Europas wichtigste Aktie Analyse

Nachhaltige Renditen mit Strom?

Exklusiver Smallcap – Analyse vom 18.06.2023
Von Jan Fuhrmann und Adrian Rogl

Europas wichtigste Aktie Analyse

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In dieser Analyse stellen wir euch einen sehr spannenden Player aus Europa vor. Die Aktie des Unternehmens läuft seit 2009 in einem sehr sauberen Aufwärtstrend, was für europäische Werte deutlich seltener ist, als für Werte aus den Vereinigten Staaten. Das Unternehmen spielt eine sehr wichtige Rolle in der Stromversorgung in Zentraleuropa und ist zudem einer der wichtigsten Komponenten bei der Energiewende in Deutschland und der kompletten europäischen Union. In dieser Analyse wollen wir die Frage beantworten, ob ein Investment ebenso spannend ist. 

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Kapitel
Timestamp
Einleitung, Historie, Werte und Nachhaltigkeit, Aktionärsstruktur
00:00:00
Geschäftsmodell, Burggraben und Geschäftsführung​
00:08:19
Fundamentale Kennzahlen
00:21:36
Branchenanalyse & Konkurrenzvergleich
00:33:46
Chancen und Risiken, Unsere Bewertung, Technische Analyse
00:52:17

Kurzportrait

Die Versorger-Branche ist vor allem für ihre langfristige Stabilität und stetige Entwicklung bekannt, wobei es auch Negativausnahmen wie bspw. E.ON gibt. In dieser Analyse haben wir einen Energieversorger herausgesucht, welcher völlig unbekannt ist und jegliche andere Versorger-Aktie problemlos outperformt hat.

Die Aktie, um die es in dieser Analyse geht, zahlt eine kleine Dividende, profitiert von einer absolute Monopolstellung und überzeugt mit einer äußerst geringen Volatilität – trotzdem liefert sie seit vielen Jahren stabile Renditen ab.

Da diese Aktie so exklusiv ist, behalten wir den Namen exklusiv unseren Mitgliedern vor. Nach solchen Top-Picks mit besonderen Merkmalen screenen wir teilweise über Wochen.

Die Analyse bezieht sich auf den Kenntnisstand unserer Recherche vom 08.07.2023.

WKN/ISIN
Exklusiv für Mitglieder
Branche
Versorger
Peter Lynch Einordnung
Slow Grower
Fundamentales WLA-Rating
?/10
Technisches WLA-Rating
?/10
Porters Burggraben-Rating
?/25
Marktkapitalisierung
Smallcap
Dividendenrendite
kleine Dividende
KGV
profitabel
Firmensitz
Exklusiv für Mitglieder
Gründungsjahr
Exklusiv für Mitglieder
Mitarbeiter
Exklusiv für Mitglieder
WKN/ISIN
A0ERSV/BE0003822393
Branche
Versorger
Peter Lynch Einordnung
Slow Grower
Fundamentales WLA-Rating
8/10
Technisches WLA-Rating
9/10
Porters Burggraben-Rating
19/25
Marktkapitalisierung
8,16 Mrd. EUR
Dividendenrendite
1,72 %
KGV
23,88
Firmensitz
Brüssel (Belgien)
Gründungsjahr
2001
Mitarbeiter
3.127

Inhaltsverzeichnis

1. Das Unternehmen

Historie

Die Elia Group wurde 2001 gegründet, als das belgische Stromübertragungsunternehmen Eandis in zwei separate Unternehmen aufgeteilt wurde: Elia System Operator und Distributie-netbeheer van elektriciteit (welches später umbenannt wurde in Fluvius). Elia wurde damit der Übertragungsnetzbetreiber für Belgien.

Seitdem hat sich Elia kontinuierlich weiterentwickelt und zahlreiche Meilensteine erreicht. 2005 erfolgte der Börsengang an der Euronext-Börse in Brüssel.

Im Jahr 2010 gründete Elia gemeinsam mit einem deutschen Partner das Joint Venture 50Hertz Transmission GmbH, welches im Norden und Osten Deutschlands als Übertragungsnetzbetreiber tätig ist.

Elia erwarb 2015 60,00 % der Anteile des französischen Übertragungsnetzbetreibers Réseau de Transport d’Électricité (RTE). Womit sich das Unternehmen auch im französischen Markt eine Stellung aufbauen konnte. Die Zusammenarbeit von Elia und RTE führte zur Gründung des Joint Ventures Eurogrid International im Jahr 2018. Dieses Joint Venture zielt darauf ab, die grenzüberschreitende Stromübertragung weiter zu verbessern und gemeinsame Projekte voranzutreiben.

Elia hat auch wegweisende Projekte zur Integration erneuerbarer Energien vorangetrieben. Dazu gehören die Entwicklung von Offshore-Windparks und die Optimierung der Netzinfrastruktur, um den reibungslosen Stromtransport aus erneuerbaren Quellen zu gewährleisten.

Heute zählt die Elia Group zu den größten Übertragungsnetzbetreibern Europas. Durch ihr Engagement für eine zuverlässige Stromversorgung und die Förderung erneuerbarer Energien spielt sie eine herausragende Rolle auf dem europäischen Energiemarkt.

Mission, Werte und Nachhaltigkeit

Mission

Elia’s Mission besteht darin, eine führende Rolle in der Energiewende zu übernehmen, indem der Konzern vielfältige und nachhaltige On- und Offshore-Elektrizitätssysteme entwickelt, welche neue Möglichkeiten eröffnen können. Das Ziel ist es, eine erfolgreiche Energiewende in einer nachhaltigen Welt zu unterstützen.

Die Sicherstellung der Versorgungssicherheit und die effiziente Bedienung der Kunden stehen dabei im Fokus. Elia strebt danach, diese Aufgaben auf nicht-diskriminierende Weise zu erfüllen, während gleichzeitig die Sicherheit des eigenen Personals und der Subunternehmer gewährleistet werden soll.

Werte

Die folgenden Werte sind in der Kultur und im Verhalten von Elia verwurzelt. Sie dienen als Leitprinzipien für die Mitarbeiter und beeinflussen die Art und Weise, wie das Unternehmen arbeitet und die eigenen Ziele verfolgt. Durch die Förderung dieser Werte strebt Elia danach, eine starke und zukunftsorientierte Organisation aufzubauen, die in einer sich wandelnden Energiewelt erfolgreich sein kann.

Unternehmertum: Die Elia Group fördert unternehmerisches Denken und Handeln bei ihren Mitarbeitern. Es wird ermutigt, proaktiv zu sein, Initiative zu ergreifen und sich kontinuierlich zu verbessern. Das Unternehmen ermutigt seine Mitarbeiter, aus ihrer Komfortzone herauszutreten, um innovative Lösungen zu finden.

Zusammenarbeit: Elia legt großen Wert auf Zusammenarbeit und den Austausch von Wissen. Die Mitarbeiter werden ermutigt, ihr Wissen und ihre Erfahrungen miteinander zu teilen. Durch konstruktives Feedback und offene Kommunikation soll der Fortschritt gefördert werden. Elia glaubt an die Stärke des Teams und an die Zusammenarbeit, um gemeinsame Ziele zu erreichen.

Verantwortung: Die Elia Group übernimmt Verantwortung für ihre Handlungen und Entscheidungen. Die Mitarbeiter setzen sich motivierende und ambitionierte Ziele und arbeiten hart daran, diese zu erreichen. Sie sind sich bewusst, dass sie für ihre Projekte und Aufgaben von Anfang bis Ende Verantwortung tragen.

Agilität: Angesichts der sich ständig verändernden Energiewelt ist es für Elia von entscheidender Bedeutung, agil zu sein. Das Unternehmen steht Veränderungen offen gegenüber und passt sich flexibel an neue Herausforderungen und Anforderungen an. Die Mitarbeiter sind bereit, sich anzupassen und neue Wege zu gehen, um den komplexen Herausforderungen des Energiesektors gerecht zu werden.

Nachhaltigkeit

Das Unternehmen verfolgt eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie, um als Katalysator für die Energiewende zu agieren und eine zuverlässige, nachhaltige und erschwingliche Energieversorgung zu fördern. Elia legt großen Wert auf bestimmte Werte, die die grundlegenden Prinzipien des Unternehmens widerspiegeln.

Im Bereich des Klimaschutzes setzt Elia sich das Ziel, die Dekarbonisierung des Stromsektors zu unterstützen. Das Unternehmen strebt an, bis 2040 klimaneutral im Systembetrieb zu sein und bis 2030 Klimaneutralität der eigenen Aktivitäten zu erreichen. Zudem arbeitet Elia an der Umstellung auf eine kohlenstoffneutrale Wertschöpfungskette für neue Anlagen und Bauprojekte, um den Einsatz erneuerbarer Energien weiter voranzutreiben. Elia legt großen Wert auf die Erhöhung der Klimaresilienz, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen.

Der Schutz der Umwelt und die Förderung der Kreislaufwirtschaft sind weitere Schwerpunkte für Elia. Das Unternehmen setzt sich für den Erhalt und die Stärkung von Ökosystemen und Biodiversität ein. Es integriert Kreislaufwirtschaft in seine Kerngeschäftsprozesse und achtet darauf, Umweltleistungsstandards einzuhalten.

Elia betont auch die Bedeutung von Vielfalt, Gleichstellung und Inklusion. Das Unternehmen fördert eine inklusive Führungskultur und engagiert sich für gerechte Rekrutierungs- und Auswahlverfahren bei Einstellungsprozessen. Chancengleichheit für alle Mitarbeiter sowie eine offene und inklusive Unternehmenskultur stehen im Fokus. Elia erkennt die gesellschaftliche Rolle von Vielfalt, Gleichstellung und Inklusion an.

Des Weiteren setzt Elia hohe Standards in Bezug auf Gesundheit und Sicherheit. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, keine Unfälle zu haben und eine Sicherheitskultur aufzubauen. Die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter haben einen hohen Stellenwert.

In Bezug auf Unternehmensführung, Ethik und Compliance legt Elia großen Wert auf verantwortungsvolle Regeln und Prozesse. Eine nachhaltige Denkweise und Verhaltensweisen werden gefördert. Elia achtet darauf, externe und interne Vorschriften einzuhalten und fördert Transparenz sowie einen konstruktiven Dialog mit Stakeholdern.

