
Amgen Aktie Analyse
Die Antworten liegen in uns
Analyse vom 16.01.2022
von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann
Kurzvorstellung
Mit einer immer älter werdenden globalen Bevölkerung nehmen auch die Krankheiten zu, die uns als Menschen belasten. Vor allem im Westen nehmen die Tode durch sogenannte „Zivilisationskrankheiten“ zu. Dementsprechend fokussieren sich Unternehmen weltweit darauf, Heilungen und Therapien für Krankheiten wie Krebs und Herzversagen zu finden. Amgen ist eines dieser Unternehmen: ein führendes Biotechnologie-Unternehmen. Mit dem Mantra “Die Antworten liegen in uns selbst” sind Wissenschaft und Forschung laut eigenen Aussagen der Schlüssel zum Erfolg.
1. Das Unternehmen
Geschäftsmodell
Einleitung
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Wissenschaft, Forschung und Produktion
Die Produkte von Amgen
Wichtig: Es handelt sich hier um teilweise hochspezifische, medizinische Themen. Amgen schreibt in ihren eigenen Berichten nur ein Wort zu den Krankheiten, auf die ihre Medikamenten wirken. Wir haben jeweils immer recherchiert und euch ein paar zusammenfassende Worte zu den Krankheiten und der Wirkungsweise der Präparate von Amgen geschrieben. Wir können aber nicht garantieren, dass die Umformulierungen hier zu 100 % medizinisch richtig sind.
Die wichtigsten Produkte (nach Umsatzanteil) sind:
ENBREL (Wirkstoff: Etanercept)
Prolia® / XGEVA® (Wirkstoff: Denosumab)
Antikörper, der die Effekte von Osteoporose verringert. Bindet sich an das menschliche Protein RANKL und verringert so die „Arbeitsgeschwindigkeit“ der für die Knochenresurption (Abbau von Mineralien in den Knochen, Übertragung von Kalzium ins Blut) verantwortlichen Zellen.
Der Wirkstoff lässt sich auch als Behandlung von Tumorzellen des Knochens anwenden. Hier heißt das Medikament dann „Prolia“, bei gleichem Wirkstoff.
Neulasta® (Wirkstoff: Pegfilgrastim)
Dieses Medikament unterstützt Patienten mit Hautkrebs, die eine zytotoxische Chemotherapie durchlaufen. Durch die Chemotherapie wird viel Schaden (auch ungewollter) im Körper erzeugt. Das betrifft u. a. das Immunsystem.
Neulasta regt die Neubildung von neutrophilen Granuloyten im Knochenmark an. Das ist eine Unterart von weißen Blutkörperchen, die etwa 50-65 % aller weißen Blutkörperchen im menschlichen Körper ausmachen.
Aranesp® (Wirkstoff: Darbepoetin alfa)
Aranesp wird bei Patienten mit symptomatischer Anämie eingesetzt, oft aufgrund von chronischem Nierenversagen oder einer Tumorerkrankung. Bei einer Anämie ist die Anzahl von roten Blutkörperchen und somit Sauerstoff im Blut gering. Das kann langfristig zu Herzmuskelschwäche und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Darbepoetin alfa steigert die Produktion von roten Blutkörperchen und verhindert somit die Folgeerscheinungen.
Weitere Produkte aus Abb. 10
- Otezla® (derzeit in der klinischen Phase, siehe Abschnitt „Pipeline von Amgen“)
- KYPROLIS® (derzeit in der klinischen Phase, siehe Abschnitt „Pipeline von Amgen“)
- Repatha® (derzeit in der klinischen Phase, siehe Abschnitt „Pipeline von Amgen“)
Biosimilars
Bei einigen in der klinischen Phase befindlichen und bereits in der Hauptproduktreihe vorhandenen Medikamenten von Amgen handelt es sich um Biosimilars. Das sind Nachahmerprodukte eines bereits seit mehreren Jahren auf dem Markt befindlichen Wirkstoffes. Biosimilars sind oft in der Herstellung simpler und somit auch im Verkauf deutlich günstiger. Somit können Biosimilars z. B. in ärmeren Ländern besser verkauft werden.
