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Qualtrics Aktie Analyse 

NASDAQ: XM

Von Jan Fuhrmann und Christian Lämmle

▲ Qualtrics International Inc. Aktie | WKN: A2QLPC | ISIN: US7476012015 | Ticker: XM (NASDAQ)

In Zeiten der Reizüberflutung, sowohl bei Kunden, als auch bei Unternehmen, ist es immer wichtiger geworden, zuverlässige Daten zu generieren, auf deren Grundlage Konzerne ihre Produkte und Dienstleistungen verbessern können. Als Tochterkonzern von SAP greift Qualtrics dieses Problem mit einer eigenen Software und einem starken Partner an der Seite auf. 

Der Podcast zu unserer Aktienanalyse

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Inhaltsverzeichnis

Kurzportrait

Qualtrics ist ein Unternehmen im Bereich der Analyse und Marktforschung, welches viele seit der Übernahme durch SAP kennen. 8 Mrd. USD zahlte der deutsche Softwarekonzern für das US-amerikanische Unternehmen und brachte es im Januar 2021 an die Börse.

Wir als Unternehmer wissen, wie essenziell es für die Entwicklung des eigenen Produkts/der eigenen Dienstleistung ist, zuverlässiges und konstruktives Feedback von künftigen und bestehenden Kunden zu erhalten. Qualtrics hat für diesen wichtigen Bestandteil eines erfolgreichen Unternehmens eine Software entwickelt, die es ermöglicht quantitative Entscheidungen zu treffen.

Da die Aktie noch nicht lange an der Börse notiert ist, kann keine Aussage über den langfristigen Trend getroffen werden. Mittelfristig ist jedoch ein Aufwärtstrend aktiv, welcher nun seit einiger Zeit abwärts korrigiert.

Die Analyse bezieht sich auf den Kenntnisstand unserer Recherche vom 13.11.2021.

WKN/ ISINA2QLPC / US7476012015
BrancheInformationstechnologie
Peter Lynch EinordnungFast Grower
Fundamentales WLA-Rating?/10
Technisches WLA-Rating?/10
Porters Burggraben-Rating?/25
Marktkapitalisierung21,09 Mrd. USD
Dividendenrendite0,00 %
KGV-27,61
FirmensitzProvo (USA)
Gründungsjahr2002
Mitarbeiter*innen3.455 (31.12.2020)
WKN/ ISINA2QLPC / US7476012015
BrancheInformationstechnologie
Peter Lynch EinordnungFast Grower
Fundamentales WLA-Rating3/10
Technisches WLA-Rating1/10
Porters Burggraben-Rating16/25
Marktkapitalisierung21,09 Mrd. USD
Dividendenrendite0,00 %
KGV-27,61
FirmensitzProvo (USA)
Gründungsjahr2002
Mitarbeiter*innen3.455 (31.12.2020)

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1. Das Unternehmen

Historie

Idee und Gründung

Das Unternehmen Qualtrics wurde 2002 von Ryan Smith, seinem Vater Scott M. Smith, seinem Bruder Jared Smith und Stuart Orgill in Provo (Utah, USA) gegründet. Alles begann im Sommer des Jahres 2001 als Scott seinen Sohn anrief und erzählte, er sei an Krebs erkrankt. Ryan kehrte daraufhin nach zu Hause zurück und unterbrach sein Studium für ein Semester. In dieser Zeit entwickelte er die Technologie, auf der später Qualtrics aufgebaut wurde und als Scott wieder gesund war, hatte Ryan bereits ein kleines Team zusammengestellt.

Die Grundidee des Unternehmens war es, dass man Unternehmen und Schulen dabei hilft Feedback und Daten aus Umfragen zu ziehen, um dann daraus zu lernen. Der erste Kunde war ein Professor an der Kellogg School of Management.

Jared Smith arbeitete derweil noch bei Google als Ingenieur und war dort sehr erfolgreich. Dennoch schloss er sich dann Qualtrics an und laut Ryan ging dies mit einer Vervielfachung der Produktivität einher.

Der Partner vom bekannten Risikokapitalgeber Sequoia Capital beschrieb das Gründerteam in einem Interview wie folgt: “Ryan ist ein Go-to-Market-Experte und ergänzt die zurückhaltende Ingenieursmentalität seines Bruders. Aber sie, ihr Vater Scott und ihr Mitbegründer Stuart haben eindeutig eine gemeinsame Wertebasis” (übersetzt).

Expansion

Auf den Erfolg von Qualtrics wurden auch Investoren aufmerksam und 2008 kam es zu den ersten Aufrufen von Risikokapitalgebern. Das Unternehmen lehnte diese Angebote aber immer ab und erst 2012 gingen sie auf diese, von Sequoia Capital und Accel, im Gegenwert von 70 Mio. USD ein. Zu diesem Zeitpunkt war es das größte gemeinsame Investment der beiden Kapitalgeber. Die nächste Finanzierungsrunde startete 2014, welche zu einer Unternehmensbewertung von über 1 Mrd. USD führte. 

Börsengang

Das IPO von Qualtrics wurde 2018 geplant und man wollte erst einmal rund 200 Mio. USD an frischem Kapital einsammeln. Im November des Jahres wurde jedoch bekannt, dass der deutsche Konzern SAP das Unternehmen für 8 Mrd. USD übernehmen wird. Für SAP war es damals die zweitgrößte Übernahme aller Zeiten.

Rund 1,5 Jahre nach dem Abschluss der Akquisition erfolgte letztendlich doch noch der Börsengang, den SAP mit der guten Entwicklung von dem Geschäft von Qualtrics begründete. SAP äußerte aber die Absicht, weiterhin Mehrheitsanteile an Qualtrics zu halten. Beim Börsengang erwarb Ryan Smith Aktien im Wert von 120 Mio. USD.

Strategie, Werte und Nachhaltigkeit

Ansatz

Qualtrics setzt beim eigene Unternehmenserfolg auf fünf Aspekte, welche sie als ihren Ansatz bezeichnen. Dazu gehören u. a. die Transparenz bei allen Handlungen und die Kompromisslosigkeit, die vor allem die Überzeugung vom eigenen Produkt betont. Darüber hinaus wird die Teamarbeit und Fixierung auf den Kunden als äußerst wichtig gesehen. Den letzten Punkt bezeichnet das Unternehmen selbst als “unangepasst”, was auf den Anspruch abzielt, immer einen eigenen Weg finden zu wollen. Man möchte Konkurrenten nicht nachmachen oder “hinterherlaufen”, sondern eigene Lösungen finden.

