
Kurzvorstellung
Ob an der Supermarktkasse, beim Online-Shopping oder in der Banking-App: Im Hintergrund sorgt Fiserv dafür, dass Milliarden von Transaktionen reibungslos abgewickelt werden. Das Unternehmen ist einer dieser unsichtbaren Riesen, ohne die der moderne Zahlungsverkehr kaum denkbar wäre. Doch trotz dieser Schlüsselrolle im Finanzsystem geriet die Aktie zuletzt massiv unter Druck. Steht hier eine spannende antizyklische Chance vor der Tür?
1. Das Unternehmen Fiserv
Geschäftsmodell von Fiserv
Einleitung
Fiserv befasst sich mit der Bereitstellung von verschiedenen Finanz-Dienstleistungen im Hintergrund von Transaktionen. Dabei konzentriert sich das Unternehmen auf zwei Bereiche: IT-Infrastruktur für Finanzinstitute sowie Lösungen für die Zahlungsabwicklung bei Händlern unabhängig von derer Größe – egal ob es sich um McDonald‘s oder einen kleinen Blumenladen handelt. Letzteres Geschäft hat Fiserv im Zuge einer milliardenschweren Akquisition übernommen, welche wir im weiteren Verlauf der Analyse noch mehrmals aufgreifen werden. Im Folgenden wollen wir jedoch zunächst einen genaueren Blick auf beide Segmente von Fiserv werfen.
Financial Segment und Produkte
Beginnen wir mit dem ursprünglichen Kerngeschäft von Fiserv: Der Bereitstellung von IT-Infrastruktur für Finanzinstitute. Hierzu gehören vor allem Banken und Versicherungen sowie Fintechs, welche die Lösungen von Fiserv nutzen, um Online Banking und Vergleichbares für ihre Kunden anbieten zu können. Genauer gesagt greift diese Gruppe auf die Software von Fiserv zurück, welche sich um die Kontoführung, Überweisungen sowie die Betrugserkennung kümmert und somit alle relevanten IT-Aufgaben übernimmt.
Für Finanzinstitute liegt der Reiz der Lösungen von Fiserv darin, dass sie sich nicht selbst um die aufwendige Programmierung von Software sowie um den Aufbau einer Infrastruktur sorgen müssen, sondern sich auf ihre Kernkompetenzen fokussieren können, was mit einem Zugewinn an Effizienz einhergeht. Nach eigenen Angaben greift jedes dritte US-amerikanische Finanzinstitut auf die Lösungen von Fiserv zurück, wodurch das Unternehmen als unangefochtener Marktführer hervorzuheben ist.
Merchant Segment (inkl. Clover) und Produkte
Innerhalb des Geschäftsbereichs Merchant, welcher im Zuge der Akquisition von First Data entstanden ist, erbringt Fiserv Dienstleistungen für eine ganz andere Gruppe, nämlich Händler. Wie einleitend beschrieben handelt es sich hierbei um alle möglichen Unternehmen: von milliardenschweren Konzernen über Mittelständler bis zu Selbstständigen, die allesamt auf die Systeme von Fiserv zum Zweck der Zahlungsabwicklung zurückgreifen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein Online- oder Offline-Business handelt – die Lösungen von Fiserv können überall angewendet werden.
Für Online-Händler stellt Fiserv Carat zur Verfügung, ein fertiges E-Commerce-Betriebssystem, mit welchem es möglich ist, die Akzeptanz verschiedener Zahlungsmittel wie PayPal, Kreditkarten oder Überweisungen auf einer Website ohne nennenswerten Programmierungsaufwand einzubinden. Im Bereich des Offline-Handels vertreibt Fiserv im Rahmen seiner Marke Clover mehrere POS-Systeme verschiedener Größen. Ein Überblick in Bezug auf Clover kann Abbildung 1 entnommen werden. Auch in diesem Segment kann Fiserv zumindest in Nordamerika die Position des Marktführers für sich beanspruchen mit nach eigenen Angaben ca. 70,00 % der weltweit führenden Marken, die dem Finanzdienstleistungskonzern ihr Vertrauen schenken.
Historie
Gründung und Börsengang von Fiserv
Die Geschichte von Fiserv begann im Jahr 1984 mit der Fusion von Data Processing und Sunshine State Systems, wodurch in den USA ein landesweit tätiger Anbieter für Datenverarbeitung im Finanzsektor entstand. Bereits wenige Jahre später erfolgte der Gang an die Börse unter dem Ticker FISV an der NASDAQ (NASDAQ: FISV). In den folgenden Jahren setzte das Unternehmen konsequent auf Expansion und technologische Weiterentwicklung. Mit der Übernahme von Information Technology im Jahr 1995 etablierte sich Fiserv früh als Anbieter von Client/Server-Lösungen für Banken, während der Start der eigenen Website den Eintritt in das digitale Zeitalter markierte.
Ausbau digitaler Lösungen
Die Einführung von elektronischen Rechnungen ermöglichte Verbrauchern nicht nur die Online-Zahlung, sondern auch den digitalen Empfang und die Verwaltung ihrer Rechnungen. Einen entscheidenden Schub erhielt der Markt, als Finanzinstitute begannen, elektronische Zahlungsdienste kostenlos anzubieten. Parallel dazu weitete Fiserv im Jahr 2005 seine internationale Präsenz durch den Eintritt in den indischen Markt aus und stellte mit dem Konzept „Fiserv 2.0“ einen umfassenderen Ansatz zur Kundenbetreuung vor.