Biosimilars können z. B. biotechnologisch erzeugte Proteine sein, ihre Definition ist aber nicht immer klar. Es gibt lediglich vier festgelegte Grundsätze laut Wikpedia:
- Vermarktung nach Patentablaufzeit des Originals
- Verkauf zu einem deutlich reduzierten Preis im Vergleich zum Original
- Es ist dem Referenzprodukt sehr ähnlich trotz der natürlichen Variabilität biologischer Produkte
- Es gibt keine bedeutenden medizinischen Unterschiede in Bezug auf Wirkung, Qualität und Sicherheit
Von der Forschung zum Medikament
Im Schnitt dauert es ca. zwölf Jahre, bis ein Medikament von der ersten Forschung nach einem Wirkstoff zur Zulassung kommt. Die Kosten belaufen sich auf ca. 800 Mio. bis 2 Mrd. USD. Das bezieht sich jetzt auf die komplette Pharmabranche. Denn auch wenn ein Wirkstoff gefunden wurde — die Regularien legen fest, dass es für ein Medikament genug klinische Tests geben muss, bevor es zugelassen wird. So kann die Sicherheit zu einem hohen Prozentsatz garantiert werden.
Von der Forschung bis zur Zulassung und dem Verkauf werden auf Basis der Forschung Millionen von Substanzen erforscht, die dann mehrere Phasen durchlaufen. Insgesamt sind es drei wichtige Phasen: Forschung, die präklinische Phase und die klinische Phase, die sich wiederum aus drei Phasen zusammensetzt. Interessant wird es, wenn eine Substanz die klinische Phase erreicht. Ab hier besteht bereits gutes Potenzial auf Erfolg.
Die klinischen Phasen
Phase 1/I
In der ersten Phase werden einige wenige Freiwillige gesucht, die sich das Medikament verabreichen lassen. Je nach Wirkstoff und Krankheit kann es sich dabei um erkrankte oder auch gesunde Personen handeln.
Ziel der ersten Phase ist es, sich vorsichtig an die Anwendung am Menschen heranzutasten. Hierfür wird angefangen, ein Wirkstoff sehr gering zu dosieren und zusätzlich zu Schätzungen immer weiter zu erhöhen. All das geschieht natürlich unter professioneller Überwachung. Außerdem wird untersucht, wie lange die positive Wirkung anhält, was für Nebenwirkungen es gibt und wie schnell der Körper den Wirkstoff wieder abbaut.
Phase 2/II
Die zweite Phase ist im Endeffekt eine Erweiterung der ersten Phase. Hier gilt es, noch mehr Daten zu sammeln und weitere Dosierungen zu optimieren. Somit soll eine höhere Sicherheit entstehen, bevor es in die dritte Phase geht.
Phase 3/III
Die dritte Phase ist die letzte und wichtigste Phase. Hier wird oft schon international an mehreren Tausend Patienten getestet. Die Wirkung soll statistisch weiter belegt werden, außerdem soll festgestellt werden, ob das Medikament wirklich einen signifikanten Mehrwert bietet, vor allem im Gegensatz zu Konkurrenzprodukten, die bereits auf dem Markt sind.