Mitarbeiter

Zur strategischen Ausrichtung gehört auch der Anspruch, den Qualtrics an die eigenen Mitarbeiter stellt. An vielen Stellen wird deutlich, dass die Teamarbeit ein wichtiger Schlüssel für das Unternehmen ist. Der Plan ist, dass man nur die besten Leute einstellt und diese sich dann gegenseitig zu ihren Höchstleistungen antreiben. Jeder sollte sich dabei wie ein Eigentümer des Unternehmens verhalten.

Nur das beste 1 % wird eingestellt, aber dieses 1 % leistet 100 %.

Qualtrics International Inc.

Engagement

Auch gesellschaftlich engagiert sich Qualtrics u. a. in der Heilmittelentwicklung gegen Krebs. Die Bewegung “5 For The Fight” sammelt Geld (5 USD von jedem, der teilnehmen möchte) für diesen Zweck und Qualtrics verzichtet auch auf die eigene Werbung auf dem Trikot der NBA-Mannschaft Utah Jazz. Man ist zwar der Trikotsponsor von dem Verein, den Ryan Smith 2020 erwarb, aber auf dem Trikot ist das Logo von “5 For The Fight”.

Darüber hinaus unterstützt das Unternehmen Initiativen und Bewegungen gegen Rassismus (z. B. “Black Lives Matter”) oder hat auch an Pride Paraden teilgenommen. Gerechtigkeit sowie gleiche Möglichkeiten und Chancen für alle sind auch Aspekte, die Qualtrics laut eigener Aussage in der Unternehmenskultur verankert hat.

Qualtrics sieht zukünftig verstärkt auch Gemeinden usw. als Kunden und möchte mit der Möglichkeit, die die eigene Technologie bietet, gegen bestimmte soziale Missstände (bspw. Ungleichheiten im Gesundheitswesen, Menschenrechtsfragen oder Einkommensunterschiede) vorgehen. Hier sollte aber beachtet werden, dass Qualtrics dies nicht aus reinstem Engagement tut, sondern natürlich mit diesen Kunden Geld verdient.

Geschäftsmodell

Einleitung

Bereits im Juni 2021 haben wir den deutschen Softwarekonzern SAP analysiert. Qualtrics ist ein US-amerikanisches Tochterunternehmen von SAP und wurde im November 2018 für 8 Mrd. USD übernommen. Seit Anfang 2021 ist Qualtrics eigenständig unter dem Ticker NASDAQ: XM an der Börse gelistet. Das XM soll übrigens für „Experience Management“ stehen. Im Grunde ist Qualtrics eine Software für EFM. Das bedeutet Enterprise Feedback Management und ist im Grunde dafür da, um das Verhalten und die Wünsche von Kunden und Mitarbeitern zu analysieren, um Produkte sowie Dienstleistungen auf Basis von Daten zu verbessern. Darunter darf man sich jetzt aber nicht einfach ein paar stumpfe Online-Umfragen vorstellen.

Um das Geschäftsmodell von Qualtrics zu verstehen, macht es Sinn, zunächst einen Blick auf das von SAP zu werfen. Gerne kannst Du auch unsere komplette Analyse lesen, auch wenn diese noch einem älteren Analysestandard entspricht (zur Analyse von SAP). Das wichtigste Produkt des Unternehmens ist die Software SAP S/4HANA. Dabei handelt es sich um ein ERP-Programm. ERP steht für Enterprise Resource Planing und ist heutzutage aus keinem größeren Unternehmen mehr wegzudenken. Die ERP-Software ermöglicht es, sämtliche Abläufe eines Unternehmens in einer Software zu vereinen, um so eine deutlich effektivere Kommunikation der einzelnen Abteilungen zu ermöglichen. Nur als Beispiel, hier die Bereiche, die S/4HANA abdeckt:

  • Finanzen (Buchhaltung)
  • Human Resources (Personalmanagement)
  • Sourcing & Procurement (Beschaffungslogistik)
  • Supply Chain (Zulieferermanagement, Versorgungskette)
  • Manufacturing (Herstellung)
  • Marketing & Commerce (Marketing und Handel)
  • Sales (Verkäufe)
  • Service (Wartungen, Instandhaltung)
  • Asset Management (Vermögenverwaltung)
  • Research & Development (Forschung und Entwicklung)
Feedback als Ressource

All das sind wichtige Bereiche, die in jedem Unternehmen über Erfolg und Misserfolg entscheiden können. Wenn wir uns die Anwendungsbereiche anschauen, macht es umso mehr Sinn, warum SAP Qualtrics gekauft hat. Es ist nämlich die perfekte Ergänzung zu S/4HANA. Im Geschäftsjahr 2020 hat Qualtrics 3 % der gesamten SAP Umsätze generiert.

Das heutige digitale Zeitalter hat für sämtliche Verbraucher eine riesige Flut an Auswahl für Dienstleistungen und Produkte eröffnet. Das ist positiv, stellt die Unternehmen jedoch vor einige Herausforderungen. Noch nie zuvor konnten Kunden so einfach über das Internet ihre Anbieter wechseln oder bereits vor dem Kauf Bewertungen einholen. Umso wichtiger ist es für Unternehmen, die Bedürfnisse und Wünsche der Kundschaft quantitativ zu verstehen, damit Verbesserungen getroffen werden können.

Als Konzern steht man nun vor der Aufgabe, die sogenannte „Experience Gap“ zu schließen. Damit gemeint ist das verzerrte Bild, das ein Unternehmen im Vergleich zum Kunden auf das eigene Angebot hat. Jeder, der schonmal selbst unternehmerisch tätig war, kennt das Problem: Man hat ein Produkt entwickelt, am besten komplett allein, im eigenen Kopf und ist am Ende total begeistert. Doch die Nachfrage ist am Ende nicht da und man fragt sich, was denn los ist. Die Schwierigkeit hierbei ist, zu erkennen, was die Kunden wirklich wollen und für gut befinden und was das Unternehmen selbst will. Hier kommt Qualtrics als EFM-Software ins Spiel.

Kunden, Mitarbeiter, Produkt und Marke

Die Software ist so aufbereitet, dass sie vier verschiedene Bereiche für „Erfahrungen“ aufgreift, die Qualtrics als essenziell für das Kerngeschäft eines Unternehmens erachtet. In Kombination ergeben sie ein perfektes Tool, das ermöglicht sowohl Probleme bei vorhandenen Dienstleistungen und Produkten zu beheben und die Kundenzufriedenheit zu erhöhen als auch die Entwicklung neuer Produkte oder Dienstleistungen zu fördern (deren Nachfrage sich aus den Feedbacks ergibt, die aber noch nicht im Sortiment sind).

