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ASML Aktie Analyse

Unendliches Wachstumspotenzial wegen Chip-Boom?

Aktualisiert am 22.08.2025. Analyse vom 22.07.2025

von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann

Kurzvorstellung von ASML

ASML bezeichnet sich selbst als das vielleicht wichtigste Unternehmen, von dem du noch nie gehört hast. Vor allem die meisten Börsen-Interessierten dürften aufgrund des Booms in der Halbleiterbranche aber längst auf das erfolgreiche Unternehmen aus den Niederlanden aufmerksam geworden sein. Zurecht, denn: Ohne die Fertigungsanlagen von ASML wäre die Produktion modernster Mikrochips heutzutage schlichtweg nicht mehr möglich. Und als Grundbestandteil von elektronischen Geräten wie Smartphones oder Laptops sind diese kleinen Bauteile für die heutige digitale Welt unerlässlich und nicht zu ersetzen. Wir haben uns die Aktie des Unternehmens genauer angeschaut und für dich eine komplette Übersicht erstellt, inkl. Kaufzonen und unseren Ratings.

1. Das Unternehmen ASML

Geschäftsmodell von ASML

Einleitung

In der Produktionskette von Mikrochips bzw. Halbleitern steht ASML an einer ganz entscheidenden Stelle: Das Unternehmen entwickelt und produziert die hochmodernen und komplexen Lithografie-Anlagen, die Grundvoraussetzung für die Herstellung von Mikrochips sind. Nur mithilfe dieser speziellen Systeme können auf das Grundprodukt (Wafer – dazu später mehr) mittels Lichtstrahlen wenige Nanometer feine Muster hineingebrannt werden. So wird das Fundament für die Milliarden an Transistoren pro Mikrochip gegossen.

Mit einem Marktanteil von über 85 % bei der Produktion von Lithografie-Anlagen hat sich ASML in den letzten Jahren zu einem Unternehmen entwickelt, das global für den gesamten Halbleiter Sektor unverzichtbar ist. Beispiel gefällig? Schlagzeilen machte unlängst ein durch die USA verhängtes Verkaufsverbot der neuesten EUV-Lithografie-Systeme von ASML nach China. Die amerikanische Regierung fürchtet sich offenkundig vor den Auswirkungen, sollte China mithilfe dieser Fertigungsanlagen dazu in der Lage sein, eigene Hightech-Mikrochips herzustellen. Das zeigt eindrucksvoll, wie wichtig und technologisch entscheidend die von ASML produzierten Lithografie-Anlagen sind – die sich im Übrigen in großer Anzahl bei ASMLs größtem Kunden TSMC in Taiwan befinden. Stichwort: China-Taiwan Konflikt.

Bevor wir uns das Geschäftsmodell des Unternehmens näher anschauen, widmen wir uns für das weitere Verständnis zunächst der Frage, was eigentlich Halbleiter bzw. Mikrochips sind und wie diese hergestellt werden.

Wiederholung: Halbleiter

Ohne Halbleiter ist heutzutage kaum etwas möglich. Ob Smartphones, Laptops, Autos oder gar Kühlschränke – überall sind Mikrochips enthalten, die in Sekundenbruchteilen tausende Berechnungen durchführen und so die Basis moderner Technologie bilden. Aber wieso eigentlich Halbleiter? Feste Stoffe wie Metalle, Holz oder Kunststoffe lassen sich anhand ihrer Fähigkeit Strom zu leiten klassifizieren. Halbleiter charakterisieren sich dadurch, dass ihre Leitfähigkeit zwischen der von Leitern (wie Kupfer) und Isolatoren (Kunststoff) liegt. Im kalten Zustand sind Halbleiter nicht oder kaum leitend, im erwärmten Zustand leiten sie sehr gut. Der bekannteste Halbleiter ist Silizium, aus dem auch der Großteil der Mikrochips hergestellt wird.

