
Kurzvorstellung
„Shell ist Liebe", pflegt Patrick (Dividente) stets zu sagen - doch was steckt eigentlich dahinter? Der Klimawandel ist ein omnipräsentes Thema und auch Shell muss und will sich im Sinne der Nachhaltigkeit anpassen. Zugleich wird das Geld derzeit noch mit Öl verdient. Die Frage ist also: Kann der Konzern auch in der „sauberen Welt von morgen" noch weiter bestehen? Aus der technischen Sicht ist Shell kein Paradebeispiel für einen schönen langfristigen Aufwärtstrend, der über Jahre und Jahrzehnte etabliert wurde. Die starke Aufwärtsbewegung der letzten Monate gibt zwar Hoffnung auf eine Veränderung der Situation, aber bis hier eine stabile Aufwärtsstruktur entsteht, kann es noch andauern. Zudem ist auch die Abhängigkeit vom Ölpreis sehr hoch, dessen Anstieg die Aktie zuletzt noch einmal zusätzlich befeuert hat. Eine Korrektur erscheint langsam gesund. Die Aktienanalyse bezieht sich auf den Kenntnisstand unserer Recherche vom 02.04.2022.
1. Das Unternehmen
Geschäftsmodell
Das Geschäft mit dem schwarzen Gold
Segmente und Wertschöpfungskette von Shell
Die Muschel des Logos geht zurück aufs Jahr 1833. Damals war die „Shell-Muschel“ das Symbol eines Kuriositätengeschäfts, in dem u. a. dekorative Muscheln (engl.: Shell) verkauft wurden. Heute hat Shell relativ wenig mit Muscheln zu tun. Das Unternehmen ist eines der größten Mineralöl- und Erdgasunternehmen der Welt und sollte fast jedem ein Begriff sein. Rohöl bleibt, wie bereits in der Einleitung erwähnt, der Treibstoff unserer globalisierten Welt. Der Verbrauch von Rohöl pro Tag ist konstant, mit leichten Anstiegen in den letzten Jahren. Diese Entwicklung sollte sich auch weiterhin fortsetzen.
Das Geschäftsmodell ist simpel, denn Shell ist an der ganzen Wertschöpfungskette der Ölbranche beteiligt. Diese besteht aus drei Bereichen: Upstream, Midstream und Downstream.
Die drei Begriffe sind später für die Segmente nochmal wichtig. Bildlich vorgestellt also: Aus dem Boden hoch, Transport in der Mitte und dann wieder runter in den Tank. Öl und Gas wird gefördert, weiterverarbeitet und entweder über Tochterfirmen, Partner oder das eigene Tankstellennetz an den Verbraucher gegeben. Shell hat das weltweit größte Netzwerk an Tankstellen.
Tankstellennetzwerk von Shell in Europa, Teilen Asiens und Afrika
20 Unternehmen weltweit sind für den Ausstoß von einem Drittel aller Treibhausgase verantwortlich. Shell belegt Platz sieben in dieser Liste. Dafür steht Shell heftig in der Kritik.
20 Unternehmen mit den weltweit meisten Treibhausemissionen
Seit neuestem wird deswegen auch in erneuerbare Energien investiert und das Ziel „Zero Emissions“ gesetzt: Emissionen konnten so insgesamt schon gesenkt werden. Shell hat trotzdem noch einen langen Weg bis zum klimaneutralen Konzern.
Entwicklung der Treibhausemissionen von Shell
Im Folgenden haben wir die einzelnen Segmente genauer unter die Lupe genommen:
Oil Products von Shell
Das mit Abstand wichtigste Segment „Oil Products”, zu Deutsch „Ölprodukte“, beinhaltet alles, was von Shell erwartet wird.
Der Kern des Segments ist die Wertschöpfung aus Rohöl, also Veredelung zu Produkten, die weltweit über sämtliche Wege, wie bspw. über das bereits erwähnte, eigene und größte Tankstellennetzwerk, vermarktet werden.
Nutzen für die Produkte findet sich im häuslichen, industriellen und Transportgebrauch. Diese sind:
– Benzin
– Diesel
– Heizöl
– Flugzeugtreibstoffe
– Schiffskraftstoffe
– CO2 reduzierte Treibstoffe
– Schmierstoffe
– Bitumen
– Schwefel
Außerdem bietet man Kunden den Einbau von E-Ladestationen an oder das Laden von E-Autos an Shell Tankstellen.
