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Boeing Aktie Analyse

Gelingt der Turnarond?

Analyse vom 08.06.2025

von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann

Kurzvorstellung

Boeing – ein Name, der wie kaum ein anderer für den Traum vom Fliegen steht. Doch hinter den glänzenden Jets und ehrgeizigen Raumfahrtprojekten verbirgt sich ein Konzern, der in den letzten Jahren turbulente Zeiten durchlebt hat: Abstürze, Produktionsstopps, Lieferkettenprobleme und ein ramponiertes Image. Viele Investoren haben sich abgewendet – doch genau jetzt könnte der Moment gekommen sein, in dem sich das Blatt wendet. Ist Boeing ein schlafender Riese, der vor dem Comeback steht? Oder bleibt der Konzern in der Warteschleife, während Konkurrenten wie Airbus davonziehen? In dieser Analyse werfen wir einen genauen Blick auf Boeings aktuelle Lage, die Zahlen hinter der Fassade – und was das für die Aktie bedeutet.

1. Das Unternehmen Boeing

Geschäftsmodell von Boeing

Einleitung

Boeing gehört zu weltweit bekanntesten Unternehmen der Luft- und Raumfahrtindustrie. Gemeinsam mit Airbus dominiert der Konzern den Markt für Passagierflugzeuge bzw. Verkehrsflugzeuge – die beiden bilden in diesem Bereich ein faktisches Duopol. Dass Boeing neben der Herstellung und dem Verkauf von kommerziellen Verkehrsflugzeugen ein riesiges Rüstungsgeschäft besitzt, dürfte dem ein oder anderen möglicherweise nicht bekannt sein – und genau darauf werden wir im Folgenden einen genauen Blick werfen.

Commercial Airplanes (Verkehrsflugzeuge)

Die Tätigkeit innerhalb des sogenannten Commercial Airplanes-Segment von Boeing lässt sich sehr einfach zusammenfassen: Die US-Amerikaner sind führender Hersteller von Maschinen für den kommerziellen Gebrauch, die auf sämtliche Bereiche des Flugverkehrs abzielen: Kurz-, Mittel- und Langstrecke für Passagiere, aber auch für den Logistiksektor. Dementsprechend verfügt Boeing über ein umfassendes Portfolio an Verkehrsflugzeugen, eine entsprechende Übersicht ist in Abbildung 1 dargestellt.

Defense, Space & Security

Als Privatperson kommt man hoffentlich nur mit den Passagierflugzeugen von Boeing in Kontakt, weniger mit den Kampfflugzeugen. Während die entsprechenden Einnahmen in den vergangenen Jahren durch verschiedene Rückschläge deutlich zurückgingen, erweist sich das Rüstungsgeschäft von Boeing als stabile Ertragsquelle. Mit einer Vielzahl an Produkten für Verteidigung und Raumfahrt bzw. Raumfahrtindustrie ist man ein wertvoller Partner der US-Regierung. Eine Übersicht zum entsprechenden Portfolio mit unter anderem den Kampfflugzeugen kann ebenfalls Abbildung 2 entnommen werden.

Dienstleistungen

Boeing rundet sein Geschäftsmodell durch eine Vielzahl an nachgelagerten Dienstleistungen ab, die über die Herstellung der genannten Maschinen hinaus einen wichtigen Beitrag leisten. So bietet der Luft- und Raumfahrtkonzern seinen Kunden bspw. an, die Maschinen zu warten, bei Bedarf zu moderieren oder Upgrades vorzunehmen. Des Weiteren unterstützt man Airlines bei ihrem operativen Geschäft und betreibt Schulungen. Dieses Segment wird immer relevanter und entwickelt sich zu einer zentralen dritten Säule im Geschäftsmodell von Boeing.

Historie

Gründung von Boeing

Die Ursprünge von Boeing reichen bis ins Jahr 1912 zurück, als die Brüder George und Richard Pocock nach Seattle zogen, um Rennruderboote für die University of Washington zu bauen. Durch ihre Verbindung zum Präsidenten der Universität erhielten die Brüder später die Chance, anstelle von Booten auch Flugzeugteile zu fertigen. So erhielten sie im Jahr 1917 einen Auftrag Schwimmer für Wasserflugzeuge für über 50 Model-C-Trainingsflugzeuge der US Navy zu fertigen. Die Fertigung wurde im sogenannten „Red Barn“ aufgenommen, dem ersten Werk des Unternehmens. Dieses ist heute Teil des Museum of Flight in Seattle. 

