
Kurzvorstellung
Die Match Group umfasst ein breites Portfolio an verschiedenen Marken, welche mit ihren Plattformen alle ein Ziel verfolgen: Menschen verbinden und Beziehungen herstellen. Tinder ist der wohl bekannteste Vertreter aus dem gesamten Konglomerat und wird auch in Deutschland von vielen genutzt. Aus der technischen Sicht liegt ein stabiler langfristiger Aufwärtstrend vor, welcher sich in einer historischen Korrektur befindet. Rund die Hälfte des Börsenwerts hat das Unternehmen seit der Ausbildung des Allzeithochs inzwischen verloren und wichtige Unterstützungszonen rücken nun in den Fokus. Die Analyse bezieht sich auf den Kenntnisstand unserer Recherche vom 12.03.2022.
1. Das Unternehmen
Geschäftsmodell
Einleitung
Match Group ist ein Techkonzern. Das Geschäftsmodell besteht darin, die Infrastruktur für mehrere Dating Portale zu bieten. Die Match Group umfasst bekannte Marken, wie Tinder, Match, Hinge, Meetic , OkCupid, Pairs, PlentyOfFish , OurTime , Azar, Hakuna™ Live und mehr. Alle haben das Ziel, ihre Nutzer miteinander zu verknüpfen; in erster Linie auf Beziehungsbasis. Früher waren soziale Beziehungen immer auf physische „Social Circles“ beschränkt. Man hat Leute in der Arbeit, der Uni, der Schule, in der Kirche oder sonst wo kennengelernt. Heute geschieht dies zunehmend über das Internet. Die durchschnittliche Zeit, die wir am Smartphone verbringen steigt konstant. Folglich hat sich der Prozess, andere Menschen kennenzulernen ebenfalls auf das Internet verlagert.
Am häufigsten heruntergeladene Dating-Apps nach Ländern
In den Augen der Match Group ist das digitale Kennenlernen von Personen der natürliche Prozess, der mit einer zunehmend digitalen Welt einhergeht. Andere Leute über das Internet kennenzulernen hat natürlich einige Vorteile, die wir kurz erwähnen möchten. Offensichtlich ist bspw. die Tatsache, dass wir Menschen kennenlernen, die wir sonst, aufgrund geographischer Distanz oder unterschiedlicher Social Circles nie erreicht hätten. Die Algorithmen, die Match Group verwendet, um Personen miteinander zu verbinden arbeiten zudem deutlich effizienter, als der Versuch neue Leute in einer Bar kennenzulernen. Die Interessen werden miteinander abgestimmt und es wird nach passenden Individuen gefiltert. Das spart Zeit und verhindert die ein oder andere peinliche Konversation. Die Chance, passende Leute zu finden steigt. Die Sicherheit steigt, vor allem für Frauen mit der „Verified“-Funktion, einer Bestätigung, dass ein Nutzer echt ist.
Übersicht der Marken von Match Group
Erfahrungen haben gezeigt, dass Nutzer Dating-Portale nach verschiedenen Faktoren auswählen. Auf diesen hat die Match Group aufgebaut. Zum einen ist ein starkes Branding vorhanden. Eine bekannte Marke, wie beispielweise „Tinder“ wird damit assoziiert, höhere Erfolgschancen bei der Partnersuche zu erzeugen. Außerdem wählen Nutzer die Portale aus nach Herkunft, Altersgruppe, Religion und Intention. Sprich ein 20 Jahre alter Jungunternehmer wird wahrscheinlich eher auf ein Partnerportal gehen, um in erster Linie sexuelle Kontakte zu knüpfen. Ein 45 Jahre alter Beamter wird wahrscheinlich eher auf ein Portal gehen, dass dafür bekannt ist ernste Beziehungen zu erzeugen. Das ist der Grund, warum Match Group mehrere Portale betreibt mit jeweils etwas unterschiedlichem Aufbau und anderen Zielgruppen. Schauen wir uns also die genauen Modelle einzelner Projekte etwas genauer an, um dieses Prinzip zu verstehen. Grundsätzlich teilt Match Group die eigenen Brands / Projekte nach drei Kategorien auf:
Tinder
Established
Zu Deutsch: „Entwickelt“. Das bedeutet, dass diese Marken bereits bekannt sind und eine solide Nutzerbasis aufgebaut haben.
Emerging
Zu Deutsch: „In Entwicklung“. Das bezieht sich auf alle Marken und Konzepte, die noch in der Probephase sind und erst ihren Erfolg beweisen müssen.
