• Feed
  • Blog
  • Bundestagswahl – Die Auswirkungen auf die Finanzmärkte

Bundestagswahl: Die Auswirkungen auf die Finanzmärkte  

Veröffentlicht am 16.09.21 | Lesedauer: 10 Minuten

Von Christian Lämmle

Bundestagswahl

Am 26.09.2021 ist es soweit und die deutsche Bevölkerung wählt ihre neue Bundesregierung. Für alle börsenbegeisterte stellt sich natürlich die Frage: Wie wirkt sich eine Änderung der Zusammensetzung auf die Finanzmärkte aus? Gibt es eine „bessere“ oder „schlechtere“ Konstellation, welche die Märkte in eine nachhaltige Auf- oder Abwärtsstruktur versetzt?

Im nachfolgenden Artikel möchte ich dieser Frage nachgehen und euch an meinen Gedanken teilhaben lassen.

Die derzeitigen Umfragewerte:

Die Recherche des Blogartikels bezieht sich auf den 15.09.2021. Die neueste Umfrage (Quelle: GMS vom 14.09.2021) ergibt daher folgendes politisches Bild:

Unentschlossene Wähler bzw. Nichtwähler sind nach dem Stand der Studie 25 % aller Wahlberichtigen.

Welche möglichen Regierungen kommen in Frage?

Vorab zur Lage der AFD:

Keine Partei hat sich Stand heute dazu bereit erklärt mit der AFD zu koalieren. Gleichzeitig hat sich die AFD auch dazu geäußert, dass sie sich keine Regierungsbeteiligung mit einer anderen Partei vorstellen können. Fälle mit der AFD als Regierungspartei werden deswegen ignoriert.

Möglich sind:

SPD/CDU/CSU

SPD/Grüne/FDP

CDU/CSU/Grüne/FDP

SPD/Grüne/Linke (derzeit nur 50 %! –> bezogen auf die oben benannte Umfrage)

Inwieweit beeinflussen die Parteien die Finanzmärkte? 

Komplexe Eingriffe wird es wohl bei den meisten Parteien für die wenigsten Aktiengesellschaften geben. Eine Ausnahme würde jedoch mit Sicherheit die Linke darstellen. Würde diese ein starkes Wahlergebnis einfahren, so könnte sie unter Umständen und unter Beachtung der geltenden Rechtsprechung Enteignungen wie bspw. von Vonovia umsetzen (vgl. Klicke hier Punkt 5.).

Zudem sollen die Steuern deutlich erhöht werden, sofern man zu den sehr Wohlhabenden im Land gehört. Erbschaften und Vermögen sollen „gerecht“ besteuert werden. Das impliziert, dass die Erbschaftssteuer erhöht und die Vermögenssteuer wiedereingeführt werden soll (vgl. Klicke hier Punkt 2.). Zusätzlich soll die Körperschaftsteuer von derzeit 15 % auf 25 % gesteigert werden. Auch Managergehälter sind nach Meinung der Linken nur bis zu einem Jahresgehalt von 500.000 Euro in Ordnung. Ein höherer Betrag solle nicht von der Steuer abgesetzt werden können (vgl. Klicke hier .).

Gerade letzter Punkt muss m. E. aus steuerpolitischer und verfassungsrechtlicher Sicht durchaus kritisch beleuchtet werden. 

Aber auch direkte Maßnahmen gegen die Kapitalmärkte müssen erwartet werden, sollte es zu einer Regierung kommen, welche rein von der Linkspartei geführt werden würde (rein fiktive Annahme!).

Die Finanzmärkte werden im Wahlprogramm massiv kritisiert und sollen „entschleunigt und im Volumen geschrumpft werden“ (Klicke hier Unterpunkt: Die Macht der Banken und Finanzmärkte brechen“.).

Genug zur Linken, was sagen die anderen Parteien wie SPD oder Grüne?

Auch die SPD fordert im Wahlprogramm höhere Steuern und zwar für Unternehmen bzw. Besserverdienende. Die Partei formuliert diese Aussagen jedoch nicht im Ansatz so scharf wie die Linke das in ihrem Wahlprogram tut (vgl. u.a. S. 22 Wahlprogramm SPD 2021.).  Eine Vermögenssteuer plant die SPD ebenfalls (vgl. S. 23 Wahlprogramm SPD 2021.). Gegen die Finanzmärkte wird nicht lautstark geschossen, jedoch fordert die SPD das Einführen einer Transaktionssteuer für Aktienkäufe (vgl. S. 23 Wahlprogramm SPD 2021.).

