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Sherwin-Williams Aktie Analyse

NYSE: SHW // Analyse vom 20.11.2022

Von Jan Fuhrmann und Christian Lämmle

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Sherwin-Williams kaufen? | Aktienanalyse | WKN: 856050 | ISIN: US8243481061 | Ticker: SHW (NYSE)

Sherwin-Williams entwickelt, produziert und vertreibt Lacke, Farben und ähnliche Produkte und ist in diesem Bereich einer der weltweiten Marktführer, auch wenn das Unternehmen hierzulande eher Wenigen bekannt sein dürfte. Farben und Lacke zum Schutz von Oberflächen sind in vielen Bereichen des heutigen Lebens unverzichtbar geworden – auch dank Sherwin-Williams, die im Jahr 1875 die erste fertig gemischte Farbe entwickelten und verkauften. Zuvor mussten die Pigmente und Grundstoffe noch einzeln erworben und gemischt werden.

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KapitelTimestamp
Einleitung, Historie, Aktionärsstruktur, Werte und Nachhaltigkeit 00:00:00
Geschäftsmodell, Burggraben und Geschäftsführung00:10:11
Fundamentale Kennzahlen00:23:20
Branche & Konkurrenz00:32:50
Chancen, Risiken, Bewertung, Technische Analyse00:42:03

Kurzportrait

Sherwin-Williams ist der Spezialist im Bereich der Farben und Lacke schlechthin. Seit der Gründung im Jahr 1866 sorgte das Unternehmen für zahlreiche Innovationen in der eigenen Branche und schafft es trotz des Alters, auch heute noch ein stattliches Umsatzwachstum zu erreichen.

Nachdem 1885 die erste Ausschüttung an Investoren erfolgte, hat der Konzern die Dividende nun seit über 40 Jahren stetig erhöht. Dies spricht ebenfalls für die Qualität, aber auch enorme Stabilität von Sherwin-Williams.

Charttechnisch wird dieses positive Bild noch einmal unterstützt, denn Sherwin-Williams steigt seit Jahrzehnten mit einer gleichmäßigen Trendgeschwindigkeit.

Die Analyse bezieht sich auf den Kenntnisstand unserer Recherche vom 19.11.2022. 

WKN/ ISIN856050/US8243481061
BrancheGrundstoffe
Peter Lynch EinordnungAverage Grower
Fundamentales WLA-Rating?/10
Technisches WLA-Rating?/10
Porters Burggraben-Rating?/25
Marktkapitalisierung62,20 Mrd. USD
Dividendenrendite1,00 %
KGV32,10
FirmensitzCleveland (USA)
Gründungsjahr1866
Mitarbeiter61.626
WKN/ ISIN856050/US8243481061
BrancheGrundstoffe
Peter Lynch EinordnungAverage Grower
Fundamentales WLA-Rating8/10
Technisches WLA-Rating8/10
Porters Burggraben-Rating15/25
Marktkapitalisierung62,20 Mrd. USD
Dividendenrendite1,00 %
KGV32,10
FirmensitzCleveland (USA)
Gründungsjahr1866
Mitarbeiter61.626

Inhaltsverzeichnis

1. Das Unternehmen

Historie

Gründung und die ersten Jahre

Die Historie von Sherwin-Williams reicht inzwischen über 150 Jahre in die Vergangenheit zurück und begann damals mit der Gründung im Jahr 1866. Im Bereich der Farben und Lacke leistete die neue (The) Sherwin-Williams Company (welche heute übrigens noch immer so heißt) eine wahre Pionierarbeit und war im Laufe der Zeit für viele neue Entwicklungen verantwortlich.

Gegründet wurde das Unternehmen von Henry A. Sherwin und Edwards P. Williams, woraus sich auch der Firmenname ableiten lässt. 1873 brachten sie eine hochwertige Ölfarbe auf den Markt, die in dem Sektor eine kleine, neue Revolution bedeutete, denn es handelte sich um die erste fertig gemischte Farbe. Kunden konnten diese also direkt verwenden. Bereits vier Jahre später folgte der nächste geniale Einfall und Sherwin-Williams sicherte sich das Patent auf eine wiederverschließbare Farbdose.

An diesen ersten Schritten wird bereits der Erfolg des noch relativ jungen Unternehmens deutlich und letztendlich ist dies die Grundsteinlegung für den heutigen Großkonzern. In den 1880er-Jahren stellte Sherwin-Williams dann einen Chemiker an, was aus heutiger Sicht wenig überraschend ist. Damals waren sie allerdings das erste Unternehmen aus der Branche, weswegen man sich eine gute und sinnvolle (Weiter-)Entwicklung der Produkte versprach.

1885 schüttete Sherwin-Williams dann das erste Mal Gewinne an Investoren aus. Auch heute kann die Aktie seit langer Zeit mit regelmäßigen Dividendensteigerungen glänzen, aber mehr dazu später.

Neue Produkte und Expansion

Mit den Jahren und Jahrzehnten gelang es Sherwin-Williams immer mehr, verschiedene Produkte auf dem Markt zu etablieren, welche immer gewisse Eigenschaften hatten. Bspw. konnte relativ zügig eine spezielle Farbe für Schiffe entwickelt werden, die ganz anderen Umständen standhalten muss als eine Wandfarbe.

Darüber hinaus beschleunigte Sherwin-Williams das eigene Wachstum auch durch Akquisitionen; die erste führte man bereits 1888 durch. Auch durch eine Fusion mit Walter H. Cottingham Co. konnte die Präsenz vergrößert werden. Dieser Konzern war in Kanada tätig, was für Sherwin-Williams den Beginn der internationalen Expansion bedeutete.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts baute Sherwin-Williams die Position in Kanada nicht nur aus, sondern eröffnete auch erste Standorte in London, Australien, Neuseeland, Südafrika, Indien und China. Für die damalige Zeit war dies höchst ungewöhnlich und nur aufgrund der Niederlassung in London möglich.

Nachdem der Börsengang von Sherwin-Williams 1925 erfolgte, setzte das Unternehmen die Expansion schon kurze Zeit später fort und weitete den Einflussbereich im Jahr 1929 das erste Mal auf den südamerikanischen Kontinent aus. Zunächst eröffnete man ein Geschäft in Mexiko.

Mit dieser Kombination aus Übernahmen, Expandieren und neuen Produkten konnte Sherwin-Williams in den nächsten Jahrzehnten immer weiter wachsen. 1964 fand schließlich auch das Listing an der bekannten NYSE statt.

Wachstum im 21. Jahrhundert

Nachdem der Konzern schon zu Beginn der 1990er-Jahre die Marke von 2.000 Geschäften knackte, dauerte es nur 15 Jahre (2006) bis die Anzahl auf 3.000 Geschäfte erhöht werden konnte. Weitere acht Jahre später erreichte man eine Anzahl von 4.000 und nun besitzt Sherwin-Williams 4.850 Geschäfte (zum Ende des Geschäftsjahres 2021). Eine Abflachung des Wachstums ist diesbezüglich keineswegs zu erkennen.

Die Relevanz der Marke in den USA ist außerdem gut im Kontext des Anschlags vom 11. September 2001 erkennbar. Damals spendete Sherwin-Williams 10.000 Gallonen, um das Pentagon wieder neu zu streichen.

Die größte Übernahme tätigte der Konzern in 2017 mit der von Valpar, woran die Wachstumsambitionen gut erkennbar sind. Sherwin-Williams hat zudem weiterhin stets den Anspruch der Innovation an sich selbst und dies gilt nicht nur für Farben direkt. 2018 brachte das Unternehmen eine App zur Farberkennung heraus. Erst 2020 kündigte der Konzern zudem den Bau eines neuen Zentrums für die Forschung & Entwicklung an, was zeigt, dass dieser Wachstumsanspruch nicht nur leere Worte sind.

Strategie, Werte und Nachhaltigkeit

Strategie

Sherwin-Williams verfolgt die Strategie, den eigenen Kunden die richtigen Lösungen/Produkte zur Verfügung zu stellen, aber gleichzeitig für die Aktionäre auch für einen gewissen “Shareholder Value” zu sorgen. Die einzelnen Kernpunkte sind folgende:

Werte

Ebenfalls Teil der Strategie sind die Werte, von denen man sich alltäglich leiten lässt. Diese sind breit gefächert und weisen im großen und ganzen keine wirklichen Besonderheiten gegenüber anderen Unternehmen auf. 

Nachhaltigkeit

Sherwin-Williams meint, dass sie ihren Fortschritt immer weiter beschleunigen und somit auch ihren positiven Einfluss auf die Welt vergrößern würden. In Bezug auf die Nachhaltigkeit befürwortet das Unternehmen einen ganzheitlichen Blick auf die Thematik. Zugleich ist dies für Sherwin-Williams der einzig richtige Weg, um ein Geschäft zu führen.

