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NVIDIA Aktie Analyse

Hochauflösende Grafik, hochauflösend analysiert

Analyse vom 05.06.2022

von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann

Kurzvorstellung

Egal ob bei Datenzentren, autonomem Fahren, künstlicher Intelligenz oder der Darstellung von komplexen visuellen Effekten beispielsweise bei Videospielen – überall werden hochleistungsfähige, immer modernere Grafikkarten benötigt. NVIDIA ist eine absolute Marktmacht in diesem Bereich. Genau wie die Marke Tempo für Taschentücher hat sich NVIDIA, im jahrelangen Konkurrenzkampf mit AMD zum innovativen und hochmodernen Anbieter entwickelt und steht heute für das Nonplusultra für Grafikprozessoren. Im Zuge der jüngsten Korrektur an den Märkten hat sich der Aktienkurs des Konzerns im Tief mehr als halbiert. Aufgrund populärer Nachfrage von Euch haben wir uns das Unternehmen deswegen genau angeschaut.

1. Das Unternehmen NVIDIA

Geschäftsmodell

Einleitung

NVIDIA ist am Markt für Grafikprozessoren für viele bereits das, was Tempo seit Jahrzehnten im Bereich der Taschentücher ist: Ein Synonym und eine Marke, die stellvertretend für eine ganze Produktkategorie steht. Dieses Standing hat sich NVIDIA hart erarbeitet und sich vom eher unbekannten Chiphersteller rasant zu einem etablierten Unternehmen mit weltweiter Reputation entwickelt.

Trotzdem beruht der Erfolg auch heute noch auf der Herstellung von Grafikprozessoren (engl. graphics procession unit, GPU). Insbesondere die populären GeForce-Grafikchips brachten dem Unternehmen dabei die Marktführerschaft im langjährigen Konkurrenzkampf mit AMD. NVIDIA GPUs finden vor allem Anwendung im Bereich Gaming, bei Datenzentren, zur Darstellung virtueller Effekte und für künstliche Intelligenz. Doch was sind eigentlich Grafikprozessoren und wofür werden diese gebraucht?

Exkurs: Grafikprozessoren

In den meisten heutigen Computern sind Grafikprozessoren nicht mehr wegzudenken, das war jedoch nicht immer so. In den Anfängen der Computerzeit war eine grafische Darstellung von Rechenprozessen nicht üblich, sodass die Befehlsverarbeitung nur über den Hauptprozessor (engl. central procession unit, CPU) erfolgte. Sowohl GPUs als auch CPUs sind auf Halbleitern basierende Mikrochips, die sich jedoch in den spezifischen Anwendungsfällen wesentlich unterscheiden: Während der Hauptprozessor überwiegend für das lineare Abarbeiten von Befehlen und die ganzheitliche Steuerung eines Computers zuständig ist, eignen sich Grafikprozessoren insbesondere für die Darstellung visueller Effekte. Die weiteren Anwendungsgebiete von GPUs sind vielfältig und genügen modernsten Ansprüchen, etwa dem Einsatz im Bereich der künstlichen Intelligenz.

Tipp: Wenn Dich das Thema Halbleiter näher interessiert, schau Dir unbedingt unsere Qualcomm Aktienanalyse an! Dort erfährst Du alles über die Herstellung und Anwendung von Halbleitern.

Herstellung von Grafikprozessoren bei NVIDIA

Bei der Herstellung von GPUs geht NVIDIA seit jeher einen modernen Weg: Das Unternehmen besitzt keine eigene Produktion sondern ist lediglich für Planung, Design und Forschung zuständig. Als fabrikloser Hersteller (engl. fabless manufacturing) von Grafikprozessoren werden die Aufträge zur Fertigung der durch NVIDIA designten Chips an Unternehmen wie TSMC oder Samsung vergeben. In den dortigen Produktionsstätten können die GPUs deutlich günstiger gefertigt werden. Im Ergebnis profitieren alle beteiligten Unternehmen von diesem Modell, da sie sich auf ihre jeweiligen Kernkompetenzen konzentrieren können. Für NVIDIA ergeben sich zudem attraktivere Margen aufgrund der günstigeren Herstellungskosten und mangels teurer Fabriken.

Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen seit der Gründung über 29 Mrd. USD in Forschung und Entwicklung ihrer Grafikprozessoren investiert – ein hoher Preis, der sich jedoch bezahlt gemacht hat: Heutige GPUs von NVIDIA sind der Konkurrenz in Leistung und Technologie teilweise mehrere Jahre voraus. Zudem setzt das Unternehmen auf eine Plattformstrategie und bietet Kunden neben der Hardware auch modernste Softwarelösungen zur optimalen Darstellung von Bildern und visuellen Effekten jeglicher Art.

