Was sind Burggraben Aktien?

Der insbesondere von Warren Buffett geprägte Begriff Burggraben (engl. moat) steht für ein schwer angreifbares Geschäftsmodell bei einem Konzern. Entstehen kann ein solches beispielsweise durch Wettbewerbsvorteile (Kostenvorteile, Netzwerkeffekte, Patente, …) braucht für seine Entwicklung allerdings zumeist viele Jahre. In unseren bisherigen Aktienanalysen überzeugte gerade Alphabet mit einem guten Ranking.

Erfahre in diesem Artikel zudem wie man eine entsprechende Einordnung vornehmen kann, ab wann ein schwer angreifbares Geschäftsmodell vorliegt und welche Aktien den besten Burggraben besitzen.

Inhaltsverzeichnis Burggraben

Burggraben

Was ist ein Burggraben?

Der Ursprung dieses Begriffes ist auf den Star-Investor Warren Buffett zurückzuführen, der das Wort Burggraben erstmalig in einem Brief an die Aktionäre von Berkshire Hathaway verwendete. Seitdem prägt der Begriff den Aktienmarkt. Auch heute schreibt Warren Buffet noch Briefe an die Aktionäre, eine entsprechende Übersicht von Shareholder Letters seit 1977 findet ihr hier

In der Finanzwelt steht der Begriff „Burggraben“ (engl. moat) für ein Geschäftsmodell, das von der Konkurrenz nur schwer angegriffen- und nachgebildet werden kann. Ein Burggraben entsteht beispielsweise durch enorme Wettbewerbsvorteile wie Patente oder positive Skaleneffekte und geben sowohl dem Unternehmen als auch uns Anlegern Sicherheit. Allgemein steht der Begriff für eine gesicherte Marktposition des Konzerns, der unter anderem wiederkehrende Gewinne, die das Unternehmen erwirtschaften kann, zur Folge haben kann. 

Was sind Burggraben Aktien?

Burggraben Aktien sind kurzgesagt Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf einem sehr breiten Burggraben basiert und die Marke somit nicht ohne Weiteres kopiert- oder von der Konkurrenz übernommen werden kann. Ausschlaggebende Kriterien für einen breiten Graben sind beispielsweise hohe Wechselkosten, die Kunden an das Unternehmen binden, sowie Kostenvorteile (Skaleneffekte) gegenüber den Konkurrenten oder auch Netzwerkeffekte und andere Wettbewerbsvorteile wie Patente der Marke .

Sie machen das Unternehmen und damit ein Investment in dieses besonders stabil und zukunftssicher, stellen allerdings immaterielle Vermögenswerte dar. Die Stabilität ist auch am Aktienkurs (Preis) erkennbar, denn die Entwicklung dieser Unternehmen ist aus langfristiger Sicht deutlich gewinnbringender als von Firmen ohne Alleinstellungsmerkmal. In jeder Aktienanalyse von uns berücksichtigen wir die Porters Five Forces, um den Burggraben eines Unternehmens zu bewerten. Hinweise auf eine sichere Marktstellung können beispielsweise langanhaltende Erhöhungen der Dividende oder hohe Kapitelrenditen geben, auch wenn diese Faktoren noch nicht allein für einen breiten Burggraben stehen.

Erklärung der Porters Five Forces

Die Porters Five Forces sollen möglichst viele Aspekte des Unternehmensumfeldes widerspiegeln und mithilfe dieser Methode eine Einordnung im Hinblick auf die Stärke des Burggrabens zulassen. Hierbei gibt es, wie der Name bereits sagt, insgesamt fünf Kräfte, die eine Rolle spielen und somit Anlegern ein besseres Bild vermitteln sollen. Wichtig zu verstehen ist, dass sich ein ausgebauter Burggraben über mehrere Jahre entwickeln und etablieren muss. Allerdings kann sich die „breite“ des Burggrabens innerhalb eines Quartals schon wieder ändern.

