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Ametek Aktie Analyse

Hier kaufen sich Hedgefonds ein

Analyse vom 18.09.2022

von Jan Fuhrmann und Adrian Rogl

Kurzvorstellung von Ametek

Bei der Aktie, die wir uns in dieser Analyse angeschaut haben, handelt es sich um einen Hersteller von Industrieprodukten aus den USA. Auf die Aktie sind wir gekommen, während wir die Transaktionen von Hedgefonds in den letzten Wochen gescreent haben. Mehrere Hedgefonds haben diese Aktie zuletzt gekauft. Dabei sind die Ziele von Hedgefonds oft anderer Natur als die von privaten langfristigen Investoren wie uns – trotzdem lohnt sich der ein oder andere Blick auf solche Aktien. Die Aktie ist zudem seit 1970 in einem sehr schönen, langfristigen Aufwärtstrend und korrigiert derzeit. Das erhöht die Chance für einen guten Einstieg mit einem attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis.

1. Das Unternehmen

Geschäftsmodell

Einleitung

Es gibt Geschäftsmodelle, die einfach und welche, die etwas komplexer sind. Das von AMETEK ist eher letzteres. Wenn wir es in einem Satz zusammenfassen, dann ist AMETEK Hersteller von Industrieprodukten. Die Produkte unterteilen sich dabei in zwei Kategorien. Eine Kategorie ist elektronische Instrumente, die andere elektromechanische Instrumente. Beide werden nochmal in jeweils zwei Untersegmente aufgeteilt. Wir haben uns die einzelnen Produkte und das Geschäftsmodell im Gesamten für dich genauer angeschaut.

Wachstumsstrategie

Die Wachstumsstrategie von AMETEK ist klar definiert. Das ist auch einer der Gründe, warum der Aktienkurs des Unternehmens seit mehr als 50 Jahren konstant steigt. Auch in Zukunft soll das Wachstum auf vier Säulen fußen: operative Exzellenz, Entwicklung neuer Produkte, globale Marktexpansion und strategische Akquisitionen. Dabei beeinflussen sich diese verschiedenen Modelle natürlich gegenseitig positiv.

Die Wirkungskette des Wachstumsmodells ist einfach aber effektiv. Operative Exzellenz führt zur Entwicklung neuer Produkte. Neue Produkte führen zu globaler Marktexpansion aufgrund wachsender Kundennachfrage. Der daraus entstehende Cashflow wird effektiv für strategische Akquisitionen genutzt. Dieser Zyklus ist endlos und begleitet von der Förderung von Talenten innerhalb des Unternehmens. Der Erfolg in der Vergangenheit gibt AMETEK recht mit dieser Vorgehensweise.

Akquisitionen

AMETEK hat seit 2001 insgesamt 90 Unternehmen übernommen und in das eigene Kerngeschäft integriert. 44 dieser Akquisitionen fanden zwischen 2011 und 2021 mit einem Gesamtvolumen von 7,80 Mrd. USD statt. Einige Unternehmen hat AMETEK dabei in seiner Investor-Präsentation besonders hervorgehoben – siehe folgende Grafik:

Elektronische Instrumente (EIG)

Die Electronic Instruments Group (EIG) teilt sich auf in Process und Power + Industrial. Das Unternehmen entwickelt und fertigt hier Analyse-, Test- und Messinstrumente für verschiedene Branchen. Die Produkte sind darauf ausgelegt, industrielle Prozesse zu kontrollieren, die in den Bereichen Pharmazie, Halbleiter, Öl- und Erdgasförderung, Luftfahrt, Lebensmittel- und Getränkeherstellung etc. benötigt werden. Zusätzlich liefert AMETEK auch Instrumente für Forschungseinrichtungen und Labore, Präzisionsfertigungsanlagen und mehr. Das Segment ist mit fast drei Viertel des Gesamtumsatzes das wichtigste.

Das EIG-Segment handelt zu 100 % nach dem Wachstumsmodell von AMETEK. Nur so kann auf Dauer ein Wettbewerbsvorteil erhalten und Wachstum generiert werden. Die Produkte des EIG-Segments von AMETEK sind in vielen Branchen und Teilbereichen marktführend. Die Zielmärkte sind dabei riesig und gehen in mehr als 100 Richtungen. In der folgenden Abbildung sind einige der Produktkategorien aufgelistet, die AMETEK auch in Deutschland verkauft.

