Air Products Aktie Analyse
Air Products Aktie jetzt kaufen?
Analyse vom 21.08.2022
von Jan Fuhrmann und Adrian Rogl
Kurzvorstellung von Air Products and Chemicals
Ob die Aktie von Air Products jetzt Gas gibt, ist eine gute Frage und die Antwort ist auf jeden Fall: Ja, denn das Unternehmen produziert sie selbst. Air Products produziert und verkauft weltweit Industriegase sowie Chemikalien. Um Bezug auf unserer Einleitungsbild zu nehmen: Air Products lieferte bis zur Einstellung des Space-Shuttle-Programms den flüssigen Wasserstoff und Sauerstoff für die externen Treibstofftanks der Space Shuttles. Besonders interessant dabei ist das Element Wasserstoff, welches auch heute noch nicht einfach zu extrahieren ist, obwohl 70 % unseres Universums aus ihm besteht. Air Products ist dabei ein führender Anbieter von Wasserstoff, wobei das Unternehmen über Expertise und Investitionen in die komplette Versorgungskette verfügt. Wasserstoff ist besonders interessant als umweltfreundliche Energiequelle für den Transportbereich – vor allem 2019 und 2020 gab es um Aktien in diesem Bereich einen massiven Hype. Ein langfristiger Trend kann mit einem Hype starten. Wir sind in so einem Fall aber Fans davon, in Unternehmen zu investieren, die nicht im Hype entstehen, sondern bereits schon Jahre davor ihre operativen Skills bewiesen haben. So ein Unternehmen liegt hier mit Air Products vor, weswegen diese Analyse der Aktie gewidmet ist.
1. Das Unternehmen
Air Products and Chemicals nennt sich selbst ausschließlich Air Products, weshalb wir dies in der Analyse ebenfalls so handhaben.
Geschäftsmodell von Air Products
Einleitung
Die Forschung zur industriellen Herstellung von molekularen Wasserstoff (H2) hat erst vor einigen Jahren begonnen – dieser Eindruck entsteht, im Gedanken an den Wasserstoff-Börsenhype der letzten Jahre. Viele neue Firmen aus verschiedenen Bereichen der Produktionskette sind in dieser Zeit aus dem Boden geschossen. Aber es gibt auch Unternehmen wie Linde oder Air Products, die sich mit der Materie schon seit Jahrzehnten beschäftigen und am Ende als größte Profiteure dieser Entwicklung herausstechen könnten. Durch das Kerngeschäft von Air Products, der Herstellung von Industriegasen, kann das Unternehmen auf einen 50-jährigen Erfahrungsschatz, auch im Bereich der derzeit sehr gefragten Wasserstoffproduktion für grüne Mobilität, zurückgreifen.
Produktpalette/Industriegase
Da wir jetzt bereits öfters den Begriff „Industriegas“ verwendet haben, wollen wir kurz darauf eingehen, was das überhaupt bedeutet. Das ist die Bezeichnung für alle im großindustriellen Maßstab erzeugten und in der Industrie eingesetzten Gase. Industrie selbst bezeichnet die Gesamtheit aller mit der Massenherstellung von Konsum- und Produktionsgütern beschäftigen Fraktionsgebiete eines Gebietes. Der Begriff „Autoindustrie“ umfasst also alle Unternehmen, die an der Massenproduktion von Autos beteiligt sind.
Dabei darf dieser Begriff nicht zu eng betrachtet werden, denn Air Products hat zwar seine meisten Kunden im Bereich der Industrie, aber eben auch in der Medizin oder bei Privatkunden. Wer also nach Helium für die Ballons der nächsten Hausparty sucht, der wird auch direkt bei: https://shop.airproducts.com/emea/de/de-DE/application/balloon-gas/ fündig werden. Auf die wichtigsten Gase, die Air Products anbietet, wollen wir jetzt genauer eingehen und auch einige Anwendungsbeispiele erläutern. Für jedes Gas, das wir besprechen, hat das Unternehmen ein massives Produktions- und Lieferkettennetzwerk auf der ganzen Welt.
