Wir Lieben Aktien

T. Rowe Price Aktie Analyse

Investieren ins Investieren

Analyse vom 10.04.2022

von Jan Fuhrmann

Kurzvorstellung von T. Rowe Price

T. Rowe Price ist eines der weltweit bekanntesten Unternehmen aus der Investmentbranche. In über 80 Jahren am Markt gilt man als ein äußerst etablierter Anbieter, der sich im aktiven Investmentmanagement einst mit Wachstumsaktien und -strategien einen Namen machte. Heute setzt T. Rowe Price zunehmend mehr auf den Trend der nachhaltigen Investments. Hier sieht das Unternehmen die Chance einer Überrendite, welche man mit einem positiven Einfluss verbinden kann. Aktuell werden rund 1,5 Bio. USD für Kunden aus über 50 Ländern verwaltet. Und auch ein Investment in T. Rowe Price selbst hat sich in der Vergangenheit ausgezahlt, denn die Aktie glänzt mit einem bemerkenswert stabilen langfristigen Aufwärtstrend. In den vergangenen Monaten wurde dieser in einem gesunden Maß korrigiert und zuletzt stabilisierte sich der Wert wieder - vielleicht also eine interessante Chance. Die Analyse bezieht sich auf den Kenntnisstand unserer Recherche vom 09.04.2022.

1. Das Unternehmen

Geschäftsmodell

Einleitung

Ein erfolgreicher Investor muss immer in die Zukunft schauen, Änderungen antizipieren und sich langfristig korrekt positionieren. Das waren die Worte des Gründers Thomas Rowe Price Jr. im 20. Jahrhundert. Dieser Grundsatz hat sich auch bis heute nicht verändert. Denn am Ende wiederholt sich die Vergangenheit an den Märkten immer wieder. Nicht genau gleich, aber als Echo. Diesen langfristig gedachten Ansatz finden wir besonders interessant, weil wir hierdurch vielleicht von diesem Grundsatz profitieren können. Im Idealfall über mehrere Jahrzehnte.

Thomas Rowe Price Jr. gilt außerdem als Vater des heute sehr populären „Growth Investings“. In den 1940er-Jahren entschied er sich, entgegen dem damals vorherrschenden Zeitgeist, in Wachstumsaktien anstatt in Value zu investieren. Damals zur Gründung seines Unternehmens wollte er sich gegen das verkaufsorientierte Handeln von Investmentfirmen stellen und seine Kunden auf Basis des verwalteten Vermögens abrechnen, anstatt nach Umsatzvolumen/ Handelsvolumen .

Heute hat sich das Unternehmen ebenfalls gegen den im 21. Jahrhundert vorherrschenden Trend des „passiven Investierens“, z. B. über ETFs, entschieden. Stattdessen will man strategisch weiterhin aktiv investieren, trotzdem mit einem langfristigen Horizont. Interessant zu sehen ist also ein striktes treu bleiben zur eigenen (erfolgreichen) Linie, auch wenn das mal gegen den Mainstream geht. Insgesamt ist der Trend für Fonds in den letzten Jahren weiterhin positiv, auch wenn passives Investieren über ETFs immer populärer wird. Das verwaltete Nettovermögen von Open-end Fonds ist von 2012 mit 32,30 Bio. USD auf 63,10 Bio. USD im Jahr 2020 angestiegen.

Weltweit verwaltetes Nettovermögen von regulierten Open-end Fonds

Grundlagen des Kerngeschäfts

Die T. Rowe Price Group ist ein global agierender Vermögensverwalter. Zum 28. Februar 2022 wurden insgesamt 1,54 Bio. USD an Kapital verwaltet. Damit ist das Unternehmen zwar weit hinter dem bekannten Konkurrenten BlackRock (ca. 10 Bio. USD, 01/22), aber trotzdem unter den Top 5 Vermögensverwaltern der Wallstreet. Das Unternehmen bietet eine breite Palette von Investmentfonds, Unterberatungsdiensten und separaten Konten für private und institutionelle Anleger, Pensionsfonds und Finanzvermittlungen an. Dazu kommen eine Reihe von Tools für die Anlageplanung und Beratung, wie wir es auch schon in der Einleitung erklärt haben.
Das Investment Research von T. Rowe Price läuft nach eigenen Angaben auf Basis von fundamentaler Analyse und konzentriert sich auf Diversifizierung und Stilkonsistenz, was die Investmentgrundsätze angeht.

