• Feed
  • Aktien
  • Zalando Aktie Analyse – Deutscher Player im internationalen E-Commerce Kampf

Zalando Aktie Analyse 

XETR: ZAL

Von Jan Fuhrmann und Christian Lämmle

▲ Zalando SE Aktie | WKN: ZAL111 | ISIN: DE000ZAL1111 | Ticker: ZAL (Xetra)

Wenn es um Online-Versandhäuser geht, sollte den meisten Leuten direkt der Name des US-Konzerns Amazon in den Kopf springen. Doch seit 2008 mischt auch ein deutsches Unternehmen im hart umkämpften E-Commerce-Markt mit: Zalando. Vor allem mit sehr gutem Marketing und Hervorheben deutscher Qualität ist es dem Konzern gelungen, sich trotz starker Konkurrenz bis heute zu halten und zudem noch stark zu wachsen. Die Zalando Werbung „Schrei vor Glück“ aus den 2010er-Jahren war so einprägsam, dass wir uns noch daran erinnern können. Wir haben uns Zalando genauer angeschaut und die Frage beantwortet, ob Zalando auch in Zukunft noch ein starkes Wachstum bevorsteht & auch die Aktionäre aufgrund hoher Kursgewinne schreien dürfen.

Der Podcast zu unserer Aktienanalyse

Bitte logge Dich ein, um den Podcast anzuhören.

Inhaltsverzeichnis

Kurzportrait

Zalando ist ein Unternehmen, welches es seit der Gründung vor 13 Jahren in den DAX geschafft hat. Die Mode-Plattform ist inzwischen in großen Teilen Europas vertreten und konnte zuletzt auch als Profiteur aus der Pandemie hervorgehen. Im Laufe der Jahre expandierte man aber nicht nur geografisch, sondern auch in Bezug auf die Tätigkeitsfelder. Ursprünglich begann Zalando lediglich mit Schuhen und nun sind sie zuletzt sogar in den Markt der Kosmetikartikel eingestiegen.

Die beiden Gründer lernten sich im Studium kennen und führen das Unternehmen auch heute noch gemeinsam. Selbst der Besitzer von Bestseller (dazu gehören u. a. die Marken Jack&Jones und Vero Moda) ist beim E-Commerce-Konzern investiert. 

Die Analyse bezieht sich auf den Kenntnisstand unserer Recherche vom 04.12.2021.

WKN/ ISINZAL111 / DE000ZAL1111
BrancheNicht-Basiskonsumgüter
Peter Lynch EinordnungFast Grower
Fundamentales WLA-Rating?/10
Technisches WLA-Rating?/10
Porters Burggraben-Rating?/25
Marktkapitalisierung19,58 Mrd. EUR
Dividendenrendite0,00 %
KGV86,56
FirmensitzBerlin (Deutschland)
Gründungsjahr2008
Mitarbeiterüber 16.500
WKN/ ISINZAL111 / DE000ZAL1111
BrancheNicht-Basiskonsumgüter
Peter Lynch EinordnungFast Grower
Fundamentales WLA-Rating6/10
Technisches WLA-Rating5/10
Porters Burggraben-Rating13/25
Marktkapitalisierung19,58 Mrd. EUR
Dividendenrendite0,00 %
KGV86,56
FirmensitzBerlin (Deutschland)
Gründungsjahr2008
Mitarbeiterüber 16.500

Jetzt weiterlesen … 

Monatsabo
Jahresabo

1. Das Unternehmen

Historie

Gründung

Im Jahr 2008 gründeten David Schneider und Robert Gentz in Berlin den heutigen DAX-Konzern Zalando. Unterstützung erhielten die beiden von den Samwer-Brüdern, welche Kapital zur Verfügung stellten und auch schon vorher in der Start-up-Szene bekannt waren. Die Gründer kannten Oliver Samwer noch aus ihrer Studienzeit an der WHU – Otto Beisheim School of Management. Oliver Samwer hatte bereits vorher ein Unternehmen mit dem Namen “alando” und in Kombination mit dem spanischen Wort für Schuhe (“zapatto”) entstand schließlich der Name Zalando.

Vor über zehn Jahren begann in Berlin alles wie in einem typischen Start-up: Die WG wurde zum Büro und Warenlager umfunktioniert, die privaten Handynummern der Gründer wurden zu den Kundenhotlines und die Pakete brachte man alle selbst zur Post.

Ausweitung des Angebots 

Wie bereits erklärt leitet sich der Name Zalando u. a. vom spanischen Wort für Schuhe ab. 2009 erweiterte man aber den Geschäftsbereich bereits um Mode und Bekleidung im Allgemeinen und Zalando brachte auch eigene Kollektionen und Labels auf den Markt.

2012 wurde in Berlin mit einem Outlet-Store das erste Geschäft “vor Ort” eröffnet. Das Angebot des Premium-Shops EMEMZA und des Eigenmarken-Shops KIOMI stellte man im darauffolgenden Jahr ein.

Im Jahr 2015 wagte Zalando den Schritt noch tiefer in die Modewelt einzusteigen und kaufte die insolvente Berliner Modemesse “Bread & Butter” für Urban Streetwear. Nachdem man diese dann in abgewandelter Form in den nächsten Jahren veranstaltete, stellte Zalando die Messe 2018 ein.

Dass das Unternehmen gut wächst konnte man auch an dem geplanten Zalando Campus sehen, dessen Pläne Ende 2015 vorgestellt wurden. Für rund 140 Mio. EUR sollte in Berlin ein neuer Hauptsitz mit Platz für 5.000 Mitarbeiter entstehen. 2017 mietete man allerdings bereits weitere Bürofläche dazu und launchte auch Zalando Plus als neuen Service mit weiteren Vorteilen für die Kunden.

Seit 2018 ist Zalando auch im Segment der Kosmetikartikel tätig und eröffnete in Berlin sogar ein Ladengeschäft namens Beauty Station. Mit dem heutigen Zalando Zirkel bietet das Unternehmen seit 2018 auch einen Marktplatz für gebrauchte Kleidung an. Des Weiteren investierte das deutsche Unternehmen in das Start-up Magazine aus dem Bereich Logistik/Robotik. Ende 2019 verkaufte man den Streetwear-Händler Kicks Never Not Ballin, den man erst zwei Jahre vorher übernommen hatte.

Wie viele Unternehmen aus dem Sektor E-Commerce profitierte Zalando auch von der Corona-Pandemie bzw. von dem Lockdown. Zudem kündigte man ziemlich schnell ein Sparprogramm an, um die Sicherung der Arbeitsplätze zu gewährleisten und schloss eine Partnerschaft mit Unibail-Rodamco-Westfield Germany (Betreiber von Einkaufszentren). Dessen Händler erhielten so Zugriff auf die Onlinedienste von Zalando. Im Oktober 2020 gab Zalando die Übernahme vom Softwareentwickler Fision bekannt, um die positive Erfahrung der Kunden im Onlineshopping weiter zu fördern. Zalando beschreibt Fision selbst so: “Die innovative Fision-App für Größenempfehlungen ist sozusagen eine virtuelle Umkleidekabine und basiert auf modernster Computer-Vision-Technologie und hilft Kunden, Kleidungsstücke in der für sie perfekten Größe und Passform zu finden.”

Geografische Expansion

Das Angebot von Zalando und damit das Versandgebiet wurde stetig im europäischen Raum weiter ausgeweitet. Dabei lernte die Geschäftsführung auch ständig neue Dinge dazu, welche heute vielleicht einige schmunzeln lassen: Während hier in Deutschland fast jeder die Werbekampagne mit dem Motto “Schrei vor Glück” aus dem Fernsehen kennt, hat der Spot in den Niederlanden für riesige Verwirrung gesorgt und wurde gleich zwei Mal mit dem Preis der irritierendsten Werbung des Jahres ausgezeichnet.