Die Nachhaltigkeitsstrategie von Elia basiert auf den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDGs) und verfolgt das Ziel, Nachhaltigkeit in alle Aktivitäten zu integrieren. Durch die Bemühungen im Klimaschutz, in der Umwelt, Vielfalt, Gesundheit und Sicherheit sowie in der Unternehmensführung positioniert sich Elia als verantwortungsvolles Unternehmen, das aktiv an der Energiewende mitwirkt und zur Schaffung einer nachhaltigen Energieversorgung beiträgt.

Aktionärsstruktur

Der größte Anteilseigner von Elia, mit einem Anteil von 44,79 % der Aktien, ist Publi-T, eine öffentliche Holdinggesellschaft, welche für die Kontrolle des belgischen Stromnetzes gegründet wurde. Die Katoen Natie, ein belgisches Logistikunternehmen und Hafenbetreiber, hält einen Anteil von 9,30 % der Aktien.

Weitere Aktionäre, die jedoch unter 5,00 % der Anteil halten, sind Interfin mit 3,53 % und Publipart mit 3,32 %. Die Belfius Insurance besitzt einen Anteil von 0,97 % der Aktien.

Geschäftsmodell

Allgemein

In der Überschrift dieser Analyse haben wir die Elia Group als „wichtigste Aktie Europas“ bezeichnet. Der Grund hierfür ist spannend (im wahrsten Sinne). Die Elia Group ist mit ihren Tochtergesellschaften in Europa einer der wichtigsten Akteure der Stromübertragung. Insgesamt werden mehr als 30,00 Mio. Menschen, vor allem in Belgien über das Unternehmen Elia Transmission Belgium mit Strom versorgt. Und Belgien ist schließlich mit der europäischen Kommission, dem europäischen Parlament und weiteren Institutionen der europäischen Union das „Herz Europas“. Außerdem ist Elia mit der Tochtergesellschaft 50Hertz Transmission GmbH (bis 2010 Vattenfall Europe Transmission) auch im nordöstlichen Teil von Deutschland aktiv. In Frankreich werden die Marktanteile unter der „Elia Grid International“ ebenfalls weiter ausgebaut. Im Folgenden wollen wir uns die einzelnen Tochterunternehmen der Elia Group genauer ansehen.

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Abb. 1: Die Wertschöpfungskette der Elia Group

Elia Group und 50Hertz

Das Geschäftsmodell basiert darauf, dass die Elia Group für ein Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch von Strom sorgt. Dabei betreibt das Unternehmen Hochspannungsleitungen, Umspannwerke, Transformatoren und andere technische Einrichtungen. Das Netz erstreckt sich über ganz Belgien und Elia ist der einzige Betreiber von Hochspannungsnetzen dort, im Endeffekt also ein natürliches Monopol, was uns als Investoren diverse Vorteile beschert. Dazu aber später mehr, wenn wir zum Burggraben kommen.  Das Stromübertragungsnetz wird sowohl On-, als auch Offshore betrieben. Bis 2032 ist es die Aufgabe der Elia Group, ihr komplettes Netz auf einen 50,00%igen Anstieg des Stromverbrauchs vorzubereiten. Der Bau der kompletten Übertragungsinfrastruktur wird  übernommen und überwacht. Dadurch ist der Konzern ein wichtiger Player beim Erfolg der Energiewende und sorgt bspw. dafür, dass der Strom, welcher von Windkraftwerken auf dem Meer produziert wird, auch beim Verbraucher ankommt.

50Hertz ist ein Übertragungsnetzbetreiber, der im Norden und Osten Deutschlands ebenfalls ein natürliches Monopol besitzt. Zu 80,00 % gehören die Anteile der Elia Group, welche somit die Mehrheit hält. Das Unternehmen ist ein wichtiger Bestandteil der deutschen Energiewende. Schließlich ist es nicht nur wichtig, wie viel nachhaltiger Strom produziert wird, sondern dass dieser auch dort ankommt, wo er soll. Das Netz erstreckt sich über Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie Berlin und Hamburg. Allein in diesen Regionen leben mehr als 18,00 Mio. Menschen. Windparks in der Nord- und Ostsee werden von 50Hertz mit dem Onshore Netz verbunden. Im Jahr 2022 kamen dabei 65,00 % des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energiequellen. Bis 2032 soll dieser Anteil auf 100,00 % steigen.

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Abb. 2: Netze und Anlagen der Elia Group in Belgien und Deutschland

EGI

EGI bietet internationalen Kunden Beratungs- und Ingenieurdienstleistungen in den Bereichen Energiemarktentwicklung und der Integration von erneuerbaren Energiequellen (RES). Zu den Kunden gehören hauptsächlich Übertragungsnetzbetreiber, aber EGI unterstützt auch Regulierungsbehörden, öffentliche Stellen und private Entwickler.

WindGrid

WindGrid ist die neueste Tochtergesellschaft der Elia Group und soll das Geschäftsmodell des Unternehmens weiter diversifizieren. Es konzentriert sich auf die Entwicklung von Offshore-Windkraftanlagen außerhalb der traditionellen Bereiche der Elia Group. Unterstützt werden Kunden bei der Anbindung von Offshore Windparks an die Onshore Grenze auf der ganzen Welt.

Re.alto

Re.alto ist der erste europäische Marktplatz für den Austausch von Energiedaten und -dienstleistungen. Das Start-up ermöglicht den Austausch von Energiedaten über seine innovative API-Plattform (Application Programming Interface) und ermöglicht so der Energiewirtschaft einen großen digitalen Sprung hin zu einer breiteren Akzeptanz von Energy-as-a-Service-Geschäftsmodellen. Dadurch hilft es im Endeffekt, die Schaffung einer kohlenstoffarmen Gesellschaft zu beschleunigen.

Nemo Link

Mit Elia Transmissions Belgium ist die Elia Group Teil von Nemo Link, einem Joint Venture mit dem britischen Unternehmen National Grid, einer der wichtigsten Strom- und Gasversorger im Vereinigten Königreich. Nemo Link ist die erste Unterwasser-Verbindungsleitung, die Belgien und Großbritannien verbindet und so den Stromhandel zwischen den beiden Ländern ermöglicht. Händler können über sie bis zu 1.012 Megawatt an Kapazität über verschiedene Zeiträume kaufen. Die Verbindung wurde am 30. Januar 2019 in Betrieb genommen und läuft seitdem wie sie soll.

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Abb. 3: Nemo Link

Burggraben

Einleitung

Der Burggraben von Elia ist vergleichsweise einfach zusammenzufassen, denn wer das Geschäftsmodell von Übertragungsnetzbetreibern kennt, für den ist der Burggraben des belgischen Unternehmens unmittelbar ersichtlich: Elia verfügt mit einem Netzwerk an Hochspannungsverbindungen, welche sich in Belgien und Ostdeutschland über mehr als 20.000 km erstrecken, über ein natürliches Monopol in diesen Regionen. Insgesamt werden rund 30,00 Mio. Endverbraucher rund um die Uhr mit Strom versorgt. Aufgrund von staatlichen Regulierungen ist das Eindringen neuer Wettbewerber ausgeschlossen.

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Porters Five Forces

Nachstehend die Branchenstrukturanalyse nach Michael E. Porter. Diese dient der Einordnung von externen Kräften, welche auf die Unternehmen einer Branche einwirken. Unsere Skala reicht hierbei von 0 bis 5. Je besser Elia aufgestellt ist, desto höher ist die Punktzahl, welche wir vergeben.

Externe Kraft
Stärke
Begründung
Rivalität unter bestehenden Wettbewerbern
5/5
Da Elia in Belgien und Ostdeutschland über ein natürliches Monopol als Übertragungsnetzbetreiber verfügt, existieren praktisch keine Konkurrenten. Daher vergeben wir für diese externe Kraft die volle Punktzahl.
Bedrohung durch neue Wettbewerber
5/5
Dass neue Wettbewerber in die Märkte von Elia eintreten und für Konkurrenz sorgen, ist aufgrund staatlicher Regulierungen ebenfalls auszuschließen, weshalb wir ebenfalls 5 von 5 Punkte für angebracht halten.
Verhandlungsmacht der Lieferanten
2/5
Elia arbeitet mit einer begrenzten Anzahl an Lieferanten zusammen, welche das Unternehmen mit den benötigten Materialien für die Investitionsprojekte versorgen. Des Weiteren kooperiert Elia mit verschiedenen Dienstleistern, welche Wartungs- und Infrastrukturarbeiten für den Übertragungsnetzbetreiber durchführen. Angaben von Elia zufolge ist die Nachfrage in diesen Bereichen zurzeit sehr hoch und die Auftragsbücher der Zulieferer seien voll, weshalb wir die bessere Verhandlungsposition bei den Lieferanten verorten.
Verhandlungsmacht der Kunden
2/5
Man könnte meinen, dass Elia aufgrund der Monopolstellung sowie des diversifizierten Kundenstamms, welcher beim Bezug von Strom über keine Alternativen verfügt, eine hohe Preissetzungsmacht besitzt. Allerdings ist Elia an staatliche Tarife gebunden und kann die Preise nicht nach Belieben gestalten. Daher ordnen wir die Verhandlungsmacht des Unternehmens in diesem Zusammenhang als eingeschränkt ein.
Bedrohung durch Ersatzprodukte
5/5
Wer in Belgien und Ostdeutschland Strom bezieht, greift zwangsläufig auf die Infrastruktur von Elia zurück. Derzeit ist keine Technologie denkbar, welche die Dienstleistungen des Übertragungsnetzbetreibers ablösen könnte. Daher stufen wir die Bedrohung durch Ersatzprodukte als äußerst niedrig ein.
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Abb. 4: In Porters Burggraben-Rating erzielt Elia 19 von 25 Punkte.

