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Nasdaq Aktie Analyse

Heimat der Techgiganten

Analyse vom 04.02.2024

von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann

Kurzvorstellung

Während der US-amerikanische Technologie-Börsenindex Nasdaq 100 (einer der bekanntesten Indizes und ETFs) den allermeisten Menschen ein Begriff sein sollte, ist das Unternehmen dahinter, welches gleichzeitig Namensgeber des Index ist eher weniger Leuten bekannt. Der Börsenplatz Nasdaq, betrieben vom gleichnamigen Unternehmen Nasdaq Inc. ist derzeit global auf Platz zwei nach Transaktionsvolumen, direkt hinter der New York Stock Exchange (NYSE). Sie befindet sich im Mittelpunkt von neuen Börsen-Listings, vor allem bei Unternehmen, die im Tech-Sektor aktiv sind. Die Nasdaq lässt sich somit auch als Heimat der Tech-Giganten bezeichnen. Doch das Unternehmen Nasdaq ist mehr, als nur eine reine Börse. In dieser Analyse wollen wir einen detaillierten Blick auf das Unternehmen selbst werfen und die Frage beantworten, ob sich die aktuelle Korrektur der Aktie für einen Einstieg lohnt. Mehr zu unserer Prognose zum Kurs (Kursziel) und der zu erwartenden Rendite erfährst du also in der folgenden fundamentalen Analyse und Chartanalyse, in der wir auch entsprechende Chartsignale und weitere wichtige Indikatoren nennen.

1. Das Unternehmen Nasdaq

Geschäftsmodell

Einleitung

Im Grunde ist eine Börse ist nichts anderes als ein gewöhnlicher (Groß-)Markt. Statt physischen Gütern wird hier allerdings überwiegend elektronisch mit Unternehmensanteilen gehandelt. Die Betreiber der Börsenplätze beteiligen sich selber nicht am Handel, sondern stellen den Marktteilnehmern lediglich eine Plattform zum Austausch bereit, wie auch Abbildung 1 zu entnehmen ist. Käufer und Verkäufer können über einen Makler bzw. Broker eine Order an die Nasdaq weiterleiten, welche schlussendlich die Transaktion ermöglicht. Für diese Dienstleistung fallen Gebühren an, welche sich derzeit als wichtigste Einnahmequelle von Nasdaq identifizieren lassen.

Doch darüber hinaus erzielt der US-amerikanische Börsenbetreiber auch mit der Gestaltung von verschiedenen Wertpapierindizes wie dem Index Nasdaq 100 (dazugehörige ETFs sind bei Investoren beliebt) Einnahmen. Zum Ende des Geschäftsjahres 2022 existierten fast 400 Exchange-traded Products (ETPs) mit einem verwalteten Gesamtvermögen von mehr als 300,00 Mrd. USD, welche auf Indizes von Nasdaq basieren. Hierfür zahlen Emittenten wie BlackRock oder Vanguard nicht unerhebliche Gebühren an Nasdaq. Abgerundet wird das Index-Angebot durch zahlreiche “Datenprodukte” wie Echtzeitkurse und sonstige Informationen zu den gelisteten Unternehmen.

Börsengänge

Als Ergänzung zum regulären Handel lassen sich Börsengänge als sehr wichtiger Bestandteil des Geschäftsmodells von Nasdaq identifizieren. Hier ist speziell die wirtschaftliche Lage ein wichtiger Indikator für den Erfolg des Geschäfts. Entscheidet sich das Unternehmen, bspw. für die Beschaffung von frischem Eigenkapital, den Schritt an die Börse zu wagen, so ist dieser grundsätzlich mit Listing-Gebühren verbunden. Neben initialen Gebühren, welche der Emittent einmalig aufzuwenden hat, ist die Notierung an einer Börse in der Regel mit laufenden Kosten verbunden. Dass dieses Geschäft für Nasdaq insbesondere in der jüngeren Vergangenheit an Bedeutung gewonnen hat, kann der zweiten Abbildung entnommen werden. Denn während der kumulierte Wert von IPOs an der Nasdaq bis 2017 zwischen ca. 10,00 und 20,00 Mrd. USD schwankte, konnte ab 2018 bis 2021 ein deutlicher Anstieg auf bis zu sage und schreibe 191,28 Mrd. USD verbucht werden.

