Wir Lieben Aktien

Synopsys Aktie Analyse

Schlüsselfigur der Halbleiterindustrie

Analyse vom 26.01.2025

von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann

Kurzvorstellung

Synopsys spielt eine entscheidende Rolle in der modernen Technologiewelt – auch wenn die wenigsten Menschen davon wissen. Das Unternehmen liefert die Software, mit der große Chip-Hersteller ihre Prozessoren und Halbleiter entwerfen und testen, bevor sie überhaupt produziert werden. Ob in Smartphones, Autos oder KI-Systemen – Synopsys ermöglicht es, dass diese Technologien schneller, effizienter und fehlerfrei funktionieren. Mit seinen innovativen Design-Tools, vorgefertigten Chip-Bausteinen und Sicherheitslösungen ist Synopsys ein unverzichtbarer Partner für die gesamte Halbleiterindustrie. Angesichts des stetig wachsenden Bedarfs an leistungsfähigen Chips in Bereichen wie Künstlicher Intelligenz, 5G und autonomem Fahren steht das Unternehmen vor enormen Wachstumspotenzialen. In dieser Analyse werfen wir einen genaueren Blick auf die Synopsys-Aktie, untersuchen ihre Chancen und Risiken und beantworten die Frage: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für ein Investment?

1. Das Unternehmen

Geschäftsmodell

Einleitung

In vorherigen Analysen und Reports zu Halbleiteraktien und zur Halbleiterindustrie sind wir bereits auf die zugrundeliegende Wertschöpfungskette eingegangen. Bspw. hinsichtlich der Geschäftsmodelle von NVIDIA oder AMD, die sich auf das Design moderner und leistungsfähiger Chips fokussieren, diese jedoch nicht selbst produzieren, sondern auf sogenannte Foundries wie TSMC oder Samsung Electronics zurückgreifen.

In der vorliegenden Analyse geht es um den Marktführer einer Branche bzw. eines Teilbereichs der Halbleiterindustrie, der zu Unrecht häufig vergessen wird: EDA-Software. Hierbei handelt es sich um jene Software, die für den Entwurf von Chips in der Informationstechnologie verwendet wird. Der Markt ist als Oligopol einzuordnen, zeichnet sich also durch wenige sehr große Player aus. Wie gesagt nehmen wir heute den Marktführer namens Synopsys genauer unter die Lupe. Das in den USA beheimatete Unternehmen steht häufig im Schatten von NVIDIA und anderen Unternehmen der Informationstechnologie – das wollen wir heute ändern.

Design und Verifikation von Halbleiterprodukten

Der absolute Fokus des operativen Geschäfts von Synopsys liegt auf Produkten in Form von Softwareanwendungen, die dem Design sowie der Verifikation bzw. Simulation der Leistungsfähigkeit von Chips dienen. Diese Art von Lösungen nennt man Electronic Design Automation oder auch EDA-Software. Das Portfolio der US-Amerikaner in diesem Bereich ist vielfältig und deckt den gesamten Prozess des Halbleiterdesigns ab:

  • DSO.ai™: Optimierung von Designs für bessere Qualität und Produktivität
  • VSO.ai™: Schnellere und genauere Verifikationsabdeckung.
  • TSO.ai™: Reduktion des Testaufwands und Verbesserung der Abdeckung
  • ASO.ai™: Verbesserung von analogen Designs und Layouts
  • Design.da: Datenanalyse für höhere Design-Leistung
  • Silicon.da: Fehleranalyse durch Silizium-Daten
  • Fab.da: Prozessverbesserung durch Fertigungsdatenanalyse

Verkauf von vorgefertigten Bausteinen

Neben den cloudbasierten Abonnementeinnahmen, die Synopsys mithilfe seiner Softwarelösungen generiert, erzielen die US-Amerikaner auch durch den Vertrieb von geistigem Eigentum bzw. Intellectual Property (IP) Umsätze. Hieraus entsteht auch der Name des zugrundeliegenden Segments: Design IP.