Elektromechanische Instrumente (EMG)

Die Electromechanical Group (EMG) teilt sich auf in Aerospace und Automation & Engineered Solutions. Sie ist das zweite Schlüsselsegment von AMETEK und liefert eine weitere, große Palette an Produkten. Darunter Automatisierungslösungen, Wärmemanagementsysteme, Spezialmetalle und elektrische Verbindungen. Die Branchen überschneiden sich stark mit denen des EIG-Segments. Den meisten Umsatz (fast drei Viertel) macht dieses Segment mit dem Verkauf von Automatisierungs- und Präzisionssteuerungseinheiten. Der Rest entfällt auf weitere Produkte aus dem Bereich Luft- und Raumfahrt.

AMETEK ist womöglich das am besten diversifizierte Unternehmen, das wir bisher analysiert haben. Das könnte auch die Hedgefonds-Aktivitäten erklären, die wir am Anfang der Analyse angesprochen haben. Mehrere bekannte Fonds haben Anteile an AMETEK.

Subunternehmen (EIG & EMG)

AMETEK verkauft und vermarktet die eigenen Produkte zu großen Teilen über diverse Tochterunternehmen und Marken. Dazu schauen wir uns mal einige Beispiele an.

Über das Unternehmen „Floorcare & Specialty Motors“ verkauft AMETEK Hochleistungsmotorgebläse, Spezialantriebsmotoren und Zentralvakuumsanlagen für Bodenpflegeprodukte in Gewerbe und Haushalt, Elektrofahrzeuge, Fitnessgeräte, Körperpflegeprodukte, Anlagen zur Verarbeitung von Lebensmitteln, Getränkeanlagen, Hydraulikpumpen, Winden und Insdustrigebläse. Das Unternehmen ist Branchenführer.

Aersospace und Defense von AMETEK ist ein Hersteller von Triebwerk- und Flugzeugüberwachungssystemen (Blackboxen), Datenerfassungseinheiten, Energieverteilungsanlagen, Kraftstoff- und Flüssigkeitsmesssystemen, Flugzeugzellensensoren, Kabeln, Kabelbäumen, Wärmeübertragungssystemen und wirklich nochmal dreimal so vielen Angeboten. Die Systeme werden eingesetzt in Flugzeugen, Militärfahrzeugen, Raketen, Raumfahrzeugen oder Raketen.

Material Analysis ist ein führender Anbieter modernster Labor- und Analyseinstrumente für den Einsatz in der Wissenschaft bei Behörden und in der Industrie zur Durchführung von Elementaranalysen. Erinnert uns ein bisschen an unsere Thermo Fisher Analyse. Material Analysis ist führend in der Herstellung von Ultrahochgeschwindigkeits-Digitalkameras für den Einsatz in den Bereichen Verteidigung, Automobiltechnik, Maschinenbau, Forschung und Entwicklung, Rundfunk, Fernsehen und Entertainment.

Process & Analytical Instruments ist führend in der Herstellung von Analysegeräten, Monitoren und anderen Messgeräten, die in den Bereichen Öl, Gas, Chemie/Petrochemie, Pharmazie, Halbleiterherstellung, Fabrikautomation und anderen verarbeitenden Industrien eingesetzt werden. Der Geschäftsbereich bietet darüber hinaus eine breite Palette an Prüfinstrumenten für den Einsatz auf dem Ölfeld und im Labor, Infrarot-Temperaturmessgeräte, Unterwasser- und Tiefwasser-Flüssigkeits- und Durchflussmesstechnik sowie spezialisierte Probenahme-, Extraktions-, Transport- und Konditioniersysteme.