Randgeschäfte

Neben den Einnahmen, welche Nasdaq durch den Handel an seinen Börsen sowie durch IPOs generiert, besitzt der Konzern weitere Randgeschäfte. Als wichtigstes ist in diesem Zusammenhang ein Portfolio bestehend aus verschiedenen SaaS-Lösungen für Unternehmen aus dem Finanzsektor wie Banken, Broker oder Versicherungen zu nennen. Die Software von Nasdaq adressiert hierbei Probleme wie das Erkennen von Betrugsmaschen oder Geldwäsche. Wie wir im weiteren Verlauf dieser Analyse noch thematisieren werden, hat sich Nasdaq erst im November 2023 durch den Kauf von Adenza, welche sich u. a. auf Risk und Investment Management spezialisiert haben, in diesem Sektor verstärkt.

Historie von Nasdaq

Gründung von Nasdaq

In 1971 reagierte die US-Börsenaufsicht SEC auf die Notwendigkeit der Automatisierung des Marktes für nicht an einer Börse gelistete Wertpapiere, nachdem sie entsprechende Indikatoren bei der Entwicklung des Marktes bemerkte. Diese Prognose und Empfehlung richtete sich an die National Association of Security Dealers (NASD), den Regulator der OTC(Over-the-Counter)-Broker. Dies markierte einen Wandel der traditionellen, auf dem Börsenparkett basierenden, Handelsmodelle weltweit.

Nasdaq etablierte nach dieser Empfehlung eines der ersten „Rechenzentren” für den Handel von Firmenanteilen. Diese umfassten Magnetbandlaufwerke und monochromatische Röhrenbildschirme.

Später trug Nasdaq dazu bei, Kursdaten einem breiteren Publikum an Marktteilnehmern zugänglich zu machen. In den meisten parkettbasierten Märkten konnten Investoren lediglich einen Ticker-Tape mit historischen Transaktionen sehen, und das auch erst lange, nachdem die Transaktionen getätigt wurden.

Die NASD beauftragte die Firma Bunker-Ramo aus Trumbull, Connecticut, USA, mit dem Bau eines Systems, in dem Marktmacher für OTC-Aktien ihre Gebots- und Angebotskurse elektronisch aktualisieren konnten. Dieses System wurde am 8. Februar 1971 eingeführt und erhielt den Namen National Association of Securities Dealers Automated Quotations, daher das Akronym NASDAQ.

Ein kontinuierlicher elektronischer Kursverlauf wurde erstellt und stand vielen Nutzern gleichzeitig zur Verfügung, etwas, was heute als selbstverständlich betrachtet wird.

Im Gegensatz zu alten Märkten, bei denen ein physisches Vorhandensein auf dem Börsenparkett klare Vorteile in Bezug auf Informationen und Geschwindigkeit bietet, verfügte die Nasdaq nie über einen physischen Handelsplatz. Stattdessen wurde eine Art „offene Architektur” etabliert, die elektronisch konkurrierende Marktmacher miteinander verband. Durch Wettbewerbsmodelle der Konkurrenten wurden Anreize für einen stetig steigenden Grad an Kundenservice, Kosten und Liquidität geschaffen. Dies führte wiederum zu einem gerechteren Handelsmodell, welches einer größeren Masse an Teilnehmern den gleichen Zugang zu Märkten und Handelsinstrumenten ermöglichte. Diese Philosophie ist auch heute noch in Kraft.