Operatives Geschäft

NVIDIA hat das operative Geschäft in seiner heutigen Form in die zwei Segmente Graphics und Compute & Networking unterteilt, wie die unten stehende Grafik verdeutlicht:

Aus dieser Aufteilung der Geschäftsaktivitäten ergeben sich für NVIDIA im Wesentlichen vier große Märkte, in denen das Unternehmen seine Produkte anbietet. Was auffällt: NVIDIA konzentriert sich auf Bereiche, die innovative, spezialisierte Produkte erfordern und die mit der modernsten Technologie ausgestattet sind. Hier wird die Zukunft mitgestaltet, ganz im Stil des Silicon Valleys.

Gaming

Die Gamingbranche boomt, und das bereits seit vielen Jahren. Zuletzt hat die Corona-Pandemie diesen Trend sogar noch verstärkt. NVIDIA profitiert mit der unternehmenseigenen Kernkompetenz – der Herstellung von Grafikprozessoren – ohne jeden Zweifel von diesem Trend. Der Gamingmarkt ist inzwischen vielfältig und komplex, die Anzahl an aktiven Spielern steigt weiterhin an. Daneben entwickeln sich die angebotenen Produkte und Spiele stetig weiter, sodass sich die Anforderungen an moderne Hardware und Software erhöhen. NVIDIA bietet hier ganzheitliche Lösungen für den Endkunden: Für eine fotorealistische grafische Darstellung von Spielen bieten Grafikkarten der GeForce-Serie die nötige Rechenpower, hauseigene Software wie NVIDIA RTX (Raytracing für die Optimierung visueller Effekte) und DLSS (Erhöhung der Framerate via künstlicher Intelligenz) sorgt im Ergebnis für ein optimales Spielerlebnis.

NVIDIAs Grafikprozessoren finden sowohl Anwendung in Computern als auch in Konsolen, Laptops und im Bereich Virtual Reality. Für viele ist NVIDIA die Marke im Bereich Gaming, was sich aufgrund des technologischen Vorsprungs zur Konkurrenz wohl auch nicht so schnell ändern wird.

Data Center

Rechenzentren sind eine der Grundvoraussetzungen der Digitalisierung und globalen Vernetzung im Internetzeitalter. Die Nachfrage ist entsprechend hoch, sodass NVIDIA mit seinen jüngsten Quartalszahlen eine kleine Überraschung offenbaren konnte: Im ersten Quartal 2022 wurde mit Hard- und Software für Rechenzentren erstmalig mehr Umsatz erzielt als mit Grafikprozessoren für die Gamingbranche. NVIDIAs Produktpalette im Bereich Data Center ist entsprechend umfangreich, neben extrem leistungsstarken GPUs werden auch komplette Plattformlösungen inklusive Software und weiteren Komponenten für Supercomputer angeboten. Im Jahr 2022 arbeiten acht der Top 10 weltweiten Supercomputer mit NVIDIA Prozessoren oder Software. Daneben wird die Rechenpower der Grafikprozessoren des Unternehmens für die hochkomplexe Entwicklung künstlicher Intelligenz genutzt. Alle großen Unternehmen, die im Bereich Cloud-Computing aktiv sind, arbeiten mit Grafikprozessoren von NVIDIA. So zählen bspw. Amazon, Alibaba, Alphabet, IBM oder Microsoft zu den Kunden. Doch wie sehen eigentlich GPUs für Rechenzentren und Supercomputer aus? Die folgende Grafik zeigt zur Verdeutlichung einen Grafikprozessor der aktuellen Hopper-Architektur von NVIDIA.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass der Bereich Data Center für NVIDIA langfristig zum wichtigsten Geschäftsfeld werden wird. NVIDIA profitiert als Zulieferer der modernen und hochpreisigen Grafikprozessoren für Rechenzentren von der Digitalisierung und dem wachsenden Cloud-Computing-Markt.

Professional Visualization

NVIDIAs Grafikprozessoren werden neben dem Gaming auch für die professionelle Video- und Fotobearbeitung verwendet. Mit speziellen Softwarelösungen bietet man auch hier dem Endkunden zahlreiche Möglichkeiten und modernste Technologie. Ob es Rendering in Filmqualität, die fotorealistische Darstellung von Objekten und Schatten oder die Bearbeitung von 3D-Modellen ist, NVIDIA entwickelt die passenden Hard- und Software. Daneben platziert sich das Unternehmen mit Omniverse auch im Bereich der virtuellen Welten. Experten sehen in NVIDIAs Metaverse Lösung einen der vielversprechendsten Ansätze im Bereich Virtual Reality und prognostizieren bereits ein Marktpotenzial im hohen zweistelligen Milliardenbereich. Ohne die Richtigkeit solcher Aussagen zu bewerten verdeutlicht dies, dass NVIDIA auch in diesem Markt noch viel weiteres Wachstumspotenzial besitzt.