Geschäftsführung

Chris Peeters

Chris Peeters ist seit 2015 der CEO der Elia Group. Seit seinem Arbeitsbeginn bei Elia hat Peeters Verhandlungen zur Schaffung eines Rahmens für die Entwicklung und den Betrieb von Offshore-Netzen geleitet und an einem internen Transformationsprogramm gearbeitet, um die Gruppe auf neue digitale Herausforderungen vorzubereiten und sie zu einem wichtigen Akteur im europäischen Energiemarkt zu machen. Im Januar 2022 wurde Chris zum Vorsitzenden des Roundtable for Europe’s Energy Future (REEF) ernannt und wurde vom Trends Magazine in Belgien zum Manager des Jahres 2021 gekürt.

Peeters bekleidet derzeit viele verschiedene Positionen in der Energiewirtschaft:
Seit Juli 2015 ist er der Group CEO der Elia Group mit Sitz in Brüssel, Belgien. Darüber hinaus ist er seit September 2015 der Chairman of the Supervisory Board bei 50Hertz Transmission GmbH und Chairman of the Board von Elia Grid International, einer Tochtergesellschaft der Elia Group. Des Weiteren ist er seit November 2015 Mitglied des Board of Directors des VBO-FEB (Verband der belgischen Unternehmen). Zusätzlich dazu ist er seit September 2015 der Chairman of the Board bei Eurogrid International CVBA/SCRL.

Vor seiner Tätigkeit bei der Elia Group leitete Peeters die Unternehmensberatung von Schlumberger in Afrika, Europa, dem Nahen Osten und Russland. Davor verbrachte er 14 Jahre bei McKinsey, davon sieben Jahre als Partner und spezialisierte sich auf den Energiesektor. In den ersten zehn Jahren seiner Karriere gründete er ein Ingenieurbüro und ein Produktionsunternehmen, bevor er bei Hoogovens Aluminium als Vertriebs- und Technical Manager für einen Teil Europas tätig war. Peeters hat einen Master-Abschluss in Bauingenieurwesen von der Universität Leuven in Belgien.

CEO-Vergütung

Die Gesamtvergütung für den CEO von Elia, Chris Peeters, betrug im Jahr 2022 insgesamt 1,35 Mio. EUR. Diese Vergütung setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen.

Die feste Vergütung von Peeters bestand aus einem Grundgehalt in Höhe von 0,59 Mio. EUR. Zusätzlich erhielt er andere Leistungen in Höhe von 40.836,06 EUR.

Die variable Vergütung von Peeters belief sich auf 0,59 Mio. EUR. Dieser Betrag umfasst eine mehrjährige variable Vergütung in Höhe von 154.204,57 EUR, welche im Jahr 2022 zugeteilt wurde und 2024 ausgezahlt wird, sofern Peeters weiterhin als Mitglied des Executive Management Boards bis zum 31. Dezember 2023 tätig ist. Zudem umfasst es noch eine einjährige Vergütung von 434.995,93 EUR.

Das Unternehmen zahlt jährlich in einen extra Rentenfonds ein. 2022 betrug der Beitrag 128.341,73 EUR. Es ist zu beachten, dass Peeters im Jahr 2022 keine aktienbasierte Vergütung erhielt. Jedoch besitzt er 4.968 Aktien von Elia zum Stichtag 31. Dezember 2022.

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Abb. 5: Chris Peeters

2. Fundamentale Analyse

Kennzahlen

Aktienfinder
Aktienfinder

Die Prognosen aus diesem Abschnitt werden vom Aktienfinder zur Verfügung gestellt.

Umsatz

Entwicklung

Als Übertragungsnetzbetreiber verfügt Elia über ein planbares Geschäftsmodell, welches in einer langfristigen Betrachtung ein niedriges, aber dafür stetiges Umsatzwachstum vorweisen kann. In den letzten fünf Jahren haben sich beim belgischen Unternehmen allerdings verschiedene Sondereffekte ergeben. Durch den Zukauf von weiteren 20,00 % der Anteile an 50Hertz wird der deutsche Übertragungsnetzbetreiber seit diesem Jahr vollständig in der Gewinn- und Verlustrechnung von Elia konsolidiert. Dies führte einen Anstieg der Erlöse um 120,01 % herbei.

Anschließend konnte Elia bis einschließlich 2021 einen moderaten Anstieg der Umsätze verbuchen, welcher mit höheren Strompreisen zu begründen ist. Diese führten nämlich zu einer höheren Frequenz an Ungleichgewichten zwischen Aus- und Einspeisungen ins Stromnetz, für welche Elia von den entsprechenden Marktteilnehmern entschädigt wurde. Zu beachten ist, dass den somit erzielten Umsätzen keine unerheblichen Kosten gegenüberstehen.

Im vergangenen Geschäftsjahr verschärfte sich diese Entwicklung, sodass die Erlöse mit 41,73 % ungewöhnlich stark gesteigert werden konnten. Das durchschnittliche Wachstum im vorliegenden Zeitraum beläuft sich somit auf 18,58 % pro Jahr. Ebenfalls muss an dieser Stelle hervorgehoben werden, dass Elia, den aktuellen Tarifmethoden entsprechend, berechtigt ist, zusätzliche Kosten in Folge einer höheren Inflation weiterzugeben.

In den kommenden Geschäftsjahren will Elia die Positionierung durch anorganisches Wachstum sowie die Expansion in neue Geschäftsbereiche stärken. In diesem Zusammenhang sind bspw. die Randgeschäfte des Unternehmens im Consulting-Bereich zu nennen. Darüber hinaus plant Elia mit WindGrid zukünftig Windparks in Europa und anderen Regionen zu errichten. Die Analysten erwarten trotzdessen keine überdurchschnittlichen Zuwächse, sondern prognostizieren, dass der belgische Übertragungsnetzbetreiber bis mindestens 2025 auf das langfristige Wachstumsniveau zurückkehren und die Erlöse um 4,46 % pro Jahr auf 4,12 Mrd. EUR steigern wird.

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Abb. 6: Umsatzentwicklung und -verteilung
Umsatzverteilung nach Segmenten und Regionen

Die Umsatzverteilung von Elia nach Segmenten und Regionen ist identisch, da das Unternehmen mit seinen Stromnetzen in Belgien und Deutschland zwei Einnahmequellen besitzt, die als separate Geschäftsbereiche betrieben werden.

Im Jahr 2018 hat Elia den Anteil an 50Hertz auf 80,00 % aufgestockt, weshalb der deutsche Übertragungsnetzbetreiber seitdem voll im Konzernabschluss der Belgier konsolidiert wird. Mit einem Umsatzanteil i. H. v. 58,37 % wurde Deutschland sofort zum wichtigsten Absatzmarkt des Unternehmens. Unter geringfügigen Schwankungen konnte dieser Wert bis zum vergangenen Geschäftsjahr auf 60,91 % ausgebaut werden. Belgien als Heimatland von Elia war derweil für 38,93 % der Einnahmen verantwortlich. Es ist davon auszugehen, dass sich an dieser Konstellation bis auf Weiteres keine erheblichen Veränderungen ergeben werden.

Weiterhin entfiel mit 0,16 % ein unerheblicher Anteil der Umsätze von Elia in 2022 auf Randgeschäfte des Unternehmens, welche in nicht näher definierten Regionen erwirtschaftet wurden.

EBIT und Konzerngewinn

In Anbetracht der soliden Umsatzentwicklung von Elia könnte man davon ausgehen, dass die Gewinne des Übertragungsnetzbetreibers im betrachteten Zeitraum ebenso stark angewachsen sind. Mit lediglich 4,50 % pro Jahr fiel das Wachstum der operativen Ergebnisse allerdings deutlich schwächer aus, was auf die folgenden Faktoren zurückzuführen ist: Zum einen hatte Elia zwischen 2018 und 2022 mit stark steigenden Personalkosten sowie steigenden Abschreibungen zu kämpfen. Des Weiteren verzeichnete Elia ein starkes Wachstum der Kosten für Hilfsdienstleistungen, um Stromerzeugung und -nachfrage in Einklang zu bringen und ein konstantes Spannungsniveau zu gewährleisten.

Aufgrund von schwankenden Zinsaufwendungen und -einnahmen sowie Steuerquoten entwickelten sich die Konzerngewinne im betrachteten Zeitraum nicht analog zu den operativen Ergebnissen. Bis einschließlich 2020 verzeichnete die Kennzahl nämlich einen marginalen Rückgang. Diese Entwicklung konnte in den letzten zwei Geschäftsjahren allerdings ausgeglichen werden, denn während das EBIT infolge der beschriebenen Faktoren nur leicht gesteigert werden konnte, wuchsen die Nettoergebnisse von Elia aufgrund eines ungewöhnlich hohen Finanzergebnisses deutlich auf ein neues Rekordhoch an, sodass das durchschnittliche Wachstum mit 5,56 % pro Jahr in der selben Größenordnung liegt.

Auch in den kommenden Jahren könnte sich die Entwicklung der operativen Ergebnisse und Konzerngewinne unterscheiden. Während das EBIT im Gleichschritt zu den Umsätze von Elia stetig neue Bestwerte erreichen könnte und um 10,74 % pro Jahr steigen soll, erwarten die Analysten beim Nettoergebnis bis einschließlich 2024 einen leichten Rückgang. Erst in 2025 sollen neue Rekorde verbucht werden können, sodass sich der prognostizierte Anstieg auf lediglich 0,68 % beläuft.

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Abb. 7: EBIT und Konzerngewinn

Margen

Durch das unterdurchschnittliche Wachstum der Ergebnisse von Elia ergibt sich bei der Entwicklung der Margen ein ernüchterndes Bild. Mit Ausnahme eines leichten Anstiegs des EBITs in Relation zu dem Umsätzen in 2020 flachten beide betrachteten Gewinnspannen im vorliegenden Zeitraum stets ab. Während die Margen von Elia mit 27,48 % bzw. 15,05 % bereits in 2018 in Anbetracht des Konkurrenzvergleichs als unterdurchschnittlich einzuordnen waren, belastete das bereits thematisierte, starke Wachstum der operativen Aufwendungen die Werte zusätzlich. Demnach schneidet der belgische Übertragungsnetzbetreiber mit einer operativen Marge von aktuell 16,58 % eher schlecht ab.