Mit der geografischen Expansion ging auch die Eröffnung vieler weiterer Logistikstandorte in verschiedenen Städten einher. Darüber hinaus unterhält man inzwischen auch weitere Technologie-Standorte im Ausland.

Heute ist man in 23 europäischen Ländern vertreten, die eigene Website verzeichnete im vergangenen Jahr über 5 Mrd. Besuche und man verfügt über 46 Mio. aktive Kunden.

Börsengang

Bis zum Dezember 2013 war Zalando als GmbH tätig und vollzog dann eine Umwandlung zu einer Aktiengesellschaft (später dann zur SE). Im Oktober des darauffolgenden Jahres kam es schließlich zum Börsengang, welcher zumindest in den ersten Tagen wie ein Flop aussah. Fast 30 % musste Zalando gegenüber dem ersten Börsenkurs nach nur fünf Tagen einbüßen. Heute wissen wir, dass dies bis heute der tiefste Stand der Aktie war.

Beim Börsengang nahm Zalando insgesamt 605 Mio. EUR an frischem Kapital ein.

Strategie, Werte und Nachhaltigkeit

Vision und Mission

Zalando sieht sich selbst als innovativste Mode-Plattform im europäischen Raum, welche sich vom ursprünglichen Status als Pionier im E-Commerce hochgearbeitet hat. Heute möchte das Unternehmen die erste Anlaufstelle für den Bereich Mode sein.

Strategie

Zalando sieht in der eigenen Branche durch die zunehmend voranschreitende Digitalisierung ein großes Potenzial, welches man bestmöglich ausschöpfen möchte. Der Umbruch wird u. a. durch den Werbekanal der Influencer deutlich, der vor wenigen Jahren noch nicht in der Form existierte. Konkret sind für Zalando drei Faktoren entscheidend, die unter dem Aspekt der Plattformstrategie zusammengefasst werden: Kunden, Infrastruktur und Partner. In diesen Bereichen werden gezielt Investitionen vorgenommen.

Den Kunden möchte man das größtmögliche und saisonal aktuellste Sortiment mit der maximalen Verfügbarkeit anbieten. Zugleich soll das Onlineshopping stark auf das Individuum angepasst werden und der gesamte Einkauf soll so angenehm wie möglich gestaltet werden. Dazu gehört neben einem guten Kundenservice z. B. auch ein einfacher Rückgabeprozess der bestellten Ware.

In die Infrastruktur wird investiert, da alle Beteiligten (also sowohl der Kunde, aber auch die Markenpartner) von den positiven Auswirkungen profitieren. Dazu zählen neben der Technik und Logistik auch gewisse Analysewerkzeuge um Daten auszuwerten.

Dieser letzte Aspekt ist ein Grund für Marken auf das Partnerprogramm von Zalando zurückzugreifen und ihre Bestände auf der Plattform anzubieten. Der E-Commerce-Konzern bietet den Partnern einen Nutzen in Bezug auf Analytik, Werbung und Logistik. Die Kombination daraus macht Zalando als Plattform attraktiv für Marken, sodass im Endeffekt auch wieder die Kunden von einem wachsenden Angebot profitieren.

Das Zusammenspiel aus den drei Kernbereichen (Kunden, Infrastruktur und Partner) sieht Zalando als essenziell an, um das starke Wachstum weiter beizubehalten. Letztendlich verspricht sich das Unternehmen davon Skaleneffekte, von denen man zusätzlich profitiert.

Werte

Auch wenn Zalando inzwischen seit über zehn Jahren am Markt ist und zu den größten und wertvollsten deutschen Unternehmen gehört, so ist es weiterhin der Anspruch im Herzen, ein Start-up zu sein. Das zeichnet sich durch eine aktive Testkultur aus, wobei man sich auch den möglichen Risiken bewusst ist. Zalando sagt selbst, dass man diesen Kompromiss aber gerne eingeht, sofern die Risiken kalkulierbar und vertretbar sind. Ein Zitat von dem Konzern fasst diesen Ansatz gut zusammen: “Wir möchten einen wirklichen Mehrwert für unsere Kund*innen schaffen — und das am liebsten mit unkonventionellen Lösungsansätzen.”

Der DAX-Konzern betont außerdem wie wichtig die Punkte Diversität und Inklusion sind. Dies gilt einerseits innerhalb des Unternehmens, wo man eine inklusive Kultur (auch innerhalb der Führungsebene) fördert, aber auch in den Partnerschaften mit Marken und im Verhältnis mit den Kunden. Dahingehend soll die gesamte Branche im Sinne dieser Werte weiterentwickelt werden. Zalando strebt an der sogenannte “Starting Point of Fashion” zu sein, bei dem sich jeder willkommen fühlt.

Neben den Kunden, die im Mittelpunkt stehen sollen, wird der einzelne Mitarbeiter hervorgehoben, dessen Meinung immer zählt. Zalando setzt sich außerdem für eine faire Bezahlung und gleichen Behandlung für jeden ein und hat auch einen Ethikkodex ins Leben gerufen.

Nachhaltigkeit und Umwelt

Zalando sieht das Thema Nachhaltigkeit als eine Notwendigkeit an, nicht zuletzt auch deshalb, um auf dem Markt zu bestehen:

Wir sollten das Geld und die Zeit, die wir in unsere Nachhaltigkeitsvision fließen lassen, nicht als Kosten betrachten, sondern als Investition — damit wir für unsere Kunden relevant bleiben, unsere Rolle in der Modeindustrie noch klarer definieren und global die besten Mitarbeiter*innen gewinnen können.

Rubin Ritter, Co-CEO

Das Thema Nachhaltigkeit gliedert der DAX-Konzern in die Unterpunkte Erde, Produkte und Menschen. Viele Aspekte, die eben bereits bei den Werten des Unternehmens erläutert wurden, gehören auch zum letzten Nachhaltigkeitsbereich. Für die Zukunft setzt sich Zalando die folgenden Ziele:

Trotz der Ausführlichkeit der Darstellung der Themen Nachhaltigkeit, Werte, Umwelt etc. ist auch bei Zalando wie immer eine gesunde Skepsis angebracht. Immerhin handelt es sich um ein Wirtschaftsunternehmen, welches neben aller Ziele auch Gewinne anstrebt. Aus diesem Grund sollte abschließend ein Blick auf die bisherige Zielerreichung geworfen werden:

Aktionärsstruktur

Bei der Aktionärsstruktur von Zalando sind drei Anteilseigner hervorzuheben, welche von besonderer Bedeutung sind. Neben den Gründern, welche zusammen noch knapp über 5 % der Aktien halten, gehören der dänische Unternehmer Anders Holch Povlsen mit rund 10 % und die Investmentgesellschaft Baillie Gifford & Co. (über 11 %) zu den mächtigsten Mitbesitzern.

Grundsätzlich ist erst einmal positiv hervorzuheben, dass die Gründer noch immer mehr als 5 % der Anteile halten. Das ist zwar grundsätzlich nicht ungewöhnlich bei relativ jungen, stark wachsenden Unternehmen, aber auch keine Selbstverständlichkeit. In jedem Fall zeigt es, dass das Vertrauen in die eigene Vision weiterhin vorhanden ist.

Anders Holch Povlsen gilt als der reichste Mann Dänemarks mit einem Vermögen im zweistelligen Milliardenbereich (Forbes schätzt es auf 11,80 Mrd. USD). Seine Eltern sind die Gründer vom Modeunternehmen Bestseller, wozu z. B. Jack&Jones, Only und Vero Moda gehören.

Baillie Gifford & Co. verwaltet ein Vermögen von knapp 470 Mrd. USD und ist vollständig im Besitz der beteiligten Partner.