Automotive

Zuletzt hat NVIDIAs Kooperation mit Mercedes-Benz im Bereich selbst fahrender Fahrzeuge für Aufmerksamkeit gesorgt. Prozessoren und die Software DRIVE von NVIDIA sollen ab 2024 in allen Mercedes Benz Fahrzeugen verbaut werden und den Weg in Richtung autonomes Fahren ebnen.

Viele weitere große Autokonzerne wie etwa Volvo oder Nio gehören zu den Partnern und Kunden, in der Branche gilt die Software-Lösung DRIVE als eine der besten und fortschrittlichsten. NVIDIA DRIVE erkennt in Echtzeit was im fließenden und stehenden Verkehr passiert, reagiert darauf und passt die Fahrtstrecke entsprechend an. Gemessen am Gesamtumsatz spielt der Automotive Bereich für NVIDIA bisher nur eine untergeordnete Rolle, doch auch hier ebnet das Unternehmen mit seiner moderne Technologie den Weg in die Zukunft.

Fazit zum Geschäftsmodell

NVIDIA steht als Unternehmen und Marke für sich: Leistungsstarke Grafikprozessoren der höchsten Qualität mit technologischem Vorsprung gegenüber der Konkurrenz. Die Fertigung erfolgt ohne eigene Fabriken, sodass man sich auf die eigene Expertise im Bereich der Forschung und dem Designprozess der GPUs konzentrieren kann. NVIDIA verkörpert durch und durch die moderne High-Tech Branche des Silicon Valley und profitiert von der Digitalisierung und der rapide steigenden Nachfrage nach Hard- und Software für Supercomputer und Rechenzentren. Zudem ist das ursprüngliche Kerngeschäft, die Entwicklung von Grafikprozessoren für den Gamingmarkt, weiterhin intakt. Die Vielzahl von weiteren Verwendungsmöglichkeiten der Produkte des Unternehmens bietet zudem vermehrt Chancen auf Wachstum, etwa im Bereich virtueller Welten, künstlicher Intelligenz oder selbstfahrender Fahrzeuge.

Historie

Gründung

NVIDIA wurde 1993 von Jensen Huang, Chris Malachowsky und Curtis Priem gegründet und führte zwei Jahre später mit dem NV1 das erste Produkt ein. Dieser Grafikchip für Computer war einer der ersten seiner Art mit einem 3D-Beschleuniger, welcher also dreidimensionale Objekte schneller bzw. besser anzeigen konnte. Bereits 1994 ging NVIDIA eine Partnerschaft mit dem europäischen Halbleiterhersteller SGS-Thomson (heute STMicroelectronics) ein.

Nach der Einführung des ersten Treibers für Microsoft DirectX, was für Entwickler von Spielen etc. interessant ist, führte NVIDIA 1997 mit RIVA 128 einen sehr erfolgreichen neuen Chip ein. In nur vier Monaten verkaufte das Unternehmen 1 Mio. Einheiten. Ein Jahr später begann die Partnerschaft mit dem Halbleitergiganten TSMC.

Aufregendes Jahr 1999

Das Jahr 1999 war besonders spannend für NVIDIA, denn damals haben sie laut eigener Aussage den Grafikprozessor erfunden. Der Begriff GPU (graphics processing unit) wurde somit das erste Mal erwähnt und zugleich hat der Konzern den zehnmillionsten Grafikchip verkauft.

Darüber hinaus startete die Zeit des Neuen Markts und jegliche Technologie- und Wachstumsaktien stiegen an der Börse in unglaubliche Höhen. Auch NVIDIA ging in dieser Zeit an die Börse und vollzog das IPO in den USA an der NASDAQ.

Akquisitionen

Im Jahr 2002 wurde NVIDIA zum schnellstwachsenden Unternehmen aus den USA gekürt, womit natürlich auch regelmäßige Akquisitionen einhergehen. Im Jahr 2000 fand bspw. die Übernahme von Graphics Pioneer 3dfx, einem Hersteller von 3D-Grafikprozessoren und Videokarten, statt.