Never change a running system

Wie wir bereits erwähnt haben, ist bei der Geldanlage der Trend in den letzten Jahren der gewesen, die Kosten runterzutreiben und vom aktiven Anlegen in Fonds zur passiven Anlage in ETFs überzugehen. Das ist T. Rowe Price bewusst, aber man entscheidet sich weiterhin für den klassischen Ansatz, den man seit Jahrzehnten erfolgreich fährt. Ganz gemäß dem Motto „Never change a running system“.

Kern der Strategie ist hier logischerweise, den Markt zu schlagen und langfristig weiterhin gute Ergebnisse zu erzielen über die eigenen, aktiven Anlagestrategien. Das ist das Fundament für sämtlichen Erfolg in der Vermögensbranche. Außerdem möchte der Konzern sich selbst zu einem noch stärker global diversifizierten Vermögensverwalter ausbauen. Der Fokus soll hierbei u. a. auf dem Bereich der Altersvorsorge liegen, was vor allem in westlichen Ländern zunehmend wichtiger wird. Jeder kennt die Diskussion in Deutschland bezüglich der „Aktienrente“. Auch in Zukunft wird das aufgrund des demografischen Wandels eines der wichtigsten politischen Themen in vielen westlichen Staaten bleiben. Ebenso in Deutschland bleibt die Schicht von Menschen zwischen 40 und 59 Jahren die Größte, die sogenannte „Baby-Boomer“-Generation. In einigen Jahren werden all diese Menschen in Rente gehen, während immer weniger aus den heute jüngeren Altersschichten nachrücken. Hier kann also eine Finanzmarkt-gedeckte Rente, die das Geld aus direkten Einzahlungen vermehrt, langfristig Abhilfe schaffen.

Bevölkerung in Deutschland nach Altersverteilung

Vermögensverwalter im Wandel

Was (leider) Fakt bei einem Geschäftsmodell wie dem von T. Rowe Price ist, dass der Erfolg stark davon abhängt, wie sich die Finanzmärkte verhalten. Vor allem Privatanleger neigen zu stark emotionalem Handeln, wenn es um ihre Investitionen geht. Fallen die Aktienmärkte stark, so verdient man eben auch einfach weniger, weil sowohl Geld abfließt als auch weniger Geld investiert wird. Das antizyklische Denken, das für langfristigen Erfolg am Aktienmarkt benötigt wird, haben leider nur die allerwenigsten. Wir sehen das bspw. auch bei Wir Lieben Aktien — unsere Kundenzahl nimmt zu in Bullenmärkten und fällt mit Bärenmärkten. Und das, obwohl sich in Bärenmärkten die mit Abstand besten Chancen ergeben. Insgesamt sind aber nur etwa ein Fünftel der Kunden von T. Rowe Price Privatanleger.

Auswahl von Investmentfonds für Privatanleger inkl. Auflagedatum und Performance

Ausschnitt, der im Vergleich kleinen Auswahl an ETFs von T. Rowe Price für Privatanleger

Interessant ist aber langfristig, wie bereits erwähnt, die anhaltende Outperformance der Fonds von T. Rowe Price. In einem Umfeld, in dem aktive Fondsmanager wegen schlechter Performance und höherer Gebühren zunehmend von Anlegern ins Aus gestellt werden, ist T. Rowe Price weiterhin sehr gut positioniert (zumal man auch ein kleines Angebot an passiven ETFs anbietet). Die Gebühren sind ebenfalls im Konkurrenzvergleich passabel und angemessen. Der Kundenstamm ist relativ solide aufgrund der Tatsache, dass zwei Drittel des verwalteten Vermögens aus Altersvorsorgekonten stammt. Die Ratingagentur Morningstar bewertet T. Rowe Price mit 4 von 5 Sternen im Gesamtrating für Vermögensverwalter. Damit ist man besser als fast jeder andere Vermögensverwalter in den Vereinigten Staaten.

Hinzu kommt insgesamt die Stärke der Marke an sich, mit einem Wiedererkennungswert, der sich über mehrere Jahrzehnte aufbauen konnte. Die zunehmende geografische Reichweite und der wachsende Produktmix sollten das Wachstum außerdem gut halten, auch in Zukunft. Die reinen Einstiegshürden in den Markt der Vermögensverwaltung sind zwar an sich nicht hoch, die oben genannten Faktoren sind aber trotzdem ein Marktvorteil.

