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CVS Health Aktie Analyse

Gelingt der Turnaround?

Analyse vom 17.11.2024

von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann

Kurzvorstellung von CVS Health

CVS Health ist viel mehr als nur eine Apothekenkette – es ist ein riesiges Gesundheitsunternehmen, das die Art und Weise, wie Menschen in den USA ihre Gesundheitsversorgung erhalten, stark verändert hat. Ursprünglich war CVS ein Einzelhändler, doch jetzt bietet das Unternehmen eine breite Palette von Gesundheitsdiensten an. Dazu gehören Apotheken, medizinische Versorgung und sogar Krankenversicherungen – alles unter einem Dach. Parallel zum Dominanzaufbau vor allem auf dem US-amerikanischen Markt, gelang es der Aktie seit 1973 kontinuierlich zu steigen. Seit 2015 gerät diese Entwicklung aber ins Stocken, denn es gelang der Aktie von CVS Health schon seit fast 10 Jahren nicht mehr, ein neues Allzeithoch zu generieren. Alleine von den Hochs im Februar 2022 bis jetzt brach die Aktie um mehr als die Hälfte ein. Dadurch kommt relativ schnell die Frage auf: Lohnt sich jetzt ein Einstieg bei CVS Health? Darauf werden wir in dieser Analyse eingehen und die Frage beantworten, ob dem US-Giganten der Turnaround gelingt.

1. Das Unternehmen CVS Health

Geschäftsmodell

Einleitung

Wer schon einmal Urlaub in den USA gemacht hat, der ist mit hoher Wahrscheinlichkeit einer Filiale von CVS Health über den Weg gelaufen, denn bei diesem Unternehmen handelt es sich um die größte Apothekenkette des Landes. Wenngleich die Anzahl an Stores seit dem Geschäftsjahr 2015 nicht mehr anwächst, sondern aufgrund der Fokussierung auf digitalen Commerce bei etwas mehr als rund 9.000 Stück stagniert, ist das Netzwerk von CVS Health in seinem Heimatland durchaus beeindruckend. Eigenen Angaben entsprechend besuchen jährlich rund 120,00 Mio. Menschen eine Apotheke von CVS Health mindestens einmal pro Jahr, was die Positionierung des Konzerns widerspiegelt.

Die physischen Standorte von CVS Health werden im Rahmen des Geschäftsbereichs „Pharmacy & Consumer Wellness“ geführt. Dieser umfasst darüber hinaus etwas mehr als 1.000 Walk-in Kliniken, in welchen sich die Kunden ohne Termin bei kleineren Verletzungen bzw. gesundheitlichen Problemen behandeln und beraten lassen können. Interessanterweise ist dieses Segment, obwohl es außerhalb der USA vermutlich die größte Bekanntheit besitzt, in Anbetracht der Umsätze als einnahmeschwächstes hervorzuheben. Denn CVS Health besitzt ein diversifiziertes Geschäft, welches sich über zwei weitere Sparten erstreckt. Diese wollen wir im weiteren Verlauf dieses Abschnitts näher beleuchten.

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Krankenversicherungen

Der wachstumsstärkste Geschäftsbereich von CVS Health trägt den Namen Health Care Benefits und existiert erst seit 2018. Denn damals hat der US-amerikanische Gesundheitsdienstleister den damals noch eigenständig an der Börse notierten Krankenversicherer Aetna geschluckt – eine Übernahme, die in Anbetracht einer Höhe von 69,00 Mrd. USD eine hohe Tragweite besitzt. Nicht nur weil diese erhebliche Veränderungen der Bilanz sowie eine vorübergehende Beschleunigung der Wachstumsgeschwindigkeit herbeiführte, sondern in der jüngeren Vergangenheit für Probleme sorgt, doch dazu später mehr.

Doch wie funktioniert das Geschäftsmodell von Aetna bzw. der Health Care Benefits-Sparte von CVS Health genau? Neben mehreren ergänzenden Dienstleistungen umfasst diese in erster Linie den Vertrieb von traditionellen Krankenversicherungen an Arbeitnehmer, Studenten, Regierungsangestellte und viele weitere Personengruppen. Die Versicherungspläne von CVS Health umfassen die Übernahme von Kosten für bspw. Medikamente, stationäre oder ambulante Eingriffe, eine professionelle Versorgung der Zahn- und Augengesundheit sowie präventive Maßnahmen wie bspw. Impfungen oder Vorsorgeuntersuchungen. Aktuell sind in den USA ca. 30,00 Mio. bei der Health Care Benefits-Sparte von CVS Health versichert.

