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Arthur J. Gallagher Aktie Analyse

Versicherungsmakler vor dem Comeback?

Analyse vom 01.11.2026

von Jan Fuhrmann und Adrian Rogl

Kurzvorstellung

Arthur J. Gallagher vermittelt Versicherungen, trägt selbst also so gut wie keine Risiken. Der Makler aus dem Großraum Chicago sucht für Unternehmen, Kommunen und Kirchengemeinden auf der ganzen Welt den passenden Versicherungsschutz und erhält dafür eine Provision der Versicherer. Gewachsen ist der Konzern vor allem durch Hunderte Übernahmen, zuletzt mit AssuredPartners durch die größte seiner Geschichte. An der Börse verlor die Aktie seit ihrem Rekordhoch zeitweise fast die Hälfte ihres Wertes, bevor sie zuletzt ein neues 52-Wochen-Hoch markierte. Ob die Erholung fundamental gedeckt ist, klären wir in dieser Analyse.

1. Das Unternehmen

Geschäftsmodell von Arthur J. Gallagher

Einleitung

Wenn ein Unternehmen seine Gebäude, Maschinen oder Mitarbeiter versichern möchte, schließt es den Vertrag häufig nicht direkt beim Versicherer ab, sondern über einen Makler. Dieser holt Angebote ein, verhandelt Preis und Bedingungen und betreut den Vertrag über die gesamte Laufzeit, inklusive der Abwicklung von Schäden. Das Risiko tragen die Versicherer, der Makler erhält im Gegenzug eine Provision, die in der Regel einen Prozentsatz der vermittelten Prämie ausmacht. Laut dem Branchenmagazin Business Insurance ist Arthur J. Gallagher gemessen am Umsatz der drittgrößte Versicherungsmakler der Welt, hinter Marsh (ehemals Marsh McLennan) und Aon. Rund 72.000 Mitarbeiter betreuen Kunden in rund 130 Ländern, berichtet wird in den Segmenten Brokerage (Maklergeschäft) und Risk Management (Schadenregulierung).

Brokerage: Vermittlung, Rückversicherung und Großhandel

Das Segment Brokerage ist für 87,45 % der Umsätze verantwortlich. Den Kern bildet mit drei Vierteln der Segmentumsätze das sogenannte Retail-Geschäft, in dem Arthur J. Gallagher gewerbliche Sach- und Haftpflichtversicherungen sowie betriebliche Kranken- und Vorsorgeleistungen (Employee Benefits) direkt an Unternehmen vermittelt. Rund 74,00 % davon erwirtschaften spezialisierte Branchenteams, etwa für die Bauwirtschaft, das Gesundheitswesen, Kommunen oder Kirchen. Die übrigen Umsätze stammen aus der Beratung von Versicherern bei ihrer Rückversicherung unter dem Namen Gallagher Re sowie aus dem Großhandelsgeschäft, in dem Arthur J. Gallagher für andere Makler schwer versicherbare Risiken bei Spezialversicherern und an der Londoner Versicherungsbörse Lloyd’s unterbringt.

Verdient wird überwiegend an Provisionen, die 65,81 % der Brokerage-Umsätze ausmachen, weitere 21,70 % sind fest vereinbarte Gebühren. Hinzu kommen erfolgsabhängige Vergütungen der Versicherer, die sich am Volumen und an der Schadenquote des vermittelten Geschäfts orientieren, sowie Zinserträge auf die Prämien, die Arthur J. Gallagher treuhänderisch für seine Kunden hält, bevor sie an die Versicherer fließen. Diese Zins- und sonstigen Erträge machten im Geschäftsjahr 2025 zusammen 5,52 % der Konzernumsätze aus.

