
flatexDEGIRO Aktie Analyse
Auch nach der „Meme Stock Mania“ noch einen Blick wert?
Analyse vom 24.07.2022
von Jan Fuhrmann
Kurzvorstellung
Die letzten zwei Börsenjahre waren sehr ereignisreich und haben stets neue Maßstäbe für Masse und Geschwindigkeit von Kursbewegungen von Aktien gesetzt. Das Jahr 2020 startete mit einem der schnellsten Crashs der Finanzmarktgeschichte, nur um danach mit einem massiven Bullrun Millionen von neuen Börsianern anzulocken. Ein Jahr später dann die Spitze des Retail-Trading-Wahnsinns: Privathändler schicken die Aktien Gamestop und AMC über Aufrufe im Internet ins Kurs-Weltall. Dabei bringen sie professionelle Hedgefonds in Zahlungsschwierigkeiten und zwingen diese, ihre Leerverkäufe zu liquidieren. Sommer 2022 bis jetzt dann der Knall: Die Märkte korrigieren großflächig seit Monaten sehr tief. Viele Privatanleger kehren den Märkten enttäuscht für immer den Rücken zu. Einer der Akteure in dieser Geschichte ist flatexDEGIRO, der nach Anzahl der Transaktionen derzeit größte Retail-Online-Broker in Europa. In dieser Analyse haben wir uns die Frage gestellt, ob flatexDEGIRO nach einer Korrektur von mehr als 70 % nun einen Kauf wert ist oder die vermeintliche Kursblase zurecht geplatzt ist.
1. Das Unternehmen flatexDEGIRO
Historie
Gründung
Die heutige flatexDEGIRO AG ist im Laufe der Zeit durch mehrere Akquisitionen und Umstrukturierungen entstanden. Der Ursprung liegt dabei in dem 1999 gegründeten Unternehmen PRE.IPO, wobei Bernd Förtsch ein prominenter Mitbegründer aus der Branche war. Dieser gründete zehn Jahre zuvor die Börsenmedien AG, welche v. a. für die Zeitschrift „Der Aktionär” bekannt ist.
Das erste Brokerangebot des Unternehmens wurde 2006 mit Flatex gestartet, womit man einen neuen Ansatz wagen wollte. Flatex ist eine Wortzusammensetzung aus „flat” und „execution” und dies zeichnete das neue Brokerangebot auch aus: Eine Orderausführung zu pauschalen Konditionen. Inzwischen hieß das gesamte Unternehmen auch nicht mehr PRE.IPO, sondern Flatex. Zwischenzeitlich, von 2014 bis 2019, lautete der Konzernname dann FinTech Group, aber wurde schließlich wieder zurück zu Flatex geändert.
Zwei wegweisende Akquisitionen
XCOM
XCOM ist bereits älter als Flatex bzw. PRE.IPO selbst und erarbeitete sich seit der Gründung im Jahr 1988 einen guten Ruf in der Finanzbranche. XCOM war als Software- und Systemhaus im Finanzwesen tätig und der Broker Flatex arbeitete seit Tag 1 mit dem Anbieter (bzw. der damit zusammenhängenden Bank) zusammen. Von der Übernahme, die 2015 durchgeführt wurde, versprach sich das Unternehmen signifikante Synergiepotenziale. Durch diese Akquisition entstand später auch die heutige flatexDEGIRO Bank.
DEGIRO
Die zweite wichtige Akquisition in der Unternehmenshistorie war der Kauf vom Online-Broker DEGIRO aus den Niederlanden. Diese fand Ende des Jahres 2019 statt und wurde bis Mitte 2020 abgeschlossen – also genau in der Zeit, in der die gesamte Branche boomte. Infolge der Übernahme änderte sich auch der Unternehmensname erneut und seit Oktober 2020 tritt der Konzern als flatexDEGIRO auf.
Mit der Übernahme positionierte man sich in weiteren europäischen Ländern, denn der Broker hatte bereits die Expansion ins Ausland gewagt. Gegründet wurde DEGIRO zwei Jahre nach dem Launch des Flatex-Brokers, also 2008.
Vision, Mission und Verantwortung
Vision
FlatexDEGIRO wird nicht müde zu betonen, dass die Kunden immer an erster Stelle stehen. Dies zieht sich durch alle Bereiche (Nachhaltigkeit, Sicherheit, Angebot, Service usw.) des Unternehmens und ist grundsätzlich nicht überraschend, denn gerade in der Finanzbranche ist das Vertrauen der Kunden das A und O.