Genauer gesagt besitzt Synopsys ein sehr diversifiziertes Portfolio an Bausteinen von Schaltkreisen, die im Prozess des Halbleiterdesigns für bspw. CPUs oder GPUs immer wieder verwendet werden. Der Sinn hinter dem Erwerb dieser Schaltkreise bzw. entsprechenden Bausteine ist, dass diese nicht jedes Mal neu entworfen werden müssen, was sowohl die Entwicklungszeit als auch die Fehleranfälligkeit verringert.

Die Palette an IP-Bausteinen ist bei Synopsys mindestens so umfangreich wie das Softwareangebot im EDA-Segment des Unternehmens. Eine Visualisierung kann Abbildung 2 entnommen werden.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass Synopsys mit seinen EDA- und IP-Lösungen am Anfang der Wertschöpfungskette in der Halbleiterindustrie steht und aus dieser nicht mehr wegzudenken ist. Mit seinem umfassenden Portfolio, das den gesamten Entwicklungsprozess neuer Halbleiterlösungen abdeckt, spielt Synopsys eine äußerst wichtige Rolle für unsere moderne, technologiegetriebene Welt – auch wenn man das Unternehmen als Privatperson praktisch nie zu Gesicht bekommt.

Historie

Gründung

Synopsys wurde 1986 von Aart de Geus, David Gregory und Bill Krieger in North Carolina, USA, gegründet. Ursprünglich unter dem Namen „Optimal Solutions“ begannen sie damit, die durch General Electric entwickelte Logiksynthesetechnologie zu vermarkten. Ein Jahr später änderte das Unternehmen seinen Namen in Synopsys und verlegte seinen Sitz nach Mountain View, Kalifornien, USA. Einige Jahre später ging es für das Unternehmen an die Börse.

Nach den 2000ern schlug Synopsys einen neuen Weg ein und baute einen Supercomputer mit handelsüblichen Linux-Servern und Standardhardware, um EDA-Anwendungen mit hohen Rechenanforderungen zu entwickeln und auszuführen. EDA (Electronic Design Automation) beschreibt die Entwicklung, Simulation und Prüfung von elektronischen Systemen.

2017 richtete das Unternehmen einen strategischen Investitionsfonds in Höhe von 100,00 Mio. USD für den chinesischen Markt ein. 2018 ging Synopsys eine Partnerschaft mit der chinesischen National Defence University ein, um Schulungen im Bereich Field-Programmable Gate Array (FPGA) Design anzubieten.

Fortschritt und Sanktionen

Einen weiteren Fortschritt brachte das cloudbasiertes KI-Softwaretool DSO.ai, das automatisch das beste Routingkonzept (elektrische Verbindung der Bestandteile) für mikroelektronische Schaltkreise auf einem Chip definiert. Im März 2023 führte das Unternehmen weitere KI-basierte Tools für andere Phasen des Chipdesigns ein, darunter VSO.ai für die Verifikation und TSO.ai für das Prüfen.

Im Jahr 2020 kündigte das US-Verteidigungsministerium eine Partnerschaft mit Synopsys im DARPA-Programm zur automatischen Implementierung von sicherem Silizium (AISS) an. Das Unternehmen arbeitete an dem Projekt unter anderem mit ARM, Boeing und IBM zusammen.

Durch die Sanktionen der USA gegen China im Bereich der Halbleitertechnologie, wurde Synopsys aufgrund der vergangenen Zusammenarbeit mit chinesischen Unternehmen und Universitäten, wegen illegalem Technologietransfer untersucht. Im Juli 2022 durchsuchten Agenten des taiwanesischen Justizministeriums die Büros eines von Synopsys unterstützten Unternehmens wegen des Verdachts auf illegale Abwerbung von TSMC’s Ingenieuren.