Risk Management: Schadenregulierung unter dem Namen Gallagher Bassett

Das zweite Segment mit 12,54 % der Umsätze ist die Schadenregulierung. Unter dem Namen Gallagher Bassett übernimmt der Konzern als externer Dienstleister die Bearbeitung von Schadenfällen. Die Kunden sind Unternehmen und Kommunen, die ihre Risiken ganz oder teilweise selbst tragen, sowie Versicherer, die diese Arbeit auslagern. Auf die gesetzliche Unfallversicherung der Arbeitgeber (Workers’ Compensation) entfallen 59,00 % der Segmentumsätze, auf Haftpflicht- und Kfz-Schäden 34,00 % und auf Sachschäden 7,00 %. Bezahlt wird nach Gebühren und nicht nach Prämien, weshalb dieses Geschäft weniger vom Preiszyklus der Versicherer abhängt. Rund 95,00 % der Umsätze kommen von Kunden, die nicht gleichzeitig Maklerkunden von Arthur J. Gallagher sind.

Wachstum durch Übernahmen

Neben dem organischen Wachstum ist Arthur J. Gallagher seit Jahrzehnten ein Serienkäufer. Von Anfang 2002 bis Ende 2025 hat der Konzern rund 780 Übernahmen abgeschlossen. In den meisten Fällen waren das regionale Makler oder Benefits-Berater mit Kaufpreisen von bis zu 0,10 Mrd. USD. Der Markt ist dafür wie gemacht, denn allein in den USA gibt es laut Arthur J. Gallagher mehr als 30.000 Agenturen und Makler. Hinzu kamen im Jahr 2025 zwei deutlich größere Transaktionen. Im April übernahm Arthur J. Gallagher den kalifornischen Makler Woodruff Sawyer für 1,27 Mrd. USD, im August den führenden US-Makler AssuredPartners für 13,80 Mrd. USD.

Historie von Arthur J. Gallagher

Gründung, Söhne und Gallagher Bassett

Namensgeber und Gründer ist Arthur J. Gallagher, ein Versicherungsvertreter aus Chicago, der sich im Jahr 1927 mit einer eigenen Agentur selbstständig machte. Von Beginn an setzte er nicht nur auf den Verkauf von Policen, sondern auf die Beratung seiner Kunden. Nach dem Zweiten Weltkrieg stiegen seine drei Söhne Jim, Bob und John in das Unternehmen ein, das im Jahr 1950 in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt wurde. Den Durchbruch brachte einige Jahre später der Lebensmittelkonzern Beatrice Foods aus Chicago, den Arthur J. Gallagher dem damals größten Makler der USA als Kunden abwarb. Gemeinsam mit dem Schadenexperten Sterling Bassett gründete der Konzern im Jahr 1962 außerdem die Tochter Gallagher Bassett, die seither die Schadenregulierung für Unternehmen übernimmt, die ihre Risiken selbst tragen.

Börsengang und Beginn der Übernahmestrategie

Den Gang an die Börse wagte Arthur J. Gallagher im Jahr 1984, seit Ende der 1980er-Jahre wird die Aktie an der New Yorker Börse NYSE unter dem Kürzel AJG gehandelt. Etwa zur selben Zeit öffnete Gallagher Bassett seine Dienste auch für fremde Makler und Versicherer und legte damit den Grundstein für das heutige Segment Risk Management. An der Spitze übernahm Bob Gallagher im Jahr 1990 den Vorsitz, während sein Neffe Pat als President und COO das operative Geschäft verantwortete. Ende der 1990er-Jahre gründete der Konzern mit Risk Placement Services einen eigenen Großhandelsmakler, der für andere Makler schwer versicherbare Risiken unterbringt, expandierte nach Australien und überschritt die Umsatzmarke von 0,50 Mrd. USD. Business Insurance führte Arthur J. Gallagher zu diesem Zeitpunkt als viertgrößten Makler der Welt.