Beim Investor Day 2022 berichtete NVIDIA von den Akquisitionen, die seit dem Geschäftsjahr 2020 durchgeführt wurden. Allein in diesem Zeitraum gab es sechs Übernahmen, wovon Mellanox mit einem Volumen von 7 Mrd. USD klar heraussticht. Mellanox ist ein israelisch-amerikanischer Anbieter von Computernetzwerkprodukten.

Entwicklung ab 2000

Den ersten PC-Chipsatz hat NVIDIA unter dem Namen nForce im Jahr 2001 vorgestellt. Zunächst war es ein reiner integrierter Grafikprozessor, der dann im Verlauf der Zeit aber noch deutlich weiterentwickelt wurde. 2004 hat NVIDIA mit SLI eine neue Technik vorgestellt, mit der mehrere Grafikchips zusammengeschaltet werden konnten, um die Leistung zu steigern. Neben der starken Optimierung der Grafikleistung schloss man sich im selben Jahr aber auch mit Blizzard Entertainment zusammen, um das weltbekannte Spiel World of Warcraft in 3D-Grafik herauszubringen. Im Folgejahr erhielt der Halbleiter-Konzern den Zuschlag für die Entwicklung des Prozessors für die PlayStation 3 von Sony.

2008 stellte NVIDIA den Tegra-Prozessor für mobile Endgeräte vor, welcher in den Folgegenerationen z. B. noch im VW Golf zum Einsatz kam. Im Jahr 2010 entwickelte NVIDIA dann den schnellsten Supercomputer der Welt.

Heute ist NVIDIA bei vielen Anlegern vor allem auch für zukunftsträchtige Bereiche wie bspw. Deep Learning bekannt. 2015 stieg man in diese Bereiche mit dem Tegra X1- und NVIDIA Drive-Chip ein. Ein Jahr später positionierte sich der Konzern noch stärker in den Segmenten künstliche Intelligenz und autonomes Fahren. 2019 verkündete das Unternehmen dann weitere starke Fortschritte u. a. auf dem Gebiet von Hochleistungsrechnern.

Zuletzt stellte NVIDIA im Jahr 2020 mit den DPUs (data processing units) eine neue Prozessorklasse vor, welche künftig neben den bereits gängigen GPUs und CPUs im Bereich der Datenverarbeitung etabliert werden. Die Aufgabe der neuen DPUs beschreibt NVIDIA wie folgt: „Die CPU ist für allgemeine Berechnungen zuständig, die GPU für beschleunigte Berechnungen und die DPU, die Daten im Rechenzentrum bewegt, übernimmt die Datenverarbeitung.”

Aktionärsstruktur

Der CEO und Mitbegründer Jensen Huang hält auch heute noch 3,38 % der Aktien von NVIDIA, was bei einer Marktkapitalisierung von fast 500 Mrd. USD eine ordentliche Summe ergibt. Unter den größten Anteilseignern sind ansonsten nur Vermögensverwalter bzw. Investmentbanken, wobei die Vanguard Group mit 7,53 % der einzige Aktionär ist, der mehr als 5 % hält.

Geschäftsführung

Jensen Huang

Jensen Huang war nicht nur Teil des Gründer-Trios, sondern er ist auch heute noch CEO und President von NVIDIA. Er kennt das Unternehmen somit seit Beginn an und hat es auch ununterbrochen geleitet und zur heutigen Weltspitze geführt. Viele Innovationen wurden auch nur unter seiner Führung möglich, weshalb er den Robert N. Noyce Award (höchste Auszeichnung der Branche) erhielt. Hinzu kommen etliche weitere Auszeichnungen, drei Ehrendoktortitel und ein Platz in der Top 100-Liste der einflussreichsten Menschen gemäß dem TIME Magazin in 2021.

Huang wurde in Taiwan geboren, lebte lange in Thailand und wanderte schließlich in die USA aus, wo er auch studierte. Im Jahr 1984 schloss er sein Studium im Bereich der Elektrotechnik mit einem Bachelor. Im selben Segment erhielt er 1992 auch seinen Master-Titel an der renommierten Stanford University.

Nach seinem Bachelor-Studium arbeitete Huang zunächst als Direktor bei dem Halbleiterhersteller LSI Logic und dann als Mikroprozessordesigner beim späteren Konkurrenten AMD. In dieser Zeit hat er also sowohl Praxiserfahrung in der Unternehmensleitung als auch in der „praktischen Arbeit” in der Industrie sammeln können.

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Die Autoren haben diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten aber nicht garantieren. Es findet keinerlei Anlageberatung durch „Wir Lieben Aktien“ statt. Dieser Beitrag dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Börsengeschäfte sind mit erheblichen Risiken verbunden; der Kunde handelt stets auf eigenes Risiko.

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