Bis 2025 wird sich an dieser Situation voraussichtlich nicht allzu viel ändern. Denn während die EBIT Marge um einige Prozentpunkte auf 19,75 % ansteigen soll, könnte die Nettomarge weiterhin leicht sinken und sich auf 8,46 % belaufen. Isoliert betrachtet, erwirtschaftet Elia demnach solide Gewinne, im Vergleich zur Peer Group ist die Profitabilität hingegen als niedrig zu bewerten.

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Abb. 8: EBIT Marge und Gewinnmarge

Gewinn- und Verlustrechnung

In der folgenden Abbildung ist die Gewinn- und Verlustrechnung von Elia dargestellt. Es ist somit ein Überblick über die Erkenntnisse aus den vergangenen Kapiteln.

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Abb. 9: Gewinn- und Verlustrechnung

Dividendenpolitik und Aktienrückkäufe

Seit dem Börsengang im Jahr 2005 schüttet Elia eine Dividende an die Anteilseigner aus, welche zwar nicht kontinuierlich gesteigert, aber auch nie gesenkt wurde. In 2019 hat der Übertragungsnetzbetreiber eine neue Dividendenpolitik festgelegt, welche einen jährlichen Zuwachs der Ausschüttungen mindestens auf dem Niveau der Inflation in Belgien vorsieht.

Innerhalb der letzten fünf Geschäftsjahre konnte ein Wachstum von 1,66 EUR auf 1,91 EUR erreicht werden, was 3,57 % pro Jahr entspricht. Somit ergibt sich eine aktuelle Dividendenrendite i. H. v. 1,72 % bei einer Ausschüttungsquote von 39,79 %. Bis 2025 erwarten die Analysten ein jährliches Wachstum um 4,19 %.

Aktienrückkäufe wurden bisher hingegen nicht durchgeführt. Aufgrund von aktienbasierten Vergütungen sowie Kapitalerhöhungen, welche in der Vergangenheit gelegentlich zur Finanzierung von Investitionsvorhaben genutzt wurden, stieg die Anzahl ausstehender Aktien seit 2013 fortlaufend an, durchschnittlich um 2,18 % pro Jahr.

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Abb. 10: Entwicklung der Dividende und Anzahl ausstehender Aktien

Historische Kennzahlen

KUV

Im betrachteten Zeitraum stieg die Aktie von Elia kontinuierlich an und verzeichnete unterm Strich mehr als eine Verdopplung. Bis einschließlich 2021 konnte diese Entwicklung vom Wachstum der Erlöse nicht kompensiert werden, sodass das KUV von 1,91 auf 3,10 angestiegen ist. Im vergangenen Geschäftsjahr kehrte sich diese Entwicklung infolge des überproportionalen Umsatzsprungs um und die Bewertungskennzahl sank auf 2,70. Für 2025 lässt sich ein erwarteter Wert i. H. v. 1,98 ermitteln.

KGV

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Elia entwickelte sich zwischen 2018 und 2022 analog zum Kurs-Umsatz-Verhältnis. Allerdings stieg das Multiple aufgrund der schwächeren Gewinnentwicklung von 12,70 auf 28,69 und somit deutlich stärker an. Der Rückgang im vergangenen Geschäftsjahr fiel ebenfalls deutlich niedriger aus. Bis 2025 könnte das KGV anhand der aktuellen Analystenschätzungen  unter leichten Schwankungen auf 23,40 sinken.

KOCV

Grundsätzlich entwickelte sich das Verhältnis der Marktkapitalisierung von Elia zum operativen Cashflow ähnlich wie die zuvor betrachteten Multiples. Zwar konnten die Mittelzuflüsse aus dem operativen Geschäft recht stetig gesteigert werden, allerdings nicht stark genug, um das Wachstum des Börsenwertes zu kompensieren. Demnach stieg das KOCV im historischen Zeitraum kontinuierlich an. Nach einem weiteren Anstieg im laufenden Geschäftsjahr ist bis 2025 ein leichter Rückgang auf 8,59 zu erwarten.

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Abb. 11: Entwicklung von KUV, KGV und KOCV

Einordnung nach Peter Lynch

In 2018 stiegen die Erlöse von Elia schlagartig um ca. 1,00 Mrd. EUR an, da 50Hertz voll in der Gewinn- und Verlustrechnung konsolidiert wurde. Zuvor stiegen die Einnahmen des belgischen Unternehmens recht gleichmäßig mit einer Wachstumsgeschwindigkeit im niedrigen einstelligen Bereich an. In den vergangenen Geschäftsjahren konnte Elia außerdem von verschiedenen Sondereffekten profitieren, sodass mit 18,58 % pro Jahr ein ungewöhnlich hohes Umsatzwachstum verzeichnet werden konnte. In den kommenden Geschäftsjahren wird sich diese Entwicklung den Prognosen der Analysten zufolge voraussichtlich nicht wiederholen, sodass wir auch aufgrund der langfristigen Entwicklung der fundamentalen Kennzahlen eine Einordnung als Slow Grower für angemessen halten.

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Abb. 12: Elia ist ein Slow Grower.

Fundamentales Wir Lieben Aktien-Rating

Zum Zeitpunkt dieser Analyse beträgt das Verhältnis von Nettoverschuldung zum EBITDA von Elia 3,98, was unseren Grenzwert von 3,00 verletzt. Des Weiteren erreicht die Eigenkapitalrendite aktuell 6,92 %, was deutlich unterhalb unserer Anforderung liegt. Alle anderen Kriterien erfüllt der Übertragungsnetzbetreiber mit Leichtigkeit, wodurch mit 8 von 10 möglichen Punkten ein gutes Ergebnis zustande kommt.

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Abb. 13: Elia erzielt im fundamentalen Rating für Slow Grower 8 von 10 Punkte.

3. Konkurrenzvergleich und Branchenanalyse  

Allgemeine Infos über die Branche

Einordnung nach dem GICS

Zur besseren Einordnung definieren wir zuerst die Branche, basierend auf der zentralen Geschäftstätigkeit des Unternehmens. Wir beziehen uns hierbei auf den Global Industry Classification Standard (kurz GICS), der zunächst den Sektor definiert, welcher sich wiederum in Industriegruppe, Industrie und Subindustrie unterteilen lässt.

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Abb. 14: Branchendefinition nach dem GICS

Marktumfelder

Marktwert für Hochspannungskabel

Im ersten Schritt schauen wir uns die Entwicklung des Marktwertes für Hochspannungskabel weltweit an. Da Elia in Europa tätig ist, werden wir uns logischerweise besonders dieses Gebiet anschauen, die Entwicklung jedoch im Vergleich zu anderen Regionen betrachten. Im Endeffekt hat diese Branchenentwicklung nur indirekte Auswirkungen auf das Geschäft des belgischen Konzerns und gibt bspw. eher Aufschluss darüber, wie es um die Nachfrage nach dem Ausbau des Hochspannungsnetzes steht.

Betrachtet man erst einmal die Marktwerte der verschiedenen Regionen als solche, erkennt man klar, dass der Raum Asien-Pazifik mit einem Wert von etwa 18,00 Mrd. USD der wichtigste Raum weltweit ist. Insbesondere hier ist der Bedarf nach Hochspannungsnetzen sehr groß und wird bis 2032 voraussichtlich mit 5,77 % p. a. wachsen. Auf dem zweiten Platz folgt anschließend direkt der europäische Markt, der innerhalb der zehn Jahre in jedem Jahr ein Wachstum i. H. v. 4,29 % verbuchen soll und damit im Vergleich zum asiatischen Markt etwas langsamer wächst.

Die erwarteten Steigerungen in Bezug auf den Marktwert gehen mit einem weiter steigenden Ausbau des Hochspannungsnetzes weltweit einher. Aufgrund geringerer Verluste in der Übertragung sowie der leichteren Integration erneuerbaren Energien, wird hier der Ausbau weiter voranschreiten und damit auch bei Elia für Wachstum sorgen können.

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Abb. 15: Entwicklung des Marktes für Hochspannungskabel
Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch

Wie bereits erwähnt, besteht ein nicht zu vernachlässigender Zusammenhang zwischen dem Ausbau der erneuerbaren Energien und Hochspannungsnetzbetreibern wie Elia. Genau aus diesem Grund schauen wir uns nun an, wie sich der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch in Belgien und Deutschland seit 2011 entwickelt hat.

Grundsätzlich erkennt man in beiden Ländern einen stark steigenden Anteil der erneuerbaren Energien, wobei Deutschland nochmals einen deutlich höheren Wert vorweisen kann. Eine solche Entwickelung bedeutet im ersten Schritt, dass mehr Energie, in dem Fall in Belgien und Deutschland, aus erneuerbaren Energiequellen stammt und hieraus verwendet wird. Ein steigender Anteil im Bezug auf Elia hat bspw. die Auswirkung, dass die Netzinfrastruktur entsprechend angepasst werden muss. Dies bedeutet, dass das belgische Unternehmen im Zweifel ein größeres Übertragungsnetz sowohl in Deutschland als auch in Belgien verwaltet und hier den Strom transportiert. Gerade die erneuerbaren Energiequellen sorgen für zusätzliches Wachstum und werden in der Zukunft auch für Elia eine wichtige Rolle im Geschäft spielen.

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Abb. 16: Anteil erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch

Vergleich von Hoch- Mittel- und Niederspannung

Einleitung

Die Stromversorgung erfolgt in der Regel über ein komplexes Netzwerk von Leitungen und Transformatoren, das verschiedene Spannungsebenen umfasst. Hierbei kann man die Spannebenen in Hoch-, Mittel-, und Niederspannung unterteilen, die jeweils ihre spezifischen Anwendungsbereiche und Merkmale besitzen. Um in der Branche eine solche Übersicht zu bekommen, werden wir nun in diesem Kapitel diese drei Arten miteinander vergleichen.

Niederspannung

Die Niederspannung wird in vielen Anwendungen wie Beleuchtung, Heizung oder Klimatisierung eingesetzt und findet sich daher insbesondere in Wohn-, Industrie- und Gewerbegebäuden wieder. Somit basiert auch die lokale Stromverteilung zu den Verbrauchern auf Niederspannung, die trotz geringerer Sicherheitsanforderungen Gefahren birgt. Üblicherweise werden elektrische Spannungen unterhalb von 1.000 Volt als Niederspannung bezeichnet.