Öffentlich zugängliche Daten

Im Laufe der Jahre wurde der Quotendienst von Nasdaq kontinuierlich hinsichtlich Verarbeitungsleistung und bereitgestelltem Informationsniveau verbessert. Die bedeutendste Dateninnovation war die Einführung eines Echtzeit-„Level 2″-Datenfeeds in den 1980er-Jahren. Dieser ging über die bloße Bereitstellung des besten Gebots und Angebots hinaus und lieferte Abonnenten eine vollständige Angebotsübersicht, welche die Kurse aller Marktmacher anzeigte. Dieser Feed wurde allen Teilnehmern über einen einheitlichen Zugang zur Verfügung gestellt, ohne dass bestimmte Händler informationelle Vorteile hatten. Ein paar Jahre später führte Nasdaq eine Benutzeroberfläche ein, die sog. Nasdaq Workstation. Dieses System ermöglichte es Brokern, untereinander zu werben und zu interagieren. Die Übersicht zeigte die Gebote und Angebote benannter Marktmacher, nach Preis geordnet. Die Farbgebung zeigte die Tiefenebenen vom national besten Preis (gelb) aus an.

Automatisierung der Transaktionen

Während die Kursnotierungen bereits automatisiert wurden, erfolgte der traditionelle Prozess der Transaktion immer noch telefonisch. Der Börsenkrach von 1987 zeigte die Nachteile des telefonbasierten Systems auf, da viele Investoren aus verschiedenen Gründen nicht bereit oder in der Lage waren, schnell zu kommunizieren.

In Reaktion darauf führte Nasdaq zwei elektronische Transaktionssysteme ein. Das Small Order Execution System (SOES) ermöglicht eine automatisierte Ausführung von Transaktionen. „Small“, weil es auf 1000 Aktien begrenzt wurde. Das SelectNet-System ermöglichte eine effiziente, nicht-telefonische Kommunikation zwischen Händlern, mit der Möglichkeit, fest vereinbarte Handelsgeschäfte abzuschließen – ähnlich einer E-Mail.

Erweiterung des Marktes

Mit der Einführung der Order Handling Rules in 1997 begann das Nasdaq-Netzwerk, einen neuen Marktplatztyp einzubeziehen: Electronic Communications Networks (ECNs), die elektronische Orderbücher darstellten. Die Angebote der Marktmacher wurden mit den Spitzenangeboten der ECNs kombiniert, um einen umfassenden Überblick über die Liquidität für jede einzelne Nasdaq-Aktie zu bieten. Der Börsenplatz wurde somit zu einem Nährboden für die Entwicklung stetig fortschrittlicher Handelstechnologien.

Nasdaq war jedoch nicht nur auf die Automatisierung des Handels ausgerichtet, sondern etablierte sich auch als Börse für neue, wachstumsstarke Unternehmen. Auf diesem Weg wurden einige der weltweit innovativsten und einflussreichsten Unternehmen angezogen. Intel ging bereits 1971 mit einem Börsengang an die Nasdaq, gefolgt von Unternehmen wie Apple im Jahr 1980 und Microsoft im Jahr 1986. Nasdaq bot nicht nur Technologie für die Märkte, sondern zog auch Technologieunternehmen an.

Börsengang

In 2005 wandelte sich Nasdaq von einer brancheneigenen Organisation in ein börsennotiertes Unternehmen um, indem es selbst einen IPO durchführte und unter dem Ticker-Symbol „NDAQ“ seine eigenen Aktien an der Nasdaq-Börse notierte. Nasdaq wurde damit zu einer Börse für Investoren, die selbst im Besitz von Investoren war und Gewinne an Investoren zurückgab.

In 2007 reagierte die SEC darauf, dass die Märkte zunehmend elektronisch wurden, indem alte Handelsvorschriften mit Empfehlungen und der Einführung von Regulation NMS modernisiert wurden. NMS schrieb viele Dinge vor, die heute als selbstverständlich betrachtet werden: öffentlich verfügbare und handelbare Kurse; Preise, die in Echtzeit konsolidiert werden können, um einen National Best Bid and Offer (NBBO) zu erstellen, und ein vernetzter Markt, der Anlegern stets ermöglicht, zu den besten Preisen zu handeln. Es entstand eine neue Möglichkeit für Broker, Geschäfte, die außerhalb der Börse abgewickelt wurden, über die neu geschaffenen Trade Reporting Facilities (TRFs) zu melden. Mit dieser Entwicklung wurde die aktuelle Marktstruktur für US-Aktien weitgehend festgelegt.

