
Ball Aktie Analyse
Ball Corp.
Aktualisiert am 10.04.2025. Analyse vom 10.04.2025
von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann
Kurzvorstellung
Moderne Trends kombiniert mit einem effektiven Grundgedanken, der sich in der Praxis bereits bewährt hat. So sieht für uns das Fundament eines soliden Unternehmens aus, in das wir potenziell investieren würden. Die Ball Corporation bietet genau das. Sie ist mitunter führend in der Herstellung von Aluminiumprodukten bspw. für die Getränkeindustrie oder Luftfahrt. Das mag auf den ersten Moment komisch klingen, ist aber gar nicht so weit hergeholt. Schließlich ist eine Dose auch Luftdicht verschlossen, genauso wie ein Raumschiff. Aluminium ist außerdem ein sehr effektives Ersatzmaterial für Plastik, aufgrund der besseren „Recycling-Effektivität”. Die Getränkeindustrie sucht in vielen Regionen der Welt, die mehr auf ihre Umwelt achten wollen, nach Alternativen. Setzen wir diese Teile zusammen, erhalten wir ein Unternehmen, das bereits seit Jahrzehnten erfolgreich wirtschaftet und nun mit dem eigenen Geschäftsmodell in Zeiten von Umweltschutz und Raumfahrt-Hype nochmal auf Trends aufspringen darf. Wir haben uns Ball genauer für Dich angeschaut.
1. Das Unternehmen
Geschäftsmodell
Einleitung
Aluminium als Verpackungsmaterial
Geschäftsbereiche
Das operative Geschäft der Ball Corporation ist in die Segmente Beverage Packaging (Getränkeverpackungen) und Aerospace (Luft- und Raumfahrt) aufgeteilt. Das Unternehmen gliedert dabei den Bereich Getränkeverpackungen regional in folgende Geschäftsbereiche auf:
- Beverage Packaging, North and Central America,
- Beverage Packaging, Europe, Middle East and Africa (EMEA) und
- Beverage Packaging, South America.
Beverage Packaging
Mit dem Segment Beverage Packaging werden, ohne eine Aufteilung auf die verschiedenen Regionen vorzunehmen, knapp 86 % der Umsätze des Unternehmens erwirtschaftet. Der Hauptanteil dieser Umsätze entfällt auf die Produktion und den Verkauf von Aluminiumdosen und Behälter an internationale Getränkehersteller sowie an Unternehmen, die Haushaltsprodukte herstellen. Ein großer Vorteil liegt hier in der starken Marktposition der Ball Corporation: Mit vielen großen Getränkeherstellern wurden langfristige und lukrative Verträge abgeschlossen, die wiederkehrende Umsätze generieren.
Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass über 50 % der Umsätze auf das nord- und zentralamerikanische Geschäft entfallen. Hier zeigt sich die Marktmacht der Ball Corporation, was eindrucksvoll durch folgende Zahlen untermauert wird: Im Jahr 2021 befanden sich in Nord- und Zentralamerika ungefähr 133 Mrd. Aluminiumdosen im Umlauf, die Ball Corporation produzierte nach Unternehmensangaben allein 41 % bzw. 54 Mrd. dieser Gesamtmenge. Große Teile des Geschäfts sind also abhängig von Umsätzen in den heimischen Märkten, was sowohl Chancen als auch Risiken bieten kann. Die größten Risikofaktoren umfassen dabei den Verlust wichtiger Großkunden aus der Getränkeindustrie, konkurrierende Verpackungsprodukte oder generell sinkende Beliebtheit von Aluminiumdosen beim Endkunden. Weiterhin unterliegt das Unternehmen schwankenden Rohstoffpreisen und einer ausgeprägten Saisonalität der Absatzzahlen der Produkte.
Chancen liegen insbesondere im weiteren Ausbau der ohnehin schon starken Positionierung am Markt, einer weiter steigenden Nachfrage nach innovativen, umweltfreundlichen Aluminiumlösungen und in der weiteren Verdrängung von Plastikflaschen durch Aluminiumdosen. Insbesondere im nord- und zentralamerikanische Markt sind Plastikflaschen noch allgegenwärtig: Hier liegt der Pro-Kopf-Verbrauch von Plastikflaschen noch bei fast 300 Stück pro Jahr, während dieser in Europa bereits bei unter 150 liegt.
Die beiden weiteren regionalen Segmente Beverage Packaging Europe, Middle East and Africa (31 % der Umsätze des Verpackungsgeschäfts) sowie Beverage Packaging South America (17 % der Umsätze des Verpackungsgeschäfts) bieten insgesamt die gleichen Chancen und Risiken wie der Verkauf von Aluminiumverpackungen in Nord- und Zentralamerika. Insbesondere für Europa gilt jedoch: Aufgrund politischer Bemühungen, im Bezug auf umweltfreundliche Verpackungsmaterialien, steigt die Nachfrage nach Aluminiumdosen. Zudem liegen die Recyclingquoten von Aluminiumdosen im europäischen Raum bei über 75 %. Während die Ball Corporation in Südamerika mit fast 50 % der produzierten Aluminiumdosen eine ähnliche Marktstellung wie in Nordamerika besitzt, ist das Unternehmen in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika noch nicht so dominant. Hier bieten sich weitere Wachstumschancen.