Bevor ein solcher Halbleiter allerdings zur weiteren Bearbeitung in einer Lithografie-Anlage von ASML landen kann, muss zunächst das Grundprodukt hergestellt werden. Dazu wird Silizium als Rohmaterial zu einem zylinderförmigen Gebilde, dem sogenannten Ingot geformt. Bei Ingots handelt es sich um hochreines Silizium in nahezu fehlerfreier Form, was Grundvoraussetzung für einen später funktionierenden Halbleiter ist. Aus diesen mehrere Meter langen Ingots werden anschließend Wafer geschnitten – ca. 1 Milimeter dünne Scheiben, die die Basis für alle weiteren Produktionsschritte bilden.

Für nähere Erläuterungen lest euch gerne unseren Blogartikel zur Halbleiterkrise durch!

Lithografie-Anlagen und deren Rolle bei der Halbleiterherstellung

Damit aus dem Grundmaterial, dem Wafer, im weiteren Verlauf ein funktionierender Mikrochip werden kann, benötigt es komplexe Designs. Diese werden von Unternehmen wie Apple, NVIDIA und AMD entworfen, aber nicht hergestellt, da man keine eigenen Fertigungsstätten betreibt („fabless“). Das übernehmen Halbleiterfertiger wie TSMC.

An dieser Stelle kommen schließlich die Lithografie-Anlagen von ASML ins Spiel, denn die vorgefertigten Mikrochip-Designs müssen als Struktur auf den Wafer aufgebracht werden.

Da diese Strukturen aus wenigen Nanometer feinen Mustern bestehen, die letztlich Milliarden von Transistoren pro Mikrochip ergeben, erfordert dieser Prozess modernste Technologie. Lithografie als wohl präzisestes Fertigungsverfahren der Welt ist dafür prädestiniert: Kurzwellige, energiereiche Lichtstrahlen werden so auf den Wafer ausgerichtet, dass sich das komplexe Chipdesign auf der Siliziumoberfläche einbrennt. Was sich in dieser stark vereinfachten Erklärung simpel anhört, ist in der Praxis ein sich bis zu hundert mal pro Mikrochip wiederholender Prozess, in dem komplexe Strukturen in Präzisionsarbeit und beinahe atomarer Größe (oder besser: unvorstellbar klein) übereinander auf dem Wafer aufgebracht werden. Dadurch erhält der Mikrochip im Ergebnis seine Funktionen.

EUV-Lithografie

Auf eine jahrelange, forschungs- und kostenintensive (über 6 Mrd. EUR laut Unternehmensangaben) Entwicklung folgte im Jahr 2017 bei ASML die Enthüllung der neuen EUV-Lithografie-Anlagen (EUV = extreme ultraviolet). Der technologische Fortschritt, der mit diesen Anlagen im Vergleich zu den bisherigen DUV-Lithografie-Systemen (DUV = deep ultraviolet) einherging, ist immens.

Während die DUV-Technologie beim Malen eines Gemäldes einem groben Pinsel entspricht, ermöglicht das EUV-Verfahren feinste Striche und Details. Übertragen auf den Herstellungsprozess von Mikrochips bedeutet das, dass mit EUV-Lithografie-Anlagen mit nie dagewesener Präzision noch mehr Transistoren auf umso kleinere Mikrochips aufgetragen werden können, was zu noch mehr Leistung führt. Nach Moore’s Law verdoppelt sich die Anzahl an Transistoren pro Chip etwa alle 12-24 Monate – ein Gesetz, was vor der Entwicklung der EUV-Lithografie-Anlagen an seinen physikalischen Grenzen angekommen zu sein schien. Die durch ASML entwickelte Technologie macht es allerdings mittlerweile sogar möglich, 5 nm Mikrochips wie den von Apple im Macbook verbauten M1 Chip herzustellen – undenkbar ohne EUV-Lithografie.

ASML ist weltweit das einzige Unternehmen, das EUV-Lithografie-Anlagen entwickelt und anbietet – der technologische Vorsprung und die Eintrittsbarriere für die Entwicklung solcher Systeme ist bisher für alle Konkurrenten zu hoch.

Die von ASML entwickelten EUV-Lithografie-Systeme haben kaum vorstellbare Ausmaße: Eine einzelne Anlage besteht aus über 100.000 Teilen, hat die Größe eines Busses und wiegt über 100 Tonnen. Kostenpunkt: Über 150 Mio. EUR pro Stück.