CustomerXM

Kundenfeedback: Hierbei geht es darum, ganz genau herauszufinden, was die Bedürfnisse des Marktes/zukünftiger Kunden sowie die Probleme aktueller Bestandskunden sind. So sollen mehr Kunden konvertiert werden und die Churn Rate (Absprungrate) reduziert werden. Natürliche Voraussetzung: Das Unternehmen ist bereit, die erkennbaren Probleme und Lücken zu beheben. Hierbei wird auf mehrere Datenquellen zurückgegriffen, auf die wir später nochmal genauer eingehen.

EmployeeXM

Mitarbeiterfeedback: Die Mitarbeiter sind der Kern eines jeden erfolgreichen Unternehmens. Über das Analysieren von Feedback ermöglicht Qualtrics den Führungskräften, bestimmte Probleme anzugehen. So können zurückhaltende Mitarbeiter angesteuert werden. Ein insgesamt besseres Arbeitsumfeld entsteht auf diese Weise.

ProductXM

Feedback für bestehende oder zukünftige Produkte: Die Entwicklung eines Produkts ist ein extrem kosten- und zeitaufwendiger Prozess. Oft schaffen es Unternehmen, wie bereits zuvor erwähnt, nicht, die Bedürfnisse ihrer Kunden sauber zu treffen. Bei der Produktentwicklung kann also das spezifische Einholen von Feedback und Daten von entscheidender Rolle gegenüber Konkurrenten sein.

BrandXM

Markenfeedback: Die Marke ist vor allem im digitalen Zeitalter bei zunehmender Konkurrenz, insbesondere bei Werbung und Datenflut im Internet, ein wichtiges Kernstück eines erfolgreichen Unternehmens. Der Wiedererkennungswert einer Marke bedarf in ihrem Aufbau genauer Überlegung und Strategie — auch das funktioniert nur oder zumindest besser auf Basis von verlässlichen Daten und Feedbacks.

Qualtrics/EFM-Software vs. Umfragen

Die meisten herkömmlichen Modelle für das Einholen von Kundenfeedback laufen so ab: Kunden kaufen ein Produkt und sollen dieses danach bewerten. Ein perfektes Beispiel dafür ist Trustpilot. Da wir keine EFM-Software haben, greifen wir übrigens auch auf dieses „klassische“ Modell zurück — wenn Du möchtest, hinterlasse uns also gerne eine ehrliche Rezension auf Trustpilot.

Das Problem dieser Methode ist, dass sich meistens vor allem auf das Interagieren mit Kunden konzentriert wird, sprich die meisten Unternehmen sind damit beschäftigt, ihre Kunden mit Nettigkeit zu besänftigen, anstatt proaktiv für die Zukunft bessere Produkte und Dienstleistungen zu schaffen. Qualtrics gibt nicht nur einen einfachen Score für Kundenzufriedenheit, wie z. B. Trustpilot mit 1-5 Sternen, sondern eröffnet automatisch datenbasierte Schritte, die das Unternehmen einleiten kann, um sich zu verbessern.

Jeder Mitarbeiter des Unternehmens hat Zugriff auf ein einfach zu benutzendes Interface, das für die jeweilige Abteilung zugeschnitten ist. Hier greifen wir also wieder auf ähnliche Einzelbereiche zurück, wie auch schon bei der Aufteilung von SAP S/4HANA.

Schaffen von verwendbaren Datensätzen

Listening Engine

Die Software sammelt Datensätze aus allen zur Verfügung stehenden Quellen. Sowohl von aktiv aufgeforderten Kunden als auch unaufgefordert über Algorithmen. Es werden Facebook, Instagram, WhatsApp, Twitter und andere soziale Netzwerke gescannt, primär auf den Seiten der Unternehmen, um insgesamte Stimmungslagen von Mitarbeitern und Kunden zu scannen. Auch IoT-Systeme wie Alexa oder Smartwatches werden ausgelesen. Daten aus vielen Drittanbieter-Softwares können gesammelt werden. Sogar unternehmensinterne Video- und Telefonanrufe werden in Echtzeit ausgelesen, um auf groß skalierbaren Datensätzen Feedback zu sammeln.
Nicht ohne Grund stehen EFM-Systeme immer wieder in der Kritik, eher für den CIA als für Unternehmen gebaut worden zu sein.

iQ Smart Analysis

Über künstliche Intelligenz und Big Data werden alle zur Verfügung stehenden Quellen ausgelesen und intelligent analysiert, sodass sie am Ende praktisch nutzbar werden. So werden in Echtzeit sämtliche Unternehmensprozesse analysiert und Führungsmitarbeiter informiert, wenn die Qualtrics bspw. die Änderung eines Angebotsbundles empfiehlt. 

Experience Workflows

Die Alarme und Datensätze, inklusive Handlungsempfehlungen, werden automatisch an die jeweiligen Abteilungen und Mitarbeiter weitergeleitet.

XM Directory

Hier werden alle Daten zusammengefügt und einzelnen Mitarbeitern, Kunden oder Gruppen zugeordnet. So kann für alle beteiligten ein verbessertes Erlebnis geschaffen werden.

Burggraben

Dass Qualtrics mit SAP eines der weltweit größten Softwareunternehmen als Großaktionär hat, sehen wir durchaus als Beitrag zum Burggraben an. Im Kapitel zu den Chancen und Risiken gehen wir näher auf die positiven Effekte ein, welche diese Partnerschaft mit sich bringt.

Für Qualtrics spricht auch der stetige Ausbau der Kundenanzahl, welche sich im letzten Geschäftsjahr auf über 13.500 belief. Wie in Abbildung 7 zu erkennen, vertrauen viele etablierte Marken wie Spotify, BMW, Coca Cola oder Activision den Lösungen. Darüber hinaus ist die Software des Unternehmens universell einsetzbar, denn die Kunden entstammen den unterschiedlichsten Branchen, von denen keine für mehr als 15 % der Erlöse verantwortlich ist.

Einen weiteren Faktor stellt das Partnernetzwerk dar, das aus mehr als 200 Beratungs- und Technologieunternehmen besteht, die das Angebot von Qualtrics bereichern. Das Management verspricht sich hierdurch eine ausgedehnte Vertriebsreichweite sowie eine Verbesserung der Kundenbindung.

Porters Five Forces

Nachstehend führen wir die Branchenstrukturanalyse nach Michael E. Porter durch. Diese dient einer Einordnung von externen Kräften, welche auf die Unternehmen einer Branche einwirken. Unsere Skala reicht hierbei von 0 bis 5. Je besser Qualtrics aufgestellt ist, desto höher ist die Punktzahl, die wir vergeben.