Wasserstoff (H2)
Da der Begriff „Wasser“ in diesem Gas steckt, ist es naheliegend, dass sich auf unserer Erde eine große Menge dieses Gases befindet. Das ist aber tatsächlich nicht der Fall. Insgesamt ist der Masseanteil an der Erdhülle nur bei 0,78 % – und dabei ist der meiste Wasserstoff in Form von Wasser an Sauerstoff gebunden (H2O). Im Universum hingegen ist Wasserstoff mit 70 % das häufigste Element. Sterne, auch unsere Sonne, beziehen ihre Energie aus der Kernfusion von Wasserstoff zu Helium. Kernfusion wird auch als die Top-Notch-Energiegewinnung der Zukunft angesehen, steckt aber noch in den Kinderschuhen. Im Moment wird sich bei Wasserstoff darauf konzentriert, ihn klimaneutral herzustellen, um so einen umweltfreundlichen Energiespeicher, vor allem für das Transportwesen zu erhalten. Wasserstoff wird in der Halbleiterfertigung zur Reduzierung von Atmosphären eingesetzt. In der chemischen, pharmazeutischen Industrie sowie in der Lebensmittelindustrie wird Wasserstoff für Hydrierungsverfahren eingesetzt, dabei reagieren Wasserstoffmoleküle mit Ölen und Fetten, um so die Haltbarkeit zu verlängern.
Sauerstoff (O2)
Sauerstoff ist das häufigste Element der Erdkruste und Grundlage unseres Lebens, auch wenn unsere Luft nur zu 20 % aus Sauerstoff besteht. Das farb- und geruchlose Gas findet Anwendung in der Medizin als Atemgas. In vielen Industriezweigen können Prozesse mithilfe von Sauerstoff optimiert werden und Kosten gesenkt werden. Die CO2-Bilanz ist außerdem im Vergleich zu anderen Brennstoffen gering. Mit reinem Sauerstoff lässt sich Fermentation betreiben (Umwandlung organischer Stoffe in Säure, Gas oder Alkohol). Aquakulturen lassen sich damit reinigen und Abwasser behandeln. In Kombination mit anderen Gasen eignet sich Sauerstoff u. a. auch zum Schweißen, Härten, Reinigen und Schmelzen von Metallen. Air Products verfügt über ein Netzwerk an Produktions- und Abfüllanlagen für Sauerstoff und bietet es seinen Kunden in verschiedenen Reinheitsformen an.
Stickstoff (N2)
Stickstoff ist mit fast 78 % der Hauptbestandteil unserer Erdatmosphäre und somit der Luft, die wir atmen. Im Laufe der Evolution hat sich auf unserer Erde ein Stickstoffkreislauf der Ökosysteme ausgebildet. Als Bestandteil von Proteinen und anderen Naturstoffen ist Stickstoff essenziell für viele Lebewesen. Das Gas ist nicht brennbar und wird in der Industrie u. a. beim Schneiden mit Lasern verwendet. Außerdem ist es aufgrund seiner niedrigen Temperatur in flüssiger Form ein ideales Gas zum Einfrieren und Frosten. Auch für Stickstoff bietet Air Products eine große Palette an Reinheitsgraden an.
Helium (He)
Helium (altgriechisch: hélios, deutsch: Sonne) ist das Gas, was aus der Fusion von zwei Wasserstoffatomen entsteht, wie wir bereits bei unserem Abschnitt zu Wasserstoff erklärt haben. Helium bleibt bis zu sehr niedrigen Temperaturen gasförmig und wird erst nahe dem Nullpunkt flüssig. Es ist das einzige Gas, das auch bei der niedrigsten möglichen Temperatur (0 Kelvin, -273,15 Grad Celsius) unter Normaldruck nicht fest wird. Es kommt nur in sehr geringen Mengen in unserer Atmosphäre vor (0,001%). Helium wird in der Wissenschaft (Quantenphysik) z. B. zur Untersuchung des absoluten Nullpunkts verwendet. In der Industrie wird Helium als Schutzgas zum Lichtbogen- und Laserschweißen gebraucht. Auch in der Glasfaser- und Elektronikindustrie wird es als Kühlmittel eingesetzt. Da Helium leichter als Luft ist, befüllen wir bspw. Ballons auf Geburtstagsfeiern damit und können beobachten, wie diese steigen.
Argon (Ar)
Argon ist ein nicht-brennbares Edelgas, das relativ reaktionsträge ist. Edelgase haben, einfach ausgedrückt, das Maximum an Elektronen erreicht, die ihren eigenen Atomkern „umkreisen“. Das führt dazu, dass sie nur unter extremen Bedingungen chemische Reaktionen eingehen. Helium ist auch ein Edelgas. Anwendung findet Argon in der Metallproduktion und Metallverarbeitung, u. a. zum Schweißen. In der Glasindustrie wird das Gas für Doppelverglasungen gebraucht.
