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FactSet Aktie Analyse

FactSet-Aktie kaufen?

Aktualisiert am 03.06.2025. Analyse vom 03.06.2025

von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann

Kurzvorstellung von FactSet Research Systems

Ob sekundenaktuelle Finanzdaten, Echtzeit-Börsenkurse oder kürzlich erst veröffentlichte Kennzahlen aus Unternehmensberichten - die sofortige Verfügbarkeit all dieser Informationen im Internet ist heutzutage für jeden Investor völlig selbstverständlich. Aus heutiger Sicht klingt es daher ziemlich undenkbar, dass vor nur etwa 20 Jahren Aktienkurse meist nur morgens in der Zeitung abgelesen werden konnten. So begann auch bei FactSet Research Systems - im Weiteren kurz FactSet - vor über 40 Jahren das erste Geschäft mit der Auslieferung von klassisch auf Papier gedruckten Aktienanalysen. Schon damals im Abo-Modell und mit der einfachen Idee: Daten und Kennzahlen von Unternehmen aus endlosen und unübersichtlichen Geschäftsberichten zu analysieren und einfach sowie anschaulich aufzubereiten, um dann im Ergebnis Kunden bei ihren Investment-Entscheidungen zu unterstützen. Im Wesentlichen also das, was auch wir heute bei Wir Lieben Aktien machen. Wir nutzen ebenso die Daten von FactSet, weswegen es umso interessanter für uns ist, das Unternehmen im Detail anzuschauen.

1. Das Unternehmen FactSet

Geschäftsmodell

Einleitung

Ob sekundenaktuelle Finanzdaten, Echtzeit-Börsenkurse oder kürzlich erst veröffentlichte Kennzahlen aus Unternehmensberichten – die sofortige Verfügbarkeit all dieser Informationen im Internet ist heutzutage für jeden Investor völlig selbstverständlich. Aus heutiger Sicht klingt es daher ziemlich undenkbar, dass vor nur etwa 20 Jahren Aktienkurse meist nur morgens in der Zeitung abgelesen werden konnten.

So begann auch bei FactSet Research Systems – im Weiteren kurz FactSet – vor über 40 Jahren das erste Geschäft mit der Auslieferung von klassisch auf Papier gedruckten Aktienanalysen. Schon damals im Abo-Modell und mit der einfachen Idee: Daten und Kennzahlen von Unternehmen aus endlosen und unübersichtlichen Geschäftsberichten zu analysieren und einfach sowie anschaulich aufzubereiten, um dann im Ergebnis Kunden bei ihren Investment-Entscheidungen zu unterstützen. Im Wesentlichen also das, was auch wir heute bei Wir Lieben Aktien machen.

Der technologische Fortschritt führte unweigerlich auch bei FactSet dazu, dass vormals auf Papier gedruckte Daten und Analysen sich ins Internet verlagerten – und immer aktueller wurden. In seiner heutigen Form ist FactSet neben Bloomberg, S&P Global und Refinitiv Eikon (vormals Teil von und besser bekannt als Thomson Reuters) einer der vier größten globalen Anbieter für Finanzdaten. Ein stark wachsender Markt, in dem FactSet mit etwa 4 % des Marktanteils allerdings gegenüber der Konkurrenz noch reichlich Aufholpotenzial besitzt.

Das operative Geschäft des Unternehmens hat sich in den letzten Jahrzehnten außerordentlich gut entwickelt, sodass heute über 6400 Geschäftskunden und mehr als 160.000 Einzelpersonen auf FactSet als Datenanbieter zurückgreifen. Zudem erwies sich das Geschäftsmodell als äußerst krisenresistent: Weder das Platzen der Dotcom-Bubble im Jahr 2000 noch die weltweite Finanzkrise im Jahr 2008 hatten nachhaltige Auswirkungen auf das seit knapp 40 Jahren jährlich konstante Umsatzwachstum von FactSet. Hier zeigt sich: Finanzdaten werden immer gebraucht, auch und vor allem in Krisenzeiten Dies spiegelt sich eindrucksvoll im Aktienkurs des Unternehmens wider, der seit vielen Jahrzehnten einen ununterbrochenen Aufwärtstrend zeigt.

