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Lotus Bakeries Aktie Analyse

Lotus Bakeries Aktie kaufen?

Aktualisiert am 18.03.2025. Analyse vom 18.03.2025

von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann

Kurzvorstellung

16.290 % in 20 Jahren mit Keksen – aus 1.000 EUR wären da mal eben 163.900 EUR geworden (inkl. reinvestierter Dividende). Klingt verrückt, ist aber die Story von Lotus Bakeries. Global ist das Unternehmen vor allem für die leckeren Lotus Biscoff Spekulatius Kekse bekannt, die es sowohl einzeln gibt als auch in verschiedenen Variationen in Gebäck, Eis oder anderen Süßspeisen. In Zukunft will das Unternehmen seine Erfolgsstory noch viel weiter vorantreiben. Unter anderem sollen die Biscoff Kekse unter den Top drei der beliebtesten globalen Keksmarken platziert werden. Mit dem erfolgreichen Modell hinter den Biscoffs will Lotus zusätzlich mit weiteren neuen Brands und Akquisitionen in neuen Märkten wachsen. Für uns ist die Story noch lange nicht vorbei, weswegen wir uns die ehemalige, kleine Bäckerei aus Belgien, die heute ein Weltkonzern ist, sehr genau für dich angeschaut haben.

1. Das Unternehmen

Geschäftsmodell

Einleitung

Die Analyse zu Lotus hat uns wirklich fasziniert. Jeden Tag sieht man im Supermarkt die kleinen Lotus-Kekse, die dort ganz unscheinbar im Regal liegen. Aber wer von den hunderttausend Leuten, die dort jeden Tag vorbeigehen, weiß schon, was für eine unglaubliche Rendite der Konzern dahinter an der Börse in den letzten 20 Jahren produziert hat. Wir schauen uns jeden Tag hunderte Aktien an – aber die von Lotus Bakeries hat wahrscheinlich die sauberste Aufwärtsbewegung über zwei Dekade gemacht, die wir jemals gesehen haben. Das komplette Geschäftsmodell ist sehr schlüssig und auch die Wachstumsstrategie ist in unseren Augen sehr effektiv und logisch durchdacht. Das Kerngeschäft von Lotus ist die Herstellung von Nahrungsmitteln, vor allem im Süßspeisenbereich. Das sind neben dem klassischen Spekulatiusgebäck Lotus Biscoff inzwischen diverse weitere Produkte wie Brotaufstriche, Doppelkekse à la Oreo, gefülllte Schokolade, Eiscreme und vieles mehr. Inzwischen wird das Süßwarenangebot auch durch diverse weitere Marken ergänzt. Mit einigen Produkten will man auch bei dem Trend der gesunden Ernährung mitgehen.

In der Analyse des Geschäftsmodells stellen wir alle drei Sparten von Lotus und die wichtigsten Marken vor. Die Marken werden in drei Segmente unterteilt: Lotus Biscoff, Lotus Natural Foods und Lotus Local Heroes.

Lotus Biscoff

Die Lotus Biscoff-Kekse sind das Urprodukt, welches Lotus groß gemacht hat. Seit 1932 sind die karamellisierten Spekulatiuskekse mit der Marke und dem Unternehmen Lotus verknüpft. Ein durch und durch belgisches Produkt, welches in den letzten Jahrzehnten die Welt bereits teilweise erobert hat und eine Weltherrschaft im Keksmarkt anstrebt. Lotus will den Lotus Biscoff unter die Top drei der beliebtesten Kekse weltweit bringen. Derzeit ist man „erst“ unter den Top Ten, während Oreo auf Platz eins ist. Dementsprechend ist der Lotus Biscoff nicht nur eine reine Brand, sondern stellt auch die wichtigste Sparte des Geschäftsmodells mit allen Produkten, die auf ihm basieren, dar. Im Moment werden die Lotus Biscoff-Produkte in 60 Ländern verkauft. Man betreibt außerdem 15 lokale Vertriebsbüros in einzelnen Nationen, wo man vor allem auf Gastronomie-Kunden aus ist.

Das einzigartige Rezept wurde über die Jahre mit sorgfältig ausgewählten, natürlichen Zutaten auf das heutige Produkt optimiert. Ziel von Lotus ist es, den Lotus Biscoff-Keks international in die reguläre „Kaffeezeit“ von neuen Kunden zu bringen. Jeder, der einen Kaffee trinkt, soll sofort das Verlangen nach einem dazu passenden Lotus-Cookie verspüren. Die Kombination von Kaffee und Biscoff-Cookie ist auch in vielen Werbespots zu finden. Der Name „Biscoff“ setzt sich deswegen auch aus den Worten „Biscuit“ und „Coffee“ zusammen.