Kohlendioxid (CO2)
Kohlendioxid, oft negativ mit der Veränderung des globalen Klimas konnotiert, ist eine chemische Verbindung aus Kohlenstoff und Sauerstoff. Es entsteht bei der Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Stoffen. Anwendung findet CO2 vor allem als Kälteträger, um Wärme zu entziehen und die Temperatur eines Produkts als auch des Prozesses bei Kühl- und Gefrieranwendungen für Lebensmittel wirtschaftlich und präzise zu steuern.
Weitere Gase
Air Products produziert noch eine Reihe von weiteren, sehr speziellen Gasen. Diese sind aber eher zweitrangig und mit den oben besprochenen Gasen haben wir auch für diese Gase die Grundmaterialien beleuchtet.
Unternehmenssegmente und Kunden
Air Products teilt das Kerngeschäft in drei Bereiche auf, die sich teils vom geographischen Absatzmarkt, teils von den gelieferten Produkten unterscheiden.
Industrial Gases (Nordamerika, EMEA und Asien)
In Nordamerika, EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika) sowie Asien produziert und verkauft Air Products atmosphärische Gase wie Sauerstoff, Stickstoff und Argon; Prozessgase wie Wasserstoff, Helium, Kohlendioxid und andere Kohlenstoffverbindungen. Dabei werden Kunden aus vielen Branchen beliefert, darunter Raffination, Chemie, Vergasung, Metall, Elektronik, Fertigung sowie die Lebensmittel- und Getränkeindustrie.
Industrial Gases (Global)
Dieses Segment bezeichnet den Geschäftszweig im Zusammenhang mit dem Verkauf von Gasaufbereitungsanlagen. Die Anlagen werden an eine Vielzahl von Industrien weltweit verkauft. Hauptkunden sind Unternehmen aus der petrochemischen Industrie: Öl- und Gasgewinnung sowie Verarbeitung in der Stahlindustrie.
Corporate & Others
Dieses letzte Segment bezieht sich auf sämtliche Technologien in Zusammenhang mit Flüssigerdgasverarbeitung, außerdem dem Ausrüstungsgeschäft für die zuvor genannten Segmente.
Versorgungsarten
Air Products vertreibt Gase über eine Vielzahl an Versorgungsarten, sowohl flüssig als auch gasförmig. Großabnehmer werden über Tankwägen oder Schlauchanhänger beliefert, kleinere Kunden mit einzeln verpackten Flaschen vor Ort. Für extrem große Kunden baut das Unternehmen Lagerstätten vor Ort oder liefert über eine der eigenen Pipelines.
Umweltschutz – Wachstumschance
Die Kunden von Air Products sind vor allem in der Industrie zu finden. Mit dem steigenden Lebensstandard in vielen Entwicklungsländern wächst dort die Industrieproduktion und somit auch die Nachfrage nach Industriegasen. Umso wichtiger ist es, dass auch in diesem Feld auf Klimaschutz geachtet wird. Neben der für die Zukunft wichtigen Herstellung und Bereitstellung des, bereits erwähnten, CO2-neutralen und CO2-niedrigen Wasserstoffs arbeitet Air Products auch an Technologien des CO2-Capturings, bei dem Kohlenstoffdioxid aus der Luft rausgefiltert werden soll. In der Entwicklung dieser Technologie ist man weltweit führend.
Air Products ist an allen Entwicklungen beteiligt, die nötig sind, um Wasserstoff in Zukunft als profitablen und effizienten Energieträger zu etablieren. Die Produktions- und Lieferkette besteht dabei aus: Erzeugung, Transport, Lagerung, Betankung und Infrastruktur.
Weltweit unterhält das Unternehmen mehr als 1200 Anlagen zur Wasserstoffgewinnung und -lagerung, Wasserstoffpipelines mit einer Länge von mehr als 500 km sowie weiterer Infrastruktur. Schon 2003 war Air Products eines der ersten Unternehmen, das eine Wasserstofftankstelle entwickelt hat. Heute werden Wasserstofftankstellen betrieben, mit denen sich bis zu 20 PKW pro Tag betanken lassen – weitere Generationen mit neuen Technologien (u. a. mobile Tankstellen) sind in der Entwicklung. Air Products ist somit einer der führenden Anbieter von Ausrüstung und Dienstleistungen rund um die Wasserstoffbetankung und bietet Komplettlösungen vom Konzept bis zur Installation.
