
Autodesk Aktie Analyse
Das Bindeglied zwischen Vision und Realität
Analyse vom 01.05.2022
von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann
Kurzvorstellung von Autodesk
Wie wird aus einer Vision Realität? Stell Dir vor Du hast eine bahnbrechende Idee. Was ist der nächste Schritt? Irgendwie musst Du die Idee aus Deinem Kopf in die dreidimensionale Welt bringen: Vom Gedanken zur Skizze und von der Skizze zum Modell und so weiter. Autodesk ist ein Softwareunternehmen, mit einem Portfolio an Produkten, die digitale 2D- und 3D-Modelle, Konstruktionen, Entwicklung sowie Planung und Entertainment möglich machen. Die Mission des Unternehmens ist laut eigener Aussage: „(…) Innovatoren mit Design- und Fertigungstechnologie zu unterstützen, sodass sie das Neue möglich machen können“. Autodesk hat in den letzten vier Jahrzehnten bereits Millionen Architekten, Ingenieuren, Konstrukteuren und Produktdesignern dabei geholfen, ihre Ideen umzusetzen. Aber das ist nicht alles, was das Unternehmen zu bieten hat. Wir haben Autodesk für Dich genauer angeschaut, damit Du entscheiden kannst, ob sich ein Investment langfristig lohnt.
1. Das Unternehmen Autodesk
Geschäftsmodell
Wie Visionen zur Realität werden
Autodesk will mit der eigenen Software seinen Kunden dabei helfen, aus Visionen Realität werden zu lassen. Zu den Kunden des Unternehmens gehören sämtliche Berufsgruppen, die ihre Ideen digital skizzieren und entwerfen müssen. Vom Papier in die digitale Welt und von der digitalen Welt eventuell in die physische, reale Welt. Das betrifft vor allem Architekten und Ingenieure, aber auch Produktdesigner, Animateure und Künstler. Damit du genau verstehst, was Autodesk macht, haben wir uns zunächst die wichtigsten Softwareprodukte angeschaut, die das Unternehmen anbietet – und dann basierend darauf einige interessante Anwendungsbeispiele anhand von echten Kunden.
Produkte
Die Produkte lassen sich nach der Branche, in der sie hauptsächlich Anwendung finden, aufteilen. Natürlich sind Programme wie AutoCAD segmentübergreifend, wir listen sie aber in ihren Primärbereichen auf. Aufgelistet sind die wichtigsten bzw. erfolgreichsten/verkaufsstärksten der jeweiligen Bereiche.
Architektur, Ingenieurwesen und Konstruktion
AutoCAD
AutoCAD ist das bekannteste und erfolgreichste Softwareprodukt von Autodesk. Für Ingenieure und Architekten ist das Programm Standard, wie für den Normalbürger Word oder Excel. Mithilfe von AutoCAD lassen sich komplexe Maschinen, Gebäude und Bauteile in 2D- und 3D-Plänen zeichnen.
Alleine schon aufgrund der Bekanntheit des Programms hat Autodesk hier eine Marktmacht. Softwareprogramme wie AutoCAD sind komplex und schwer zu bedienen. Es bedarf einer gewissen Schulung und Einarbeitungszeit, um darauf effektiv arbeiten zu können. Und wenn so ein Programm mal einen bestimmten Stellenwert in der Branche hat, ist es für die Konkurrenz nicht so leicht, Kunden abzuwerben. Da es sich bei AutoCAD um ein Unternehmensprogramm handelt, ist es auch nicht sehr günstig. Bezahlt wird über ein Abomodell, das monatlich 235 USD, jährlich 1865 USD und auf 3-Jahres-Basis 5.315 USD kostet.
Revit
Revit weist eine gewisse Ähnlichkeit zu AutoCAD auf. Das Programm hat aber den Fokus darauf, Formen und Strukturen in Modellen aufzubauen. So können bspw. Modelle eines Gebäudes erstellt werden, um sie dann dem Bauherren detailliert vorzustellen.
Produktdesign und Herstellung
Invent/Inventor
Invent ist, wie der Name (engl.: „erfinden”) schon sagt, dafür gedacht, vor allem Ingenieure und Produktdesigner dabei zu unterstützen, mechanische Modelle und Produkte zu designen und zu testen. Der Clou ist dabei eine starke Fusion der beiden Elemente „freies Design“ und „regelbasierte Konstruktionsfunktionen“. Die Software ermöglicht das Erstellen neuartiger Konstruktionen aus diversen Materialien und mit verschiedenen Komponenten wie Kabeln, Rohren, Rahmen, Maschinen und mehr. Die Anwendungen der Konstruktionen lassen sich ebenfalls in Invent simulieren.
