
Kurzvorstellung
Zoom Video Communications hat erst durch die Corona-Pandemie eine allgemeine Bekanntheit erreicht, als bspw. viele Unternehmen auf <strong>Videokonferenzen</strong> ausweichen mussten. Hierfür bietet Zoom eine Plattform, welche 2020 eine enormen Anstieg der Aufrufe verbuchen konnte. Im Rahmen der allgemeinen Lockerungen der “Corona-Regeln” wird es wohl zwangsläufig zu einem Rückgang der Nutzung von Diensten wie Zoom kommen. Allerdings kündigen immer mehr Unternehmen an, auch weiterhin nach der Pandemie Homeoffice Arbeitsplätze ermöglichen zu wollen. Ebenso Geschäftsreisen werden wohl nicht mehr auf das Vor-Corona-Niveau zurückkehren. Private Treffen werden hingegen eher wieder in das “echte Leben ausgelagert”. Langfristig ist Zoom in einem <strong>Aufwärtstrend</strong>: Seit Oktober 2020 korrigiert die Aktie diesen stetig (sie verlor im Tief über 50 % ihres Werts). Inzwischen ist eine deutliche Stabilisierung erkennbar und der kurzfristige Abwärtstrend wurde bereits gebrochen.
1. Das Unternehmen
Vorstellung
Zoom hat aktuell eine Marktkapitalisierung von 107 Mrd. USD und konkurriert mit dem eigenen Angebot an Webmeetings vor allem mit etablierten Unternehmen, die noch über andere Geschäftsbereiche verfügen. Dazu gehört z.B. Webex von Cisco, Teams von Microsoft und Meet von Google. Wir nutzen bei unseren Teammeetings ebenfalls Zoom und hatten bis jetzt keinen Anlass zu wechseln.
Die Entwicklung der Aufrufe von der Website zoom.us nahm, wie bereits erwähnt, während der Pandemie und dem damit zusammenhängenden weltweiten Lockdown stark zu. Nachdem Ende 2019 sogar ein negatives Wachstum dieser Kennziffer hingenommen werden musste, erreichte Zoom im Februar 2020 erstmals über 100 Mio. Aufrufe in einem Monat (im Betrachtungszeitraum der Statistik). In nur zwei weiteren Monaten kam es dann zu einem sprunghaften Anstieg der Aufrufe: Auf das rund 18-fache. Der Lockdown machte die gesamte Technologie damit unverzichtbar.
Gegründet wurde Zoom von Eric Yuan im Jahr 2011, welcher auch heute noch der CEO des Unternehmens ist. Zwei Jahre später erfolgte dann die Veröffentlichung der Software, die im weiteren Verlauf angepasst und verbessert wurde. Innerhalb weniger Monate nach dem Release konnte Zoom erstmals eine siebenstellige Nutzerzahl verzeichnen. Im April 2019 folgte der Börsengang.
Zoom sieht den eigenen Unternehmenszweck darin, die größten Herausforderungen der Menschheit aktiv anzugehen. Dazu zählt der US-amerikanische Konzern soziale Unterschiede, Bildungsungleichheiten und den Klimawandel. Wie das Unternehmen in diesen Bereichen jetzt wirklich einen positiven Einfluss ausübt, wird auf der eigenen Website genauer erläutert.
In allen genannten Bereichen gibt Zoom finanzielle Unterstützungen heraus. Non-Profit-Organisationen haben z.B. auch die Möglichkeit Zoom vergünstigt (also nicht kostenfrei!) zu nutzen.
Generell hat das Unternehmen den Anspruch, dass die virtuellen Zoom-Meetings besser als reale Treffen sind bzw. werden.
Auf der eigenen Website wirbt Zoom mit Erfahrungsberichten von renommierten Unternehmen, welche Zoom anscheinend aktiv nutzen. Wie bereits erwähnt halten wir unsere wöchentlichen Meetings (ebenso Webinare) auch bei Zoom ab. Insofern können wir die Plattform wie folgt etwas tiefergehend bewerten und sind durchaus zufrieden.
Zuletzt ist noch bemerkenswert, welche Auswirkungen die Nutzung von Zoom auf Unternehmen hat. Die Kunden berichten, laut einer Statistik von Zoom, dass in 95 % der Fälle eine Leistungs- und Vertrauenssteigerung erreicht werden konnte. Ein größeres Engagement ist eine weitere positive Auswirkung, die bei 93 % der Kunden zu beobachten war.
Geschäftsmodell
Das Produkt
Zooms Software “Zoom-Meetings” beruht auf einer Grundlage: Online Kommunikation. Ziel des Unternehmens ist es, “Zoom-Meetings” besser zu machen als Treffen im wahren Leben.
Der Kern
Man legt den Fokus auf Kommunikation via Video. Daneben kann sich auch über Sprache und Chat verständigt werden. Der Austausch von Content ist über die Plattform möglich: bspw. das Teilen von Bildschirmen oder einem digitalen Whiteboard, sodass andere Nutzer darauf kommentieren können via Stift bzw. Schrift. Meetings oder Gespräche können auch automatisch transkribiert (von Sprache in Text) werden. Ein ähnliches, wenn auch deutlich diversifizierteres Geschäftsmodell hat die deutsche Teamviewer AG, die wir bereits analysiert haben.
Was unterscheidet Zoom von anderen?
Das Unternehmen hebt als USP vor allem das “intuitive design” der Software hervor, das eine einfache Handhabung ermöglicht. Abgewickelt werden die Telefonate und Meetings über eine Cloud.
