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Ball Aktie Analyse

Ball Corp.

Aktualisiert am 10.04.2025. Analyse vom 10.04.2025

von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann

Kurzvorstellung

Moderne Trends kombiniert mit einem effektiven Grundgedanken, der sich in der Praxis bereits bewährt hat. So sieht für uns das Fundament eines soliden Unternehmens aus, in das wir potenziell investieren würden. Die Ball Corporation bietet genau das. Sie ist mitunter führend in der Herstellung von Aluminiumprodukten bspw. für die Getränkeindustrie oder Luftfahrt. Das mag auf den ersten Moment komisch klingen, ist aber gar nicht so weit hergeholt. Schließlich ist eine Dose auch Luftdicht verschlossen, genauso wie ein Raumschiff. Aluminium ist außerdem ein sehr effektives Ersatzmaterial für Plastik, aufgrund der besseren „Recycling-Effektivität”. Die Getränkeindustrie sucht in vielen Regionen der Welt, die mehr auf ihre Umwelt achten wollen, nach Alternativen. Setzen wir diese Teile zusammen, erhalten wir ein Unternehmen, das bereits seit Jahrzehnten erfolgreich wirtschaftet und nun mit dem eigenen Geschäftsmodell in Zeiten von Umweltschutz und Raumfahrt-Hype nochmal auf Trends aufspringen darf. Wir haben uns Ball genauer für Dich angeschaut.

1. Das Unternehmen

Geschäftsmodell

Einleitung

Für viele das Highlight an einem heißen Sommertag: Ein kühles Getränk, am besten aus der Dose. Die Hersteller dieser beliebten Getränke kennt jeder, wer jedoch die entsprechenden Verpackungen herstellt, ist den wenigsten bekannt.

Die Ball Corporation ist in ihrer heutigen Form der weltgrößte Hersteller von innovativen Verpackungen auf Aluminiumbasis, insbesondere Aluminiumdosen für die internationale Getränkeindustrie. Dabei pflegt das Unternehmen langfristige Kundenbeziehungen zu den größten Getränkeherstellern der Welt und profitiert von der konstant steigenden Nachfrage nach Aluminiumdosen. Neben der Herstellung von Verpackungen aus Aluminium bietet die Ball Corporation verschiedene Lösungen für die Luft- und Raumfahrtindustrie an. So werden bspw. Antennen, Satelliten und ganze Raumfahrzeuge durch das Unternehmen hergestellt.

Getränkeverpackungen und Raumfahrtindustrie – eine unkonventionelle und spannende Kombination zweier Geschäftsbereiche mit zahlreichen Chancen für die Ball Corporation. Bevor wir uns die unterschiedlichen Geschäftsbereiche anschauen, sollen in einem kleinen Exkurs einige der Vorteile von Aluminium als Verpackungsmaterial dargestellt werden.

Aluminium als Verpackungsmaterial

Aluminium ist als Verpackungsmaterial seit langem bewährt und als solches Teil der neuerlichen Erfolgsgeschichte von Ball. Es bietet für Verpackungen diverse Vorteile: Leichtes Gewicht, niedrige Herstellungskosten, hochwertiges Aussehen, Stabilität und vor allem gesundheitliche Unbedenklichkeit. Besonders hervorzuheben ist jedoch die Umweltfreundlichkeit von Produkten aus Aluminium. Im Vergleich zu Plastik, z. B. den vielfach genutzten PET-Flaschen, lassen sich Aluminiumdosen energiesparend, unkompliziert und beliebig oft ohne Verschlechterung des Materials recyceln. Entsprechend ist die Recyclingquote für Aluminium unter den gängigen Verpackungsmaterialien mit über 60 % (nach Daten der Aluminium Association in einem Nachhaltigkeitsreport sogar 69 %) weltweit am höchsten.