Die Ziele bis 2030 teilt sich Sherwin-Williams nach den gezeigten Kategorien auf:

  • Ökologischer Fußabdruck (30 % weniger Treibhausgasemissionen, 50 %-Anteil an erneuerbaren Energien, Energie effizienter nutzen, Erzeugung von Müll reduzieren)
  • Product Blueprint (Innovationen, Kreislaufwirtschaft)
  • Social Imprint (Sicherheit erhöhen, Engagement in der Gesellschaft, Talente fördern, Diversität, Gerechtigkeit und Inklusion)

Bis jetzt muss allerdings der Erfolg noch klar infrage gestellt werden. Erneuerbare Energien verwendet Sherwin-Williams bspw. in keinem nennenswerten Ausmaß (unter 1 %).

Aktionärsstruktur

Der größte Aktionär von Sherwin-Williams ist aktuell das Unternehmen selbst mit einem Anteil von 7,96 %. Normalerweise ist erst sinnvoll diesen Prozentsatz an Aktien dann herauszurechnen, allerdings lautet die Bezeichnung laut dem MarketScreener “Sherwin-Williams ESOP”. ESOP steht für Employee stock ownership (Mitarbeiteraktien) und sobald Mitarbeiter diese Aktien erhalten, geht diese Position im Streubesitz auf.

Beachtet man die ESOPs nicht, dann ist der Vermögensverwalter Vanguard mit 7,63 % der größte Einzelaktionär, gefolgt von dem SSgA Funds Management mit 4,15 %. Alle weiteren Anteilseigner halten noch kleinere Positionen.

Geschäftsmodell

Einleitung

Das Unternehmen ist seit den 1920er Jahren in den USA der größte Anbieter von Lacken und Farben – insbesondere für Einzelhandelskunden, aber auch für professionelle Kunden aus der Industrie. Sherwin-Williams hat in seiner jahrzehntelangen Geschichte insbesondere in den USA Spuren hinterlassen. So stammt sowohl die Farbe der Golden Gate Bridge in San Francisco als auch der gelbe Anstrich der Schulbusse in den Vereinigten Staaten von Amerika von dem Traditionsunternehmen. Auch dass die Immobilienbranche in den USA viele Jahrzehnte boomte begünstigte Sherwin-Williams positive Geschäftsentwicklung, denn überall da, wo gebaut wird, entsteht bedarf nach den Produkten des Unternehmens. Zudem finden die Farben und Lacke, sowie verwandte Produkte, nicht nur Anwendung bei Immobilien, sondern auch bei Autos, Flugzeugen oder Schiffen. Der Bedarf ist also jederzeit vorhanden – Investoren wurden folgerichtig mit einem stetig steigenden Aktienkurs und konstanten Dividendenerhöhungen belohnt.

Sherwin-Williams ist hauptsächlich in den USA aktiv, hier werden fast alle Umsätze des Unternehmens erwirtschaftet. Ausländische Märkte sind bisher kaum erschlossen, hier bietet sich daher noch enormes Wachstumpotential in einem riesigen Markt, der weiterhin konstant wächst.

Die Grundlage für den Erfolg des Unternehmens bildet das weitreichende und flächendeckende Filialnetz in Nord- und Südamerika. Hier werden in aktuell über 4.800 Filialen die eigenen Produkte direkt an den Endkunden verkauft. Zudem erweiterte Sherwin-Williams mit zahlreichen Unternehmensübernahmen – allein seit dem Jahr 2000 waren es über 30 Akquisitionen – stetig das eigene Geschäft und baut seine Marktführerschaft so Schritt für Schritt weiter aus.

Operatives Geschäft

Sherwin-Williams verkauft die eigenen Produkte in über 120 Ländern weltweit, dabei beschäftigt das Unternehmen knapp 61.000 Mitarbeiter und betreibt über 4.800 eigene Filialen. Etwa 80 % der Umsätze entfallen geographisch auf die Region Nord- und Südamerika, während etwa 20 % im Rest der Welt erwirtschaftet werden.

Operativ unterteilt Sherwin-Williams das eigene Geschäft in die drei Segmente The Americas Group, Performance Coatings Group und Consumer Brands Group. Diese werden im Folgenden näher betrachtet.

The Americas Group

Unter diesem Segment betreibt Sherwin-Williams die eigenen Filialen, in denen die Produkte an den Endkunden verkauft werden. Mit 56 % der Umsätze ist dieser Geschäftsbereich der wichtigste Faktor für den Erfolg des Unternehmens. Die in den Filialen von Sherwin-Williams verkauften Lacke und Farben finden sowohl Anwendung bei neuen oder sanierten Gebäuden als auch bei Autos, Schiffen oder Flugzeugen. In den letzten Jahren hat bei Sherwin-Williams insbesondere auch der Onlineverkauf der angebotenen Produkte über einen eigenen Webshop an Bedeutung gewonnen. Hier haben Kunden die Möglichkeit, sich mittels interaktiver Anwendungen einen Eindruck von der durch das Unternehmen vertriebenen Farbpalette zu machen und sich im Stil von Pinterest inspirieren zu lassen.

Performance Coatings Group

In diesem Unternehmensbereich bietet Sherwin-Williams Produkte für die Industrie und professionelle Kunden an. Insgesamt werden hier 30 % der Umsätze des Unternehmens erwirtschaftet. Zu den Produkten zählen insbesondere Speziallösungen für die Behandlung von Holz, Metallen, größeren Schiffen oder Flugzeugen – Lösungen aus diesem Segment sind teilweise extremen Belastungen ausgesetzt und müssen daher auch technologisch höchsten Qualitätsstandards gerecht werden. Auch in diesem Unternehmensbereich wird der größte Teil der Umsätze in Nordamerika erzielt, andere Absatzmärkte spielen nur eine sehr untergeordnete Rolle.

Consumer Brands Group

Das letzte und mit 14 % der Konzernumsätze kleinste Segment von Sherwin-Williams ist die Sparte Consumer Brands. Der Unterschied zum Unternehmensbereich The Americas Group liegt im Wesentlichen darin, dass die Produkte hier über Drittanbieter bzw. strategische Partner vertrieben werden und nicht über eigene Filialen. Zu den größten Partnern gehören etwa Home Depot, Walmart oder Lowe’s.

Neben der Eigenmarke Sherwin-Williams gehören viele weitere, besonders in den USA populäre Marken zum Produktportfolio von Sherwin-Williams:

Burggraben 

Einleitung

Wie zum Beginn dieser Analyse beschrieben, reicht die Historie von Sherwin-Williams weit ins 19. Jahrhundert zurück. Dem traditionsreichen Unternehmen ist es in all diesen Jahren gelungen, sich als führender Hersteller von Farben und Lacken zu etablieren und kann mit einer hohen Zufriedenheit der Kunden überzeugen, welche aus vielen verschiedenen Bereichen stammen (bspw. Öl- und Gasunternehmen, Industrieunternehmen, Logistikdienstleister, Privatpersonen etc.). Im Rahmen der Branchenanalyse werden wir hierauf detaillierter eingehen.

Weiterhin bestehen Kooperationen mit einer Vielzahl an Händlern wie Lowe’s oder Walmart, welche die Produkte zusätzlich zu den eigenen Läden von Sherwin-Williams vertreiben. Außerdem verfügt Sherwin-Williams über ein weltweites Netzwerk aus Produktions- und Vertriebsstandorten sowie einer Lieferflotte, welche ca. 3.000 Trucks und Fahrer umfasst. Zu guter Letzt leisten Marken wie Valspar, Cashmere, Dupli-Color und Fastline, welche Sherwin-Williams unter seinem Dach vereint, einen wichtigen Beitrag zum Burggraben.

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Porters Five Forces

Nachstehend die Branchenstrukturanalyse nach Michael E. Porter. Diese dient der Einordnung von externen Kräften, welche auf die Unternehmen einer Branche einwirken. Unsere Skala reicht hierbei von 0 bis 5. Je besser Sherwin-Williams aufgestellt ist, desto höher ist die Punktzahl, welche wir vergeben. 