Internationale Expansion und veredelte Kohle

Zum 75. Firmenjubiläum im Jahr 2002 knackte der Konzern die Umsatzmarke von 1,00 Mrd. USD. In den folgenden Jahren wurde die Übernahmestrategie systematisch ausgebaut, allein zwischen 2010 und 2018 kaufte Arthur J. Gallagher fast 400 Unternehmen, darunter große Makler in Großbritannien, Australien, Kanada und Neuseeland. Eine Besonderheit dieser Jahre waren Investitionen in Anlagen zur Herstellung von sogenannter veredelter Kohle, für die der US-Fiskus Steuergutschriften gewährte. Diese Anlagen trugen im Jahr 2021 noch mehr als 1,00 Mrd. USD zum Konzernumsatz bei und drückten die Steuerquote jahrelang nahe null. Mit dem Auslaufen der Gutschriften Ende 2021 fiel dieses Geschäft weg.

Willis Re und AssuredPartners

Ende 2021 übernahm Arthur J. Gallagher das Rückversicherungsgeschäft von Willis Towers Watson, das seither gemeinsam mit den eigenen Aktivitäten unter dem Namen Gallagher Re auftritt. Danach folgten weitere Übernahmen, darunter der Benefits-Berater Buck sowie die US-Makler Eastern Insurance und Cadence Insurance. Mit AssuredPartners kündigte der Konzern im Dezember 2024 die größte Übernahme seiner Firmengeschichte an und finanzierte sie noch im selben Monat mit einer Kapitalerhöhung über 8,50 Mrd. USD und Anleihen über 5,00 Mrd. USD. Der US-Makler bringt über 10.900 Mitarbeiter in den USA, Großbritannien und Irland mit und verstärkt vor allem das Geschäft in den USA.

Aktionärsstruktur

Nach den zuletzt gemeldeten Beteiligungen liegt mehr als jede vierte Aktie von Arthur J. Gallagher bei nur vier US-Finanzkonzernen: Die Vanguard-Gruppe hält 9,90 %, JPMorgan Chase 7,80 %, BlackRock 6,90 % und Capital World Investors 5,00 %. Die Gründerfamilie spielt an der Börse dagegen kaum noch eine Rolle. CEO Pat Gallagher hält 0,50 % der Aktien, alle Mitglieder des Boards und des Managements zusammen 1,40 %. Einen Ankeraktionär gibt es nicht.

Geschäftsführung

J. Patrick Gallagher Jr.

An der Spitze von Arthur J. Gallagher steht mit J. Patrick Gallagher Jr., im Unternehmen nur Pat genannt, ein Enkel des Gründers. Er ist seit 1995 CEO, seit 2006 hat er außerdem den Vorsitz des Boards inne. Er kam 1974 nach einem Studium der Politikwissenschaft an der Cornell University als Kundenbetreuer in das Familienunternehmen. Vice President für das operative Geschäft wurde er im Jahr 1985. Mit seinem Bruder Tom als President und seinem Sohn Patrick M. als COO bleibt die Familie auch in der zweiten Reihe präsent.

CEO-Vergütung

Die Gesamtvergütung von Pat Gallagher belief sich 2025 auf 20,75 Mio. USD und lag damit 18,89 % über dem Vorjahr (17,45 Mio. USD) und 33,87 % über 2023 (15,50 Mio. USD). Das Grundgehalt machte davon 1,50 Mio. USD aus. Der Barbonus von 7,95 Mio. USD wurde mit 200,00 % des Zielwerts in maximaler Höhe ausgezahlt, weil die Vorgaben für das bereinigte Umsatz- und Gewinnwachstum deutlich übertroffen wurden. Dazu kamen Aktienzuteilungen im Wert von 6,58 Mio. USD, die an die Entwicklung des bereinigten operativen Gewinns je Aktie über drei Jahre gekoppelt sind, Aktienoptionen im Wert von 2,23 Mio. USD sowie Versorgungsbeiträge und Sachleistungen von 2,48 Mio. USD. Insgesamt sind damit 80,80 % der Vergütung variabel.

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