Die übergeordnete Vision ist seit der Übernahme des Konkurrenten DEGIRO „Europas Online-Brokerage-Champion” zu werden. 2026 möchte man 7-8 Mio. Kunden haben und jährlich 250-350 Mio. Transaktionen abwickeln. Diese Zahlen werden später im Rahmen der Branchenanalyse noch greifbarer. flatexDEGIRO soll somit laut eigener Aussage zu einem „unabhängigen, europäischen Finanzsupermarkt” werden.
All dies kann nur mit dem genannten Kundenfokus erreicht werden und in diesem Zusammenhang setzt flatexDEGIRO auf Vertrauen, Einfachheit und Innovationen, um das eigene Angebot und die Technologie dahinter zu verbessern.
Mission
Die Mission von flatexDEGIRO beschreibt genauer, welchen Vorteil man den eigenen Kunden verschafft, aber auch den Ansatz, den man auf dem Weg zum Unternehmenserfolg geht/gehen möchte.
Dies ist zum einen der Aspekt der Unabhängigkeit, denn als Broker möchte man in Bezug auf das angebotene Produktportfolio unabhängig sein. Dies wird nicht weiter ausgeführt, aber es liegt nahe, dass man sich damit bspw. nicht nur auf einen Emittenten von ETFs beschränkt, sondern den eigenen Kunden eine breite Auswahl bietet. Die Kunden sind in ihrer Auswahl somit unabhängig und auch flatexDEGIRO ist beim Angebot nicht von einem Anbieter abhängig.
Der zweite Aspekt beschreibt das Wachstum – einerseits von den Kunden, die erfolgreich am Finanzmarkt sein sollen und andererseits von flatexDEGIRO selbst. Man verfolgt das Ziel die Nummer 1 auf dem Broker-Markt zu bleiben und dies geht wiederum nur mit dem erwähnten Kundenfokus. Nur, wenn diesen das bestmögliche Produkt geboten wird, um selbst erfolgreich zu sein, kann auch der Broker-Anbieter selbst erfolgreich sein – so der Ansatz des Konzerns.
Sicherheit und Daten
Gerade wenn es um unser eigenes Geld geht, dann sollten die Abläufe sehr sicher sein und bei den Daten bedarf es einen besonderen Schutz. Wenn jemand Scheu vor günstigen Neobrokern hat, dann ist dies nach meiner Erfahrung (Jan, ich betreibe u. a. die Instagram-Seite @die.aktionaere) meistens aufgrund von Sicherheitsbedenken. Dies zeigt, wie wichtig Vertrauen, aber auch die gesamte Thematik „Sicherheit und Daten” in der Finanzbranche ist. flatexDEGIRO führt diesen Bereich ausführlich aus und listet ihn darüber hinaus noch einmal zusätzlich im Zusammenhang der eigenen Verantwortung.
flatexDEGIRO sieht sich in diesem Bezug als Pionier, denn man hat (bzw. genauer gesagt das übernommene Unternehmen XCOM) bei der Festlegung der heutigen Standards für das deutsche Online-Banking-Protokoll noch vor der Jahrtausendwende stark mitgewirkt. Auch bei diversen Folgetechnologien war das Unternehmen in der Entwicklung direkt beteiligt.
Die Aufwendungen für Forschung & Entwicklung sind außerdem v. a. für die Weiterentwicklung der eigenen Systeme und Abwicklungstechnologien gedacht. Die Plattformen sollen dabei sehr stabil laufen und Ausfälle sollen ebenso wie jegliche Art von Cyberbedrohungen vermieden werden. An dieser Stelle ist auch wichtig zu erwähnen, dass hinter den Brokern von flatexDEGIRO keine dritte Bank wie bei anderen Anbietern steht. Mit der flatexDEGIRO Bank hat man eine eigene konzerninterne Lösung.
Verantwortung und Umwelt
Auch gesellschaftlich sieht sich das Unternehmen in der Verantwortung in jeglicher Hinsicht nachhaltig zu handeln. Im Unternehmen selbst wird dies durch verschiedene Leitlinien und eine gute Unternehmenskultur (Teamarbeit) gelebt. Im Kontext der eigenen Verantwortung erwähnt flatexDEGIRO diverse Beispiele und auch die Ansätze, die das Unternehmen verfolgt. Da sich nachfolgend teilweise bereits genannte Punkte wiederholen würden, möchte ich an dieser Stelle nur noch einmal separat auf die ökologische Perspektive eingehen:
In Bezug auf die Umwelt möchte das Unternehmen nachhaltig agieren, indem die benötigten Ressourcen effektiv und somit schonend eingesetzt werden – hiervon wird zudem auch wirtschaftlich profitiert. Konkrete Punkte, die in Bezug auf umweltbewusstes Handeln noch genannt werden sind bspw. das Vermeiden von unnötigen Dienstreisen (v. a. Flügen), das Führen von papierlosen Büros und der Anspruch den Stromverbrauch stets zu reduzieren.