Operatives Geschäft und Segmente

ASML verkauft seine Fertigungsanlagen hauptsächlich nach Asien und die dort ansässigen Chiphersteller, hier wurden mit fast 17 Milliarden Euro im Jahr 2021 knapp 90% der Umsätze erwirtschaftet. Insbesondere von Taiwan mit dem dort ansässigen, größten Kunden TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Company) zeigt sich eine gewisse Abhängigkeit: Fast 40% der Umsätze von ASML entfallen auf den an China angrenzenden Inselstaat und die dortigen Produktionsstätten. Während in den USA immerhin noch etwas unter 10% der Umsätze erwirtschaftet werden, fallen andere Regionen auf der Welt mangels dortiger Halbleiterfertigung kaum ins Gewicht.

Das operative Geschäft gliedert ASML in die drei Segmente Logic-Chips, Memory-Chips und Service and field options. Während die beiden ersteren Unternehmensbereiche lediglich die Kundengruppe nach Art der bei dem jeweiligen Hersteller produzierten Chips unterscheiden, bilden die Umsätze des Segments Service and field options die Erträge aus Wartung, Überprüfung und Erneuerung der eigenen Lithografie-Anlagen ab. Da die von ASML hergestellten, hochkomplexen Maschinen nicht durch externes Personal gewartet werden können, wird dies von ASML selbstständig durch dafür qualifizierte Mitarbeiter übernommen. Hier ergeben sich für das Unternehmen planbare und wiederkehrende Einnahmen, die neben dem Verkauf der eigenen Anlagen mit knapp 26% der Umsätze erheblich zum finanziellen Erfolg des Unternehmens beitragen.

Über alle Geschäftsbereiche zeigte sich bei ASML in den letzten Jahren ein beeindruckend starkes Wachstum – bedingt insbesondere durch die Monopolstellung beim Verkauf von Lithografie-Anlagen und der globalen Nachfrage nach Mikrochips.

Historie

Gründung

Nachdem im Jahr 1958 der integrierte Schaltkreis erfunden wurde, nahm die gesamte Entwicklung rund um Halbleiter ihren Lauf. Im Zuge der vielen neuen Innovationen im IT-Sektor gewannen elektronische Produkte immer mehr an Bedeutung und heute sind Halbleiter schließlich in vielerlei Hinsicht unverzichtbar.

Knapp drei Jahrzehnte später gründeten der Großkonzern Philips aus dem Elektronikbereich und der Hersteller von Chip-Maschinen ASMI (Advanced Semiconductor Materials International) gemeinsam das Unternehmen ASM Lithography (heute kurz: ASML). Mit diesem neuen Projekt wollte man eine Firma etablieren, welche Lithografie-Systeme (mehr dazu im Geschäftsmodell) für den Halbleitermarkt entwickelt und herstellt und auf diese Weise vom Boom in der Branche profitiert. Die Vorarbeit begann bereits in den 1970er-Jahren mit diversen Forschungs- & Entwicklungsausgaben, sodass schon kurz nach der Gründung das erste System (PAS 2000 Stepper) auf den Markt gebracht werden konnte.

Überzeugt von der Idee und den ersten Erfolgen, investierten die „Gründer“ weitere große Summen in ASML und beschleunigten auf diese Weise das Wachstum. Ende der 1980er-Jahre begann schließlich die Expansion in den wichtigen asiatischen Markt.

Expansion und die schwierigste Phase

ASML hatte in der gesamten Entwicklung den Vorteil, im Hintergrund zwei etablierte große Unternehmen zu haben. Diese konnten (speziell in der Anfangsphase) finanzielle Unterstützung leisten, aber auch bei der Expansion ist dies natürlich hilfreich. Philips wurde bspw. über ein Joint-Venture in Taiwan tätig und auf diese Weise war es für den Spezialisten im Bereich der Lithografie-Systeme leichter, ebenfalls dort Fuß zu fassen. Auch in den USA etablierte sich ASML und hatte fünf Standorte.

