
Infosys Aktie Analyse
Investieren in Indien
Aktualisiert am 03.03.2026. Analyse vom 03.03.2026
von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann
Kurzvorstellung von Infosys
Indische Aktien sind derzeit ein heißes Thema. Nach den zahlreichen Risiken, die sich vor allem im chinesischen Aktienmarkt in den letzten Jahren herauskristallisiert haben, weichen viele Investoren auf den indischen Aktienmarkt aus, der ebenfalls großes Wachstumspotenzial bietet. Im Gegensatz zu vielen westlichen Ländern ist die indische Bevölkerung sehr jung und das BIP wächst seit Jahren stetig an. In dieser Analyse stellen wir dir mit Infosys das nach Umsatz zweitgrößte Unternehmen aus Indien vor. Auch wenn der IT-Konzern aus Indien kommt, kann er bereits ein massives Kundenportfolio auf der ganzen Welt vorweisen.
1. Das Unternehmen Infosys
Geschäftsmodell
Einleitung
Infosys ist das nach Umsatz zweitgrößte aus Indien stammende IT-Unternehmen – trotz globaler Ausrichtung ist der Konzern insbesondere im europäischen Raum jedoch eher unbekannt. Zu Unrecht, denn: Infosys hat sich ein beeindruckendes, internationales Kundenportfolio aufgebaut, darunter viele namhafte Großkonzerne. Infosys berät und begleitet diese Konzerne bei der Digitalisierung, bietet Software-, Cloud- und Cybersecurity-Lösungen an und gestaltet damit aktiv deren digitale Zukunft. Viele Unternehmen entschließen sich aus Kostengründen sogar dazu, gänzlich oder projektbezogen ihre IT-Abteilungen an spezialisierte Dienstleister wie Infosys auszulagern.
Insbesondere in den USA zeigt sich dieser Trend zum Outsourcing, was die enorme Präsenz des Unternehmens am nordamerikanischen Markt erklärt. Allein hier werden fast 62 % der Umsätze erwirtschaftet, während am heimischen, indischen Markt weniger als 3 % der Umsätze erzielt werden.
Infosys setzt bei der Weiterentwicklung der eigenen Softwarelösungen auf zahlreiche strategische Partnerschaften mit führenden Technologie-Konzernen: So gehören etwa Microsoft, Nvidia, IBM oder SAP zu den Partnern bei der Entwicklung gemeinsamer Lösungen. Für solche Kooperationen betreibt das Unternehmen u. a. diverse Standorte in den USA und Europa.
Geschäftsmodell im Detail
Die Struktur des operativen Geschäfts bei Infosys orientiert sich an den Branchen, in denen die Kunden tätig sind. So ergibt sich die Aufteilung in folgende Segmente:
Mit über 32 % der erwirtschafteten Umsätze stammen fast ein Drittel der Kundenunternehmen von Infosys aus der Finanz- und Versicherungsbranche. Etwa 15 % der Kunden sind im Einzelhandel und der Logistik tätig, jeweils 12 % entfallen auf Unternehmen aus der Kommunikations- sowie der Rohstoff- und Energiebranche. Kunden aus den restlichen Bereiche tragen jeweils zu unter 10% der Umsätze von Infosys bei. Hier zeigt sich, wie diversifiziert der Kundenstamm des Unternehmens ist. Digitalisierung der Unternehmensprozesse sowie moderne Softwarelösungen sind überall gefragt – unabhängig von der Branche. Für Infosys eröffnet sich damit ein fast unbegrenzter Markt an potenziellen Kunden.
Services
Infosys bietet seinen Kunden im Bereich IT und Digitalisierung ein weitreichendes Angebot an Dienstleistungen. Zunächst stellt das Unternehmen für verschiedenste Geschäftsbereiche die passenden Softwarelösungen bereit. Die Nutzung dieser Software oder Plattformen ist für Kundenunternehmen meist kostenpflichtig, Infosys erwirtschaftet wiederkehrende Erträge. Dazu begleitet das Unternehmen seine Kunden aktiv bei der Implementierung weiterer digitaler Lösungen oder kümmert sich um Supportanfragen. So werden Kunden langfristig gebunden. Zudem berät Infosys Kunden ganzheitlich in Bezug auf die Optimierung digitaler Prozesse, der strategischen Ausrichtung und interner Prozessoptimierung. Das Unternehmen begleitet Kunden bei Bedarf Schritt für Schritt in die Digitalisierung.