Historie

Gründung und Entwicklung von American Machine and Metals

Die Informationen zur Historie von AMETEK sind insgesamt ziemlich begrenzt und AMETEK erwähnt selbst als erstes Jahr immer 1930 als der Börsengang an der NYSE statt fand. Dem vorausgegangen ist die Manhattan Electric Supply Company, welche die große Rezession mit dem Börsencrash in 1929 nicht überlebte. Die Aktionäre gründeten also eine neue Firma und brachten diese direkt wieder an die Börse. Damals hieß das Unternehmen noch American Machine and Metals und wurde mit dem Ticker AME gelistet, wobei letzteres auch heute noch zutrifft. Im Laufe der Zeit kam es allerdings zu Umbenennungen und erst seit 1961 heißt der Konzern AMETEK.

Nicht ganz so einfach zu verstehen, ist die Geschäftsentwicklung von American Machine and Metals, denn nach wenigen Jahren gehörten verschiedene Unternehmen dazu, welche übernommen wurden. Besonders profitierte die noch eher junge Aktiengesellschaft von dem 2. Weltkrieg, denn in dieser Zeit wurden bspw. Ventilatoren für Panzer, Zentrifugen und vieles mehr für das Militär produziert. Nach dem Krieg wurden weitere Akquisitionen getätigt, aber das Ursprungsgeschäft mit schweren Maschinen und Bergbauausrüstung rückte weit in den Hintergrund oder verschwand komplett in der Bedeutungslosigkeit.

Umstrukturierung unter dem Namen AMETEK

1961 zeigte das Unternehmen den eigenen Wandel auch durch die bereits erwähnte Namensänderung in AMETEK. In den nächsten Jahrzehnten entwickelten sich Analysegeräte und „feinere und kleinere” Werkzeuge zum neuen Geschäftsmodell, aber auch dies geschah nicht in kurzer Zeit. Zahlreiche Akquisitionen, weitere Umstrukturierungen und auch Ausgliederungen führten letztendlich zu einem Konzern, der über keinerlei Verbindung mehr zu dem Ursprungsgeschäft verfügt.

Anfang der 1990er-Jahre verfügte AMETEK über 33 Fertigungsbetriebe und auch die weltweite Expansion schritt voran. In Europa gelang der Markteinstieg durch Übernahmen und gegen Ende des Jahrtausends wagte das Unternehmen auch den Schritt nach Shanghai. Heute ist AMETEK mit über 40 Unternehmungen in mehr als 30 Ländern vertreten.

Akquisitionen

Akquisitionen hatten seit Beginn an eine große Bedeutung für AMETEK und auch heute ist dies weiterhin erkennbar. Neben einem Einbruch der Übernahmeaktivitäten in 2020, tätigte der US-Konzern 2021 bereits wieder Käufe auf einem neuen Rekordniveau. Seit dem Jahr 2000 führte das Unternehmen über 90 Übernahmen durch, wovon allein 6 in 2021 getätigt wurden.

Nur mithilfe der ganzen Zukäufe gelang der Umbruch zu einem gewissermaßen neuen Unternehmen und auch die weltweite Expansion wäre auf eine andere Art wohl eher nicht möglich gewesen. Im Laufe der Zeit hat sich so auch das breite Produktportfolio entwickelt, aber dazu später mehr im Geschäftsmodell…

Mission und Nachhaltigkeit

Mission und Umsetzung

AMETEK sieht es als eigene Mission, die komplexesten Herausforderungen der eigenen Kunden mit Technologielösungen zu bewältigen. Daran ist bereits der Kundenfokus erkennbar, welcher auch an anderer Stelle weitergehend betont wird.

Um diese Mission in die Tat umzusetzen bzw. generell zu verfolgen, bedarf es einen strategischen Ansatz:

Mitarbeiter

Wie viele andere Unternehmen auch, legt AMETEK einen großen Wert auf die eigenen Mitarbeiter und deren Wohlbefinden sowie Sicherheit in vielerlei Hinsicht. Das Unternehmen ist sich zudem bewusst, dass v. a. Talenten viel geboten werden muss, um diese beim Arbeitgeber zu halten.

Strategie

Um ein kontinuierliches Wachstum und die Unternehmensziele zu erreichen, setzt AMETEK auf ein Konstrukt bestehend aus mehreren einzelnen Punkten. Hervorgehoben werden hier wieder die Akquisitionen, welche durch eine gute Entwicklung des operativen Geschäfts möglich werden und essenziell für den langfristigen Unternehmenserfolg von AMETEK sind. Im Geschäftsmodell beschreiben wir diesen Ansatz noch einmal genauer.

