
Marsh McLennan Aktie Analyse
Die beste Versicherungsaktie?
Analyse vom 28.09.2025
von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann
Kurzvorstellung
Die Aktien von Versicherern wie Allianz oder Münchener Rück sind bei Privatanlegern im DACH-Raum aufgrund ihrer attraktiven Dividendenrenditen in aller Munde. In der Versicherungsbranche existiert jedoch eine weitere Unternehmensgruppe, die langfristig eine deutlich höhere Gesamtrendite erzielt, hierzulande aber bislang nur wenig Beachtung findet: Die Versicherungsmakler. Mit Marsh McLennan haben wir in der vorliegenden Analyse den Marktführer unter die Lupe genommen und uns die Frage gestellt, ob das Unternehmen auch in Zukunft eine Überrendite für seine Aktionäre generieren kann.
1. Das Unternehmen
Geschäftsmodell
Einleitung
Obwohl Marsh McLennan für Privatpersonen – insbesondere außerhalb der USA – häufig unsichtbar ist, nimmt das Unternehmen in der Versicherungswirtschaft von 130 Ländern weltweit eine zentrale Rolle ein. Als Versicherungsmakler fungiert Marsh McLennan als unverzichtbarer Partner für Konzerne wie Allianz, AXA oder Zurich Insurance und stellt für diese einen bedeutenden Absatzkanal dar. Neben seinem Kerngeschäft als Versicherungsmakler ist Marsh McLennan auch in der Strategieberatung tätig und ergänzt damit sein operatives Geschäft. Im Folgenden blicken wir detailliert auf die einzelnen Segmente von Marsh McLennan.
Tätigkeit als Versicherungsmakler
Das Maklergeschäft von Marsh McLennan Companies lässt sich im Wesentlichen in zwei Tochterunternehmen gliedern:
- Marsh: #1 Versicherungsmakler weltweit
- GuyCarpenter: #2 Rückversicherungsmakler weltweit
Das Dienstleistungsportfolio dieser Töchter ist weitaus breiter, als man meinen könnte: Marsh McLennan ist nicht einfach nur Vermittler von Versicherungen, sondern betreut verschiedene Kundengruppen wie Privatpersonen, KMU und Großkonzerne, deren Risiken analysiert und in Kooperation mit Versicherern maßgeschneiderte Versicherungspolicen ausarbeitet werden. Angesichts der Positionierung von Marsh McLennan als größter Anbieter im Versicherungsgeschäft und zweitgrößter im Rückversicherungsgeschäft wird deutlich, welche zentrale Rolle das Unternehmen in der Branche einnimmt – ein Umstand, der bereits erste Rückschlüsse auf die Tiefe seines Burggrabens zulässt. Doch dazu später mehr.
Tätigkeit in der Beratung
Auch im Rahmen seiner Tätigkeiten in der Beratung operiert Marsh McLennan Companies mit zwei Tochtergesellschaften:
- Mercer: #1 Berater für Gesundheits- und Mitarbeiterleistungen
- OliverWyman: Führender Player in der Beratung für Strategien
Zu den Kunden von Marsh McLennan Companies im Rahmen von Mercer zählen Pensionsfonds und Stiftungen, die sich vor allem aus zwei Gründen an das Unternehmen wenden: Unterstützung bei ihrer Asset Allocation oder ihrem Risikomanagement und Entwicklung von Mitarbeiter-Benefits wie Krankenversicherungen oder sonstigen Zusatzleistungen. OliverWyman befasst sich hingegen mit der klassischen Strategieberatung, welche auf Restrukturierungen, Effizienzsteigerungen oder die Optimierung von Unternehmensstrukturen abzielt.
Historie
Gründung
Das Unternehmen wurde 1899 von Henry Marsh und Donald McLennan gegründet. Anders als viele Wettbewerber stellten die Gründer von Beginn an die Kundeninteressen in den Mittelpunkt und entwickelten einen Ansatz, der Risiken aus Sicht der Versicherten bewertete. Bereits ab dem Jahr 1900 wurden Ingenieure eingesetzt, um Risiken präventiv zu analysieren. Bedeutende Mandate mit Unternehmen wie U.S. Steel und AT&T prägten die frühe Entwicklung. 1905 erfolgte der Zusammenschluss mit der Daniel Burrows Agency, wodurch das Unternehmen zu einem der größten Feuerversicherungsmakler wurde. Mit der Eröffnung eines Büros in Montreal im Jahr 1914 begann die internationale Expansion. 1923 wurde durch die Übernahme von Guy Carpenter das Geschäft im Bereich Rückversicherung ergänzt.
Wachstum und Diversifizierung
Während des Zweiten Weltkriegs spielte das Unternehmen eine zentrale Rolle bei der Platzierung von Kriegsrisikoversicherungen und beteiligte sich nach Kriegsende an der Absicherung der Transporte im Rahmen des Marshallplans. 1959 wurde die Beratungsfirma William M. Mercer übernommen, wodurch der Bereich Personal- und Benefits-Beratung hinzugefügt wurde. Weitere bedeutende Akquisitionen wie Cosgrove (1957) erweiterten das Geschäftsfeld. In den 1960er- und 1970er-Jahren kamen Engagements in neuen Branchen hinzu, darunter Versicherungen für Filmproduktionen und Satellitenstarts.