Historie
Gründung und Anfangszeit
Air Products wurde im Jahr 1940 von Leonard Parker Pool gegründet, welcher ein Konzept für die Erzeugung und auch den Verkauf von Industriegasen entwarf. Speziell wollte er den Bedarf an Sauerstoff in mittlerer Konzentration decken und dies mit seiner (zumindest aus seiner Sicht) gut durchdachten Marketingstrategie vertreiben. Nachdem dies aber nicht wirklich von Erfolg gekrönt war, ergab sich durch den Zweiten Weltkrieg eine neue Chance.
Seit 1941 vermietete Pool Sauerstoffgasgeneratoren an ein Unternehmen aus dem Stahlsektor und nun war, bedingt durch den Krieg, auch das Militär an den Geräten (in einer mobilen Variante) interessiert. Der Gründer zog mit seiner Firma um, expandierte und nutzte die neue Gelegenheit.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wechselte der Unternehmenssitz erneut (nach Allentown; hier ist auch heute der Hauptsitz) und Pool stieg schließlich auf den kommerziellen Markt um. Noch im Jahr 1945 schloss er einen Vertrag mit einer weiteren Firma aus dem Stahlsektor ab und etablierte sich in der kommenden Zeit.
Ausweitung des Geschäftsbereichs I
Flüssiger Wasserstoff
Im Laufe der Jahre veränderte sich auch die Gasindustrie und es war generell genug Sauerstoff verfügbar. Air Products entwickelte sich jedoch weiter und widmete sich dem flüssigen Wasserstoff. Im Nachhinein erwies sich dies als weitreichend positive Entscheidung, denn das Unternehmen sicherte sich in den 1950er-Jahren bspw. eine Zusammenarbeit mit der Air Force und NASA. Nach dem Bau von Anlagen für die Produktion von Flüssigsauerstoff und Stickstoff sollte Air Products einen neuen Raketentreibstoff mit dem flüssigen Wasserstoff entwickeln.
Chemikalien
Mit dem neuen Geschäftsbereich war die Diversifikation der einzelnen Unternehmenssegmente aber noch lange nicht abgeschlossen. Im nächsten Schritt begann Air Products 1961 mit der Herstellung von Chemikalien über ein Joint Venture. Hier nutzte man Abfallprodukte aus Raffinerien und wandelte diese in Oxo-Alkohole um, welche wiederum für die Herstellung von Weichmachern verwendet werden konnten.
Helium
Das nächste Gas, mit dem sich der Konzern beschäftigte, war dann Helium. Air Products hatte Ende der 1960er-Jahre selbst ein Verfahren zur Rückgewinnung von Helium aus Erdgas und zur Verflüssigung von Erdgas entwickelt. Diese Innovationen führten dazu, dass das Unternehmen aus den USA die weltweite Marktführung in der Produktion und Lieferung des Edelgases einnahm.
Globale Expansion
Neben der Diversifikation der Geschäftsbereiche schritt ab 1957 beim Joint Venture mit der Butterly Company aus Großbritannien auch die globale Expansion voran. Innerhalb der nächsten Jahrzehnte erfolgten etliche Übernahmen auf der ganzen Welt und Air Products fasste nach und nach auf allen wichtigen Kontinenten Fuß.
Die 1960er-Jahre waren gleich in dreierlei Hinsicht aufregend: 1962 erreichte Air Products 100 Mio. USD Umsatz (inflationsbereinigt wären das heute knapp 1 Mrd. USD laut dem offiziellen Rechner) und ging gleichzeitig an die Börse. Darüber hinaus expandierte der Konzern aber auch in Europa und Südafrika und übernahm andere Unternehmen.
Auch die 1970er-Jahre waren von steinigen Weiterentwicklungen und der Expansion geprägt. Dazu gehörten auch einige Übernahmen wie bspw. Airco aus dem Chemie- und Kunststoffgeschäft (entwickelte sich zum Marktführer) und strategische Beteiligungen auf der ganzen Welt. 1978 knackte der Konzern zum ersten Mal die 1 Mrd. USD-Marke in Bezug auf den Umsatz. Rund zehn Jahre später sicherte sich das Unternehmen mit einem Unternehmenszusammenschluss die Marktführerposition im Bereich des Raffineriewasserstoffs.