Segmente

FactSet unterteilt das operative Geschäft geographisch in die drei Segmente Amerika, EMEA (Europa, Mittlerer Osten und Afrika) und Asien-Pazifik. Wenig überraschend wurden im Geschäftsjahr 2021 knapp 63 % der Umsätze des Unternehmens auf dem amerikanischen Kontinent erwirtschaftet, etwa 27 % entfallen auf den EMEA-Wirtschaftsraum und 10 % auf die Region Asien-Pazifik.

Interessantes Detail dabei: Betrachtet man einzelne Länder, werden etwas mehr als 5 % der Gesamtumsätze von FactSet in Deutschland erwirtschaftet. Die Bundesrepublik ist damit nach den USA und Großbritannien der drittwichtigste Absatzmarkt für das Unternehmen. Aber nicht nur hierzulande erfreuen sich die Services von FactSet großer Beliebtheit: Als global operierendes Unternehmen ist FactSet mit 39 Standorten in 20 Ländern in den meisten großen Finanzzentren der Welt vertreten.

Abo-Modell und Kunden

FactSet bietet Kunden die eigenen Services in einem klassischen Abo-Modell an, wobei man sich hier gegenüber der konkurrierenden Datenlieferanten vor allem in einem Punkt abhebt: Dem Preis eines Abonnements. Die jährlichen Kosten für die Nutzung der FactSet Workstation – dem Pendant zum populären Bloomberg Terminal oder dem ebenso bekannten Thomson Reuters Eikon – beginnen bei 12.000 USD pro Nutzer. Zum Vergleich: Ein Zugang zum Bloomberg Terminal kostet mindestens das Doppelte.

Die wichtigste Kennzahl für den operativen Erfolg von FactSet ist der Annual Subscription Value (ASV), also der Gesamtwert der jährlichen Abonnements. Dieser Wert ist fast identisch mit den Umsätzen des Unternehmens. Hier zeigt sich seit vielen Jahren ein konstantes Wachstum über alle geographischen Segmente. Zudem liegt die Kundenbindung bei über 90 %, was für die Qualität der von FactSet angebotenen Services spricht.

Zu den Kunden von FactSet gehören Banken wie die Bank of America oder Wells Fargo, große Hedgefonds und deren Analysten oder Finanzportale und Broker. Einteilen lassen sich die Kunden von FactSet in die Buy-Side und Sell-Side: Zur Buy-Side, also der Käuferseite an den Finanzmärkten, gehören bspw. große Vermögensverwalter, Pensionsfonds, Hedgefonds und Versicherungen. Die Sell-Side dagegen bezeichnet die Emittenten von Wertpapieren – im Wesentlichen also große Investmentbanken.

Lösungen

Rund um und als Teil des Kernprodukts, der FactSet Workstation, bietet das Unternehmen spezialisierte Lösungen/Datenpakete als Module, die einzeln angeboten werden. So können Kunden bei FactSet einen Service in Anspruch nehmen, der spezifisch an die jeweiligen Anforderungen angepasst ist. News-Seiten wie Yahoo Finance oder das Handelsblatt, die zu den Kunden des Unternehmens zählen, benötigen in der Regel nur Echtzeitkurse oder historische Daten zu Aktien. Diese können dann auf den jeweiligen Websites eingebunden werden.

Analysten von großen Banken oder Hedgefonds dagegen sind auf umfangreiche Analyse-Tools, Datenbanken, professionelle Schnittstellen oder Unternehmensanalysen angewiesen. Aus diesen unterschiedlichen Anforderungen ergibt sich, dass FactSet seine Lösungen in drei verschiedene Bereiche unterteilt:

Research & Advisory

Das angebotene Servicepaket richtet sich vor allem an Analysten oder Portfoliomanager. Es werden umfangreiche Finanzdaten zur Verfügung gestellt, Tools zur Analyse von Unternehmen und historische Fundamentaldaten zu über 80.000 Aktien.

Analytics & Trading

Die hier angebotenen Tools ermöglichen FactSets Kunden umfangreiche Möglichkeiten zum Testen eigener Strategien, der Portfolio-Analyse, dem Risikomanagement oder der Performance-Berechnung. Dieser Service richtet sich z. B. an institutionelle Investoren und Vermögensverwalter, die für ihre tägliche Arbeit auf professionelle Recherche-Möglichkeiten angewiesen sind und gleichzeitig sekundenaktuelle Kurse für die eigene Handelsaktivität benötigen.

