
ServiceNow Aktie Analyse
Überrendite vorprogrammiert?
Analyse vom 22.02.2026
von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann
Kurzvorstellung
Die Software von ServiceNow bündelt KI-Lösungen, Cloud-Infrastrukturen, ERP- sowie CRM-Systeme – unterm Strich also sämtliche digitalen Workflows eines Unternehmens in einer einzigen Plattform. Dies geht für die 8.800 Kunden von ServiceNow, zu denen rund 85,00 % der Fortune 500 gehören, mit erheblichen Effizienzgewinnen einher. Entsprechend binden sich diese nicht nur langfristig an die Plattform, sondern geben Jahr für Jahr mehr Geld für diese aus, was sich in äußerst attraktiven Wachstumsraten widerspiegelt. Trotz der hervorragenden Aussichten durchläuft die Aktie von ServiceNow mit einem Minus von 59,10 % die tiefste Korrektur seit dem Börsengang – eine einmalige Kaufchance?
1. Das Unternehmen ServiceNow
Geschäftsmodell von ServiceNow
Einleitung
Die meisten Softwareunternehmen fokussieren sich auf einen bestimmten Anwendungsbereich: Adobe entwickelt Software für kreative Anwendungen, Salesforce entwickelt Lösungen für das Kundenbeziehungsmanagement und ServiceNow ist im Bereich des IT-Servicemanagements tätig. Wer noch nicht mit der Plattform des Unternehmens gearbeitet hat, kann mit diesem Begriff vermutlich nichts anfangen. Deshalb eine kurze Erklärung. Im Wesentlichen handelt es sich bei der Now-Plattform um die zentrale Anlaufstelle für alle digitalen Arbeitsabläufe von Unternehmen und öffentlichen Einrichtung. Ab einer gewissen Größe bzw. Anzahl an Mitarbeitern können diese nämlich sehr unübersichtlich werden.
Ein konkretes Beispiel: Stellantis ist ein internationaler Automobilkonzern und mit mehreren Hunderttausenden Mitarbeitern in 130 Ländern ein extrem komplexer Konzern. Seit einigen Jahren nutzt Stellantis die Plattform von ServiceNow als „Single Source Of Truth“ für alle digitalen Workflows, welche im Unternehmen stattfinden. Wird etwa ein neuer Mitarbeiter eingestellt, so werden sämtliche Aufgaben automatisiert (bspw. Organisierung von Arbeitsgeräten und -kleidung, Erstellen eines Zeitkontos, IT-Zugänge erstellen, usw.) und in der Now-Plattform den entsprechenden Abteilungen zugeordnet. Ohne ServiceNow müssten die HR-Abteilung diese Prozesse manuell übernehmen, was mit einer hohen Fehleranfälligkeit und längeren Wartezeiten einhergehen würde.
Insofern erhöht die Now-Plattform, die Zugriff auf sämtliche Daten, IT-Infrastrukturen und sonstige Anwendungen (SAP, Salesforce, Snowflake, Oracle) hat, die Effizienz betrieblicher Abläufe enorm – und das unabhängig von der Branche eines Unternehmens. So umfasst der Kundenstamm von ServiceNow alle denkbaren Industrien und öffentliche Einrichtungen. Neben den Abonnementeinnahmen, welche durch die Now-Plattform generiert werden, erwirtschaftet ServiceNow einen kleinen Umsatzanteil durch sogenannte Professional Services, also Schulungen und Consulting-Dienstleistungen, um die bestmögliche Nutzung der Software sicherzustellen.
Eigenschaften des Geschäftsmodells
An dieser Stelle möchten wir auf ausgewählte Charakteristika des operativen Geschäfts von ServiceNow eingehen. Insbesondere legen wir dar, weshalb wir die potenzielle Bedrohung durch Künstliche Intelligenz für deutlich überschätzt halten. Erstens hat ServiceNow das Potenzial dieser Technologie frühzeitig erkannt und diese in seiner Plattform integriert. Da ServiceNow – wie zuvor beschrieben – Zugriff auf sämtliche Daten und digitalen Inhalte eines Unternehmens hat, sind die generativen KI-Lösungen des Unternehmens sehr viel wertvoller als externe Tools wie ChatGPT oder Claude.
Darüber hinaus ist Stellantis ein gutes Beispiel, warum es äußerst schwierig bis unmöglich für ein Unternehmen ist, den Zugang zur Now-Plattform zu kündigen, sobald diese integriert wurde. Denn sollte sich der Automobilhersteller eines Tages dazu entscheiden, von ServiceNow zu einem Konkurrenten wechseln zu wollen oder eine interne Lösung für das IT-Servicemanagement zu nutzen, würde dies mit einer Umstellung sämtlicher digitaler Prozesse einhergehen und unter anderem die Schulung von mehreren Hunderttausenden Mitarbeitern nach sich ziehen. Dieser Umstand erklärt, warum jedes Jahr nur rund 2,00 % der Nutzer ihren Zugang zu der Now-Plattform kündigen.
Darüber hinaus intensivieren die meisten Kunden von ServiceNow ihre Nutzung der Plattform im Laufe der Jahre, was in Kombination mit höheren Preisen zu einem deutlichen Anstieg der Umsätze führt. Dies spiegelt sich im Wachstum der jährliche Vertragsvolumina verschiedener Kohorten wider: Die Ausgaben eines durchschnittlichen Kunden, der die Lösungen von ServiceNow seit 2010 nutzt, sind in den vergangenen 15 Jahren von 100,00 USD auf 4.525,00 USD angestiegen.
