
Kurzvorstellung
Wusstest du, dass es am chinesischen Kapitalmarkt ein Äquivalent zu den Magnificent Seven aus den USA gibt? Dabei handelt es sich um Baidu, Alibaba und Tencent – gemeinsam auch als BAT bezeichnet. Aufgrund der erheblichen Underperformance von Aktien aus dem Reich der Mitte hat dieses Trio in den letzten Jahren allerdings stark an Popularität verloren und ist in den Hintergrund gerückt. Die Aktie von Baidu, häufig als das Google Chinas bezeichnet, notiert immer noch auf demselben Niveau wie im Februar 2011. Zudem deutet sich im Chart ein möglicher Turnaround an – ist der Zeitpunkt für einen antizyklischen Einstieg nun gekommen?
1. Das Unternehmen Baidu
Geschäftsmodell von Baidu (BIDU)
Einleitung und Geschäftstätigkeit
Die USA haben Amazon, Meta und Google – China hat Alibaba, Tencent und Baidu. Dieses Narrativ war vor wenigen Jahren am Kapitalmarkt noch omnipräsent. Trotz der stark unterschiedlichen Entwicklung der fundamentalen Kennzahlen und der Aktienkurse liegt der Vergleich von Google und Baidu nahe: Letzteres Unternehmen beherrscht den chinesischen Suchmaschinenmarkt mit einem Anteil von zuletzt 63,33 %. Doch das operative Geschäft von Baidu umfasst eine Vielzahl an weiteren Lösungen und Dienstleistungen, auf welche wir im Folgenden einen Blick werfen wollen.
Baidu Core
Das Suchmaschinengeschäft, dessen Haupteinnahmequelle die Werbeumsätze sind, läuft bei Baidu über die Baidu-App. Diese ermöglicht es den Nutzern, ähnlich wie bei Google, das Internet nach Websites oder bestimmten Inhalten zu durchsuchen. Zum Geschäftsbereich Baidu Core, der diese Tätigkeit umfasst, gehören jedoch zahlreiche weitere Lösungen, Plattformen und Dienstleistungen.
- Haokan und Quanmin (Kurzvideos)
- Baidu Wiki (Online-Enzyklopädie)
- Baidu Post (soziales Netzwerk)
- AI Solutions
- Cloud Computing
- Autonomes Fahren
- und viele Weitere
Ein Überblick über sämtliche Lösungen und Plattformen, welche unter Baidu Core zusammengefasst werden, kann Abbildung 1 entnommen werden. Eine Sache fällt dabei besonders auf: Das Unternehmen positioniert sich schon seit vielen Jahren bewusst als „AI Company“. Nach eigenen Angaben forscht Baidu seit 15 Jahren an der Technologie und legt großen Wert darauf, diese in die eigenen Lösungen einzubinden.
Streaming-Dienst iQIYI
Man kann Baidu nicht nur als Google-Äquivalent aus China, sondern auch als Netflix-Äquivalent betrachten. Im April 2010 hat das Unternehmen nämlich iQIYI ins Leben gerufen, einen Streaming Dienst, welcher anhand der aktuellen Marktanteile als größter Player dieser Branche im Reich der Mitte einzuordnen ist. Das Angebot von iQIYI erstreckt sich über Dramaserien, Filme verschiedener Genres, Kinderprogramme, Dokumentationen, Animes sowie die Live-Übertragungen von Sportevents. iQIYI kooperiert mit westlichen und anderen asiatischen Produktionsgesellschaften, arbeitet gleichzeitig aber auch an eigenen Inhalten. Am 29. März 2018 erfolgte der Börsengang von iQIYI in den USA, wobei Baidu als Hauptanteilseigner verbleibt.
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Historie von Baidu
Gründung von Baidu
Die Ursprünge des Unternehmens gehen auf die Arbeiten von Robin Yanhong Li in den 1990er-Jahren zurück. Zwischen 1994 und 1997 war Li bei IDD Information Services, einer Tochtergesellschaft von Dow Jones in New Jersey, tätig, wo er an der Entwicklung von Software für die Online-Ausgabe des Wall Street Journal sowie an Suchalgorithmen arbeitete. 1996 entwickelte er den RankDex-Algorithmus zur Bewertung und Rangordnung von Webseiten, für den er ein US-Patent erhielt. Dieses Verfahren, welches die Qualität von Webseiten anhand von Hyperlinks bewertete, bildete später die technologische Grundlage für die von Li mitbegründete Suchmaschine.
Am 18. Januar 2000 wurde dann Baidu von Li und Eric Xu gegründet. Im Jahr 2001 wurde ein Auktionssystem für Onlinewerbung eingeführt, bei dem Werbetreibende auf Anzeigeflächen bieten und pro Klick bezahlen konnten. In den folgenden Jahren erweiterte das Unternehmen sein Angebot unter anderem um Nachrichten- und Bildersuchfunktionen.