Historie

Gründung und erstes Wachstum

Der Name T. Rowe Price lässt sich direkt von seinem Gründer, Thomas Rowe Price Jr., ableiten. Dieser studierte einst Chemie, aber stellte sein zunehmendes Interesse für die Investmentwelt fest, sodass er 1937 die T. Rowe Price & Associates gründete. Wie jedes Unternehmen startete auch er mit einer sehr kleinen Firma, die sich mit Vermögensmanagement und privaten Investitionskonten für Familien aus dem regionalen Raum von Baltimore beschäftigte.

Interessant ist zudem die Familiengeschichte des Gründers, denn er ist eng mit einem weiteren bekannten Gesicht aus der US-amerikanischen Unternehmenswelt verwandt. Der Milliardenkonzern Stanley Black & Decker ist ein börsennotierter Werkzeughersteller, der aus einer Fusion von Stanley Works und Black & Decker im Jahr 2010 entstand. Letzteres Unternehmen wurde 1910 u. a. von einem Cousin Thomas Rowe Price Jr.‘s gegründet.

Zum Zeitpunkt der Gründung von T. Rowe Price & Associates hatte die US-amerikanische Wirtschaft in manchen Teilen noch immer mit Spätfolgen der Great Depression zu kämpfen, welche die 1930er-Jahre beherrschte. Das Umfeld wurde wenige Jahre später nicht besser, denn der Zweite Weltkrieg begann. Nach der schwierigen Zeit erfuhr man allerdings ein starkes Wachstum und der Kundenkreis wurde so groß, dass man Investitionskonten der Kunden nicht mehr individuell managen konnte. Eine naheliegende Lösung war an dieser Stelle ein Fonds; und das war auch der nächste Schritt der Investmentgesellschaft: Die Auflage des ersten Investmentfonds, der sich auf Wachstumsaktien spezialisierte.

Auszug aus „Yardsticks for Investors“ (Maßstäbe für Investoren) aus den Gründungszeiten von T. Rowe Price (Quelle: T. Rowe Price Group Inc.)

Weltweite Expansion und neue Geschäftsfelder

1960 folgte mit dem New Horizon Fund der zweite Investmentfonds, welcher ebenfalls den Fokus auf Wachstum legte. Speziell wählte man Investments im Technologiesektor: Hierzu zählten zu dieser Zeit Größen wie IBM und Xerox.

Auch nachdem der Gründer 1963 seinen Rückzug ankündigte, blieb er bis 1971 noch immer aktiv im Unternehmen und eröffnete 1969 mit dem New Era Fund einen weiteren Fonds. Damals reagierte T. Rowe Price auf die schnell ansteigende Inflation, die er auch für die 1970er-Jahre erwartete. Die ersten zwei Jahrzehnte nach seinem finalen Rückzug stellten sich als äußerst erfolgreich heraus und der Konzern wuchs stärker als jemals zuvor. Zugleich begann mit der Eröffnung des ersten internationalen Büros auch die weltweite Expansion. Bis zur Jahrtausendwende wurden die Standorte des Unternehmens in den USA dann immer größer und man baute die Präsenz im Ausland (bspw. in Hongkong) aus.

Das Dickhornschaf ist seit den 1970er-Jahren das Logo, denn es ist ein agiler und trittsicherer Kletterer, welcher sich auch in unwegsamem Gelände souverän bewegt (Quelle: T. Rowe Price Group Inc.).

Als weiteres Geschäftsfeld etablierte man festverzinsliche Anlagen (Fixed Income Division). In den 1990er-Jahren kamen noch Retirement Plan Services, also die Planungen für die Altersvorsorge im Ruhestand, hinzu. Im selben Zug erweitere T. Rowe Price das eigene Portfolio an Dienstleistungen und auch Fonds, wobei man nicht nur neue auflegte, sondern auch andere Fonds übernahm.

Die eigene Tätigkeit wurde aber auch durch ein Joint Venture mit dem britischen Vermögensverwalter Robert Fleming & Co. erweitert, was zugleich ein beutender Schritt für die globale Expansion war. Das gemeinsame Unternehmen verwaltete im Hoch, im Jahr 2000, rund 39 Mrd. USD und wurde von T. Rowe Price später vollständig übernommen.