Aktionärsstruktur
Der Mitbegründer Bernd Förtsch hält auch heute noch einen Anteil von 1,40 % von flatexDEGIRO, aber dies ist lediglich sein privater Aktienbestand. Über die GfBk Gesellschaft für Börsenkommunikation mbH ist Förtsch mit weiteren 12,80 % an dem Unternehmen beteiligt, denn hier tritt der Mitbegründer ebenfalls als Geschäftsführer und alleiniger Eigentümer auf. Der Gesamtanteil an flatexDEGIRO beläuft sich somit auf über 14 %.
Ein weiterer Großaktionär ist Heliad Equity Partners mit einem Anteil von 5,20 %. Diese deutsche Investmentgesellschaft ist ebenfalls an der Börse gelistet und hat eine Marktkapitalisierung von ca. 66 Mio. EUR – allein der Anteil an flatexDEGIRO ist derzeit über 50 Mio. EUR wert. Heliad investiert aber nicht nur in börsennotierte Unternehmen, sondern allgemein in den Bereichen Internet, Technologie, E-Commerce, Biowissenschaften sowie Medien und Entertainment. Auch Clark und Klarna sind bspw. im Portfolio vertreten.
Weitere institutionelle Investoren sind die Market B.V. aus den Niederlanden mit 8,55 % und Polaris Capital Management (schweizerische Investmentgesellschaft) mi 5,18 %.
Niels Klok ist als Mitbegründer von DEGIRO ebenfalls mit 4,99 % an dem Unternehmen beteiligt, wobei interessant ist, dass er zuletzt seinen Anteil reduziert hat. Zuvor besaß er 6,70 % der Aktien. Auch Gijs Nagel ist als weiterer Mitbegründer des Brokers, welcher von Flatex übernommen wurde, mit 4,95 % beteiligt.
Geschäftsmodell
Marktführer in Europa
FlatexDEGIRO war der erste, ist der größte und am schnellsten wachsende paneuropäische Retail-Online-Broker. In seinem aktuellen Aufbau und mit der aktuellen Strategie sehen wir die Geschäftsfelder als sehr effizient ausgerichtet für ein auch in Zukunft nachhaltiges Wachstum, auch ohne Retail-Börsenhypes. Der Konzern besitzt eine europäische Bankenlizenz und hat ein sehr umfassendes und ausgereiftes IT-System, das Wachstum europaweit intakt hält. Die Wachstumsvision des Unternehmens ist strukturiert durchdacht und dennoch ambitioniert. Das Pricing-Modell ist trotz wachsender Konkurrenz im Neobroker-Bereich weiterhin sehr competitive.
Insgesamt hat flatexDEGIRO als führender Broker Europas in etwas 18 verschiedenen Ländern etwa 44 Mrd. EUR an Kapital unter Verwahrung mit 2 Mio. Kundenaccounts. 2021 wurden dabei von Kunden >350 Mrd. EUR an Handelsvolumen an den Märkten umgesetzt. Wichtig dabei ist aber, dass 2021 und 2020 extreme Ausnahmejahre an den Börsen waren, vor allem im Retail-Bereich. Das zeigt sich auch in der nachfolgenden Abbildung: Wir können sehen, dass sich die Anzahl der Gesamttransaktionen von 2019 auf 2021 fast verzehnfacht hat. Die Anzahl der Transaktionen pro Kundenaccount hat sich jedoch nicht mal verdoppelt. Da stellt sich die Frage, wie viele dieser Transaktionen von nervösen „One-Strike-Händlern“ kamen, die einmal und nie wieder ihren Spaß hatten mit Aktien wie GME oder AMC.