1. Rivalität unter bestehenden Wettbewerbern

Im Rahmen dieses Aspekts wird beurteilt, inwieweit die Rivalität unter bereits bestehenden Wettbewerbern ausgeprägt ist. Beeinflusst wird dieser Punkt unter anderem durch die Anzahl der Unternehmen innerhalb der Branche, die Größe der Unternehmen, die jeweilige Produktdifferenzierung oder auch mögliche Preissenkungen und Kostenvorteile. 

2. Bedrohung durch neue Wettbewerber

Beim zweiten Punkt der Bedrohung durch neue Wettbewerber geht es vorrangig darum einzuordnen, wie wahrscheinlich es ist, dass neue Unternehmen in den Markt vordringen und Marktanteile erobern können. Es wird also beurteilt, wie sehr die Eintrittsbarrieren der Industrie ausgeprägt sind. Dieser Punkt wird u.a. durch die Kostenintensität der Branche beeinflusst.

3. Verhandlungsmacht der Lieferanten

Lieferanten und intakte Lieferketten sind für den reibungslosen Betrieb unverzichtbar. Aus diesem Grund wird auch die Verhandlungsmacht der Lieferanten beurteilt. In diesen Punkt fließt beispielsweise die Anzahl der Lieferanten mit rein. Wenn Kuchen herstellt, es jedoch nur eine Person gibt, die Mehl verkauft ist die Verhandlungsmacht entsprechend sehr hoch.

4. Verhandlungsmacht der Kunden

Die Verhandlungsmacht der Kunden vereint die Fähigkeit der Kunden, das Unternehmen unter Druck zu setzen, was sich auch auf die Sensibilität der Kunden gegenüber Änderungen an den Preisen bezieht. Die Verhandlungsmacht der Kunden ist insbesondere dann hoch, wenn sie viele Alternativen haben und ebenso niedrige Wechselkosten besitzen.

5. Bedrohung durch Ersatzprodukte

Beim letzten Punkt der Bedrohung durch Ersatzprodukte wird geschaut wie wahrscheinlich es ist, dass ein neues Produkt auf den Markt kommt, das den selben Bedarf stillt. Auch hier geht es um mögliche Wechselkosten der Kunden, aber auch um die Qualität der Ersatzprodukte und -dienstleistungen. Ein alltägliches Beispiel wären unter anderem Fleischersatz-Produkte.

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Burggraben der Alphabet Aktie

In jeder Analyse nehmen wir hierzu eine Einordnung vor, und vergeben entsprechend unserer Einordnung fünf mögliche Punkte. Als Beispiel ist nachfolgend ein Auszug aus unserer Alphabet Aktienanalyse zu der Bewertung des Burggrabens nach Porters Five Forces:

1. Rivalität unter bestehenden Wettbewerbern

Innerhalb der verschiedenen Segmente steht Alphabet im Wettbewerb mit ebenso großen und etablierten Konzernen. Im Cloud-Bereich sind in diesem Zusammenhang insbesondere Amazon und Microsoft zu nennen. Als wichtige Konkurrenten im Advertising-Business können z. B. Meta Platforms und ByteDance identifiziert werden. Aufgrund der starken Positionierung von Alphabet vergeben wir dennoch 3 von 5 Punkten.

2. Bedrohung durch neue Wettbewerber

Alphabet und seine bestehenden Mitbewerber zeichnet eine Eigenschaft aus: Sie verfügen über vorteilhafte Netzwerkwerkeffekte und es ist ihnen gelungen, die angebotenen Dienstleistungen tief in das Leben vieler Menschen zu integrieren. Aus diesem Grund sehen wir keine erhebliche Bedrohung durch neue Wettbewerber gegeben und stufen diese externe Kraft daher als gering ein und vergeben deshalb 4 von 5 Punkten.

3. Verhandlungsmacht der Lieferanten

Als Lieferanten von Alphabet können zum einen Auftragsfertiger für die Hardwareprodukte des Unternehmens (Fitbit, Google Nest, Smartphones) identifiziert werden. Zum anderen kooperiert der Konzern im Rahmen des Google Networks mit sogenannten Distribution Partners (z. B. Apple), welche Google auf ihren Lösungen standardmäßig zur Verfügung stellen und dafür eine Gebühr verlangen. Da Alphabet für viele dieser Unternehmen einen wichtigen Geschäftspartner darstellt, vergeben wir 4 von 5 Punkte.

