Wir Lieben Aktien

Edwards Lifesciences Aktie Analyse

Der Herz Spezialist

Analyse vom 30.10.2022

von Jan Fuhrmann

Kurzvorstellung von Edwards Lifesciences

Global sterben die mit Abstand meisten Menschen aufgrund Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Während im Jahr 1990 noch 25,90 % aller Todesursachen auf solche Krankheiten zurückzuführen waren, waren es 2019 bereits 32,80 %. Diese Erkrankungen gehören zu den sogenannten „Volkskrankheiten“, die durch die mit der Zivilisation verbundene Lebensweise hervorgerufen werden. In Zukunft werden immer mehr Länder die Lebensstandards der modernen Zivilisation mit exzessivem Konsum und einem stressigen Alltag übernehmen. Beschwerden wie Bluthochdruck, Übergewicht und Stress sind Folgen dieser Lebensweise, sie erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Deswegen ist davon auszugehen, dass in Zukunft immer mehr Menschen an dieser Art von Erkrankungen sterben werden. Hinzu kommt eine immer älter werdende Bevölkerung und anhaltendes Bevölkerungswachstum. Edwards Lifesciences hat sich auf die Medizintechnik zur Behandlung dieser Krankheiten fokussiert. Das Unternehmen ist vor allem bekannt für Herzklappen-Restruktions-Produkte und Produkte für Gefäßtherapie sowie Überwachungsgeräte während intensiven Operationen. Der Gründer des Unternehmens, Miles Edwards, entwickelte 1958 die erste künstliche Herzklappe, die noch im gleichen Jahr erfolgreich bei einem Patienten implantiert wurde. Ein traurigerweise sehr lukratives und zukunftsorientiertes, gleichzeitig aber sehr spannendes Geschäftsmodell von einem geschichtsträchtigen Unternehmen. Wir haben uns den Konzern, der die häufigste Todesursache der modernen Zivilisation bekämpft, genau angeschaut. Durch den Kursrutsch gab es Änderungen bei unseren Ratings. Im Intro sprechen wir deshalb von 10/10 Punkten im technischen Rating und 8/10 Punkten im fundamentalen Rating (Dies wird auch im dazugehörigen Kapitel so erwähnt.). Die korrekten Punktzahlen sind 9/10 Punkte im technischen und 9/10 im fundamentalen Rating.

1. Das Unternehmen

Historie

Gründung

Die Historie von Edwards Lifesciences beginnt mit Miles “Lowell” Edwards im Jahr 1958. Im Gegensatz zu vielen anderen Gründern handelte es sich hierbei um einen 60-jährigen pensionierten Ingenieur, welcher bereits über einen enormen Erfahrungsschatz verfügte (bspw. 63 Patente) und gleichzeitig schon zwei Mal an rheumatischem Fieber erkrankte. Diese Krankheit kann die Herzklappen vernarben und schlussendlich Herzversagen herbeiführen.

Die Kombination aus seiner beruflichen und persönlichen Erfahrung führte zu seinem Ziel, das menschliche Herz zu mechanisieren. Dafür entwickelte Edwards ein Konzept, welches er dem jungen Chirurgen Dr. Albert Starr vorstellte. Nachdem dieser seine Idee als zu komplex einstufte, konzentrierte sich der pensionierte Ingenieur zunächst auf die Entwicklung einer künstlichen Herzklappe.

Es dauerte nur zwei Jahre und die erste Mitralklappe von Starr-Edwards wurde bereits erfolgreich bei Patienten eingesetzt. Eine unglaubliche Revolution in der Medizin und zugleich der Beginn zu Edwards Laboratories.

Forschung & Entwicklung führt zu neuen Geschäftsbereichen

Wie bei den meisten Unternehmen aus der Gesundheitsbranche, hat auch Edwards Laboratories (später unter anderem Namen) viel Zeit und Geld in die Forschung und Entwicklung investiert. Beispielhaft zu nennen ist ein neuer Katheter in den 1960er-Jahren, welcher der Beginn des vaskulären (betrifft die Blutgefäße) Geschäfts des Unternehmens darstellte. Im Jahr 1970 begann mit der Entwicklung eines Arterienkatheters auf eine ähnliche Weise die Tätigkeit im “Critical Care”-Bereich und wenige Jahre später brachte man Schweine-Bioprothesen auf den Markt.