Navisworks
Das Wort „Navi“ steckt im Namen dieser Software und beschreibt das Ganze eigentlich ganz gut. Bei Navis handelt es sich um eine Art Navigations-/Koordinationsprogramm, vor allem für Bauprojekte. Die Software ermöglicht z. B. den zeitlichen Planungsablauf einer Baustelle: Wann wird welches Rohr wo, von wem, zu welchem Zeitpunkt eingebaut? So werden Kollisionsprobleme im Vornherein vermieden und die Arbeit aller beteiligten deutlich effektiver und zeitsparender.
Medien und Unterhaltung
3ds Max
Mithilfe von 3ds Max lassen sich komplette dreidimensionale Welten erschaffen. Das findet Anwendung in der Videospielbranche, aber auch in Filmen und Videos. Bekannte Spiele wie World of Tanks oder Rainbow Six Siege wurden mit Programmen wie 3ds Max erschaffen.
Maya
Bei Maya handelt es sich um ein sehr erfolgreiches Softwareprogramm, das die Erstellung von realistischen Charakteren und Effekten in Filmen und Videos ermöglicht. Dabei kann es sich sowohl um „echte“ Szenen handeln als auch um komplett animierte Szenen, also Zeichentrick.
Die Kunden von Autodesk/Anwendungsbeispiele
Autodesk verändert die Art und Weise, in der die Welt, wie wir sie kennen, entworfen und hergestellt wird. Von klimafreundlicheren Gebäuden über intelligentere Produkte bis hin zu fesselnden Blockbustern – Autodesk’s Softwareprogramme helfen ihren Kunden, eine bessere Welt für alle zu entwerfen und zu gestalten. Die Technologie des Unternehmens bereichert Architektur, Ingenieurwesen, Konstruktion, Produktdesign, Fertigung, Medien und Unterhaltung. Sie ermöglicht es Innovatoren überall, große und kleine Probleme zu lösen. Autodesk will selbst Teil des technologischen Fortschritts sein, anstatt auf ihn zu warten. Die eigenen Werkzeuge werden stetig weiterentwickelt und sollen Kunden das bestmögliche und flexibelste auf dem Markt bieten. Man will die Macht schaffen, das zu verändern, was tatsächlich verändert werden muss.
Krankenhauserweiterungen für die COVID-19-Krise
Ein Kunde von Autodesk ist das aus Alabama, USA, stammende Unternehmen „BLOX“. Das Geschäftsmodell von BLOX ist aktueller denn je. Während weltweit Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, will das Unternehmen Fertigungstechnologien für den schnellen Bau von Akutkrankenhäusern nutzen, um schneller reagieren zu können. Hierfür werden mithilfe von Autodesk‘s Software Gebäudekomponenten im Vornherein in einer Fabrik hergestellt, damit sie vor Ort, direkt an der Baustelle, flexibel und schnell aufgebaut werden können.
Für die Entwürfe der Krankenhaus „Blocks“ verwendet BLOX seit Jahren das Autodesk Programm „Revit“. Die Designs müssen immer wieder angepasst werden, je nachdem für welches Krankenhaus die Erweiterungen geplant sind. Außerdem muss man sich bei den Designs immer wieder an neue und andere Gesundheitsvorschriften der einzelnen US-Bundesstaaten halten.
Widerstandsfähigere Wasseraufbereitungsanlagen
Im Sommer 2014 wurde die Wasseraufbereitungsanlage von Toledo, Ohio, von giftigen Algen überflutet, sodass die Bürger tagelang kein trinkbares Wasser hatten. Die Stadt wandte sich nach dem Notfall an das Ingenieurbüro „Arcadis“, das dabei helfen sollte, die Anlage zu renovieren und zu erweitern.
Über fortschrittliche „Building Information Modelling-Technologie“, mithilfe der Programme ReCap, Revis und Infraworks, konnte das Unternehmen neue Designmethoden entwerfen, die das Wasserwerk widerstandsfähiger gemacht haben. Seitdem arbeitet Arcadis grundlegend anders und effizienter; zusammen mit den Programmen von Autodesk fest im Unternehmensprozess eingebunden.
