
Porsche Automobil Holding Aktie Analyse
Volkswagen und Porsche mit Rabatt kaufen
Analyse vom 17.08.2025
von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann
Kurzvorstellung
Die Porsche Automobil Holding SE ist eine der interessantesten Beteiligungsgesellschaften im DAX. Hinter dem traditionsreichen Namen verbirgt sich nicht etwa ein klassischer Automobilhersteller, sondern die Holding der Familien Porsche und Piëch, die als größter Aktionär maßgeblichen Einfluss auf den Volkswagen-Konzern ausübt. Damit eröffnet sich für Anleger ein besonderes Investmentvehikel: Einerseits die Möglichkeit, indirekt an einem der größten Automobilkonzerne der Welt zu partizipieren, andererseits die Chance auf Bewertungsunterschiede zwischen Holding und Beteiligungen. Doch welche Chancen und Risiken birgt dieses Konstrukt wirklich – und lohnt sich ein Einstieg für Investoren?
1. Das Unternehmen Porsche Automobil Holding
Geschäftsmodell
Einleitung
Um Unklarheiten zu vermeiden, vorab eine Erklärung der verschiedenen börsennotierten Unternehmen, die den Namen Porsche tragen: Im Rahmen dieser Analyse befassen wir uns mit der Porsche Automobil Holding SE, einer Beteiligungsgesellschaft zur Verwaltung des Vermögens der gleichnamigen Familie sowie der Familie Piëch. Diese ist nicht mit der seit fast drei Jahren erneut öffentlich handelbaren Porsche Aktiengesellschaft zu verwechseln, welche die Herstellung, den Vertrieb sowie die Finanzierung von Sportwagen umfasst.
Wie wir im weiteren Verlauf dieser Analyse noch erklären werden, ist es kein Zufall dass sich diese Unternehmen ihren Namen teilen; sie sind historisch nämlich eng miteinander verflochten. So ist die Porsche Automobil Holding SE im Jahr 2007 aus dem Sportwagenhersteller hervorgegangen, welcher im Jahr 2012 nach einem gescheiterten Übernahmeversuch vollständig von Volkswagen akquiriert wurde.
Vor etwas weniger als drei Jahren feierte Porsche jedoch sein Comeback an der Börse, was das ohnehin komplexe Verhältnis der drei Unternehmen weiter verkomplizierte. Weil die Beteiligungen an Porsche und Volkswagen mehr als 98,00 % der Vermögenswerte von Porsche Automobil Holding SE ausmachen und somit wesentlich für die Entwicklung der Beteiligungsgesellschaft verantwortlich sind, haben wir in Abbildung 1 versucht, die Verbindung der Unternehmen zueinander darzustellen.
Weitere Beteiligungen
Neben den beschriebenen Aktienpaketen der Porsche Automobil Holding SE am gleichnamigen Sportwagenhersteller sowie an Volkswagen, welche gemeinsam als absoluter Kern des „Geschäftsmodells“ der Beteiligungsgesellschaft hervorzuheben sind, investiert diese ihr Geld zudem in meistens noch sehr junge und vielversprechende Unternehmen aus dem Mobilitäts- und Industriesektor. Ein Überblick kann Abbildung 2 entnommen werden.
Zum 30. Juni dieses Jahres waren die dargestellten Investitionen kumuliert allerdings nur 0,40 Mrd. EUR schwer, was wiederum 1,98 % der gesamten Vermögenswerte von Porsche Automobil Holding SE entspricht. Dementsprechend spielen diese eine stark untergeordnete Rolle und werden der Einfachheit halber im weiteren Verlauf dieser Analyse nicht weiter von uns berücksichtigt.
Historie von Porsche Automobil Holding
Gründung von Porsche Automobil Holding
Die Gründung der Porsche Automobil Holding ist zurückzuführen auf einen Beschluss im Jahr 2007 während einer außerordentlichen Hauptversammlung. Dabei wurde beschlossen, das operative Geschäft von Porsche in die neu gegründete Tochtergesellschaft Porsche Vermögensverwaltung auszugliedern. Ausgenommen von der Ausgliederung blieben die Beteiligungen an Volkswagen sowie an dieser Porsche Vermögensverwaltung. Ende des Jahres wurde die Porsche Automobil Holding als Europäische Gesellschaft in das Handelsregister B des Amtsgerichts Stuttgart eingetragen. Das Unternehmen Porsche Vermögensverwaltung erhielt in diesem Zuge den Namen Dr. Ing. h.c. F. Porsche Aktiengesellschaft. Ziel der neuen Holdingstruktur war die organisatorische Trennung von Fahrzeugentwicklung, -herstellung und -vertrieb einerseits und der Verwaltung von Unternehmensbeteiligungen andererseits.
Übernahmeversuch von Volkswagen
Die Gründung der Holding stand in direktem Zusammenhang mit der seit 2005 kontinuierlich aufgebauten Beteiligung an Volkswagen. Ende September 2005 hielt Porsche bereits knapp 5,00 % der Volkswagen-Aktien und erwarb bis Dezember desselben Jahres 18,53 %, ergänzt um Optionen zum Kauf weiterer Anteile. Die Beteiligung diente auch der Abwehr einer möglichen feindlichen Übernahme von Volkswagen. Bis 2006 wurde der Anteil schrittweise auf 29,90 % erhöht. Als größter Einzelaktionär entsandte Porsche seinen Vorstandsvorsitzenden Wendelin Wiedeking sowie Finanzvorstand Holger Härter in den Volkswagen-Aufsichtsrat.