Das Unternehmen lebte also förmlich von den neuen Innovationen und auf diese Art gelang die Expansion innerhalb der Branche. Allerdings erkannten Konkurrenten das Potenzial relativ schnell (nach dem Erfolg mit der künstlichen Herzklappe wurde man ohnehin weltweit bekannt) und bereits im Jahr 1966 änderte sich die Firmenstruktur maßgeblich. Die meisten Entwicklungen sind also erst der Zeit nach der ersten Änderung in der Unternehmensstruktur zuzuordnen.

Unternehmensstruktur (Entwicklung der Ursprungsfirma)

1966 kaufte American Hospital Supply dann Edwards Laboratories auf und die Firma wurde zu American Edwards Laboratories. Nach vielen Jahren der Weiterentwicklung, neuen Durchbrüchen usw. übernahm 1985 schließlich Baxter International das Unternehmen und erst 15 Jahre später erfolgte die erneute Ausgliederung.

2000 war dann ein sehr ereignisreiches Jahr, denn der Spin-off von Baxter International (welcher nun den Namen Edwards Lifesciences trägt) wurde direkt an die Börse gebracht. Gleichzeitig schritt die Expansion als eigenständiges Unternehmen direkt voran und in der Dominikanischen Republik fand die Eröffnung einer neuen Produktionsstätte statt.

Nach dem Börsengang

In der Zeit nach dem Börsengang führte Edwards Lifesciences einige Akquisitionen durch, welche das eigene Geschäft in verschiedener Hinsicht ergänzen sollten. Die letzte Übernahme konnte in 2019 mit CAS Medical Systems abgeschlossen werden.

Natürlich engagiert sich der Konzern aber primär selbst im Bereich der Forschung & Entwicklung und konnte eine ganze Reihe an Erfolgen nach der Jahrtausendwende verbuchen. Zu den bekanntesten Errungenschaften gehört die Transkatheter-Herzklappe Edwards SAPIEN, welche inzwischen in mehreren Generationen erschienen ist. Darüber hinaus eröffnete Edwards Lifesciences neue Produktionsstätten in Singapur (2008) und Utah (2010), um die steigende Nachfrage bedienen zu können.

Heute betreibt Edwards Lifesciences sieben Produktionsstandorte, ist in über 100 Ländern auf der ganzen Welt vertreten und beschäftigt über 15.000 Mitarbeiter. Davon entfallen rund 2.000 auf die Ingenieure, welche sich täglich der Forschung & Entwicklung widmen.

Mission, Ziele und Nachhaltigkeit

Mission und Credo

Edwards Lifesciences sieht die Hilfe für Patienten als Lebensaufgabe an und ergänzt diesen Satz damit, dass das Leben jetzt sei. Man möchte diese Aufgabe dementsprechend in der Gegenwart, zu jedem Moment, erfüllen. Indem der Konzern genau dies umsetzt, kann das Vertrauen der Kunden, Kollegen und Patienten gewonnen werden, was wiederum als Grundlage für die übergeordnete Mission gesehen wird: Die Lebensqualität auf der ganzen Welt zu verbessern.

Darüber hinaus hat das Unternehmen ein Credo, welches lautet: „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, innovative Lösungen für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen anzubieten.“ Dies beschreibt noch einmal genauer, in welchem Sektor der Konzern eigentlich tätig ist und dass der Fokus auf einer speziellen Art der Erkrankung liegt. Anders als weitere große Gesundheitskonzerne konzentriert sich Edwards Lifesciences also „nur” auf einen bestimmten Bereich.

Ziele

Edwards Lifesciences sieht sich als führend im eigenen Gebiet und verfolgt im Kern fünf Ziele, welche verschiedenen Interessengruppen (Aktionäre, Patienten, …) zugutekommen:

Nachhaltigkeit

Wenn sich ein Unternehmen als Ziel die Verbesserung der Lebensqualität setzt, dann ist das Engagement in Bezug auf die Nachhaltigkeit nahezu eine logische Schlussfolgerung. Unabhängig von der Forschung & Entwicklung, welche der Menschheit neue medizinische Errungenschaften beschert (aber natürlich auch das Geschäft von Edwards Lifesciences ist), setzt sich das Unternehmen auch für eine bessere Gesellschaft ein.

