
Kurzvorstellung von SAP
Das DAX-Schwergewicht SAP ist im Bereich der <strong>Softwareentwicklung</strong> tätig und hat seinen Sitz im deutschen <strong>Walldorf</strong> (südlich von Mannheim). Zum Ende des Jahres 2020 waren über 100.000 Personen (vollzeitäquivalent) beim Konzern angestellt. Aktuell hat SAP eine Marktkapitalisierung von fast <strong>137 Mrd. EUR</strong> und wird von Christian Klein geführt. Langfristig ist SAP in einem <strong>Aufwärtstrend</strong>. Mittelfristig konnte bereits eine Aufwärtsstruktur etabliert werden, welche derzeit korrigiert wird. Generell hat SAP immer noch mit der großen Abwärts-Gap aus dem Oktober 2020 zu kämpfen, welche damals bei der Veröffentlichung von den Quartalszahlen entstanden.
1. Das Unternehmen
Vorstellung
SAP ist das wertvollste deutsche Unternehmen (gemessen an der Marktkapitalisierung) und gilt weltweit als drittgrößter Softwarehersteller. Nur Microsoft und Oracle erzielen derzeit einen noch größeren Umsatz (Stand der Grafik: 2020). Zugleich ist SAP das einzige europäische Unternehmen des Sektors, welches in dieser Auflistung auftaucht und bei den “Großen” mitmischen kann.
SAP wurde 1972 von fünf ehemaligen Mitarbeitern des IT-Giganten IBM gegründet. Einer von ihnen war Dietmar Hopp, welcher unter anderem aufgrund seines Engagements bei der TSG 1899 Hoffenheim in der Öffentlichkeit bekannt ist. Der Name SAP ist eine simple Abkürzung für Systemanalyse und Programmentwicklung.
Die ersten Programme, welche SAP entwickelte, dienten der Lohnabrechnung und Buchhaltung. Das Besondere war allerdings die Anbindung an Großrechner, weshalb das System auch als Realtime (also in Echtzeit) bezeichnet wurde. Diese Technologie war später grundlegend für eine ganz neue Art der Datenverarbeitung. Die weltweite Expansion in andere Sprachen erfolgte zu Beginn der 1980er-Jahre.
Gegründet als GbR, ab 1976 als GmbH und 1988 war es dann soweit: SAP wurde zur Aktiengesellschaft und ging an die Börse. Währenddessen wurde die Software von dem deutschen Unternehmen natürlich stets weiterentwickelt, sodass 1991 bereits R/3 als Software für Mittelstandskunden angeboten werden konnte. Die 1990er-Jahre kann man bei SAP auch als golden bezeichnen. Innerhalb von nur fünf Jahren wurde der Umsatz ca. verfünffacht.
Heute ist SAP keine AG mehr, sondern eine Societas Europea, kurz SE (Europäische Gesellschaft). Dieser Schritt erfolgte in 2014. In der Zwischenzeit erfolgten auch einige Übernahmen, die größte bis dahin in 2014 für 6,2 Mrd. USD. Es handelte sich um Concur Technologies, ein Softwareanbieter für Firmen im Bereich Tourismus.
Seit 2016 bis heute erfolgten zudem 15 weitere Akquisitionen. Die größte Übernahme kostete den deutschen Softwareentwickler satte 8 Mrd. USD (2018). Es handelt sich um Qualtrics, ein führendes Unternehmen in der Sammlung und Verwaltung von Erlebnisdaten. Der Nutzen davon ist vielfältig und erstreckt sich von der Markenstärkung und besseren Kundenbindung bis hin zu einer Verbesserung der Mitarbeiterkultur oder Entwicklung von passenden Produkten.
2019 wurde SAP zum ersten DAX-Konzern mit einer Frau in der führenden Position. Jennifer Morgan war allerdings nur ungefähr ein halbes Jahr Co-Vorstandssprecherin. Seit dem ist Christian Klein der alleinige CEO.
Im Ausblick für das Geschäftsjahr 2021 werden auch drei nichtfinanzielle Ziele genannt, wozu neben der Kundentreue und dem Mitarbeiterengagement auch die CO₂-Emissionen gehören. Die Netto-Treibhausgasemissionen sollen demnach eine Grenze von 145 kt nicht überschreiten. In der Abbildung 4 sieht man, dass dies über dem Wert von 2020 liegt, welcher bedingt durch die Corona-Pandemie deutlich niedriger ausgefallen ist.