Mittelspannung

Die Mittelspannung wird hauptsächlich in der Verteilung von Strom in Wohn-, Gewerbe- oder Industriegebieten verwendet und liegt spanntechnisch gesehen zwischen der Hoch- und Niederspannung. In Gebäudeeinrichtungen wie Krankenhäusern findet man häufig die Mittelspannung, die im Vergleich zur Niederspannung eine höhere Übertragungseffizienz besitzt, verglichen mit der Hochspannung jedoch mit höheren Übertragungsverlusten arbeitet. Der Spannbereich, der als Mittelspannung bezeichnet wird, liegt in der Regel zwischen 1.000 V und 52.000 V.

Hochspannung

Im Bereich der Hochspannung ist u.a. Elia beheimatet und tätig. Normalerweise wird diese Art eingesetzt, um große Strommengen über weite Entfernungen zu übertragen, gerade auch im internationalen Handel. Auszeichnen tut sich die Hochspannung vor allem durch eine große Übertragungseffizienz, bei der Übertragung kommt es zu geringen Verlusten. Gleichzeitig ist aber auch zu erwähnen, dass das Gefahrenpotenzial hier deutlich höher ist. Aufgrund der höheren elektrischen Spannung ist ein Arbeiten mit besonderen Sicherheitsvorkehrungen nötig.

Fazit

Elia ist mit der Hochspannung im weitaus gefährlichsten, aber auch leistungsstärksten Stromnetz aktiv. Der Konzern trägt insbesondere Mitarbeitern gegenüber eine große Verantwortung, bei der Arbeit entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zu treffen und diese möglichst geringen Gefahren auszusetzen. Für einen Menschen kann der Stromschlag aus einer Hochspannungsleitung lebensgefährlich sein, gerade die Beschäftigten an den Leitungen sind hier weitaus gefährdeter. Im vergangenen Geschäftsjahr meldete der Konzern insgesamt acht Vorfälle, bei denen Mitarbeiter aufgrund einer Verletzung mindestens einen Tag fehlen mussten.

Infrastruktur für Hochspannungsnetze

Länge der Stromnetze in Deutschland

Um den Markt für Hochspannungsnetze entsprechend einordnen zu können, schauen wir uns in diesem Abschnitt an, wie die Infrastruktur entsprechend ausgebaut ist oder sich voraussichtlich entwickeln wird. Die erste Abbildung zeigt uns in diesem Zusammenhang die Länge der Stromnetze in Deutschland, geordnet nach der jeweiligen Spannungsebene im Vergleich zwischen 2010 und 2020.

Die Niederspannung konnte ihre Stromnetze zwischen 2010 und 2021 um insgesamt 150.600,00 Kilometer ausbauen und stellt damit nach wie vor die wichtigste Spannungsebene dar. Im Vergleich hierzu konnte die Hoch- und Höchstspannung ihre Stromkreislänge lediglich von 130.000,00 Kilometer auf 132.400,00 Kilometer steigern und repräsentiert damit nicht nur den niedrigsten Wert an sich, sondern steht auch, gemessen an den Steigerungen, zwischen den Jahren auf dem letzten Platz.

Gründe hierfür lassen sich bereits im Einsatz der verschiedenen Arten finden. Denn das Hochspannungsnetz dient in der Regel lediglich zum Transport von Strom zwischen Kraftwerken oder Umspannwerken, während das Mittel- und Niederspannungsnetz dafür verantwortlich ist, den Strom zu den Endverbrauchern zu bringen. Man sollte also gerade bei dem Vergleich der Entwicklung bedenken, dass man auf der einen Seite Verteilungsnetze hat und die andere Seite Übertragungsnetze darstellt.

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Abb. 17: Länge des Stromnetzes in Deutschland
Benötigte Aufwendungen für den Netzausbau

Um die Ziele im Hinblick auf die Energiewende realisieren zu können, wird in den kommenden Jahren im Netzausbau noch einiges an Aufwendungen benötigt werden müssen. Aus diesem Grund schauen wir uns nun im folgenden Schritt an, wie hoch die Kosten für die jeweiligen Stromnetze zwischen 2020 und 2030 sein werden.

Laut dem Stand aus März 2021 werden im Bereich der Hochspannung insgesamt 7.812,00 Mio. Euro an Kosten entstehen, um die weitere Stromversorgung gewährleisten zu können. Bis 2030 belaufen sich die Kosten im Netzausbau insgesamt auf etwa 16,00 Mrd. Euro, knapp die Hälfte davon soll, wie wir sehen, auf die Hochspannung zurückzuführen sein.

Die Gründe für die sich so unterscheidenden Kosten sind verschiedener Natur. Eine mögliche Begründung ist bspw. der Ausbau der erneuerbaren Energien, deren Netzintegration maßgeblich vom Hochspannungsnetz abhängt. Denn wenn man u. a. Offshore-Windparks betrachtet, ist es gerade hier wichtig, das Hochspannungsnetz effektiv nutzen zu können, um die erzeugte Energie von diesen Standorten zu Verbraucherzentren transportieren zu können. Allgemein kann das dargestellte Bild auch mit, im Vergleich zu den anderen Arten, höheren Kosten in Zusammenhang mit dem Ausbau des Hochspannungsnetzes begründet werden, die hierbei anfallen.

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Abb. 18: Kosten für gemeldeten Netzausbaubedarf

Überblick über die Konkurrenz

Umsatz pro km Stromleitung

Im Rahmen des Konkurrenzvergleichs werden wir uns nun damit befassen, wie viel Umsatz die jeweiligen Unternehmen pro km Stromleitung generieren können und uns dabei ebenso die Entwicklung genauer anschauen. Abgebildet sehen wir zum einen Elia, aber auch Terna aus Italien, Redes Energeticas Nacionais aus Portugal sowie Red Electrica aus Spanien. Wie im Kapitel zur fundamentalen Analyse bereits gezeigt, muss man bei der Interpretation des Umsatzes in diesem Fall grundsätzlich vorsichtig sein – speziell aufgrund dessen, dass 50Hertz nun vollständig bei Elia konsolidiert wird. Einen groben Trend kann man dennoch aus den folgenden KPIs ableiten, denn dieser hat sich auch schon vorher gezeigt.

Bei Betrachtung der Entwicklung vom Umsatz pro km Stromleitung fällt auf, dass nur eines der Unternehmen den Wert kontinuierlich weiter steigern konnte und das ist in dem Fall Elia. Innerhalb des abgebildeten Zeitraums zwischen 2018 und 2022 konnte der Umsatz pro km Stromleitung tatsächlich sogar fast verdoppelt werden, während die Konkurrenz zu weiten Teilen auf ihrem Ausgangsniveau steht. Lediglich den portugiesischen Konzern Redes Energeticas Nacionais kann man in diesem Zusammenhang noch hervorheben.

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Abb. 19: Umsatz je Kilometer (Stromleitung)

Umsatz pro GWh Kapazität

Im Rahmen des zweiten Abschnitts im Konkurrenzvergleich untersuchen wir, wie viel Umsatz die jeweiligen Unternehmen pro GWh an Kapazität innerhalb ihrer Kontrollgebiete generieren können. Stand 2022 ist auch hier Elia Marktführer und kann in dieser Hinsicht den höchsten Wert vorweisen. In den davorliegenden Jahren konnte jedoch Redes Energeticas Nacionais stets am meisten Umsatz pro GWh Kapazität generieren und verbuchte den Höchststand bei etwa 47,50 EUR.

Aus dem Gesamtbild der beiden auserwählten Kennzahlen ergibt sich im Hinblick auf Elia ein denkbar starkes Bild. Bei beiden Kennzahlen weist man die höchsten Werte auf, was auf einen sehr effizienten Betriebsablauf schließen lässt. Gerade bei dem Umsatz pro GWh Kapazität sollte aber auch nicht Redes Energeticas Nacionais vernachlässigt werden, die ebenso im Großen und Ganzen ein vergleichsweise starkes Bild abgeben.

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Abb. 20: Umsatz je Gigawatt (Kapazität)

Kennzahlen

In folgender Tabelle vergleichen wir die Konkurrenten von Elia anhand der Kennzahlen.

Unternehmen
Elia Group
Terna
Red Eléctrica
Redes Energéticas Nacionais
WKN/ISIN
A0ERSV/BE0003822393
A0B5N8/IT0003242622
A2ANA3/ES0173093024
A0MVJA/PTREL0AM0008
Mitarbeiter
3.127
5.497
2.420
716
Marktkapitalisierung
8,16 Mrd. EUR
15,00 Mrd. EUR
8,05 Mrd. EUR
1,65 Mrd. EUR
Umsatz
3,62 Mrd. EUR
2,96 Mrd. EUR
2,02 Mrd. EUR
0,86 Mrd. EUR
Umsatzwachstum (letzten 5 Jahre)
18,58 % p. a.
6,27 % p. a.
0,84 % p. a.
3,15 % p. a.
Umsatzwachstum (nächsten 3 Jahre)
4,46 % p. a.
4,29 % p. a.
-1,81 % p. a.
1,56 % p. a.
EBIT Marge
16,58 %
44,98 %
47,72 %
29,15 %
KUV
2,26
5,06
3,99
1,92
KGV
23,88
17,51
12,11
13,90
Dividendenrendite
1,72 %
4,21 %
5,45 %
6,23 %
Ausschüttungsquote
39,79 %
73,54 %
65,85 %
90,59 %
Nettoverschuldung
4,43 Mrd. EUR
8,58 Mrd. EUR
4,63 Mrd. EUR
2,12 Mrd. EUR
Renditeerwartung für die nächsten drei Geschäftsjahre*
-2,90 % p. a.
3,90 % p. a.
0,70 % p. a.
6,40 % p. a.

*Die Renditeerwartung entstammt der „Fairer Wert“-Funktion von Aktienfinder.net. Für die Ermittlung haben wir das durchschnittliche KGV der letzten fünf Jahre verwendet und in Kombination mit den erwarteten Nettoergebnissen bis zum Ende der nächsten drei Geschäftsjahre fortgeschrieben.