Externe Kraft Stärke Begründung
Rivalität unter bestehenden Wettbewerbern 3/5 Nach eigenen Angaben ist Qualtrics das größte Unternehmen, welches sich allein auf Experience Management Software fokussiert. Durch Abbildung 13 wird die Beliebtheit der Software bei Marktforschern verdeutlicht. Außerdem sind die meisten Kunden vertraglich ein Jahr oder länger gebunden. Dass es sich XM noch um eine junge und schnell wachsende Softwarekategorie handelt, verringert die Rivalität unter bestehenden Wettbewerbern ein wenig. Denn im Gegensatz zu stagnierenden Branchen müssen die Mitbewerber der Konkurrenz nicht zwangsläufig Marktanteile abnehmen, um weiteres Wachstum zu realisieren.
Bedrohung durch neue Wettbewerber 2/5 Der Markt für Experience Management Software bietet auch für große Konzerne, welche sich nicht von den Eintrittsbarrieren aufhalten lassen, attraktive Wachstumschancen. Daher sollte eine zunehmende Bedrohung durch neue Wettbewerber nicht ausgeschlossen oder unterschätzt werden.
Verhandlungsmacht der Lieferanten 5/5 Beim Geschäftsmodell von Qualtrics lassen sich im Grunde keine Lieferanten identifizieren. Das Unternehmen entwickelt die Software intern und schließt direkte Verträge mit seinen Kunden ab. Daher vergeben wir die volle Punktzahl.
Verhandlungsmacht der Kunden 3/5 Qualtrics besitzt eine beachtliche Kundenbasis, zu welcher mehr als 85 % der 100 umsatzstärksten Unternehmen aus den USA zählen. Für eine eher niedrige Verhandlungsmacht dieser Kunden spricht, dass Qualtrics zwischen 2016 und 2020 die Bruttomarge von 68,01 % auf 74,00 % ausbauen konnte. Daher überwiegt unserer Meinung nach die Preissetzungsmacht von Qualtrics.
Bedrohung durch Ersatzprodukte 3/5 Die Kundenzufriedenheit auf einem hohen Niveau zu halten, ist essentiell für das Geschäft vieler Unternehmen. Laut einer Studie von NTT Data sind 53,8 % aller CEOs weltweit der Ansicht, dass es sich bei den Kundenerfahrungen um einen primären Faktor zur Differenzierung von der Konkurrenz handelt. Daher ordnen wir die Bedrohung durch Ersatzprodukte als eher gering ein.

Geschäftsführung

Ryan Smith

Ryan Smith ist 44 Jahre alt, der ursprüngliche Gründer von Qualtrics, und nimmt heute die Rolle als Executive Chairman bei dem Milliardenkonzern ein, den er führend mit aufgebaut hat. Da Smith nach dem Studium direkt in seinem eigenen Unternehmen durchstartete, verfügt er über keine nennenswerten Erfahrungen außerhalb von Qualtrics — der Aufbau eines solchen Unternehmens spricht allerdings für sich. Von Dezember 2002 bis Juli 2020 war Smith als CEO bei Qualtrics tätig.

Die Initiative “5 For The Fight”, welche sich für den Kampf gegen Krebs einsetzt, hat Smith ebenfalls mitbegründet. Seit Ende 2020 ist er in der Öffentlichkeit zudem als Besitzer des NBA-Vereins Utah Jazz bekannt.

Sehr zu empfehlen sind einige Interviews mit Ryan Smith, die man kostenlos auf YouTube ansehen kann: Ein Beispiel wäre das hier. Man merkt deutlich, dass der Mitbegründer eine genaue Vision hat bzw. auch schon vor rund 20 Jahren hatte, die er stets mit einem klaren Plan verfolgt. Sein Erfolg spiegelt sich auch darin wider, dass er es 2016 in die “40 Under 40”-Liste von Fortune schaffte — dies sind die einflussreichsten Führungspersonen unter 40 Jahren.

2. Fundamentale Ansicht

Kennzahlen

Aktienfinder
Aktienfinder

Die Prognosen aus diesem Abschnitt werden vom Aktienfinder zur Verfügung gestellt.

Umsatz

Entwicklung

Von den Unternehmen, welche wir bisher analysiert haben, ist Qualtrics ohne Frage eines der wachstumsstärksten. In den letzten fünf Jahren konnte eine jährliche Steigerung der Erlöse i. H. v. 41,47 % verzeichnet werden. Als Wachstumstreiber kann neben der internationalen Expansion, die Akquisition neuer Kunden identifiziert werden. Als besonders wichtig erachtet Qualtrics die Anzahl großer Kunden, welche mehr als 100.000 USD an jährlich wiederkehrenden Erlösen generieren. Seit 2018 konnte diese von 720 auf 1.388 im letzten Geschäftsjahr ausgebaut werden.

Die Hygienevorschriften beeinträchtigten Qualtrics dahingehend, dass einige Projekte verschoben werden mussten, wodurch eine gewisse Höhe an Erlösen nicht realisiert werden konnte. Der Umsatzentwicklung in 2020 zufolge, scheint die Corona-Pandemie dem operativen Geschäft des Unternehmens insgesamt nicht zu schaden. Darauf werden wir im Kapitel zu den Chancen und Risiken näher eingehen.

Bis 2023 erwarten die Analysten, dass Qualtrics die historische Umsatzentwicklung nicht halten können wird. Dennoch sollen die Erlöse sich mehr als verdoppeln und mit 29,22 % pro Jahr wird das Wachstum die meisten anderen Unternehmen aus der Cloud-Branche übertreffen.

Umsatzverteilung nach Segmenten

Bisher besitzt Qualtrics zwei verschiedene Einkommensströme. Zum einen schließt das Unternehmen mit Kunden, die Softwareangebote nutzen wollen, individuelle Verträge. Mehr als 99 % dieser Verträge haben eine Laufzeit von mindestens einem Jahr. Die daraus resultierenden Erlöse sind wiederkehrend und werden dem Segment Subscription zugeordnet.

Dieses Angebot wird durch das Segment Professional Services and Other ergänzt. Hierzu zählen u. a. Recherchedienstleistungen, welche Qualtrics bestehenden Subscription-Kunden anbietet, um nützliche Marktinformationen zu sammeln. Die sonstigen Dienstleistungen umfassen Beratungen und Schulungen und werden neuen und expandierenden Kunden zur Unterstützung angeboten.