Online-Brokerage (FIN)
Das Geschäftsfeld Online-Brokerage bildet das nach außen am offensichtlichste Geschäftsfeld von flatexDEGIRO. Mehr als drei Viertel des Gesamtumsatzes werden mit diesem Segment generiert. Hier werden alle Marken untergeordnet, unter denen das Unternehmen als Online-Brokerage oder Bank für seine Kunden agiert. Außerdem bietet man als Outsourcing-Lösung Dienstleistungen im Bereich Wertpapierabwicklung und technisch vollautomatisierte Transaktionsabwicklung an.
Das Online-Brokerage-Angebot lässt sich nochmal in drei Unterbereiche aufteilen, die sich jeweils nach Zielgruppe (Profi-Trader oder tendenziell Amateur-Investoren) richten. Außerdem sind noch regionale Unterschiede zu nennen. Prinzipiell ist das Erfolgsmodell von flatexDEGIRO ein einfaches aber simples Rechenbeispiel. Es basiert darauf, dass durch effektives Marketing genug Kunden mit genug durchschnittlichen Trades und genug Bindungszeit angeworben werden. Ist ein Kunde mal abbezahlt, was die Kosten des Marketings angeht, handelt es sich um eine fast reine Cashcow für flatexDEGIRO aufgrund der hohen Margen. Dementsprechend viel investiert das Unternehmen auch in Werbung und ist u. a. der Hauptsponsor von Borussia Mönchengladbach.
Insgesamt dauert es zwischen 0,50 und 1,30 Jahre bis die Kunden im Schnitt bezüglich ihrer Marketingkosten wieder auf Breakeven sind. So war das zumindest seit 2014 bei flatexDEGIRO. Der Return on Invest (ROI) wächst natürlich kontinuierlich massiv an. Kunden, die bereits 2014 ihr Onboarding hatten, erzeugten einen Umsatz von 2.166 EUR bis ins Jahr 2021. Nimmt man die Marketingkosten dieses Jahres und teil sie durch die geworbenen Kunden, erhält man einen Wert von 76 EUR CAC. Teilt man den Umsatz nun durch den CAC, so erhält man einen ROI von 2.861 %.
Mit Flatex, DEGIRO und ViTrade gehören drei in Europa bereits etablierte und erfolgreiche Online-Broker zum Konzern. Alle Online-Broker arbeiten nach einem Grundprinzip: Dem beratungslosen Wertpapiergeschäft. Damit wenden sie sich jeweils an Investoren und Trader, die 100 % eigenverantwortlich ihre Transaktionen an der Börse durchführen. Das Handelsangebot der Broker erstreckt sich über alle Wertpapierarten mit Handelsmöglichkeiten an deutschen und zahlreichen internationalen Börsen und dem außerbörslichen Direkthandel.
Da die Broker rein webbasiert sind, unterhalten sie keine Filialen, sondern stellen lediglich verschiedene Handelsplattformen zur Verfügung. Das rückt die zwangsläufig notwendige IT-Struktur von flatexDEGIRO auch direkt in den Vordergrund.
Um europaweit aus Deutschland agieren zu können, braucht es ein sehr ausgereiftes und skalierbares IT-Netzwerk. Die Plattformen der einzelnen Marken werden jeweils abhängig von der Zielgruppe weiterentwickelt. Erst November 2020 hat man mit „flatex-next“ eine App herausgebracht, die wieder mit der Konkurrenz TradeRepublic und Scalable Capital mithalten soll. Vor allem jüngere Kunden erwarten von ihren Online-Brokern ein modernes und intuitives Interface, keine Banken-Seite, die aussieht wie ein Windows-98-Programm (was bei vielen Standard-Bank-Brokern noch der Fall ist).
Flatex
Der Online-Broker Flatex ist das Angebot von flatexDEGIRO in Deutschland und Österreich. In den Niederlanden wird das dort noch bestehende Geschäft von Flatex an DEGIRO übergeben. Das Angebot von Flatex wendet sich an eigenverantwortliche Trader und Investoren. Kunden können dabei an allen deutschen und vielen internationalen Handelsplätzen handeln. Die Auswahl von Basiswerten erstreckt sich über zahlreiche Wertpapierarten und Handelsmöglichkeiten, hauptsächlich Aktien, ETPs und ETFs. Im Vordergrund des Angebots stehen ein transparentes Preismodell sowie eine bankenunabhängige Produktpalette und ein kundenorientierter Service. Den Kunden von Flatex steht eine Vielzahl von Direkthandelspartnern zur Verfügung. Das bereits seit 2006 bestehende Gebührenmodell verzichtet auf das im Wertpapierhandel bekannte volumenabhängige Entgelt zugunsten eines Festpreises von 5,90 EUR im deutschen Börsenhandel zzgl. der anfallenden Börsengebühren. Über 4.000 ETF- und Fondssparplan-Produkte können darüber hinaus provisionsfrei bespart werden.