Content & Technology Services (CTS)

FactSet hat in den letzten Jahren damit begonnen, eigene Cloudlösungen anzubieten. Kunden haben die Möglichkeiten, als Extra-Dienstleistung strukturierte Daten und individuelle Analysen oder Recherchen, auf durch FactSet zur Verfügung gestellten Cloud-Servern zu sammeln und so zu zentralisieren. Ebenso kümmert sich das Unternehmen um die richtige Formatierung der Daten.

FactSet Workstation

FactSets Workstation ist die Plattform bzw. Benutzeroberfläche, über die alle oben erläuterten unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten, Tools und Daten zugänglich sind. Den meisten ist die Oberfläche des ikonischen Bloomberg Terminals bekannt, im Wesentlichen entspricht auch FactSets Workstation diesem Aufbau: Echtzeitkurse und Fundamentaldaten von Aktien, News aus aller Welt, Charts, Watchlisten und unterschiedliche, zum Teil bereits thematisierte Analyse-Tools sind Teil der von FactSet angebotenen Plattform. Dazu haben Nutzer die Möglichkeiten, die Daten unkompliziert zu exportieren und dann bspw. in Excel oder PowerPoint aufzubereiten.

Historie

Gründung

FactSet ist heute für die Vielzahl an Daten bekannt, die bspw. Investmentbanker an ihrem Computer abrufen und für verschiedene Zwecke nutzen können. Da das Unternehmen aber bereits 1978 gegründet wurde, liegt nahe, dass die Arbeitsabläufe der Firma zu Beginn ganz anders ausgesehen haben. Die Digitalisierung war schließlich ein Prozess, der erst langsam einsetzte und Computer wurden damals zwar immer populärer, aber waren dennoch in den totalen Anfängen.

Howard Wille und Chuck Snyder sind die beiden Gründer vom heutigen Milliardenkonzern und arbeiteten vor der Gründung an der Wall Street bei Faulkner, Dawkins & Sullivans. 1977 gingen die beiden eine Partnerschaft ein und ein Jahr später wurde aus ihrer Idee ein eigenes Unternehmen. Der Ansatz war relativ simpel: Wille und Snyder stellten einerseits fest, dass Computer immer wichtiger wurden und andererseits hatten sie täglich mit einer Vielzahl an Daten zu tun. Die Kombination aus beidem ist dann die Lieferung von finanziellen Daten auf eine computerbasierte Art und Weise.

In den Anfangszeiten bezogen die Gründer ihre Daten von dem Anbieter Compustat und ließen diese von Programmierern verarbeiten. Die Lieferung an Kunden erfolgte allerdings zunächst wieder auf Papier, welches möglichst schnell per Fahrradkurier geliefert wurde – heutzutage unvorstellbar.

Erste Auswirkungen der Digitalisierung

1981, also schon wenige Jahre nach der Gründung, konnten Kunden die Daten direkt von der Datenbank in eine eigene Tabelle herunterladen bzw. einfügen. Das klingt nach keinem besonderen Vorgang, aber dies ist ein großer Schritt für das Geschäftsmodell des jungen Unternehmens gewesen, welcher auf längere Sicht auch erhebliche Erleichterungen mit sich brachte.

Im Jahr 1984 ermöglichte es FactSet den Kunden, auch nach gewissen Kriterien zu screenen und vier Jahre später konnten diese sogar ihre eigenen Kriterien dafür auswählen. Ende der 1980er-Jahre ergänzte man schließlich noch eine weitere Funktion, welche es erlaubte, eigene Daten in die Tabellen mit einzubauen, um individuelle Analysen zu erstellen.

Internationale Expansion, Börsengang und Weiterentwicklung

Rund 15 Jahre nach der Gründung begann FactSet mit der weltweiten Expansion und eröffnete einen Standort in London (Europa). Die Präsenz im asiatischen Raum begann ab 1995 mit einer Niederlassung in Tokio. Im Laufe der Zeit wurde das weltweite Engagement immer weiter ausgebaut und inzwischen führt FactSet 39 Büros in 20 Ländern.