Internationale Expansion und neue Geschäftsfelder
Ab den 1980er-Jahren setzte das Unternehmen verstärkt auf internationale Expansion. Mit der Übernahme von CT Bowring im Jahr 1980 und weiteren Zukäufen in den 1990er-Jahren, darunter Johnson & Higgins (1997) sowie Sedgwick (1998), wurde die globale Präsenz ausgebaut. Zudem wurde in dieser Zeit mit der Gründung von Gesellschaften wie ACE und XL zur Deckung von Spezialrisiken ein Beitrag zur Weiterentwicklung der Versicherungsbranche geleistet. 1990 erweiterte der Erwerb von Gradmann & Holler das Geschäft in Deutschland, womit das Unternehmen als erster internationaler Makler eine Niederlassung in Ostdeutschland eröffnete.
Konsolodierung und Neuausrichtung
Die Terroranschläge vom 11. September 2001 stellten einen schweren Einschnitt dar, bei dem zahlreiche Mitarbeiter im World Trade Center ums Leben kamen. In den darauffolgenden Jahren verstärkte das Unternehmen sein Engagement in den Bereichen Nachhaltigkeit und verantwortungsvolles Investieren. Mercer gründete 2004 eine Abteilung für Responsible Investment, die auch an der Entwicklung der UN-Prinzipien für verantwortungsbewusstes Investieren mitwirkte. Die Integration von Oliver Wyman 2003 stärkte das Beratungsgeschäft, unter anderem durch die Durchführung von Stresstests für die Europäische Zentralbank während der Staatsschuldenkrise.
Aktuelle Schwerpunkte
Die internationale Expansion wurde in den 2010er-Jahren fortgeführt, unter anderem durch die Aufnahme von Geschäftstätigkeiten in China (2007) und Afrika (2013). 2019 erfolgte mit der Übernahme von Jardine Lloyd Thompson die größte Akquisition der Unternehmensgeschichte. In der COVID-19-Pandemie wurden Unterstützungsmaßnahmen für Mitarbeiter bereitgestellt und Analysen entwickelt, die Entscheidungsträgern in Regierungen und Unternehmen halfen. 2023 engagierte sich das Unternehmen bei der wirtschaftlichen Stabilisierung der Ukraine, unter anderem durch Versicherungslösungen für den Getreidetransport im Schwarzen Meer und die Entwicklung von Datenplattformen zur Analyse von Kriegsrisiken.
Aktionärsstruktur
Die Aktionärsstruktur von Marsh McLennan wird wie so oft durch zwei der größten Vermögensverwalter angeführt. An erster Stelle steht Vanguard mit 8,90% und gleich dahinter folgt BlackRock mit 8,33%. Weitere Aktionäre mit einem Anteil über 5,00% wurden nicht gemeldet.
Geschäftsführung
John Q. Doyle
Doyle ist President und CEO von Marsh McLennan Companies. Zuvor war er als Group President und COO für die strategische Ausrichtung und die operativen Ziele der vier globalen Geschäftsbereiche verantwortlich. 2016 trat er als President in das Unternehmen ein und leitete diesen Geschäftsbereich von 2017 bis 2021 als President und CEO.
Er verfügt über mehr als 35 Jahre Erfahrung in der Versicherungswirtschaft. Seine Karriere begann bei AIG, wo er mehrere leitende Funktionen innehatte. Neben seiner Tätigkeit bei Marsh McLennan engagiert er sich als Trustee des Inner-City Scholarship Fund, als Mitglied des Boards der Greenberg School of Risk Management an der St. John’s University sowie im Board des New York Police and Fire Widows’ and Children’s Benefit Fund. Darüber hinaus ist er Vorsitzender des US Federal Advisory Committee on Insurance.
CEO-Vergütung
Für das Fiskaljahr 2024 erhielt der CEO ein Grundgehalt in Höhe von 1,48 Mio. USD. Durch Stock Awards erhielt er eine Vergütung in einem Gegenwert von 7,55 Mio. USD und über Option Awards weitere 6,88 Mio. USD. Des Weiteren wurde er durch einen Non-Equity Incentive Plan mit 6,50 Mio. USD vergütet. Abgerundet wird die Vergütung durch 411,00 Tsd. USD, womit Doyle insgesamt mit 22,81 Mio. USD vergütet wurde.
Im Vorjahr fiel die Vergütung in allen Bereichen etwas geringer aus, was zu einer Gesamtsumme von 19,05 Mio. USD führte.
Für das Fiskaljahr 2022 erreichte der CEO eine deutlich geringe Gesamtvergütung. Dies lag maßgeblich an geringeren Stock & Option Awards, mit 3,00 bzw. 2,00 Mio. USD.
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