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Lockheed Martin Aktie Analyse

Alternative zu Rheinmetall?

Analyse vom 13.07.2025

von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann

Kurzvorstellung

Lockheed Martin ist der Gigant der US-Rüstungsindustrie – bekannt für Kampfjets wie die F-35 und milliardenschwere Verteidigungsverträge mit dem Pentagon. In einer Welt voller geopolitischer Spannungen, vom Ukrainekrieg bis zum Taiwan-Konflikt, wächst die Bedeutung moderner Verteidigungstechnologie rasant. Europäische Rüstungsaktien wie Rheinmetall oder Hensoldt haben in diesem Umfeld massiv outperformt. Doch während Europa aufrüstet, stellt sich die Frage: Kann auch Lockheed Martin vom globalen Rüstungsboom weiter profitieren – oder zieht der US-Riese im Schatten der europäischen Aufholjagd vorbei?

1. Kurzportrait Lockheed Martin-Aktie

Geschäftsmodell von Lockheed Martin

Einleitung

Im vergangenen Kalenderjahr hat die US-amerikanische Regierung mit 997,00 Mrd. USD fast 1,00 Bio. USD für Militärausgaben aufgewendet – mehr als drei Mal so viel wie China mit 314,00 Mrd. USD auf dem zweiten Platz und mehr als Russland, Deutschland, Indien, das Vereinigte Königreich, Saudi-Arabien, die Ukraine, Frankreich und Japan zusammen. Doch wohin fließt all das Geld? Ein erheblicher Teil davon geht an Lockheed Martin – den nach Umsatz größten Rüstungskonzern der Welt. Der langjährige Zulieferer der US-Regierung verfügt über ein diversifiziertes Portfolio innerhalb der Luft- und Raumfahrt, auf welches wir im folgenden Abschnitt einen genauen Blick werfen wollen.

Aeronautics als Kerngeschäft

Als mit Abstand wichtigste Einnahmequelle ist das Aeronautics-Segment von Lockheed Martin Corp. hervorzuheben, welches das Luftfahrtgeschäft umfasst. Genauer gesagt befasst sich diese Sparte mit der Entwicklung sowie anschließender Herstellung und dem Verkauf von militärischen Flugzeugen. Weitere Einnahmen werden mit der Wartung von Flugmaschinen erzielt. Als mitunter bekanntestes Modell von Lockheed Martin ist der F-35 Lightning Kampfjet in der aktuell 5. Generation zu nennen, welcher etwas mehr als 100,00 Mio. USD kostet und international vertrieben wird. Ein Überblick zum aktuellen Portfolio ist Abbildung 1 zu entnehmen.

Weitere Einnahmequellen

Neben der Luftfahrt besitzt Lockheed Martin eine Vielzahl an weiteren Lösungen, die drei weiteren Segmenten zuzuordnen sind: Rotary and Mission Systems, Missiles & Fire Control und Space. Ersteres befasst sich mit der Herstellung von Helikoptern sowie Schiffs- und Sensorsystemen und teilweise Lösungen im Bereich der Cybersecurity. Zu den Kunden gehören hier ebenfalls die US-Regierung bzw. genauer gesagt dessen Marine sowie internationale NATO-Partner der Vereinigten Staaten. Zu bekannten Produkten gehört bspw. der UH-60 Black Hawk-Helikopter sowie das Aegis Combat System, das als Radar- und Feuerleitsystem für Kriegsschiffe dient. Dieses Radar- und Feuerleitsystem konnte bis April 2024 von 54 Versuchen 45 erfolgreiche Abfangmanöver gegen ballistische Raketen durchführen. Hiermit konnte das Radar- und Feuerleitsystem seine Qualität unter Beweis stellen.

Der Missiles & Fire Control-Geschäftsbereich befasst sich derweil mit Raketen sowie der Luftverteidigung. So werden von Lockheed Martin bspw. Abwehrsysteme gegen ballistische Raketen, aber auch mobile Raketensysteme wie das High Mobility Artillery Rocket System entwickelt. Abgerundet wird das Rüstungsgeschäft von Lösungen für die Raumfahrt, die innerhalb des Space-Segments hergestellt werden und Raumschiffe, Satelliten sowie sonstige Produkte und Dienstleistungen umfassen.

