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Jungfraubahn Holding Aktie Analyse

Kaufchance am Top of Europe?

Analyse vom 11.10.2026

von Jan Fuhrmann und Adrian Rogl

Kurzvorstellung

Jungfraubahn Holding verkauft im Kern ein Erlebnis, an dem sich seit über 110 Jahren wenig geändert hat: die Fahrt zum höchstgelegenen Bahnhof Europas auf 3.454 Metern über dem Meer. Rund um diese Attraktion hat das Unternehmen ein Netz aus Ausflugsbergen, Skigebieten, Restaurants und Shops aufgebaut, das Gäste aus aller Welt anzieht. Genau diese internationale Kundschaft macht das Geschäft zuletzt allerdings anfälliger, denn im ersten Halbjahr 2026 blieben vor allem Reisegruppen aus Asien aus. Die Aktie hat zuletzt deutlich korrigiert. Ob sich daraus eine Kaufchance für langfristig orientierte Anleger ergibt, beantworten wir in dieser Analyse.

1. Das Unternehmen Jungfraubahn Holding

Geschäftsmodell von Jungfraubahn Holding

Einleitung und Kerngeschäft

Rund eine Million Menschen fahren jedes Jahr auf das Jungfraujoch, den mit 3.454 Metern über dem Meer höchstgelegenen Bahnhof Europas. Betrieben wird diese Verbindung von Jungfraubahn Holding, dem nach eigenen Angaben größten Bergbahnunternehmen der Schweiz. Die Holding hält Beteiligungen an zwölf operativ tätigen Tochtergesellschaften in der Jungfrau Region rund um Interlaken, Grindelwald, Wengen und Lauterbrunnen. Gemeinsam mit der Berner Oberland-Bahnen AG tritt sie unter der Marke „Jungfrau – Top of Europe“ auf, die operative Führung beider Gesellschaften übernimmt die Jungfraubahnen Management AG, an der Jungfraubahn Holding 67,00 % hält.

Die Geschäftstätigkeit gliedert sich in vier Segmente: Jungfraujoch – Top of Europe, Erlebnisberge, Wintersport sowie die Nebengeschäfte. Das Ziel ist ein ganzjähriges Freizeit- und Serviceunternehmen, das den Gast entlang der gesamten Reise begleitet, von der Anreise über die Bahnfahrt bis zu Gastronomie und Shopping auf dem Berg.

Jungfraujoch – Top of Europe als Herzstück

Das Kernprodukt ist die Fahrt mit der Zahnradbahn durch Eiger und Mönch bis auf das Jungfraujoch mitten im UNESCO-Welterbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch. Seit Dezember 2020 verkürzt der Eiger Express die Anreise: Die Seilbahn verbindet das Terminal in Grindelwald mit der Station Eigergletscher, sodass Gäste das Jungfraujoch in nur 45 Minuten erreichen. Der Anteil internationaler Besucher ist hoch, wobei Jungfraubahn Holding die Märkte in Kernmärkte, Satellitenmärkte und Zukunftsmärkte unterteilt und einen ausgewogenen Mix aus Gruppen- und Einzelreisenden anstrebt. Ergänzend betreibt das Unternehmen Restaurants entlang der Strecke, die Top of Europe Shops sowie einen Flagship Store in Interlaken.

Hervorzuheben ist, dass Jungfraubahn Holding die Zahl der Gäste auf dem Jungfraujoch nicht beliebig steigern kann. Mit Zeitfenstern im Eiger Express und Sitzplatzreservationen auf der Jungfraubahn lenkt das Unternehmen die Besucherströme, um an Spitzentagen Wartezeiten zu vermeiden. Künftig soll deshalb weniger die Zahl der Gäste, sondern der Ertrag pro Gast im Mittelpunkt stehen, etwa über flexible Preise, Premium-Angebote und eine Erweiterung der Infrastruktur auf dem Jungfraujoch.

Erlebnisberge, Wintersport und Nebengeschäfte

Das Segment Erlebnisberge umfasst Grindelwald-First mit dem Slogan „Top of Adventure“, den Harder Kulm oberhalb von Interlaken sowie Winteregg-Mürren. Diese Ausflugsziele ergänzen das Jungfraujoch vor allem im Sommer und verlängern die Aufenthaltsdauer der Gäste in der Region.

Im Wintersport hält Jungfraubahn Holding einen Anteil von über 60,00 % am Verbund Jungfrau Ski Region mit den Gebieten Kleine Scheidegg-Männlichen, Grindelwald-First und Mürren-Schilthorn. Zu den Nebengeschäften zählen schließlich das Kraftwerk Lütschental, das jährlich rund 60,00 GWh Strom produziert, die Parkhäuser in Grindelwald und Lauterbrunnen sowie die Management- und Vertriebsgesellschaften des Konzerns.