Historie
Gründung von ServiceNow
Das Unternehmen ServiceNow wurde Ende 2003 in Santa Clara, Kalifornien, USA, mit dem ursprünglichen Namen Glidesoft gegründet und im Folgejahr formell in Kalifornien eingetragen. Gegründet wurde das Unternehmen durch Frederic B. Luddy, der zuvor als CTO bei Peregrine Systems, einem Softwareunternehmen für IT-Managementsysteme, tätig war und nach dortigen beruflichen Erfahrungen eine cloud-basierte Lösung für IT-Workflow-Management entwickeln wollte.
In der Anfangsphase fungierte Luddy als alleiniger Mitarbeiter, bevor Mitte 2005 durch eine Venture-Finanzierung von JMI Equity eine Erweiterung des Teams ermöglicht wurde. Im Jahr 2006 wurde der Unternehmensname in Service-Now.com geändert. Kurz darauf öffnete ServiceNow ein erstes Büro im Silicon Valley und konnte 2007 einen positiven Cash-Flow bei ersten Umsätzen erzielen.
Börsengang
In den folgenden Jahren wuchs das Unternehmen kontinuierlich. Bis 2011 entstand eine internationale Präsenz mit Büros in mehreren US-Städten und in Europa; zudem wurde eine Partnerschaft mit Accenture etabliert. Im Juni 2012 erfolgte der Börsengang an der NYSE, kurz danach wurde der Firmensitz von San Diego nach Santa Clara verlegt.
Nach dem Börsengang setzte ServiceNow das Wachstum fort. 2019 erfolgte ein Führungswechsel, als Bill McDermott die Position des CEO übernahm. Unter der Führung von ihm und Gina Mastantuono als CFO erzielte das Unternehmen in den Folgejahren ein starkes Erlöswachstum und wurde in den Fortune-500-Index aufgenommen.
Wachstum und Akquisitionen
Parallel dazu entwickelte sich die ursprüngliche IT-Service-Management-Plattform zu einer umfassenden Workflow-Automation-Plattform, die über IT-Prozesse hinaus eine breite Palette unternehmensweiter Anwendungen unterstützt.
In den Vorjahren wurde das Portfolio gezielt durch Akquisitionen und strategische Partnerschaften erweitert. Zu den wesentlichen Akquisitionen zählen unter anderem der KI-Spezialist Moveworks, das auf Fertigungslösungen spezialisierte Unternehmen 4Industry sowie die Smart-Daily-Management-Lösung von EY. Darüber hinaus wurden mit UltimateSuite Kompetenzen im Task Mining, mit der Quality-360-Lösung von Advania branchenspezifische Fertigungsfunktionen sowie mit Armis und Veza Sicherheits- und Identity-Security-Funktionen ausgebaut. Parallel dazu wurden strategische Partnerschaften unter anderem mit SoftwareOne und Wipro zur Unterstützung von Cloud-Transformationen geschlossen. Technologische Kooperationen mit Google Cloud, NVIDIA und NICE stärken insbesondere KI-gestützte Workflow- und Automatisierungslösungen. Ergänzend wurden Beteiligungen an Implementierungspartnern wie Plat4mation und AoraNow vorgenommen, um die internationale Marktdurchdringung und Umsetzungskompetenz zu erhöhen.
Aktionärsstruktur von ServiceNow
Die Aktionärsstruktur von ServiceNow wird wie bei vielen US-amerikanischen Technologieunternehmen durch die zwei Vermögensverwalter BlackRock und Vanguard angeführt; diese halten 8,80 % bzw. 8,70 % der Anteile des Unternehmens. Ansonsten wurden keine weiteren Anteilseigner mit mehr als 5,00 % veröffentlicht.
Geschäftsführung
William (Bill) R. McDermott
McDermott ist der CEO und Chairman von ServiceNow. Er übernahm die Leitung des Unternehmens Ende 2019. Vor seinem Wechsel war er zuletzt CEO von SAP. Ansonsten hatte er Führungspositionen bei Xerox, Gartner und Siebel Systems inne. Außerdem ist er Mitglied des Board of Directors von Zoom, Figma und Intuit.
Er ist 64 Jahre alt, wurde in New York City geboren und absolvierte einen Bachelor in BWL am Dowling College in New York, einen MBA an der Kellogg School of Managament und nahm an dem Executive Development Program an der University of Pennsylvania teil.
CEO-Vergütung
Für das Fiskaljahr 2024 erhielt McDermott ein Grundgehalt in Höhe von 1,35 Mio. USD. Der mit Abstand größte Anteil seiner Vergütung wurde durch Stock Awards erreicht, die einen Gegenwert von 31,46 Mio. USD aufweisen. Zusätzlich erhielt er über einen Non-Equity Incentive Plan weitere 2,68 Mio. USD und über andere Vergütung 2,07 Mio. USD. Insgesamt belief sich seine Vergütung damit auf 37,56 Mio. USD.
Im Vorjahr fiel die Vergütung mit einem Gesamtwert von 37,61 Mio. USD quasi gleich aus. Auch in diesem Jahr wurde der größte Anteil durch Stock Awards im Gegenwert von 32,78 Mio. USD erreicht.
Für das Fiskaljahr 2022 lag die Vergütung sogar bei 38,50 Mio. USD. Jedoch fielen die Stock Awards mit 27,30 Mio. USD niedriger aus. Der höhere Gesamtwert ist auf andere Vergütungen im Wert von 7,93 Mio. USD zurückzuführen.
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