Im Rahmen der eigenen Stiftung unterstützte Edwards Lifesciences allein im Jahr 2021 über 250 Wohltätigkeitsorganisationen auf der ganzen Welt. Der Fokus beim Engagement liegt auf dem, was der Gesundheitskonzern am besten kann: Unterstützung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Spenden der eigenen Produkten, Förderung der Bildung in MINT-Fächern usw. Bis Ende des Jahres 2025 möchte sich Edwards Lifesciences für 2,50 Mio. Herz- und Intensivpatienten einsetzen, welche ansonsten keine Hilfe bekommen würden (unterversorgt).

Außerdem setzt Edwards Lifesciences auf die Werte Integrität, Ehrlichkeit, Offenheit und Fairness. Das Unternehmen setzt sich auch für die Diversität und Inklusion ein und möchte, dass sich in der Firma jeder respektiert und sicher fühlt.

Aktionärsstruktur

Die Aktionärsstruktur von Edwards Lifesciences zeigt keine besonderen Auffälligkeiten. Den größten Anteil hält die Vanguard Group mit 7,70 % und darauf folgen weitere Investmentgesellschaften und Vermögensverwalter wie bspw. Capital Research & Management Co. (World Investors) mit 5,26 %, Shapiro Capital Management mit 4,37 % und das SSgA Funds Management mit 4,34 %. Der Gesamteinfluss von Capital Research & Management Co. ist zudem verhältnismäßig groß, denn über den Bereich International Investors werden weitere 3,61 % der Aktien von Edwards Lifesciences gehalten. Weitere relevante Einzelaktionäre gibt es nicht.

Geschäftsmodell

Einleitung

Edwards Lifesciences hat die Mission, das Leben von Patienten zu verbessern, die gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und schwerwiegende Krankheiten kämpfen. Das mag eine pauschale Aussage für ein medizintechnisches Unternehmen sein, ist aber bei der langen und von Innovationen geprägten Geschichte des Unternehmens durchaus ein plausibles Statement.

Warnhinweis: Wir behandeln hier ein medizinisches Produktportfolio, welches sich auf das Herz fokussiert. Einige der Erklärungen sind eventuell für einige Leser etwas „brutaler“, wir haben aber alle Formulierung so „sanft“ wie möglich gestaltet.

Die eigens gestellte Aufgabe erfüllt das Unternehmen mit einer Auswahl an High-Tech-Software, Hardware und Biotechnologie. Edwards Lifesciences ist weltweit führender Anbieter von patentorientierter, medizinischer Innovation für strukturelle Herzkrankheiten und Überwachung in der Intensivmedizin. Das Wort „patentorientiert“ ist dabei sehr wichtig, da die Anzahl von Patenten bei einem Unternehmen in der schnelllebigen Medizinbranche die finanziellen Überlebenschancen sichern. Seit mehr als sechs Jahrzehnten arbeitet der Konzern eng mit Kliniken und Forschern zusammen, um die eigenen Produkte immer auf dem neuesten Stand zu halten und Innovation herbeizuführen.

Wie bereits oben erwähnt, ist Edwards Lifesciences Pionier bei der Entwicklung von Herzklappentherapie, der Herstellung von Herzklappensystemen und Reparaturprodukten. Damit können kranke oder defekte Herzklappen von Patienten repariert oder ersetzt werden. Wenn wir uns den Aufbau des menschlichen Herzens genauer anschauen, dann besteht dieses aus zwei Hälften. Jede Hälfte hat eine Segelklappe und eine Taschenklappe. Die Segelklappen liegen zwischen Vorhof und Kammer und heißen Mitralklappe (links) und Trikuspidalkappe (rechts). Die Taschenklappen liegen jeweils zwischen Kammer und Ausstromgefäß und heißen Aortenklappe (links) und Pulmonalklappe (rechts).