Das neuerliche Umweltbewusstsein hierzulande und auch weltweit erwies sich für Hersteller von Aluminiumverpackungen wie die Ball Corporation zuletzt unbeabsichtigt als Wachstumstreiber. Plastikabfälle, die in erschreckender Anzahl Flüsse, Ozeane und Meere verunreinigen, stellen eine der größten Gefahren für die Umwelt dar. Die Ball Corporation bietet mit ihren wiederverwertbaren und modernen Aluminiumverpackungen in einem effizienten Recyclingkreislauf einen Teil der Lösung für diese globale Herausforderung.

Geschäftsbereiche

Das operative Geschäft der Ball Corporation ist in die Segmente Beverage Packaging (Getränkeverpackungen) und Aerospace (Luft- und Raumfahrt) aufgeteilt. Das Unternehmen gliedert dabei den Bereich Getränkeverpackungen regional in folgende Geschäftsbereiche auf:

  1. Beverage Packaging, North and Central America,
  2. Beverage Packaging, Europe, Middle East and Africa (EMEA) und
  3. Beverage Packaging, South America.

Beverage Packaging

Mit dem Segment Beverage Packaging werden, ohne eine Aufteilung auf die verschiedenen Regionen vorzunehmen, knapp 86 % der Umsätze des Unternehmens erwirtschaftet. Der Hauptanteil dieser Umsätze entfällt auf die Produktion und den Verkauf von Aluminiumdosen und Behälter an internationale Getränkehersteller sowie an Unternehmen, die Haushaltsprodukte herstellen. Ein großer Vorteil liegt hier in der starken Marktposition der Ball Corporation: Mit vielen großen Getränkeherstellern wurden langfristige und lukrative Verträge abgeschlossen, die wiederkehrende Umsätze generieren.

Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass über 50 % der Umsätze auf das nord- und zentralamerikanische Geschäft entfallen. Hier zeigt sich die Marktmacht der Ball Corporation, was eindrucksvoll durch folgende Zahlen untermauert wird: Im Jahr 2021 befanden sich in Nord- und Zentralamerika ungefähr 133 Mrd. Aluminiumdosen im Umlauf, die Ball Corporation produzierte nach Unternehmensangaben allein 41 % bzw. 54 Mrd. dieser Gesamtmenge. Große Teile des Geschäfts sind also abhängig von Umsätzen in den heimischen Märkten, was sowohl Chancen als auch Risiken bieten kann. Die größten Risikofaktoren umfassen dabei den Verlust wichtiger Großkunden aus der Getränkeindustrie, konkurrierende Verpackungsprodukte oder generell sinkende Beliebtheit von Aluminiumdosen beim Endkunden. Weiterhin unterliegt das Unternehmen schwankenden Rohstoffpreisen und einer ausgeprägten Saisonalität der Absatzzahlen der Produkte.

Chancen liegen insbesondere im weiteren Ausbau der ohnehin schon starken Positionierung am Markt, einer weiter steigenden Nachfrage nach innovativen, umweltfreundlichen Aluminiumlösungen und in der weiteren Verdrängung von Plastikflaschen durch Aluminiumdosen. Insbesondere im nord- und zentralamerikanische Markt sind Plastikflaschen noch allgegenwärtig: Hier liegt der Pro-Kopf-Verbrauch von Plastikflaschen noch bei fast 300 Stück pro Jahr, während dieser in Europa bereits bei unter 150 liegt.

Die beiden weiteren regionalen Segmente Beverage Packaging Europe, Middle East and Africa (31 % der Umsätze des Verpackungsgeschäfts) sowie Beverage Packaging South America (17 % der Umsätze des Verpackungsgeschäfts) bieten insgesamt die gleichen Chancen und Risiken wie der Verkauf von Aluminiumverpackungen in Nord- und Zentralamerika. Insbesondere für Europa gilt jedoch: Aufgrund politischer Bemühungen, im Bezug auf umweltfreundliche Verpackungsmaterialien, steigt die Nachfrage nach Aluminiumdosen. Zudem liegen die Recyclingquoten von Aluminiumdosen im europäischen Raum bei über 75 %. Während die Ball Corporation in Südamerika mit fast 50 % der produzierten Aluminiumdosen eine ähnliche Marktstellung wie in Nordamerika besitzt, ist das Unternehmen in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika noch nicht so dominant. Hier bieten sich weitere Wachstumschancen.