Externe Kraft Stärke Begründung
Rivalität unter bestehenden Wettbewerbern
2/5
Der Markt für Farben und Lacke ist verhältnismäßig stark fragmentiert und Sherwin-Williams konkurriert sowohl mit lokalen Anbietern als auch mit international operierenden Konzernen wie PPG Industries, AkzoNobel oder Nippon Paint. Wenngleich Sherwin-Williams als Marktführer einzuordnen ist, halten wir aufgrund des intensiven Wettbewerbs 2 Punkte für angemessen.
Bedrohung durch neue Wettbewerber
4/5
Neue Wettbewerber verfügen weder über Kooperationen zu Lieferanten und Einzelhändlern noch über bestehende Beziehungen zu Kunden. Weitere Faktoren, welche einen Markteintritt erschweren, sind das Fehlen einer bekannten Marke sowie der Aufbau von Produktionskapazitäten und einer Lieferflotte. Daher stufen wir diese externe Kraft als eher schwach ein.
Verhandlungsmacht der Lieferanten
4/5
Sherwin-Williams bezieht verschiedene Rohmaterialien (z. B. Harze, Latex und Kunststoffbehälter) von einer Vielzahl an Lieferanten auf der ganzen Welt. Es bestehen keine Abhängigkeiten von einzelnen Zulieferern und außerdem ist die Unternehmensführung von Sherwin-Williams bemüht, durch strategische Beteiligungen langfristige und partnerschaftliche Beziehungen mit seinen Lieferanten sicherzustellen. Daher vergeben wir 4 Punkte.
Verhandlungsmacht der Kunden
2/5
Bei den Produkten von Sherwin-Williams handelt es sich um Verbrauchsgüter. Wenngleich das Unternehmen über eine hohe Kundenzufriedenheit verfügt, ist es schwierig, sich mit Farben und Lacken von seinen Konkurrenten zu differenzieren. Für die Verhandlungsmacht von Sherwin-Williams sprechen hingegen die regelmäßigen Preiserhöhungen, welche von den Kunden scheinbar ohne Weiteres akzeptiert werden. Insgesamt vergeben wir für diese externe Kraft dennoch 2 Punkte.
Bedrohung durch Ersatzprodukte
3/5
Die Farben von Sherwin-Williams werden für die Verschönerung des Interieurs und des Exterieurs von Gebäuden verwendet. Die Lacke und anderen Produkte werden in der Automobilindustrie oder für die Versiegelung von Holz und anderen Stoffen verwendet. Für diese Anwendungsbereiche bestehen derzeit keine Ersatzprodukte und es ist derzeit davon auszugehen, dass das Absatzvolumen langfristig zunehmen wird. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass zukünftig geeignete Ersatzprodukte oder -verfahren entwickelt werden, weshalb wir dieser externen Kraft 3 Punkte geben.

Geschäftsführung

John G. Morikis

John G. Morikis ist seit 2016 der CEO und seit 2017 auch der Chairman bei Sherwin-Williams. Bei dem Unternehmen ist er bereits seit knapp 40 Jahren tätig und begann damals im Rahmen eines Management-Trainee-Programms bei der Paint Stores Group (Marke von Sherwin-Williams). Im Laufe der Zeit übernahm Morikis immer mehr Verantwortung und arbeitete sich zum President und General Manager der Paint Stores Group hoch. Später bekleidete er schließlich die Positionen als President und Chief Operating Officer, bevor er nun das gesamte Unternehmen leitet.

Insgesamt kann also durchaus davon ausgegangen werden, dass Morikis den Konzern aus verschiedenen Perspektiven sehr gut kennt und nicht nur die Fähigkeiten, sondern vor allem auch die nötige Erfahrung für eine solche Position besitzt. Vor seiner beruflichen Laufbahn studierte Morikis Betriebswirtschaft und Psychologie (Bachelor-Abschluss). Seinen Master absolvierte Morikis ebenfalls im Bereich der Betriebswirtschaft.

2. Fundamentale Ansicht 

Kennzahlen 

Aktienfinder
Aktienfinder

Die Prognosen aus diesem Abschnitt werden vom Aktienfinder zur Verfügung gestellt.

Umsatz

Entwicklung

Ein Teil des diversifizierten Kundenstamms von Sherwin-Williams stammt aus Branchen, die einen zyklischen Charakter aufweisen und deren Geschäftsentwicklung erheblich von der Konjunktur beeinflusst wird. Infolgedessen kann bei schweren Rezessionen auch eine Beeinträchtigung des operativen Geschäfts von Sherwin-Williams beobachtet werden. Dementsprechend wurde während der Finanzkrise ein moderater Umsatzrückgang verzeichnet.

Seitdem entwickelten sich die Erlöse jedoch mit einer relativ hohen Gleichmäßigkeit. In 2017 und 2018 erfolgte vorübergehend eine Beschleunigung des Umsatzwachstums, welche auf die Übernahme von Valspar zurückzuführen ist. Doch auch um Akquisitionen bereinigt, konnte Sherwin-Williams dank eines steigenden Absatzvolumens sowie Preiserhöhungen, Wachstum generieren. Unterm Strich beläuft sich das durchschnittliche Wachstum der letzten fünf Geschäftsjahre auf 7,41 %.

Das Management von Sherwin-Williams hat trotz einer angespannten makroökonomischen Lage Zuversicht in die eigene Strategie und plant u. a. durch die Akquisition von Neukunden sowie den Ausbau bestehender Kundenbeziehungen, weitere Zuwächse zu generieren. Für 2024 prognostizieren die Analysten, dass der Hersteller von Farben und Lacken Erlöse i. H. v. 23,81 Mrd. USD generieren wird, was einem durchschnittlichen Anstieg um 6,09 % entsprechen würde.

Umsatzverteilung nach Segmenten

Die aktuelle Untergliederung der Umsätze von Sherwin-Williams in die drei Segmente, welche wir im Rahmen des Kapitels zum Geschäftsmodell beschrieben haben, besteht seit 2017.

Innerhalb der letzten fünf Geschäftsjahre verzeichnete das größte und profitabelste Segment des Unternehmens, The Americas Group, bedingt durch die Akquisition von Valspar einen leichten Rückgang des Umsatzanteils. Dennoch waren in 2021 über die Hälfte der Einnahmen auf das Segment zurückzuführen.

Das Geschäft mit Beschichtungen für Holz und andere industrielle Materialien wie Metall und Kunststoff wird unter dem Namen Performance Coatings Group zusammengefasst und konnte prozentual betrachtet an Relevanz für Sherwin-Williams gewinnen. Der Umsatzanteil belief sich zuletzt auf 30,11 %.

Bis 2020 konnte die Consumer Brands Group von Sherwin-Williams eine solide Entwicklung hinlegen und an Umsatzanteilen gewinnen. Im vergangenen Geschäftsjahr wurde das Segment neben der Veräußerung von Tochterunternehmen von einer rückläufigen Nachfrage aus dem DIY-Segment belastet, sodass es nur noch für 13,65 % der Einnahmen verantwortlich war.

Umsatzverteilung nach Regionen

Bei der Umsatzverteilung nach Regionen lässt sich eine eindeutige Fokussierung des operativen Geschäfts feststellen, denn die Vereinigten Staaten waren als Heimatmarkt von Sherwin-Williams in 2021 für 78,83 % der Erlöse verantwortlich. Während sich der Umsatzanteil zu Beginn dieses Jahrhunderts noch auf knapp 90 % belief, ist seit mehreren Jahren unter geringen bis moderaten Schwankungen, eine Stagnation auf dem aktuellen Niveau zu beobachten.

Im Umkehrschluss waren 21,17 % der Umsätze im vergangenen Jahr auf alle anderen Länder zurückzuführen, in denen der Hersteller von Farben und Lacken aktiv war. Allerdings werden in diesem Zusammenhang keine detaillierten Angaben bezüglich einzelner Regionen gemacht. Den Geschäftsberichten ist lediglich zu entnehmen, dass außer den USA kein zweites Land eine signifikante Rolle für das operative Geschäft spielt und der Wirtschaftsraum EMEA für ca. ein Zehntel der Einnahmen verantwortlich ist.

EBIT und Konzerngewinn

Für die erwarteten operativen Ergebnisse von Sherwin-Williams konnten nur Werte recherchiert werden, welche nicht den US-amerikanischen Rechnungslegungsgrundsätzen GAAP entsprechen. Um eine Vergleichbarkeit mit den vergangenen Daten herzustellen, haben wir ebenfalls auf die um Sondereffekte bereinigten Zahlen zurückgegriffen.

Bis 2020 entwickelte sich das bereinigte EBIT hervorragend, denn durch das steigende Absatzvolumen sowie die Durchsetzung von Preiserhöhungen konnten die Erlöse mit einer höheren Dynamik als die operativen Kosten gesteigert werden. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Sherwin-Williams trotz eines verhältnismäßig hohen Umsatzwachstums einen Rückgang zu beklagen, welcher neben signifikant höheren Kosten für Rohstoffe mit ungünstigen Währungseffekten sowie einen Verlust bei der Veräußerung der Anteile an Wattyl, einem Hersteller von Farben und Schutzbeschichtungen aus Australien, zu begründen ist. Insgesamt lässt sich dennoch ein attraktives Wachstum von 8,70 % pro Jahr ermitteln.

Während sich die Konzerngewinne zwischen 2018 und 2021 analog zu den operativen Ergebnissen entwickelten, profitierte Sherwin-Williams in 2017 von einmaligen Steuervorteilen und erhielt, statt Abgaben zu leisten, sogar eine Steuergutschrift. Dies führte zu einem ungewöhnlich starken Nettoergebnis und infolgedessen einer hohen Ausgangsbasis für das historische Wachstum, welches lediglich bei 1,92 % liegt.

Für die kommenden Geschäftsjahre zeigen sich Analysten sehr optimistisch und prognostizieren sowohl für das EBIT als auch für die Konzerngewinne stetig steigende Werte. Die erwarteten Wachstumsraten der betrachteten Kennzahlen liegen auf Augenhöhe und könnten bis zu 14 % pro Jahr erreichen.