Als Ventile im Herzen sorgen die vier Herzklappen dafür, dass Blut nur in eine Richtung fließt. Bei einer Herzklappenerkrankung sind eine oder mehrere der Klappen entweder verengt, verkalkt oder undicht. Diese Erkrankungen können in seltenen Fällen angeboren sein, weitaus häufiger sind sie jedoch erworben – bspw. durch Verkalkungen im höheren Lebensalter, Entzündungen oder Durchblutungsstörungen. Eine Fehlfunktion der Klappen entsteht durch eine eingeschränkte Öffnung oder Schließung der Klappen. Das führt dazu, dass der Blutfluss im Körper gestört ist und das Herz ineffektiver arbeiten kann. Der Herzmuskel muss also deutlich mehr Arbeit aufwenden. Wenn die Funktion der Klappen nur leicht beeinträchtig ist, dann macht sich das im Alltag kaum bemerkbar. Schreitet eine solche Erkrankung jedoch fort, kann der Herzmuskel keinen ausreichenden Blutfluss mehr gewährleisten. Das führt dazu, dass Betroffene bei körperlicher Belastung Atemnot, Schwindel, Husten oder Ohnmacht erleiden. Bei schweren Erkrankungen muss die betroffene Klappe entweder repariert oder ersetzt werden. Hier kommen die Produkte von Edwards Lifesciences ins Spiel. Da die Erkrankungen vor allem Leute im höheren Alter betrifft, werden in Zukunft immer mehr Menschen von solchen Krankheitsbildern betroffen sein.

Transkatheter-Aortenklappen-Ersatz

Die Arbeit des Konzerns umfasst sowohl chirurgische als auch Transkatheter-Therapien für Herzklappen. Bei letzteren ist nur ein leichterer Eingriff erforderlich und die Herzklappe wird über einen Katheter (eine Art Schlauch) eingesetzt. Früher wurde diese Variante nur bei Patienten mit sehr hohem Operationsrisiko eingesetzt – heute aufgrund fortschreitender Technik und Haltbarkeit auch bei jüngeren Patienten. Dieses Verfahren wird auch TAVI (engl.: Transcathether Aortic Valve Implantation/dt.: Transkatheter-Aortenklappenimplantation) genannt. Dabei wird auf eine schwierige OP verzichtet, bei der das Brustbein durchtrennt und mit einer Herz-Lungen-Maschine die Körperfunktionen aufrechterhalten werden kann. Bei der gängigsten Methode wird der Katheter über die Leistenarterie und die Hauptschlagader (Aorta) bis ins Herz vorgeschoben. Darüber wird dann eine zusammengefaltete biologische Herzklappenprothese an die Stelle der kranken Aortenklappe vorgeschoben und aufgedehnt, sodass die kranke Herzklappe in die Wand der Aorta gedrückt und ersetzt wird.

Edwards Lifesciences ist weltweit führend bei der Herstellung dieser Prothesen mit minimalinvasivem Eingriff. Die Lebensqualität von Patienten wird mit dieser Methode deutlich schneller verbessert. Transaortenklappen sind die wichtigsten Produkte nach Gesamtumsatz im Geschäftsmodell von Edwards und machen mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes aus.

Die Produkte von Edwards zur TAVI-Behandlung heißen SAPIEN-TAVI/TAVR und bestehen aus biologischen Materialien, wie z. B. der SAPIEN 3 (künstliche Aortenklappe) aus Rindergewebe. Der Name des Produkts kommt dabei vom lateinischen Wort „sapiens“ für „weise/einsichtig“. Die biologische Bezeichnung des heutigen Menschen lautet außerdem „homo sapiens“, also „weiser Mensch“. Die „Sapien 3 Prothese“ ist eine von mehreren künstlichen Herzklappenvarianten, die Edwards Lifesciences anbietet. Auch sie wird über einen Katheter eingesetzt und mittels einer Art „Ballon“ vor die kranke Herzklappe gedrückt.

