• Blog
  • AT&T – Versenkung oder Comeback?

AT&T – Versenkung oder Comeback?

Veröffentlicht am 27.01.22 | Lesedauer: 15 Minuten

Von Sven Klünder

 AT&T – Versenkung oder Comeback? 

AT&T ist einer der beliebtesten Dividendenzahler bei Privatanlegern. Nach den Quartalszahlen ist das Unternehmen unter Druck. Wir Lieben Aktien schaut genauer hin.

Absturz nach Quartalszahlen

Gestern, am 26.01.2021, präsentierte AT&T die Quartalszahlen. Schlecht waren die Quartalszahlen nicht, aber durchwachsen.

Besonders ein verstärktes Interesse an dem Streamingangebot hat AT&T beim Erreichen der Jahresziele geholfen. Mittlerweile haben HBO und HBO Max fast 74 Mio. Abonnenten weltweit. Das ist ein Plus von über 20 % an Kunden im Vergleich zu Q4 2020. Die Streaming Sparte WarnerMedia soll an diesen Erfolg auch im laufenden Jahr anknüpfen mit einem Umsatzziel von 37 bis 39 Mrd. USD, nach 35,6 Mrd. USD in 2021.

An anderer Stelle schwächelte der Konzernumsatz dafür. Der Bereich der Telekommunikationsdienstleistungen erzielte im Vergleich zu den anderen Quartalen ein deutlich schlechteres Ergebnis. Dies konnte auch der gestiegene Absatz von Endgeräten wie Smartphones nicht vollständig kompensieren. Insgesamt erzielte AT&T in beiden Kommunikationsbranchen (hierzu zählt auch der Bereich Lateinamerika) kombiniert einen Umsatz von 120,1 Mrd. USD.

Immerhin verdiente AT&T nach dem Verlustjahr 2020 mit knapp 20 Mrd. USD wieder Geld. Problematisch bleibt allerdings, dass AT&T ausgerechnet in seinem wichtigsten Geschäftsfeld schwächelte, wie Abbildung 1 anhand der nicht auditierten Zahlen für 2021 zeigt.

 

Konzern in der Krise

Im letzten Jahr gab der hochverschuldete Konzern einen Strategiewechsel bekannt. Auch auf das Drängen einiger aktivistischer Investoren hin will sich AT&T wieder mehr auf sein ursprüngliches Kerngeschäft – die Kommunikation – fokussieren. 

Als erste Maßnahme wurde DirecTV, ein Fernsehsatellitenbetreiber und Programmanbieter, in ein eigenständiges Unternehmen ausgegliedert. AT&T ist an dem Unternehmen weiterhin zu 70 % beteiligt, konnte aber durch die Transaktion 7,1 Mrd. USD an Barmitteln für die Schuldentilgung generieren. Ein guter Deal könnte man meinen, wenn der Kaufpreis 2015 nicht bei 48,5 Mrd. USD gelegen hätte.

Geld, welches aktuell für den Konzernumbau im Bereich von Mobilfunk, Glasfaser und 5G dringend nötig wäre. Konkurrenten wie T-Mobile US und Verizon setzen den ehemaligen Platzhirsch gehörig unter Druck. Abbildung 2 zeigt, dass T-Mobile US aktuell einen Vorsprung im Bereich 5G Points of Presence hat und AT&T nur knapp vor Verizon liegt. Ein Point of Presence ist ein wichtiger Knotenpunkt im Kommunikationsnetzwerk.

Neben der hohen Schuldenlast bremst dabei auch die hohe Dividende die Transformation. Während die Konkurrenz deutlich mehr Kapital in den Ausbau und die Weiterentwicklung ihres Netzes stecken kann, hält AT&T – zumindest bisher – an der großzügigen Ausschüttungspolitik fest.

Vorerst soll nur ein zweiter großer Spin-off folgen:

Neuer Stern am Streaminghimmel

Um das Transformationsziel – den Fokus auf die Kommunikation – zu erreichen, soll noch ein ganzer Bereich – WarnerMedia – ausgegliedert werden. Ein genauer Zeitplan ist noch nicht bekannt, jedoch soll WarnerMedia als Fusion mit Discovery als eigenständiges Unternehmen an die Börse gebracht werden.

AT&T würde dabei rund 71 % des neuen, noch unbenannten, Unternehmens erhalten. Im Anschluss würden die Aktionäre Aktien des neuen Unternehmens oder eine Bardividende bekommen.