Der langfristige Plan des Managements zielt darauf ab, die Aktivitäten des letzteren Segments zunehmend von Unternehmen des zuvor erläuterten Partnernetzwerks erledigen zu lassen. Infolgedessen soll der Anteil an den Umsätzen von Qualtrics rückläufig sein. Dies ergibt insofern Sinn, da mit Softwareabonnements deutlich höhere Margen erzielt werden können: Während die Bruttomarge von Professional Services and Other in den letzten zwölf Monaten lediglich 27,81 % betrug, lag diese innerhalb des Subscription-Segments bei 89,11 %.

Umsatzverteilung nach Regionen

Qualtrics ist weltweit aktiv und besitzt Kunden in über 100 Ländern auf der Welt sowie u. a. Büros in Großbritannien, Australien, Frankreich, Deutschland und Japan.

Für das Unternehmen steht immer noch das Heimatland als wichtigster Absatzmarkt im Vordergrund, denn hier erwirtschaftete das Unternehmen im letzten Geschäftsjahr 72,33 % der Erlöse. Der internationale Anteil belief sich dementsprechend auf 27,67 %. Außerdem war in 2020 kein anderes Land außer den USA für mehr als 10 % der Umsätze verantwortlich. Eine detailliertere Aufschlüsselung wird von Qualtrics nicht zur Verfügung gestellt.

Seit 2016 hat sich die Umsatzverteilung nach Regionen zugunsten internationaler Erlöse entwickelt: Deren Anteil konnte in diesem Zeitraum um mehr als 40 % ausgebaut werden. Auch zukünftig sieht das Management großes Wachstumspotenzial außerhalb der USA und will das Engagement ausbauen.

EBIT und Konzerngewinn

Von den nebenstehenden Prognosen haben lediglich die Nettoverluste eine Aussagekraft, da für das EBIT nur um Sondereffekte bereinigte Zahlen recherchiert werden konnten.

Bei der Betrachtung der Geschäftsergebnisse können die einzelnen Jahre nicht ohne weiteres miteinander verglichen werden. Während sich die Verluste zwischen 2016 und 2018 in Grenzen hielten bzw. Qualtrics in 2017 sogar einen kleinen Gewinn erwirtschaften konnte, wurde in 2019 ein Anstieg des Fehlbetrags auf 1.007,63 Mio. USD verzeichnet. Dies ist auf die Akquisition durch SAP zurückzuführen, welche im Januar 2019 abgeschlossen wurde.

In Folge der Übernahme wurden diverse Bedingungen für leistungsbasierte Aktienvergütungen erfüllt, die zu hohen Aufwendungen führten. Um diese Kosten bereinigt, investiert Qualtrics das meiste Geld in Vertrieb und Marketing sowie in Forschung und Entwicklung.

In den kommenden Geschäftsjahren wird Qualtrics von den Aufwendungen für Aktienvergütungen weiterhin beeinträchtigt werden. Für 2021 wird daher zunächst ein erneuter Anstieg der Nettoverluste erwartet, welche in den Folgejahren jedoch abnehmen sollen.

Margen

Um den Kunden die gewünschte Software zu Verfügung zu stellen, fallen sehr geringe Kosten an.  Dementsprechend erwirtschaftet Qualtrics analog zu den meisten Unternehmen, deren Fokus auf Cloud-Dienstleistungen liegt, sehr hohe Bruttomargen. In den letzten vier Quartalen lagen diese mit 74,84 % auf Augenhöhe von Konzernen wie Salesforce oder Servicenow. Das Management erwartet langfristig moderat ansteigende Bruttomargen, für welche jedoch keine exakten Prognosen recherchiert werden konnten.

Dass die Verluste von Qualtrics in der Vergangenheit stark angestiegen sind, spiegelt sich natürlich in den Gewinnspannen wider, die in 2019 aufgrund der erläuterten Faktoren sogar bei mehr als -100 % lagen. Für das laufende Geschäftsjahr ist erneut mit einer Verschlechterung der Nettomarge zu rechnen. Im Anschluss prognostizieren die Analysten jedoch eine stetige Verbesserung. Das Management von Qualtrics erwartet in der kurzfristigen Perspektive zwar weiterhin schwankende Margen, rechnet jedoch langfristig mit einem Rückgang der operativen Aufwendungen in Relation zu den Erlösen.

Dividendenpolitik

Qualtrics ist ein aufstrebendes Unternehmen, welches defizitär wirtschaftet und viel Geld für den Ausbau des operativen Geschäfts benötigt. Demnach wird keine Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet. Da sich Qualtrics voraussichtlich noch einige Jahre in diesem Entwicklungsstadium befinden wird, sollten die Anteilseigner auf absehbare Zeit nicht mit Gewinnausschüttungen rechnen.

Historische Kennzahlen

Da die Aktien von Qualtrics erst seit Januar diesen Jahres börsennotiert sind, kann keine Betrachtung der historischen Multiples erfolgen. Daher fokussieren wir uns im Anschluss auf die aktuelle und erwartete Bewertung des Unternehmens. 

KUV

In Bezug auf die letzten vier Quartale wird Qualtrics mit dem 21,67-fachen Jahresumsatz bewertet. Aufgrund des starken prognostizierten Wachstums sinkt das erwartete KUV bis 2023 auf 12,79 ab.

Als Anhaltspunkt für historische Multiples von Qualtrics kann die Akquisition durch SAP herangezogen werden, welche im November 2018 bekanntgegeben wurde. In diesem Jahr erwirtschaftete Qualtrics einen Jahresumsatz i. H. v. 401,91 Mio. USD. Das fiktive Kurs-Umsatz-Verhältnis zum Zeitpunkt der Übernahme lag somit bei 19,91.

KGV

Da Qualtrics sowohl in den letzten vier Quartalen als auch in den nächsten drei Jahren Fehlbeträge ausgewiesen hat, bzw. voraussichtlich ausweisen wird, liegt das aktuelle und erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis stets im negativen Bereich und schwankt zwischen -21 und -28.

KBV

Das Eigenkapital, bzw. der Buchwert, von Qualtrics ist vergleichsweise gering. Die Ursachen hierfür und wie dieser Umstand einzuordnen ist, wird im weiteren Verlauf der Analyse erläutert. Jedenfalls führt dies bei der Betrachtung des KBVs zu sehr hohen Werten. In Bezug auf das letzte Quartal, welches am 30. September diesen Jahres endete, liegt das Multiple derzeit bei 1.114,31.