In den letzten Jahren konnte Infosys sein Kundenportfolio stark ausbauen: Laut Daten von Statista hatte das Unternehmen im Jahr 2022 1741 Kunden – im Jahr 2014 waren es noch 890. Beeindruckend ist vor allem das konstante Wachstum der Unternehmen, die Services und Produkte von Infosys verwenden.
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Produkte, Plattformen und Akquisitionen
Infosys hat über die letzten Jahrzehnte zahlreiche erfolgreiche Software-Plattformen entwickelt – zudem erfolgten unzählige Unternehmensübernahmen zur Erweiterung des eigenen Produktportfolios. Zu den populärsten Akquisitionen gehört etwa die 200 Mio. USD schwere Übernahme des israelischen Technologieunternehmens Panaya. Panaya entwickelt und betreibt Softwarelösungen, welche die Erweiterung, Analyse und Verbesserung von Customer-Relationship-Management-Systemen (CRM) wie etwa SAP oder Oracles E-Business Suite ermöglichen. Panaya ist heute als Plattform ein wichtiger Bestandteil des Produktportfolios von Infosys.
Zu den weiteren Akquisitionen gehören bspw. die Übernahme der schweizerischen Unternehmensberatung Lodestone Holding im Jahr 2012 oder die des auf digitales Marketing spezialisierten, deutschen Unternehmens Oddity im März 2022.
Die folgende Grafik gibt einen Überblick über die wichtigsten Plattformen von Infosys:
Neben Panaya ist Infosys Finacle eine der populärsten Softwarelösungen des Unternehmens. Dabei handelt es sich um eine Onlinebanking-Plattform, die von Finanzinstituten in über 100 verschiedenen Ländern genutzt wird. Renommierte Banken wie etwa die ING, die DBS Bank oder die Santander Bank nutzen die Software von Finacle, um den Kunden ein reibungsloses, individuelles und voll-digitales Banking zu ermöglichen.
Ein weiterer Kompetenzbereich von Infosys ist die Bereitstellung von Cybersecurity- und Cloudlösungen. Mit cobalt hat das Unternehmen eine eigene, moderne Cloud-Plattform entwickelt und setzt bei der Weiterentwicklung auf Partnerschaften u. a. mit Google, Amazon oder Microsoft und deren Cloud-Sparten. Die Produkte und Plattformen von Infosys sind bei weitem zu umfangreich, um an dieser Stelle alle einzeln zu betrachten. Die Lösung: Als Vorreiter im Bereich künstlicher Intelligenz bietet Infosys zudem einen Chatbot namens Nia an, der rund um die Uhr Fragen beantwortet.
Historie
Gründung
Aus einem ursprünglichen Startkapital von 250 USD ist in rund 40 Jahren ein Konzern entstanden, welcher an der Börse schon Unternehmensbewertungen jenseits von 100 Mrd. USD erreichte. Alles begann im Jahr 1981 als sieben Ingenieure in der Stadt Pune (Indien) das Unternehmen Infosys gründeten. Das Geschäftsmodell basierte in den Anfangszeiten rein auf der Softwareentwicklung für diverse Branchen und Anwendungen und hier gewann Infosys 1983 auch direkt den ersten Kunden aus New York – also aus dem Ausland und nicht in Indien selbst. Mit der Zeit konnte das Tätigkeitsfeld allerdings deutlich ausgebaut werden, worüber du im Geschäftsmodell mehr erfährst.
Zwei Jahre nach der Gründung verlagerte das Team den Hauptsitz nach Bangalore (Bengaluru). Die indische Metropole ist heute auch als das Hightech-Zentrum schlechthin bekannt und hin und wieder taucht die Bezeichnung eines Silicon Valleys aus Indien auf. In den nächsten Jahrzehnten siedelten sich hier weitere Weltkonzerne an, die zu diesem Zeitpunkt aber teilweise auch noch kleine Unternehmen in ihren Garagen waren.
Internationale Expansion und Börsengang
Bereits im Jahr 1987, also nur sechs Jahre nach der Gründung, eröffnete Infosys das erste Büro im Ausland. Dafür wählte der Konzern Boston, die größte Stadt im US-Bundesstaat Massachusetts. Mitte der 1990er-Jahre wagte sich das indische Unternehmen nach Europa vor und baute die dortige Präsenz Schritt für Schritt weiter aus. Nach der Jahrtausendwende ließ sich Infosys auch noch in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Südamerika (Argentinien) nieder. Darauf folgten 2003 China und Australien, womit aus dem Unternehmen aus Bangalore in nur 16 Jahren ein globaler Konzern wurde, der in jeder wichtigen Region der Welt vertreten war.