Auf Basis des Lotus Biscoff-Keks gibt es inzwischen eine große Reihe an weiteren leckeren und erfolgreichen Produkten, die auch hierzulande Anklang gefunden haben und in vielen Supermärkten der DACH-Region im Sortiment zu finden sind. Neben dem klassischen Cookie gibt es die Lotus Biscoff Spread. Das ist eine Brotcreme, die in einem Marmeladenglas geliefert wird. Im Internet finden sich zahlreiche Backrezepte für Torten, Kuchen oder Eis, welche mit der Lotus Spread in Crunchy (mit Stücken) oder Smooth (ohne Stücke) zubereitet werden. Alternativ lässt sich die Creme auf ein Brot schmieren (oder einfach löffeln, wenn man sich die Kalorienbombe erlauben darf). 100 Gramm der Creme haben übrigens 571 Kalorien. Das entspricht 30 Kalorien mehr als Nutella von Ferrero hat (541 Kalorien). Als weitere Beispiele sind da noch die Lotus Biscoff Bites zu nennen, ein Schokoriegel, gefüllt mit Biscoff Creme oder Lotus Biscoff Eiscreme. Es gibt noch zahlreiche weitere Produkte, aber das sollte für einen Überblick reichen und wir wollen jetzt ja auch keinen Heißhunger bei euch erzeugen.

Lotus Natural Foods

Unter der Sparte Natural Foods fasst Lotus alle Marken und Produkte zusammen, die in Zukunft weitere Wachstumstreiber sein sollen. Hier finden sich unter anderem Produkte, die mit starken Trends gehen wie z. B. vegane/natürliche Ernährung ohne Zusatzstoffe und/oder mit viel Protein und gesunden Inhaltsstoffen wie bspw. Nüsse und Honig anstatt Zucker und Mehl. Das Geschäft mit gesunden Snacks soll international weiter ausgebaut werden, während man derzeit vor allem in Großbritannien unterwegs ist.

NAKD

NAKD hat es sich zur Aufgabe gemacht, leckere und gesunde Snacks zu kreieren, die die Welt laut eigenen Aussagen „zu einem besseren Ort“ machen soll. Lotus bietet über die Marke eine Vielzahl an Alternativen zu stark verarbeiteten Snacks an. So basieren z. B. die Riegel zu 100 % aus natürlichen Zutaten wie Nüsse und Früchte. Alles ohne Zuckerzusätze, vegan und glutenfrei. All das geht natürlich mit in der westlichen Welt sehr aktuellen Trends einher.

BEAR

Die Marke BEAR geht einen ähnlichen Weg. Auch hier verkauft man eine Reihe von gesunden „Alternativsnacks“ mit einem Marketing, welches sich an Familien mit Kindern richtet. Die Snacks sind eine Art Fruchtriegel, welche zu 100 % aus Früchten hergestellt werden.

TREK

Mit Trek will man die sportlichen Kunden ansprechen und verkauft hier Energie- und Proteinriegel aus Nüssen, Kokosnüssen und anderen natürlichen Inhaltsstoffen. Die Proteinquellen sind auch alle vegan aus pflanzenbasierten Proteinquellen.

KIDDYLICIOUS

Die letzte Marke in diesem Segment richtet sich nochmal speziell an die ganz jungen Kunden: Babies und Kleinkinder. Es soll eine leckere Nahrungsquelle aus gesunden Zutaten bereitgestellt und so schon früh neue Kunden gewonnen werden.

Lotus Local Heroes

Die Local Heroes Division konzentriert sich auf den Aufbau einer starken Marktposition für die lokalen Kernmarken von Lotus. Das bezieht sich auf Produkte in Belgien, den Niederlanden, Frankreich und dem Vereinigten Königreich. Dort wird eine breite Palette dieser „lokalen Helden“ angeboten: Kekse, Waffeln, Kuchen, Lebkuchen und einige natürliche Snacks. Das Ziel hier ist es, einen starken Cashflow zu erhalten und die Marktführerschaft in den lokalen Gebieten mit Produkten von Lotus zu bewahren.

PEIJNENBURG

Peijnenburg ist eine bekannte Marke für Lebkuchen. Diese werden aus speziell ausgewählten Roggen und Gewürzen hergestellt. Ein Genuss für jedermann, ob Frühstück oder als Zwischenmahlzeit.

DINOSAURUS

Die Marke Dinosaurus ist im Endeffekt ein geändertes Branding der Kernmarke Lotus Biscoff, welches sich auf jüngere Kunden fokussiert hat.