Margen

Ein Großteil der Umsatzkosten von Sherwin-Williams entfällt auf den Einkauf von Rohmaterialien sowie die Vergütung bestimmter Mitarbeiter. In den letzten fünf Geschäftsjahren tendierte die Bruttomarge, welche sich nach Abzug dieser Umsatzkosten ermitteln lässt, unter Schwankungen nach unten, was neben der Akquisition von Valspar, auf steigende Kosten für Rohstoffe in den letzten Monaten zurückzuführen ist. In den letzten vier Quartalen erwirtschaftete Sherwin-Williams dennoch eine Bruttomarge von 41,38 %.

Wie unseren Ausführungen im vorherigen Abschnitt zu entnehmen ist, entwickelte sich die operative Gewinnspanne von Sherwin-Williams bis 2020 äußerst positiv. Lässt man das Geschäftsjahr 2017 unberücksichtigt, so konnte auch die Nettomarge trotz des jüngsten Rückgangs eine positive Entwicklung aufweisen. 

Während die Profitabilität von Sherwin-Williams im Vergleich zur Peer Group schon heute als attraktiv einzuordnen ist, zielt das Management langfristig darauf ab, eine operative Marge i. H. v. 20 % zu erreichen. Folgende Faktoren sollen das zukünftige Wachstum begünstigen:

  • Steigerung des Absatzvolumens über dem Marktdurchschnitt
  • Preiserhöhungen
  • Produktinnovation und -optimierung
  • Verkleinerung des Produktportfolios
  • Wachstum digitaler Vertriebskanäle
  • Strikte Kostenkontrolle

Und auch die Analysten sind für die kommenden Geschäftsjahre positiv gestimmt. Den aktuellen Schätzungen zufolge könnte sich die bereinigte EBIT Marge in 2024 auf 16,73 % belaufen. Die Nettogewinnspanne könnte derweil auf 11,50 % anwachsen.

Dividendenpolitik und Aktienrückkäufe

Seit dem Jahr 1978 schüttet Sherwin-Williams kontinuierlich Dividenden an seine Anteilseigner aus, welche außerdem stetig gesteigert wurden. Setzt das Unternehmen diese Serie fort, so könnte es bereits in 2028 in den erhabenen Kreis der Dividendenkönige aufsteigen.

Das Dividendenwachstum orientiert sich an der Entwicklung des operativen Geschäfts. Denn während in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten nur moderate Anhebungen vorgenommen werden, steigen die Ausschüttungen umso dynamischer, wenn die Geschäfte gut laufen. Dementsprechend steht seit 2017 ein durchschnittliches Wachstum von 18,04 % pro Jahr zu Buche. Die aktuelle Dividendenrendite beläuft sich auf 1,00 % bei einer Ausschüttungsquote von 31,29 %. Für die kommenden Geschäftsjahre rechnen die Analysten mit einem deutlichen Rückgang der Wachstumsgeschwindigkeit. In 2024 könnte Sherwin-Williams demnach 2,83 USD je Aktie ausschütten, was einer durchschnittlichen Steigerung um 8,76 % entsprechen würde.

Jedoch spielen Aktienrückkäufe schon seit mehreren Jahrzehnten eine deutlich größere Rolle in der Kapitalallokationsstrategie des Herstellers von Farben und Lacken. Innerhalb der letzten fünf Jahre war die kumulierte Summe an finanziellen Mitteln, welche hierfür aufgewendet wurde, mehr als drei Mal so groß wie der Betrag, welcher in Form von Dividenden an die Anteilseigner geflossen ist. Seit 2000 konnte Sherwin-Williams somit einen beachtlichen Rückgang der Anzahl ausstehender Aktien um 2,86 % pro Jahr erreichen. Das aktuelle Rückkaufprogramm umfasst ein Restvolumen von 45,80 Mio. Aktien.

Historische Kennzahlen

KUV

Anhand der vergangenen Entwicklung des Kurs-Umsatz-Verhältnisses lässt sich feststellen, dass das Bewertungsniveau von Sherwin-Williams zwischen 2017 und 2021 deutlich angestiegen ist. Mit einem aktuellen Wert i. H. v. 2,87 liegt das Multiple wieder unterhalb des historischen Mittelwerts und könnte bis 2024 auf 2,61 sinken.

KGV

Beim Kurs-Gewinn-Verhältnis lassen sich infolge der zuvor beschriebenen Steuervorteile in 2017 sowie des Gewinnrückgangs in 2021 hohe Ausschläge beobachten. Diese gleichen sich jedoch annähernd aus, sodass der Durchschnitt mit 34,35 auf dem Niveau der Jahre 2018, 2019 und 2020 liegt. Während sich ein aktuelles KGV von 32,10 berechnen lässt, liegt der erwartete Wert für 2024 bei 22,71.

KOCV

Die Entwicklung des KOCVs unterscheidet sich von den ersten beiden Bewertungskennzahlen, denn bis 2020 entwickelten sich die operativen Cashflows von Sherwin-Williams äußerst positiv, sodass das Multiple keinen nennenswerten Anstieg zu verzeichnen hatte. Im vergangenen Geschäftsjahr sanken die Mittelzuflüsse aus dem operativen Geschäft um etwas mehr als ein Drittel, weshalb sich das KOCV aufgrund der gleichzeitig gestiegenen Marktkapitalisierung mehr als verdoppelte. Zum Zeitpunkt dieser Analyse liegt das Multiple deutlich oberhalb des historischen Durchschnitts i. H. v. 24,52, allerdings könnte bis 2024 ein Rückgang auf 17,93 erfolgen.

Einordnung nach Peter Lynch

Aufgrund der zyklischen Geschäftsentwicklung einiger Kundengruppen von Sherwin-Williams, sind auch die Erlöse und Gewinne des Unternehmens von schwerwiegenden wirtschaftlichen Abschwüngen betroffen. So führte bspw. die Finanzkrise zu einem nicht unerheblichen Rückgang. Bei einer langfristigen Betrachtung der Geschäftsentwicklung kann allerdings ein recht gleichmäßiges Wachstum im mittleren bis hohen einstelligen Bereich beobachtet werden, welches neben organischen Zuwächsen des Absatzvolumens auf Preiserhöhungen sowie Akquisitionen zurückzuführen ist. Daher halten wir eine Einordnung als Average Grower für angemessen.

Fundamentales Wir Lieben Aktien-Rating

Sherwin-Williams kann mit seiner vergangenen und erwarteten Geschäftsentwicklung in unserem fundamentalen Wir Lieben Aktien-Rating punkten und erfüllt zum aktuellen Zeitpunkt 8 der 10 Kriterien, welche wir an Average Grower stellen. Dass die Akquisition des konkurrierenden Farb- und Lackherstellers Valspar in 2017 zu einem überwiegenden Anteil mit Fremdkapital finanziert wurde, führt zu einer deutlichen Erhöhung des Verschuldungsgrads in Relation zum EBITDA sowie zu einem Rückgang der Eigenkapitalquote, weshalb wir 2 Punkte abziehen müssen.

3. Konkurrenzvergleich und Branchenanalyse  

Allgemeine Infos über die Branche

Einordnung nach dem GICS

Zur besseren Einordnung definieren wir zuerst die Branche, basierend auf der zentralen Geschäftstätigkeit des Unternehmens. Wir beziehen uns hierbei auf den Global Industry Classification Standard (kurz GICS), der zunächst den Sektor definiert, welcher sich wiederum in Industriegruppe, Industrie und Subindustrie unterteilen lässt.

Sherwin-Williams wird dem Sektor Grundstoffe, der Industriegruppe Grundstoffe, der Industrie Chemikalien und der Subindustrie Spezialchemikalien, zugeordnet. Daraus ergibt sich der GICS-Code 15101050.

Entwicklung der Industrie für Farben und Beschichtungen

In der unten gezeigten Grafik sieht man die Entwicklung des Umsatzes für Farben und Beschichtungen von 2018-2029 weltweit. Der Zeitraum 2018-2021 weist ein eher geringes Wachstum mit Anstiegen von 2,98 % pro Jahr auf. Dennoch gab es mit 2020 lediglich ein Jahr, in dem der Marktwert Verluste verzeichnet hat, hier gab es einen Rückgang i. H. v. knapp 6 %. Das Folgejahr konnte dies jedoch wieder ausgleichen. Bis 2029 soll der Marktwert laut aktuellen Schätzungen auf über 235 Mrd. USD steigen und damit um 5 % p. a. wachsen. Die Zahlen sprechen also für einen steigenden Markt bzw. eine steigende Nachfrage. Hier ist es wichtig, sich nicht von dem letzten Balken irritieren zu lassen, da hier die Entwicklung von 2023-2028 nicht dargestellt ist.  

Aufteilung des Marktes

Die Abbildung 18 zeigt uns die Markanteile aller Farb- und Beschichtungsunternehmen weltweit im Jahr 2021. Hierdurch lassen sich erste Vermutungen über die Marktposition von Sherwin-Williams aufstellen, die im weiteren Verlauf weiter vertieft werden. Mit 11,20 % nimmt der Konzern den größten Anteil von einzelnen Unternehmen ein, der Abstand zu PPG Industries, dem zweitplatzierten, ist jedoch nur minimal und beträgt in Zahlen ausgedrückt 0,02 %. 