Historie

Anfänge der Luftfahrtpioniere

Die Ursprünge von Lockheed Martin Corp. reichen bis in die Anfänge der Luftfahrt zurück. Glenn L. Martin gründete bereits 1912 seine eigene Flugzeugfirma, während die Brüder Allan und Malcolm Lockheed zeitgleich erste Wasserflugzeuge entwickelten. Aus diesen beiden Entwicklungen gingen später zwei bedeutende Unternehmen hervor: die Glenn L. Martin Company und die Lockheed Aircraft Company. Letztere erhielt ihren endgültigen Namen 1926 und wurde in Kalifornien angesiedelt, wo das Unternehmen sich als innovativer Flugzeugbauer schnell einen Namen machte. 

In den 1930er-Jahren entstanden unter der Führung von Lockheed erfolgreiche zivile Flugzeugtypen wie die Vega und die Orion. Auch während des Zweiten Weltkriegs leistete das Unternehmen einen wichtigen Beitrag zur US-Kriegsführung – unter anderem mit der P-38 Lightning und der P-80 Shooting Star, dem ersten strahlgetriebenen Jagdflugzeug der USA. Diese Entwicklungen wurden maßgeblich durch eine geheime Abteilung namens „Skunk Works“ vorangetrieben, die auch in späteren Jahrzehnten für einige der ambitioniertesten Projekte verantwortlich war. 

Durchbruch im Kalten Krieg

Im Verlauf des Kalten Krieges festigte die Lockheed Aircraft Company ihre Stellung als Schlüsselakteur im militärisch-industriellen Komplex der USA. Mit den Projekten wie der Aufklärungsmaschine U-2, dem F-104 Starfighter oder der SR-71 Blackbird erreichte das Unternehmen internationale Aufmerksamkeit. Parallel dazu wurden mit Transportflugzeugen wie der C-130 Hercules und der C-5 Galaxy langlebige militärische “Nutzfahrzeuge” geschaffen, die teilweise bis heute im Einsatz sind. 

Zur gleichen Zeit arbeitete die Glenn L. Martin Company an Raketensystemen, Satelliten und Raumfahrttechnologien. Sie fusionierte 1961 mit American Marietta und wurde zur Martin Marietta – einem bedeutenden Anbieter im Bereich Raketenabwehr, Raumfahrt und Satellitenkommunikation. 

Krise, Umbruch und der große Zusammenschluss 

Trotz großer technischer Erfolge durchlebte Lockheed in den 1970er-Jahren eine schwere Krise. Finanzielle Engpässe führten zu staatlicher Unterstützung, während Korruptionsskandale das öffentliche Vertrauen erschütterten. Erst mit dem Umstrukturierungsprozess in den 1980er-Jahren und gezielten Übernahmen gelang es dem Unternehmen sich wirtschaftlich zu erholen und neue Geschäftsfelder zu erschließen. 

Der Wendepunkt kam 1995 als Lockheed mit Martin Marietta fusionierte und der heutige Konzern Lockheed Martin entstand. Damit wurde ein weltweit führendes Unternehmen im Verteidigungs- und Raumfahrtsektor geschaffen. Nur ein Jahr später übernahm das Unternehmen die Verteidigungssparte von Loral, was das Unternehmen zusätzlich stärkte. Ein Versuch, sich mit Northrop Grumman zusammenzuschließen, wurde jedoch von den Wettbewerbsbehörden gestoppt. 

Innovation und globale Führungsrolle

Mit Beginn des 21. Jahrhunderts konzentrierte sich Lockheed Martin auf Schlüsseltechnologien wie Tarnkappentechnik, Cyberabwehr und Weltraumforschung. Im Rahmen des Joint Strike Fighter-Programms entstand die F-35 Lightning II – ein Mehrzweckkampfflugzeug der neuesten Generation, das inzwischen von zahlreichen NATO-Partnern eingesetzt wird. Die Firma engagiert sich zudem in der Raumfahrt, etwa durch ihre Beteiligung an den Artemis-Mondmissionen der NASA, für die sie unter anderem das Orion-Raumschiff liefert. 

Ein weiterer Meilenstein wurde 2015 erreicht, als Lockheed Martin den Helikopterhersteller Sikorsky übernahm und so auch im Bereich rotierender Flugsysteme wieder eine zentrale Rolle spielte. In den letzten Jahren hat der Konzern seine Aktivitäten im Bereich Hyperschallwaffen, Lasertechnologie und autonomer Systeme stark ausgeweitet. 

Heute zählt Lockheed Martin zu den größten Rüstungs- und Luftfahrtunternehmen der Welt. Mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung, Innovationen und strategischen Partnerschaften gestaltet das Unternehmen die Zukunft moderner Verteidigung und Raumfahrt aktiv mit. 

