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Technologie Aktien, die 2022 wieder durchstarten

Veröffentlicht am 19.01.2022 | Lesedauer: 20 Minuten

Von Adrian Rogl

 Technologie Aktien, die 2022 wieder durchstarten

Ja der Titel dieses Blogs ist etwas provokant und vielleicht auch ein bisschen Clickbait. Aber nur teilweise, denn es soll hier um Aktien gehen, bei denen wir in diesem (noch jungen) Jahr Potenzial sehen. Dabei haben wir uns einige unserer Top Picks rausgesucht. Unsere Analyse besteht aus einem kleinen fundamentalen Teil, sowie einem ausführlichen quantitativen Teil mit technischer Analyse. Die Daten und Kurse beziehen sich auf den Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Recherche (16.01.2022).

Die Nasdaq am Abgrund?

Viele Technologie Werte haben bereits in Q4/2021, aber auch den ersten Handelstagen in 2022 stark geblutet. Der wichtigste Technologie-Index der Welt, der Nasdaq 100, wird vor allem durch Big-Tech-Konzerne wie Apple, Microsoft und Alphabet oben gehalten. Unternehmen mit geringeren Marktkapitalisierungen, pauschal vieles unter 500 Mrd. US-Dollar, haben gelitten. Vor allem eben Unternehmen aus der “zweiten Reihe” dürften den meisten Investoren keinen Spaß gemacht haben. Auch wenn diese Unternehmen nicht alle im Nasdaq sind, sollten da vor allem Namen genannt werden, die 2021 in irre Höhen geschossen wurden. Dazu gehören z. B. Cloudflare (-54,75 % seit Allzeithoch), PayPal (-42,58 % seit Allzeithoch), Block (-52,92 % seit Allzeithoch) oder chinesische Werte wie Pinduoduo (-71,45 % seit Allzeithoch).

Wir haben uns in diesem Artikel zwei Aktien aus der zweiten Reihe und einen asiatischen Wert herausgesucht. Der Fokus unseres Researchs lag dabei auf Aktien, die seit mehreren Jahren in einem stabilen, langfristigen Aufwärtstrend sind. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine Fortsetzung dieser Entwicklung. Viele der vorübergehenden High-Flyer aus 2021 haben einfach nicht genug Kurshistorie um eine technische Analyse mit hochwertigen technischen Signalen durchzführen.

Bevor wir zu den drei Werten kommen, noch ein schneller Blick auf den Nasdaq 100-Index. Der Index konnte 2021 26,89 % zulegen und landet damit auf Platz 2 nach der Performance; direkt hinter dem S&P 500. Im neuen Jahr stehen bisher mehr als 4 % Kursverlust auf dem Zähler, aber aus technischer Perspektive bleibt der Index solide.

Seit September 2020 bewegt sich der Nasdaq in einem soliden Aufwärtstrendkanal, der an der oberen Linie (Begrenzungslinie) bereits vier mal funktioniert hat. Auf der unteren Linie (Trendlinie) konnte sich der Aufwärtstrend bereits fünf mal stabilisieren und wir müssen davon ausgehen, dass das auch in der aktuellen Korrektur ein sechstes Mal passiert. Und auch wenn der Trendkanal nicht halten sollte (auch wenn die Wahrscheinlichkeit dafür hoch ist), so ist der Trend aktiv bis zum Tief bei 14.384,93 Pt.

Somit bleibt der Nasdaq 100 weiterhin stabil, auch nach der kürzlichen Korrektur. Der mittel- und langfristige Trend sind intakt und die aktuelle Korrektur zeigt sich bisher nur über einen Abwärtstrend auf Tagesbasis. In Abb. 3 haben wir das noch einmal tabellarisch zusammengefasst.

Nun aber genug allgemeiner Marktüberblick. Wir haben konkret interessante Aktien versprochen und die folgen jetzt. 

Verisk Analytics

Wir starten mit dem US-Konzern Verisk Analytics Inc. (Nasdaq: VRSK). Das Unternehmen war früher darauf spezialisiert, Risikomodelle für Versicherungen zu erstellen. Seitdem wurde das Geschäft erweitert und man erstellt heute zusätzlich noch Risikobewertungen und Entscheidungsmodelle für diverse Wirtschaftszweige wie Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen und Regierungsbehörden. “Risk-Assessment” ist das Stichwort.

Die derzeitige Marktkapitalisierung beträgt 31,93 Mrd. US-Dollar, bei einer Dividendenrendite von 0,59 %. Von 2016 bis 2020 konnte ein Umsatzwachstum von durchschnittlich 8,69 % erzielt werden. 2021 bis 2023 rechnet man mit einem Wachstum von durchschnittlich 7,11 % pro Jahr.