Ausweitung des Geschäftsbereichs II
In den 1990er-Jahren expandierte man mit dem bestehenden Geschäft nicht nur weiter, sondern baute ein weiteres Segment tiefergehend aus. Bereits früh engagierte sich Air Products in der Entwicklung der Elektronikindustrie mit der US-Regierung und gelangte dadurch in eine gute Ausgangslage. Mit weltweiten Übernahmen und Joint Ventures stärkte der Konzern die eigene Marktposition und bediente die Industrie mit Gasen, die diese benötigen. Halbleiterhersteller sind bspw. auf eine Vielzahl an Gasen angewiesen, welche Air Products dann liefert.
Stärkung der Marktposition im 21. Jahrhundert
Das 21. Jahrhundert war bis jetzt von einem starken Wachstum in allen Geschäftsbereichen geprägt, welches durch stetige Weiterentwicklungen und neue Technologien/Innovationen ermöglicht wurde. Dadurch konnte Air Products die eigene Marktposition stärken und das Produktportfolio, u. a. durch Akquisitionen, auch weiter ausbauen.
Darüber hinaus konnten mehrere Megaprojekte realisiert werden wie bspw. die bisher zwei größten Aufträge für Air Separation Units (Luftzerlegungsanlagen) in China und der Bau des weltweit größten Industriegaskomplexes über ein Joint Venture, der eine Raffinerie von Saudi Aramco versorgen sollte.
Die technologische Weiterentwicklung geht mit einem hohen Engagement im Bereich der Forschung & Entwicklung einher, wofür das US-amerikanische Unternehmen weltweit in verschiedenen Ländern (zuletzt Saudi-Arabien, China und Indien) Zentren errichtete.
Ziel, Strategie und Nachhaltigkeit
Zweck und Ziel
Den eigenen Unternehmenszweck sieht Air Products im Zusammenbringen von Menschen, damit gemeinsam innovative Lösungen für globale Herausforderungen gefunden werden. Aufgrund des eigenen Geschäftsbereichs liegen diese Herausforderungen für den Konzern aus den USA im Bereich der Energie und auch ökologischer Nachhaltigkeit.
Der CEO schätzt den nachhaltigen Wandel als durchaus machbar ein und sieht sein eigenes Unternehmen dabei in einer guten Position, sodass genau dieser Übergang ermöglicht werden kann.
Als Ziel gibt Air Products an, dass man das sicherste, vielseitigste und profitabelste Industriegasunternehmen der Welt sein möchte. Zudem soll dem Kunden immer ein außerordentlich guter Service geboten werden.
Five Point Plan
2014 führte Air Products den sogenannten „Five Point Plan” für die künftige Unternehmensausrichtung ein, welcher nun den zukünftigen Erfolg sicherstellen soll. Nach den ersten Jahren wurde bereits von guten Erfolgen berichtet.
Nachhaltigkeit
Das Geschäftsmodell von dem Industriegasunternehmen ist unmittelbar mit dem Thema Nachhaltigkeit verknüpft. Immer wieder werden in der deutschen Finanzszene Linde oder Air Liquide als vergleichsweise konservative Investmentmöglichkeiten für das Thema Wasserstoff aufgezeigt, doch der Konkurrent aus den USA ist eher weniger bekannt. Grundsätzlich gilt aber auch hier genau dieselbe These. Mit neuen Technologien, weltweiten Projekten usw. verdient das Unternehmen einerseits Geld, aber tut andererseits auch (oft) etwas Gutes für die nachhaltige Entwicklung der Menschheit.
“Generating a Cleaner Future” (übersetzt: „Eine saubere Zukunft schaffen”) lautet der Leitsatz auf dem Deckblatt des letzten Geschäftsberichts und genau hier möchte Air Products auch ansetzen. Die Nachhaltigkeitsstrategie besteht aus drei Aspekten:
- Grow (wachsen): Verantwortungsbewusst wachsen und mit den eigenen Produkten den Kunden ermöglichen, dass diese ebenfalls nachhaltiger agieren können. Unter diesem Punkt wird auch das Vorantreiben von neuen Innovationen geführt.
- Conserve (erhalten/bewahren): Ressourcen sollen so gut es geht eingespart werden, auch was den ökologischen Fußabdruck betrifft. Dies bringt einen verantwortungsbewussteren Konsum mit sich.
