Burggraben

Erinnernd an den Geschichtsunterricht, eine ländliche Wanderung oder eine Dokumentation über das Mittelalter, scheinen Burggräben auf den ersten Blick keine Korrelation mit Aktien oder dem Investieren im Allgemeinen aufzuweisen. Doch hinter dem Begriff steckt auch heute noch derselbe Sinn, wie vor mehreren hundert Jahren.

Burggräben besitzen Unternehmen, deren Geschäftsmodell nicht ohne Weiteres kopiert oder übernommen werden kann. Sie machen das Unternehmen und damit ein Investment in dieses besonders stabil und zukunftssicher. Das ist auch am Aktienkurs erkennbar, denn die Entwicklung dieser Unternehmen ist auf lange Sicht deutlich gewinnbringender als von Firmen ohne Alleinstellungsmerkmal. Bei der Analyse eines Unternehmens hinsichtlich ihres Burggrabens kann nach vier wesentlichen Gesichtspunkten vorgegangen werden:

Starke Marke

Ausgezeichnet durch ein exzellentes Branding ziehen Produkte oder Dienstleistungen starker Marken die Kundschaft regelrecht an. Potenzielle Kunden vertrauen auf die Meinung der Masse und bescheren dem Unternehmen so einen steigenden Umsatz. Denke hierbei beispielweise an die AirPods, den In-Ear Bluetooth-Kopfhörer von Apple, oder an Schuhe der Firma Nike. Weniger verbreitete Marken haben es deutlich schwerer sich gegen die Vorherrschaft durchzusetzen.

Patente

Erfindungen werden weltweit mit Patenten gesichert und verbieten anderen Unternehmen die Kopie des Inhalts – selbst, wenn sie technologisch dazu in der Lage wären. Die meisten Anmeldungen neuer Patente (3800) im Jahr 2020 gingen von Samsung aus. Durch Patente ist das Unternehmen in der Lage seine Produkte oder Dienstleistungen zu Preisen anzubieten, die möglicherweise deutlich über den Alternativen der Konkurrenz liegen. Nintendo patentierte beispielsweise den Game Boy 1989 als „Hand-held electronic game“.

Monopol

Im direkten Zusammenhang mit dem vorherigen Punkt steht die Monopolstellung. Firmen mit vielen Patenten können sich aufgrund ihrer Marktstellung zu einem Monopol entwickeln und den Markt somit beherrschen. Möglicherweise gibt es zwar Alternativen der Konkurrenz, Substitute werden jedoch nicht zu finden sein. Ein Beispiel ist das Schienennetz der Deutschen Bahn.

Kundschaft

Unternehmen mit Burggraben zeichnen sich dadurch aus, dass sie renommierte Firmen als Kunden haben. Der sogenannte Netzwerkeffekt beschreibt, wie sich der Nutzen von einem Produkt für einen Konsumenten ändert, wenn sich die Anzahl anderer Konsumenten desselben Produktes ändert. Der Effekt tritt auf, wenn die Zahlungsbereitschaft einer Person von der Zahl der Nutzer dieses Produktes abhängt. Vereinfacht lässt sich sagen: Je mehr Kunden das Unternehmen hat, desto eher ist ein potenzieller Kunde ebenfalls bereit die Produkte oder Dienstleistungen zu erwerben.

Beispiele für Unternehmen mit stark ausgeprägtem Burggraben sind Apple, ASML, Coca-Cola, Facebook und Illumina.