Die Analysten prognostizieren, dass der Buchwert von Qualtrics zum Ende des laufenden Geschäftsjahres sowie in 2022 negativ sein wird. Infolgedessen befindet auch das erwartete KBV im negativen. In Bezug auf den aktuellen Kurs beläuft sich das Multiple in 2023 auf 361,22.

Einordnung nach Peter Lynch

Qualtrics ist ohne Zweifel als Fast Grower einzustufen. Die Analysten prognostizieren, dass das Unternehmen gemessen am Umsatz bis 2023 um fast 30 % pro Jahr wachsen wird. Darüber hinaus investiert Qualtrics viel Geld in das operative Geschäft, um weitere Kunden zu akquirieren und die Softwareprodukte fortlaufend zu verbessern.

Fundamentales Wir Lieben Aktien-Rating

Für die nachfolgende Ermittlung unseres Ratings haben wir nicht auf die Schätzungen für das bereinigte EBIT zurückgegriffen, sondern damit kalkuliert, dass sich die operativen Verluste analog zu den negativen Konzerngewinnen entwickeln werden.

Dass Qualtrics im betrachteten Zeitraum stets unprofitabel war und auch in den nächsten Jahren sein wird, wirkt sich negativ auf das fundamentale Wir Lieben Aktien-Rating für Fast Grower aus. Hier erzielt das Unternehmen lediglich 3 von 10 Punkten.

3. Konkurrenzvergleich und Branchenanalyse

Allgemeine Infos über die Branche

Gesamter Softwaremarkt

Für die nachfolgende Branchenanalyse wollen wir zunächst auf die Entwicklung des gesamten Softwaremarktes eingehen. In den letzten fünf Jahren wuchs dieser mit 6,29 % pro Jahr zwar relativ langsam, dafür aber sehr beständig. In 2020 erreichten die weltweiten Erlöse 532,49 Mrd. USD.

Der größte Bestandteil des Marktes ist Enterprise Software. Damit sind sämtliche Lösungen gemeint, welche in Unternehmen zum Einsatz kommen (z. B. ERP-Software). Diesem Bereich ist auch das Softwareangebot von Qualtrics zuzuordnen.

Bis 2025 wird prognostiziert, dass das Wachstum des allgemeinen Marktes ungefähr auf dem aktuellen Niveau bleiben wird. Mit 9,39 % pro Jahr soll bei Enterprise Software die größte Steigerung erreicht werden.

Software as a Service

In Kontrast zum gesamten Softwaremarkt ist die historische und erwartete Entwicklung von Software as a Service interessant. Zwischen 2015 und 2022 weist das entsprechende Marktvolumen ein Wachstum i. H. v. 27,16 % auf. Dieses soll im nächsten Jahr 171,90 Mrd. USD erreichen.

Daraus lässt sich schließen, dass Unternehmen ein zunehmendes Interesse daran haben, die Software sowie die benötigte IT-Infrastruktur über das Internet zu beziehen.

Überblick über die Konkurrenz

In der Abbildung 29 ist das aktuelle KUV sowie das erwartete Umsatzwachstum ausgewählter Unternehmen der Cloud-Branche abgebildet, um das Multiple von Qualtrics besser einordnen zu können.

Gemessen an dem Umsatzvielfachen ist Qualtrics das Unternehmen mit der dritthöchsten Bewertung. Nach Cloudflare und Twilio, deren erwartetes Umsatzwachstum an fast 40 % pro Jahr heranreicht, kann das Tochterunternehmen von SAP aber auch die dynamischste Entwicklung der Erlöse aufweisen.

Die direkten Konkurrenten von Qualtrics werden nachfolgend näher betrachtet.

Kennzahlen

Im folgenden Konkurrenzvergleich kann Qualtrics am besten mit Sprinklr verglichen werden. Denn die Geschäftstätigkeit von Zendesk erstreckt sich auch über andere Bereiche. Spätestens mit der Übernahme von Momentive (ehem. SurveyMonkey) ist das  Unternehmen jedoch zum Konkurrenten von Qualtrics geworden. Der Fokus von Adobe liegt zwar nicht in der Software für Experience Management, dennoch sollte der Konzern nicht vernachlässigt werden.

Unternehmen Qualtrics Sprinklr Zendesk Adobe
WKN / ISIN A2QLPC / US7476012015 A3CS1J / US85208T1079 A1115T / US98936J1016 871981 / US00724F1012
Mitarbeiter*innen 4.100 2.469 5.450 25.000
Hauptsitz Provo, USA New York, USA San Francisco, USA San José, USA
Marktkapitalisierung 21,09 Mrd. USD 4,80 Mrd. USD 12,55 Mrd. USD 312,89 Mrd. USD
Umsatz 973,16 Mio. USD 430,12 Mio. USD 1,25 Mrd. USD 15,10 Mrd. USD
Umsatzwachstum (letzten 5 Jahre) 41,47 % p. a. 19,32 % YoY 34,59 % p. a. 21,76 % p. a.
Erwartetes Umsatzwachstum (nächsten 3 Jahre) 29,22 % p. a. 21,43 % p. a. 26,07 % p. a. 17,45 % p. a.
Bruttomarge 74,84 % 69,22 % 78,74 % 88,17 %
EBIT -758,70 Mio. USD -65,75 Mio. USD -173,40 Mio. USD 5,52 Mrd. USD
EBIT Marge -77,96 % -15,29 % -13,91 % 36,53 %
KUV 21,67 11,17 10,07 20,72
KGV -27,61 -59,35 -54,14 53,59
KBV 1114,31 8,99 26,80 21,71
Eigenkapitalquote 1,31 % 62,71 % 20,17 % 55,13 %
Nettoverschuldung -85,38 Mio. USD -546,93 Mio. USD 152,20 Mio. USD -2,04 Mrd. USD

Auf das Wachstum und die Bewertung der vorliegenden Unternehmen sind wir beim Überblick über die Konkurrenz bereits eingegangen.

Für erwähnenswert halten wir außerdem die Kapitalstruktur der Konzerne. Denn mit einer Eigenkapitalquote i. H. v. 1,31 %, scheint Qualtrics nicht sehr solide finanziert zu sein. Die Kennzahl wird jedoch durch zwei Faktoren verzerrt:

Erstens werden akkumulierte Gewinne und Verluste innerhalb des Eigenkapitals in der Bilanz erfasst. Jahresüberschüsse stärken demnach das Eigenkapital, während Jahresfehlbeträge es schwächen. Dass Qualtrics seit der Gründung in fast jedem Jahr nicht profitabel war, wirkt sich somit negativ auf die Kennzahl aus.