Mission, Werte und Nachhaltigkeit

Mission

Wir lösen komplexe Herausforderungen, bringen wissenschaftliche Erkenntnisse voran und liefern innovative Lösungen, um unseren Kund*innen zu helfen, die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten. Lockheed Martin Inc. (übersetzt)

Werte

Bei der täglichen Arbeit bezieht sich Lockheed Martin auf die drei Werte, die der Abbildung 11 entnommen werden können.

In der Vergangenheit gab es (damals noch Lockheed Corp.) bereits einen großen Skandal in Bezug auf Bestechung. Um sich Verträge mit der Regierung zu sichern, wurden bspw. Politiker bestochen, was in den 1970er-Jahren zu einem prominenten Thema wurde. Dies ist aber nun auch schon eine gewisse Zeit her.

Lockheed Martin Aktie Analyse Werte

Nachhaltigkeit

Im Nachhaltigkeitsbericht des Konzerns werden bei den Zielen (in Bezug auf diesen Aspekt) die Themen der nachhaltigen Unternehmensführung, aber auch globale Megatrends wie der Wandel der Arbeitswelt und der Klimawandel angesprochen. hier möchte man z. B. Ressourcen schonen.

Der Nachhaltigkeits-Management-Plan erscheint für viele vielleicht etwas paradox. In Anbetracht der Rüstungsindustrie, in der Lockheed Martin tätig ist, klingt es erst einmal merkwürdig, dass das Unternehmen sich laut eigener Aussage z. B. Gedanken um die Auswirkung der eigenen Produkte macht. Während die Aktie auch im S&P 500 gelistet ist, erfüllt sie bspw. nicht die Kriterien für die ESG-Variante des Index.

Lockheed Martin betrachtet das aber aus einer anderen Perspektive und sieht den positiven Einfluss der eigenen Produkte in der Sicherheitsfunktion für die Gesellschaft.

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Aktionärsstruktur von Lockheed Martin

Die Aktionärsstruktur von Lockheed Martin wird durch drei der fünf größten US-amerikanischen Vermögensverwalter angeführt. Mit 15,80 % führt State Street die Liste mit einem guten Abstand an. Darauf folgen Vanguard mit 9,40 % und BlackRock mit 7,80 %. Ansonsten gibt es keinen weiteren Anteilseigner, der die 5,00 % Marke überschreitet. 

Geschäftsführung

Jim Taiclet 

Die Geschäftsführung von Lockheed Martin liegt in der Verantwortung von Jim Taiclet, der als Chairman, President und CEO fungiert. Seit Juni 2020 ist er als President und CEO im Unternehmen tätig, den Vorsitz des Verwaltungsrats übernahm er im März 2021. Bereits seit dem Jahr 2018 gehört er dem Board of Directors an. 

Vor seinem Wechsel zu Lockheed Martin war Taiclet Chairman, President und CEO von American Tower, einem weltweit tätigen Betreiber von Kommunikationsinfrastruktur. Weitere berufliche Stationen umfassten leitende Positionen bei AlliedSignal (später Honeywell Aerospace Services) und Pratt & Whitney, wo er für militärische und zivile Triebwerkswartung verantwortlich war. 

Seine Laufbahn begann Taiclet als Offizier und Pilot der US Air Force. Er sammelte über 5.000 Flugstunden, vorwiegend auf der Lockheed C-141B StarLifter, und war unter anderem während der Operation Desert Shield im Einsatz. Stationen seiner militärischen Laufbahn beinhalteten Einsätze im Joint Staff und Air Staff im Pentagon. 

Taiclet ist Absolvent der U.S. Air Force Academy mit Abschlüssen in Ingenieurwesen und Internationalen Beziehungen. Zudem erwarb er einen Masterabschluss an der Princeton University. Er gehört mehreren Organisationen an, darunter dem Council on Foreign Relations, dem Business Council sowie dem Vorstand von Mass General Brigham.

CEO-Vergütung

Die Vergütung des CEOs für das Fiskaljahr 2024 baut auf einem Grundgehalt i.H.v. 1,75 Mio. USD auf. Die größte Position nehmen die Stock Awards mit einem Gegenwert 13,05 Mio. USD ein. Weiterhin erhielt er über einen Non-Equity Incentive Plan weitere 6,57 Mio. USD sowie 2,39 Mio. USD durch andere Vergütungen. Insgesamt kam er damit auf eine Vergütung von 23,75 Mio. USD. 

Für das Fiskaljahr 2023 und 2022 setzt sich die Vergütung sehr ähnlich zusammen. Auch die Gesamtvergütung lag mit 22,81 bzw. 24,81 Mio. USD im selben Bereich.  

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