ANNAS

Die Marke besitzt eine gute Erfolgsstory in ihren Heimatmärkten Schweden und Finnland. Unter dem Namen werden dünne, knusprige Kekse gewürzt mit Ingwer, Zimt und Nelken verkauft. Die Anna-Kekse sind in Schweden die beliebtesten Ingwerkekse und werden weltweit verkauft. Vor 90 Jahren eröffneten die Schwestern Anna und Emma Karlsson ihre Bäckerei in Stockholm und stellten das bis heute gehütete Rezept (zumindest was die Mengenangaben angeht) das erste Mal auf.

SNELLE JELLE

Eine Marke, die für einen klassischen, einzeln verpackten Lebkuchen voller Kohlenhydrate und Energie steht. Seit 2002 auch als Riegel erhältlich. Laut Aussagen von Lotus sind vor allem auch Sportler Stammkunden der Marke.

Historie

Gründung und die ersten Jahre

Die Geschichte von Lotus Bakeries (nachstehend Lotus genannt) beginnt im Jahr 1932 mit dem Bäcker Jan Boone Sr., welcher den bekannten karamellisierten Keks kreierte, für den die meisten das Unternehmen auch heute noch kennen. In diesem Zuge entstand auch direkt der Name Lotus, welcher von der Blume abgeleitet wurde, die Reinheit symbolisieren soll. Im Anschluss dauerte es über 20 Jahre bis der erste Lotus-Keks in Restaurants und Cafés zum Kaffee serviert wurde.

Die Kombination wurde sofort zu einem neuen Trend, da der Karamellgeschmack des Keks und der Geschmack des Kaffees sich gegenseitig gut ergänzen und verstärken. Auf dieses Zusammenspiel spielt auch der Name Lotus Biscoff an (1986 entstanden), wobei Biscoff eine Wortzusammensetzung von Biscuit (Keks) und Coffee (Kaffee) ist. Schnell folgte auf die nationale Erfolgsstory dann auch die internationale Expansion.

Expansion in jeglicher Hinsicht

Durch eine Partnerschaft erfolgte im Jahr 1974 die Fusion mit dem Unternehmen Corona, wodurch nun auch Kuchen, Torten und weiteres Gebäck zum Sortiment von Lotus hinzugehörten. Darüber hinaus wurde auch der Unternehmensvorsitz innerhalb der Familie an Karel Boone weitergereicht.

Unter dem neuen CEO begann auch die Expansion nach Asien, welche in den 1980er-Jahren begann und ein weiteres Jahrzehnt später fand die Etablierung der Produkte auf dem US-amerikanischen Markt statt. Im Laufe der Zeit wagte sich das Unternehmen auf diese Weise immer wieder in neue Länder und Regionen vor und setzte dies auch in den kommenden Jahrzehnten fort.

Zudem erfolgte 1988 der Börsengang an der Brüsseler Börse, bei dem die Familien Boone (Gründungsfamilie) und Stevens (von Corona) als Aktionäre auftraten.

Fortsetzung der Erfolgsgeschichte im 21. Jahrhundert

Nachdem Lotus 1999 noch Waffeln (Suzy Waffels) mit in das eigene Produktportfolio aufgenommen hatte, widmete sich das Unternehmen im 21. Jahrhundert nicht nur der geografischen Expansion, sondern auch der generellen Akquise anderer Firmen. Auf diese Weise erweiterte der Konzern sein Sortiment immer weiter und bspw. Lebkuchen (über Peijnenburg) und Ingwerplätzchen (über Annas) gehörten fortan zum Geschäft. Aber auch eine eigene Neukreation wurde zum absoluten Erfolg: Der Brotaufstrich.

Der CEO-Posten wurde 2006 wieder innerhalb der Familie Boone an Matthieu weitergereicht, welcher das Amt aber nur für rund fünf Jahre ausführte. 2011 übernahm Jan Boone die Verantwortung und ist auch heute noch in seiner Position als CEO aktiv.

Nebenher lief die geografische Expansion natürlich trotzdem auf Hochtouren weiter und in 2014 eröffnete Lotus in China sogar ein eigenes Verkaufsbüro. Mit einem weiteren Standort in Südkorea in 2015 festigte der Konzern seine Präsenz in Asien noch einmal.

Wandel der Branche

Im Jahr 2015 erfolgte die Grundsteinlegung für den heutigen Geschäftsbereich der Natural Foods, denn das Unternehmen ging eine Partnerschaft mit Natural Balance Foods ein. Die Firma aus Großbritannien beschäftigt sich mit gesunden Snacks, welche mit der Zeit immer beliebter wurden, sodass Lotus weitere Investments in dem Segment vornahm und 2020 schließlich die Mehrheit der restlichen Anteile von den Gründern von NBF übernahm.