- Care (kümmern): Die Mitarbeiter sind für Air Products von besonderer Bedeutung, aber ebenso auch die Kunden und Gemeinden vor Ort. Das Unternehmen sieht es als die eigene Pflicht an, dass man sich um diese Gruppen kümmert.
In Bezug auf die selbst gesetzten Nachhaltigkeitsziele ist Air Products laut eigener Aussage überall „on track” und das Zahlenwerk bestätigt dies auch. In 2021 wurden fast 23 % weniger gefährliche Abfälle verursacht, deutlich weniger Wasser wurde verbraucht und der Anteil an erneuerbaren Energien stieg von 24 % auf 27 %. Die insgesamt verursachten Treibhausgasemissionen waren ebenfalls leicht rückläufig, obwohl das Geschäft stark gewachsen ist (dazu aber später mehr in der fundamentalen Analyse).
Langfristig möchte Air Products bis 2050 die Netto-Null in Bezug auf Emissionen erreichen und zudem 15 Mrd. USD in Projekte investieren, um die Energiewende voranzutreiben. 11 Mrd. USD sind dabei bereits für Projekte bis 2027 verplant. Zuletzt soll ein Fokus auf die Vorteile von kohlenstofffreien und kohlenstoffarmen Wasserstoff gesetzt werden.
Aktionärsstruktur
Die Aktionärsstruktur von Air Products ist relativ unspektakulär, denn die einzigen großen Anteilseigner sind sehr bekannte Investmentgesellschaften aus den USA. Mit 8,74 % hält Vanguard das größte Aktienpaket, gefolgt vom State Farm Investment Management mit 5,84 % und Capital Research & Management mit 5,09 %. Nur SSgA Funds Management kommt mit 4,75 % noch knapp an diese Größenordnung heran.
Geschäftsführung
Seifollah „Seifi” Ghasemi
Seifi Ghasemi ist bereits seit 2014 als Chairman, President und CEO von Air Products tätig. Er verfügt über eine gute Branchenexpertise und konnte zudem bereits viele Erfahrungen in ähnlichen Positionen sammeln.
Neben seiner Tätigkeit bei dem Industriegas-Riesen ist Ghasemi auch Mitglied von The Business Council – einer Vereinigung der wichtigsten CEOs auf der ganzen Welt. Seit 2019 gehört er auch dem Board of Directors des US-China Business Council an und ein Jahr später trat er auch dem Board of Directors des US-India Strategic Partnership Forum bei. Dies sind alles wichtige Positionen, welche letztendlich Air Products zugute kommen können.
Seine akademische Laufbahn begann Ghasemi am Abadan Institute of Technology, welches er mithilfe eines Stipendiums besuchen konnte. Schon damals war seine Begabung auffällig, denn zum Zeitpunkt der Zusage für das Stipendium war er mit 15 Jahren rund zwei Jahre jünger als die anderen Schüler. Später besuchte Ghasemi die renommierte Stanford University und erwarb dort seinen Master in Maschinenbau.
Anschließend begann der heutige CEO von Air Products bei der BOC Group (Industriegase; gehört heute zu Linde) und schaffte es hier in hohe Führungspositionen. Nach fast 20 Jahren wechselte Ghasemi im Jahr 1997 zu GKN (Industrie) und war u. a. Director im Main Board des Unternehmens und als Chairman und CEO einer Tochter tätig. Im Zeitraum von 2001 bis 2014 übernahm er die Rolle als Chairman und CEO bei Rockwood Holdings, welche in den Bereichen Lithium und den hochmodernen Werkstoffen aktiv sind. Im Anschluss wurde der Konzern von Albemarle übernommen und Ghasemi wechselte in seine heutige Position bei Air Products.
Seine Expertise und Fähigkeiten wurden 2017 mit einem Ehrendoktor des Lafayette College und 2018 mit einem Ehrendoktor des Stevens Institute of Technology gewürdigt. 2017 erhielt er zudem die internationale Palladium-Medaille der Société de Chimie Industrielle aufgrund seiner Beiträge zur chemischen Industrie. Ghasemi ist dementsprechend nicht nur ein CEO, der ein Unternehmen gut aus betriebswirtschaftlicher Sicht führen kann, sondern kennt sich auch besonders gut mit der Materie aus.
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