Geschäftsmodell

Einleitung

Zalando ist ein europaweit tätiger Konzern. Kern des Geschäfts ist eine Onlineplattform für Mode- und Lifestyleprodukte. Zalando dient dabei als Vermittler zwischen Markenpartnern, ähnlich wie auch bei Amazons E-Commerce-Sparte. Die Marken reichen von großen international bekannten Namen wie Adidas, Vans oder Hunkemöller bis hin zu lokalen Brands. Insgesamt umfasste das Sortiment Ende 2020 mehr als 3.500 Marken. Daneben verkauft man außerdem noch Eigenmarken.

So wie die bekannten US-Techunternehmen legt auch Zalando den Fokus auf ein starkes „Customer First“-Prinzip, sprich der Kunde steht im Vordergrund. Das bedeutet z. B. den Service der 100 Tage Rückgabegarantie und kostenlosen Versand (+ Rückversand). Mit „Zalando Plus“ versucht man außerdem in die Richtung von „Amazon Prime“ zu gehen und bietet für 15 EUR im Jahr eine Art Premiummitgliedschaft an (schnellere Lieferung, persönliche Stilberatung, Bevorzugung beim Kundenservice, Early Access bei den sog. “Hot Releases” und man erfährt es als erstes, wenn Artikel von der Wunschliste wieder verfügbar sind).

Zalando Fashion Store – Moderner Onlineshop

Der Zalando Fashion Store ist das bereits besprochene Herzstück des Unternehmens. Dieser Teil des Kerngeschäfts beinhaltet den kompletten Onlineshop mit allen angebotenen Marken und Kategorien sowie die App, welche im Prinzip dem Store entspricht. Das Ziel von Zalando ist es, der erste Anlaufpartner im Thema Mode zu werden. 2020 wurde die Anzahl der angebotenen Produkte um 40 % erhöht.

Kategorien

Um einen schönen Überblick zu den angebotenen Kategorien von Zalando zu schaffen, haben wir hier einmal alle wichtigen Kategorien beigelegt.

Auch wenn Onlineshops von großen Unternehmen vom Äußeren her oft gleich aussehen wie ein herkömmlicher, selbstgemachter Shopify-Store, steckt im Erfolgsrezept einer Plattform wie der von Zalando ein Haufen Technologie dahinter.

Ein einzigartiges Erlebnis schaffen

Zalando will ein differenziertes Benutzererlebnis für die eigene Kundschaft ermöglichen, sodass die Kunden sich auf der Seite wohlfühlen und immer wieder kommen. Das geschieht z. B. durch die Initiative „Brand Homes“, bei der die Marken, welche Zalando anbietet ihre eigene Geschichte erzählen. Wir erinnern uns: Gutes Marketing und eine persönliche, emotionale Bindung zum Kunden herstellen. Über „Get the Look“ lassen sich außerdem vorgefertigte Outfits kaufen, für alle, die eventuell keine Bekleidungsexperten sind. Das ganze hat man mit “Zalon” nochmal ausgebaut. Hier können Kunden sich von Experten Outfits zusammenstellen lassen, auf Basis von Vorlieben, Budget und weiteren Metriken. Das Outfit wird dann über eine Box an die Kunden gesendet. Auch hier gilt wieder kostenloser (Rück-)versand und Rückgaberecht, wenn die Kleidung nicht passt. 

Zalando hat außerdem das Schweizer Unternehmen Fision übernommen, welches 3D-Body-Scans ermöglicht. Dadurch will man eines der größten Probleme beim Onlineshopping beseitigen: Das Finden der richtigen Passform bei einem Kleidungsstück. Mit „Pre-Owned“ können Nutzer ihre alten Klamotten abgeben und erhalten dafür eine Gutschrift. Auf der anderen Seite kann man diese Klamotten auch wieder nach „Second-Hand“-Prinzip erwerben.

Dieser Kundenfokus ermöglicht Zalando den anhaltenden Erfolg auch gegen große Konkurrenten mit tiefen Brieftaschen.

Connected Retail

In Zeiten der Digitalisierung ist Onlineshopping für klassische Offlinehändler und Marken (z. B. Nike, Polo Ralph Lauren und Tommy Hilfiger) von immer größerer Bedeutung, um auch in Zukunft überleben zu können. Zalando will das Bindeglied in der Digitalisierung für diese Unternehmen sein. Hierfür stellt man die komplette Logistik- und Marketingstruktur bereit: Zalando Marketing Services bietet neben einer Influencer-Plattform mit 500.000 registrierten Partnern z. B. auch vollumfängliche Marketingstrategien und Datenerhebungen zu der möglichen Zielgruppe. Die Marken profitieren von diesen Dienstleistungen massiv. Bspw. konnte laut der Website von Zalando Marketing Services die Marke Puma ein Jahreswachstum von 100 % abliefern. Auch andere Marken waren im Wachstum ähnlich dynamisch. Somit wird deutlich, dass Zalando eine hohe Beliebtheit bei den Marken selbst schafft.

Insgesamt geht der Trend ja immer wieder zu „Support your local Business“. Vor allem durch Corona waren viele Offlinehändler durch lange Lockdowns stark angeschlagen. Das hat dazu geführt, dass die Zahl von angeschlossenen, stationären Modehändlern im Jahr 2021 wahrscheinlich auf über 6.000 steigen wird, im Vergleich zum Vorjahr „nur“ 2600. Sprich mehr als eine Verdopplung. Das Ganze zusätzlich zu den bereits vorhandenen, international bekannten Marken.

Was Deutschland shoppt sieht man in den Top Kategorien auf Zalando.de.

Zalando Lounge – Das Paradies für Schnäppchenjäger (Offprice-Segment)

Zalando Lounge ist ein weiterer Geschäftszweig von Zalando. Während der Zalando Fashion Store ein festes Sortiment mit einem saisonal ausgerichteten Angebot bereitstellt, geht es bei Zalando Lounge um Verkaufsaktionen für einen bestimmten Zeitraum.

Das Angebot überschneidet sich mit dem des Fashion Stores. Auch hier liegt der Fokus auf Mode, Accessoires und Beauty von verschiedenen Marken. Erweitert wird das Angebot aber durch Möbel und Wohnausstattung. Vor allem nach Corona, aufgrund dessen viele Teile der Bevölkerung eher schlechter wirtschaftlich dastehen, hat sich dieses Angebot bewährt gemacht. Außerdem ist Deutschland ja bekannterweise das Land der Schnäppchenjäger.

Zalando Outlet Stores (Offprice-Segment)

Das Prinzip von Sonderangeboten und überschüssiger Ware hat Zalando außerdem durch stationäre Outlet Stores erweitert. Zwischen 2012 und 2020 wurden davon inzwischen zehn Stück eröffnet. Hier bietet man den eigenen Partnern auch nochmal die Möglichkeit, nicht verkaufte Waren loszuwerden.

Bei der App wurden mehrere Social-Media-Elemente miteingebaut, die Zahlungen „sozialisieren“ sollen. Über die App kann man z. B. einfach Rechnungen untereinander aufteilen. Im Moment ist die App nur in den Vereinigten Staaten verfügbar.

Burggraben

Zalando kann hier durchaus einen soliden Burggraben vorweisen. Der Onlinehändler schaffte es im Jahr 2020 erstmalig mehr Erlöse als sein direkter Konkurrent Otto.de zu erzielen (Abbildung 22). Mit einem Mehrwert von 302 Mio. EUR ist dies doch eine betrachtliche Summe. Ferner findet sich Zalando, zu sehen in Abbildung 23 auch in den Top 3 der umsatzstärksten Onlineshops (inkludiert alle Segmente) wieder.

Weitere Merkmale für einen Burggraben sind:

Wiedererkennungswert

Seit Beginn der massiven Werbekampagne „Schrei vor Glück“ hat man sich die weiß-orangenen Pakete mittlerweile schon gut eingeprägt und kann diese relativ stark mit Zalando verbinden.