Aerospace

Auf den Geschäftsbereich Aerospace entfallen zwar nur etwa 14 % der Umsätze der Ball Corporation, trotzdem zeigt sich hier großes Potenzial. Ähnlich wie im Verpackungsgeschäft arbeitet das Unternehmen in dieser Sparte mit zahlungskräftigen Kunden wie bspw. der NASA und dem amerikanischen Verteidigungsministerium zusammen, für die eine vielfältige Palette von Produkten hergestellt werden: Satelliten und Verteidigungssysteme, Antennen, taktische Videosysteme, Sensoren sowie ganze Raumfahrzeuge.

Dieser Geschäftsbereich entwickelte sich zuletzt stark. Die Ball Corporation hat gezeigt, dass sie auch außerhalb von konventionellen Verpackungsprodukten für die Getränkeindustrie zur Herstellung innovativer und moderner Produkte fähig ist. Trotzdem unterliegt der Erfolg in diesem Segment des Wohlwollens der US-Regierung, die mit über 97 % der Umsätze in diesem Segment der einzig relevante Kunde ist.

Zusammenfassung

Die Ball Corporation ist im Nischenmarkt für die Herstellung von Verpackungsprodukten aus Aluminium Weltmarktführer. Die Stärke des Unternehmens beruht insbesondere auf langfristigen und lukrativen Verträgen mit Großkunden aus der internationalen Getränkeindustrie, was zu wiederkehrenden Umsätzen in einem ertragreichen, globalen Markt führt. Daneben steht die Ball Corporation für Verpackungslösungen, die neben diversen weiteren Vorteilen vor allem eins sind: umweltfreundlich. Die konstant steigende Nachfrage nach modernen Verpackungsprodukten, die die Umwelt nicht belasten, bescherte dem Unternehmen zuletzt und voraussichtlich auch in näherer Zukunft glänzende Geschäfte. Durch die starke Stellung am Markt und gegenüber Wettbewerbern konnten Risiken wie steigende Aluminiumpreise und saisonal schwankende Nachfrage nach Aluminiumdosen bisher problemlos ausgeglichen werden.

Dazu kommt der vielversprechende Geschäftsbereich Aerospace, in dem die Ball Corporation unterschiedliche, moderne Produkte für die Luft- und Raumfahrtindustrie herstellt. Fluch und Segen zugleich ist an dieser Stelle, dass der einzig nennenswerte Vertragskunde bisher die US-Regierung ist. Im Ergebnis bietet die Ball Corporation ein spannendes, häufig übersehenes Geschäftsmodell in einem lukrativen Markt, der jedoch auch diverse Risiken beinhaltet. Klar ist: Die Welt hat der Umweltverschmutzung den Kampf angesagt. Durch Plastik verschmutzte Meere und Seen sollen der Vergangenheit angehören. Aluminiumdosen der Ball Corporation sind nicht der Heilige Gral, aber ein Teil der Lösung dieses Problems.

Historie

Gründung

Ball wurde bereits vor über 140 Jahren, genauer gesagt 1880, in den USA von fünf Brüdern gegründet. Damals liehen sie sich 200 Dollar von ihrem Onkel (eine stattliche Summe), um mit der Herstellung von holzummantelten Blechdosen zu beginnen, welche man für verschiedenste Zwecke nutzen konnte. Kurz darauf wurden Einmachgläser in das Sortiment aufgenommen, die das Unternehmen schließlich auch bekannt machten.