Börsengang und Akquisition
Fünf Jahre später folgte der Börsengang an der NASDAQ über eine in den Cayman Islands registrierte Holdingstruktur. Zwei Jahre später erhielt das Unternehmen als erste chinesische Suchmaschine eine offizielle Lizenz, eigene Nachrichten zu veröffentlichen. 2008 wurde der erste internationale Dienst in Japan gestartet, der jedoch 2015 wieder eingestellt wurde.
In den folgenden Jahren baute das Unternehmen seine Geschäftsaktivitäten durch Partnerschaften und technologische Innovationen aus. Im Jahr 2012 startete Baidu eine Kooperation mit Sina im Bereich mobiler Suchdienste und arbeitete zudem mit Qualcomm bei Cloud-Speicherlösungen zusammen. 2013 wurde “91 Wireless” übernommen, einer der größten App-Store-Betreiber in China. Im selben Jahr wurde die App „Personal Assistant“ vorgestellt, die sich an Geschäftsleute und Führungskräfte richtete.
Künstliche Intelligenz und Apollo
2014 erfolgte mit der Berufung von Andrew Ng zum Chief Scientist ein Aufschwung im Bereich der künstlichen Intelligenz. In der Zeit bei Baidu führte Ng Dinge wie die Gesichtserkennung oder auch den Healthcare KI-Chatbot “Melody” ein. Weiterhin entwickelte er die KI-Plattform “DuerOS”, was dem Unternehmen zu der Zeit einen Vorsprung gegenüber Google im Bereich KI verschaffte.
Vor seiner Zeit bei Baidu gründete Andrew Ng die Online-Lernplattform Coursera und leitete bei Google das interne Deep-Learning-Projekt Google Brain.
Im selben Jahr wurde auch Baidu Busca in Brasilien gestartet, sowie das brasilianische E-Commerce-Unternehmen Peixe Urbano übernommen, was die internationale Expansion vorantrieb.
Mit dem Start des Projekts Apollo im Jahr 2017 wurde der Einstieg in den Bereich autonomes Fahren getätigt. Baidu entwickelte eine offene Plattform für selbstfahrende Fahrzeuge, investierte in Forschung und Partnerschaften mit Automobilzulieferern wie Continental und Bosch und gründete einen Fonds zur Förderung entsprechender Projekte. Auch die chinesische Regierung erkannte das Potential des Unternehmens und zeichnete dieses als „AI Champion“ aus. Nach dem Listing an der US-Börse NASDAQ folgte 2021 eine Zweitnotierung an der Hongkonger Börse (HKEX), bei der rund 3,10 Mrd. USD eingeworben wurden.
Neueste Entwicklung
In der jüngeren Vergangenheit hat sich Baidu verstärkt auf die zentralen Themen der künstlichen Intelligenz konzentriert. Im Jahr 2022 wurde das erste autonome Konzeptfahrzeug aus dem Joint-Venture von Baidu und Geely “ROBO-01” vorgestellt. Mit dem autonomen Fahrdienst Apollo Go sammelten die Unternehmen wichtige Daten und erreichte mit Apollo 2023 sechs Millionen Fahrten in 11 verschiedenen Städten.
Gleichzeitig ging die Entwicklung eigener LLM weiter. Mit der Vorstellung von Ernie 4.0 wurde auch der KI-Chatbot Ernie vorgestellt. Gefolgt von den diesjährigen Veröffentlichungen von Ernie 4.5 und Ernie X1, das mit DeepSeeks R1-Modell vergleichbar ist, jedoch zu deutlich geringeren Kosten.
Aktionärsstruktur von Baidu
Die Aktionärsstruktur von Baidu wird vom CEO und Mitgründer Robin Yanhong Li angeführt. Er hält 19,10 % der Anteile, besitzt jedoch den Großteil über Class-B-Stammaktien, wodurch sein Stimmrechtsanteil 59,90 % beträgt. Er ist damit der Mehrheitsaktionär des Unternehmens. Die Mehrheit seiner Anteile hält er über die private Firma Handsome Reward, die auf den britischen Jungferninseln gemeldet ist. Zudem hält die Frau von Li, Melissa Ma, weitere 11,40% der Stimmrechte.
Ansonsten findet man noch einen der größten Vermögensverwalter der Welt auf der Liste. BlackRock hält 4,70% der Anteile von Baidu.
Geschäftsführung
Robin Yanhong Li
Li ist Co-Founder, Chairman und CEO von Baidu. Er verantwortet die übergeordnete strategische Ausrichtung sowie die operativen Geschäftsaktivitäten. Seit der Gründung des Unternehmens im Januar 2000 bekleidet Li die Position des Chairmans und ist seit Februar 2004 als CEO tätig. Zuvor war er von Februar 2000 bis Dezember 2003 als President tätig.
Vor der Gründung des Unternehmens arbeitete Li als Ingenieur bei Infoseek, einem frühen Pionier der Suchmaschinenbranche, sowie als Senior Consultant bei IDD Information Services. Darüber hinaus ist er Mitglied des Verwaltungsrats der New Oriental Education & Technology Group, einem privaten Bildungsdienstleister in China.
Li verfügt über einen Bachelorabschluss in Informationswissenschaften der Peking-Universität sowie einen Masterabschluss in Informatik von der State University of New York in Buffalo.
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