Erfahrung beim Onlineversand von Mode

Wir sehen den Versand von Mode doch etwas komplexer an als den simplen Versand von bspw. Büchern. Hier spielt nicht nur der schnelle Versand eine Rolle, nein auch der Zustand der Ware, die Größe, die Passform, reale Farbgebung und vieles mehr wirken zudem mit ein. Dadurch ergibt sich auch eine viel höhere Anzahl an Retouren. Neue Mitbewerber werden es aus unserer Sicht hier schwer haben, diese optimierten Systeme in kurzer Zeit anzuwenden.

Porters Five Forces

Nachstehend die Branchenstrukturanalyse nach Michael E. Porter. Diese dient einer Einordnung von externen Kräften, welche auf die Unternehmen einer Branche einwirken. Unsere Skala reicht hierbei von 0 bis 5. Je besser Zalando aufgestellt ist, desto höher ist die Punktzahl, welche wir vergeben.

Externe Kraft Stärke Begründung
Rivalität unter bestehenden Wettbewerbern 3/5 Trotz der starken Konkurrenz können wir hier guten Gewissens 3/5 Punkte vergeben. Zalando ist in Deutschland Marktführer, und auch im restlichen Europa zumeist in den Top 3 der Online Modehändler zu finden.
Bedrohung durch neue Wettbewerber 3/5 Als größter etablierter Marktteilnehmer im Bereich Modeonlinehandel hat Zalando sich zumindest innerhalb Europas bereits erfolgreich positioniert. Neue Anbieter müssten hierzu erst massive Kosten aufwenden und sich eine Kundenbasis aufbauen. 3/5 Punkte
Verhandlungsmacht der Lieferanten 2/5 Zalando ist als Online Händler für Textilien stark abhängig von den Lieferanten bzw. den Anbietern auf deren Onlineplattform. Die Anbieter könnten versuchen ihre Ware über andere Plattformen zu verkaufen und somit die Nutzerschaft und auch damit einhergehend die Marktstärke von Zalando zu schwächen. Durch die Dienstleistungen, welche gegenüber den Marken erbracht wird, wird allerdings auch eine gewisse Abhängigkeit im Verhältnis zu Zalando als Marktplatz generiert. Deswegen vergeben wir 2 von 5 Punkten für diesen Teilbereich.
Verhandlungsmacht der Kunden 2/5 Auch die Verhandlungsmacht der Kunden sehen wir in diesem Marktumfeld als stark ausgeprägt an. Vielen Kunden stehen hier vielen Händlern gegenüber. Ein Anbieterwechsel ist für Kunden jederzeit und ohne damit verbundene Kosten möglich. Produkte können auch über andere Plattformen erworben werden, gleichbleibende Qualität natürlich vorausgesetzt. Zalando Plus relativiert diese verhältnismäßig schwache Position von Zalando allerdings etwas, da eine gewisse Kundenbindung erzeugt wird.
Bedrohung durch Ersatzprodukte 3/5 Wie bereits bei der Rivalität unter bestehenden Wettbewerbern erwähnt, operiert Zalando in einem stark umkämpfen Markt. Es gibt zahlreiche Alternativen die ebenfalls Modeartikel anbieten. Daher nur 3 von 5 Punkten.

Geschäftsführung

David Schneider und Robert Gentz

David Schneider und Robert Gentz gründeten Zalando im Jahr 2008 und führten den Konzern zum heutigen Erfolg. Die Positionen des Vorstandsvorsitzenden und CEO teilen sie sich. Sie gehören zudem auch noch immer zu den größten Anteilseignern, was insgesamt eine Kombination ergibt, die man bei Unternehmen nicht sehr häufig antrifft.

Beide studierten an der renommierten Otto Beisheim School of Management (WHU) in Karlsruhe, entwickelten dort eine Freundschaft und schrieben auch ihre Diplomarbeit gemeinsam. Nach dem Studium zogen die beiden nach Berlin und gründeten 2008 Zalando. Aus der Freundschaft entstand also ein gemeinsames Unternehmen, welches heute zu den wertvollsten in Deutschland gehört.

2. Fundamentale Ansicht

Kennzahlen

Aktienfinder
Aktienfinder

Die Prognosen aus diesem Abschnitt werden vom Aktienfinder zur Verfügung gestellt.

Customer KPI

Neben den wichtigen Kennzahlen wie Umsatz, EBIT sowie Konzerngewinn inkl. Margen, verwendet Zalando noch weitere interessante Kennzahlen zur Unternehmensbewertung.

Anzahl der Bestellungen

Neben den Umsatzerlösen ist die Anzahl der Bestellungen ein wichtiger Leistungsindikator für Zalando. Dieser Indikator ist ebenfalls ein wesentlicher Wachstumstreiber. 2020 hat sich die Anzahl der Bestellungen von 144,90 Mio. im Jahr 2019 auf 185,50 Mio. erhöht (28,02 %). In den ersten 9 Monaten des Jahres 2021 konnte Zalando bereits eine Bestellungsanzahl von 177,40 Mio. verzeichnen. Dadurch ist es sehr wahrscheinlich, dass das Wachstum im Jahr 2021 ähnlich wie in 2020 ausfällt. 

Aktive Kunden

Der Zalando Konzern misst seinen Erfolg auch an der Entwicklung der Anzahl aktiver Kunden. Jeder Kunde mit mindestens einer Bestellung innerhalb des letzten Jahres (bezogen auf den Stichtag) wird als aktiv betrachtet. Im Jahr 2020 hat sich die Anzahl der aktiven Kunden im Vergleich zum Vorjahr um 7,80 Mio. (24,84 %) von 31 Mio. auf nunmehr 38,70 Mio. erhöht. Ebenfalls konstant erhöht hat sich die durchschnittliche Anzahl an Bestellungen je aktivem Nutzer. 2014 lag diese Kennzahl noch bei 2,82. Im Q3 2021 bereits bei 5,10. Grundsätzlich lässt sich daraus somit herleiten, dass aktive Kunden gerne wiederholt bei Zalando einkaufen. 

Seitenaufrufe

Steigende Site-Visits unterstützen das Umsatzwachstum durch eine höhere Anzahl an Bestellungen und höhere Werbeumsätze. Gegenüber dem Vorjahr erhöhten sich die Site-Visits 2020 um 29,10 %. Insgesamt waren es 5.393,6 Mio. Aufrufe. Sehr interessant ist der stark steigende Mobileanteil. 2014 lag der prozentuale Anteil der Aufrufe durch mobile Endgeräte bei 42,3 %. 2020 betrug dieser bereits 86,3 % und im Q3 2021 waren es sogar 91,0 %. Daran wird deutlich, wie wichtig die mobilen Nutzer für Zalandos Erfolg sind.

Diese und noch weitere Kennzahlen, wie bspw. der Wert des durchschnittlichen Warenkorbs, lassen sich in der hier eingefügten Excel nachvollziehen.  

Umsatz

Entwicklung

Anhand der Abbildung 27 wird schnell ersichtlich — Zalando ist ein Wachstumsunternehmen. Konkret belaufen sich die Erlöse für das Geschäftsjahr 2020 auf 7,98 Mrd. EUR. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einer Steigerung von 23,10 % (6,48 Mrd. EUR). Seit 2016 (3,64 Mrd. EUR) konnte sich der Umsatz mehr als verdoppeln, bis 2023 (14,38 Mrd. EUR) soll dies entsprechend den Erwartungen der Analysten nochmal geschehen. Die letzten fünf Jahre waren somit mit einem jährlichen Wachstum von 21,70 % pro Jahr geprägt. Zwischen 2020 und 2023 sollen die Erlöse von Zalando ebenfalls mit ähnlichem Wachstum von 21,68 % pro Jahr anwachsen.

