
Coinbase Aktie Analyse
Profitieren vom Krypto-Boom
Analyse vom 25.02.2024
von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann
Kurzvorstellung
Der Krypto-Bullenmarkt ist in vollem Gange: Nach einer Baisse von Ende 2021 bis Anfang 2023 gelang es der Leitwährung Bitcoin wieder in Richtung des ehemaligen Allzeithochs zu laufen. Für viele Investoren ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Markt für Kryptowährungen neue Rekordhochs schreibt. Ebenfalls zu spüren, ist die Gier vieler Anleger, vor allem bei denjenigen, die bisher noch nicht im Markt investiert sind. In dieser Analyse beschäftigen wir uns zwar nicht mit einer spezifischen Kryptowährung, jedoch mit einem Unternehmen, welches auf jeden Fall von einem erneuten Krypto-Hype profitert. Die Rede ist vom US-amerikanischen Unternehmen Coinbase. Nachdem viele Konkurrenten in den letzten Jahren vom Markt verschwunden sind, besitzt das Unternehmen fast schon ein Duopol mit Binance am Privatanleger-Kryptomarkt. Nach der kürzlichen Rallye stellen wir uns hier die Frage, ob sich ein Investment in das Unternehmen nachhaltig lohnt und ob sich hier ein langfristiger Trend entwickeln kann, oder das ganze Thema lediglich heiße Luft ist.
1. Das Unternehmen Coinbase
Geschäftsmodell
Einleitung
Die Crypto Economy kommt – das behaupten zumindest viele Experten und Analysten aus der Szene, die sich auch für hohe Kursziele aussprechen. Doch was genau versteht man unter diesem Begriff? Coinbase definiert diesen wie folgt: „Ein faireres, zugänglicheres, effizienteres und transparentes Finanzsystem für das Internetzeitalter, das Krypto-Assets nutzt: digitale Assets, die mit Blockchain-Technologie erstellt wurden.“ Um von dieser Entwicklung profitieren zu können, hat das noch junge Unternehmen eine Plattform mit einem umfassenden Dienstleistungsportfolio aufgebaut, welches die wichtigsten Anwendungsbereiche von Kryptowährungen und andere auf der Blockchain aufbauende Technologien abdeckt. Wie der unteren Abbildung entnommen werden kann, ermöglicht Coinbase auf der eigenen Plattform den Kunden neben dem einfachen Handel mit Bitcoin, Ether und Co. diese bspw. zu „staken“ oder mit ihnen zu bezahlen.
Als weiterer, wichtiger Bestandteil des Geschäftsmodells von Coinbase ist das Flywheel hervorzuheben. Unter einem Flywheel versteht man im Unternehmenskontext grundsätzlich ein Konzept, welches darauf abzielt durch sog. Rückkopplungsschleifen einen Kunden immer weiter in das eigene Ökosystem zu integrieren. Im Fall von Coinbase funktioniert das Flywheel wie folgt:
- Privatpersonen und institutionelle Investoren erstellen ein Konto bei Coinbase und erwerben Kryptowährungen bzw. übertragen ihre Bestände.
- Die Kunden zahlen immer höhere Gelder ein und diversifizieren ihre Portfolios in weitere Assets, welche über Coinbase handelbar sind.
- Im Best-Case-Szenario nutzen die Kunden von Coinbase im Laufe der Zeit auch die anderen Dienstleistungen des Unternehmens.
Mit diesem Vorgehen will Coinbase gemeinsam mit den Nutzern langfristig wachsen – und diese so gut wie möglich an sich binden, was das Flywheel zum Drehen bringt und somit ein nachhaltiges Wachstum sowie eine hohe Kundentreue ermöglichen soll. Dies funktioniert natürlich besonders gut, wenn die Kryptos die hohen Kursziele von manchen Analysten erreichen.
Transaktionserlöse
Doch wie generiert Coinbase am Ende des Tages nun Umsätze? Als wichtigste Einnahmequelle lassen sich Transaktionserlöse identifizieren, wofür vor allem in volatilen Phasen primär Trader sorgen. Obwohl sich Coinbase hinsichtlich der handelbaren Assets sowie anderer Gesichtspunkte von „klassischen“ Wertpapierbörsen wie Nasdaq unterscheidet, ist Coinbase im Grunde genau das: Eine Börse bzw. ein Marktplatz. Sowohl Privatpersonen als auch institutionelle Investoren oder Konzerne (bspw. OneRiver Asset Management und MicroStrategy) können die Coinbase-Plattform nutzen, um Kryptowährungen zu erwerben und zu veräußern. Das Angebot der Krypto-Börse ist sehr vielfältig. Hierfür werden selbstverständlich Gebühren veranschlagt, welche je nach Transaktionsvolumen variieren. Darüber hinaus generiert Coinbase Umsätze, wenn Kunden Kryptowährungen an andere Wallets senden oder die Bezahlfunktion des Unternehmens nutzen.