Zweitens führt das Geschäftsmodell von Qualtrics zu einer erhöhten Summe an Fremdkapital. Wie zuvor beschrieben, erwirtschaftet das Unternehmen den größten Anteil der Erlöse durch das Subscription-Segment. Die Gebühren für das gewünschte Softwareabonnement stellt Qualtrics seinen Kunden jährlich in Rechnung. Der entsprechende Betrag wird jedoch nicht unmittelbar in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst, sondern linear über die Vertragslaufzeit. Dies führt zu abgegrenzten Umsätzen in der Bilanz, welche dem Fremdkapital zuzuordnen sind. Erschwerend kommt hinzu, dass die Erlöse aus dem Segment Professional Services and Other ebenfalls den abgegrenzten Umsätzen zugerechnet werden, bis Qualtrics die vereinbarte Dienstleistung erbracht hat. 

Positiv anzumerken ist, dass Qualtrics durch die Emission junger Aktien im Rahmen des Börsengangs frisches Eigenkapital einnehmen und die finanzielle Position stärken konnte. Außerdem lässt sich anhand der Nettoverschuldung feststellen, dass das Unternehmen kein Verschuldungsproblem hat, denn Qualtrics könnte die gesamten verzinsten Schulden mit dem vorhandenen Cashbestand tilgen und würde immer noch über liquide Mittel i. H. v. 85,38 Mio. USD verfügen.

Performance seit IPO

Seit dem IPO von Qualtrics im Januar 2021 hat sich die Aktie zwar besser als Zendesk, aber schlechter als Sprinklr und Adobe entwickelt. Allerdings ist der zugrundeliegende Zeitraum von der Länge auch nicht wirklich repräsentativ.

4. Chancen und Risiken

Chancen

SAP als Großaktionär und Kooperationspartner (1)

In Folge des Börsengangs im Januar diesen Jahres wurde Qualtrics zwar von SAP ausgegliedert, jedoch bleibt der deutsche Softwarekonzern als Großaktionär bestehen. Denn zum Ende des letzten Quartals am 30. September 2021 belief sich die Anzahl ausstehender Aktien von Qualtrics auf 541,23 Mio. Stück, welche sich auf 118,06 Mio. börsennotierte A-Aktien und 423,17 Mio. nicht börsennotierte B-Aktien aufteilen. Letztere werden zu 100 % von SAP gehalten. Der Unterschied dieser Aktiengattungen liegt im Stimmrecht: Während eine A-Aktie genau eine Stimme verbrieft, sichert eine B-Aktie dem Inhaber das zehnfache Stimmrecht zu. Demnach wird Qualtrics de facto immer noch von SAP kontrolliert.

Diesen Umstand sehen wir aber eher als Chance für Qualtrics. Denn SAP fungiert nicht nur als Großaktionär, sondern auch als Kooperationspartner. Durch diese Zusammenarbeit wurde es Qualtrics ermöglicht, viele Unternehmenskunden auf der ganzen Welt zu akquirieren und somit die internationale Expansion zu beschleunigen. Außerdem arbeiten die Konzerne fortlaufend daran, neue Softwarelösungen zu entwicklen und diese gemeinsam zu vertreiben. Das Netzwerk von SAP sollte also auch zukünftig weiteres Wachstum für Qualtrics ermöglichen.

Langfristiger Wachstumsschub durch die Corona-Pandemie (2)

Durch die Umsatzentwicklung von Quartal zu Quartal lässt sich darauf schließen, dass die Corona-Pandemie dem operativen Geschäft von Qualtrics nicht geschadet hat, denn die Erlöse konnten in jeder Periode gesteigert werden.

Das Management ist der Ansicht, dass das Virus die Akzeptanz von „digitalen Geschäften“ beschleunigt hat und künftig eine höhere Anzahl an Konsumenten online aktiv sein wird: Dies sollte einen zunehmenden Bedarf an Softwarelösungen im Experience Management Bereich zur Folge haben.

Allgemein wird der CXM-Software ein starkes Wachstum vorausgesagt. Wie in Abbildung 31 dargestellt, lag das Markvolumen laut Grand View Research in den USA in 2018 bei 1,90 Mrd. USD. Ausgehend von dieser Basis soll bis 2028 eine jährliche Steigerung i. H. v. 30,44 % auf 27,10 Mrd. USD realisiert werden.

Risiken

Marketingaufwendungen als mehrjährige Belastung (1)

Eintrittswahrscheinlichkeit: mittel
Auswirkung: mittel

Da es sich bei Experience Management um eine vergleichsweise junge Softwarekategorie handelt, war Qualtrics bisher nicht in der Lage, einen hohen Bekanntheitsgrad zu erlangen. Dementsprechend sieht sich das Unternehmen nach wie vor dazu gezwungen, hohe Beträge in Vertrieb und Marketing zu investieren. Mehr als die Hälfte der gesamten Betriebsaufwendungen im letzten Geschäftsjahr sind darauf zurückzuführen.

Um das Markenbewusstsein weiterhin zu stärken, plant der Vorstand in den kommenden Jahren die Investitionen dahingehend auszubauen. Gelingt dies nicht wie geplant, so ist durchaus ein Szenario in Betracht zu ziehen, in dem Qualtrics noch einige Jahre überproportional durch Marketingaufwendungen belastet werden wird. Die entsprechende fundamentale Auswirkung ist als mittelschwer einzustufen.

Konflikt mit SAP (2)

Eintrittswahrscheinlichkeit: niedrig
Auswirkung: hoch

Auf die Geschichte und die Beziehung zwischen Qualtrics und SAP sind wir bereits umfangreich eingegangen. Insgesamt bewerten wir die Partnerschaft positiv. Daraus ergibt sich jedoch auch das Risiko, dass die beiden Unternehmen in Konflikt miteinander geraten. Dies würde die Aktivitäten von Qualtrics, im Vertrieb und Marketing, erheblich beeinträchtigen. Theoretisch dürfte SAP sogar eigene Softwarelösungen für Experience Management entwickeln und mit ihrem Tochterunternehmen konkurrieren. Die fundamentale Auswirkung ist demnach als hoch einzuordnen.

Dass dieses Szenario eintritt, sehen wir jedoch als sehr unwahrscheinlich an, denn SAP hat für die Akquisition eine Menge Geld in die Hand genommen und ist immer noch mit Abstand der größte Aktionär von Qualtrics. Daher hat der deutsche Softwarekonzern selbstverständlich Interesse an der positiven Entwicklung seines Tochterunternehmens.