Das vierzehnte Jahr in Folge wurde die SAP 2020 als nachhaltigstes Softwareunternehmen in den Dow Jones Nachhaltigkeitsindizes eingestuft.
Das Ziel der Klimaneutralität wurde von 2025 auf das Jahr 2023 gesenkt. Laut eigener Aussage sind alle Gebäude und Rechenzentren bereits klimaneutral. Interessant ist zudem auch, dass die Vorstandsgehälter nun auch von nichtfinanziellen Kennzahlen abhängen.
Geschäftsmodell
Als drittgrößter Softwarehersteller der Welt ist bei SAP der Name auch heute noch Programm.
SystemAnwendungen und Produkte in der Datenanalyse. Das ist nun die Bedeutung der drei Buchstaben. SAP ist heute einer der Marktführer im Bereich Unternehmenssoftware, Cloud und Enterprise Resource Planing (ERP).
Einfach ausgedrückt begleitet man andere Unternehmen digital beim Ablauf ihres Kerngeschäfts. Selbsternanntes Ziel ist es dabei, “die Abläufe der weltweiten Wirtschaft und das Leben von Menschen zu verbessern”. Auf dieses Ziel arbeitet die SAP mit ihren Produkten und Lösungen hin.
Interessant ist die gute Eigenreflexion von SAP. Das Unternehmen schreibt deutlich mehr als andere über die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und Umwelt (siehe auch Abb. 5). Sprich über die Auswirkungen, die ein Unternehmen zwangsweise durch die eigene Tätigkeit hat. Man ist sich den teils negativen Auswirkungen einer Geschäftstätigkeit bewusst und versucht diese so gering wie möglich zu halten. Beispiele dafür:
Schulung von digitalen Kenntnissen
“Eine wachsende digitale Kluft könnte einzelne gesellschaftliche Gruppen von ganzen Wirtschaftssektoren ausschließen und sich auf ihre Arbeitschancen auswirken.” – SAP
Die grüne Cloud
“Aufgrund unseres Wachstums und der zunehmenden weltweiten Digitalisierung gehen wir von einem steigenden Energieverbrauch aus. Wir stellen deshalb eine grüne Cloud zur Verfügung, um einen Beitrag zur Senkung des CO2-Ausstoßes zu leisten.” – SAP
Nur heiße Luft?
Leitlinie für die SAP sind die UN-Nachhaltigkeitsziele. Wir sehen diese nachhaltige Unternehmenskultur als positiv an und halten sie bei SAP auch nicht für heiße Luft (wie es bei vielen anderen Unternehmen der Fall ist, die einfach nur auf den Nachhaltigkeitszug aufspringen wollen.)
SAP misst Erfolg, wie in der Vorstellung bereits angeschnitten also an finanziellen und nichtfinanziellen Zielen. Diese sind:
– Wachstum
– Profitabilität
– Kundentreue
– Mitarbeiterengagement
– CO2-Leistung
Derzeit erzielt die SAP SE ihren Umsatz über vier Kerntätigkeiten, die wir uns im folgenden angeschaut haben.
Applications, Technology & Support
Das Segment ist mit 80% Anteil am Gesamtumsatz mit Abstand das Wichtigste. Hier fasst SAP ihre Haupttätigkeit zusammen. Also alle Dinge, die man anbietet, um das operative Geschäft anderer Unternehmen digital zu unterstützen und verknüpfen. Erzielt werden Umsatzerlöse in diesem Segment über den Verkauf von Softwarelizenzen, Supportangeboten und Cloud-Abos.
Vor allem Programme unter dem Begriff Sammelbegriff Enterprise Resource Planing (ERP) sind hier gemeint. Über diese werden sämtliche Bausteine eines Unternehmens kontrolliert und optimiert. SAP hält hier weltweit mit 20 % den größten Marktanteil, direkt gefolgt von Oracle.
Der Vorteil dieses Geschäftszweigs ist die feste Verzahnung einer solchen Software mit der Struktur eines Unternehmens. Wenn also ein Großkonzern (Hauptkundenstamm von SAP) die ERP-Software wechseln will, dann funktioniert das nicht mal eben so, sondern verbraucht eine Menge Ressourcen. Nebenbei werden ERP-Softwares auch effektiver mit der Menge an Daten, die sie über die Zeit erhalten. SAPs ERP-Suite der nächsten Generation heißt SAP S/4HANA. Sie verfügt über Schlüsseltechnologien wie künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen.