Stärkung durch Akquisitionen
Die Integration des Unternehmens CheckFree stellte die bis dahin größte Akquisition dar und stärkte die Position im Bereich der elektronischen Zahlungsabwicklung. Mit der Einführung mobiler Banklösungen wurde ein Meilenstein in der digitalen Transformation gesetzt, indem Kunden Bankgeschäfte erstmals über SMS, Browser und App erledigen konnten. In den Folgejahren von 2011 bis 2013 baute das Unternehmen seine Marktstellung durch weitere Akquisitionen, darunter M-Com, CashEdge und Open Solutions, gezielt aus. Besonders die Erweiterung der Person-to-Person-Zahlungslösung Popmoney um Echtzeitfunktionen unterstrich die strategische Ausrichtung auf digitale Bezahlprozesse.
Etablierung als Innovationsführer
Im Jahr 2014 feierte Fiserv sein 30-jähriges Bestehen und wurde fortlaufend in Ranglisten wie der FORTUNE-Liste der „World’s Most Admired Companies®“ aufgeführt. Neue Innovationen wie das NOW® Network sorgten für zusätzliche Impulse im Zahlungsverkehr. Der kontinuierliche Wachstumskurs führte schließlich auch zur Aufnahme in die FORTUNE® 500. Weitere Übernahmen, darunter PCLender, Monitise und der Dovetail Group, erweiterten das Leistungsspektrum und unterstrichen den Anspruch, Innovationstreiber im Finanzsektor zu bleiben.
Die Bedeutung des Unternehmens wurde durch das Namensrecht für die Arena „Fiserv Forum“ in Milwaukee auch außerhalb der Finanzbranche sichtbar. Gleichzeitig stärkte Fiserv seine Position im Debitkarten- und Zahlungsverkehrsmarkt durch den Erwerb von Geschäftsbereichen von Elan Financial Services. Mit der Fusion mit dem Unternehmen First Data im Jahr 2019 entstand einer der weltweit führenden Anbieter im Bereich Payments und Fintech.
Entwicklung in jüngster Zeit
Auch in der jüngeren Vergangenheit wurde die Innovationskraft unter Beweis gestellt. Neben der erneuten Auszeichnung als eines der „World’s Most Admired Companies®“ trug Fiserv mit technologischen Lösungen zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie bei, unter anderem durch die Unterstützung beim Paycheck Protection Program sowie durch digitale Zahlungslösungen. Im selben Jahr trat Frank Bisignano als vierter CEO die Unternehmensführung an. Mit dem Programm „Back2Business“ setzte das Unternehmen zudem Initiativen zur Förderung von Minderheitenunternehmen in den USA um. Seit Mai dieses Jahres ist der CEO Mike Lyons.
Aktionärsstruktur
Die Aktionärsstruktur von Fiserv wird durch zwei der größten Vermögensverwalter der Welt angeführt. Mit 8,90 % der Anteile steht Vanguard an der Spitze der Liste. Gefolgt von BlackRock mit weiteren 7,10 %. Weiterhin befindet sich noch das Finanzdienstleistungsunternehmen T. Rowe Price mit 6,30 % in der Liste. Dicht gefolgt von Dodge&Cox mit 6,20 %, einer us-amerikanischen Investmentgesellschaft.
Geschäftsführung
Mike Lyons
Seit dem 6. Mai 2025 steht Lyons an der Spitze von Fiserv als CEO. Zuvor war er bereits als President sowie CEO-elect im Unternehmen tätig. Seine berufliche Laufbahn umfasst langjährige Erfahrung in leitenden Positionen im Finanzsektor. Zuvor bei der PNC Financial Services Group verantwortete er als President die Geschäftsbereiche des Konzerns und war zuvor als Leiter des Bereichs Corporate & Institutional Banking maßgeblich am Ausbau des nationalen Geschäfts beteiligt.
Vor seiner Zeit bei PNC hatte Lyons verschiedene Führungspositionen bei Bank of America inne. Dort leitete er unter anderem die Bereiche Corporate Development und Strategische Planung, gestaltete die Wachstumsstrategie des Unternehmens und führte M&A-Aktivitäten im Private-Equity-Bereich sowie die Investor Relations. Davor arbeitete er als Portfoliomanager bei Maverick Capital mit dem Schwerpunkt auf Investitionen in Finanzinstitute weltweit.
Neben seiner beruflichen Tätigkeit engagiert sich Lyons in verschiedenen gemeinnützigen und institutionellen Funktionen. Er ist nationaler Trustee der Boys & Girls Clubs of America, Mitglied des Board of Directors des University of Pittsburgh Medical Center (UPMC) sowie Vorsitzender des Pittsburgh Parks Conservancy. Darüber hinaus war er Vorsitzender des Board of Directors von Early Warning Services. Lyons absolvierte sein Studium an der University of Pennsylvania.
CEO-Vergütung
Aufgrund des Wechsels in der Geschäftsführung in diesem Jahr, wird die Vergütung noch für den vorherigen CEO Frank J. Bisignano dargestellt.
Für das Fiskaljahr 2024 erhielt dieser ein Grundgehalt i.H.v. 1,40 Mio. USD. Dies ist jedoch nur ein kleiner Teil, wenn man den Gegenwert betrachtet, der durch die erhaltenen Stock Awards für diese Zeit erreicht wurde. Bisignano erhielt Aktien in einem Gegenwert von 22,02 Mio. USD. Dies wurde noch durch andere Vergütung i.H.v. 0,36 Mio. USD abgerundet, was zu einer Gesamtvergütung von 23,77 Mio. USD führte.
Im Vorjahr 2023 fiel die Vergütung nochmal etwas höher aus. Hier erreichten die Stock Awards einen Gegenwert von 23,25 Mio. USD. Zusätzlich erhielt er weitere 3,00 Mio. USD über einen Non-Equity Incentive Plan. Insgesamt belief sich die Vergütung auf 27,94 Mio. USD.
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