Sowohl Sherwin-Williams als auch PPG Industries sind hauptsächlich in Nordamerika tätig und führen diesen Markt an. In Europa ist der Marktführer Akzo Nobel, ein Unternehmen aus den Niederlanden, welches weltweit gesehen 7,55 % der Anteile einnimmt. In den Top 5 ist sogar ein in Deutschland ansässiger Konzern vertreten, nämlich Henkel mit 3,03 % an Anteilen. 

Immobilienmarkt

Einleitung

Auch wenn man es auf den ersten Blick nicht unbedingt vermuten mag, besteht eine gewisse Korrelation zwischen Sherwin-Williams und dem Immobilienmarkt bzw. der Nachfrage in dieser Branche. Wie stark diese Verbindung ist, ob die aktuellen Entwicklungen auch für Sherwin-Williams eine Bedrohung darstellen, werden wir in diesem Abschnitt beantworten.

Verknüpfung mit Sherwin-Williams

Die beiden größten Umsatztreiber des Unternehmens sind auf der einen Seite die Nachfrage durch Heimwerker und auf der anderen Seite die Neuanstrichen von Wohnungen. Sollte sich eine Person dazu entscheiden, ein bereits stehendes Eigenheim zu kaufen, gibt es in fast allen Fällen entweder Räume, die dem Käufer nicht gefallen und dann neu gestrichen werden oder der neue Eigentümer entscheidet sich dazu, direkt von Anfang an viele Räume neu- oder nachstreichen zu lassen. In diesen Fällen ist es dann nicht gerade unwahrscheinlich, dass auf Produkte von Sherwin-Williams zurückgegriffen wird. Bei einem, wie aktuell zu beobachtenden Rückgang der Käufe von Eigenheimen in den USA, schwindet ein Teil der Nachfrage nach Lösungen von Sherwin-Williams durch weniger Neuerwerbungen. Gleichzeitig ist es sehr einfach, einen Neuanstrich zu verschieben: Gerade aufgrund der aktuell hohen Inflation könnten sich viele dagegen entscheiden.

Entwicklung, Gründe und ein Ausblick

Wie man der Abbildung 19 entnehmen kann, sinken die Verkäufe bestehender Eigenheime stark, während die 30-jährigen Hypothekenzinsen rapide steigen. Allgemein lässt sich beobachten, dass die Verkäufe bestehender Häuser und die Hypothekenzinsen seit 2021 entgegengesetzt verlaufen. Anfang dieses Jahres wurden noch 6,50 Mio. Häuser in den USA verkauft, Stand Ende September waren es nur noch 4,71 Mio. Dies entspricht einem Rückgang von rund 28 % und nähert sich immer weiter dem Einbruch während der Corona-Pandemie.

Die Gründe hierfür sind hauptsächlich die steigenden Hypothekenzinsen. Dadurch, dass diese auf einem Höchststand seit 2001 stehen, nämlich bei etwa 7,08 %, geht die Nachfrage stark zurück. In den meisten Fällen wird ein Hauskauf nämlich über Hypotheken finanziert, wodurch sich diese Erhöhung erst so richtig auswirkt. Ein Rückgang der Zinsen ist aktuell nicht in Sicht, eher das Gegenteil. Es wird weiterhin mit steigenden Zinssätzen gerechnet, für Sherwin-Williams sind gerade die Erhöhungen in den USA am ausschlaggebendsten. Eine schwindende Nachfrage lässt sich auch bereits jetzt beobachten, da die Lagerbestände stark gestiegen sind. Dazu aber später mehr.

Regionale Wachstumsraten für Farben und Beschichtungen

Aufgrund der regionalen Gewichtung von Sherwin-Williams ist ein Ausblick auf das Wachstum verschiedener Regionen durchaus sinnvoll. Dadurch, dass hauptsächlich Nordamerika für die Umsätze des Unternehmens verantwortlich ist, sollte man besonders auf diese Region schauen. Abgebildet sind Prognosen für den Zeitraum 2022-2028. Ein wichtiger Punkt hierzu ist, dass das Jahr 2022 prognostizierte Daten beinhaltet, die abweichen können. Der letzte Stand der in der Grafik verwendeten Daten ist 2020, jedoch sieht das Bild auch hier nicht gänzlich verändert aus. Es ging uns hierbei lediglich um die Aussage, welche Regionen schneller wachsen und welche eher langsamer.

Beim Vergleich der abgebildeten Regionen ist Asien-Pazifik klar auf dem ersten Platz, wenn man sich die durchschnittlichen Wachstumsraten des Umsatzes anschaut. Bereits jetzt sind sie die wichtigste Region des Gesamtmarktes mit Anteilen i. H. v. 45 % und sollen mit 5,81 % pro Jahr weiterhin stark steigen. Der zweite Platz wird von dem Rest der Erde belegt und beinhaltet Regionen und Länder wie Lateinamerika, den nahen Osten oder Afrika. Mit einem durchschnittlichen Wachstum von 4,76 % gibt es auch hier gute Aussichten. Europa ist zum aktuellen Zeitpunkt der drittwichtigste Markt für Farben- und Beschichtungen und soll bis 2028 auch weiterhin mit 4,15 % ein gutes Wachstum verzeichnen können. 23 % des Marktvolumens sind im Jahr 2022 auf sie zurückzuführen. Der letzte Platz für diesen Zeitraum wird von Nordamerika belegt. Mit Zuwächsen von 4,12 % p.a. kann man nicht besonders überzeugen, liegt aber zugegebenermaßen auch nicht weit hinter den anderen Teilen der Erde.

Gerade durch die Corona-Pandemie brachen die Umsätze in diesem Sektor stark ein. Insgesamt gibt es für den wichtigsten Absatzmarkt von Sherwin-Williams zwar nicht schlechte Aussichten, die im Ländervergleich jedoch eher enttäuschen. Gerade Asien-Pazifik sticht in dieser Übersicht besonders hervor und kann mit hohen Wachstumsaussichten punkten. Für Sherwin-Williams muss dieser Fakt nicht unbedingt ein großes Problem sein, denn immerhin sind sie weltweit Marktführer und haben dadurch eine gute Ausgangslage. Wir erachten es zudem für eine bessere Situation als Marktführer zu gelten, der eventuell nicht in der wachstumsstärksten Region angesiedelt ist, als ein eher kleineres Unternehmen in einem wachstumsstarken Land zu sein. Letzteres kann im Zweifelsfall nicht unbedingt so von den Entwicklungen profitieren, wie man es eigentlich erwartet. 

Herstellung von Farben und Lacken in der Zukunft                

Einleitung

Durch eine effizientere Herstellung von Farben und Lacken gelingt es nicht nur wertvolle Ressourcen, sondern auch Kosten zu sparen. Gerade in den kommenden Jahren dürften uns hier neue Methoden und Lösungsansätze begegnen, denn zum aktuellen Zeitpunkt bietet jeder Schritt in der Herstellung, Verbesserungspotenzial im Hinblick auf eine ressourceneffiziente Produktion.

Produktentwicklung

Es können bereits Ressourcen und Kosten gespart werden, bevor überhaupt der eigentliche Herstellungsprozess beginnt, denn hier getroffene Entscheidungen haben einen direkten und nicht unwichtigen Einfluss auf die Produktion. Das Ziel sollte stets sein, weniger bzw. nachhaltiger Energie einzusetzen. Gerade das Verpackungsmaterial kann hierbei entscheidend sein, denn mit bereits hundertprozentig recyceltem Kunststoff kann rund 50 % an Kohlendioxid gespart werden.

Automatisierte Rezeptursteuerung

Der Wandel hin zur automatisierten Mischung bzw. Rezeptursteuerung ist bereits im vollen Gange. Dies hat den Grund, dass in diesem gesamten Prozess enorm viele Materialien, aber vor allem Kosten gespart werden können. So ist bspw. die Fehlerquote im Vergleich zum manuellen Mischen marginal, ein echter Vorteil. Denn sollte es zu einem Fehler in der Mischung kommen, was bei einem nicht-automatisierten Vorgang durchaus passieren kann, muss die fehlproduzierte Ware (aufwendig) entsorgt werden. Zum einen nicht nachhaltig, zum anderen nicht gerade kostengünstig, gerade wenn man bedenkt, dass bereits leichte Verunreinigungen in der Farbe oder im Lack ausreichen, um ihn als nicht verwendbar zu markieren. Neben alldem wird gleichzeitig auch die Prozessbeherrschung wesentlich gesteigert.

Verbesserte Mischvorgänge

Hier gibt es verschiedene Lösungsansätze, um den Rohstoff- und Energieverbrauch zu senken. Es können u. a. bessere Komponenten verwendet werden, die zwar meist erst kostenintensiver sind, sich aber im Laufe der Nutzung amortisieren. Auch der Austausch von ungeeigneten Rührern kann seinen Beitrag dazu leisten. Bereits in der Planungsphase sollten optimierte Mischprozesse berücksichtigt werden, um ressourcenschonender und kostengünstiger zu produzieren.