Wie auch PayPal, das Unternehmen unserer letzten Analyse, ist Zalando ebenfalls ein Profiteur der Corona-Pandemie. Das starke Wachstum ist insbesondere auf die durch die Coronakrise beschleunigte Verlagerung der Kundennachfrage hin zu digitalen Angeboten, die schnelle und konsequente Antwort des Unternehmens auf die Krise und die damit verbundene Fokussierung auf die Umsetzung der Plattformstrategie zurückzuführen.

Umsatzverteilung nach Segmenten

Die Umsatzverteilung in den Segmenten des Zalando-Konzerns wird in Abbildung 28 dargestellt. Der überwiegende Teil der Umsätze setzt sich aus den Erträgen aus dem Verkauf von Handelsware zusammen. Hier wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr 7,32 Mrd. EUR an Erlösen erzielt. Dies entspricht einer Umsatzverteilung von 92 %. 660 Mio. EUR sind Erträgen übriger Dienstleistungen zuzuschreiben.

Der Posten „Verkauf von Handelsware“ kann noch in drei Subsegmente unterteilt werden:

  • Fashion Store – Sortiment des Onlineshops
  • Offprice – Abverkauf von Vorsaison-Artikeln
  • Sonstige Segmente
 

Von den 7,32 Mrd. EUR belaufen sich 86,08 % auf die Erlöse durch den Onlineshop, 11,60 % auf Erlös durch den Abverkauf der Vorsaison- Sortimente und die restlichen 2,32 % sind sonstigen Segmenten zuzuordnen.

2020 stieg der Umsatz im Offprice-Segment im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 48,30 % und die EBIT Marge verbesserte sich deutlich um 4,90 Prozentpunkte von 3,50 % im Jahr 2019 auf 8,40 % im Jahr 2020. Das starke Wachstum des Segments Offprice im Jahr 2020 ist größtenteils auf die herausragende Entwicklung der Zalando Lounge zurückzuführen.

Der Umsatz im Segment Fashion Store stieg im Vergleich zum Vorjahr um 21,70 %. Das starke Wachstum resultiert aus dem herausragenden Neukundenwachstum infolge der allgemeinen Verlagerung der Kundennachfrage hin zu digitalen Angeboten sowie der beschleunigten Umsetzung der Transformation der Plattform in ein stark wachsendes Partnerprogramm. Das Segment Fashion Store wies 2020 eine starke Rentabilität auf und erwirtschaftete eine EBIT Marge von 4,10 %, was einem Anstieg von 1,00 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Umsatzverteilung nach Regionen

Zalando ist wahrhaftig ein europäisches Unternehmen. Aktuell ist das Unternehmen in 20 europäischen Märkten aktiv. Stärkstes Kundenwachstum erfolgte in den letzten Jahren vor allem in Südeuropa (Frankreich, Spanien, Italien).

Die DACH-Länder haben im aktuellen Geschäftsjahr 46,34 % des Gesamtumsatzes generiert. In absoluten Zahlen entspricht dies einem Wert von 3,67 Mrd. EUR für 2020. Gleichzeitig sind die in den übrigen europäischen Ländern erzielten Umsätze solide gestiegen und tragen ebenfalls zum Gesamtwachstum bei. Mittlerweile werden mehr als die Hälfte der Erlöse außerhalb der DACH-Region erzielt. Im berichteten Zeitraum betrugen hier die Erlöse 4,25 Mrd. EUR (53,66 %).

Zur Erklärung, die DACH-Region bezieht sich auf folgende Länder:

  • Deutschland
  • Österreich
  • Schweiz

Den Großteil der restlichen europäischen Länder werden als „Übriges Europa“ erfasst.

EBIT und Konzerngewinn

Neben dem herausragenden Umsatzwachstum erzielte Zalando ein EBIT in der Höhe von 367 Mio. EUR (Vorjahr: 165,80 Mio. EUR) und verbesserte die EBIT Marge um 2,00 Prozentpunkte von 2,60 % im Vorjahr auf 4,60 % im berichteten Zeitraum. Diese EBIT Steigerung wurde insbesondere durch eine Verbesserung des Gemeinkostenverhältnisses infolge der zunehmenden Skaleneffekte und unternehmensweiten Sparmaßnahmen sowie durch einen erheblichen Rückgang der Retourenquoten im Jahresvergleich begünstigt. In den kommenden drei Jahren wird ähnlich den Erlösen ein solides Wachstum prognostiziert. Hier soll sich das EBIT auf 611,19 Mio. EUR in 2023 belaufen, was einem jährlichen Wachstum von 18,53 % entspricht.

Auch der Konzerngewinn entwickelte sich parallel ähnlich dem EBIT. Im Jahr 2020 konnte Zalando einen Gewinn von 226,10 Mio. EUR vorweisen. Dieser ist seit 2016 um jährlich 17,04 % angestiegen und soll auch weiterhin bis 2023 um jährlich 23,34 % auf 424,24 Mio. EUR ansteigen.

Margen

Die Operative- als auch Nettomarge waren seit 2016 leicht rückläufig. Zuletzt konnten sich beide Werte, nicht nur Dank des positiven Effekts der Pandemie, wieder stabilisieren. Im Jahr 2020 erwirtschaftete Zalando eine EBIT Marge von 4,60 %. Wie bereits erwähnt liegt diese Marge um 2,00 Prozentpunkte höher als noch im Vorjahr. Obwohl wir im dritten Quartal 2021 einen Rückgang auf 0,40 % sehen, erwarten Analysten für die nächsten Jahre einen Wert um die 4 %. 

Die Nettomarge hingegen soll in Zukunft stärker anwachsen und sich von derzeit 2,80 % auf 3 % im Jahr 2023 steigern. Dies entspricht einem jährlichen Wachstum von 1,36 %.

Dividendenpolitik

Zalando SE wird wie auch in den Jahren zuvor, weiterhin keinen Gewinn in Form einer Dividende an die Aktionäre ausschütten. Laut einer Erklärung der Geschäftsführung wird jeder Überschuss sofort in Investitionen zum Wachstum des Unternehmens gesteckt.

Historische Kennzahlen

KUV

Anhand der Abbildung 32 lässt sich gut erkennen, dass das Kurs-Umsatz-Verhältnis konstant um seinen mittleren Durchschnitt der letzten Jahre pendelt. Der Mittelwert beläuft sich hier auf 2,02. Dies ergibt sich vor allem aus der Tatsache, dass der Umsatz im Verhältnis zur Marktkapitalisierung ähnlich schnell gewachsen ist. Zum Erscheinungszeitpunkt dieser Analyse beläuft sich das KUV auf einen Wert von 2,45. Zum Ende des letzten Geschäftsjahrs betrug die Kennzahl 2,03. Orientiert man sich an den erwarteten Umsatzerlösen für 2023, so liegt das KUV in drei Jahren bei 1,45.

KGV

Die Kennzahl des Kurs-Gewinn-Verhältnisses liegt aktuell bei 86,56. Zum Jahresabschluss lag dieser Wert bei 71,67 und ist somit deutlich unter dem Mittelwert der letzten Jahre angesiedelt. Dieser Rückgang im Jahr 2020 ist auf den erhöhten Konzerngewinn zurückzuführen. Bis 2023 soll die Bewertungskennzahl weiter absinken und sich auf 49,13 belaufen.

KBV

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis von Zalando entwickelte sich ähnlich analog zum KUV und liegt nahe dem errechneten Mittelwert (6,55) dieser Kennzahl. Das KBV bewegte sich in den letzten Jahren zwischen 5,75 und 6,91. Derzeit wird Zalando mit dem 9,10-fachen Eigenkapital bewertet. Analysten erwarten für die nächsten Jahre keine große Veränderung und so soll das KBV im Jahr 2023 bei 6,73 liegen.