Abonnement- und Serviceeinnahmen
Im Laufe seiner noch kurzen Unternehmenshistorie hat Coinbase kontinuierlich an der Einführung neuer Dienstleistungen gearbeitet, welche den einfachen Handel mit Kryptowährungen ergänzen und abrunden sollen. Diese umfassen in erster Linie folgende Angebote:
- Verwahrung von Kryptoassets
- Staking
- Bezahlfunktion
- Finanzierungsdienstleistungen
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Dass sich Coinbase zunehmend auf diese Art von Einnahmen fokussiert, lässt sich am entsprechenden Umsatzanteil dieser Erlöse erkennen. Während dieser im Geschäftsjahr 2019 noch bei 4,13 Prozent lag, konnte bis zum Ende des letzten Geschäftsjahres ein Anstieg auf 48,07 Prozent verbucht werden. Das Wachstum dieser Umsätze führt zu einer zunehmenden Diversifizierung des Geschäftsmodells von Coinbase, was wiederum die Abhängigkeit von den volatilen Transaktionserlösen reduziert. Darüber hinaus gelingt es Coinbase durch ein vollkommeneres Angebot besser, Kunden langfristig zu binden, was auch hinsichtlich des Flywheel-Effekts als positiv zu bewerten ist.
Historie von Coinbase
Gründung von Coinbase
Coinbase wurde im Juni 2012 von Brian Armstrong gegründet. Im selben Jahr meldete er sich für das „Y Combinator Startup-Inkubator“-Programm an, mit welchem er das Unternehmen ins Rollen brachte und ein Startkapital i. H. v. 150,00 Tsd. USD erhielt. Fred Ehrsam, ein ehemaliger Trader bei Goldman Sachs, erfuhr von Armstrongs Plänen und stieg bei Coinbase als Mitgründer ein. Ben Reeves, ein britischer Programmierer und Gründer von Blockchain.info, wollte sich ebenfalls dem Duo aus Ehrsam und Armstrong anschließen. Er zog sich jedoch aufgrund von Meinungsverschiedenheiten bereits nach kurzer Zeit zurück.
Startkapital
Im Mai 2013 folgte die erste Serie an Investitionen, welche bereits bei 5,00 Mio. USD startete. Fred Wilson von Union Square Ventures führte die Investitionsrunde an. Als nächstes folgte die zweite Runde i. H. V. 25,00 Mio. USD von Andreessen Horowitz, Union Square Ventures und Ribbit Capital. Coinbase stellte Olaf Carlson-Wee ein, welcher heute CEO des Kryptowährungsfonds Polychain Capital ist. Er war der erste Mitarbeiter des Unternehmens.
Coinbase Pro
2014 hatte die Plattform bereits die 1,00 Mio. Nutzer geknackt, woraufhin die ersten Übernahmen getätigt wurden. Blockr und Kippt wurden akquiriert. Im Januar 2015 folgte dann der Start der Bitcoin-Börse Coinbase Exchange für professionelle Trader. Diese wurde im Mai des folgenden Jahres in Global Digital Asset Exchange (GDAX) umbenannt und später 2018 in Coinbase Pro.
Expansion und Investitionen
Ebenfalls in 2015 begann das Unternehmen mit seiner internationalen Expansion, so wurden dessen Dienste in Singapur und Kanada angeboten. Im März 2018 ernannte man die ehemalige LinkedIn-Managerin Emilie Choi zur Vice President of Corporate. Im Mai des Folgejahres wurde sie Präsidentin und COO, während Brian Armstrong CEO blieb.
2018 folgte Coinbase Ventures, welches hauptsächlich in Firmen investiert, die im Bereich Blockchain und Kryptowährung tätig sind. Die erste Investition des Unternehmens erfolgte in ein Start-up namens Compound Lab, das sich auf den Aufbau von Smart Contracts auf der Ethereum Blockchain spezialisiert hatte.
Dezentrales Unternehmen
Coinbase Prime, ein weiterer Bereich der Handelsplattform, richtet sich an institutionelle Kunden und startete im Mai 2019. Weiterhin ging Coinbase eine Partnerschaft mit Circle und Bitmain ein, um den Stablecoin „USDC“ zu starten. Ein Stablecoin ist direkt an eine Währung z. B. den USD gekoppelt und entspricht damit demselben Wert. Dies vereinfacht den Handel von Kryptowährungen auf den Plattformen.