Das wahre Kerngeschäft von CVS Health

Das in Anbetracht der aktuellen Umsätze wichtigste Segment von CVS Health nennt sich allerdings Health Services, welches in erster Linie die Tätigkeit des Unternehmens als Pharmacy Benefit Manager (PBM) umfasst. Unter diesem Begriff versteht man eine Art Mittelsmann, welcher mit Apotheken und Krankenversicherungen kooperiert, um die Kosten der medizinischen Versorgung für deren Mitglieder bzw. Kunden zu reduzieren. Bspw. arbeitet CVS Health im Rahmen seiner PBM-Marke CVS Caremark mit 65.000 Apotheken sowie zahlreichen Versicherern in den USA zusammen, sodass man mehr als 90,00 Mio. Menschen betreut. Einfach gesagt bündelt CVS Caremark die Kaufkraft dieser Menschen, um bei den Herstellen von Medikamenten bzw. Pharmakonzernen Mengenrabatte auszuhandeln. Bspw. hat CVS Caremark eigenen Angaben entsprechend die Kosten für eine Monatsration an Insulin in den USA zwischen 2017 und 2022 für seine Kunden um ca. ein Drittel reduzieren können.

Dieses Kerngeschäft des Health Services-Segments wird durch verschiedene Angebote erweitert und abgerundet. Bspw. können die Mitglieder von CVS Caremark telemedizinische Dienste in Anspruch nehmen oder das Unternehmen bei Fragen zur korrekten Einnahme von Medikamenten konsultieren. Durch die Beschreibung dieses und der anderen Segmente von CVS Health liegt auf der Hand, dass es sich bei dem Geschäftsmodell des Unternehmens um mehrere Zahnräder handelt, welche ineinandergreifen und im besten Fall zur Hebung von Effizienzen führen sollen. Inwieweit dies bisher gelingt, wird sich im weiteren Verlauf der Analyse zeigen.

Historie von CVS Health

Gründung und Wachstum

Das Unternehmen CVS Health wurde 1963 in Lowell, Massachusetts, ursprünglich als “Consumer Value Store” für Gesundheits- und Schönheitsprodukte, gegründet. Nach einem gleichbleibenden Wachstum wurde vier Jahre später in Cranston, Rhode Island, die ersten Apotheken innerhalb von CVS-Filialen eingeführt. Im Jahr 1969 erfolgte der Verkauf des Unternehmens an Melville, eine Holding spezialisiert auf den Einzelhandel. Der Name CVS wurde dabei beibehalten.

In den nächsten Jahrzehnten wurde eine Wachstumsstrategie durch Übernahmen gefahren. Die größte Erweiterung fand 1972 durch den Erwerb von 84 Clinton Drug and Discount Stores statt. Dabei wurde fast eine Verdopplung der Filialen erreicht. In den 90ern und der Jahrtausendwende folgte die Übernahme der Unternehmen Peoples Drugs, Revco und die Eckerd-Apotheken.

Im Jahr 2005 folgte eine neue Strategie. CVS führte ein Beauty-Advisor-Programm in den Filialen ein und ergänzte das Management durch Spezialisten der Beautybranche. Der Geschäftsbereich wird nach kurzer Zeit durch die Übernahme der MinuteClinic bestärkt. Der Anbieter von Gesundheitskliniken (MinuteClinic) bietet CVS die Möglichkeit sich schnell in dem Bereich zu etablieren. Auch im Bereich der Apotheken führte das Unternehmen die Wachstumsstrategie fort und kaufte sich Filialen der Albertsons-Gruppe. Im Laufe der Zeit wurde CVS Health so zu einem der wichtigsten Player in der Gesundheitsbranche.

Tabakfreie Generation und große Investitionen

Im Rahmen einer umfassenden Gesundheitsinitiative entfernte CVS zwischen 2014 und 2016 alle Tabakwaren aus seinen Regalen und startete die Kampagne „Be The First“ zur Förderung einer tabakfreien Generation, unterstützt durch ein fünfjähriges Investment in Höhe von 50,00 Mio. USD.