Einordnung nach Peter Lynch

Wir sind im Abschnitt der Kennzahlen bereits auf die hohen Wachstumsraten der Vergangenheit sowie die prognostizierten zweistelligen Erwartungen bis 2023 eingegangen. Basierend auf diesen Werten wird Zalando nach der Klassifizierung durch Peter Lynch daher als Fast Grower eingestuft.

Fundamentales Wir Lieben Aktien-Rating

Im Wir Lieben Aktien-Rating bekommt Zalando 6 von 10 Punkte. Als Fast Grower sticht hier vor allem das starke Wachstum hervor. Umsatz sowie EBIT inkl. Marge sollen wie bereits erwähnt im zweistelligen prozentuellen Bereich pro Jahr anwachsen. Leider müssen wir aber Punkte bei der aktuell niedrigen EBIT Marge sowie einer Eigenkapitalquote von weniger als 50 % abziehen. Auch das erwartete KGV in fünf Jahren liegt mit 44,29 höher als unser Kriterium zur Punktvergabe.

3. Konkurrenzvergleich und Branchenanalyse

Allgemeine Infos über die Branche

Der Begriff E-Commerce bezeichnet Kauf- bzw. Verkaufsvorgänge über das Internet. In anderen Worten sprechen wir hier vom elektronischen Handel bzw. Onlinehandel. Je nach Art der Handelsteilnehmer wird u. a. zwischen folgenden Bereichen unterschieden:

  • B2B-E-Commerce (Firmenkundengeschäft zw. Unternehmen und Lieferanten)
  • B2C-E-Commerce (Handel zw. Unternehmen und Konsumenten — Onlineversandhandel)
  • C2C-E-Commerce (Handel zw. Privatpersonen wie z. B. eBay)
 

Zalando findet sich in der Kategorie Business-to-Customer (B2C) wieder. Auch hier muss noch weiter unterschieden werden. So umfasst das B2C Segment alle Warengruppen, angefangen von Bekleidung über Möbel, Bücher, Lebensmittel bis hin zu Medikamenten und Elektroartikeln. Also die Gesamtheit aller gehandelten Waren. Da Zalando sich vorwiegend auf Bekleidung, sprich Fashion oder zu Deutsch „Mode“ spezialisiert hat, betrachten wir zunächst dieses Segment im Detail. Mode wird in drei Segmente unterteilt:

  • Beinhaltet den digitalen Verkauf von fast allen Arten von Kleidungsartikeln (z. B. T-Shirts, Mäntel, Hosen, Unterwäsche, …).
  • Die Hauptvertriebskanäle in diesem Marktsegment sind Mehrmarkenhändler (z. B. Zalando, AboutYou, Asos usw.) und Onlineshops einzelner Modehändler (z. B. Zara).
  • Dieser Bereich umfasst alle Arten von Schuhen (z. B. Straßenschuhe, Hausschuhe etc.) — ausgenommen Sportschuhe — sowie Schuhzubehör und Pflegeprodukte.
  • Die wichtigsten Vertriebskanäle in diesem Marktsegment sind Mehrmarkenhändler und Onlineshops für Schuheinzelhändler (z. B. Clarks).
  • Dieses Segment enthält verschiedene Arten von Taschen und Zubehör. Enthalten sind z. B. Ledertaschen, Koffer und Geldbörsen, Schmuck, Mützen oder auch Schals und Handschuhe.
  • Die wichtigsten Vertriebskanäle in diesem Marktsegment sind u. a. die bereits genannten Onlinehändler oder spezielle Einzelhändler wie eBags.

Fashion ist das größte B2C-E-Commerce Marktsegment. Im Jahr 2021 wird die Marktgröße auf 878,30 Mrd. USD geschätzt. Analysten erwarten ein voraussichtliches Marktwachstum von 9,10 % pro Jahr und somit eine Gesamtmarktgröße von 1.164,70 Mrd. USD bis Ende 2025.

Bekleidung ist die größte Kategorie im Fashion E-Commerce mit einem Umsatz von 776,90 Mrd. USD bis 2025. Bezogen auf den Gesamtbereich Fashion stellt Bekleidung somit 66,70 % des Marktes dar. Die Bereiche Kleidung sowie Taschen und Zubehör werden voraussichtlich am stärksten wachsen. Hier wir ein jährliches Wachstum von 9,46 % bzw. 10,12 % pro Jahr erwartet. Der Bereich Schuhe soll nur auf 6,35 % Wachstum pro Jahr kommen.

Geografisch betrachtet liegt der größte Online Modemarkt in China. Laut der von Statista erhobenen Daten, hat der Markt bereits ein Gesamtvolumen von 337,80 Mrd. USD und ist mit Abstand der größte Online Modemarkt im Jahr 2020 nach Regionen. Analysten erwarten von Chinas Online Modehandel ein jährliches Wachstum von 9,30 % und eine Volumenentwicklung, die doppelt so groß sein dürfte wie der US-Umsatz im Jahr 2025. Relevante Akteure auf dem US-Markt sind Onlineshops von den Händlern Gap und Macy’s sowie der reine Online-Gigant Amazon. 

Der europäische Modemarkt ist in diesem Vergleich der drittgrößte mit einem Volumen von 130,80 Mrd. USD im Jahr 2020. Große Online-Player im Bereich Mode in Europa sind Zalando, Next, Asos, die Otto Group sowie H&M. Hier wird bis 2025 ein Anstieg von 7,90 % p. a. erwartet.

Überblick über die Konkurrenz

Kennzahlen

In folgender Tabelle vergleichen wir die direkten Konkurrenten von Zalando anhand der Kennzahlen. Die zuvor angeführten Unternehmen wie Macey’s, Next usw. werden hier außen vorgelassen, da diese ,wie schon erwähnt, keine reinen Mode Onlinehändler sind.

Unternehmen Zalando AboutYou Asos H&M
WKN / ISIN ZAL111 / DE000ZAL1111 A3CNK4 / DE000A3CNK42 912703 / GB0030927254 872318 / SE0000106270
Mitarbeiter > 16.500 885 3.129 132.000
Hauptsitz Berlin, Deutschland Hamburg, Deutschland London, Vereinigtes Königreich Stockholm, Schweden
Marktkapitalisierung 19,65 Mrd. EUR 3,85 Mrd. EUR 229,32 Mrd. GBP 234,03 Mrd. SEK
Umsatz 7,98 Mrd. EUR 1,16 Mrd. EUR 3,26 Mrd. GBP 187,03 Mrd. SEK
Umsatzwachstum (letzten 5 Jahre) 21,70 % p.a. 71,45 % p.a. 22,59 % p.a. -4,20 % p.a.
Erwartetes Umsatzwachstum (nächsten 3 Jahre) 21,68 % p.a. 40,70 % p.a. 21,18 % p.a. 7,09 % p.a.
EBIT 367 Mio. EUR -57,1 Mio. EUR 151,10 Mio. GBP 3,10 Mrd. SEK
EBIT Marge 4,6 % -4,9 % 4,6 % 1,7 %
Nettogewinn 226,10 Mio. EUR -59,90 Mio. EUR 113,24 Mio. GBP 1,24 Mrd. SEK
KUV 2,45 3,36 0,70 1,40
KGV 86,56 - 20,22 213,34
KBV 9,10 1,82 1,06 4,12
Eigenkapitalquote 33,12 % 11,96 % 35,85 % 31,33 %

Die wohl bekannteste Alternative zu Zalando im deutschsprachigen Raum ist der Mode Onlineshop AboutYou. AboutYou funktioniert ganzlich ähnlich wie Zalando. Mehr als 1.200 Marken für Jung und Alt sowie Influencer-Kollektionen lassen sich bei diesem Anbieter finden. Bemerkenswert ist der markante Umsatzanstieg der letzten Jahre. Hier konnte AboutYou mit kräftigen 71,45 % p. a. in den letzten fünf Jahren wachsen und liegt somit im direkten Konkurrenzvergleich auf Platz 1.