Das entstehende Unternehmen könnte sich sogar mit Streaminggiganten wie Netflix und Disney messen, wie Abbildung 3 zeigt. Netflix hat mit aktuell fast 222 Mio. Abonnenten weltweit die Nase vorn, darauf folgt Disney+ mit 118 Mio. Abonnenten. HBO kommt auf fast 74 Mio., zusammen mit Discovery wären es ca. 94 Mio. Abonnenten. 

Zu WarnerMedia gehört das Warner Bros. Filmstudio mit den bekannten bekannten Untergliederungen/Tochtergesellschaften DC Comics, Cartoon Network und AdultSwim, der Sender CNN und HBO (Home Office Box) als Streamingdienst mit Game of Thrones als bekannteste Serie.

Unsere Meinung

Du kannst unsere Meinung zu AT&T nicht lesen? Dann logge dich bitte ein oder werde noch heute zum Wir Lieben Aktien-Mitglied.

Christian

Ich versuche hier gar nicht viel um den heißen Brei herum zu reden. Für mich gibt es keinen rationalen Grund AT&T als gutes Investment zu betrachten. Das einzige was man dem Unternehmen zugutehalten kann, ist die derzeit sehr günstige Bewertung. Das KGV liegt nämlich bei unter 10, was ohne Frage im Vergleich zu anderen Werten enorm gering ist.
Demgegenüber stehen aber viel zu viele Gegenargumente:

Wachstum? Fehlanzeige. Schaut man sich die Prognosen im Aktienfinder an, so erkennt man schnell, dass diese konstant rückläufig sind. Zwar sollen die Margen sich zukünftig leicht verbessern und somit der Gewinn relativ konstant bleiben, aber dennoch ist es langfristig wichtig, den Umsatz zumindest konstant zu halten.

Schulden? Her damit! So oder so ähnlich muss wohl in der Vergangenheit die Devise des Managements gewesen sein. Anders lässt sich der extrem hohe Bestand an verzinsten Schulden nicht erklären. Zum 30.09.2021 waren es über 205 Mrd. USD an verzinsten Schulden. Der Cashbestand belief sich jedoch nur auf rund 21 Mrd. USD. Hinzu kommt noch ein Goodwill von über 133 Mrd. USD. Die bilanzielle Situation ist dadurch mehr als angeschlagen. Nur mal zum Vergleich: Der Börsenwert von AT&T ist lediglich 173 Mrd. USD. Dadurch bestehen mehr Nettoschulden als Börsenwert.

Diese bilanzielle Problemstellung gab es bzw. gibt es natürlich nicht erst seit einigen Jahren. Dennoch wollte man wohl so gut wie alle Gewinne ausschütten, um die Aktionäre bei Laune zu halten. Ein für mich fataler Fehler. Anstatt auf eine starke Infrastruktur zu setzen und in neue Technik wie bspw. den Ausbau des 5G Netzes zu fördern, förderte man lieber den Status des Dividendenaristokraten.

Auch der geplante Spin-off stimmt mich nicht fröhlich. Die Argumentation „jetzt kann sich AT&T wieder aufs Kerngeschäft konzentrieren“ nehme ich nur als billige Ausrede wahr, um vergangene Fehler auf das zu breite Konzerngebilde zu schieben. Das Kerngeschäft hätte man genauso gut mit der Mediensparte führen können. Hierzu hätte es lediglich der nötigen Liquidität bedürft. Diese wurde aber lieber ausgeschüttet.

Zum Abschluss also die Frage, warum sollte ich einem Konzern wie AT&T mein Geld anvertrauen, wenn sie tatenlos über Jahre hinweg einen schlichtweg schlechten Job gemacht haben? Ich bin in dieser Branche eher ein „Fan“ von Verizon oder T-Mobile. Diese sind zwar ebenfalls hoch verschuldet, gehen aber mit einer deutlich konservativeren Dividendenpolitik und 5G-Strategie in den Markt hinein. Die hohe Dividendenrendite ist für mich keine ausreichende Honorierung für das entsprechend hohe „Turnaround“-Risiko.

Sven

“Schuster, bleib bei deinen Leisten!” Diesen Ratschlag hätte wohl auch das Management bei AT&T befolgen sollen. Über Jahrzehnte hatte AT&T quasi eine Monopolstellung in den USA, doch diese wurde mit einer Kombination aus Missmanagement und Schlafmützigkeit verspielt. Rückblickend kann man darüber nur den Kopf schütteln.