Transkatheter-Therapien für Mitral- und Trikuspidalklappen

Während der Markt für künstliche Aortaklappen mit der Transkatether-Methode bereits schon relativ gut ausgereift ist, so ist der Markt für künstliche Mitral- und Trikuspidalklappen mit diesem Verfahren wesentlich jünger. Viele der Technologien befinden sich noch in der klinischen Entwicklungs- oder Forschungsphase. Nur wenige Transkatheter-Klappenreparatursysteme wie PASCAL oder Cardioband von Edwards Lifesciences sind in Europa auf dem Markt. Bei Mitral- und Trikuspidalklappen ist deutlich mehr Flexibilität und Anpassung während des Eingriffs notwendig, was beide Systeme liefern.

Dabei entwickelt Edwards Lifesciences auch die Verfahren des kompletten Transkatheter-Systems weiter. Mit SAPIEN M3 verbessert man den Andock- und Anpassungsmechanismus an die alte Herzklappe unter Verwendung der oben bereits beschriebenen SAPIEN Klappe. Evoque Eos ist ein Transkatheter-Ersatzsystem der nächsten Generation, das vor allem für Mitralklappen-Patienten entwickelt wurde. Das System ist in drei Größen erhältlich.

Chirurgische Herzeingriffe

Edwards Lifesciences leistet Pionierarbeit bei der Entwicklung widerstandsfähiger Gewebeklappen. Es geht darum, die Lebensdauer von Implantaten zu verlängern und somit auch Risiko und Aufwand von Patienten zu reduzieren. Das vom Konzern patentierte RESILIA Gewebe ist ein Beispiel dafür. Klinische Tests haben in den letzten fünf Jahren 0 % Gewebeverschlechterung der Klappenprothesen gezeigt, welche mit RESILIA ausgestattet waren. Patienten entscheiden sich immer wieder für Gewebe- anstatt mechanische Klappen. Diese brauchen keine Antikoagulationstherapie, bei der Arzneimittel zur Hemmung von Blutgerinnung verabreicht werden müssen.

Intensivpflege

Das letzte Themenfeld des Geschäftsmodells von Edwards Lifesciences betrifft die Überwachung von Patienten in Intensivstationen bspw. während einer Operation. Der Konzern baut hochmoderne Hardware zur Überwachung von Herzfunktionen und Flüssigkeitsstatus von Patienten. Dies spielt auch post-operativ eine wichtige Rolle bei der Genesung. Dazu kommen Softwares, die Ärzte bei der Entscheidungsfindung helfen sollen. Ein Beispiel hierfür ist die Acument Hypotension Prediction Index Software. Ein Pilot-Projekt, welches Ärzten auf Basis von Daten Wahrscheinlichkeiten für bestimmte Zwischenfälle errechnet.

Die Geschichte von Jim

Wir haben diese Geschichte aus dem Edwards Lifesciences Annual Report 2021 hier komplett für euch übernommen. Viele von euch haben Probleme, an ihren Investments in Krisenzeiten festzuhalten. Damit wollen wir Edwards nicht ohne Einschränkungen zum Kauf empfehlen. Wir wissen aber, dass es sehr hilfreich ist, sich immer mal wieder in Erinnerung zu rufen, dass viele Unternehmen, in die wir an der Börse investieren, reale Probleme in der Realität lösen und uns das Leben einfacher machen. Das sind nicht einfach irgendwelche ausgedachten Kurse, sondern echte Anteile an sämtlichen Arbeiten von Menschen, die in diesen Unternehmen arbeiten.

Geboren und aufgewachsen in Kalifornien, zog Jim vor mehr als 25 Jahren vom Silicon Valley nach Neuengland, um seinen Lebensstil zu ändern und um sich wieder Gesundheit, Wohlbefinden und seiner Fitness zu widmen. Während er den Großteil seiner Karriere in der Software-Systementwicklung verbrachte, wechselte Jim vor etwa zehn Jahren in eine neue Phase seiner Karriere, damit er und seine Frau das Leben und Arbeiten in Vollzeit auf der Insel Martha’s Vineyard genießen können. Jim ist gerne in der freien Natur aktiv, sei es beim Laufen, Wandern, Radfahren, Schwimmen oder Skilanglauf. In den letzten Jahren haben er und seine Tochter es zu einer jährlichen Tradition gemacht, am Malibu-Triathlon teilzunehmen. Jim’s Leidenschaft ist jedoch das Bergsteigen. Zu seinen denkwürdigsten Besteigungen zählt er die des Mt. Dana in Tuolumne Meadows im Yosemite National Park, eine anstrengende, hochalpine Wanderung. Vor einigen Jahren, während seines Triathlon-Trainings und anderer körperlicher Aktivitäten, begann Jim Kurzatmigkeit und eine eingeschränkte Bewegungsfähigkeit festzustellen. „Im Jahr 2020 begann ich, mich beim Sport schlechter zu fühlen, mit starker Kurzatmigkeit und Schmerzen in den Schultern”, sagte Jim, „schon das Steigen einer Treppe begann mich zu belasten. Mein erster Versuch einer Winterbesteigung des Mt. Washington scheiterte.”