Reinigungsprozesse optimieren

Die Herstellung von Farben und Lacken ist in jedem Falle mit aufwendigen und intensiven Reinigungsprozessen verbunden. Die beim Herstellungsprozess verschmutzten Komponenten wie Ansetzbehälter, Mischwerkzeuge und Rohrleitungen müssen nach jedem Chargenwechsel gründlich gesäubert werden, um eine Mischung oder ein Restauftreten in der nachfolgenden Produktion zu vermeiden. Wer also hier eine neue Technik findet, diesen Prozess zu optimieren, hat einen enormen Vorteil in der Branche.

Überblick über die Konkurrenz

Kennzahlen

In folgender Tabelle vergleichen wir die Konkurrenten von Sherwin-Williams anhand der Kennzahlen. 

Unternehmen Sherwin-Williams PPG Industries Akzo Nobel Nippon Paint
WKN/ISIN
856050/US8243481061
852026/US6935061076
A2PB32/NL0013267909
858541/JP3749400002
Mitarbeiter
61.626
49.300
32.800
30.247
Marktkapitalisierung
62,20 Mrd. USD
30,19 Mrd. USD
12,47 Mrd. EUR
2,67 Bio. JPY
Umsatz
21,68 Mrd. USD
17,66 Mrd. USD
10,64 Mrd. EUR
1,14 Bio. JPY
Umsatzwachstum (letzten 5 Jahre)
7,41 % p. a.
3,31 % p. a.
-0,07 % p. a.
13,33 % p. a.
Umsatzwachstum (nächsten 3 Jahre)
6,09 % p. a.
2,81 % p. a.
5,79 % p. a.
12,55 % p. a.
Bruttomarge
41,38 %
36,77 %
36,31 %
36,89 %
EBIT Marge
12,70 %
8,20 %
7,61 %
7,28 %
KUV
2,87
1,71
1,17
2,35
KGV
32,10
28,11
24,50
42,51
Dividendenrendite
1,00 %
1,93 %
2,82 %
0,98 %
Ausschüttungsquote
31,29 %
54,14 %
66,67 %
41,12 %
Nettoverschuldung
10,40 Mrd. USD
5,70 Mrd. USD
3,95 Mrd. EUR
303,63 Mrd. JPY
Renditeerwartung bis 2024 nach dem Fair Value*
8,40 % p. a.
8,30 % p. a.
27,30 % p. a.
21,40 % p. a.

*Die Berechnung der Renditeerwartung anhand des Fair Values entstammt der „Faire Wert“-Funktion von Aktienfinder.net. Dabei haben wir das durchschnittliche KGV der letzten fünf Jahre verwendet und in Kombination mit den erwarteten Nettoergebnissen in die Zukunft fortgeschrieben.

Entwicklung des fairen Werts

In Bezug auf die Renditeerwartung bis 2025 nach dem Fair Value, ist der Abbildung 21 die Entwicklung des fairen Werts zu entnehmen. Aktuell notiert Sherwin-Williams leicht oberhalb dieses Werts, was keineswegs ungewöhnlich für das Unternehmen ist.

Performance seit 10 Jahren

In den letzten 10 Jahren hat Sherwin-Williams insgesamt eher mittelmäßig abgeschnitten. Die Aktien von PPG und Akzo Nobel bewegen sich stets mit einer hohen Korrelation, aber schwächer als Sherwin-Williams. Erheblich stärker hat Nippon Paint aus Japan performt, aber dafür ist hier der Kurs schwankungsanfälliger.

4. Chancen und Risiken

Chancen

Marktposition (1)

Wir erachten die übergeordnete Marktposition von Sherwin-Williams als eine Chance. Neben den Marktanteilen in der Branche an sich, spielen hier auch weitere Faktoren, wie die Kundenzufriedenheit oder Akquisitionen eine Rolle. Gerade in einer solchen Branche ist es wichtig, zufriedene Kunden zu haben bzw. Produkte anzubieten, die den Vorstellungen des Kunden entsprechen. 

Für Sherwin-Williams scheint dies kein allzu großes Problem zu sein, da man nach eigenen Angaben etwa 97 % aller Kunden von den Waren überzeugen hat können. Aber auch laut Umfragen, die nicht vom Unternehmen stammen, zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. JD Power, ein amerikanisches Verbraucherforschungs-, Daten- und Analyseunternehmen führte erst vor kurzem eine Befragung zu genau diesem Thema durch. Unterteilt wurde diese Umfrage in Außenfarben und Innenfarben, wir haben uns dazu entschieden, beide Grafiken mit aufzunehmen, um wirklich das Gesamtbild darstellen zu können. Vergeben wurden insgesamt jeweils 1.000 mögliche Punkte. Sherwin-Williams ist insgesamt gesehen das Unternehmen, das die höchste Punktzahl aller Unternehmen bekommen hat. 863 Punkte für Außenfarben (1. Platz) und 873 Punkte für Innenfarben (2. Platz) konnte man erreichen. Bemerkenswert ist auch, dass es keinen anderen Konzern gab, der in beiden Branchen fast gleichermaßen überzeugen konnte und im Ranking oben steht. Das Unternehmen Valspar gehört seit 2017 ebenfalls zu Sherwin-Williams und schneidet hier unterdurchschnittlich ab.

Neben der Kundenzufriedenheit konnte man in der Vergangenheit auch mit Akquisitionen seine Marktposition ausbauen und weiter stärken. Auch in Zukunft sollen weitere Übernahmen folgen, ein aktuelles Beispiel ist die Übernahme der ICA Group, der europäische Marktführer für Holzbeschichtungen.

Abschließend sehen wir die Reputation und die Marktanteile von Sherin-Williams als einen großen Vorteil an. Durch eine hohe Kundenzufriedenheit werden Käufer dazu tendieren, bei einem erneuten Bedarf nach Produkten dieser Branche, auf bereits bekannte und zufriedenstellende Waren zurückzugreifen. Hier ist es dann meist auch nicht ausschlaggebend, ob am Ende etwas mehr als bei einem Konkurrenten gezahlt wird, solange die Qualität stimmt. Und das ist bei Sherwin-Williams anscheinend der Fall.

Mögliche Expansion und Marktpotenzial (2)

Als weitere Chance sehen wir eine mögliche Expansion in andere Länder, sowie das allgemein vorherrschende Potenzial im Markt. Hier spielen natürlich auch die guten regionalen Wachstumsaussichten in Nordamerika eine Rolle. Aktuell ist die Quote an Umsätzen in den USA bei 78,80 %, war jedoch auch zeitweise bei 85,50 %. Dies zeigt, dass weiterhin viel Spielraum für eine Expansion besteht, die viele weitere Chancen mit sich bringen würde. 

Neben der allgemein besseren Diversifikation des Geschäftsmodells aus geographischer Sicht, würde man bei einigen Regionen wie Asien auf Märkte stoßen, die eine weitaus höhere Nachfrage haben bzw. einfach größer sind und auch in Zukunft stärker als der amerikanische Markt steigen sollten. Dass eine solche Expansion natürlich auch Risiken mit sich bringt, dürfte außer Frage stehen,- Die exzellente Marktposition von Sherwin-Williams schwächt diese Risiken jedoch aus unserer Sicht ab.

Auch neue Herstellungsmöglichkeiten oder effizientere Herstellungsprozesse stellen, wie wir vorhin gesehen haben, für die Zukunft eine Chance dar. Gerade Kostenvorteile stehen hierbei im Vordergrund. In den kommenden Jahren dürfte hier weiterhin der Fokus liegen, auch ist die bereits aktuell gute Marktposition von Sherwin-Williams ein Vorteil. Sollte es gelingen, das Marktpotenzial wie gewünscht zu nutzen, gibt es wohl nicht nur wesentlich höhere Umsätze, sondern auch weiterhin hohe Marktanteile für das Unternehmen. 

Risiken

Nachfragerückgang (1)

Eintrittswahrscheinlichkeit: mittel
Auswirkungen: mittel

Ein Nachfragerückgang der Branche von Sherwin-Williams ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht undenkbar. Gerade durch die, in einem vorherigen Kapitel angesprochene, Immobilienentwicklung lässt sich ein gewisses Risiko erkennen. Bereits jetzt zeichnen sich erste Entwicklungen ab, die auf einen Nachfragerückgang schließen, denn die Lagerbestände des Konzerns sind im letzten Jahr sehr stark angestiegen. Dies führt uns eigentlich schon zum nächsten Risiko, denn dadurch wird es eher schwer werden, die Kosten wie geplant weitergeben zu können, da dann Angebot und Nachfrage in keinem Verhältnis stehen. 