Projekte mit der NASA

Die Grundlage für die heutige Tochter Ball Aerospace & Technologies legte der Konzern 1956 mit der Gründung einer Research-Abteilung. Was genau das Unternehmen in dieser Sparte macht, erfährst Du im Geschäftsmodell. Ball hat es geschafft an zahlreichen Projekten der NASA mitzuarbeiten und sich verschiedene Verträge zu sichern. Zwei Beispiele sind die Mitarbeit am Hubble- und James-Webb-Weltraumteleskop:

1995 wirkte Ball an der Reparatur vom bekannten Hubble-Weltraumteleskop mit und lieferte dafür spezielle Korrekturoptiken. Bereits 1990 wurde dieses Teleskop ins Weltall geschickt nachdem es über lange Zeit geplant wurde. Auch am James-Webb-Weltraumteleskop, welches erst Ende 2021 in das Weltall startete, konnte Ball mitarbeiten. Hier handelt es sich um das modernste und fortschrittlichste Teleskop, das jemals gebaut wurde. Dies sind allerdings nur zwei Beispiele von vielen Projekten.

Getränkedosen

1969 stieg Ball in das Getränkedosengeschäft ein und erwarb die Jeffco Manufacturing Co., um sich direkt in diesem Bereich zu etablieren. Vor allem ab den 1990er-Jahren nahm Ball weltweit viele Akquisitionen vor und wurde auf diese Art mit der Zeit zum Weltmarktführer.

Nach der Übernahme von Heekin Can in 1993 wurde Ball zum drittgrößten Hersteller von Metalldosen für Lebensmittel und Aerosole in Nordamerika. Mit einem Joint Venture stieg man zwei Jahre später dann in den brasilianischen Markt ein. 1997 fasste man mit einer Übernahme in China Fuß und startete hier direkt als größter Anbieter von Dosen auf dem dortigen Absatzmarkt. Auch anschließend gab es noch viele weitere Übernahmen und Ball wurde 2010 final zum weltweit größten Anbieter von Aluminium-Rohlingen. 2016 sicherte sich Ball den Status als weltweit größter Hersteller von Aluminium-Getränkedosen.

Zuletzt stellte das Unternehmen im Jahr 2019 den Ball Cup aus Aluminium vor, welcher zu 100 % recycelbar ist.

Aktionärsstruktur

Bei der Aktionärsstruktur gibt es zunächst einmal keine Auffälligkeiten, denn die größten Aktionäre sind wie üblich große Investmentgesellschaften – in diesem Fall hält die Vanguard Group sogar 10,70 % der Aktien. Auch der vorrangig aktiv tätige Vermögensverwalter T. Rowe Price ist stark bei Ball investiert und besitzt und 7,30 % der Aktien.

Der drittgrößte Anteilseigner ist weniger bekannt: Parnassus Investments mit 6,40 %. Dieses Unternehmen aus dem Investmentbereich bietet ausschließlich fünf Fonds an, wobei bei der Aktienauswahl v. a. auch auf das Thema Nachhaltigkeit geachtet wird.

Geschäftsführung

Daniel W. Fisher

Daniel Fisher ist erst seit diesem Jahr (2022) der CEO von Ball, aber hat bereits Erfahrungen bei dem Konzern in verschiedenen Führungspositionen sammeln können. Seit 2010 leitete er so unterschiedliche Abteilungen und lernte das Unternehmen kennen. Nachdem er 2021 zum President ernannt wurde, übernahm er nun kürzlich den CEO-Posten.

Vor seiner Karriere bei Ball war Fisher bei diversen anderen bekannten Konzernen beschäftigt und auch dort in Positionen der Unternehmensleitung u. a. bei Emerson Electric oder Danaher. Bei Emerson Electric war er bspw. Chief Financial Officer und Chief Technology Officer.

Vor seiner Berufszeit machte Fisher seinen Bachelor in Business Administration/Finance an der Washington University und anschließend seinen Master in Business Administration an der University of Colorado.

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