Wegen der COVID-Pandemie wurde Jims jährlicher kardiologischer Check-up abgesagt und andere Termine wurden verschoben. Schließlich wurde bei Jim jedoch eine schwere Aortenstenose diagnostiziert. Nachdem ihm zuerst geraten wurde, einen ruhigeren Lebensstil zu verfolgen, suchten seine Frau und er nach alternativen Behandlungsmethoden. Mit dem Wissen, eine schwere Aortenstenose könne tödlich sein, wurde Jim von einem Ärzteteam untersucht und es wurde festgestellt, dass er für einen Transkatheter-Aortenklappen-Ersatz geeignet ist.

Jim unterzog sich am 17. Dezember 2020 einer Operation nach TAVR-Verfahren mit dem Einsetzen einer SAPIEN 3-Klappe. „Und innerhalb weniger Tage“, so sagte er, „bekam ich mein Leben zurück. Ich verbrachte eine Nacht im Krankenhaus. Eine Woche später konnte ich wieder all meinen Aktivitäten nachgehen, ohne Einschränkungen. Am Tag nach Weihnachten, ging ich mit meinen Töchtern joggen. Ich fühlte mich großartig und mein Tempo stieg um mehrere Minuten pro Meile, ohne mich anzustrengen.”

Jim feierte seinen Geburtstag nach der TAVR mit einer Winterbesteigung des Mt. Washington und arbeitet weiter an seinem Ziel, alle 4.000er in den White Mountains von New Hampshire zu besteigen. Außerdem freut er sich darauf, dieses Jahr 50 Jahre Ehe mit seiner Frau zu feiern und mehr Zeit mit seinen drei erwachsenen Kindern und vier Enkelkindern zu verbringen.

Burggraben

Einleitung

Edwards Lifesciences investiert jedes Jahr einen hohen dreistelligen Millionenbetrag in die Forschung und Entwicklung neuer Produkte. Selbstverständlich sind die Lösungen durch internationale Patente geschützt und können von konkurrierenden Playern nicht ohne Weiteres repliziert werden. Gemeinsam mit dem bestehenden Netzwerk aus weltweiten Produktionskapazitäten, Geschäftsgeheimnissen sowie dem unternehmensinternen Know-how stellen diese Schutzrechte einen wichtigen Faktor für den Burggraben dar.

Außerdem konnte sich Edwards Lifesciences nach eigenen Angaben als weltweit führender Anbieter von patientenorientierten Behandlungen von strukturellen Herzerkrankungen etablieren und besitzt als solcher eine hohe Reputation. Wie sich Edwards Lifesciences in Bezug auf die Marktanteile für kardiologische Geräte schlägt, werden wir außerdem im Rahmen der Branchenanalyse näher beleuchten.

Porters Five Forces

Nachstehend die Branchenstrukturanalyse nach Michael E. Porter. Diese dient der Einordnung von externen Kräften, welche auf die Unternehmen einer Branche einwirken. Unsere Skala reicht hierbei von 0 bis 5. Je besser Edwards Lifesciences aufgestellt ist, desto höher ist die Punktzahl, welche wir vergeben.

Externe KraftStärkeBegründung
Rivalität unter bestehenden WettbewerbernStärke3/5Begründung

Zu den bestehenden Mitbewerbern von Edwards Lifesciences gehören zum einen kleine, spezialisierte Player, aber auch große, diversifizierte Konzerne wie Abbott Laboratories oder Medtronic. Trotz der ausgeprägten Konkurrenzsituation vergeben wir 3 Punkte, da Edwards Lifesciences mit seinen spezifischen Produktlinien führende Positionen für sich beanspruchen kann.