Wendepunkt

Ein bedeutender Wendepunkt für die Luftfahrtindustrie in den USA war das Inkrafttreten des Air Mail Act im Jahr 1925, der es privaten Unternehmen ermöglichte, den Postflugverkehr zu übernehmen. Dieses Gesetz markierte den Beginn der kommerziellen Luftfahrt in den Vereinigten Staaten. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte Boeing auf die Entwicklung von Düsenflugzeugen. Anschließend folgte das neue Basismodell des Unternehmens, welches in Eigenfinanzierung produziert wurde – das Modell 367-80 („Dash 80“). Dieses Flugzeug bildete die Grundlage für den kommerziellen Jet 707 sowie den militärischen KC-135.  

Um seinem starken Konkurrenten, der Douglas DC-8, Marktanteile abzunehmen, entwarf Boeing 707-Varianten für verschiedene Kunden. So fertigte Boeing beispielsweise spezielle Langstreckenmodelle für die australische Airline Qantas Airways an und installierte größere Triebwerke für die hoch gelegenen Südamerika-Routen von Braniff. Die Kosten für solche Anpassungen waren hoch, sodass mit jeder Version der 707 das finanzielle Risiko stieg. Nach großen Anstrengungen zog der Absatz der 707 an. Die Risikobereitschaft zahlte sich aus und die Verkaufszahlen der 707 übertrafen die DC-8 von Douglas.

Boeing 737

Im Jahr 1965 stellte Boeing bereits die erste 737 Variante vor, ein zweistrahliges Kurz- und Mittelstreckenflugzeug, welches sich durch eine breitere Kabine mit sechs Sitzen pro Reihe auszeichnete. Der Erstkunde Lufthansa erhielt 1967 das erste Modell 737-100, gefolgt von United Airlines mit dem 737-200. Der 737 entwickelte sich zum meistverkauften Flugzeugtyp der kommerziellen Luftfahrt. In den 1990er-Jahren folgten die Next-Generation-Versionen 737-600 bis 737-900. Die neueste Generation, die 737 MAX-Serie, bietet verbesserte Effizienz bei Struktur, Wartung und Treibstoffverbrauch. 

Am 1. August 1997 fusionierte Boeing mit McDonnell Douglas, dem größten amerikanischen Konkurrenten. In späteren Jahren wurde die Fusion zunehmend kritisch betrachtet – insbesondere im Zusammenhang mit der 737-MAX-Krise, bei der Interessenkonflikte zwischen technischer Entwicklung und betriebswirtschaftlicher Steuerung als problematisch galten.

Im Jahr 2020 verzeichnete das Unternehmen einen Verlust von 2,40 Mrd. USD infolge der COVID-19-Pandemie und der weltweiten Stilllegung der 737 MAX-Flotte. 

Neuer Aufschwung

Um neues Wachstum zu generieren und die Produktionsprozesse wieder stärker unter Kontrolle zu bringen, entschied sich Boeing für zwei gezielte Akquisitionen. Im Mai 2023 übernahm Boeing das Unternehmen Wisk Aero, das sich auf autonome elektrische Senkrechtstarter (eVTOL) spezialisiert hat. Im Juni 2024 folgte anschließend der Rückkauf von Spirit AeroSystems – einem Zulieferer, der zuvor aus der eigenen Konzernstruktur ausgegliedert worden war. Die Übernahme hatte ein Volumen von 4,70 Mrd. USD. 

Streik und Kündigungen

Im September 2024 erlebte Boeing den größten Streik seit der Finanzkrise. Die Arbeiter streikten für sieben Wochen am Stück, um eine Gehaltserhöhung und Boni-Zahlungen zu erreichen. Nur ein Monat später kündigte das Unternehmen angesichts finanzieller Herausforderungen die Streichung von 17.000 Arbeitsplätzen und eine Verschiebung der Auslieferung des Modells 777X an. Zudem wurde ein Aktienverkauf im Umfang von rund 19,00 Mrd. USD eingeleitet, um die Liquidität zu sichern. 