Historie von Jungfraubahn Holding

Konzession und Bau der Jungfraubahn

Die Geschichte des Unternehmens beginnt mit dem Zürcher Industriellen Adolf Guyer-Zeller, der sich am 20. Dezember 1893 um die Konzession für eine Zahnradbahn auf die Jungfrau bewarb. Das Parlament erteilte diese am 21. Dezember 1894, der Spatenstich folgte am 27. Juli 1896. Nach dem Tod von Guyer-Zeller im Jahr 1899 führten seine Söhne den Bau fort.

Etappenweise Eröffnung bis zum Jungfraujoch

Die Strecke wurde in mehreren Abschnitten eröffnet: 1898 bis zur Station Eigergletscher, 1903 bis zur Station Eigerwand und 1905 bis zum Eismeer. Am 1. August 1912 erreichte die Bahn schließlich das Jungfraujoch. Der ursprünglich geplante Weiterbau bis auf den Gipfel der Jungfrau wurde aus finanziellen Gründen nie umgesetzt. Die rund neun Kilometer lange Strecke verläuft zum größten Teil im Tunnel und überwindet etwa 1.400 Höhenmeter.

V-Bahn als größtes Projekt der jüngeren Geschichte

Am 5. Dezember 2020 nahm Jungfraubahn Holding die V-Bahn in Betrieb, ein Projekt mit einem Volumen von rund 470,00 Mio. CHF. Herzstück ist der Eiger Express, mit dem Gäste auf dem Weg zum Jungfraujoch 47 Minuten Reisezeit einsparen. Hinzu kommen eine neue Gondelbahn auf den Männlichen sowie das Terminal in Grindelwald Grund mit Anschluss an den öffentlichen Verkehr und einem Parkhaus.

Pandemie und Rückkehr zu Rekordwerten

Die Corona-Pandemie traf das Unternehmen hart: Im Jahr 2021 besuchten nur 365.300 Gäste das Jungfraujoch, 65,40 % weniger als im Rekordjahr 2019. Bereits im Geschäftsjahr 2023 erzielte Jungfraubahn Holding jedoch den höchsten Gewinn der Firmengeschichte, und 2025 überschritt der Umsatz erstmals die Marke von 300,00 Mio. CHF. Im Juni 2025 übernahm Oliver Hammel die Leitung des Unternehmens von seinem Vorgänger Urs Kessler.

Aktionärsstruktur von Jungfraubahn Holding

Größter bekannter Aktionär von Jungfraubahn Holding ist die Berner Kantonalbank mit einem Anteil von 10,04 %. Dahinter folgen die UBS Fund Management (Switzerland) AG mit 5,97 %, der Unternehmer Martin Haefner mit 5,10 % sowie die Medien- und Unternehmungsförderungsstiftung FERS mit 4,40 %. Die übrigen 74,49 % verteilen sich auf Aktionäre, die jeweils weniger als 3,00 % der Anteile halten.

Geschäftsführung

Oliver Hammel

Oliver Hammel führt Jungfraubahn Holding seit dem 13. Juni 2025 als Vorsitzender der Geschäftsleitung. Der 1982 geborene Schweizer absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Konstrukteur und war danach als Projektmanager und Servicetechniker in der Industrie tätig. Von 2010 bis 2015 verantwortete er für die EROWA AG von Shanghai aus Marketing, Verkauf und Service in Nordostasien.

Anschließend leitete Hammel bei der DKSH Holding den Geschäftsbereich Technologie im Markt China und zuletzt bis 2025 dasselbe Geschäft für Thailand, Laos, Kambodscha und Myanmar. Seine langjährige Erfahrung in Asien ist für Jungfraubahn Holding wertvoll, da asiatische Gäste eine der wichtigsten Kundengruppen auf dem Jungfraujoch bilden.

CEO-Vergütung

Für das Geschäftsjahr 2025 erhielt Hammel, der seit dem 1. März 2025 angestellt ist, eine Gesamtvergütung von 588,43 Tsd. CHF. Diese setzte sich aus einem fixen Gehalt in Höhe von 291,67 Tsd. CHF, einer variablen Erfolgsbeteiligung von 97,22 Tsd. CHF, vergünstigt bezogenen Aktien im Wert von 82,57 Tsd. CHF sowie Sachleistungen und Sozialversicherungsbeiträgen zusammen.

Sein Vorgänger Urs Kessler erhielt für das Geschäftsjahr 2024 eine Gesamtvergütung von 800,00 Tsd. CHF. Da Hammel 2025 nur zehn Monate angestellt war, sind die beiden Werte nur eingeschränkt vergleichbar.

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