Heutzutage haben Privatanleger denselben Zugang zu Aktienkursen auf ihren Computern und Fernsehgeräten und können über ihr Telefon Aktien in denselben Märkten handeln wie Profis. Die Automatisierung hat die Kosten gesenkt und den Marktzugang für alle Investoren verbessert. Daten haben dazu beigetragen, den Handel zu demokratisieren.

Aktionärsstruktur von Nasdaq

Unter den größten Aktionären der Nasdaq finden sich einige interessante Investoren. Bei weitem die meisten Anteile hält die Börse Dubai. Mit 18,20 % kann diese zusätzlich einen großen Einfluss auf Nasdaq nehmen. Investor, ein schwedisches Investmentunternehmen, hält mit 11,90 % ebenfalls einen beachtlichen Anteil; gefolgt vom Finanzdienstleister Vanguard mit 8,70 %. Massachusetts Financial Services ist mit 7,00 % immer noch deutlich über der 5,00 %-Marke. BlackRock hingegen ist mit 5,40 % gerade noch über der Grenze.

Geschäftsführung von Nasdaq

Adena T. Friedman

Friedman wurde am 1. Januar 2017 Präsidentin und CEO von Nasdaq und ist Vorsitzende des Vorstands. Sie bringt mehr als 20 Jahre Branchenführung und Fachkenntnisse mit und soll Nasdaq wesentlich bei der Transformation in ein führendes, globales Börsen- und Technologieunternehmen geprägt zu haben.

Vor ihrer Ernennung zum CEO war Friedman COO von Nasdaq, wobei sie für die Aufsicht über alle Unternehmenssegmente mit Schwerpunkt auf Effizienzsteigerung, Produktentwicklung, Wachstum und Expansion verantwortlich war.

Von 2011 bis 2014 war sie CFO und Managing Director bei Carlyle, einem der größten börsennotierten Private-Equity-Gesellschaften in den USA. Sie hatte eine entscheidende Rolle bei dem Börsengang des Unternehmens im Mai 2012.

Davor war sie bereits bei Nasdaq tätig und leitete u. a. die Geschäftsbereiche für Datenprodukte, Unternehmensstrategie und war CFO. Friedman fing bereits 1993 als Praktikantin bei Nasdaq an zu arbeiten.

Friedman hat einen Bachelor-Abschluss in Politikwissenschaften vom Williams College in Massachusetts und einen MBA von der Owen Graduate School of Management der Vanderbilt University in Nashville, Tennessee.

CEO-Vergütung

Die Vergütung von Friedman belief sich im letzten Geschäftsjahr auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Dieser ergibt sich aus einem Grundgehalt i. H. v. 1,25 Mio. USD. Dazu kommt ein Cash Incentive von 3,75 Mio. USD. Weiterhin erhielt sie einen Equity Award; einmal Performance-basiert i. H. v. 9,60 Mio. USD und einen At-Risk-Anteil von 2,40 Mio. USD. So ergibt sich ein Gesamtverdienst von 17,00 Mio. USD.

Im Geschäftsjahr 2021 belief sich der Gesamtverdienst auf 14,25 Mio. USD. Die Differenz verteilt sich auf die verschiedenen Vergütungen. Lediglich das Grundgehalt ist mit 1,25 Mio. USD dasselbe.

CEO-Pay-Ratio

Nach den Angaben des Unternehmens verdient Friedman als CEO 175-mal so viel wie ein Angestellter der Nasdaq im Median. Dieser Indikator zeigt zwar eine große Spanne im Gehaltsgefüge, aber ist nicht so extrem wie bei anderen Konzernen.

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