Einige interessante Fakten zu Match Group
Tinder (Established)
Wir beginnen mit der bekanntesten Marke von Match Group. Tinder ist für mehr als die Hälfte des Umsatzes des Unternehmens verantwortlich. Logischerweise gehört das Unternehmen zu den etablierten Marken. Das Prinzip von Tinder ist simpel und effektiv. Das sogenannte „Swipe“-Modell hat sich die Match Group sogar patentieren lassen. Der Sinn dabei ist, dass man als Nutzer andere Personen mit Bildern vorgeschlagen bekommt inklusive Infos wie Geschlecht, Alter, Interessen, Musikgeschmack und ähnliches. Auf Basis dessen wird entschieden, ob einem die Person gefällt (Swipe rechts) oder nicht (Swipe links). Dadurch, dass es deutlich mehr Männer gibt als Frauen, können Frauen direkt sehen, wer sie „geliked“ hat, Männer hingegen können das nur gegen Aufpreis sehen und müssen darauf warten, dass eine Frau zurück „liked“. Wenn beide Personen sich gegenseitig „liken“, gibt es ein „Match“. Erst dann kann miteinander kommuniziert werden, zum Beispiel über einen Standard-Textchat.
Aufbau von Tinder
Die App ist grundsätzlich kostenlos, es gibt jedoch vor allem für Männer Einschränkungen. So kann in der kostenlosen Version innerhalt von 24 Stunden nur eine begrenzte Anzahl „geswiped“. Außerdem kann in der Premium Version gesehen werden, wer einen selbst geliked hat. Zudem gibt es die Funktion eines „Super Likes“, welche ebenfalls nur in der Premium Version (Tinder Gold) verfügbar ist sowie einiges mehr. Angeblich ist die Erfolgsquote bei der Premium Version besser. Bestätigen können wir das über keine Quelle. Es ist aber davon auszugehen, dass Match Group ein Interesse daran hat, zahlenden Nutzern „zum Erfolg“ zu verhelfen. Im Endeffekt also eine Art „Pay to Win“-Prinzip, wie man es auch bei Free to Play Videospielen kennt. Das ist ein sehr erfolgreiches Konzept. Electronic Arts ist da ein Vorreiter bei FIFA. Das „Swipe-Konzept“ birgt außerdem ein gewissen Suchtpotenzial, so dass es den Eindruck erweckt, man könne alle Ligen an Partnern erreichen, wenn man nur weiterwischt.
Match (Established)
Basiert auf einem ähnlichen Prinzip wie Tinder. Wobei natürlich fast alle Dating Portale irgendwo gleich funktionieren. Der Unterschied ist hier, dass man als Nutzer aktiv nach Personen suchen kann. Der Algorithmus bestimmt dann, wieviel Prozent Übereinstimmung es „charakterlich“ gibt. Insgesamt ist diese Marke eher für ältere Personen ab ca. 30 Jahren. Es werden auch organisierte Veranstaltungen nach bestimmten Themen durchgeführt, bei denen sich andere Leute kennenlernen lassen.
Match
Ship (Emerging)
Auch ein interessantes Konzept. Hier können Freunde anderen Freunden bei der Partnersuche helfen. Es ist grundsätzlich möglich, andere Personen online zu stellen und diese mit anderen zu verkuppeln.
Ship
Historie
Entstehung unter InterActiveCorp
Zu Beginn des Jahres 2009 hat das US-amerikanische Unternehmen InterActiveCorp (IAC) die Match Group gegründet. Zu IAC gehörten zu diesem Zeitpunkt verschiedene Dating-Websites, welche alle in der neuen Tochtergesellschaft zusammengefasst wurden. Zu dem Konzern gehören einige bekannte Marken und die Strategie umfasst regelmäßige Abspaltungen. In 2005 gliederte man bspw. Expedia aus, in 2008 u. a. Lendingtree und Ticketmaster und in 2020 schließlich die Match Group, sowie auch Vimeo. Heute gehören folgende Marken zum Portfolio:
Marken von IAC zum aktuellen Zeitpunkt
Seit dem Spin-Off in 2008 wurde laut eigener Aussage aus 3 Mrd. USD ein Gesamtwert von 43 Mrd. USD geschaffen (Stand: Investor Presentation vom 03.07.2021).
Entwicklung des Wertes von IAC
Match.com
Da IAC die Match Group aus verschiedenen Marken geformt hat, muss die Historie der einzelnen Marken zwangsläufig etwas länger sein. Im Fokus steht hier die Datingseite match.com, welche im Jahr 1999 von IAC übernommen wurde.
Match.com wurde im Jahr 1993 von Gary Kremen and Peng T. Ong in San Francisco gegründet. Damals hieß das Unternehmen Electric Classifieds und die betriebene Website war unter match.com zu erreichen. Die Datingwebsite basierte auf einem Abomodell und die Firma legte v. a. Wert auf Diversität. Jeder sollte die Möglichkeit bekommen den Service zu nutzen, unabhängig von Beruf, sexueller Orientierung oder sonstiger Eigenschaften. Im Jahr 1995 startete die kostenlose Beta-Version der Plattform und erlangte direkt eine gewisse Aufmerksamkeit, denn das (zur damaligen Zeit) bekannte Computer-Magazin berichtete von dem Angebot.