Auch der Börsengang bzw. die diesbezügliche weitere Entwicklung sorgte für einen steigenden Bekanntheitsgrad des Unternehmens. Nachdem 1993 der Börsengang in Indien erfolgte, begann 1999 der Handel an der NASDAQ-Börse in den USA. 2012 wurde ein Transfer vollzogen und Infosys notiert nun an der NYSE.
Unternehmensentwicklung
Damit ein Unternehmen zu einer solchen Größe heranwachsen kann, sind enorme Sprünge beim Wachstum und der Skalierung des Geschäfts notwendig. Infosys erreichte ein Umsatzziel nach dem nächsten und auch die Mitarbeiteranzahl stieg stetig an.
Im Laufe der Jahre konnte der Geschäftsbereich deutlich ausgeweitet werden und das Produktportfolio wurde um weitere Angebote ergänzt. Neben dem organischen Wachstum spielten auch Akquisitionen eine Rolle. In der jüngsten Vergangenheit nahm die Bedeutung von Übernahmen weiter zu, denn allein seit 2019 wurden sechs nennenswerte Akquisitionen durchgeführt. Schon 1994, wenige Jahre nach Beginn der Expansion, eröffnete der indische Konzern zudem die erste Einrichtung für Forschung & Entwicklung und baute das Engagement in diesem Bereich immer weiter aus. Unter den vielen Auszeichnungen, die das Unternehmen erhalten hat, war u. a. 2012 die Anerkennung von Forbes als eines der weltweit innovativsten Unternehmen.
Unternehmenszweck, Strategie und Nachhaltigkeit
Zweck und Vision
Den eigenen Unternehmenszweck sieht Infosys darin, das menschliche Potenzial zu stärken und die nächste Chance für Menschen, Unternehmen und Gemeinschaften zu schaffen. Dies geht konform mit dem Engagement in eigene Forschungszentren, das letztendlich aber auch dem finanziellen Ziel von Infosys zugute kommt.
Die Vision von Infosys hat sich seit der Unternehmensgründung vor rund 40 Jahren nicht geändert, denn man möchte sich noch immer den Respekt jeglicher Stakeholder verdienen. Diese Sichtweise impliziert, dass Infosys zugleich auch die Abhängigkeit von den Kunden, Mitarbeitern, Investoren usw. erkannt hat und dass nur der gemeinsame Erfolg möglich ist.
Strategie 2018
Nachhaltigkeit und Engagement
Aktionärsstruktur
Bei den Aktionären von Infosys lässt sich zunächst zwischen der „Öffentlichkeit” und Personen, die eine wichtige Rolle innerhalb des Unternehmens einnehmen, unterscheiden. Letztere werden bei Infosys als „Promoter & Promoter Group” bezeichnet, auf die insgesamt 13,11 % der Anteile entfallen. Betrachtet man diese Gruppe näher, dann besteht sie aus 25 indischen Einzelaktionären, welche alle weniger als 3 % am gesamten Unternehmen halten.
Der einzige wichtige Großinvestor, welcher mehr als 5 % der Aktien hält, ist die Life Insurance Corporation of India. Mit einer Beteiligung von 6,20 % akkumuliert sie den größten Aktienbesitz.
Geschäftsführung
Salil Parekh
Betrachtet man die Entwicklung des CEO-Postens bei Infosys, so stellt man regelmäßigen Wechsel fest. Ungefähr alle vier Jahre übernahm jemand anderes die Unternehmensleitung und seit 2018 ist nun Salil Parekh in der Position. Positiv hervorzuheben ist, dass er weitere fünf Jahre seinen derzeitigen Posten bekleiden soll. Eine solch lange Amtszeit gab es lange nicht mehr beim CEO von Infosys und dies spricht durchaus für Salil Parekh.
Parekh arbeitete zuvor für 25 Jahre bei Capgemini (Unternehmensberatung mit Schwerpunkt IT) und übernahm dort in verschiedenen Positionen die Verantwortung für diverse Geschäftsbereiche. Zudem leitete der heutige CEO und Managing Director von Infosys bei seinem vorherigen Arbeitgeber die gesamte Neuausrichtung auf dem nordamerikanischen Kontinent.
Vor seiner Zeit bei Capgemini war Parekh als Partner bei Ernst & Young tätig und trieb den gesamten indischen Betrieb voran.
Ursprünglich studierte der Inder in Mumbai Luftfahrttechnik und absolvierte danach seinen Master in Computerwissenschaften und Maschinenbau an der Cornell University.
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