Neue Partner und Akquisitionen

Ein scheinbares Ende der Diskrepanzen wurde 2022 erreicht, als das Unternehmen der US Military Aerospace and Government Alliance (USMAG) von Intel beigetreten ist und Produkte für das US-Verteidigungsministerium und andere Regierungszweige lieferte.

Im November 2023 brachte Synopsys in Zusammenarbeit mit Microsoft Synopsys.ai Copilot auf den Markt, das ChatGPT von OpenAI nutzt, um den Prozess des Chipdesigns zu beschleunigen. Aktuell läuft die Übernahme des Ingenieursoftwareunternehmens Ansys, das eine große Bandbreite an Simulationssoftware und Systemdesign anbietet. Für insgesamt 35,00 Mrd. USD und damit einem Aufschlag von 29,00 % zum Marktwert, kaufte Synopsys das Unternehmen.

Aktionärsstruktur

Die Aktionärsstruktur von Synopsys wird wie so oft durch zwei der größten Vermögensverwalter der Welt angeführt. Vanguard liegt mit einem Anteil von 8,90 % auf Platz 1 der Top-Aktionären, während BlackRock mit 7,70 % nur knapp dahinter liegt. Alle weiteren Aktionäre halten einen geringeren Anteil als 5,00 % und müssen daher nicht veröffentlicht werden. Auch unter der Geschäftsführung gibt es keinen größeren Anteilseigner. Im Gegenteil – alle Directors und Executive Officers halten zusammen weniger als 1,00 % der Aktien des Unternehmens.

Geschäftsführung

Sassine Ghazi - President und CEO

Ghazi ist President, CEO und Mitglied des Board of Directors. Als CEO ist er seit Januar 2024 tätig und hatte zuvor mehrere Führungspositionen bei Synopsys in den Bereichen Anwendungsentwicklung, Produktentwicklung, Vertrieb und Betrieb innegehabt.

Zuvor führte er Synopsys als COO und President zu Rekordumsätzen und -gewinnen, indem er ehrgeizige Geschäftsstrategien vorantrieb und einen starken Kundenfokus etablierte. Darüber hinaus war er für die Leitung der EDA-Designgruppe und für alle digitalen und kundenspezifischen Produkte verantwortlich.

Bevor Ghazi 1998 als Anwendungsingenieur zu Synopsys kam, begann er seine Karriere als Designingenieur bei Intel. Er machte einen Bachelor in BWL an der Lebanese American University, einen weiteren Bachelor in Elektrotechnik am Georgia Institute of Technology und einen Master in Elektrotechnik an der University of Tennessee.

CEO-Vergütung

Für das Fiskaljahr 2023 erhielt der ehemalige CEO und Gründer von Synopsys de Geus ein Grundgehalt i.H.v. 0,68 Mio. USD. Zusätzlich dazu wurde er mit Aktien in einem Gegenwert von 7,54 Mio. USD und Optionen im Gegenwert von 2,50 Mio. USD vergütet. Weitere 1,96 Mio. USD erhielt er über einen Non-Equity Incentive Plan. Wodurch sich eine Gesamtvergütung von 12,68 Mio. USD ergibt.

In den Vorjahren lag die Vergütung bei 10,06 Mio. USD für das Fiskaljahr 2022 und bei 9,97 Mio. USD für 2021.

Lass uns Feedback da!

Verbesserungsvorschläge, Anregungen, Lob, Kritik? Wir nehmen alles dankend an. Wenn du uns kostenlos unterstützen möchtest, lass uns eine Rezension auf Trustpilot da – oder schreib uns einfach auf Discord.

Folge und kontaktiere uns

Newsletter

Jetzt abonnieren und keine Analyse mehr verpassen.

Transparenzhinweis

Die Autoren haben diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten aber nicht garantieren. Es findet keinerlei Anlageberatung durch „Wir Lieben Aktien“ statt. Dieser Beitrag dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Börsengeschäfte sind mit erheblichen Risiken verbunden; der Kunde handelt stets auf eigenes Risiko.

Mehr Infos unter: wir-lieben-aktien.de/haftungsausschluss