DEGIRO
DEGIRO, ehemals als Fondsmanagementgesellschaft gegründet wurde 2013 um die eigene Online-Brokerage-Lösung erweitert. Über selbst entwickelte, nutzerfreundliche Handelsplattformen wird unter der Marke DEGIROKunden der Zugang zu fast 50 europäischen und außereuropäischen Börsenplätzen, darunter bspw. in den USA, Australien, Japan und Hongkong ermöglicht. Hierbei wird eine umfangreiche Produktpalette von Aktien, Anleihen, Futures, Optionen, börsengehandelten Produkten und Fonds angeboten. DEGIRO hat durch ein günstiges Preismodell eine bedeutende Marktposition in vielen Ländern Europas erreicht. Eine grundsätzliche Anpassung des Preis-Leistungs-Verzeichnisses im Dezember 2021 soll dazu beitragen, die starke Marktstellung weiter auszubauen. Hierzu zählen vor allem die Einführung von provisionsfreiem Handel an US-Börsen sowie für Kunden in Frankreich, Spanien, Portugal und Italien sowie den wesentlichen lokalen Handelsplätzen wie z. B. Euronext Paris, Borsa Italiana oder Bolsa de Madrid.
ViTrade
Mit der Trading-Boutique ViTrade wird Profi-Tradern ein Angebot zur Verfügung gestellt, das sich durch spezielle Konditionen je nach Handelsvolumen und Produkt, professionelle Handelsplattformen und individuelle Kundenbetreuung auszeichnet. Weiterhin wird den Kunden die Möglichkeit gegeben, gedeckte Leerverkäufe (Covered Short Selling) ausgewählter, in Deutschland gehandelter Aktien und Anleihen zu tätigen. Zusätzlich können bei ViTrade sogenannte Handelslinien in Anspruch genommen werden, die Kunden die Möglichkeit geben, Kapital noch effektiver zu nutzen. ViTrade verfügt über ein marktübliches Preismodell, das einen prozentualen Provisionssatz i. H. v. 0,09 % vom Kurswert vorsieht (zzgl. Börsengebühren).
Ein Europa, drei Märkte
FlatexDEGIRO ist insgesamt in 18 europäischen Märkten aktiv. Dabei werden die Länder in drei unterschiedliche Kategorien aufgeteilt:
Core Markets (Kernmärkte)
Die Kernmärkte weisen den größten aktiven Kundenstamm auf. Zu ihnen gehören Deutschland, die Niederlande und Österreich.
Growth Markets (Wachstumsmärkte)
Die Wachstumsmärkte bieten das größte zukünftige Wachstumspotenzial. Hierzu zählen: Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, die Schweiz, Irland und das Vereinigte Königreich.
Research Markets (erforschende Märkte)
Märkte, die keiner der gerade genannten Kategorie zugeordnet werden können, fallen unter die Kategorie Research Markets. Das sind: Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Polen, Ungarn, die Tschechische Republik und Griechenland.
Credit & Treasury
Das Geschäftsfeld Credit & Treasury spiegelt das Anlagegeschäft sowie das konservativ und auf grundsätzlich besicherter Basis betriebene Kreditgeschäft wider. Als Beiprodukt des „Brokerseins“ hält flatexDEGIRO fast 3 Mrd. EUR an Kundengeldern. Diese Gelder werden vom Konzern als normale Bank zum Teil verwaltet.
Technologies (TECH)
FlatexDEGIRO bietet mit „FTX:CBS“ eine skalierbare IT-Standardplattform zur technologischen Abbildung von Geschäftsprozessen für den Vollbankenbetrieb an. Hierbei sollen sämtliche technische Unterstützungen aller bank- und brokeragespezifischen Geschäftsprozesse in einem System vereint werden:
Erklärungsauszug aus dem Geschäftsbericht 2021 von flatexDEGIRO:
Die Vertriebsplattform (Sales Platform) bildet die Grundlage für Kundenkontaktpunkte mit Komponenten aus den Bereichen Online-Konto- und Depoteröffnung (Client Check-In, CCI), Customer Relationship Management (CRM), Online-Banking-Frontend, Trading-Frontend, Support- und Callcenter sowie (Marketing-)Kampagnenmanagement. Die technische Unterstützung erfolgt hier durch modulare Softwarelösungen der Banking Suite, wie ENTAX oder CRM-Tools.