Aktionärsstruktur von Boeing

Die Aktionärsstruktur des Unternehmens wird – wie bei vielen US-amerikanischen Tech-Unternehmen – durch zwei der größten Vermögensverwalter der Welt angeführt. BlackRock sichert sich mit 7,10 % den ersten Platz, gefolgt von Vanguard mit 6,50 %. An dritter Stelle steht CapitalResearch, die mit 5,30 % knapp über der Meldegrenze liegen. 

Geschäftsführung 

Im März 2024 kündigte Boeing an, dass David Calhoun seine Funktion als Präsident und CEO bis Ende des Jahres niederlegen werde. Gleichzeitig gab Larry Kellner bekannt, nicht erneut für den Vorsitz des Verwaltungsrats zu kandidieren. In der Folge wurde Steve Mollenkopf zum unabhängigen Vorsitzenden des Verwaltungsrats gewählt. 

Mollenkopf leitete unmittelbar danach einen umfassenden Auswahlprozess für die Nachfolge des CEO ein. Die Suche wurde vom Governance & Public Policy Committee (GPP Committee) des Verwaltungsrats koordiniert, das ausschließlich aus unabhängigen Mitgliedern bestand und externe Personal- sowie Prüfungsfirmen hinzuzog. 

Nach eingehender Prüfung verschiedener Kandidaten entschied sich der Verwaltungsrat einstimmig für Kelly Ortberg als neuen Presidenten und CEO. Ortberg verfügt über mehr als 35 Jahre Erfahrung in der Luft- und Raumfahrt- sowie Verteidigungsindustrie. Zu seinen Qualifikationen zählen unter anderem tiefgreifende Kenntnisse in der Führung komplexer, regulierter Technik- und Fertigungsunternehmen sowie eine ausgeprägte sicherheitsorientierte Unternehmenskultur. 

Kelly Ortberg

Ortberg trat sein Amt im August 2024 an. Sein Arbeitsplatz ist in Seattle, um die Nähe zur zivilen Flugzeugsparte sicherzustellen und direkte Interaktion mit der Belegschaft zu ermöglichen. Zu den ersten Schritten unter seiner Führung gehörten Initiativen zur Kulturveränderung, zur Stabilisierung des Unternehmens und zur Verbesserung der operativen Umsetzung. 

Ortberg begann seine berufliche Laufbahn 1983 als Ingenieur bei Texas Instruments und wechselte 1987 zu Rockwell Collins, wo er verschiedene Führungspositionen übernahm und schließlich ab 2013 als President und CEO tätig war. Nach der Übernahme von Rockwell Collins durch United Technologies begleitete er die Integration und war bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 2021 in führenden Funktionen bei RTX tätig. Darüber hinaus gehört er dem Verwaltungsrat von Aptiv an und war Vorsitzender des Board of Governors der Aerospace Industries Association (AIA). Ortberg besitzt einen Bachelorabschluss in Maschinenbau von der University of Iowa. 

CEO-Vergütung

Aufgrund des CEO-Wechsels im Fiskaljahr 2024, wurde auch die Vergütung auf die zwei Personen aufgeteilt. 

Die Vergütung des aktuelle CEO Ortberg ergab sich für das Jahr aus einem Grundgehalt von 0,53 Mio. USD, gefolgt von einem Bonus i.H.v. 1,25 Mio. USD. Die zwei größten Positionen waren die Stock und Option Awards die jeweils einen Gegenwert von 8,00 Mio. USD erreichten. Über andere Vergütungen erhielt er weitere 0,61 Mio. USD. Insgesamt belief sich damit die Vergütung auf 18,39 Mio. USD. 

Im Fall des ehemaligen CEOs Calhoun sah die Vergütungsstruktur etwas anders aus. Basis ist ein Grundgehalt i.H.v. 1,35 Mio. USD. Hinzu kommen Stock Awards in einem Gegenwert von 13,25 Mio. USD, abgerundet durch sonstige Vergütungen in Höhe von 0,46 Mio. USD. Insgesamt beläuft sich seine Vergütung damit auf 15,05 Mio. USD.

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