Das Jahr 1996 war dann von dem Börsengang geprägt, denn FactSet Research Systems (neuer Name ab Juni 1995) wurde mit einem IPO an der NYSE gelistet. Zu dem damaligen Zeitpunkt konnte das Unternehmen fast 100 der besten Investmentmanager aus den USA zu ihren Kunden zählen.

Neben der geographischen Expansion erweiterte FactSet auch das eigene Angebot und nahm bspw. in 1997 eine Workstation für das Portfolio Management mit auf. Später folgten noch ökonomische Analysen, tiefergehende Daten, Möglichkeiten der Risikoanalyse von Portfolios und vieles mehr. Der technologische Wandel ermöglichte nach der Jahrtausendwende zudem auch die Einbindung von Echtzeit-Nachrichten und -Kursen für die Kunden.

Zu Beginn der 2000er-Jahre zogen sich die Gründer dann schließlich nacheinander vom Geschäft zurück und übergaben die Positionen als CEO und Chairman.

Akquisitionen

Das Wachstum von FactSet wurde speziell in den letzten Jahren zusätzlich durch zahlreiche Akquisitionen gestützt. Die übernommenen Unternehmen sind dabei sehr vielseitig und dienten vorrangig dazu, das bestehende Produktportfolio sinnvoll zu ergänzen.

Eine sehr bekannte und nachhaltig prägende Investition war der Kauf einer Kopie von der Thomson Reuters WorldScope Datenbank, woraus FactSet Fundamentals entwickelt wurde. Reuters ist auch heute noch ein geläufiger Name in der Medienbranche und das dazugehörige Unternehmen wurde 2008 von Thomson übernommen, sodass der vollständige Name Thomson Reuter entstand.

In den 2010er-Jahren wurde im Schnitt fast jedes Jahr eine Akquisition durchgeführt. 2020 übernahm das Unternehmen den Spezialisten Truvalue Labs im Bereich von ESG-Daten (Nachhaltigkeit), welcher basierend auf künstlicher Intelligenz arbeitet. Damit deckt FactSet nun wieder einmal mehr von zukünftig relevanten Bereichen ab: Zum einen nachhaltiges Investieren (bzw. die dafür benötigten Daten) und zum anderen die Verknüpfung mit modernen Technologien wie künstlicher Intelligenz.

Aktionärsstruktur der FactSet Aktie

Der größte Einzelaktionär ist die Vanguard Group, welche 11,40 % der Aktien von FactSet hält. Auf den bekannten Finanzdienstleister folgt mit 7,04 % BAMCO, welche in den USA im Bereich der Vermögensverwaltung und Beratung tätig sind. Eine weitere US-amerikanische Investmentmanagementgesellschaft (Loomis, Sayles & Co.) ist mit einem Anteil von 5,05 % der letzte Anteilseigner, welcher mehr als 5 % hält. Ebenso alle weiteren Aktionäre bis zu der 3 %-Schwelle sind Vermögensverwalter und Finanzdienstleister.

Geschäftsführung

Philip Snow

Philip Snow wurde 2015 zum CEO von FactSet, nachdem er bereits knapp 20 Jahre für das Unternehmen arbeitete. Vor der Übernahme der Unternehmensführung hielt er bereits die Position als President inne.

1996 begann Snow als Berater bei FactSet und war anschließend direkt international in Tokio und Sydney tätig. Zu der damaligen Zeit war die internationale Expansion im vollen Gange und bis zum Jahr 2000 begleitete er das Unternehmen auf diesem Weg. In den USA führte er anschließend verschiedene Führungspositionen aus, bevor er 2013 schließlich zum Senior Vice President, Director of U.S. Investment Management Sales, ernannt wurde. Schon wenige Jahre später übernahm Snow dann den CEO-Posten.

Im Studium widmete sich der heutige CEO von FactSet zunächst einer ganz anderen Thematik und erwarb einen Bachelor-Abschluss in Chemie. Seinen Master absolvierte er allerdings in International Management und zudem trägt er den Titel als Chartered Financial Analyst (international anerkannte und in der globalen Finanzbranche hoch angesehene Auszeichnung).

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