einen sehr wahrscheinlichen Zusammenhang mit den Lebensgewohnheiten- und verhältnissen aufweist, wie sie in Industrieländern vorherrschen. Auch einige Krebserkrankungen fallen unter diese Kategorie. Verstehe das nicht falsch – Krebs gibt und gab es schon immer seit dem es mehrzellige Organismen gibt. Aber durch die Lebensweisen, die wir uns (vor allem in westlichen, reichen Ländern) angeeignet haben, nehmen diese Krankheitsbilder immer weiter zu. Umso wichtiger ist es, dass wir uns zum einen dessen im Klaren sind und zum anderen an Heilmethoden forschen, um betroffenen Personen zu helfen. In dieser Analyse stellen wir Dir ein Unternehmen aus Deutschland vor, welches genau dies tut. Eckert & Ziegler ist im Tec- und SDAX gelistet und führend bei der Produktion und Entwicklung von isotopentechnischen Komponenten für medizinische, wissenschaftliche und messtechnische Anwendungen. Eckert & Ziegler konzentriert sich dabei aber bewusst auf die Krebstherapie und nuklearmedizinische Diagnostik. Wir finden das Konzept des Unternehmens sehr spannend und freuen uns darauf, Dir den Konzern hier vorstellen zu dürfen.

1. Das Unternehmen Eckert & Ziegler

Geschäftsmodell

Einleitung

Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG, welche wie erwähnt als Holdinggesellschaft mit mehreren spezialisierten Tochterunternehmen agiert, ist als Finanz- und Verwaltungsholding sowie als strategischer Entwicklungspartner für ihre Tochtergesellschaften tätig und führt keinen eigenen operativen Geschäftsbetrieb. Der Konzern umfasst einschließlich Minderheitsbeteiligungen 44 Gesellschaften. Sämtliche Einnahmequellen sind folglich den Tochtergesellschaften zuzuordnen.

Das Unternehmen beschäftigt sich, wie im Namen schon definiert, mit dem Umgang und der Verarbeitung von radioaktiven Komponenten für medizinische, wissenschaftliche und messtechnische Zwecke. Dazu zählt die Verarbeitung von Radioisotopen sowie die Entwicklung, Herstellung und der Vertrieb von isotopentechnischen Komponenten und Radiopharmazeutika oder verwandten Produkten. Ergänzend dazu inkludiert das Geschäftsmodell auch den Anlagenbau und die Rücknahme von isotopentechnischen Reststoffen aus Krankenhäusern und Forschungsinstituten. Hauptanwendungsgebiete für die Erzeugnisse der Gruppe sind die Krebstherapie, die nuklearmedizinische Bildgebung und die industrielle Messtechnik. Somit richtet sich die Produktpalette vorwiegend direkt an Strahlentherapeuten, Radioonkologen und Nuklearmediziner, zum anderen als Hersteller von Vorprodukten an Unternehmen, die Radiopharmazeutika herstellen und vertreiben.

Exkurs: Der Kampf gegen Krebs

Mit Anwendungen in der Krebstherapie bedient man einen von hohen Zahlen (bezogen auf Krebsfälle in Abbildung 3) geprägten Markt. Krebs ist die zweithäufigste Todesursache weltweit, deren Häufigkeit wahrscheinlich im Zusammenhang mit den (exzessiven) Lebensgewohnheiten- und Verhältnissen steht, wie sie in Industrieländern vorherrschen. Dies wird in Anbetracht des demographischen Wandels voraussichtlich auch in Zukunft nicht abflachen. Schätzungen der International Agency for Research on Cancer zufolge soll die Zahl der Krebsneuerkrankungen bis zum Jahr 2040 auf rund 30,23 Millionen ansteigen.

Brustkrebs war mit rund 2,26 Mio. Neuerkrankungen noch vor Lungenkrebs mit 2,21 Mio. Neuerkrankungen die im Jahr 2020 die am häufigsten diagnostizierte Krebsform. Allerdings gibt es hier deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Während unter Männern Lungenkrebs die meisten Opfer forderte und mit einer Mortalitätsrate von 27 je 100.000 Einwohner auch die mit Abstand gefährlichste Krebsart darstellt, sterben weltweit die meisten Frauen an Brustkrebs. Die Brustkrebssterberate von Frauen belief sich auf durchschnittlich 13 Fälle je 100.000 Einwohner.

Das operative Geschäft, für welches die Tochterunternehmen der Holding verantwortlich sind, wird in die Segmente Medical und Isotope Products unterteilt, die mit ihren unterschiedlichen Produkten auf verschiedene Kundengruppen ausgerichtet sind. Auf diese Segmente wollen wir nun im Detail eingehen.

Medical

Im Geschäftsbereich Medical entfällt der größte Teil der Umsätze auf radioaktive Wirkstoffe in pharmazeutischer Qualität, die als Teil eines Medikaments diagnostische oder therapeutische Funktionen übernehmen.