Entwicklung des fairen Werts

Trotz der aktuellen Korrektur bewegt sich Elia klar oberhalb des Fair Values. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Aktie in den letzten Jahren stark gestiegen ist während die Gewinne diese Wachstumsraten nicht erfahren haben.

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Abb. 21: Entwicklung des fairen Werts auf Basis des bereinigten Gewinns

Performance seit 10 Jahren

In den letzten 10 Jahren hat Elia die gezeigten Konkurrenten mühelos outperformt. Diese Überrendite gegenüber den anderen Aktien ist von einer hohen Gleichmäßigkeit geprägt und in einer ähnlichen Form auch beim Performance-Vergleich der letzten 5 Jahre sichtbar.

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Abb. 22: Performance von Elia und Konkurrenten (in EUR)

4. Chancen und Risiken

Chancen 

Wachstum aus erneuerbaren Energien (1)

Die globale Energiewende hat das Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien in der Stromerzeugung deutlich zu erhöhen und den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. In diesem Zusammenhang spielt Elia bei der Integration und Förderung erneuerbarer Energien eine wichtige Rolle, denn letzten Endes ist gerade bei Offshore-Windparks ein entsprechend funktionierendes Hochspannungsnetz zwingend erforderlich.

Bevor wir uns näher mit dem Thema beschäftigen, wie genau Elia schlussendlich von diesem Aspekt profitiert, schauen wir uns an, wie die Zielsetzung der beiden wichtigsten Regionen für den Konzern, nämlich Belgien und Deutschland, lautet. Der Standort Belgien macht aktuell insgesamt etwa 40,00 % der Gesamtumsätze aus, während ca. 60,00 % auf Deutschland zurückzuführen sind.

Die belgische Regierung hat das Ziel formuliert, bis 2030 mindestens 40,00 % des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen zu produzieren. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der Offshore-Windenergie, da Belgien über eine bedeutende Küstenlinie und ein hohes Potenzial für die Windenergiegewinnung verfügt. Bereits jetzt schreitet der Ausbau weiter voran, im Jahr 2022 waren etwa 23,10 % der Nettostromerzeugung auf erneuerbare Energiequellen zurückzuführen.

In Deutschland finden sich etwas ambitioniertere Ziele vor. Hierzulande ist die Zielsetzung, bis 2030 mindestens 65,00 % des Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energiequellen zu decken. Dabei spielen sowohl Wind- als auch Solarenergie eine bedeutende Rolle, um diese Ziele zu erreichen. Aktuell liegt der Wert bei über 45,00 % und konnte sich innerhalb der letzten Jahre stark steigern.

Gerade das Vorgehen in Belgien spielt Elia in die Karten. Denn insbesondere, wenn Offshore-Windparks gebaut werden, ist eine entsprechende Stromleitung mit Hochspannung erforderlich, um den Strom zum einen über große Distanzen transportieren, aber auch diesen gesamten Vorgang ohne großartige Energieverluste durchführen zu können. Es werden also in naher Zukunft entsprechende Investitionen in den Ausbau des Netzes folgen, um die entsprechende Infrastruktur zur Realisierung der Pläne vorliegen zu haben.

Genau deswegen, weil insbesondere das Hochspannungsnetz eine entscheidende Rolle spielt, wird der belgische Konzern infolge der Energiewende sowohl im Heimatstandort Belgien als auch in Deutschland ein beschleunigtes Wachstum erfahren und einen entscheidenden Beitrag liefern, um die gesetzten Ziele erreichen zu können.

Effizienz und weitere Vorteile (2)

Im Rahmen der zweiten Chance im Bezug auf Elia wollen wir nochmals die Effizienz des Konzerns sowie weitere Aspekte, die wir als Vorteile erachten, aufgreifen und näher ausführen. Neben Faktoren wie den vorteilhaften Partnerschaften und einer guten Standortwahl, werden wir ebenso die bereits im Konkurrenzvergleich gezeigten Kennzahlen thematisieren.

Im Kapitel des Konkurrenzvergleichs hatten wir insgesamt zwei Kennzahlen aufgeführt, die uns Auskunft darüber gaben, wie effizient die einzelnen Unternehmen jeweils in ihren Umfeldern agieren können. Zum einen hatten wir unseren Blick auf den Umsatz pro km Stromleitung gerichtet, der uns bereits dort ein eindeutiges Bild liefern konnte. Während die Konkurrenz die Werte zwar halten, jedoch nicht großartig ausbauen konnte, schaffte es Elia zwischen 2018 und 2022 fast eine Verdoppelung vorzuweisen. Zur selben Zeit kann der belgische Konzern pro GWh Kapazität den meisten Umsatz erzielen und hatte somit in beiden gezeigten Kennzahlen den besten Wert in der Branche.

All dies ist nur mit einem sehr effizienten Geschäftsmodell umsetzbar, bei dem viele Faktoren ineinandergreifen und sich gegenseitig verstärken. Wir sind der Ansicht, dass Elia insbesondere in den belieferten Gebieten, nämlich einmal Belgien sowie Nordost-Deutschland, wesentliche Vorteile im Standort hat, da beide Gegenden Küstenregionen aufweisen und gerade hier der Ausbau von Offshore-Windparks stark gefördert und vorangetrieben wird. Wie wir in der ersten Chance erfahren haben, ist die Anbindung dieser nur möglich, wenn entsprechende Hochspannungsleitungen vorhanden sind und verwendet werden können.

Es ist ebenso erwähnenswert, dass Elia in beiden Gebieten ein natürliches Monopol besitzt, das in diesen Fällen nicht zerschlagen werden kann. Sowohl in Belgien als auch im Nordosten Deutschlands ist man allein für die Übertragungsnetze verantwortlich und besitzt in den Regionen keine Konkurrenz. Im Endeffekt ist dies in der Branche eher üblich sowie kein wirkliches Alleinstellungsmerkmal, wir wollten diesen Punkt dennoch an dieser Stelle mit aufnehmen. Denn man stelle sich an dieser Stelle vor, wie diese angesprochenen Punkte sich auf beide Chancen auswirken würden, wenn Elia in den belieferten Gebieten direkte Konkurrenz hätte. Die Aussichten für das Geschäft des Konzerns wären wesentlich schwerer vorherzusagen, der Preisdruck insbesondere in der Zukunft sehr hoch. Es ist also wichtig zu verstehen, dass es sich in diesem Falle um ein natürlich entstandenes Monopol handelt und nicht das direkte Ergebnis einer unfassbaren Marktmacht ist. Dennoch ist dieser Fakt im Hinblick auf die zukünftigen Entwicklungen im Geschäft erwähnenswert und zu berücksichtigen.

Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass Elia sehr effizient arbeitet und darüber hinaus auch Regionen besetzt, die sehr gute Zukunftsaussichten offenbaren. Man besitzt zudem noch in den belieferten Gebieten ein natürliches, aber sich dennoch positiv auswirkendes Monopol, das alle angesprochenen Punkte zusätzlich unterstützt.

Risiken

Regulatorische Umfelder (1)

Eintrittswahrscheinlichkeit: mittel
Auswirkungen: mittel

Elia unterliegt sowohl in Belgien als auch in Deutschland regulatorischen Risiken im Hinblick auf das Geschäft, die im Zweifelsfall negative Auswirkungen auf das Geschäft haben bzw. Unsicherheiten hervorrufen können. Aktuell lässt sich zwar erkennen, dass Elia in einem aus regulatorischer Sicht eher positiven Umfeld agiert und dadurch keine wirklich negativen Auswirkungen zu spüren bekommt, dies kann sich jedoch, wie wir im weiteren Verlauf noch sehen werden, schnell ändern und durchaus wenden.

Das erzeugte regulatorische Umfeld wird durch verschiedene Ebenen ausgelöst. So gibt es sowohl europäische, nationale, aber auch durchaus regionale Vorschriften im Hinblick auf das Geschäft. In Belgien gibt es eine nationale Aufsichtsbehörde für die Gas- und Strommärkte (CREG), die auch Elia beeinflusst. Obwohl Unternehmen und Organisation durchaus eng zusammenarbeiten, kann es zu Entscheidungen kommen, die sich auf verschiedene Weise auf das Geschäft auswirken können. 

Als erstes sind durchaus Änderungen an der Tarifstruktur, im Zusammenhang mit der Nutzung des Übertragungsnetzes zu nennen. Die Tarifmethodik bezogen auf Übertragungsnetzbetreiber beträgt hierbei insgesamt vier Jahre, bevor die Vereinbarungen womöglich neu vereinbart werden. Hierzu erstellt Elia einen Tarifvorschlag, der auf dieser Grundlage dann von der CREG entweder angenommen oder weiter verhandelt wird. Doch auch innerhalb dieser Periode kann es zu Änderungen und Deckelungen kommen, sofern eine Seite nicht mit den vereinbarten Rahmenbedingungen einverstanden ist bzw. sich strukturell etwas an den Kostenstrukturen geändert hat. So gab es in Belgien u. a. im Jahr 2021 eine Preisobergrenze im Bereich des Strompreises, da der Preis auch dort sprunghaft angestiegen war.

Deutschland setzt bei Übertragungsnetzbetreibern wie Elia auf eine sogenannte Anreizregulierung. Diese reguliert die zulässigen Erlöse eines Netzbetreibers aus den Netzentgelten und soll die Übertragungsnetzbetreiber anreizen, effizienter zu werden und ihre Kosten zu senken. Grundsätzlich zahlt erstmal jeder Endkunde, der Strom bezieht, an den entsprechenden Lieferanten einen bestimmten Preis, der verschiedenste Steuern, Umlagen usw. beinhaltet. So gibt es bspw. die Offshore-Netzumlage, mit der die Kosten für Offshore-Netzanbindungen in Nord- und Ostsee gefördert werden. Für die Durchleitung durch die Netze erheben die Netzbetreiber zusätzliche Netzentgelte. Im Falle von Elia, als Übertragungsnetzbetreiber, zählen neben direkt angeschlossenen Unternehmen oder Erzeugungsanlagen insbesondere Verteilnetzbetreiber zu den Kunden in Deutschland. Seit Anfang dieses Jahres gibt es ein vollständig bundesweit einheitliches Netzentgelt, was bedeutet, dass alle vier Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland gleiche Entgelte verlangen. Auch in diesem Zusammenhang kann es zu neuen Vorschriften und Änderungen kommen, die die Betreiber letzten Endes einschränken. 