Bedrohung durch neue WettbewerberStärke5/5Begründung

Die Entwicklung von empfindlichen medizinischen Produkten erfordert Know-how und eine erhebliche Menge an finanziellen Mitteln. Weiterhin ist die Herstellung und Sterilisierung der Produkte hochkomplex und wird von verschiedenen internationalen Aufsichtsbehörden kontrolliert. Aus den genannten Gründen stufen wir Bedrohung durch neue Wettbewerber als äußerst niedrig ein.

Verhandlungsmacht der LieferantenStärke2/5Begründung

Edwards Lifesciences bezieht verschiedene Rohstoffe und sonstige Materialien von Drittanbietern, um seine Produkte entwickeln und herstellen zu können. Für bestimmte Einsatzstoffe existiert eine limitierte Auswahl an Zulieferern, deren Ausfall Edwards Lifesciences Probleme bereiten könnte. Daher halten wir 2 von 5 Punkte für die Verhandlungsmacht der Lieferanten als angemessen.

Verhandlungsmacht der KundenStärke4/5Begründung

Die Anzahl an Kunden bzw. Patienten, welche mit den Lösungen von Edwards Lifesciences behandelt werden, ist vergleichsweise groß und es bestehen in dieser Hinsicht keine Abhängigkeiten. Außerdem unterscheiden sich die Produkte von Edwards Lifesciences von denen der Konkurrenten und zeichnen sich insbesondere durch die minimalinvasive Operationsmethode aus.

Bedrohung durch ErsatzprodukteStärke3/5Begründung

Der Bedarf für medizinische Produkte, welche sich der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen widmen, wird in den kommenden Jahren aller Voraussicht nach zunehmen. Die Medizintechnik ist allerdings als äußerst innovationsstarke Branche einzuordnen und es ist nicht auszuschließen, dass zukünftig Ersatzprodukte entwickelt werden, welche für Edwards Lifesciences eine Bedrohung darstellen könnten. Um dieser Möglichkeit Rechnung zu tragen, vergeben wir nur 3 Punkte.

Burggraben-Rating

mit Porters Five Forces

Gesamt: 17/25

Geschäftsführung

Michael A. Mussallem

Seit dem Spin-off von Baxter International und dem damit einhergehenden Börsengang von Edwards Lifesciences führt Michael A. Mussallem das Unternehmen als CEO und Chairman of the Board. Heute ist er 69 Jahre alt und dementsprechend ist ungewiss, wie lange er die aktuelle Tätigkeit noch ausführen wird.

Bevor Mussallem die Unternehmensleitung übernahm, war er bei Baxter International in diversen Bereichen in Führungspositionen aktiv, wobei er zuletzt der Group Vice President vom biopharmazeutischen Geschäft war. Sein Erfahrungsschatz in der Branche, vor allem auch in leitenden Positionen, ist somit außerordentlich groß und ausgeprägt.

Ursprünglich studierte Michael A. Mussallem Chemieingenieurwesen und erhielt in diesem Bereich seinen Bachelorabschluss. Heute hält er zudem die Ehrendoktorwürde vom Rose-Hulman Institute of Technology.

Lass uns Feedback da!

Verbesserungsvorschläge, Anregungen, Lob, Kritik? Wir nehmen alles dankend an. Wenn du uns kostenlos unterstützen möchtest, lass uns eine Rezension auf Trustpilot da – oder schreib uns einfach auf Discord.

Folge und kontaktiere uns

Newsletter

Jetzt abonnieren und keine Analyse mehr verpassen.

Transparenzhinweis

Die Autoren haben diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten aber nicht garantieren. Es findet keinerlei Anlageberatung durch „Wir Lieben Aktien“ statt. Dieser Beitrag dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Börsengeschäfte sind mit erheblichen Risiken verbunden; der Kunde handelt stets auf eigenes Risiko.

Mehr Infos unter: wir-lieben-aktien.de/haftungsausschluss