2017 kündigten CVS und Aetna eine geplante Fusion an, die größte Gesundheitsfusion in der Geschichte der USA, die 2018 abgeschlossen wurde und eine Neugestaltung des Gesundheitsangebots für Verbraucher zur Folge hatte. 2020 verpflichtete sich CVS, in den folgenden fünf Jahren knapp 600,00 Mio. USD zu investieren, um Initiativen für Gleichberechtigung in der Belegschaft, in Gemeinden und in der öffentlichen Politik zu fördern.

Während der COVID-19-Pandemie 2020 und 2021 engagierte sich CVS Health aktiv in der Pandemiebekämpfung und wurde der größte private Anbieter von COVID-19-Tests sowie ein zentraler Partner der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) für die Durchführung von COVID-19-Impfungen in Pflegeheimen und betreuten Wohneinrichtungen.

2021 trat Karen Lynch die Nachfolge von Larry Merlo als Präsidentin und CEO von CVS Health an. Während Lynch’s Amtszeit schloss das Unternehmen die Übernahmen von Signify Health, einem führenden Anbieter von Technologien und Dienstleistungen zur Unterstützung von Gesundheitsdienstleistern, sowie Oak Street Health, einem auf ältere Menschen spezialisierten Dienstleister/Anbieter von wertorientierter Primärversorgung, ab. Dieses Jahr gab sie dann ihren Rücktritt bekannt, worauf Mitte Oktober der neue CEO David Joyner folgte.

Aktionärsstruktur von CVS Health

Die Aktionärsstruktur von CVS Health Corp. wird wie so oft bei aus den USA stammenden Aktien von zwei der größten Investmenthäuser der Welt angeführt. Vanguard ist der größte Investor mit einem Anteil von 9,14 %. An der zweiten Stelle in der Liste der Aktionäre über der 5,00 %-Marke steht das Unternehmen BlackRock mit 6,80 % der Aktien von CVS Health Corp.

Geschäftsführung von CVS Health

David Joyner

David Joyner ist President und CEO von CVS Health sowie Mitglied des Verwaltungsrats. Er verfügt über mehr als 37 Jahre Erfahrung im Gesundheitswesen und im Management von Apothekenleistungen. Zuvor leitete Joyner das Segment der Apothekendienstleistungen bei CVS Health und war in den Aufsichtsräten mehrerer durch Private Equity finanzierter Gesundheitsunternehmen tätig. Zudem war er Berater für den Gründer und CEO von gWell, einem Unternehmen für Präzisionsmedizin, das auf wertorientiertes Management von Gesundheitszuständen für Kostenträger und Arbeitgeber spezialisiert ist.

Seine berufliche Laufbahn begann bei Aetna als Vertreter für Mitarbeiterleistungen, bevor er als regionaler Vertriebsmanager zu Caremark Prescription Services wechselte. Später war er als Executive Vice President für Vertrieb und Kundenservice bei CVS Caremark sowie als Executive Vice President für Vertrieb und Marketing bei der CVS Health Corporation tätig.

Joyner besitzt einen Bachelor-Abschluss in Finanzen vom Rawls College of Business an der Texas Tech University, wo er derzeit auch im Beratungsgremium tätig ist.

CEO-Vergütung

Die Vergütung der Geschäftsführer wird im Zuge des Jahresberichts offengelegt. Da zum Abschluss des letzten Fiskaljahres noch Karen Lynch der CEO von CVS war, beziehen sich die folgenden Zahlen auf ihre Vergütung.

Für das Jahr 2023 erhielt Lynch ein Grundgehalt i.H.v. 1,50 Mio. USD. Darauf folgten Stock Awards mit einem beachtlichen Gegenwert von 12,37 Mio. USD und Optionen im Gegenwert von 4,12 Mio. USD. Über einen Non-Equity Incentive Plan und andere Vergütungen folgten weitere 3,62 Mio. USD. Daraus ergibt sich eine Gesamtvergütung von 21,62 Mio. USD.

Auch wenn diese unfassbar hoch erscheint, ist dies bei CVS kein Einzelfall. Schließlich lagen die einzelnen Positionen auch im Vorjahr auf einem ähnlichen Niveau und die Gesamtvergütung bei 21,32 Mio. USD. Im Jahr 2021 fiel die Vergütung mit 20,39 Mio. USD etwas geringer aus.

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