Seit 2018 sind außerdem VoIP-Anrufe möglich. Das bedeutet, dass Nutzer sich über das Mobilfunknetz oder Festnetz in die Onlinemeetings schalten können.
Die Zahlen sprechen für sich. Aktuell ist Zoom weltweit der Marktführer für Videokonferenz-Plattformen (siehe Abb. 6) mit
44 dominierten Ländern (siehe Abb. 4).
Was wir vor allem bemerkenswert finden ist die Tatsache, dass Zoom in der Pandemie mit großem Abstand am meisten wachsen konnte. Und das, obwohl es andere Konkurrenz gab, die bereits viel länger auf dem Markt ist (z. B. Skype).
Zooms Kunden
Die Nutzung der Basisfunktionen von “Zoom-Meetings” ist kostenlos. Dabei ist jedoch die Anzahl der maximalen Teilnehmer*innen und auch die Dauer des Anrufes beschränkt (siehe Abb. 5).
Die Kundschaft ist aktuell sowohl privat als auch geschäftlich auf Zoom unterwegs. Darunter Schulen, Universitäten und andere Bildungseinrichtungen, die während der weltweiten COVID-19-Pandemie auf Distanzunterricht umstellen mussten.
Die privaten sowie geschäftlichen Gespräche und Meetings bei Zoom sollten nach der Pandemie deutlich zurückgehen, so viel ist klar. Was aber als Frage offen bleibt:
Wie viele der Geschäftskund*innen bleiben beim Home-Office und somit potenzielle Kundschaft für Zoom?
Kommentar eines Nutzers
Ich selbst (Adrian) bin schon fast ein “Pionier”, was die Nutzung von Online-Telefonie angeht, weswegen ich denke, dass ich da gut ein Urteil fällen kann. Vor über 10 Jahren habe ich Skype (seit 2011 Teil von Microsoft) verwendet, das heute fast nicht mehr relevant ist. Danach liefen geschäftliche Dinge über Jahre via WhatsApp Telefonie oder Festnetz. Seit 2020, Beginn der Corona-Pandemie, bin ich Zoom-Nutzer. Ich verwende die App für Webinare oder geschäftliche Anrufe/ Meetings.
Für das digitale Zeitalter ist Zoom ideal, da intuitiv, einfach zu bedienen und mit einer vorhandenen App für maximale Flexibilität sorgt. Der Preis ist an sich auch okay.
Was sehe ich kritisch?
In den letzten Monaten haben einige Plattformen angefangen, ähnliche Funktionen in ihren Service aufzunehmen. Die US-amerikanische Plattform Discord (bald wohl Teil von Microsoft) hat bspw. “Stages” eingeführt, das Webinare ermöglicht. Dazu gibt es die Funktionen eines normalen “talks” auch mit anderen Nutzern der Plattform, was einem Meeting gleicht. Das ganze ist kostenlos und hat eine bessere Übertragungsqualität als Zoom.
Als zahlender Zoom-Nutzer komme ich mir da etwas verarscht vor. Meine Nutzung von Zoom beruht nur noch auf der Begründung, dass Zoom auf simple Weise Webinare aufzeichnen lässt. Wenn das bei Discord bald der Fall sein sollte, dann werde ich Zoom kündigen.
Ich kann mir vorstellen, dass es vielen Nutzern so ähnlich geht oder gehen wird. Der Videotelefonie-Markt ist hart umkämpft u. a. von Big Playern wie Microsoft und Alphabet. Da gilt es, sich kritisch die Frage zu stellen, ob Zoom die aktuell hohen Marktanteile dauerhaft halten kann?
Geschäftsführung
Eric S. Yuan
Eric Yuan hat Zoom im Jahr 2011 gegründet, 2019 an die Börse gebracht und ist auch heute noch der CEO vom Unternehmen.
Vor der Gründung des Unternehmens war er bei Cisco als Corporate Vice President im Bereich Engineering beschäftigt und war führend bei dem Projekt “WebEx” (Konkurrenz von Zoom) beteiligt. Genau genommen hat Yuan den Geschäftszweig mit aufgebaut und im Laufe der Jahre auf einen Umsatz von über 800 Mio. USD skaliert.
2018 erhielt Yuan Auszeichnungen als bester CEO (der großen US-Firmen) u. a. von Glassdoor. Ein Jahr später setzte Bloomberg ihn auf die Liste der Top-50 Personen, die die Geschäftswelt maßgeblich veränderten.
Janine Pelosi
Janine Pelosi nimmt die Position des Chief Marketing Officers bei Zoom ein und ist somit u. a. für die Präsentation der eigenen Marke und Produkte zuständig.
2015 kam Pelosi zu Zoom und übernahm die Führung der Marketing-Abteilung. Das Unternehmen selbst beschreibt sie als die Person, die für den Aufbau der gesamten Marketing-Strategie verantwortlich ist. Dieser Bereich sollte auf keinen Fall unterschätzt werden, weil er (laut Zoom) erst ein solch immenses Wachstum möglich machte.
Vor ihrer Anstellung bei Zoom hat Pelosi bereits 15 Jahre an Erfahrung sammeln können und arbeitete zuvor ebenfalls für Cisco. Dort hatte sie auch mit WebEx zutun.
2020 wurde Pelosi als einer der besten CMOs der Welt ausgezeichnet (Business Insider).
In dem Sektor Marketing absolvierte sie zu Beginn auch ihr Bachelor-Studium.
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