Die britische Zalando Alternative Asos spricht vor allem jüngere Kunden an. Laut Asos verfolgt das Unternehmen immer die aktuellen Trends, denn nicht umsonst sagt Asos von sich selbst, dass sie 40.000 Modestile von über 800 Marken im Angebot hätten. Mit knapp der Hälfte an generierten Umsatz kann Asos eine ähnliche Wachstumsrate von 22,59 % p. a. vorweisen (vgl. Zalando).

Das schwedische Textilunternehmen H&M aus Stockholm ergänzt die Tabelle. H&M ist kein reiner Onlinehändler, denn der Konzern bietet seine Ware auch über den stationären Handel weltweit an. H&M wuchs auf den Umsatz bezogen in den letzten fünf Jahren ähnlich stark wie die zwei zuvor genannten Konkurrenten.

Performance seit 5 Jahren

In den letzten fünf Jahren entwickelte sich Zalando deutlich besser als die gezeigten Konkurrenten. Während Asos und H&M am schlechtesten abschneiden, steht About You minimal besser da. Hier muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Aktie erst seit einigen Monaten an der Börse gelistet ist und daher noch nicht über eine lange Charthistorie verfügt.

4. Chancen und Risiken

Chancen

Europäisches Logistiknetzwerk (1)

Eine große Stärke bzw. Chance zum Erhalt der Marktführerschaft sowie der Schlüssel zu Zalandos Zielen und Visionen sehen wir in Zalandos aufgebauten europäischen Logistiknetzwerk. Aktuell existieren zwölf Logistikzentren quer durch Europa, wobei zwei davon in diesem Jahr eröffnet wurden und noch weitere sieben bis acht bis 2025 fertiggestellt werden sollen. Diese zum Teil automatisierte Infrastruktur soll als Fundament für die langfristigen Wachstumsambitionen von Zalando dienen. Schwerpunkt soll vor allem die Kundenerreichbarkeit sein. Zalando fokussiert sich hierbei auf schnellere und bequemere Lieferoptionen für den Kunden. Sprich die Lieferung der Ware oder auch die Retoure möchte Zalando überwiegend zeitsparend und kosteneffizient gestalten.

Zalando Plus (2)

Hier möchte man mit einem Abomodell die Kunden loyal an sich binden. Vorteile dieses Modells sind, ähnlich zum Prime Produkt von Amazon:

  • schnellerer Versand der Ware innerhalb weniger Tage ohne Mehrkosten oder zum Teil sogar Zustellung noch am selben Tag
  • vorzeitige Benachrichtigung — ausverkaufte Produkte wieder auf Lager 
  • erweiterter Kundenservice

Bezogen auf die Zahlen des Geschäftsberichts erreicht Zalando mit diesem Premiummodell eine zusätzliche Kundenbindung und es zeigt sich ein 3x höherer Warenumsatz pro Kunde im Vergleich zu einem Käufer, der nicht Zalando Plus nutzt. Mittlerweile liegt die Zahl der Zalando Plus Kunden bei über 500.000. Aktuell ist dieses Treueprogramm noch nicht in allen Märkten verfügbar. Betrachtet man die Tatsache, dass bereits jetzt mehr als 50 % (53,66 %) des Umsatzes in 2020 außerhalb der DACH-Region war, so sehen wir hier durch die flächendeckende Einführung von Zalando Plus noch deutlich Potenzial für ein starkes Wachstum innerhalb Europas.

Risiken

Weltweite Expansion nur schwer vorstellbar (1)

Eintrittswahrscheinlichkeit: niedrig-mittel
Auswirkung: hoch

Aufgrund der Aktivitäten der Samwer Brüder (Risikokapitalgeber) und der restlichen Investoren von Zalando sehen wir bei der Expansion von Zalando außerhalb von Europa gewisse Risiken. Zur Erklärung — die Samwer Brüder galten als dreiste Kopisten, die anderen ihre Geschäftsmodelle abschauten und zum eigenen Vorteil in anderen Länder umsetzten. Bspw. haben sie bereits mehrere Onlineboutiquen außerhalb Europas aufgebaut und hochgezogen. Im asiatischen Raum entstand so der Onlinehändler „Lazada.com“, der im Jahr 2016 an Alibaba verkauft wurde. Ähnliche Clone entstanden in Nigeria, Pakistan oder auch auf der arabischen Halbinsel. Einige davon unterscheiden sich in der Struktur und dem Aufbau nur geringfügig von Zalando, andere ähneln eher stärker der Plattform Amazon, die aber ebenfalls Mode anbietet. Daher sehen wir zumindest den Markteintritt und die Expansion in die Länder, in denen das Konzept von Zalando von den Samwer Brüdern bereits vielfach kopiert und abgewandelt worden ist, als sehr unwahrscheinlich bzw. sogar ausgeschlossen an. Des Weiteren gibt es auch von der Unternehmensführung derzeit keine konkreten Pläne oder Ambitionen, außerhalb Europas zu expandieren.

Aktuell sehen wir eine Festigung als Markführer in der DACH-Region sowie eine in den restlichen 17 aktiven europäischen Märkten als wahrscheinlicher an. Dies bestätigen auch die solide gestiegenen Umsätze in den übrigen europäischen Ländern, also außerhalb der DACH- Region im berichteten Zeitraum. Hier stiegen die Umsätze 22,90 % zum Vorjahr.

Lieferkettenprobleme (2)

Eintrittswahrscheinlichkeit: mittel-hoch
Auswirkung: hoch

Zalando konnte als Online Modehändler trotz der schwankenden Situation bezogen auf die Lieferketten doch deutlich von der Corona-Pandemie profitieren. So war es z. B. zu Beginn der Pandemie eine enorme Herausforderung, auf die massiv gestiegenen Anfragen zu reagieren. Obwohl sich die Lage im Laufe des letzten Jahres deutlich gebessert hat, scheint es so als hätte sich das Blatt erneut gewendet. Zalando und auch andere Onlinehändler leiden massiv unter nachlassender Konsumfreude, steigenden Löhnen sowie erhöhten Frachtkosten und die damit einhergehenden Lieferkettenprobleme. Es wirkt so, als wäre vorerst der Corona-Boom vorbei und die Wachstumsraten würden sich normalisieren. So sank im dritten Quartal das bereinigte operative Ergebnis von 188,20 Mio. EUR auf 9,80 Mio. EUR bei einer Marge von 0,40 %. Zudem wurde ein Verlust von 8,40 Mio. EUR berichtet. Bezogen auf EBIT und die EBIT Marge sehen wir hier ähnliche Werte als vor Pandemieausbruch (2019: 6,30 Mio. EUR, 0,40%).

Auch bei der sinkenden Bruttomarge wurde dies sehr deutlich. Bei den zukünftigen Quartalsergebnissen sollte man somit vor allem diese Werte im Auge behalten.

Auch viele der direkten Konkurrenten vermelden Gewinnrückgänge. So ist z. B. Asos noch stärker von den Lieferkettenproblemen betroffen, da aufgrund des Brexits ein zusätzlicher Mangel an Arbeitskräften herrscht.

Beachtlich positiv zeigt sich jedoch Zalando’s Geschäftsführung, die trotz aller Unsicherheiten in Bezug auf Inflation und Lieferketten die angehobene Prognose für 2021 bestätigen. Hier sieht man für das aktuelle Geschäftsjahr einen Umsatzwachstum von 26-31% sowie ein bereinigtes EBIT in der oberen Hälfte der Spanne von 400-475 Mio EUR.