Radiopharma

Zu den wichtigsten Artikeln gehört der 68Ge/68Ga Radionuklidgenerator GalliaPharm®, ein pharmazeutisches Produkt zur Erzeugung von radioaktiven 68Ga3+-Ionen aus ebenfalls radioaktiven 68Ge. Die aus dem Generator extrahierten Ionen werden in der Nuklearmedizin zur Herstellung von Radiopharmaka verwendet. Vorwiegend findet die Anwendung in größeren nuklearmedizinischen Zentren statt.

Radiopharmaka beschreibt in der Nuklearmedizin genutzte Arzneimittel, die entweder alleine aus einer radioaktiven Substanz bestehen oder an einen „Carrier“ gebunden sind, welche die Transportation der Substanz in den Organismus erleichtern. Die radioaktive Markierung von Trägermolekülen ermöglicht somit eine effektive Feindiagnose verschiedener Krebsarten. Einfach erklärt verbrauchen die meisten Tumore, die im Grunde nichts anderes als falsch kopierte Zellen sind, deutlich mehr Wasser und Nährstoffe als normale Körperzellen. Wird das der radioaktive Substanz zugeführt, so reichert es sich in den Krebszellen an und macht diese für einen Mediziner sichtbar. So lässt sich dann beispielsweise erkennen, ob die Krebserkrankung eines bestimmten Körperteils bereits auf andere Körperregionen gestreut hat (Metastasen).

Weitere umsatzwirksame Artikel sind die therapeutische Isotope wie Yttrium-90, Lutetium-177 und Phosphor-23. Diese reichern sich in der bösartigen Tumorzelle an und zerstören diese durch Bestrahlung von innen.

Strahlentherapie

Die Produktreihe der Strahlentherapie richtet sich vorwiegend an Strahlentherapeute, die auf eine Behandlung von Krebs durch Bestrahlung spezialisiert sind Die beiden wichtigsten Produkte sind Kleinimplantate zur Behandlung von Prostatakrebs und Augen-Applikatoren zur Behandlung von Aderhautmelanomen (Augenkrebs). Als Seeds werden kleine, radioaktive Implantate bezeichnet die lokal, z.B. in die Prostata, eingebracht werden. Augen-Applikatoren werden an die Augenwand neben dem Tumor genäht und mehrere Tage dort belassen, bis die erforderliche Strahlendosis abgegeben wurde.

Zu guter Letzt umfasst das Segment Medical ein sogenanntes Projektgeschäft, das sich an internationale Medikamentenentwickler richtet und diese bei der Entwicklung und Zulassung neuer Radiopharmaka, der Herstellung von Prüfchargen oder dem Aufbau von Produktionsanlagen und der dazugehörigen Infrastruktur unterstützt.

Isotope Products

Neben der Herstellung von radioaktiven Wirkstoffen für die Medizin, stellt Eckert & Ziegler auch isotopentechnische Komponenten für bildgebende Verfahren, wissenschaftliche Anwendungen, Qualitätssicherung und industrielle Messzwecke her. Ebenfalls in diesem Segment inkludiert sind eine Reihe von Dienstleistungen, wie z.B. die Quellenrücknahme von Kunden und Annahme von isotopentechnischen Reststoffen mit geringer Aktivität, welche vorwiegend in medizinischen Einrichtungen anfallen. Die Vermittlung von Servicetechnikern zur Inspektion, Wartung und Inbetriebnahme inkl. des Rückbaus von Bestrahlungsanlagen bietet Eckert & Ziegler ebenfalls an.

Bildgebende Verfahren

Zur Beurteilung und Detektion von Krebserkrankungen wie Metastasen setzt die Medizin auch auf bildgebende Verfahren wie z. B. eine Kombination aus Positronen-Emissions-Tomographie und der Computertomographie, kurz PET-CT. Vor der PET-Untersuchung wird dem Patienten eine schwache radioaktive Substanz in die Armvene gespritzt, welche sich im Körper verteilt. Bei dem natürlichen Zerfall der gespritzten Substanzen entsteht eine geringe Strahlung, die es dem Arzt erlaubt, die Verteilung der Substanz im Körper sichtbar zu machen. Mithilfe eines Computertomographen (Abbildung 7) ermöglicht das nuklearmedizinische Verfahren dem Radiologen somit eine exakte Zuordnung des Tumors. Zur Detektion werden Strahlungsquellen von Eckert & Ziegler verwendet.