4. Verhandlungsmacht der Kunden

Über 80 % der Einnahmen von Alphabet entstammen dem Werbegeschäft. Theoretisch könnten die Werbetreibenden ihre Aktivitäten auf Google und YouTube ohne signifikante Wechselkosten jederzeit beenden. Dass die beiden Plattformen zu den beliebtesten Internetseiten überhaupt zählen, unterstreicht allerdings deren Bedeutung für Online-Advertising, weshalb wir die bessere Verhandlungsposition bei Alphabet sehen und ebenfalls 4 von 5 Punkten vergeben.

5. Bedrohung durch Ersatzprodukte

Für das Kerngeschäft von Alphabet existieren aus unserer Sicht aktuell keine Ersatzprodukte, welche eine ernstzunehmende Bedrohung darstellen könnten. Zudem nehmen wir Alphabet als äußerst innovatives und zukunftsgerichtetes Unternehmen wahr, welches aktuelle technologische Entwicklungen wie autonomes Fahren, künstliche Intelligenz und Quantum Computing stets im Blick hat. Daher vergeben wir die volle Punktzahl.

Wie findet man Aktien mit einem guten Burggraben?

Die Suche nach dem gesicherten Geschäftsmodell ist an der Börse weit verbreitet und ist gerade bei langfristig orientierten Aktionären von hohem Interesse geprägt. Den einen richten Ansatz gibt es hierbei unserer Meinung nach nicht. Wir geben dir nun ein paar hilfreiche Tipps, wie du Aktien mit einem starken Burggraben einfacher finden kannst. 

Technische Analyse zur Filterung

Alle Informationen sind im Aktienkurs abgebildet – so lautet eine der grundlegenden Annahmen der technischen Analysten, die auch bei unseren Aktienanalysen so praktiziert wird. Mithilfe der technischen Analyse ist es möglich, bereits früh uninteressante Werte zu filtern und seinen Fokus auf die wirklich interessanten Unternehmen zu legen.

In unserem Ausbildungsbereich lernst du genau dieses Thema und kannst hierdurch allgemein uninteressante Aktien streichen. Die tiefgründige und vertiefende Bewertung des Burggrabens bedarf dann unserer Meinung nach die Hilfe der Fundamentalanalyse.

Fundamentale Analyse zur Vertiefung

Bei der Fundamentalanalyse gibt es etliche Anhaltspunkte, die man sich im Zusammenhang mit der Beurteilung des Burggrabens anschauen kann. Von der Historie der Dividenden zur Stabilitätsbewertung bis hin zu Kapitalrenditen, Gewinnmargen oder der Größe von Marktanteilen ist alles dabei und formt mithilfe verschiedenster Faktoren das Gesamtbild. 

Wichtig hierbei ist in diesem Zusammenhang der Branchen- bzw. Konkurrenzvergleich. Aus unserer Sicht macht es wenig Sinn Rahmenvorgaben für z. B. Gewinnmargen mitzugeben, da hier die Branchenverhältnisse zu beachten sind. Eine Apple oder Microsoft ist in dem Fall ganz anders einzuordnen als eine Coca Cola. Genauso ist dies auf andere Kennziffern wie den Gewinn je Aktie übertragbar. Man sollte also bei der Verwendung spezieller Kennzahlen darauf achten, diese in einen branchenüblichen Kontext zu setzen und erst hiernach die Einordnung vorzunehmen. 

Zur Fundamentalanalyse gehört in diesem Schritt aber noch weitaus mehr als nur das Betrachten von ein paar Kennzahlen oder der Historie von Dividenden. Gerade für die Beurteilung des Burggrabens ist ein weitaus tiefgründigerer Blick notwendig. Gibt es Wechselkosten, die den Kunden an den Konzern binden könnten? Hat das Unternehmen Vorteile im Hinblick auf den Wettbewerb, wie zum Beispiel ein Patent auf eine neue, sehr beliebte Technologie? Dies sind nur zwei von vielen Fragestellungen, die man sich in diesem Zusammenhang stellen könnte. 