Zugleich schritt auch die weltweite Expansion stetig weiter voran und 2018 konnte Lotus bereits Umsätze in 70 Ländern auf der ganzen Welt erzielen. Wie in der Vergangenheit sorgten weitere Produkte wie das Lotus Biscoff Eis (ab 2019) ebenfalls für weiteres Wachstum. Die USA ist inzwischen zu einem so wichtigen Standbein geworden, dass auch eine Produktionsstätte für die bekannten Lotus-Kekse in den Vereinigten Staaten von Amerika eröffnet wurde.

Lotus von heute

In der jüngsten Vergangenheit änderte sich an der Strategie von Lotus relativ wenig – Akquisitionen, neue Produkte und die globale Expansion stehen im Fokus. 2019 gründete das Unternehmen allerdings noch den Inkubatorfonds Fast Forward 2032 (FF2032) und tätigt in diesem Rahmen seitdem diverse Akquisitionen und erwirbt Beteiligungen, um noch schneller zu wachsen. Mit dem Fonds konzentriert sich Lotus auf neue innovative Produkte, Ansätze und Technologien in der Branche.

Nachdem, wie bereits erwähnt, die Mehrheit der restlichen Anteile von Natural Balance Foods aufgekauft wurden, beteiligte sich Lotus mit dem FF2032 unter anderem hier:

  • 2019: 20 % von Peter’s Yard (Sauerteigcracker, Knäckebrote und Chips aus natürlichen Zutaten)
  • 2020: Minderheitsbeteiligung bei Love Brands (knuspriger Maissnack)
  • 2020: Minderheitsbeteiligung bei Partake Foods (glutenfreie und allergikerfreundliche Kekse)
  • 2021: Minderheitsbeteiligung bei Oot Granola (gesundes, biologisches und glutunfreies Müsli)
  • 2021: Minderheitsbeteiligung bei The Good Cris Company (natürliche, glutenfreie, gentechnikfreie und allergenfreie Chips)

Die erste Beteiligung im Rahmen des Fonds zahlte sich anscheinend so gut aus, dass Lotus sich 2022 entschloss, das gesamte Unternehmen Peter’s Yard zu akquirieren.

In der Zwischenzeit konnten auch wieder neue Eigenkreationen auf dem Markt etabliert werden, wozu Sandwichkekse mit einer Cremefüllung und zwei verschiedene Sorten Schokolade gehören. Insgesamt agiert Lotus also seit mehreren Jahrzehnten auf dieselbe Art und Weise, und das sehr erfolgreich. Die Kombination aus neuen, eigenen Produkten und der Ambition, weltweit zu expandieren, hat aus einem kleinen Keks einen Konzern gemacht, welcher in den letzten Jahren auch die Balance zu gesünderen Snacks findet.

Aktionärsstruktur

Zum Stand des 3. Novembers 2022 befinden sich 50 % der Aktien im Familienbesitz über das Stichting Administratiekantoor van Aandelen Lotus Bakeries, kurz STAK. In Bezug auf die Stimmrechte entspricht dies 65 %, sodass die Gründungsfamilie Boone sowie die später hinzugekommene Familie Stevens (im Rahmen der Fusion 1974) stets die Entscheidungsgewalt haben.

Geschäftsführung

Jan Boone

Die Geschäftsführung des Unternehmens blieb stets innerhalb der eigenen Familie und seit 2011 ist Jan Boone als CEO für Lotus tätig. Seine Karriere begann allerdings bei PwC, einer der bekanntesten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften der Welt. Von 2000 bis 2005 arbeitete Boone bei Omega Pharma, einem Unternehmen aus der Pharma-Branche, und trug hier die Verantwortung für das Controlling, die Berichterstattung und die M&A-Aktivitäten (Fusionen und Akquisitionen). Hier sammelte er auch Erfahrung als Mitglied des Executive Committee und des Board of Directors.

Im Mai 2005 stieg Jan Boone letztendlich in das Familienunternehmen ein und startete als General Manager und Director. Ich (Jan) vermute, dass seine vorherigen Tätigkeiten bewusst gewählt wurden, um ihn auf eine Position bei Lotus vorzubereiten. Die gesammelte Erfahrung bspw. im Bereich M&A kommt ihm sicherlich zugute.

Seine akademische Laufbahn begann mit einem Studium der angewandten Ökonomie, welches er mit einem Master abschloss. Darüber hinaus erwarb er einen weiteren Master-Abschluss im Bereich Audit (Prüfung, Revision), womit er bei seinem Einstieg bei PwC viel zu tun hatte.

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