Eine zweite Partnerschaft in Bezug auf die Vermögensverwaltung ging der US-amerikanische Konzern mit der Sumitomo Bank (eine der größten japanischen Banken) und Daiwa Securities (japanischer Börsenmakler) ein. Damit positionierte man sich wiederum in einem neuen Markt: Japan.

Zur Jahrtausendwende crashte mit der Dotcom-Blase vor allem der gesamte Technologie- und Wachstumssektor, nachdem es für einige Zeit enorme Kursgewinne gab. T. Rowe Price überstand die Blase allerdings vergleichsweise gut, denn man verkaufte bereits kurz vor dem großen Crash viele Aktien bzw. meidete den Technologie-Sektor.

Seit 2003 ist das Unternehmen auch im Segment der Target Date Retirement Fonds aktiv. In der wörtlichen Übersetzung sind dies Zielterminfonds, welche meist zum Stichtag konservativer gestaltet werden. Das macht z. B. beim Eintritt in den Ruhestand durchaus Sinn, da man als jüngerer Mensch häufig noch höhere Risiken eingehen kann als kurz vor dem Ende des Arbeitslebens.

2010 beteiligte T. Rowe Price sich beim Unit Trust of India, Indiens ältester Investmentfondsgesellschaft, die zu den größten des Landes gehört.

Auch die geografische Expansion wurde in den vergangenen Jahren immer weiter fortgeführt, sodass man seit der Jahrtausendwende die Präsenz in vielen Ländern auf- und ausgebaut hat. Heute hat T. Rowe Price u. a. Büros in Sydney, Madrid, Dubai und Stockholm.

Börsengang

Der Börsengang erfolgte bereits im Jahr 1986 und liegt damit bereits über 35 Jahre zurück. Damals sammelte das Unternehmen, welches heute mit ca. 35 Mrd. USD bewertet wird, rund 200 Mio. USD ein. Rein um die Inflation bereinigt, entspricht der Wert zum Börsengang heute rund 518 Mio. USD (Quelle: usinflationcalculator.com). Der Rest ist ein reiner Zuwachs der Aktie, woran man das starke Wachstum bereits gut erahnen kann.

Seit 1999 ist T. Rowe Price auch Mitglied des S&P 500.

Geschäftsführung

Ein Teil der Geschäftsführung von T. Rowe Price.

Robert W. Sharps

Robert W. Sharps ist der aktuelle CEO von T. Rowe Price und arbeitet bereits seit 1997 in dem Unternehmen. Damals begann er als Analyst, der sich auf Aktien aus dem Finanzdienstleistungssektor spezialisierte. Im Zeitraum von 2001 bis 2016 übernahm Sharps die Rolle als leitender Portfolio Manager der Institutional Large-Cap Growth Equity Strategie. Im Anschluss wurde er zum Co-Leiter des Bereichs Global Equity. Aber schon 2017 stieg Sharps zum Head of Investments und Chief Investment Officer auf. President ist er nun seit 2021 und die Rolle als CEO führt er seit einigen wenigen Monaten aus, denn diese übernahm er erst im Januar 2022.

Vor seiner Zeit bei T. Rowe Price hat Sharps in einem Praktikum ein paar Erfahrungen als Aktienanalyst bei Wellington Management sammeln können. Außerdem war er auch für einen gewissen Zeitraum bei KPMG, einer der Big Four (Wirtschaftsprüfungsgesellschaften), tätig.

Als Studienabschluss kann Sharps einen Bachelor mit summa cum laude in Accounting sowie einen Master in Finance vorweisen.

Lass uns Feedback da!

Verbesserungsvorschläge, Anregungen, Lob, Kritik? Wir nehmen alles dankend an. Wenn du uns kostenlos unterstützen möchtest, lass uns eine Rezension auf Trustpilot da – oder schreib uns einfach auf Discord.

Folge und kontaktiere uns

Newsletter

Jetzt abonnieren und keine Analyse mehr verpassen.

Transparenzhinweis

Die Autoren haben diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten aber nicht garantieren. Es findet keinerlei Anlageberatung durch „Wir Lieben Aktien“ statt. Dieser Beitrag dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Börsengeschäfte sind mit erheblichen Risiken verbunden; der Kunde handelt stets auf eigenes Risiko.

Mehr Infos unter: wir-lieben-aktien.de/haftungsausschluss