Die Geschichte um DirecTV zeigt diese Entwicklung besonders deutlich. Fehlinvestition wäre hier noch untertrieben: Über 85% (!!) des damaligen Kaufpreises sind verloren (ohne die gut 20 Mrd. USD an Schulden, die zusätzlich übernommen wurden). Fehler können passieren? Mag man meinen, allerdings war DirecTV schon vor der Übernahme von AT&T regelmäßig im Fokus der Verbraucherschützer und Ziel regelmäßiger (erfolgreicher) Sammelklagen.

Bei einem so nachlässigen Umgang mit den Finanzen ist die hohe Verschuldung kein Wunder. Dazu macht das starre Festhalten an der hohen Ausschüttungsquote die Situation nicht besser. Natürlich ist hier einer der Gründe zu finden, warum immer noch viele Aktionäre dem Unternehmen die Treue halten. Für mich ist das jedoch zu kurzfristig gedacht. Das Unternehmen sollte und muss meiner Meinung nach zeitnah die Dividende kürzen, damit agilere Unternehmen wie T-Mobile und Verizon nicht komplett vorbeiziehen. 

Der Strategiewechsel hin zum Fokus aufs Kerngeschäft ist weniger freiwillig als zwangsweise und essentiell. Großinvestoren und die schlechte finanzielle Lage des Unternehmens zwingen das Management zum Handeln. Die Korrektur des Fehlers um DirecTV war dabei ein erster wichtiger, wenn auch teurer Schritt.

Den geplanten Spin-off sehe ich persönlich positiv. Hier erwarte  ich einen Mehrwert für Investoren, da ich AT&T aktuell eher unterbewertet sehe. Der entstehende Medienkonzern kann, bei gutem Management, eine ernstzunehmende Kraft auf dem Markt werden. Wichtig ist hierbei eine schnelle und finanziell verantwortungsvolle Umsetzung.

Zusammenfassend sehe ich in AT&T trotz den Fehlern der Vergangenheit einen interessanten Turnaround Kandidaten. Das Management ist angezählt und weiß, dass die Fehlertoleranz der Interessengruppen nicht strapaziert werden darf. Die zeitnahe Umsetzung des Spin-offs in Verbindung mit einer Zäsur in der Dividendenpolitik könnten den Weg zu alter Stärke ebnen.

 

Trendeinordnung

Die fundamentalen Schwierigkeiten von AT&T lassen sich auch charttechnisch wiederfinden. Langfristig ist bestenfalls ein Seitwärtstrend, eventuell mit leichter Abwärtstendenz ersichtlich. Mittel- und kurzfristig befindet AT&T sich in einem eindeutigen Abwärtstrend.

Abschluss

Für Investoren von AT&T bleibt es spannend. Spin-off, Strategiewechsel und Dividendenkürzung beherrschen immer wieder die Schlagzeilen.

Wie bewertest du die aktuelle Situation bei AT&T?

Ich bedanke mich fürs Lesen, hoffe auf ein baldiges Wiedersehen und wünsche schon jetzt ein angenehmes Wochenende.

Liebe Grüße 

Sven Klünder

Autor dieses Blogs:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Blogbeiträge könnten dich auch interessieren:

Du hast Feedback?

Verbesserungsvorschläge, Anregungen, Lob, Kritik? 

Wir nehmen alles dankend an! Nur so können wir unsere Arbeit verbessern. Schreibe uns einfach auf Discord. 

Transparenzhinweis und Haftungsausschluss:
Die Autoren haben diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten aber nicht garantieren. Es findet keinerlei Anlageberatung durch “Wir Lieben Aktien”, oder durch einen für “Wir Lieben Aktien” tätigen Autor statt. Dieser Beitrag soll eine journalistische Publikation darstellen und dient ausschließlich Informationszwecken. Die Informationen stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Börsengeschäfte sind mit erheblichen Risiken verbunden. Wer an den Finanz- und Rohstoffmärkten handelt, muss sich zunächst selbstständig mit den Risiken vertraut machen. Der Kunde handelt immer auf eigenes Risiko und eigene Gefahr. “Wir Lieben Aktien” und die für uns tätigen Autoren übernehmen keine Verantwortung für jegliche Konsequenzen und Verluste, die durch Verwendung unserer Informationen entstehen. Es kann zu Interessenkonflikten kommen, durch Käufe und einen darauffolgenden Profit durch eine positive Kursentwicklung von in Artikeln erwähnten Aktien. 

Mehr Infos unter: https://wir-lieben-aktien.de/haftungsausschluss/