In Zukunft will Shell mehr in Richtung Nachhaltigkeit gehen. Dazu wird global in alternative Energieprojekte investiert.
Venture Capital Portfolio von Shell
Integrated Gas
Upstream
Das gleichnamige Segment hat seine Kernaufgabe im ersten Sektor der Wertschöpfungskette der Ölindustrie. Shell fördert Erdöl, Erdgas und Erdgasflüssigkeiten. Allerdings sind hier auch einige Aktivitäten aus dem Midstream-Bereich involviert, also Transport und Lagerung der Rohstoffe.
Chemicals
Der kleinste Teil der Angebotspalette von Shell versorgt Kunden mit einer Reihe von Basis- und Zwischenchemikalien, die zur Herstellung von Alltagsprodukten benötigt werden.
Historie von Shell
Ursprung im Verkauf von Muscheln
Der Grund für den heutigen Unternehmensnamen „Shell“ und auch das damit zusammenhängende Logo der Muschel liegt nicht im Ölgeschäft, sondern im Verkauf von Antiquitäten und Kuriositäten. 1833 gründete Marcus Samuel sein Geschäft in London und der größte Anteil seines Handels basierte auf Muscheln, die man zu Dekorationszwecken verwenden konnte. Samuel importierte diese aus Fernost nach England, wo sie für Verzierungen oder zu Sammlerzwecken beliebt waren. Mit der Zeit wurde aus dem reinen Import ein Import-Export-Handel und das Geschäft begann auch mit dem Transport von Kerosin, welches man damals für Beleuchtung nutzte.
Einstieg ins Öl-Geschäft
Murex-Tanker (Quelle: Shell plc)
Der größte Konkurrent zu der damaligen Zeit war das Unternehmen Standard Oil, welches das eigene Öl in blauen Kanistern an den Endkunden verkaufte, die man für verschiedene Zwecke wiederverwenden konnte. Shell wollte sich marketingtechnisch abheben und wählte deshalb die Farbe rot – mit Erfolg.
1897 eröffnete Shell auch eine Raffinerie in Indonesien und expandierte somit schon früh weltweit. Zur Zeit des 2. Weltkriegs musste dieser Standort allerdings stillgelegt werden, denn die USA erklärte Japan den Krieg – mehr hierzu später. 1901 ging die weltweite Expansion aber direkt weiter, denn man fand Öl in Texas (USA) und Shell sicherte sich die Transport- und Vertriebsrechte noch vor dem Hauptkonkurrenten Standard Oil. Dies war im Nachhinein strategisch ein sehr wichtiger Schritt. Dennoch lief auch für Shell nicht alles glatt, denn die neuen großen Ölvorkommen aus Texas sorgten für einen Ölpreiseinbruch und neue Konkurrenten wie Royal Dutch kamen an den Markt.
Königliches Jahrhundert
1907 fusionierte Shell schließlich mit dem Konkurrenten Royal Dutch und es entstand die Royal Dutch Shell Group, welche in dieser Form fast ein ganzes Jahrhundert existierte. Da König Wilhelm III. an Royal Dutch beteiligt war, durfte der königliche Namenszusatz verwendet werden.
Nach dem Zusammenschluss war das 20. Jahrhundert vor allem von den Weltkriegen geprägt, in denen der Konzern die Alliierten stets unterstützte. Insbesondere die Zeit nach dem 2. Weltkrieg war durch viel Zerstörung zunächst schwierig, aber es gelang dem Unternehmen nach einer gewissen Zeit an den Expansionspfad anzuknüpfen. Immer wieder wurden neue Ölfelder erschlossen und auch die Nachfrage nach Öl stieg aufgrund der wachsenden Weltwirtschaft.
Als der Suezkanal im Jahr 1967 für acht Jahre geschlossen wurde (dies war eine Folge des Sechstagekriegs zwischen Israel und den arabischen Staaten), fasste Shell einen zukunftsweisenden Entschluss und baute Supertanker. Damit konnten nun noch einmal deutlich größere Mengen an Öl transportiert werden. Zugleich war Shell 1964 beim ersten Seetransport von verflüssigtem Erdgas (LNG) als Partner aktiv und eröffnete damit ein komplett neues Geschäft.