Concur
SAP Concur ist eine Software zur Reise- und Kostenverwaltung von Unternehmen. Das Segment erwirtschaftet seine Umsatzerlöse im Wesentlichen mit Transaktionsgebühren für die Nutzung der cloudbasierten Concur-Reisemanagementangebote und damit verbundener Dienstleistungen.
Qualtrics
Dieses Segment bezieht sich auf den Umsatz, der mit Qualtrics erzielt wird. Das Segment Qualtrics erzielt seine Umsätze hauptsächlich aus dem Verkauf von Cloudlösungen für Experience Management. Anfang 2021 hat SAP das Unternehmen in den USA wieder an die Börse gebracht (Nasdaq: XM). Wie bereits oben geschrieben beschäftigt sich Qualtrics mit der Auswertung von Nutzerdaten. Die aktuelle Marktkapitalisierung beträgt 18,1 Milliarden US-Dollar (09.06.2021).
Services
Das Segment Services erstreckt sich auf die meisten Serviceaktivitäten, die SAP vollbringt. Die Umsatzerlöse werden hauptsächlich aus dem Verkauf verschiedener Beratungs– und Premium-Supportleistungen, Implementierungsservices für Softwareprodukte und Schulungsdienstleistungen zum Gebrauch der eigenen Produkte erzielt.
Geschäftsführung
Christian Klein
Der CEO von SAP hat bereits seine ganze Karriere bei dem deutschen Softwarekonzern verbracht und ist mit seinen 41 Jahren ein vergleichsweise junger Vorstandssprecher für ein DAX-Unternehmen. Darüber hinaus ist er auch der COO (Chief Operating Officer) und leitet damit die Entwicklung von SAP zu einem “Intelligenten Unternehmen”, wie es der Konzern selbst formuliert. Sein Aufgabenfeld ist generell aber sehr breit gefächert und umfasst die Verantwortung für verschiedene Geschäftsfelder.
1999 begann Klein als Student bei SAP und arbeitete in diversen Positionen. Er schloss mit einem Diplom in Internationaler Betriebswirtschaftslehre ab. 2011/12 war er als CFO (Chief Financial Officer) bei SAP SucessFactors aktiv. Kurz darauf (2014) übernahm der heutige Vorstandssprecher die Rolle als Chief Controlling Officer und danach (2016) als Chief Operating Officer. 2019 hatte SAP noch zwei Vorstandssprecher, ab April 2020 führt er diese Tätigkeit nun alleine aus. An dem heutigen Produktportfolio von SAP war Klein maßgeblich (in der Entwicklung) beteiligt.
Derzeit ist Christian Klein noch Teil des Aufsichtsrats von der adidas AG.
Jürgen Müller
Die Position des CTO (Chief Technology Officer) ist in einem Softwarekonzern natürlich von besonderer Bedeutung. Jürgen Müller ist seit 2019 Vorstandsmitglied und nimmt diese wichtige Position ein, bei der er für sämtliche Entwicklungen und Innovationen bezüglich der Plattform von SAP die Verantwortung trägt.
Im Alter von rund 30 Jahren (*1982) begann Müller für SAP zu arbeiten, nachdem er sein Diplom für Wirtschaftsinformatik erworben hatte. Der CTO promovierte zudem in Potsdam und verbrachte eine gewisse Zeit in China.
Bei dem deutschen Software-Konzern hielt er diverse Führungspositionen inne und konnte im Laufe der Zeit mehrmals aufsteigen. Grundsätzlich war Müller immer im Bereich der Entwicklung und Innovationen tätig, was für einen zukunftsorientierten Konzern (gerade in dieser Branche) ein unerlässlicher Sektor ist.
Im Jahr 2020 wurde Jürgen Müller in die “Fortune’s 40 Under 40”-Liste im Bereich Technologie aufgenommen. Dies ist eine Auswahl vom Magazin Fortune, welche die einflussreichsten jungen Menschen in der Geschäftswelt zeigt.
Bei der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften “acatech” ist Müller Senatsmitglied. Darüber hinaus engagiert er sich auch beim Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) als Aufsichtsratmitglied.
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