Interessant ist aber vor allem der solide langfristige Aufwärtstrend der Aktie, der seit 2010 anhält und derzeit auf kurzfristiger Ebene korrigiert.

Technische Analyse

Unsere technische Analyse besteht aus drei wichtigen Teilen, die einen umfassenden Überblick über Risiko und Chance dieser Aktie geben sollen: 1. Trendananalyse, 2. Marktsymmetrien und 3. Zonenanalyse.

1. Trendanalyse

In zwei von drei “Trendepochen” ist die Aktie von Verisk Analytics in einem technischen Aufwärtsrend. Der Monatstrend ist seit 2010 aktiv und erfährt derzeit eine solide Korrektur, die in die historische Marktsymmetrie passt. Verglichen mit vergangenen Korrekturen, vor allem zwischen 2014 und 2017, sind die Korrekturen seit 2020 relativ schnell und scharf, was aber aufgrund der allgemein höheren Volatilität kein pauschaler Grund zur Sorge ist. Die Preisniveaus, ab denen der jeweilige Trend einer Epoche gebrochen wäre, haben wir tabellarisch dargestellt (siehe Abb. 5).

2. Marktsymmetrien

Wenn wir uns die historischen Korrekturen von über 20 % bei Verisk anschauen, inklusive der aktuellen 15 %-Korrektur, dann fällt auf, dass auf jede Korrektur eine solide Rallyedistanz mit der drei- bis vierfachen Korrekturlänge folgte (siehe Abb. 7). Die bisher größte Korrektur erfolgte während des Börsencrashs in Folge der COVID-19 Pandemie. Nach einem Einbruch von 32,10 % folgte eine Rallye bis auf das bisherige Allzeithoch in Höhe von 80,65 %.

Damit wir nun für die Praxis und optimierte Investmententscheidungen ein quantitatives Fazit in Form eines Chance-Risiko-Verhältnisses bekommen, haben wir zunächst den Durchschnitt der jeweiligen Korrekturen und Rallyes ausgerechnet (siehe Abb. 9). Ziel ist es herauszufinden, was die durchschnittlich zu erwartende Rallye-Distanz für ein Potenzial bietet. Dies ist im Vergleich zum eingegangenen Risiko von noch mehr Abwärtspotenzial zu bewerten.

Hierbei wird vor allem der Faktor Zeit mit einbezogen. Viele Investoren machen den Fehler, dass sie nur auf Trends schauen oder nur auf fundamentale Daten. Ein wichtiger Faktor ist aber die zu erwartende Rendite pro Jahr, oder nach zeitoptimiertem Einstieg. Das machen wir hier, indem wir uns die historischen Korrekturen gegenüber den bullischen Bewegungen anschauen. Bei Verisk kommen wir dabei auf eine durchschnittliche Rallye von 96,85 % (average rallye distance), bei einer durchschnittlichen Korrekturlänge von 23,06 % (average correction distance). Das ergibt ein trendbasiertes Chance-Risiko-Verhältnis von 4,20 (siehe Abb. 10).

3. Zonenanalyse

Um nun mögliche Umkehrpunkte zu bestimmen, an denen der Tages-Abwärtstrend brechen könnte und die Richtung des Monats-/Wochentrends wieder aufgenommen wird, haben wir uns den Wochenchart genauer angeschaut. In unseren Augen kann die aktuelle Korrektur durchaus noch auf mehr als 23 % ausgeweitet werden, also 8 % tiefer, als die jetzigen 15 %. Wir denken im Preisbereich um 192 USD – 177 USD sollte nach rückkehrender Kaufkraft Ausschau gehalten werden (siehe Abb. 11). Hier finden sich mehrere wichtige technische Faktoren. Diese Zone haben wir im Auge. Wichtig dabei ist, dass das Wochentief von 167,37 USD nicht unterschritten wird. 

MercadoLibre

Als nächstes haben wir den argentinischen E-Commerce-Konzern MercadoLibre (Nasdaq: MELI) dabei. Das Unternehmen ist mehr oder weniger ein Pendant zu eBay. Mit Fokus auf den argentinischen Markt kann man auf der Homepage des Unternehmens Kleinanzeigen durchstöbern und selbst aufgeben, sowie für Angebote bieten. 

Die derzeitige Marktkapitalisierung beträgt 65,65 Mrd. US-Dollar und das Unternehmen schüttet keine Dividenden aus. Von 2016 bis 2020 konnte ein Umsatzwachstum von durchschnittlich 47, 28 % pro Jahr erzielt werden, 2021 bis 2023 rechnet man mit einem Wachstum von durchschnittlich 46,85 % pro Jahr. Das sind phänomenale Wachstumsraten, sollten diese auch wirklich erreicht werden.