Im Mai 2020, während des Höhepunkts der Covid-19-Pandemie, entschied sich Coinbase für eine dezentrale Unternehmensstruktur. Damit wurde es eines der ersten Unternehmen, das zu einer vollständig dezentralen Arbeitsstruktur ohne formellen Hauptsitz wechselte. Nebenbei startete Coinbase ein Visa-Debitkarten-Programm.
Regularien und Börsengang
2021 folgte eine Welle an regulatorischen und Compliance-Beschwerden von der Office of Foreign Assets Control. Weiterhin standen Vorwürfe zu irreführende Informationen über Handelsvolumen im Raum. Trotz der Rückschläge meldete Coinbase im ersten Quartal 2021 einen neunfachen Anstieg des Umsatzes auf fast 2,00 Mrd. USD.
Darauf entschied sich Coinbase für ein Listing an der Nasdaq. Zu finden ist die Aktie unter dem Ticker „COIN“. Mit der Notierung an der Börse ist es das erste öffentliche gelistete Krypto-Unternehmen der Welt.
Aktionärsstruktur von Coinbase
Die Aktionärsstruktur von Coinbase ist sehr interessant. Wir finden hier nur ein großes Investmenthaus, welches über 5,00 % der ausgeschütteten Anteile des Unternehmens hält. Dieses ist Vanguard mit 7,10 % (Class A). Das entspricht 1,20 % der Stimmrechte. Die Differenz kommt dadurch zu Stande, da das Unternehmen Class-A- und Class-B-Anteile ausgibt. Eine Class-A-Aktie ist eine Stimme wert und eine Class-B-Aktie 20 Stimmen.
Damit hat der CEO Brian Armstrong mit 3,10 % Class-A- und 69,70 % Class-B-Anteile die meisten Stimmrechte im Unternehmen (58,50 %). Darauf folgt Frederick Ernest Ehrsam III, Mitgründer und ehemaliger Präsident von Coinbase, mit 25,40 % der Stimmrechte, welche sich aus 2,60 % der Class-A- und 29,90 % der Class-B-Anteile ergeben.
Mit 7,60 % der Aktien hält Marc L. Andreessen ebenfalls einen großen Anteil am Unternehmen, hat jedoch mit 1,20 % der Stimmrechte nur einen geringen Einfluss. Weiterhin hält Andreessen zusammen mit Ben Horowitz über die Venture Capital Company Andreessen Horowitz weitere 7,50 % am Unternehmen.
Geschäftsführung von Coinbase
Brian Armstrong
Armstrong ist nicht nur ein Mitgründer und der CEO von Coinbase. Er hat zusätzlich noch drei weitere Unternehmen gegründet. Zuletzt gründete er NewLimit, ein Unternehmen im Bereich der Gesundheitsforschung. Hier ist er als Investor und Mitglied des Vorstands tätig. Ein Jahr zuvor gründete er eine Plattform für wissenschaftliche Arbeiten, ResearchHub Technologies. Armstrong ist hier neben seiner Stelle bei Coinbase, ebenfalls als CEO tätig und Mitglied des Vorstands. Sein erstes eigenes Unternehmen war Universitytutor.com, eine Nachhilfeplattform, welche 2003 gegründet wurde.
Zwischendurch war Armstrong auch als Angestellter bei Airbnb, als Softwareingenieur und bei Deloitte als Berater für das Risikomanagement von Unternehmen tätig.
Armstrong hat einen Bachelor-Abschluss in Informatik und Wirtschaftswissenschaften sowie einen Master-Abschluss in Informatik, beide von der Rice University in Houston, Texas, USA.
CEO-Vergütung
Armstrong erhielt im Geschäftsjahr 2022 ein Grundgehalt von 1,00 Mio. USD, welches seit 2020 konstant geblieben ist. Einen Bonus, Stock oder Option Awards wurden dem CEO nicht ausgezahlt. Lediglich über andere Vergütungen erhielt er weitere 6,47 Mio. USD. Was ihm ein Gesamtverdienst i. H. v. 7,47 Mio. USD einbrachte.
In 2021 sah der Gehaltsstruktur sehr ähnlich aus. Lediglich die anderen Vergütungen beliefen sich auf den geringeren Wert von 2,27 Mio. USD. 2020 erhielt der CEO allein durch Option Awards bereits 56,67 Mio. USD, was die restlichen 2,80 Mio. USD gering erscheinen lässt.
CEO-Pay-Ratio
Das Median-Gehalt eines Angestellten bei Coinbase beläuft sich nach Berechnungen des Unternehmens auf 232.903,00 USD, wodurch sich ein Pay-Ratio von 32:1 für das Geschäftsjahr 2022 ergibt.
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