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Carl Zeiss Meditec Aktie Analyse

Marktführer aus dem deutschen Mittelstand

Analyse vom 06.03.2022

von Jan Fuhrmann

Kurzvorstellung von Carl Zeiss Meditec

Carl Zeiss Meditec ist ein gutes Beispiel für ein weltweit anerkanntes Unternehmen, welches in seinem Bereich einen guten Ruf genießt und dennoch vergleichsweise unbekannt ist. Der Konzern aus dem MDAX hat sich im Bereich der Medizintechnik spezialisiert und erzielt auf der ganzen Welt Umsätze – Deutschland ist demnach nur das drittwichtigste Land. Dem deutschen Mittelstand wird allgemein nachgesagt, deswegen so stark zu sein, weil einzelne Wirtschaftsbereiche mit extremem Know-How sehr spezifisch dominiert werden. Carl Zeiss ist ein schönes Beispiel dafür: mit großer Marktmacht für optische Gerätschaften und High-End Medizinequipment im Nanochirurgie- und Augenheilkundebereich. Charttechnisch ist die Aktie ein wirklicher Musterknabe, denn die Aktie hat einen enorm stabilen Aufwärtstrend, welcher seit über 10 Jahren aktiv ist. Die aktuelle Korrektur ist deshalb als temporär zu werten und bietet ggf. eine gute Einstiegsmöglichkeit. Die Analyse bezieht sich auf den Kenntnisstand unserer Recherche vom 05.03.2022.

1. Das Unternehmen

Geschäftsmodell

Einleitung

Das Unternehmen, das Carl Zeiss vor über 175 Jahren gegründet hat, ist heute ein bekannter und erfolgreicher deutscher Mittelständler. Das Konzept des Gründers war damals unter anderem eine enge Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und den Endnutzern der Produkte, die das Unternehmen anbietet. Auch heute noch beschreibt der Konzern dies als eines der Manifeste, auf denen das Konzept des Unternehmens beruht.

Das Geschäftsmodell des Unternehmens umfasst die Herstellung, Vermarktung und Instandhaltung von medizinischen High-Tech Gerätschaften im Bereich Augenheilkunde und Mikrochirurgie. Ein weiteres ausgemachtes Ziel des Unternehmens ist es, die Workflows in der immer mehr überlasteten Medizinbranche effektiver zu gestalten, um so der steigenden Nachfrage durch den demografischen Wandel nachzukommen. Dafür hat das Unternehmen auch eigene Software, die es zur Verfügung stellt.

Entwicklung der weltweiten Lebenserwartung

Ophthalmologie/Augenheilkunde

Krankheitsbilder, die das Auge betreffen, können in jedem Alter auftreten. Bekannte Krankheiten sind Fehlsichtigkeit, grauer Star, grüner Star und andere Netzhauterkrankungen. Die Behandlung dieser Krankheitsbilder läuft in der Medizin unter dem Bereich der Ophthalmologie. In diesem Bereich bietet das Unternehmen ein breites Portfolio an Produkten und Lösungen zur Diagnose und Behandlung an. Dazu kommen verschiedene Verbrauchsmaterialien. Kunden sind einzelne Arztpraxen, sowie Krankenhäuser und Operationszentren.

Die Produktpalette des Unternehmens im Bereich der Augenheilkunde setzt sich aus drei Hauptbestandteilen zusammen: Diagnosegerätschaften, Laserbehandlung und Augenchirurgie.

Die drei Produktfelder von Zeiss im Bereich der medizinischen Behandlung von Sehkrankheiten

Ziel des Unternehmens ist es, in diesen Bereichen jeweils Marktführer zu sein. Die Strategie hierfür ist es, aus der Synergie zwischen Wissenschaft und Praxis zu profitieren, einem der Grundsätze, den das Unternehmen seit über 100 Jahren verfolgt. Außerdem will man mit Hilfe von modernster Software Daten sammeln, die dabei helfen sollen, Arbeitsabläufe erfolgreicher und zeiteffektiver zu gestalten.

Beispiel für die Workflowverbesserung; hier: bei der Diagnoseerstellung

Hierfür werden Patientendaten in eigenen Cloud Plattformen sicher gespeichert, welche für Ärzte, Entwickler und Wissenschaftler zugänglich sind. Dadurch soll am Ende eine Win-Win Situation für Patienten und medizinisches Fachpersonal entstehen. Die Produkte von Zeiss umfassen den gesamten Lebenszyklus eines Patienten. Das bedeutet, dass die Gerätschaften bei der Behandlung von Krankheiten, die im jungen Alter auftreten, bis hin zum hohen Alter Anwendung finden.