Genau solche regulatorischen Änderungen können das Geschäft sowie die Ergebnisse des belgischen Konzerns beeinflussen. Es ist gerade zu berücksichtigen, dass sowohl in Belgien als auch in Deutschland verschiedene Institutionen den Markt überwachen und regulieren und somit bspw. aufgrund von Deckelungen die Betreiber nicht zwangsläufig von weiter steigenden Strompreisen profitieren müssen.

Insgesamt sehen wir Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkungen bei mittel. Es kann neben negativen Szenarien auch durchaus zu positiven, neuen Bestimmungen kommen, wie bspw. eine nochmals stärkere Unterstützung für erneuerbare Energien. Dennoch gilt die Branche als reguliert und kontrolliert, wodurch die Netzbetreiber zum einen eingeschränkter sind, aber auch Unsicherheiten im Hinblick auf Tarifzyklen abfedern müssen.

Betriebsrisiken (2)

Eintrittswahrscheinlichkeit: niedrig
Auswirkungen: mittel-hoch

Das zweite für uns ausschlaggebende Risiko sind sich durchaus ergebende Betriebsrisiken, die mit dem Betreiben von Übertragungsnetzwerken einhergehen und sich sowohl auf die Leitungen an sich als auch auf die Mitarbeiter beziehen.

Wie wir bereits in der Branchenanalyse gesehen haben, ist der Bereich der Hochspannung der effektivste, aber mitunter auch gerade für Menschen gefährlichste Spannbereich. Genau aus diesem Grund trägt Elia insbesondere den Mitarbeitern gegenüber eine unheimlich hohe Verantwortung, einen sicheren Betriebsablauf zu gewährleisten und stets für die Sicherheit der Arbeitnehmer  zu sorgen. Sollte es jedoch zu Ereignissen kommen, bei denen genau dies nicht sichergestellt ist und etwas schief geht, wird der Konzern womöglich dann, wenn es zu ernsthaften Schädigungen an Menschen kommt, Reputationsschäden davontragen und sich starker öffentlicher Kritik gegenüberstellen müssen. Hierbei kann man sich nicht auf die bisherige Vergangenheit verlassen, da solche Ereignisse sehr schnell passieren können, insbesondere wenn man, wie bereits erwähnt, im Hinterkopf hat, dass es sich hierbei um den Bereich der Hochspannung handelt.

Gleichzeitig sind beim Betreiben von Stromleitungen ebenso Naturereignisse zu berücksichtigen, die die Weiterleitung von Strom behindern oder unterbrechen können und hiermit ebenso direkten Einfluss auf das Geschäft nehmen können. Dabei kann die Infrastruktur von Elia negativ tangiert werden und bspw. zu vereinzelten Netzstörungen führen.

Zur selben Zeit nimmt auch die Gefahr der Cyberkriminalität weiter stark zu und wird eine immer stärker werdende Bedrohung. Insbesondere die kritische Infrastruktur, wie die Stromnetze, werden dabei für Angreifer immer interessantere Ziele. Diesen Gefahren sollte man sich durchaus bewusst sein. Die Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Angriff mit massiven Auswirkungen ist überaus klein, kann aber, sollte das Szenario eintreten, in bestimmten Fällen erheblichen Schaden anrichten.

Abschließend lässt sich also erkennen, dass insbesondere Elia als Übertragungsnetzbetreiber verschiedensten Risikoaspekten innerhalb des Betriebsablaufes ausgesetzt ist. Neben Punkten, die den Mitarbeiterschutz betreffen, sind ebenso Naturereignisse sowie eine zunehmende Cyberbedrohung Gefahren für den Konzern. Da der Eintritt eines solchen Szenarios, das zu ernsthaften Schädigungen des Unternehmens führt, eher unwahrscheinlich ist, haben wir die Eintrittswahrscheinlichkeit auf niedrig eingeordnet. Elia trifft in jedem der Punkte entsprechende Vorkehrungen und konnte sich bisher vor den Eintritten schützen. Die Auswirkungen hingegen sind bei mittel-hoch einzuordnen, da sie je nachdem wie genau eines der Risiken eintritt, durchaus ernsthafte Schäden anrichten können.

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Abb. 23: Risikomatrix

5. Unsere Bewertung

Eigenkapitalkosten

Beginnen wir wie immer bei der Ermittlung der kalkulierten Eigenkapitalkosten:

Unsere Werte für Elia sind hier wie folgt:

Risikoloser Basiszins: 3,75 %

Risikoprämie: 5,85 %

Marktrendite: 7,00 %

Beta: 1,80

Diese ergeben insgesamt Eigenkapitalkosten von 9,60 %, welche wir, durch das erwartete Wachstum, aufgrund der aktuellen Marktlage durchaus für gerechtfertigt halten.

Bilanzanalyse

Die gesamte, von Elia ausgewiesene, Bilanzsumme beträgt für das Geschäftsjahr 2022 etwa 20,59 Mrd. EUR und hat sich damit um ca. 13,50 % verlängert. In der folgenden Tabelle wollen wir detaillierter auf die Struktur der Bilanz eingehen.

Kategorie
Begründung
Entwicklung des Umlaufvermögens
Die Zahlungsmittelbestände sind um etwa 36,13 % gestiegen und auch die noch ausstehenden Zahlungen konnten um etwa 40,04 % wachsen. Die sonstigen kurzfristigen Vermögenswerte dagegen sind um ca. 30,52 % gesunken. Zusammenfassend hat sich das Umlaufvermögen damit um etwa 32,16 % erhöht.
Entwicklung des Anlagevermögens
Der von Elia ausgewiesene Goodwill hat sich über das letzte Geschäftsjahr konstant auf etwa 2,41 Mrd. EUR gehalten. Die Sachanlagen konnten ein Wachstum von knapp 9,07 % verzeichnen und die immateriellen Vermögenswerte haben sich sogar um etwa 41,66 % gesteigert. Entsprechend konnte das Anlagevermögen so insgesamt um ca. 7,75 % erhöht werden.
Eigen- bzw. Fremdkapitalquote und Verhältnis der Schulden
Von Elia wird eine Fremdkapitalquote von ca. 74,17 % ausgewiesen. Das Eigenkapital hat sich während des letzten Geschäftsjahres um etwa 7,72 % erhöht. Gleichzeitig ist auch das Fremdkapital um ca. 15,67 % gewachsen. Die langfristigen Verbindlichkeiten sind dabei im Jahresvergleich um etwa 6,06 % gestiegen, während sich die kurzfristigen Verbindlichkeiten sogar um ca. 32,85 % erhöht haben.
Schulden im Verhältnis zu kurzfristigen Zahlungsmitteln und kurzfristigen Investitionen
Die Zahlungsmittelbestände liegen bei Elia zum Stand des Jahresabschlusses von 2022 etwa 2,14 Mrd. EUR unter den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Zusammen mit den noch ausstehenden Zahlungen lässt sich dieses Defizit auf ca. 932,40 Mio. EUR reduzieren und selbst mit dem gesamten Umlaufvermögen verbleibt ein Defizit von etwa 637,40 Mio. EUR. Die kurzfristigen Investitionen von Elia betrugen 2022 etwa 1,45 Mrd. EUR und liegen damit beim ca. 0,35-fachen der Zahlungsmittel.
Schulden im Verhältnis zum EBIT des letzten Geschäftsjahres
Das EBIT von Elia betrug 2022 ca. 185,86 Mio. EUR. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten (ca. 6,29 Mrd. EUR) liegen entsprechend bei einem Faktor von ca. 33,84. In Bezug auf das gesamte Fremdkapital (ca. 15,27 Mrd. EUR) erhöht sich dieser auf etwa 82,18.
Fazit
Die Bilanz von Elia macht einen eher keinen besonders starken Eindruck. Die Schulden sind im Verhältnis zum EBIT sehr hoch. Teilweise liegt das definitiv an der schwachen Marge des letzten Jahres, allerdings sind die kurzfristigen Verbindlichkeiten auch in einem Jahr um fast ein Drittel gestiegen und liegen mittlerweile sogar über dem gesamten Umlaufvermögen. Direkt problematisch ist das ganze zwar noch nicht, allerdings zeigt das Ganze eben auch keine bilanzielle Stärke.
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Abb. 24: Bilanz

Bewertungsszenarien und -modelle 

Optimistisches Szenario

Für die Jahre 2023 bis 2026 rechnen wir mit einem durchschnittlichen Umsatzwachstum von ca. 5,85 % p. a. Im weiteren Verlauf soll das Wachstum im Jahr 2027 bei 11,00 % liegen und anschließend so abflachen, dass im Jahr 2032 3,00 % und in der ewigen Rente (2033ff.) 2,00 % erreicht werden.

Bezüglich der Margen nehmen wir an, dass diese sich, von den 5,14 % aus dem Geschäftsjahr 2022, auf bis zu 23,00 % in der ewigen Rente (2033ff.) steigern.

Für Elia kalkulieren wir zwar ohne Aktienrückkäufe, dafür allerdings mit Gewinnausschüttungen in Höhe von 50,00 % der Gewinne.

Der dann ermittelte faire Wert beläuft sich auf 115,05 EUR und gibt damit eine Unterbewertung von etwa 4,00 % an.

Mit einem KGVe von 24 in 2032 kommen wir dann auf eine Renditeerwartung von 11,81 % p. a.

Pessimistisches Szenario

Das pessimistische Szenario gestalten wir bis 2026 exakt gleich wie das optimistische. Anschließend gehen wir davon aus, dass der Umsatz 2027 etwa 5,00 % beträgt. Danach soll das Wachstum langsam rückläufig sein und 2,00 % in 2032 und 1,50 % in der ewigen Rente (2033ff.) erreichen.

Für die Margen nehmen wir an, dass diese ab 2027 von den erreichten 18,50 % bis in die ewige Rente (2033ff.) konstant bleiben.

Zum aktuellen Zeitpunkt kommen wir damit nur noch auf einen fairen Wert von 71,03 EUR und eine Überbewertung von ca. 56,00 %.

Mit einem Gewinnmultiple von 16 kommen wir dann auf eine Rendite von 1,73 % p. a.