Der Gründer Kremen hat das Unternehmen bereits 1996 verlassen, da es zu Unstimmigkeiten mit den Risikokapitalgebern kam. Ein Jahr später kaufte Cendant (er war in der Immobilien- und Reisebranche tätig) match.com und bereits 1999 erfolgte der Verkauf an IAC.
Match.com als Teil von IAC
Nach der Übernahme von Match.com durch IAC im Jahr 1999 stand die Expansion und Weiterentwicklung im Vordergrund. 2001 ging man eine Partnerschaft mit AOL und MSN (die damaligen Ikonen des Internets) ein, um ein breiteres Publikum zu erreichen. In den Folgejahren wurde MatchLive, eine Art Speed-Dating im echten Leben, zum Angebot hinzugefügt.
Aber auch ein Skandal blieb nicht aus: 2005 gab es eine Sammelklage gegen das Unternehmen. Der Vorwurf bestand darin, dass Match.com angeblich Fake-Nutzer bezahlte, die mit zahlenden Nutzern chatten und sich treffen, in Wirklichkeit jedoch nie die Absicht hatten jemanden kennenzulernen. Der Grund scheint naheliegend: Es ist eine Taktik, um die zahlenden Kunden weiterhin zu binden. Letztendlich wurde die Klage jedoch fallen gelassen. Bis 2010 musste sich das Unternehmen allerdings noch zwei weitere Male vor Gericht verteidigen – jedes Mal mit Erfolg. Dasselbe gilt für eine spätere Klage im Jahr 2019, welche unlautere und irreführende Handelspraktiken vorwarf. Laut der Klage hatte Match.com mit gezielten Werbeanzeigen Liebe suggeriert, die in Wirklichkeit nicht echt ist, nur um Nutzer auf kostenloser Basis zum zahlungspflichtigen Abonnement zu bewegen.
Expansion als Match Group
Nun kommen wir endlich zu dem Unternehmen, welches das eigentliche Thema dieser Analyse ist: die Match Group. Das Konglomerat aus verschiedenen Dating-Plattformen entstand 2009 innerhalb des Unternehmens IAC. Bis 2020 wurde das Portfolio stark erweitert. Einerseits durch Akquisitionen und andererseits durch Neugründungen innerhalb der InterActiveCorp. Letzteres trifft auf die wohl bekannteste Marke aus dem heutigen Portfolio zu: Tinder.
Tinder wurde 2012 gegründet und wuchs zu einer echten Größe heran. Daraufhin kam es zu Streitigkeiten. Der Gründer von Tinder behauptete 2018, dass die IAC die Marke mit Absicht geringer bewerten würde, um geringere Summen an vereinbarten Aktienoptionen auszahlen zu müssen. Hierbei handelte es sich um eine 2 Mrd. USD-Klage, welche so gesehen innerhalb eines Unternehmens erfolgte. Andersherum wurde Sean Rad, der Gründer von Tinder, der sexuellen Belästigung belastet. Kurzum: Harmonisch lief es im Unternehmen selbst nicht gerade ab.
Abspaltung von der IAC
Über 20 Jahre nachdem IAC match.com übernommen hatte, war in 2020 die Ausgliederung der Match Group vollständig beendet. Zu diesem Zeitpunkt hatte der frisch ausgegliederte Konzern bereits eine Marktkapitalisierung von ca. 30 Mrd. USD. Gelistet ist die Aktie bereits seit Ende des Jahres 2015.
2020 erreichte die Match Group das erste Mal eine Abonnentenanzahl von über 10 Mio. Nutzern (bezogen auf die alle Plattformen). Die größte Akquisition in der Unternehmensgeschichte erfolgte 2021, als Hyperconnect aus Südkorea für 1,73 Mrd. USD übernommen wurde.
Inzwischen hat das Angebot mehrere Phasen durchlaufen:
Entwicklung des Angebots der heutigen Match Group
Zusammenfassung
Wie man an den Zahlen erkennen kann, ist die Match Group ein richtiges Erfolgsprojekt für IAC gewesen und die Expansion vor der Abspaltung war sehr erfolgreich.
Entstehung der heutigen Match Group
Geschäftsführung
Sharmistha Dubey
Die Position des CEO hält derzeit Sharmistha Dubey inne, welche im Vorhinein bereits andere wichtige Führungsrollen bei dem Unternehmen eingenommen hatte. Dubey war zuvor als President des Konzerns tätig und trug die Verantwortung für die allgemeine Strategie, die Forschung & Entwicklung und Innovationen. Bei Tinder, der wichtigsten Marke aus dem Portfolio, hat Dubey als Chief Operating Officer mit Tinder Gold zudem ein sehr wichtiges Produkt eingeführt.
Dies sind nur einige Beispiele der Aufgaben, die Dubey bei Marken der Match Group in der Vergangenheit übernommen hatte. Dem Unternehmen trat sie bereits 2006 bei. In den letzten 16 Jahren war sie laut Aussage des Konzerns eine treibende Kraft der positiven Entwicklung.
Ein Teil der Geschäftsführung der Match Group
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