Win-Win Situation für Ärzte und Patienten, Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Endnutzern

Der Cataract Workflow

Ein schönes Beispiel dafür, wie Zeiss als Unternehmen funktioniert, zeigt der vom Unternehmen selbst so genannten „Cataract Workflow“. Cataract ist der Fachbegriff für die Augenkrankheit „grauer Star“, bei der sich die Augenlinse eintrübt und zu einer Sehverschlechterung führt. Oft tritt sie jenseits des 65. Lebensjahres auf. Aufgrund des demografischen Wandels, den wir bis hierher schon mehrfach angesprochen haben, erlebt diese Krankheit eine wachsende Anzahl von betroffenen Patienten. Gleichzeitig sinkt die Menge an medizinischem Fachpersonal.

Dieses Problem will Zeiss mit einem eigens entwickelten Workflow angehen. Bei dem Workflow handelt es sich um eine Reihe verschiedener Hard- und Software, die Synergien erzeugen sollen und den kompletten Behandlungsablauf effizienter und schneller gestalten. Das sogenannte „Zeiss Medical Ecosystem“ verbindet Software-Lösungen mit den entsprechenden Gerätschaften, die für den medizinischen Eingriff zur Behandlung des Krankheitsbildes nötig sind.

Eines der Produkte ist beispielsweise das Zeiss Artevo 800. Es ist das erste digitale Mikroskop in der chirurgischen Ophthalmologie und leitet eine neue Ära der Visualisierung mit neuer chirurgischer Gewissheit ein.

Zeiss Artevo 800

Vorteile des Zeiss Artevo 800

Mikrochirurgie

Im zweiten strategischen Geschäftsbereich bietet Zeiss seinen Kunden Visualisierungslösungen für minimalinvasive (mit kleinstmöglichem Aufwand eingreifend) chirurgische Behandlungen. Dabei handelt es sich vor allem um Operationsmikroskope bei Eingriffen an Tumoren oder Gefäßerkrankungen. Des Weiteren werden Produkte im Bereich HNO (Hals-Nasen-Ohren), plastische Chirurgie (Schönheitschirurgie) und Dental- (Zahn) und Wirbelsäulenchirurgie angeboten.

Bei den Produkten kommen modernste Technologien wie dreidimensionale Bildgebungen durch Fluoreszensmittel (Kontrastmittel) zum Einsatz. Dadurch sollen Ärzte dabei unterstützt werden, bei operativen Eingriffen den vollen Überblick zu behalten.

Beispiele für solche Produkte sind Ionenmikroskope, sowie Röntgengeräte und Kernspintomographen.

Xradia 3D Röntgenmikroskop von Zeiss

Historie

Zeiss, Abbe und Schott

Das Unternehmen Carl Zeiss Meditec ist ein deutscher Traditionskonzern, welcher bereits vor 176 Jahren gegründet wurde. Damals eröffnete Carl Zeiss eine Werkstatt für Feinmechanik und Optik. Der Gründer ging mit seinem Wirken in die Geschichte ein, denn zusammen mit unter anderem Ernst Abbe entwickelte er viele Instrumente im Bereich der Optik und leistete damit einen beträchtlichen Beitrag zur Wissenschaft. Die Zusammenarbeit mit Abbe begann nachdem Zeiss mit seinen eigenen Mikroskopen unzufrieden war. Nach mehreren Jahren wurde der Durchbruch erreicht und die Mikroskope des Unternehmens setzten einen neuen Standard. Es traten jedoch weiterhin einige Probleme im Bereich der optischen Gläser auf, bei denen die beiden nicht wirklich weiterkamen. Daraufhin kam der Chemiker Otto Schott mit in das Team, welcher bei der Weiterentwicklung half. Das Trio prägte die Entwicklung im Segment der Optik nachhaltig.

20. Jahrhundert

Bevor der Gründer Zeiss im Jahr 1888 verstarb, beteiligte er seinen treuen Geschäftspartner Abbe. Inzwischen beschäftigte das Unternehmen über 300 Mitarbeiter.