Unsere Aufmerksamkeit hat die Aktie durch einen massiven Aufwärstrend seit dem Tief der Finanzkrise 2008. In den darauffolgenden 14 Jahren konnten im Hoch 25.437 % Kursgewinn verzeichnet werden. 

1. Trendanalyse

Die Trendepochen von MELI sind gar nicht so leicht einzuordnen. Der Wochen- und Monatstrend ähneln sich relativ stark, was die Marktsymmetrie angeht. Dennoch sehen wir den Wochentrend, vor allem in Anbetracht des Begriffes “mittelfristig”, im Abwärtstrend

Vor allem in den letzten sieben Jahren (siehe Abb. 14) hat sich aber ein relativ sauberer Trend aus der zuvor doch eher seitwärts laufenden Bewegung herauskristallisiert. Dieser Trend verdient besondere Aufmerksamkeit, denn er ist intakt und wir haben bereits über 50 % vom Allzeithoch verloren.

2. Marktsymmetrien

Werfen wir einen Blick auf die historischen Korrekturen von MercadoLibre, so fällt auf, dass die derzeitige Korrektur mit 50,45 % die größte seit der Finanzkrise (2007-2009) ist. Nehmen wir Korrektur und Rallye der Finanzkrise heraus, so folgt auf eine Korrektur im Schnitt eine Faktor zwei- bis dreifach so lange Rallye. Zuletzt nach dem COVID-19 Crash um saubere 378,42 %.

Im Schnitt war eine Korrektur des langfristigen Trends bei MercadoLibre 47,93 % groß. Dem gegenüber steht ein saftiges Rallye-Plus von 301,28 % im Durschschnitt (siehe Abb. 17). Das ergibt ein trendbasiertes Chance-Risiko-Verhältnis von 6,29 (siehe Abb. 18). 

3. Zonenanalyse

Als mögliche Umkehrzone für den langfristigen Trend haben wir bei MercadoLibre die relativ große Zone zwischen 1.050 USD und 690 USD ausgemacht. Hier finden sich mehrere wichtige technische Faktoren. 

Tencent Holdings

Zu guter Letzt der bekannte Tech-Konzern Tencent Holdings aus China. Die Marktkapitalisierung von Tencent beträgt derzeit 567,39 Mrd. US-Dollar. Tencent ist unter anderem in viele Firmen aus dem Bereich Gaming und soziale Medien, sowie auch Tesla investiert.

Von 2016 bis 2020 konnte ein Umsatzwachstum von im Schnitt 32,17 % erzielt werden, 2021 bis 2023 rechnet man mit einem Wachstum von durchschnittlich 18,11 % pro Jahr.

Asiatische Aktien, vor allem chinesische Werte, haben 2021 ordentlich federn lassen. Bei Tencent sehen wir 2022 jedoch Potenzial wieder durchzustarten. Das ist natürlich abhängig von der weiteren (technischen) Entwicklung und ob die Käufer es schaffen, den langfristigen Aufwärtstrend wieder aufzunehmen.

Technische Analyse

1. Trendanalyse

Tencent ist langfristig aufwärts gerichtet. Interessant ist die Tatsache, dass auch der Wochen- und Tagestrend “lediglich” neutral sind. Zu einem möglichen Trendbruch im Monatschart ist außerdem noch ordentlich Luft. 

2. Marktsymmetrien

Bei Tencent gab es vor allem 2018 und 2021 relativ starke Korrekturen, was untypisch ist, wenn man überlegt, dass die Aktie davor seit 2011 eigentlich nur eine Richtung kannte: Aufwärts. Die Korrekturen 2018 und 2021 reihen sich außerdem direkt auf Platz 2 und 3 von insgesamt sechs ein. 

Tencent hat mit einer durchschnittlichen Korrekturdistanz von 41,88 % gegenüber einer Rallyedistanz von 785,36 % das höchste Chance-Risiko-Verhältnis mit 18,75 (siehe Abb. 26). Dazu muss aber gesagt werden, dass das vor allem durch die zwei Rallyes von über 1600 % aus 2005 und 2011 zusammenkommt. Das sind eher ungewöhnliche, überdurchschnittliche Rallyes. 

3. Zonenanalyse

Die mögliche Umkehrzone für den Monatstrend wurde bei Tencent bereits 2021 erreicht. Sollte Tencent es schaffen über 529 HKD auszubrechen sieht das solide aus für 2022.  

Ich hoffe das war eine gute Inspiration für dein Portfolio im Jahr 2022. Über Lob, Kritik und Anregungen freue ich mich jederzeit.

Liebe Grüße
Adrian

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