(Phase 4/IV)
Die Pipeline von Amgen
Phase 1/I Medikamente
- ACAPATAMAB / BiTE® (Therapie für Prostatakrebs und Non-Small-Lungenkrebs) beide Krankheitsbilder sind in Phase 1
- PAVURUTAMAB / BiTE® (Therapie für Morbus Kahler, einer der häufigsten Arten von Knochentumoren)
- TARLATAMAB / BiTE® (Therapie für kleinen Lungenkrebs und neuroendokrinen, seltenen Prostatakrebs, der in hormonbildenden Zellen entsteht) beide Krankheitsbilder sind in Phase 1
Phase 2/II Medikamente
- Olpasiran (Medikament für Atherosklerose, eine Herzkrankheit, die vor allem durch Rauchen und hohen Blutdruck verursacht wird und die Arterienwände beschädigt — das erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt)
- Rozibfusq alfa (Medikament für Lupus erythematodes, dt.: Schmetterlingsflechte, eine seltene Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem verschiedene Zellstrukturen, je nach Krankheitsform, angreift)
- ABP 938 (Biosimilar für Makuladegeneration, eine Krankheit, bei der die Sehschärfe des Auges abnimmt und im Endstadium zur Blindheit führen kann)
Phase 3/III Medikamente
- EVENITY® (Medikament für Osteoporose und Glasknochenkrankheit bei Männern wie Krankheiten, die oft im Alter auftreten und die Knochendichte verringern — die Knochen werden schwächer und gebrechlicher) bei Osteoporose ist das Medikament in Phase 3, bei der Glasknochenkrankheit in Phase 1
- KYPROLIS® (Medikament für wiederkehrenden Knochenkrebs und Leukämie, die Besonderheit bei diesem Wirkstoff ist die Möglichkeit der wöchentlichen Dosierung) bei Knochenkrebs ist das Medikament in Phase 3, bei Leukämie in Phase 2
- Nplate® (Chemotherapie für Thrombozyttopenie, eine Krankheit, bei der zu wenige Blutplättchen im Körper vorhanden sind, was zu inneren und äußeren Blutungen führt)
- Otezla® (Medikament für Psoriasis Arthritis im Genitalbereich, eine Autoimmunerkrankung, bei der sich die Haut entzündet und teilweise Schuppenflechten bildet — das Medikament wirkt auch gegen Symptome von COVID-19 als Entzündungshemmer) insgesamt gibt es sechs Anwendungsbereiche in ähnlichen (Entzündungs-) Krankheitsbildern bei diesem Medikament, fünf davon sind in Phase 3, eines in Phase 2
- Repatha® (Medikament gegen eine Reihe von lardiovaskulären Erkrankungen, also Erkrankungen und Symptome, die das Herz-Kreislauf-System betreffen)
Historie
Der Anfang
Forschung und Entwicklung
1985 erfolgte die zweite Entdeckung von Amgen, welche in der Entwicklung des zweiten großen Erfolgs mündete: NEUPOGEN. Dieses Medikament wurde 1991 zugelassen und erhielt von Fortune ebenfalls die Auszeichnung als Produkt des Jahres.
Nachdem man in der Zwischenzeit weitere Fortschritte im Bereich der Forschung machen konnte, erhielt Amgen im Jahr 1994 die US Department of Commerce National Medal of Technology, welche teilweise auf einem Niveau mit dem Nobelpreis gesehen wird — und das als erstes Unternehmen aus dem Biotech-Sektor.
Nach einem weiteren CEO-Wechsel kurz nach der Jahrtausendwende kam es ein Jahr später zu einer Zusammenarbeit mit der NASA. Auf der Raumfähre Endeavour führte man Untersuchungen von einem Medikament an Astronauten durch. Da diese besonders an Knochenabbau leiden (sechs Monate im Weltraum wirken sich auf die Alterung des Skeletts genauso aus wie 20 Jahre auf der Erde) bat es sich an experimentelle Zwecke durchzuführen, um dem entgegegenzuwirken.
2005 gründete Amgen die Stiftung Breakaway from Cancer, welche allgemein u. a. auf die Krankheit und die Betroffenen aufmerksam machen soll. Heute hat man laut eigener Aussage schon mehrere hunderttausend Menschen erreichen und informieren können.
2006 nahm das Biotech-Unternehmen an der Women’s Genome Health Study teil und kooperierte mit Partnern, um genetische Variationen, die einer Reihe von schweren Krankheiten wie Herzerkrankungen, Schlaganfall, Diabetes, Brustkrebs und Osteoporose zugrunde liegen können, zu identifizieren.
Natürlich forschte Amgen während der ganzen Zeit stetig weiter und viele andere Medikamente wurden zugelassen. Daher nun in Abbildung 4 ein Überblick, um die Frequenz von solchen Neuzulassungen einschätzen zu können. Die Frage nach der Fortschrittlichkeit der Pipeline stellen sich auch aktuell viele Analysten (wir auch ;)) bei anderen Unternehmen wie bspw. BioNTech. Bis ein Medikament in die Zulassungsphase kommt dauert es nunmal immer seine Zeit.