Lösungen

Letztendlich ist die gesamte strategische Ausrichtung darauf angewiesen, dass die Kunden von AMETEK zufrieden sind und für die Leistungen bezahlen. Neben dem genauen Angebot (siehe Geschäftsmodell) spielen hier auch „weiche” Faktoren wie das Kundenmanagement, Flexibilität und inzwischen auch die Nachhaltigkeit eine Rolle.

Kern

Im Mittelpunkt steht für AMETEK eine strenge Überwachung vom Compliance und Risikomanagement, eine gute Unternehmensführung und die Verfolgung von einem starken Wertegerüst. Dies sieht das Unternehmen als Rückgrat für den langfristig nachhaltigen Erfolg an. Konkret sind dabei folgende Werte für AMETEK bedeutend:

  • Respekt für jeden Einzelnen
  • Ethik (Moral) und Integrität
  • Diversität und Inklusion
  • Teamarbeit
  • Soziale Verantwortung

Nachhaltigkeit

Trotz allen Wachstumsambitionen erwähnt AMETEK in der Regel zugleich auch den Nachhaltigkeitsgedanken, welcher jeden Schritt begleiten soll. Es beginnt beim Betrieb der Anlagen über die angebotenen Produkte selbst bis hin zum sozialen Engagement – der Anspruch von AMETEK ist stets, dass der nachhaltige Ansatz verfolgt wird.

Aus diesem Grund hat AMETEK auch eine Foundation ins Lebens gerufen, mit der seit 60 Jahren Gemeinden unterstützt werden. Dies basiert einerseits auf ehrenamtlicher Arbeit der Mitarbeiter und andererseits auf finanziellen Zuschüssen durch AMETEK.

In Bezug auf die Umwelt möchte AMETEK den eigenen ökologischen Fußabdruck stetig verringern. Neben einer Reduktion der Treibhausgasemissionen soll auch der Energie- und Wasserverbrauch sowie der verursachte Abfall reduziert werden. AMETEK nimmt dies aber nicht nur selbst (erfolgreich im letzten Geschäftsjahr) in Angriff, sondern leistet durch die eigenen Produkte auch indirekt einen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Laut eigener Aussage wird umweltorientiertes Handeln in einer Vielzahl von Märkten durch AMETEK unterstützt, denn die eigenen Produkte sorgen bspw. für eine Verbesserung des Gesundheitswesens oder sind im Test von Elektrofahrzeugen einsetzbar.

Aktionärsstruktur

Der größte Anteilseigner von AMETEK ist die Vanguard Group mit 10,40 % der Aktien. Darüber hinaus gibt es lediglich drei weitere Investmentgesellschaften, welche jeweils über 3 % der gesamten Anteile besitzen. Neben dem bekannten SSgA Funds Management (5,23 %) gehört dazu Southeastern Asset Management (3,87 %) und Massachusetts Financial Services (3,55 %). Insgesamt ist der Einfluss von einigen wenigen Großinvestoren somit eher gering.

Geschäftsführung

David Zapico

David Zapico ist der derzeitige CEO und Chairman von AMETEK und arbeitet bei dem Unternehmen bereits seit über 30 Jahren. Nachdem er damals als Produktingenieur begann, wurde Zapico regelmäßig befördert und gelangte über diverse allgemeine und technische Managementpositionen schließlich in den Verantwortungsbereich für Electronic Instruments als President. Zuvor lernte er in führenden Positionen allerdings auch andere Unternehmensbereiche kennen.

Nachdem Zapico die Tätigkeit als President für Electronic Instruments von 2003 bis 2013 ausführte, wurde er zum Executive Vice President und Chief Operating Officer (COO) des Konzerns befördert. Den Posten als CEO bekleidet er seit 2016.

Vor seiner beruflichen Karriere erwarb Zapico einen Bachelorabschluss in Elektrotechnik und anschließend einen Master in Betriebswirtschaft. Eine solche Kombination trifft man bei CEOs häufig an – die Kombination aus dem technischen Part und den Fähigkeiten, die für eine Unternehmensführung gefragt sind.

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