Auch, dass es schwer sein wird, ganz ohne subjektive Einschätzungen eine entsprechende Beurteilung vornehmen zu können. Es gibt keine handfesten Regelungen, ab wann ein Unternehmen einen starken Burggraben besitzt, auch mit Einordnungen wie in unseren Analysen oder der Verwendung von speziellen Kennzahlen ist dies schwer. Dies sollte jeder Analyst berücksichtigen und klarstellen.

Was ist ein gutes Burggraben-Rating?

Leider lässt sich wie so oft keine allgemeingültige Aussage formulieren, ab welcher Punktzahl ein guter Burggraben vorliegt. Dies liegt daran, dass die Anzahl der Punkte für einen Burggraben oftmals auch mit Strukturen in der Branche selbst zusammenhängen und eine niedrige Punktzahl daher nicht für ein schlechteres Unternehmen stehen muss.

Betrachtet man beispielsweise die Punktzahl von Alphabet im Beispiel oben lässt sich sagen, dass der Burggraben vom Unternehmen als standfest beschreiben lässt. Unter Berücksichtigung der branchentypischen Umstände könnte man allerdings annehmen, dass ein Wert von mindestens 15 Punkten aufwärts für einen starken Burggraben steht. Hierbei ist gerade bei unseren Analysen wichtig durchzulesen, weshalb es Punktabzüge gab.

Heutzutage gibt es bereits sogar speziell auf starke Burggräben, bzw. auf eine starke Marktposition ausgelegte ETFs. Ausführliche Artikel sowie Erklärungen bietet hierbei gerade VanEck, die die moat ETFs darlegen und mit dem VanEck Morningstar Wide Moat ETF den wohl bekanntesten Burggraben-ETF anbieten. Beim Vergleich der Rendite, schneidet dieser wesentlich besser ab und konnte über einen dargestellten Zeitraum von etwa 15 Jahren mit der Strategie wesentlich höhere Gewinne an der Börse einfahren. Die WKN des von uns beschriebenen ETFs lautet A2P6EP.

Welche Aktien haben den besten Burggraben?

Erst vor kurzem veröffentlichte Morningstar einen neuen Artikel im Zusammenhang mit 5 Dividendenaktien mit breitem Burggraben. Bei Morningstar schnitt hierbei Verizon Communications mit insgesamt 5 Sternen am besten ab und besitzt damit laut ihnen den besten Graben und eine gesicherte Marktstellung.

Die Frage nach dem besten Burggraben zu beantworten, ist selbstverständlich aber nicht ganz so einfach. Wenn Anleger an Vorteile in der Markstellung denken, würden mit Sicherheit viele im ersten Moment an Unternehmen wie Coca Cola oder Apple denken. Im Endeffekt können auch wir nicht genau definieren welche Aktie den besten Burggraben hat, einfach weil eine solche Beurteilung auch viel Subjektives enthält.

Was wir an dieser Stelle allerdings schon zur Hilfe ziehen können, ist unser Burggraben Rating, das wir in jeder Analyse vergeben und anhand dessen versuchen den breitesten Burggraben definieren. Die bisher höchste Punktzahl hat hierbei Alphabet bekommen, die 20 von 25 möglichen Punkten (80 Prozent) bekommen haben und weiter oben auch als Beispiel angeführt wurde. Auf Platz 2 und 3 wurden einmal die Elia Group und ASML folgen, jeweils mit insgesamt 19 Punkten. Bei der Elia Group war hierbei gerade die nicht replizierbare Infrastruktur ausschlaggebend, bei ASML war es gerade die Monopolstellung im Bereich der EUV-Technologie.  

Unsere ganze Analyse zu der Macht im Suchmaschinen-Bereich und dem aufstrebendem Cloud-Giganten findest du hier, ebenso ob sich ein Investment in diesen Wert lohnt:

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