Im März 2007 lag die Beteiligung an Volkswagen bei 30,9 %, was ein Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre auslöste. Porsche bot 100,92 EUR pro Stammaktie, was zu einer geringen Annahmequote führte. Im weiteren Verlauf setzte das Unternehmen Cash-Settled Equity Swaps ein und erhöhte die Beteiligung im September 2008 auf 35,14 %. Im Oktober 2008 gab Porsche das Ziel bekannt, den Anteil auf 75,00 % zu erhöhen, und meldete Ende desselben Monats einen Stammaktien-Anteil von 42,60 % sowie zusätzliche Optionen auf 31,50 %. Am 5. Januar 2009 lag der Anteil bei 50,76 %. Diese Käufe wurde durch einen Kredit in Höhe von 10,00 Mrd. EUR finanziert. Dieser Kredit wurde absurderweise durch Volkswagen-Aktien abgesichert.
Die plötzliche Wendung
Am Ende scheitert die feindliche Übernahme des Volkswagen Konzerns (VW) aufgrund der angehäuften Schulden. Der Hersteller Porsche hatte zu dieser Zeit ein Unternehmenswert von unter 8,00 Mrd. EUR, während sich die Schulden auf über 11,00 Mrd. EUR beliefen. Der Nischenhersteller stand kurz vor dem Bankrott. Volkswagen (VW) ergriff die Chance und erhöhte wiederum die Anteile an Porsche und übernahm diese auch schließlich im August 2009. In diesem Zusammenhang verließen Wiedeking und Härter das Unternehmen und legten ihre Mandate bei Volkswagen und Audi nieder. Am 13. August 2009 stimmte der Volkswagen-Aufsichtsrat der geplanten Integration unter Volkswagen-Führung zu. Martin Winterkorn und Hans Dieter Pötsch übernahmen die Vorstandsspitze der Porsche Automobil Holding. In den folgenden Jahren erhöhte Volkswagen (VW) seine Anteile weiter, bis das Unternehmen 2012 die restlichen Anteile an Porsche für rund 4,49 Mrd. EUR erwerben konnte.
Das Konstrukt ist aber noch komplizierter. Die Porsche Automobil Holding hält über 50,00 % an Volkswagen und ist damit der Hauptanteilseigner. Weitere Großinvestoren sind das Bundesland Niedersachsen und das Land Qatar.
Ende 2017 übernahm Porsche knapp 100,00 % des stimmberechtigten Kapitals der PTV-Gruppe, einem Karlsruher Anbieter von Simulationssoftware für Verkehrsplanung und Transportlogistik. 2021 veräußerte Porsche einen Großteil der PTV-Anteile an Bridgepoint Advisers und behielt eine Beteiligung von 40,00 %.
Aktionärsstruktur von Porsche Automobil Holding
Die Porsche Automobil Holding SE gibt Stamm- und Vorzugsaktien (Vz) aus. Die Familie Porsche und Piëch ist im Besitz aller Stammaktien. Bei den Vorzugsaktien (Vz) gibt es keinen Anteilseigner welcher über 5,00 % der Anteile hält.
Geschäftsführung von Porsche Automobil Holding
Hans Dieter Pötsch
Hans Dieter Pötsch wurde am 28. März 1951 in Traun bei Linz, Österreich, geboren und studierte von 1973 bis 1979 Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen Hochschule Darmstadt.
Pötsch ist Vorsitzender des Vorstands der Porsche Automobil Holding SE und Vorsitzender des Aufsichtsrats der Volkswagen AG. Seine berufliche Laufbahn begann 1979 bei BMW in München, wo er zuletzt die Position des Leiters des Konzerncontrollings innehatte. Von 1987 bis 1991 war er Geschäftsführer für Finanzen und Verwaltung von Trumpf in Ditzingen. Anschließend übernahm er von 1991 bis 1995 den Vorsitz des Vorstands bei dem Unternehmen Traub. Zwischen 1995 und 2002 war er Vorsitzender des Vorstands von Dürr in Stuttgart und zusätzlich verantwortlich für die Zentralfunktionen Qualität, Unternehmensplanung, interne Revision und Unternehmenskommunikation.
Im Jahr 2003 wechselte Pötsch in den Vorstand von Volkswagen, wo er bis 2015 den Geschäftsbereich Finanzen und Controlling leitete. Seit 2009 ist er Mitglied des Vorstands der Porsche Automobil Holding und seit 2015 deren Vorsitzender. Ebenfalls seit 2015 bekleidet er das Amt des Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Volkswagen AG. Zudem hält er gegenwärtig eine Vielzahl an Mandaten innerhalb der Tochtergesellschaften des Volkswagen-Konzerns.
CEO-Vergütung
Für das Fiskaljahr 2024 erhielt Pötsch ein Grundgehalt i.H.v. 0,80 Mio. EUR. Zusätzlich erhielt er über Nebenleistungen weitere 0,27 Mio. EUR. Über Short-term Incentives erhielt er weitere 0,38 Mio. EUR. Insgesamt belief sich seine Vergütung damit auf 1,45 Mio. EUR. Im Vorjahr belief sich das Grundgehalt auf 0,78 Mio. EUR. Die Gesamtvergütung erreichte einen Wert von 1,39 Mio. EUR.
Lass uns Feedback da!
Verbesserungsvorschläge, Anregungen, Lob, Kritik? Wir nehmen alles dankend an. Wenn du uns kostenlos unterstützen möchtest, lass uns eine Rezension auf Trustpilot da – oder schreib uns einfach auf Discord.
Newsletter
Jetzt abonnieren und keine Analyse mehr verpassen.
Transparenzhinweis
Die Autoren haben diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten aber nicht garantieren. Es findet keinerlei Anlageberatung durch „Wir Lieben Aktien“ statt. Dieser Beitrag dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Börsengeschäfte sind mit erheblichen Risiken verbunden; der Kunde handelt stets auf eigenes Risiko.
Mehr Infos unter: wir-lieben-aktien.de/haftungsausschluss



