
Constellation Software Aktie Analyse
Das Berkshire Hathaway des Technologiesektors?
Analyse vom 14.09.2025
von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann
Kurzvorstellung von Constellation Software
Die Aktien von US-amerikanischen Softwareunternehmen wie Microsoft, Oracle oder Salesforce gehören zu den renditestärksten Aktien der letzten Jahre. Doch selbstverständlich existieren auch außerhalb der Vereinigten Staaten mehrere erstklassige Unternehmen, welche in diesem Bereich tätig sind und vom Megatrend der Digitalisierung profitieren können. Zu dieser Gruppe gehört Constellation Software, ein eher unbekannter Player aus Kanada, welcher aufgrund seiner Strategie häufig als „Berkshire Hathaway des Technologiesektors“ beschrieben wird. In Anbetracht einer Rendite von mehr als 25.000 Prozent seit dem Börsengang im Jahr 2006 scheint dieser Vergleich nicht einmal abwegig. Doch viel wichtiger ist natürlich die Frage, wie es um die Zukunft von Constellation Software steht - was wir mit dieser Analyse beantworten wollen.
1. Das Unternehmen
Geschäftsmodell
Einleitung
Die Wirtschaftszeitung „The Economist“ hat Constellation Software einmal als „Berkshire Hathaway des Technologiesektors“ bezeichnet. Angesichts der Strategie der Kanadier, die darauf abzielt, gute Softwareunternehmen zu akquirieren und langfristig weiterzuentwickeln, erscheint dieser Vergleich naheliegend. Während wir das Portfolio und das Vorgehen von Constellation Software bei Übernahmen und Investitionen im Rahmen des Abschnitts zum Geschäftsmodell genauer unter die Lupe nehmen werden, wollen wir im Laufe der gesamten Analyse der Frage nachgehen, ob der Vergleich von „The Economist“ zu Berkshire Hathaway zutrifft – oder eben nicht.
Strategie
„We buy good vertical market software companies. Now and again, we buy an exceptional company.“ – So beschreibt das Management von Constellation Software seine Übernahmestrategie, welche sich sich im Wesentlichen auf zwei Bestandteile herunterbrechen lässt: Die Kanadier fokussieren sich erstens auf sogenannte vertikale Softwarelösungen. Unter diesem Begriff versteht man Anwendungen, die für eine ganz bestimmte Nische entwickelt wurden und nur in dieser verwendet werden. Zum Vergleich: Unternehmen wie Microsoft, Salesforce oder SAP entwickeln horizontale Software, welche in vielen verschiedenen Branchen verwendet werden kann. Vertikale Software geht mit dem Vorteil einher, dass diese für ihre Nutzer meistens unabdingbar ist und ein Wechsel äußerst selten vorkommt.
Zweitens erwirbt Constellation Software ausschließlich – und das ist der zweite Bestandteil der Strategie – gute Entwickler von vertikalen Softwarelösungen. Dieses Attribut verdienen sich laut Constellation Software Unternehmen, die:
- von einem hervorragenden Manager geleitet werden
- konsistent profitabel sind
- schneller wachsen als der Branchendurchschnitt
- entweder Marktführer sind oder den zweiten Platz belegen
- über einen diversifizierten Kundenstamm verfügen
Darüber hinaus verfolgt Constellation Software das Ziel, gute Softwareunternehmen zu außergewöhnlichen Softwareunternehmen zu machen. Man entwickelt seine Akquisitionen also aktiv, statt diese einfach nur zu verwalten. Genauer gesagt identifiziert man Problemstellen und unterstützt seine Tochterunternehmen dabei, diese zu bereinigen. Diese Vorgehensweise macht Constellation Software zu einem attraktiven Partner für Gründer, die ihr Unternehmen veräußern und gleichzeitig sicherstellen wollen, dass dieses langfristig weiterhin floriert.
Überblick über das Portfolio von Constellation Software
Constellation Software gliedert sein operatives Geschäft in sechs verschiedene Unternehmensgruppen, welche Abbildung 1 entnommen werden können. Jede Gruppe fokussiert sich auf verschiedene Branchen: So ist Volaris etwa in den Bereichen Agrikultur, Transportation und Finanzdienstleistungen tätig. Harris deckt derweil das Versorgergeschäft und das Gesundheitswesen ab. In Summe sind die Lösungen von Constellation Software in mehr als 45 verschiedenen Sektoren vertreten, was die außergewöhnliche Diversifizierung der Kanadier auf Konzernebene unterstreicht. In diesem Kontext wollen wir außerdem hervorheben, dass Constellation Software dezentral organisiert ist: Das Management greift nicht in das Tagesgeschäft seiner Töchter ein, sondern unterstützt diese lediglich mit seinem Know-How dabei, sich stetig zu verbessern.
Historie
Gründung
Constellation Software wurde 1995 mit dem Ziel gegründet, ein Portfolio von Softwareunternehmen im Bereich vertikaler Märkte aufzubauen. Im Mittelpunkt stand von Beginn an die Strategie, Unternehmen zu erwerben, zu verwalten und weiterzuentwickeln, die spezialisierte, geschäftskritische Softwarelösungen für unterschiedliche Branchen anbieten.
Seit der Gründung hat das Unternehmen durch eine Kombination aus Akquisitionen und organischem Wachstum eine stetige Expansion verzeichnet. Heute umfasst die Struktur sechs operative Gruppen, die Kunden in mehr als 100 Märkten weltweit bedienen. Der Hauptsitz befindet sich in Toronto (Kanada), ergänzt durch Standorte in Nordamerika, Europa, Australien, Südamerika und Afrika. Mit über 50.000 Mitarbeitern erwirtschaftet Constellation Software konsolidierte Umsätze von mehr als 6 Milliarden US-Dollar.
Akquisitionen
Ein wesentlicher Bestandteil des Wachstums ist die kontinuierliche Erweiterung des Beteiligungsportfolios. Zu den Zukäufen der vergangenen Jahre zählen unter anderem:
- Volaris Group: Beteiligungen an fmade (2022), purpleview (2021), Across Systems (2021), Macos Software (2021), Saatmann (2020), MOTIONDATA VECTOR Gruppe (2020), Infogate (2019), ASC Automotive Group (2018), Sicap Schweiz (2018), BBT Software (2017), SYSTEMTECHNIK (2017) sowie AMIC (2016).
- Harris Computer Systems: Beteiligungen an CRP Informationssysteme (2021) und mquadr.at software engineering & consulting (2019).
- Vela Software: Beteiligungen an FACTON (2021) und BRZ Schweiz (2021).
- Total Specific Solutions: Beteiligungen an DOBRICK + WAGNER SOFTWAREHOUSE (2020), isp-insoft Gesellschaft für Entwicklung und Vertrieb individueller Software (2021) sowie Datamed (2021).
Aktionärsstruktur
Constellation Software hat keinen Anteilseigner, welcher mehr als 5,00% am Unternehmen hält, und ist somit nicht verpflichtet weitere Aktionäre auszuweisen.
Geschäftsführung
Mark Leonard
Leonard leitet das Unternehmen und hat seit der Gründung im Jahr 1995 die Position als President inne. Zuvor war er elf Jahre im Bereich Venture Capital tätig. Leonard verfügt über einen Bachelor of Science der University of Guelph sowie einen Master of Business Administration der University of Western Ontario.
CEO-Vergütung
In den Jahren 2022, 2023 und 2024 verzichtete der President von Constellation Software freiwillig auf Gehalt und Bonuszahlungen.
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