Die Produktionsplattform (Production Platform) beinhaltet sämtliche Produktionsprozesse der Konto- und Depotführung, des Einlagengeschäfts, der Wertpapierabwicklung, des Zahlungsverkehrs, des Geld- und Devisenhandels, des Kreditgeschäfts und der Bargeldlogistik. Softwarelösungen wie die Web- und WinFiliale, aber auch Lösungen wie Corporate Payments, Tools für Professional Trading oder Market Data & Low Latency-Services sind in diese Plattform integriert.
Die Steuerungsplattform (Regulatory & Steering Platform) bildet Geschäftsprozesse im Rechnungswesen, Meldewesen, Reporting und Risikomanagement ab. Softwareseitig erfolgt die Unterstützung u. a. durch Anbindung eines Cloud ERP General Ledgers (SAP Business byDesign©) auf Basis der S/4 Hana-Technologie. Des Weiteren werden BusinessIntelligence- und Management-Reporting-Tools hierunter gefasst.
Die Unterstützungsplattform (Support Platform) ergänzt vorgenannte Plattformen um Prozesse der Archivierung, des Release-Managements, des Fulfillments sowie der Authentifizierung.
Burggraben
Einleitung
Nach eigenen Angaben ist es flatexDEGIRO in den letzten Jahren gelungen, zum größten Online-Broker für Privatanleger in Europa aufzusteigen. Mit seinen drei Marken ermöglicht das Unternehmen den Handel von vielen verschiedenen Assetklassen, was die Kunden zu honorieren scheinen. Die durchschnittliche Anzahl aktiver Kundenaccounts ist seit 2017 dementsprechend von 253,83 Tsd. auf 1,70 Mio. in 2021 angewachsen. Auffällig ist dabei insbesondere der starke Anstieg in 2020, welcher laut dem Management neben der Übernahme von DEGIRO auf ein erhöhtes Interesse der europäischen Bevölkerung an den eigenen Finanzen zurückzuführen ist. Die vorübergehende Schließung von Bankfilialen zu Beginn der Corona-Pandemie habe außerdem zu einer höhen Akzeptanz von Online-Banking und -Brokerage geführt.
Das von flatexDEGIRO betreute Kundenvermögen belief sich zum Ende des letzten Geschäftsjahres auf 43,83 Mrd. EUR und konnte im betrachteten Zeitraum um den Faktor 3,66 gesteigert werden.
Außerdem verfügt flatexDEGIRO, wie beim Geschäftsmodell bereits erläutert, im Gegensatz zu vielen Neobrokern über eine eigene IT-Infrastruktur. Darüber hinaus ist man nach eigenen Angaben der einzige europaweit aktive Online-Broker mit deutscher Vollbanklizenz. Dank dieser beiden Faktoren zeichnet sich flatexDEGIRO durch eine besondere Wertschöpfungstiefe aus.
Porters Five Forces
Nachstehend die Branchenstrukturanalyse nach Michael E. Porter. Diese dient der Einordnung von externen Kräften, welche auf die Unternehmen einer Branche einwirken. Unsere Skala reicht hierbei von 0 bis 5. Je besser flatexDEGIRO aufgestellt ist, desto höher ist die Punktzahl, welche wir vergeben.
Geschäftsführung
Frank Niehage
Frank Niehage ist der derzeitige CEO von flatexDEGIRO und verfügt über ein ausgeprägtes Erfahrungsspektrum im Sektor des Finanzwesens. Niehage studierte in den USA und erwarb am University of Houston Law Center seinen Master of Laws mit dem Schwerpunkt der internationalen Wirtschaft. Auch heute ist er noch ein in Deutschland zugelassener Rechtsanwalt.
Nachdem er 2001 bei UBS als Team Leader tätig war, arbeitete Niehage bei diversen Größen aus dem Finanzsektor – u. a. Credit Suisse, Bank Sarasin (bei dieser Schweizer Privatbank war er CEO) und Goldman Sachs. 2014 wechselte er schließlich zur heutigen flatexDEGIRO und leitet den Konzern nun als CEO.
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Die Autoren haben diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten aber nicht garantieren. Es findet keinerlei Anlageberatung durch „Wir Lieben Aktien“ statt. Dieser Beitrag dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Börsengeschäfte sind mit erheblichen Risiken verbunden; der Kunde handelt stets auf eigenes Risiko.
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