Die Fusion der physischen und digitalen Welt
Während des COVID-19 bedingten Lockdowns ist die Nachfrage nach Unterhaltungsmedien und Streamingdiensten explodiert. Die Frage bleibt: Wer produziert die Inhalte für diese Plattformen? Die Firma „LAIKA“ ist daran beteiligt. Das Animationsstudio produziert u. a. mithilfe von Autodesk’s Software „Stop-Motion“ Animationen für Filme, Serien und Werbespots.
Die Designs des Studios starten auf Papier, in zweidimensionaler Form und werden dann mit dem Programm „Maya“ in digitale Skulpturen transformiert. Gesichtsausdrücke werden zudem mit 3D-gedruckten Skulpturen erstellt und digitalisiert.
Autodesk Research
Um dem eigenen Anspruch gerecht zu werden und den Kunden immer das optimale Produkt zu liefern, hat sich Autodesk einige Schwerpunkte ausgesucht, die näher verfolgt werden. Dazu gehört bspw. auch der Bereich er Moonshots, wo hochspekulativ gehandelt wird. Diesen Bereich kann man teilweise mit dem Segment “other bets” von Alphabet vergleichen. Nachfolgend könnt ihre euch einen Überblick über die abgedeckten Themen verschaffen, auf die Autodesk in Zukunft verstärkt setzen wird.
Historie
Gründung
Autodesk wurde 1982 von John Walker in Sausalito, Kalifornien gegründet. Außergewöhnlich ist jedoch, dass dieser den Unternehmensvorsitz bereits vier Jahre später wieder abgab und nur noch eine Position im Aufsichtsrat innehielt. 1994 verließ er Autodesk vollständig, aber blieb weiterhin Aktionär.
Autodesk machte sich mit der Zeit einen Namen im Markt der Grafikprogramme und setzte dabei auf die Unterstützung von PCs (von IBM) – ganz im Gegensatz zur Konkurrenz, welche eher auf separate Workstations setzten.
Schnelle Expansion
In Sachen Expansion wagte sich Autodesk ziemlich schnell aus den USA heraus und fokussierte sich auffällig auf den deutschsprachigen Raum. 1991 wurde die erste europäische Niederlassung in der Schweiz eröffnet und zugleich auch eine Tochtergesellschaft in Deutschland gegründet.
1992 erfolgte dann ein Führungswechsel und Carol Bartz wurde Vorstandsvorsitzende. Sie trieb die Fokussierung auf PCs mit dem Betriebssystem Windows noch einmal zusätzlich voran. Unter ihrer Führung schaffte es Autodesk zum größten CAD-Softwarehersteller der Welt – was genau das ist, erfährst Du gleich im Geschäftsmodell.
Akquisitionen
Mit diversen Akquisitionen baute Autodesk das eigene Software-Portfolio im Laufe der Zeit immer weiter aus und führte dabei auch etliche Übernahmen im deutschsprachigen Raum durch. Im Zeitraum von 1998 bis 2017 wurden in dieser Region alleine 7 Akquisitionen durchgeführt. Aber auch in Kanada, Großbritannien und im Heimatland (USA) übernahm man einige Firmen, die sich in ihrem Segment spezialisiert hatten.
Geschäftsführung
Andrew Anagnost
Andrew Anagnost ist aktuell President und CEO bei Autodesk. Mehr als 25 Jahre hat er zuvor Erfahrungen in diversen Bereichen gesammelt, welche von der Arbeit am Produkt bis hin zum Marketing und der strategischen Ausrichtung eines Konzerns reichen. Zuvor war er noch bei anderen Unternehmen beschäftigt, u. a. bei der Aeronautics-Sparte von dem Rüstungskonzern Lockheed Martin und der EXA Corporation.
Darüber hinaus hat Anagnost einen Doktortitel an der Stanford University (Luft- und Raumfahrttechnik und Computerwissenschaften) gemacht und arbeitete auch in einem Forschungszentrum der NASA mit. Studiert hat er ursprünglich Maschinenbau an der California State University und hält einen Master im Ingenieurwesen.
Insgesamt verfügt der CEO von Autodesk über ein breites Erfahrungsspektrum in sämtlichen Bereichen des Konzerns. Seine akademische Ausbildung und seine Karriere vor 1997 (als er bei Autodesk anfing) ist ebenfalls bemerkenswert.
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