In den 1990er-Jahren gerieten vor allem die Themen Biomasse und Gas-to-Liquids (GTL) in den Fokus und auch hier war Shell wieder ganz vorne mit dabei: 1993 eröffnete der Konzern die weltweit erste kommerzielle GTL-Anlage in Malaysia. Mit dem Verfahren kann synthetischer Kraftstoff hergestellt werden: Der Shell GTL Fuel verbrennt z. B. sauberer als herkömmlicher Dieselkraftstoff und kann von denselben Motoren genutzt werden.
Neustrukturierung im 21. Jahrhundert
Das 21. Jahrhundert ist noch gar nicht so alt und dennoch ist schon jetzt klar, dass Shell sich definitiv umstrukturieren muss, um weiter am Markt bestehen zu können. Erneuerbare Energien rücken mehr in den Fokus, der Klimawandel ist ein omnipräsentes Thema und auch wenn Öl heute noch mehr denn je gebraucht wird, geht es um die Frage: Was ist morgen?
Nach der Jahrtausendwende gab es erst einmal eine formelle Neustrukturierung, denn die nun fast 100 Jahre bestehende Partnerschaft zwischen Royal Dutch und Shell wurde beendet und es entstand eine neue Holding: Royal Dutch Shell. Unter diesem Dach fasste man jetzt alle Tätigkeiten in einem Unternehmen zusammen.
Den neuen Bereich der GTL-Produkte baute der Konzern zudem weiter aus und eröffnete in Qatar die weltweit größte Quelle für diesen Bereich. Aber auch die Ölförderung selbst konnte mit dem Ölfeld Stones weiter ausgebaut werden. 2016 startete in diesem tiefsten Öl- und Gasprojekt der Welt die Produktion. Im selben Jahr etablierte Shell zudem das „New Energies“-Geschäft, um sich mehr auf die Entdeckung und Entwicklung von kommerziellen Möglichkeiten im Bereich der erneuerbaren Energien, bspw. Wind und Solar, zu konzentrieren. Im Folgejahr segelte die größte schwimmende Flüssiggasanlage der Welt von Südkorea nach Westaustralien, wo diese im Folgenden stationiert wurde. Es gab also auch im 21. Jahrhundert einen Rekord nach dem nächsten, in Bezug auf die Projekte des Konzerns.
Darüber hinaus hat Shell im Jahr 2015 die britische BG Group für die stolze Summe von rund 47 Mrd. GBP übernommen.
Die letzte bekannte Nachricht, die zumindest jeder Shell-Aktionär wohl mitbekommen hat, ist die Umbenennung in Shell plc. Dies wurde Ende 2021 angekündigt und war damit das Ende des königlichen Zusatzes im Namen. Die Hauptverwaltung und der Steuersitz wird außerdem von Den Haag (Niederlande) nach London (Großbritannien) verlegt.
Geschäftsführung
Ben van Beurden
Der Niederländer Ben van Beurden ist bereits seit 2014 der CEO von Shell und verfügt deshalb schon über einige Erfahrung in seiner Position. Auch die Jahre zuvor verbrachte er in diversen hochrangigen Führungspositionen bei dem Unternehmen. Shell kennt er bereits eine lange Zeit, denn er stieg 1983, direkt nach seinem Master in Chemieingenieurwesen, bei dem Konzern ein.
2021 wurde Ben van Beurden zudem Teil des Aufsichtsrats von der damaligen Daimler AG, welche nach der Abspaltung von Daimler Truck zur Mercedes-Benz Group wurde.
Lass uns Feedback da!
Verbesserungsvorschläge, Anregungen, Lob, Kritik? Wir nehmen alles dankend an. Wenn du uns kostenlos unterstützen möchtest, lass uns eine Rezension auf Trustpilot da – oder schreib uns einfach auf Discord.
Newsletter
Jetzt abonnieren und keine Analyse mehr verpassen.
Transparenzhinweis
Die Autoren haben diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten aber nicht garantieren. Es findet keinerlei Anlageberatung durch „Wir Lieben Aktien“ statt. Dieser Beitrag dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Börsengeschäfte sind mit erheblichen Risiken verbunden; der Kunde handelt stets auf eigenes Risiko.
Mehr Infos unter: wir-lieben-aktien.de/haftungsausschluss