Aerospace
Auf den Geschäftsbereich Aerospace entfallen zwar nur etwa 14 % der Umsätze der Ball Corporation, trotzdem zeigt sich hier großes Potenzial. Ähnlich wie im Verpackungsgeschäft arbeitet das Unternehmen in dieser Sparte mit zahlungskräftigen Kunden wie bspw. der NASA und dem amerikanischen Verteidigungsministerium zusammen, für die eine vielfältige Palette von Produkten hergestellt werden: Satelliten und Verteidigungssysteme, Antennen, taktische Videosysteme, Sensoren sowie ganze Raumfahrzeuge.
Dieser Geschäftsbereich entwickelte sich zuletzt stark. Die Ball Corporation hat gezeigt, dass sie auch außerhalb von konventionellen Verpackungsprodukten für die Getränkeindustrie zur Herstellung innovativer und moderner Produkte fähig ist. Trotzdem unterliegt der Erfolg in diesem Segment des Wohlwollens der US-Regierung, die mit über 97 % der Umsätze in diesem Segment der einzig relevante Kunde ist.
Zusammenfassung
Die Ball Corporation ist im Nischenmarkt für die Herstellung von Verpackungsprodukten aus Aluminium Weltmarktführer. Die Stärke des Unternehmens beruht insbesondere auf langfristigen und lukrativen Verträgen mit Großkunden aus der internationalen Getränkeindustrie, was zu wiederkehrenden Umsätzen in einem ertragreichen, globalen Markt führt. Daneben steht die Ball Corporation für Verpackungslösungen, die neben diversen weiteren Vorteilen vor allem eins sind: umweltfreundlich. Die konstant steigende Nachfrage nach modernen Verpackungsprodukten, die die Umwelt nicht belasten, bescherte dem Unternehmen zuletzt und voraussichtlich auch in näherer Zukunft glänzende Geschäfte. Durch die starke Stellung am Markt und gegenüber Wettbewerbern konnten Risiken wie steigende Aluminiumpreise und saisonal schwankende Nachfrage nach Aluminiumdosen bisher problemlos ausgeglichen werden.
Dazu kommt der vielversprechende Geschäftsbereich Aerospace, in dem die Ball Corporation unterschiedliche, moderne Produkte für die Luft- und Raumfahrtindustrie herstellt. Fluch und Segen zugleich ist an dieser Stelle, dass der einzig nennenswerte Vertragskunde bisher die US-Regierung ist. Im Ergebnis bietet die Ball Corporation ein spannendes, häufig übersehenes Geschäftsmodell in einem lukrativen Markt, der jedoch auch diverse Risiken beinhaltet. Klar ist: Die Welt hat der Umweltverschmutzung den Kampf angesagt. Durch Plastik verschmutzte Meere und Seen sollen der Vergangenheit angehören. Aluminiumdosen der Ball Corporation sind nicht der Heilige Gral, aber ein Teil der Lösung dieses Problems.
Historie
Gründung
Projekte mit der NASA
Getränkedosen
1969 stieg Ball in das Getränkedosengeschäft ein und erwarb die Jeffco Manufacturing Co., um sich direkt in diesem Bereich zu etablieren. Vor allem ab den 1990er-Jahren nahm Ball weltweit viele Akquisitionen vor und wurde auf diese Art mit der Zeit zum Weltmarktführer.
Nach der Übernahme von Heekin Can in 1993 wurde Ball zum drittgrößten Hersteller von Metalldosen für Lebensmittel und Aerosole in Nordamerika. Mit einem Joint Venture stieg man zwei Jahre später dann in den brasilianischen Markt ein. 1997 fasste man mit einer Übernahme in China Fuß und startete hier direkt als größter Anbieter von Dosen auf dem dortigen Absatzmarkt. Auch anschließend gab es noch viele weitere Übernahmen und Ball wurde 2010 final zum weltweit größten Anbieter von Aluminium-Rohlingen. 2016 sicherte sich Ball den Status als weltweit größter Hersteller von Aluminium-Getränkedosen.
Zuletzt stellte das Unternehmen im Jahr 2019 den Ball Cup aus Aluminium vor, welcher zu 100 % recycelbar ist.
Aktionärsstruktur
Bei der Aktionärsstruktur gibt es zunächst einmal keine Auffälligkeiten, denn die größten Aktionäre sind wie üblich große Investmentgesellschaften – in diesem Fall hält die Vanguard Group sogar 10,70 % der Aktien. Auch der vorrangig aktiv tätige Vermögensverwalter T. Rowe Price ist stark bei Ball investiert und besitzt und 7,30 % der Aktien.
Der drittgrößte Anteilseigner ist weniger bekannt: Parnassus Investments mit 6,40 %. Dieses Unternehmen aus dem Investmentbereich bietet ausschließlich fünf Fonds an, wobei bei der Aktienauswahl v. a. auch auf das Thema Nachhaltigkeit geachtet wird.
Geschäftsführung
Daniel W. Fisher
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