Industrielle Anwendung

Zu den Hauptabnehmern dieser Produkte gehört vor allem die Erdöl- und Erdgasindustrie. Radioaktive Quellen werden hier vorwiegend zur Bohrlochmessung verwendet. Weiters gibts es eine große Auswahl an geschlossenen Strahlungsquellen für die industrielle Mess- und Eichtechnik, sowie für den Einsatz in diversen Analyseinstrumente. Die Strahlungsquellen werden je nach Stärke der emittierenden Strahlung entweder in einfacher oder doppelter Kapselung nach Industrie Standard gefertigt und bereitgestellt. Die Produkte werden vorwiegend im Kapseldesign produziert, können aber auch auf Kundenwunsch individuell gestaltet werden.

Rücknahme, Transport und Recycling

Das Unternehmen stellt seinen Kunden eine vollständige Dienstleistungskette zur Verfügung. Diese inkludiert Logistik, Umwidmung der Strahlenquellen, Konditionierung sowie die Zwischenlagerung. Der Bereich Logistik hat sich auf die Lieferung, die Übernahme und den Versand von „hochradioaktiven Strahlenquellen“ für Industrie und Medizin spezialisiert. Darüber hinaus ist es dem Unternehmen wichtig, zurückgegebene Strahlenquellen auf ihre Wiederverwendbarkeit zu prüfen und gegebenenfalls in den Produktionskreislauf zurückzuführen. Dadurch soll ein nachhaltiger Umgang mit radioaktiven Rohstoffen gewährleistet werden.

Historie

Gründung

Das Unternehmen Eckert & Ziegler wurde 1992 als BEBIG Isotopentechnik und Umweltdiagnostik GmbH in Berlin gegründet und entstand aus einem ehemaligen Forschungsinstitut der DDR, welches in dem entsprechenden Segment tätig war. Aus diesem Grund starteten die Gründer Dr. Andreas Eckert und Jürgen Ziegler auch nicht mit nichts, sondern übernahmen die Räumlichkeiten und Patente des Instituts.

Der heutige Name lautet in vollständiger Form “Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG” und verrät damit auch das Segment, in dem man seit Beginn an tätig ist. Begonnen hat der heutige SDAX-Konzern mit der Produktion von schwach radioaktiven Strahlenquellen für Anwendungszwecke aus der Industrie und Medizin. Das Unternehmen in der heutigen Form ist eine Holding und wurde 1997 gegründet.

Schon nach zwei Jahren beteiligte man sich an der Cesio s.r.o. aus Prag, die Vorprodukte und Industriequellen herstellte. Die Expansion wurde im Folgejahr mit der Neugründung der EUROTOPE Entwicklungsgesellschaft für Isotopentechnologien mbH fortgesetzt. Diese Tochtergesellschaft war in der Entwicklung spezieller Produktionsanlagen, Sonderquellen und Recyclingverfahren für radioaktive Stoffe aktiv und knüpfte daher perfekt an das Ursprungsgeschäft an. Seit 1997 existierte schließlich die heutige Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG, die als Holding für sämtliche Tochterunternehmen fungiert.

Expansion

Schaut man sich die eigene Präsentation der wichtigsten Ereignisse in der Historie von Eckert & Ziegler an, so sieht man schnell, dass diese voller Übernahmen und Beteiligungen ist. Die Expansion weitete man zudem schnell auf die globale Ebene aus, denn bereits 1999 akquirierte das Unternehmen eine Firma aus den USA. 2012 gründete Eckert & Ziegler eine Tochtergesellschaft in Brasilien und 2014 in Indien. Dieses strategische Vorgehen führte dazu, dass die heutigen Umsätze weltweit verteilt und nicht nur auf Deutschland fokussiert sind.

2008 erhielt Eckert & Ziegler zudem den Großen Preis des Mittelstands. Heute hat man 19 Standorte mit rund 900 Mitarbeitern auf der ganzen Welt.

Börsengang

An die Börse wagte sich das Unternehmen während der Zeit des Neuen Marktes im Jahr 1999. In der anschließenden Dotcom-Blase verlor die Aktie im Tief 98 % ihres Wertes und erst 2019 schaffte Eckert & Ziegler es auf neue Höchststände. Im selben Jahr erfolgte auch die Aufnahme in den SDAX und 2020 wurde der Konzern schließlich Teil des TecDAX.

Geschäftsführung

Dr. Andreas Eckert

Dr. Andreas Eckert ist der derzeitige Vorstandsvorsitzende des deutschen Unternehmens und ist zugleich auch Gründer. Dies macht auch den besonderen Status von Eckert & Ziegler deutlich, denn man gehört zu den größten und wichtigsten deutschen Familienunternehmen. Laut “Die Deutsche Wirtschaft” liegt man hier auf Rang 1354.

Dr. Eckert hat in Heidelberg, New York und Berlin studiert und war anschließend mehrere Jahre als Information Officer für das Generalsekretariat der Vereinten Nationen weltweit unterwegs. Nach der Wiedervereinigung in Deutschland war er zudem als Unternehmensberater tätig und gründete im Anschluss Eckert & Ziegler mit Jürgen Ziegler sowie weitere Technologieunternehmen.

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