Letzteres sowie eine Vermögenssteuer und höhere Erbschaftsteuern fordern auch die Grünen (Vgl. S. 86 u. 92 Wahlprogram der Grünen). Des Weiteren sind von den Grünen auch gewisse Änderungen im Bereich der Finanzmärkte geplant. Allerdings sind auch diese (gefühlt) meilenweit von den Forderungen der Linkspartei entfernt.

Also doch wieder FDP und CDU?

 
Bleibt es also dabei? Aktiengesellschaften und damit die Börsen freuen sich eher über einen Wahlerfolg der CDU/CSU bzw. der FDP, welche keine großen Regulierungen bzw. Steuererhöhungen oder andere schädliche Themen im Programm haben (vgl. S. 71 Wahlprogramm CDU/CSU sowie S. 8 Wahlprogramm FDP)?
 

Dieser These kann nur teilweise zugestimmt werden. Aus einem jüngst erschienen OMR-Podcast ließ sich eine etwas andere Meinung von einem sehr namhaften Vorstandsvorsitzenden im deutschsprachigen Raum ableiten. Gemeint ist der am 08.09.2021 erschienene OMR-Podcast mit Herbert Diess, dem CEO von Volkswagen.

In besagtem Interview ließ er beiläufig die Worte fallen, dass er nicht abgeneigt wäre, wenn die Grünen an der nächsten Regierung beteiligt wären (eigenes Gedankenprotokoll aus dem besagten Podcast.).

Natürlich bezog sich diese Aussage auf die VW-Politik bezüglich der E-Mobilität, dennoch zeigt es deutlich, dass es bei ihm keine unmittelbare Angst vor einer linkspolitischen Regierung gibt.

Nun zur Einschätzung: Beeinflusst die Wahl die Märkte?

Meine subjektive Einschätzung ist ganz klar: Nein, die Börse wird weder nachhaltig positiv, noch negativ vom Effekt der Wahl beeinflusst. Anders wäre dies in meinen Augen, wenn die Linke 25 % der Umfrageergebnisse hätte und eine wirkliche Einschränkung der Märkte zu befürchten wäre. Natürlich besteht für gewisse Branchen ein höheres Risiko Umsatzeinbußen zu erleiden (Z. B. bei Shell, RWE oder andere welche durch eine bspw. grüne Regierung potenziell weniger Umsatz in Deutschland generieren würden. Möglich ist auch, dass Wohnungskonzerne nur noch weniger Geld verdienen dürfen.). Dennoch bleibt der Effekt auf den Gesamtmarkt wohl relativ klein.

Selbst bei der besagten Rot-Rot-Grün-Regierung dürfte der Einfluss der Linkspartei nicht groß genug sein, um einen nachhaltigen Bärenmarkt auszulösen.

Mit besten Grüßen

Christian Lämmle 

Autor dieses Blogs:

Christian Lämmle
Christian Lämmle

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Blogbeiträge könnten dich auch interessieren:

Transparenzhinweis und Haftungsausschluss:
Die Autoren haben diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten aber nicht garantieren. Es findet keinerlei Anlageberatung durch “Wir Lieben Aktien”, oder durch einen für “Wir Lieben Aktien” tätigen Autor statt. Dieser Beitrag soll eine journalistische Publikation darstellen und dient ausschließlich Informationszwecken. Die Informationen stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Börsengeschäfte sind mit erheblichen Risiken verbunden. Wer an den Finanz- und Rohstoffmärkten handelt, muss sich zunächst selbstständig mit den Risiken vertraut machen. Der Kunde handelt immer auf eigenes Risiko und eigene Gefahr. “Wir Lieben Aktien” und die für uns tätigen Autoren übernehmen keine Verantwortung für jegliche Konsequenzen und Verluste, die durch Verwendung unserer Informationen entstehen. Es kann zu Interessenkonflikten kommen, durch Käufe und einen darauffolgenden Profit durch eine positive Kursentwicklung von in Artikeln erwähnten Aktien. 

Mehr Infos unter: https://wir-lieben-aktien.de/haftungsausschluss/