Allerdings war der Aufbau der heutigen Marktmacht alles andere als einfach: Das Geschäft war kapitalintensiv, was vor allem ASMI zusetzte, und die Rendite im Verhältnis zu den Einsätzen war ebenfalls nicht gerade überragend. Aus eigener Kraft hätte es das Unternehmen aus den Niederlanden womöglich nie geschafft, sich nachhaltig auf dem umkämpften Markt zu behaupten.

In der schlimmsten Phase stand die gesamte Zukunft von ASML auf der Kippe, denn auch Philips kam als Geldgeber (aufgrund sonstiger Umstände im eigenen Geschäft) in Schwierigkeiten. Eine allerletzte große Investition zahlte sich allerdings aus und mit der Plattform PAS 5500 konnte ASML ein neues innovatives Produkt auf den Markt bringen.

Eigenständigkeit von ASML

Mit der neuen Plattform begann ein großer Wandel bei ASML: Neue Kunden wurden gewonnen, Gewinne konnten nachhaltig erzielt werden und das Unternehmen war endlich in der Lage eigenständig zu sein. Im Jahr 1995 erfolgte aus diesem Grund schließlich der Börsengang in Amsterdam und New York. Philips zog sich dabei als Investor schnell zurück und ist heute übrigens selbst nur noch einen Bruchteil so viel wert wie ASML. Während sich der Halbleiterriese im Bereich von 200 Mrd. EUR befindet, stürzte Philips auf rund 10 Mrd. EUR ab. ASM International hat eine ähnliche Marktkapitalisierung. Die Idee für ASML stellte sich somit im Nachhinein als riesiger Erfolg heraus, auch wenn die Gründer davon heute nicht mehr profitieren.

Die Eigenständigkeit hat ASML auf jeden Fall gut getan und das frische Kapital wurde in die weitere Forschung & Entwicklung sowie Expansion investiert. Im Laufe der Jahre entwickelte das Unternehmen aus den Niederlanden mehrere neue Technologien und unterstützte das eigene Wachstum durch passende Akquisitionen. Auf die einzelnen Systeme und revolutionären Technologien gehen wir später im Geschäftsmodell genauer ein.

Auf jeden Fall revolutionierte ASML den gesamten Bereich der Lithografie mit dem EUV-Ansatz (Extrem-Ultraviolett). Weitere Übernahmen halfen in den 2010er-Jahren bei der Ergänzung des Portfolios und Weiterentwicklung der eigenen Produkte.

2020 führte ASML die EUV-Technologie auch in der Großserienfertigung ein und konnte bereits die hundertste Auslieferung eines Systems verzeichnen. Im November desselben Jahres fand die letzte Akquisition des niederländischen Unternehmens statt, denn man übernahm Berliner Glas als Spezialist im Bereich der Optik.

Aktionärsstruktur bei ASML

Bei der Aktionärsstruktur gibt es (Stand 31.01.2022 laut ASML) generell wenig Auffälligkeiten, allerdings ist das Aktienpaket von der Capital Research and Management Company (große Investmentgesellschaft aus den USA) mit 15,81 % bereits ziemlich groß. Die zweitgrößte Position hält der ebenfalls bekannte Vermögensverwalter BlackRock mit 7,95 % und anschließend folgt der Verwalter Baillie Gifford & Co. mit 4,54 %.

Die Mitglieder des Managements (Board of Management mit sechs Personen) halten kumuliert nur 0,02 % der Aktien.

Geschäftsführung von ASML

Peter T.F.M. Wennink

Peter T.F.M. Wennink (geb. 1957) ist der heutige CEO, Chairman und President von ASML und übt diese Tätigkeit bereits seit 2013 aus. Der Niederländer war bereits zuvor als Executive Vice President, CFO und Mitglied des Boards Teil der obersten Führungsebene des Unternehmens und konnte in diesen Positionen seit 1999 einige Erfahrungen sammeln.

Vor seiner Tätigkeit war Wennink Partner bei Deloitte Accountants und konzentrierte sich dort speziell auf die Halbleiterbranche. Dieser berufliche Hintergrund bereitete ihn wahrscheinlich bestens auf seine Karriere bei ASML vor, denn hier hat er sowohl mit dem Halbleiterbereich als auch mit seinem Spezialgebiet Finanzen zu tun.

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