Gerade bei der Entwicklung für den Geschäftsbereich der Heimwerker, der die höchste Gewichtung am Gesamtumsatz hat, ist ein Nachfragerückgang erkennbar. Durchaus interessant zu sehen ist auch, wie sich die ersten acht Monate der Corona-Pandemie auf verschiedene Sektoren in der Chemieindustrie auswirkten, da hierzu auch Farben- und Beschichtungen gehören. Die Beschichtungen mussten -26 % der Produktionsmenge in Kauf nehmen und das allein in den ersten acht Monaten. Es darf natürlich nicht außer Acht gelassen werden, dass es eine wirklich sehr spezielle und außerordentliche Situation war, jedoch spricht eine solche Entwicklung nicht unbedingt für einen unantastbar stabilen Markt.

Die aktuelle Situation könnte sich, sofern die Inflation weiterhin auf einem hohen Niveau bleibt, vor allem kurzfristig negativ auf Sherwin-Williams auswirken. Klar sein sollte aber auch, dass zum aktuellen Zeitpunkt nicht davon auszugehen ist, dass dieses Problem aus langfristiger Sicht bestehen bleibt.

Regionale Abhängigkeit und der Einzelhandel (2)

Eintrittswahrscheinlichkeit: niedrig-mittel
Auswirkungen: niedrig-mittel

Das Einzelhandelsgeschäft spielt bei Sherwin-Williams die entscheidende Rolle. Dabei hat sich der Konzern fast ausschließlich auf das Geschäft in den USA konzentriert und generiert somit knapp 80 % aller Geschäfte in diesem Land. Dies stellt eine hohe Gewichtung dar und bringt Risiken aufgrund der hohen Abhängigkeit mit sich. Das größte und offensichtlichste dürfte hierbei eine stark schwindende Nachfrage in Nordamerika sein, was an Risiko eins anknüpft. 

Darüber hinaus ist eine Konzentration des Geschäfts auf den Einzelhandel, wie bei Sherwin-Williams, immer mit mehr Kosten verbunden als ein Onlineshop, da es mehr Personal bedarf, die Mietkosten hoch sind usw. Dies betrifft fairerweise aber nicht nur Sherwin-Williams, da die Einzelhandelsquote in dieser Branche durchweg eher höher ist als der Onlinehandel.

Sollte sich der Konzern dazu entscheiden, sich in Zukunft auf das Expandieren in andere Länder zu konzentrieren, ist eine Möglichkeit, dies über Akquisitionen zu tun. Bei einem solchen Szenario müsste Sherwin-Williams hohe Mengen an Kapital aufbringen und schauen, dass sie ein Unternehmen mit bereits vielen Läden oder guten Kontakten in dieser Region übernehmen. Eine andere Möglichkeit ist das Eröffnen von Stores in den Gebieten, wodurch am Anfang auch wieder eine Menge Kapital aufgebracht werden müsste. Wir sehen also, dass die Expansion, gerade in nicht naheliegenden Gegenden, eine Menge Geld benötigt, auch weil die Konkurrenz in anderen Teilen der Erde nicht zu vernachlässigen ist.

Die Wahrscheinlichkeit eines Eintritts dieses Risikos sehen wir, genau wie die Auswirkungen, bei niedrig-mittel, da die Gewichtung in den USA zwar hoch ist, aber dennoch bisher meist ein stabiler Markt war. Die Einbrüche im Umsatz aufgrund der Corona-Pandemie konnte man in jeder Region beobachten. Des Weiteren ist Sherwin-Williams keinesfalls dazu verpflichtet, in andere Regionen zu expandieren, da ein solcher Schritt, aufgrund der mit einhergehender Probleme, immer gut überlegt und geplant sein sollte. Dennoch könnten Auswirkungen, die nur Nordamerika betreffen, ihr Geschäft weitaus heftiger treffen als es in anderen Regionen der Fall sein kann.

5. Unsere Bewertung 

Eigenkapitalkosten

Unsere Werte für Sherwin-Williams sind hier wie folgt:

Risikoloser Basiszins: 3,50 %

Risikoprämie: 5,95 %

Marktrendite: 7,00 %

Beta: 1,70

Diese ergeben insgesamt Eigenkapitalkosten von 9,45 %, welche wir, durch das erwartete Wachstum, aufgrund der aktuellen Marktlage durchaus für gerechtfertigt halten.

Bilanzanalyse

Die gesamte, von Sherwin-Williams ausgewiesene, Bilanzsumme beträgt für das Geschäftsjahr 2021 etwa 20,67 Mrd. USD. Wie gewohnt, möchten wir hier mit der Aktivseite beginnen. Die Zahlungsmittelbestände sind im letzten Geschäftsjahr um etwa 61 Mio. USD gesunken und betragen damit noch ca. 165,7 Mio. USD. Die noch ausstehenden Zahlungen betragen aktuell etwa 2,35 Mrd. USD, was einem Plus von ca. 274 Mio. USD entspricht. Auch das Inventar ist im letzten Geschäftsjahr leicht gestiegen und beträgt nun etwa 1,93 Mrd. USD. Der größte Teil davon liegt in bereits fertigen Gütern (etwa 1,38 Mrd. USD) vor, die aber in ihrem Anteil weniger geworden sind. Der Anstieg des gesamten Inventars ist also auf den gestiegenen Bestand an Rohmaterialen und Produkten im Fertigungsprozess zurückzuführen. Das gesamte Umlaufvermögen ist dabei von etwa 4,59 Mrd. USD auf ca. 5,05 Mrd. USD gewachsen.

Im Gegensatz dazu ist das Anlagevermögen von ca. 15,81 Mrd. USD um etwa 200 Mio. USD gesunken. Auffällig ist vor allem, dass fast die Hälfte des Anlagevermögens auf den Goodwill (ca. 7,13 Mrd. USD) entfällt. Weitere knapp 4 Mrd. USD entfallen auf nicht-physische Assets, welche über das letzte Jahr um ca. 470 Mio. USD gesunken sind.

Auf der Passivseite der Bilanz ist eine Fremdkapitalquote von fast 90 % erkennbar. Das Eigenkapital beträgt etwa 2,44 Mrd. USD. Die kurz- und langfristigen Verbindlichkeiten belaufen sich auf ca. 5,72 Mrd. USD bzw. 12,51 Mrd. USD.

Im Gesamtbild ist der Zahlungsmittelbestand sehr niedrig. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten übersteigen auch die Summe aus Zahlungsmitteln und ausstehenden Zahlungen noch weit. Da sich dies aber schon seit einigen Jahren so hält, liegt hier, unserer Meinung nach, noch kein akutes Problem vor, allerdings sollte man sich dessen bewusst sein. In Kombination mit der sehr hohen Fremdkapitalquote macht die Bilanz so nicht gerade den stärksten Eindruck. Auch die negative Entwicklung des Eigenkapitals, welches von etwa 4,12 Mrd. USD auf den aktuellen Wert gefallen ist, bestätigt dies.

Optimistisches Szenario

Für die Jahre 2022 bis 2025 rechnen wir mit einem durchschnittlichen Umsatzwachstum von ca. 4,81 % p. a. Anschließend soll dieses sich im Jahr 2028 noch einmal auf 9 % steigern, um sich dann wieder abzuflachen. Für 2031 nehmen wir dann 4 % Umsatzwachstum an und rechnen für die ewige Rente (2032ff.) mit 2 %.

Bezüglich der Margen gehen wir von einem leichten Wachstum bis zur ewigen Rente (2032ff.) auf bis zu 20 % aus.

Für die Dividenden kalkulieren wir mit einer Ausschüttungsquote von ca. 30 %. Zusätzlich nehmen wir auch an, dass etwa 1,50 % der ausstehenden Aktien p.a. zurückgekauft werden.

Der dann ermittelte faire Wert beläuft sich auf 186,52 USD und gibt damit eine Überbewertung von etwa 29 % an.

Mit einem KGVe von 27 in 2031 kommen wir dann auf eine Renditeerwartung von 10,12 % p. a.

Pessimistisches Szenario

Das pessimistische Szenario gestalten wir bis 2025 exakt gleich wie das optimistische. Anschließend gehen wir davon aus, dass das Umsatzwachstum nur bis 2028 auf 5 % anwächst und sich dann auch wieder abflacht, sodass der Umsatz in 2031 nur noch 3 % und in der ewigen Rente (2032ff.) noch 1,50 % wächst.

Für die Margen nehmen wir ebenfalls ein leichtes Wachstum an. Das Maximum befindet sich bei 17 %.

Zum aktuellen Zeitpunkt kommen wir damit nur noch auf einen fairen Wert von 138,21 USD und eine entsprechende Überbewertung von etwa 74 %.

Mit einem Gewinnmultiple von 16 errechnen wir dann eine Rendite von 0,46 % p. a.

Hier sehen wir eine Ausschüttungsquote von etwa 25 % und ein Rückkauf von nur 0,75 % der ausstehenden Aktien.

DCF-Modell

Bei der DCF-Berechnung kommen wir auf einen WACC von 8,61 % und verwenden einen Wachstumsabschlag von 2 %.

Für den Zeitraum 2022 bis 2025 verwenden wir hier die Umsatzzahlen der beiden DNP-Szenarien und ab 2026 nutzen wir Durchschnittswerte dieser.