5. Unsere Bewertung

Der fiktive Eigenkapitalzins

Zalando ist in der Modebranche tätig. Da man zusätzlich (hauptsächlich) im E-Commerce tätig ist, sollte man natürlich auch diesen Faktor miteinfließen lassen. Insgesamt nehmen wir als Grundannahme 8 %. Einen Sicherheitszuschlag von einem Prozent vergeben wir für die immer stärker werdende Konkurrenz. Ebenfalls ist die Eigenkapitalquote bei nur knapp über 30 %. Da die Liquidität allerdings die verzinsten Schulden übersteigt, gibt es hier nur einen Zuschlag von einem weiteren Prozent.

Im Ergebnis ist der fiktive Eigenkapitalzins bei 10 %.

Optimistisches Szenario

Hier kalkulieren wir, dass Zalando mit 15-20 % pro Jahr weiterwächst und die EBIT Marge auf bis zu 8,50 % steigt. Geht man aggressiver vor, so kann man unserer Meinung nach auch von EBIT Margen von bis zu 11 % ausgehen. Hierfür müsste Zalando aber die Bruttomarge tendenziell steigern und von Skaleneffekten profitieren. Wir gehen daher konservativer an die Bewertungsszenarien heran.

Der faire Wert soll dann bei 79,01 EUR liegen. Damit wäre Zalando derzeit fair bzw. leicht unterbewertet.

Für 2031 rechnen wir durch das immer noch solide Wachstum mit einem KGV von 25. Damit ergibt sich eine Renditeerwartung rund 12,10 % pro Jahr.

Pessimistisches Szenario

In diesem Fall kalkulieren wir mit schwächeren Wachstumsraten, welche ab 2022 bei 15 % starten. Zudem soll die EBIT Marge geringer wachsen und dann final auch nur 6,30 % betragen. Ebenfalls kalkulieren wir ein Jahr ein, in welchem das Wachstum zurückgeht.

Dadurch kommen wir auf eine Überbewertung von 104 % und einem fairen Wert von 39,27 EUR.

Die Renditeerwartung bei einem KGVe 2031 von 23 liegt dann auch nur bei 4 % pro Jahr.

Unsere Einschätzung

Ich persönlich sehe die optimistische Variante als durchaus realistisch an. Zalando kann vor allem in Europa noch sehr stark expandieren und im Ergebnis noch stark wachsen. Auch bei der Marge glaube ich an eine konstante Verbesserung durch Skaleneffekte. Daher sehe ich unter derzeitigen Umständen 10-12 % pro Jahr als relativ realistische jährliche Rendite an.

Die genaue Berechnung kann der Exceltabelle durch einen Klick entnommen werden. 

6. Technische Ansicht

Charttechnische Trendeinordnung

Übersicht

Langfristig

Der sehr langfristige Trend von Zalando ist übergeordnet aufwärtsgerichtet und wurde vor allem nach dem Corona-Crash enorm beschleunigt. Dies ist nicht weiter verwunderlich, denn man ging als ein Profiteur aus der Pandemie hervor. Die Aufwärtsstruktur im Monats-Chart wurde jedoch gebrochen, sodass hier ein neutraler Trend vorliegt.

Mittelfristig

Mittelfristig hat Zalando vor einiger Zeit den Aufwärtstrend gebrochen und dann eine Abwärtsbewegung eingeleitet. In den letzten Wochen bis Monaten konnte sich die Aktie zwar wieder stabilisieren, aber das reicht noch nicht für einen neuen Aufwärtstrend. Die Trendstruktur ist weiterhin abwärtsgerichtet.

Kurzfristig

Kurzfristig ist Zalando wieder in einem Aufwärtstrend gewesen, wobei die übergeordnete Abwärtsrichtung nicht außer Acht gelassen werden sollte. Die leicht aufwärtsgerichtete Bewegung der vergangenen Wochen hat sich nun als Bullenfalle entpuppt und ein tieferes Tief wurde ausgebildet. Aktuell ist der Trend noch neutral bis abwärtsgerichtet, aber mit einem nachhaltig tieferen Tief unter 73,60 EUR läuft der Abwärtstrend definitiv.

Aussicht

Aufgrund der extrem starken Aufwärtsbewegung nach dem Corona-Crash ist die aktuelle Korrektur durchaus als angemessen einzuordnen. Die derzeitige Stabilisierung sollte noch mit einer gewissen Skepsis betrachtet werden und erst sobald das Zwischenhoch bei 87,36 EUR mit der damit zusammenhängenden Widerstandszone nachhaltig überboten wurde, kann man von einer nachhaltigen Bodenbildung sprechen. Zuvor besteht noch immer eine realistische Chance, dass die Aktie auf neue Tiefs abrutscht und die Korrektur des übergeordneten langfristigen Aufwärtstrends ausweitet.

Technisches Wir Lieben Aktien-Rating

Im technischen Wir Lieben Aktien-Rating erzielt Zalando 5 von 10 möglichen Punkten.

Abzüge gibt es bei Widerständen oberhalb des aktuellen Kurses, welche mit Volumen unterfüttert sind, und für die Trendstabilität. Von 2014 bis 2019 war letztere noch nicht so schön ausgeprägt wie im weiteren Verlauf. 

7. Fazit

Das Unternehmen ist sehr erfolgreich und konnte sich mit seiner Marke durchaus einen kleinen Burggraben erschaffen. So hat man sich als Anlaufstelle für Mode gut positioniert und will dies mit der Ausrichtung als Plattform bzw. Marktplatz für Mode noch stärker festigen. Wir sehen die Transformation zum plattformbasierten Geschäftsmodell als wegweisend an. Auch einige andere bekannte Unternehmen etablierten sich als Plattform. Als Beispiel möchten wir hier den App Store von Apple (App-Entwickler und Smartphone-Nutzer) sowie YouTube (Videoproduzenten und Zuschauer) nennen.

Zalando ist bis dato eine erfolgreiche deutsche Wachstumsstory und sofern die Prognosen für die nächsten Jahre eintreten, wird das Unternehmen noch weiterhin profitabel wachsen und seine Marktanteile im europäischen Raum ausbauen können.

Zalando befindet sich das erste Mal seit dem Corona-Crash in einer größeren Korrektur, welche aufgrund der starken Zugewinne in 2020 auch als gesund anzusehen ist. Dennoch ist unsicher, ob die aktuelle Stabilisierung bereits eine nachhaltige Bodenbildung darstellt. 

Autoren dieser Analyse: 

Christian Lämmle
Christian Lämmle

"Markets are never wrong, only opinions are."
- Jesse Livermore

Live Kursdaten von Tradingview

Transparenzhinweis und Haftungsausschluss:
Die Autoren haben diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten aber nicht garantieren. Es findet keinerlei Anlageberatung durch “Wir Lieben Aktien”, oder durch einen für “Wir Lieben Aktien” tätigen Autor statt. Dieser Beitrag soll eine journalistische Publikation darstellen und dient ausschließlich Informationszwecken. Die Informationen stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Börsengeschäfte sind mit erheblichen Risiken verbunden. Wer an den Finanz- und Rohstoffmärkten handelt, muss sich zunächst selbstständig mit den Risiken vertraut machen. Der Kunde handelt immer auf eigenes Risiko und eigene Gefahr. “Wir Lieben Aktien” und die für uns tätigen Autoren übernehmen keine Verantwortung für jegliche Konsequenzen und Verluste, die durch Verwendung unserer Informationen entstehen. Es kann zu Interessenkonflikten kommen, durch Käufe und einen darauffolgenden Profit durch eine positive Kursentwicklung von in Artikeln erwähnten Aktien. 

Mehr Infos unter: https://wir-lieben-aktien.de/haftungsausschluss/