5. Unsere Bewertung

Der fiktive Eigenkapitalzins

Qualtrics ist im Softwarebereich tätig. Der Markt an sich ist im Verhältnis nicht stark zyklisch. Wir gehen daher mit einem Abzinsungsfaktor von 8 % vor. Einen Sicherheitszuschlag erteilen wir für die derzeitige unsichere Zukunft der Profitabilität. Allerdings sehen wir SAP hier als starken Partner, weswegen der Zuschlag „nur“ mit 1,50 % gewichtet wird.

Für das Eigenkapital erhöhen wir den Zinssatz ebenfalls um 2 %. Auf dem Papier ist das Eigenkapital nämlich negativ. Allerdings besteht keine Nettoverschuldung im Verhältnis zu den verzinsten Schulden, weswegen auf größere Zuschläge verzichtet wird.

Der gesamte Zinssatz beträgt damit 11,50 %.

Optimistisches Szenario

Wir kalkulieren damit, dass Qualtrics die Umsätze bis 2025 auf bis zu 2,78 Mrd. USD steigern kann. Danach gehen wir immer noch von einem sehr dynamischen Wachstum von 20-25 % pro Jahr aus.

Die EBIT Marge soll ebenfalls kontinuierlich gesteigert werden. 2031 rechnen wir dann mit einer operativen Gewinnspanne von 27 %, was relativ üblich ist für Softwarekonzerne.

Trotz dieser Bewertung, nach recht positiv kalkulierten Annahmen, kommt Qualtrics nur auf einen fairen Wert je Aktie von 28,68 USD. Interessant ist, dass wir hierbei nicht kalkuliert haben, dass die Anzahl der ausstehenden Aktien weiter steigt. Würde man dies ebenfalls berücksichtigen, wäre der Wert noch geringer.

Insgesamt kommt dadurch eine Überbewertung von rund 36 % zustande.

Geht man von einem KGVe 2031 von rund 27 aus, so kommt man auf eine Renditeerwartung von rund 7,70 % pro Jahr.

Pessimistisches Szenario

Da wir so selbst im optimistischen Fall auf keine starke Renditeerwartung stoßen, nehmen wir hier kein pessimistisches Szenario vor.

Unsere Einschätzung

Für mich (Christian) besteht aus der fundamentalen Datenlage heraus, kein Bedarf die Aktie separat zu kaufen. In meinem Depot ist SAP sehr groß vertreten, wodurch ich selbst indirekt in Qualtrics investiert habe. Da ich selbst die positiven Annahmen in unserer Kalkulation für recht ambitioniert halte, rechne ich eher mit einer Renditeerwartung von rund 6 % pro Jahr zum aktuellen Einstiegszeitpunkt.

Natürlich kann man auch komplett andere Meinungen vertreten und Qualtrics könnte rund 10-12 % pro Jahr abliefern. Hierfür haben wir in der Excel zwei Alternativen aufgezeigt. Zum einen zeigen wir, welche Profitabilität (Alternative 1) bzw. welche Wachstumsraten (Alternative 2) Qualtrics unserer Meinung nach leisten müsste, um diese Erwartung zu erfüllen.

Die genaue Berechnung kann der Exceltabelle durch einen Klick entnommen werden. 

6. Technische Ansicht

Charttechnische Trendeinordnung

Da der Börsengang von Qualtrics erst Anfang des Jahres 2021 erfolgte, kann keine Aussage über den langfristigen Trend getroffen werden. Von der Rangordnung folgt somit der mittelfristige Trend, welcher hier die höchste Priorität hat.

Übersicht

Mittelfristig

Mittelfristig ist ein Aufwärtstrend aktiv, welcher nun seit einigen Wochen leicht abwärts korrigiert. Das Ausmaß der Korrektur ist in Anbetracht der vorherigen Aufwärtstrendbewegung durchaus angemessen.

Kurzfristig

Kurzfristig ist das Ausmaß der Korrektur genauer erkennbar, welche sich in einer abwärtsgerichteten Struktur widerspiegelt. In der letzten Woche wurde der Abwärtstrend noch einmal beschleunigt

Aussicht

Die abwärtsgerichtete Korrektur reicht nun zwar erneut in eine Unterstützungszone herein, aber dies ist nicht der relevanteste Kursbereich. In jedem Fall sollte eine Stabilisierung abgewartet werden, welche derzeit noch nicht vorliegt. Übergeordnet ist der Widerstandsbereich bei rund 49 USD wichtig — diesen müssen die Käufer überbieten, um den übergeordneten Aufwärtstrend fortzusetzen.

Technisches Wir Lieben Aktien-Rating

Das technische Wir Lieben Aktien-Rating zielt generell auf die Bewertung einer Aktie aus technischer Sicht in einer langfristigen Perspektive ab. Die nötige Historie liegt bei Qualtrics nicht vor, weshalb einige Punkte für die Trendstabilität und den langfristigen Trend erst gar nicht erreicht werden können.

Aktuell kann Qualtrics deshalb keine Punkte in den ersten drei Kategorien erzielen. Sollte das positive Szenario mit dem Ausbruch über den rot markierten Widerstandsbereich eintreten (in Aussicht beschrieben), dann sichert sich die Aktie aber beide Punkte aus dem Sektor “Volumen” und auch einen Punkt für die Trendstabilität. Da die mittelfristige Trendstruktur bereits jetzt aber gesund ist und das Rating das unterrepräsentiert, erhält Qualtrics einen Ausgleichspunkt. Nach einem Ausbruch wären es dann mindestens vier bis fünf Punkte — mehr geht aktuell auch gar nicht aufgrund der fehlenden Historie!

7. Fazit

Nach Angaben von Qualtrics führt eine einzige schlechte Erfahrung dazu, dass 70 % der Kunden den Anbieter wechseln. Qualtrics hilft mit ihrer Experience Management Software, dies zu vermeiden. Die Lösungen des Unternehmens stoßen daher auf eine große Nachfrage.

Interessierte Investoren sollten sich den Wachstumserwartungen bewusst sein, welche der Markt in das Unternehmen hat. Werden diese verfehlt, so ist mit entsprechenden Kurseinbrüchen zu rechnen. Da Qualtrics noch einige verlustreiche Jahre vor sich haben wird, kann auch die Emission weiterer Aktien nicht ausgeschlossen werden, wodurch der Anteil bestehender Anteilseigner verwässert werden würde.

Die aktuelle Korrektur bei Qualtrics ist als gesund einzustufen und der Aufwärtstrend ist intakt. Sollte es zu einem nachhaltigen Ausbruch kommen, dann wird der Trend automatisch wieder bestätigt.

Autoren dieser Analyse: 

Christian Lämmle
Christian Lämmle

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