Wir rechnen damit, dass die Free Cashflow Marge von den für 2022 erwarteten 7 % auf bis zu 17 % in 2027 steigen kann.

Damit kommen wir auf einen fairen Wert von 163,31 USD und eine Überbewertung um 46,98 %.

Das Modell findest du hier.  

Unsere Einschätzung 

Sherwin-Williams weist unserer Meinung nach ein paar Schwächen in der Bilanz auf, deren weitere Entwicklung beobachtet werden sollte, ist aber ein sonst sehr spannendes Unternehmen. 

Unsere Bewertungsmodelle lassen durchaus eine solide Rendite erwarten und die Entwicklung der Umsatz- und Gewinnzahlen weisen keinerlei Zyklus auf. Die hohe Fremdkapitalquote macht das Unternehmen andererseits aber anfälliger für Zinsänderungen und dieses Risiko sollte im Falle eines Investments durchaus bedacht werden.

Ich (Christian) habe Sherwin-Williams bereits im Depot, möchte mir aber die Möglichkeit auf den Kauf einer letzten Tranche für eine günstige Gelegenheit offenhalten.

Meine erwartete Rendite liegt hier bei etwa 9,00 % bis 9,50 % p. a.

Die Investmentampel stelle ich auf Gelb, mit Tendenz zu Grün, da das Unternehmen zwar einen ziemlich soliden Eindruck macht, aber die Kritikpunkte der Bilanz bestehen bleiben.

Die genaue Berechnung kann der Exceltabelle (DNP-Modell) durch einen Klick entnommen werden.

6. Technische Ansicht

Charttechnische Trendeinordnung

Übersicht

Sehr langfristig

Da Sherwin-Williams schon so lange an der Börse gelistet ist, kann in diesem Fall auch ein Blick auf den sehr langfristigen Trend im Drei-Monats-Chart geworfen werden. Hier fällt direkt die gleichbleibende, gesunde Trendgeschwindigkeit auf, welche seit Beginn des Aufwärtstrends herrscht. 

Inzwischen gab es bereits seit vielen Jahren keine wirklich große Korrektur mehr, die sich sowohl von der Länge als auch vom zeitlichen Ausmaß in die größten Abwärtsphasen (bspw. 1998-2000 oder 2007-2009) einreiht. Die jetzige Korrektur könnte wieder in diesem Kontext erwähnt werden, allerdings ist dies erst eindeutig zu bewerten, wenn die Abwärtsphase final vorüber ist.

Langfristig

Im Monats-Chart wird die Trendstabilität der Aktie direkt wieder ersichtlich, aber es fällt auch auf, dass im Jahr 2020 kurzzeitig (nicht nachhaltig) der Trend einmal gebrochen wurde. Dies ist nicht weiter dramatisch, aber ein kleiner Minuspunkt gegenüber anderen Aktien, deren Aufwärtstrend aktiv geblieben ist. Nichtsdestotrotz gab es im Anschluss eine enorm starke Aufwärtsbewegung und die aktuelle Korrektur ist als angemessen einzuordnen. 

Mittelfristig

Mittelfristig ist weiterhin ein Abwärtstrend erkennbar, welcher erst mit Überschreiten des Hochs bei 263,24 USD gebrochen wird. In den letzten Monaten konnte man allerdings bereits beobachten, dass die Aufwärtsbewegungen immer länger und die Abwärtsbewegungen eher kürzer wurden – ein klares Signal der Schwäche der Verkäufer.

Kurzfristig

Kurzfristig gelang bereits vor kurzem der Bruch des Abwärtstrends und anschließend konnte mit einer dynamischen Bewegung ein neuer Aufwärtstrend eingeleitet werden. Vor allem auch die Kurslücke vom 10.11.2022 spricht für eine enorme Stärke der Käufer.

Aussicht

Die Korrektur des langfristigen Aufwärtstrends hat vorerst ihr Ende in der grün markierten Zone gefunden, welche zugleich auch die wichtigste Unterstützung für Sherwin-Williams ist. Eine tiefere Korrektur wäre zwar aus trendtechnischer Sicht bedenkenlos möglich, allerdings würde dies die Trendgeschwindigkeit beschädigen, was kein gutes Zeichen wäre.

Sollte sich der neue kurzfristige Aufwärtstrend nun in die höheren Zeitebenen durchsetzen, dann ist es wahrscheinlich, dass wir das Tief der Korrektur bereits gesehen haben. Am wichtigsten ist vorerst der rot markierte Widerstandsbereich, denn hier liegt ein wichtiges Kurslevel, welches mit viel Volumen unterfüttert ist.

Technisches Wir Lieben Aktien-Rating

Im technischen Wir Lieben Aktien-Rating erreicht Sherwin-Williams 8 von 10 Punkte. Der erste Punkt geht aufgrund eines ausgeprägten Volumenwiderstandes über dem aktuellen Kursniveau verloren und den zweiten Punkt ziehe ich aus der subjektiven Sicht ab. Der Trend von Sherwin-Williams läuft zwar außerordentlich stabil, aber dennoch kam es einerseits in 2020 zum (nicht nachhaltigen) Trendbruch und andererseits ist die Struktur (bestehend aus den Zeit- und Längenverhältnissen von Korrekturen und Aufwärtsbewegungen) nicht ganz so schön wie bei anderen Aktien. Nichtsdestotrotz ergibt das insgesamt ein hervorragendes Ergebnis.

Marktsymmetrie

Die aktuelle Korrektur ist überdurchschnittlich, wenn man alle Korrekturen in die Auswertung miteinbezieht. Allerdings sollte sie eher im Kontext der großen Korrekturen, welche nur im Drei-Monats-Chart sichtbar sind, gesehen werden und darüber hinaus sollte man auch die Länge und Impulsivität der vorherigen Aufwärtsbewegung berücksichtigen. In Anbetracht dieser Aspekte ist die Länge der Korrektur gesund und angemessen.

Im Rainbow-Chart auf der Drei-Monats-Basis ist nun eindeutig ersichtlich, dass die aktuelle Korrektur eher zu den größten Abwärtsphasen gehört, die die Aktie jemals durchlaufen hat. Die kleineren Korrekturen endeten jeweils immer schon im Bereich der türkisen EMAs und nun wurde eine niedrigere Zone angelaufen. Die Korrekturlänge ist auch aus dieser Perspektive unbedenklich.

7. Fazit

Als Unternehmen mit über 150 Jahren an Historie, ist Sherwin-Williams als führender Hersteller von Farben und Lacken einzuordnen. Obwohl es in dieser Branche nicht einfach ist, sich mit seinen Produkten von den zahlreichen, ebenso etablierten Konkurrenten zu differenzieren, gelingt Sherwin-Williams seit vielen Jahren ein recht gleichmäßiges Wachstum der Umsätze und Gewinne. Neben der hohen Marktanteile und der stetigen Geschäftsentwicklung, zeichnet sich das Unternehmen durch eine hohe Kundenzufriedenheit, attraktive Margen sowie die Fähigkeit aus, auf steigende Rohstoffpreise zu reagieren.

Wie beschrieben, steht die Investmentampel auf Gelb (Tendenz zu Grün), mit einer Renditeerwartung von 9,00 % bis 9,50 % pro Jahr.  

Sherwin-Williams kann mit einer gleichmäßigen Trendgeschwindigkeit innerhalb mehrerer Jahrzehnte überzeugen und dies ist ein äußerst seltener Fall. Die aktuelle Kurszone eignet sich gut für eine nachhaltige Umkehr und auf der kurzfristigen Ebene wurde bereits wieder ein Aufwärtstrend etabliert. Insgesamt ist dies eine gute Ausgangssituation für ein wahrscheinliches Ende der gesamten Abwärtsphase. 

Autoren dieser Analyse  

Christian Lämmle
Christian Lämmle

"Markets are never wrong, only opinions are."
- Jesse Livermore

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Transparenzhinweis und Haftungsausschluss:

Die Autoren haben diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten aber nicht garantieren. Es findet keinerlei Anlageberatung durch “Wir Lieben Aktien”, oder durch einen für “Wir Lieben Aktien” tätigen Autor statt. Dieser Beitrag soll eine journalistische Publikation darstellen und dient ausschließlich Informationszwecken. Die Informationen stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Börsengeschäfte sind mit erheblichen Risiken verbunden. Wer an den Finanz- und Rohstoffmärkten handelt, muss sich zunächst selbstständig mit den Risiken vertraut machen. Der Kunde handelt immer auf eigenes Risiko und eigene Gefahr. “Wir Lieben Aktien” und die für uns tätigen Autoren übernehmen keine Verantwortung für jegliche Konsequenzen und Verluste, die durch Verwendung unserer Informationen entstehen. Es kann zu Interessenkonflikten kommen, durch Käufe und einen darauffolgenden Profit durch eine positive Kursentwicklung von in Artikeln erwähnten Aktien. 

Mehr Infos unter: https://wir-lieben-aktien.de/haftungsausschluss/

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