Auch hier rechnen wir ohne Aktienrückkäufe, aber mit Gewinnausschüttungen von etwa 40,00 %.

DCF-Modell

Bei der DCF-Berechnung berechnen wir einen WACC von 5,64 % und verwenden einen Wachstumsabschlag von 2,00 %.

Für den Zeitraum 2023 bis 2026 verwenden wir hier die Umsatzzahlen der beiden DNP-Szenarien und anschließend Durchschnittswerte dieser.

Wir rechnen damit, dass die Free Cashflow Marge von den für 2023 erwarteten -45,00 % auf bis zu 16,00 % im Jahr 2028 ansteigt.

Damit kommen wir auf einen fairen Wert von 74,41 EUR und eine Überbewertung von etwa 49,00 %.

Unsere Einschätzung 

Elia vermittelt ein mittelmäßiges Bild. Der aktuell negative Free Cashflow drückt die Bewertung nach unserem DCF-Modell aus und das niedrige EBIT lässt die Faktoren für die Verschuldung stark in die Höhe schießen. Sollten sich an diesen Stellen Besserungen zeigen, könnte das allerdings auch gute Renditechancen eröffnen.

Um nach unseren Annahmen mit dem DNP-Modell eine etwa faire Bewertung zu erreichen, müsste im Schnitt ein Umsatzwachstum von etwa 6,00 % erreicht werden. Das dann benötigte KGV, um eine Renditeerwartung von ca. 10,00 % zu erreichen, würde bei 21 liegen.

Die erwartete Rendite setzen wir dementsprechend auf etwa 8,50 % p. a.

Die Investmentampel stellen wir auf Gelb, aufgrund der angesprochenen Kritikpunkte.

Excel-Tabellen zu den Bewertungsmodellen als Download: DNP-Modelle (optimistisch, pessimistisch und eingepreistes Wachstum) und DCF-Modell

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Abb. 25: Bewertungsszenarien

6. Technische Analyse

Charttechnische Trendeinordnung

Übersicht

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Abb. 26: Trendeinordnung

Langfristig

Langfristig kann Elia einen tollen Aufwärtstrend vorweisen, welcher mit einer hohen Stabilität überzeugt. In den letzten Jahren gewann dieser sogar noch etwas an Dynamik (aber auch an Volatilität) hinzu.

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Abb. 27: Monats-Chart von Elia

Mittelfristig

Auf der mittelfristigen Zeitebene sieht man die aktuelle Korrekturphase des langfristigen Aufwärtstrends näher im Detail. Diese ist bislang noch intakt, aber inzwischen gelingt der Aktie eine Stabilisierung, sodass die Stärke des mittelfristigen Abwärtstrends spürbar nachlässt.

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Abb. 28: Wochen-Chart von Elia

Kurzfristig

Die Trendstruktur im Tages-Chart ist streng genommen abwärts gerichtet, da die Abwärtstrendbewegung aus dem Februar und März 2023 noch immer wegweisend ist und erst bei 131,50 EUR ein Bruch der Abwärtsstruktur stattfindet. Inzwischen hat sich die Aktie von dieser Struktur aber „entfernt” und längst einen neuen Trend gebildet, der zur Definition des „kurzfristigen Trends” besser passt. Dies ist wiederum ein Abwärtstrend, welcher bis zum Hoch bei 121,10 EUR aktiv ist.

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Abb. 29: Tages-Chart von Elia

Aussicht

Elia hat die wichtigste Unterstützung bereits getestet und stabilisiert sich aktuell, was sich im Nachhinein als Bodenbildung herausstellen könnte. Sollte kurzfristig der Ausbruch über das Hoch bei 120,30 EUR gelingen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Boden deutlich und über 127,20 EUR gewinnt dieser dann auch an übergeordneter Relevanz.

Sollte Elia noch einmal abrutschen, dann dient der grün markierte Unterstützungsbereich (ca. 105,00 EUR bis 112,00 EUR) als beste Möglichkeit zur erneuten Stabilisierung. Darunter liegen weitere Zonen, die sich für eine Umkehr anbieten, wobei diese bis spätestens bei der Zone ab 90,00 EUR gelingen sollte. Jede Ausweitung der Korrektur unter die grün markierte Unterstützungszone geht allerdings mit einer Schwächung der langfristigen Trenddynamik einher.

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Abb. 30: Die Elia Aktie ist jetzt in der wichtigsten Unterstützungszone.

Technisches Wir Lieben Aktien-Rating

Im technischen Wir Lieben Aktien-Rating erzielt Elia mit 9 von 10 Punkten ein sehr gutes Ergebnis. Der einzige Kritikpunkt sind einige mittelmäßig ausgeprägte Volumenakkumulationen über dem aktuellen Kurs, welche Widerstände darstellen.

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Abb. 31: Im technischen Wir Lieben Aktien-Rating erzielt Elia 9 von 10 Punkte.

Marktsymmetrie

Das Ausmaß der aktuellen Korrektur ist auf jeden Fall überdurchschnittlich, aber dennoch nicht bedenklich im Sinne des langfristigen Aufwärtstrends. Man sollte beachten, dass die Aktie in den letzten Jahren an Dynamik und Volatilität dazugewonnen hat und sowohl die Trendbewegungen als auch die Korrekturen immer länger wurden.

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Abb. 32: Rallye- und Korrekturlängen
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Abb. 33: Trendbasiertes Chance-Risiko-Verhältnis

Mit Hilfe der Rainbow-EMAs kann der Effekt der veränderten Volatilität relativ gut bereinigt werden und auf diese Weise wird sichtbar, dass die aktuelle Abwärtsphase noch immer ein völlig normales Ausmaß hat. Erst bei einer weiteren Ausweitung der Korrektur findet eine Schwächung des Aufwärtstrends statt.

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Abb. 34: Korrekturen im Verhältnis zur Trendgeschwindigkeit, dargestellt mit Rainbow-EMAs.

Systematisches Risiko

Das systematische Risiko von allen betrachteten Aktien ist relativ niedrig, was typisch für den Sektor der Versorger ist. Dennoch sticht Elia noch einmal heraus, denn sowohl die Korrelation mit dem Gesamtmarkt als auch der Beta-Faktor sind noch einmal deutlich niedriger als bei den anderen Aktien.

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Abb. 35: Systematisches Risiko und Korrelation von Elia und Konkurrenten zum ACWI

7. Fazit

Allgemein

Als Übertragungsnetzbetreiber, welcher die Stromnetze mit einer Länge von ca. 20.000 km in Belgien und Ostdeutschland betreibt, ist Elia dafür verantwortlich, dass über 30,00 Mio. Menschen rund um die Uhr mit Strom versorgt werden. In diesen Regionen verfügt Elia naturgemäß über eine Monopolstellung. Allerdings kann das Unternehmen seine Macht nicht beliebig ausspielen, sondern ist an staatliche Regulierungen und Tarife gebunden. Dementsprechend entwickelt sich das operative Geschäft vergleichsweise stetig, was sich auch in unserem fundamentalen Wir Lieben Aktien-Rating widerspiegelt.

Neben dem regulierten Geschäft will Elia zukünftig mit weiteren Geschäftsbereichen zusätzliches Wachstum generieren. Hierzu gehören u. a. Beratungs- und Ingenieurdienstleistungen in den Bereichen Energiemarktentwicklung und Integration erneuerbarer Energiequellen. Zum Zeitpunkt der vorliegenden Analyse sind diese Tätigkeiten anhand der Umsatzanteile allerdings als Randgeschäfte einzuordnen.

Wie beschrieben, steht die Investmentampel auf Gelb, mit einer Renditeerwartung von 8,50 % p. a.

Aus der charttechnischen Perspektive gibt es bei Elia kaum einen Aspekt, den man kritisieren kann. Die Aktie befindet sich in einem hervorragenden langfristigen Aufwärtstrend und die aktuelle Zone bietet das beste Potenzial für eine nachhaltige Umkehr.

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Abb. 36: Fazit unserer Analyse

Meinungen der Team-Mitglieder

Jan

Elia ist grundsätzlich eine interessante Aktie und bringt genau das mit, was man sich von einem Versorger erhofft: Stabilität. Dies wird durch Faktoren wie dem natürlichen Monopol begünstigt. Darüber hinaus ist die extrem geringe Volatilität bei einer gleichzeitig starken Performance bemerkenswert, auch wenn sich das in der jüngsten Vergangenheit etwas geändert hat. Insgesamt finde ich Elia attraktiv, aber packe die Aktie vorerst nur auf meine Watchlist. Die hohe Bewertung im direkten Vergleich zu Konkurrenz stört mich etwas und zudem ist es schade, dass die Aktie inzwischen eine höhere Volatilität vorweist. Nichtsdestotrotz fehlt mir noch ein Versorger im Depot und Elia würde die nötige Stabilität grundsätzlich mitbringen. Wenn sich bei Northland Power kein geeignetes Signal ergibt, dann ist Elia aus der Branche meine alternative Wahl. 

Adrian 

Die Aktie der Elia Group ist spannend für jeden, der in seinem Portfolio einen Versorger sucht, der mit der Zeit geht. Gleichzeitig ist es ein eher konservativerer Pick, der grundsätzlich für “Ruhe” im Portfolio sorgen sollte. Das Unternehmen wächst solide im Vergleich zu anderen Unternehmen aus der Peer Group und kann mit diversen Kennzahlen fundamentale Stabilität nachweisen. Auch charttechnisch ist Elia einer der besten Picks aus Europa. Der Aufwärtstrend, der inzwischen schon seit 2009 läuft, kann mit Kontinuität überzeugen (auch wenn die Volatilität in letzter Zeit zugenommen hat) und könnte im aktuellen Preisbereich zwischen 115 und 100 EUR neue Kaufkraft erzeugen. Basierend auf dem derzeitigen Chartbild (vom 05.07.2023) würde ein erster Kauf bei einem Ausbruch über 121 EUR Sinn ergeben. Alternativ bei einem Ausbruch über 128 EUR. 

Autoren dieser Analyse  

Adrian Rogl
Adrian Rogl

Risiko entsteht dann, wenn Investoren nicht wissen, was sie tun.

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