Die Firma Zeiss war in den Weltkriegen durchaus relevant, auch wenn das Unternehmen in der eigenen Historie (auf der Website) keine Angaben zu diesem Zeitraum macht. Hier wurden relevante Optiken hergestellt und das Unternehmen profitierte im 2. Weltkrieg, wie auch viele andere Konzerne, von Zwangsarbeitern.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Unternehmen verstaatlicht und die Demontage begann. Im Laufe der Zeit entstand eine Kombination aus diversen Firmen, welche in der Branche tätig waren, woraus in den 1980er-Jahren das Zeiss-Kombinat mit über 70.000 Beschäftigten hervorging. In der Zeit der DDR nutzte die Sowjetunion den Betrieb zunehmend für militärische Projekte und steigerte den Anteil dieses Bereichs auf über 20,00 % – zu den Produkten zählten hier bspw. Nachtsichtgeräte, Universalmessgeräte oder Zielsuchköpfe von Raketen. Gegen Ende des Kalten Krieges rückte in der DDR die Herstellung der Mikrochips immer weiter in den Fokus und 1989 stellte das Kombinat VEB Carl Zeiss Jena einen 1-Megabit-Chip vor. Dieser sollte im Folgejahr in die Serienproduktion gehen. In Anbetracht der Wiedervereinigung kam es dazu jedoch nicht mehr.

1990/1991 erfolgte die Aufspaltung des Unternehmens in Carl Zeiss Jena und Jenoptik – letztere Firma ist heute ebenfalls an der Börse notiert und knapp 2 Mrd. EUR wert. Nach mehreren Umstrukturierungen wurde Carl Zeiss schließlich zu dem Unternehmen, das uns heute bekannt ist. 2002 fand die Übernahme der Asclepion Meditec AG statt und der Name Carl Zeiss Meditec entstand. Noch im selben Jahr erfolgte der Börsengang und schon fünf Jahre später wurde die Aktie in den TecDAX aufgenommen. Seit 2019 gehört Carl Zeiss Meditec auch zum MDAX.

Der „Megachip“ U61000 als Großprojekt in der DDR
(Quelle: Wikimedia Foundation Inc.).

Bedeutende Produkte/Entwicklungen

Während der gesamten Firmenhistorie kam es immer wieder zu neuen Entdeckungen und Errungenschaften. Um nur einige Beispiele zu zeigen, die seit der Jahrtausendwende auf den Markt kamen, hier eine kleine Übersicht:

Innovation seit der Jahrtausendwende

Geografische Expansion

Seit dem Jahr 2002 hat Carl Zeiss Meditec acht nennenswerte Übernahmen getätigt, welche sie selbst in der eigenen Historie vorstellen. Neben der Expansion auf diese Art, wurde auf der ganzen Welt stetig das Engagement ausgebaut: Indien, Spanien, China, Türken und Paraguay sind beispielhaft zu nennen. Die eigenen Standorte sind heute auf der ganzen Welt verbreitet. Manche der genannten Akquisitionen wurden mit dem Ziel der geografischen Ausweitung/Stärkung des Geschäftsgebietes getätigt.

Geschäftsführung

Dr. Markus Weber

Bei Carl Zeiss Meditec gab es erst im Januar 2022 einen Wechsel in der Position des Vorstandsvorsitzenden. Diese Rolle übernahm Dr. Markus Weber, welcher ein studierter Diplom-Physiker ist. Weber übernimmt im Vorstand die Verantwortung für die Bereiche Microsurgery (Mikrochirurgie), Ophthalmic Devices (Geräte für Augenheilkunde) und Digital Innovation (digitale Innovation), sowie die strategische Geschäftsentwicklung und weitere Segmente.

Weber hat nach seinem Studium im Jahr 2002 als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei ZEISS im Bereich der Semiconductor Manufacturing Technology (Technologie der Halbleiterherstellung) begonnen. Im Laufe der Zeit war er in diversen Führungspositionen tätig, unter anderem auch im Microsurgery-Sektor, für den er heute bei Carl Zeiss Meditec die Gesamtverantwortung trägt. Bereits nach acht Jahren im Unternehmen konnte Weber große Verantwortung als Leiter der Konzernfunktion Research & Technology übernehmen. Bis er 2019 zum Vorstandsmitglied in der Carl Zeiss AG wurde sammelte er auch in weiteren Positionen Erfahrung. All dies hilft im höchstwahrscheinlich bei seiner aktuellen Aufgabe als Vorstandsvorsitzender.

Die drei Vorstandsmitglieder von Carl Zeiss Meditec

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