Übernahmen und Kooperationen
Die Expansion wurde durch Kooperationen mit anderen Unternehmen aus der Branche und Übernahmen stetig vorangetrieben. Dies ist generell ein übliches Vorgehen, aber in der Pharma-Branche ganz besonders. Das liegt daran, dass gerade die erste Phase der Entwicklung und Forschung ein besonderes Risiko des Scheiterns beinhaltet. Bei Amgen lässt sich gut beobachten, dass sie viele Unternehmen übernommen haben, deren Forschung relativ weit fortgeschritten war und das Medikament stand kurz vor der Zulassung. Amgen zahlt auf diese Weise zwar deutlich mehr Geld, aber kann die Pipeline mit vielversprechenden Projekten füllen, die vergleichsweise ein kleineres Risiko haben.
Das älteste Joint Venture entstand 1984 mit Kirin, einem japanischen Unternehmen aus der Getränkebranche, welches aber auch in anderen Segmenten wie der Pharmazie tätig ist. Der ursprüngliche Gedanke war die gemeinsame Kommerzialisierung einer Entdeckung von Amgen, welche zu dem Zeitpunkt ja noch ganz am Anfang standen. Seit 2017 ist Kirin-Amgen in alleiniger Hand von dem Biotech-Konzern. Im Zuge dessen betonte der CEO und Chairman noch einmal wie wichtig die Zusammenarbeit für die Entwicklung des Unternehmens war.
Weitere Übernahmen füllten vor allem die Pipeline von Amgen bzw. integrierten weitere Medikamente in das Unternehmen. So z. B. Immunex in 2002, Tularik in 2004 und BioVex in 2011. Mit der Übernahme von Bergamo im selben Jahr baute man auch die Präsenz im Ausland weiter aus — hier speziell in Brasilien. Dies ist beispielhaft für viele weitere Akquisitionen zu sehen, die in den nächsten Jahren noch folgten.
Amgen gab 2011 aber auch z. B. die Zusammenarbeit mit einer Behörde des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums (Centers for Disease Control and Prevention) bekannt. Das Ziel ist eine verbesserte Infektionskontrolle für Krebspatienten.
Eine interessante Übernahme geschah dann noch im Jahr 2012 als Amgen deCODE Genetics, ein weltweit etabliertes Unternehmen im Bereich der Humangenetik, übernahm. Gemäß eigener Aussage sind solche Akquisitionen Teil der Forschungs- & Entwicklungsstrategie, denn man möchte Arzneimittelziele verfolgen, die durch die Humangenetik validiert sind.
Auch wenn der Großteil der gekauften Firmen eher unbekannt ist, so ist eine strategische Partnerschaft aus 2019 durchaus nennenswert. 2019 kaufte Amgen 20,50 % von BeiGene für 2,80 Mrd. USD, um die Präsenz in China im Bereich der Onkologie auszubauen. 174,85 USD zahlte man somit im Schnitt pro Aktie — der aktuelle Kurs liegt bei ca. 250 USD und zeitweise lag er auch schon über 400 USD.
Weltweite Expansion
Der Kendall Square (ein Stadtviertel in Cambridge, USA) ist heute ein wichtiger Ort für Forschung und Entwicklung sämtlicher Zukunftstechnologien. Alphabet, Meta, IBM usw.: Viele Unternehmen haben Niederlassungen für ihre eigene Forschung in dieser Region und auch das weltbekannte MIT (Massachusetts Institute of Technology) befindet sich hier. Amgen war eines der ersten Unternehmen, welches sich hier im Jahr 2001 ebenfalls niederließ.
Im Jahr 2014 eröffnete Amgen eine neue Einrichtung in Singapur, welche dieselben Kapazitäten hat, aber gleichzeitig weniger Platz benötigt und in Bezug auf den Wasser- und Energieverbrauch sowie den Abfall und die Emissionen von Treibhausgasen effizienter ist. Das asiatische Zentrum für Forschung & Entwicklung von dem Konzern befindet sich in Shanghai.
2018 begann der Bau des Werks einer “nächsten Generation” in Rhode Island (USA), welches im Sinne der Effizienz, Schnelligkeit und Flexibilität einen neuen Maßstab setzen soll.
Börsengang
Geschäftsführung
Robert A. Bradway
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