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Amgen Aktie Analyse 

NASDAQ: AMGN

Von Jan Fuhrmann und Christian Lämmle

Amgen Inc. Aktie | WKN: 867900 | ISIN: US0311621009 | Ticker: AMGN (Nasdaq)

Mit einer immer älter werdenden globalen Bevölkerung nehmen auch die Krankheiten zu, die uns als Menschen belasten. Vor allem im Westen nehmen die Tode durch sogenannte „Zivilisationskrankheiten“ zu. Dementsprechend fokussieren sich Unternehmen weltweit darauf, Heilungen und Therapien für Krankheiten wie Krebs und Herzversagen zu finden. Amgen ist eines dieser Unternehmen: ein führendes Biotechnologie-Unternehmen. Mit dem Mantra “Die Antworten liegen in uns selbst” sind Wissenschaft und Forschung laut eigenen Aussagen der Schlüssel zum Erfolg.

Der Podcast zu unserer Aktienanalyse

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KapitelTimestamp
Einleitung00:00:00
Geschäftsmodell00:14:46
Fundamentale Kennzahlen00:39:17
Branche & Konkurrenz00:56:51
Chancen, Risiken, Bewertung, Technische Analyse01:07:30

Inhaltsverzeichnis

Kurzportrait

Amgen ist einer der weltweit größten Konzerne aus dem Bereich der Biotechnologie und gehört bekannten Indizes wie z. B. auch dem Dow Jones an. 

Das Unternehmen betreibt eigene Grundlagenforschung für die komplexen Prozesse bei seltenen sowie weit verbreiteten Krankheiten. Auf Basis dieser Forschung werden Medikamente und Therapien für die Humanmedizin entwickelt, hergestellt und vermarktet. Wir haben uns u. a. die Produktpalette des Unternehmens angeschaut, interessante Statistiken mitgebracht, Infos über Krankheiten und die aktuelle Pipeline von Amgen durchleuchtet.

Langfristig ist Amgen in einem außerordentlich stabilen Aufwärtstrend, welcher erst kürzlich eine größere Korrektur beendet hat. In den vergangenen Wochen ist vor allem die Stärke der Aktie lobenswert.

Die Analyse bezieht sich auf den Kenntnisstand unserer Recherche vom 15.01.2022.

WKN/ ISIN867900/US0311621009
BrancheGesundheitswesen
Peter Lynch EinordnungSlow Grower
Fundamentales WLA-Rating?/10
Technisches WLA-Rating?/10
Porters Burggraben-Rating?/25
Marktkapitalisierung132,57 Mrd. USD
Dividendenrendite2,99 %
KGV19,12
FirmensitzThousand Oaks (USA)
Gründungsjahr1980
Mitarbeiter24.000
WKN/ ISIN867900/US0311621009
BrancheGesundheitswesen
Peter Lynch EinordnungSlow Grower
Fundamentales WLA-Rating7/10
Technisches WLA-Rating8/10
Porters Burggraben-Rating14/25
Marktkapitalisierung132,57 Mrd. USD
Dividendenrendite2,99 %
KGV19,12
FirmensitzThousand Oaks (USA)
Gründungsjahr1980
Mitarbeiter24.000

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1. Das Unternehmen

Historie

Der Anfang

Amgen (zu Beginn noch AMGen) wurde 1980 vom Risikokapitalgeber William K. (Bill) Bowes und weiteren Partnern gegründet. Mit nur drei Mitarbeitern begann die Arbeit damals in Thousand Oaks, Kalifornien (USA). George B. Rathmann wurde zum ersten CEO von Amgen und galt schon damals als bekannter Wissenschaftler und Unternehmer, dessen Projekte meist von Erfolg geprägt waren. Nicht umsonst verlieh ihm ein Magazin auch den Namen “Mr. Biotech”, welcher ihm eine Art Pionierrolle in der Branche zuspricht. Der Unternehmensname AMGen steht für Applied Molecular Genetics, also angewandte Molekulargenetik, und spricht damit direkt das an, womit sich der Konzern auch beschäftigt — dazu aber später mehr.

In den ersten drei Jahren erfolgten diverse Versuche und Experimente in verschiedensten Bereichen: Herstellung von Spezialchemikalien, Klonen von Luciferasen (Lichtquelle von Glühwürmchen) oder ein Verfahren zur Herstellung eines Indigo-Farbstoffs. Letzteres schaffte es sogar in die bekannte Zeitschrift Science. Die Behandlung und Heilung von Krankheiten war letztendlich das Segment, auf das man sich konzentrierte und in den folgenden Jahrzehnten viel erreichen konnte.

Forschung und Entwicklung

Das erste Medikament von Amgen ist EPOGEN, für das die FDA (Food and Drug Administration, also die zuständige Behörde in den USA) 1989 die Zulassung erteilte und Fortune die Auszeichnung als Produkt des Jahres verlieh. Die Forschung begann bereits sechs Jahre zuvor und ebnete nach bahnbrechender Arbeit den Weg zur Entwicklung eines der erfolgreichsten Medikamente in der Geschichte der Biotechnologie. Mit dem Patent und der Zulassung änderte sich das Aufgabenfeld von Amgen und man baute bspw. eine neue große Produktionsanlage. EPOGEN war für das Unternehmen im Endeffekt der Türöffner für viele weitere Projekte und die weiteren Leistungen. Der CEO nutzte den Zeitpunkt und gab seinen Posten kurz vor der Zulassung von EPOGEN ab; eine neue Ära von Amgen sollte mit einem neuen Geschäftsführer eingeläutet werden.

1985 erfolgte die zweite Entdeckung von Amgen, welche in der Entwicklung des zweiten großen Erfolgs mündete: NEUPOGEN. Dieses Medikament wurde 1991 zugelassen und erhielt von Fortune ebenfalls die Auszeichnung als Produkt des Jahres.

Nachdem man in der Zwischenzeit weitere Fortschritte im Bereich der Forschung machen konnte, erhielt Amgen im Jahr 1994 die US Department of Commerce National Medal of Technology, welche teilweise auf einem Niveau mit dem Nobelpreis gesehen wird — und das als erstes Unternehmen aus dem Biotech-Sektor.

Nach einem weiteren CEO-Wechsel kurz nach der Jahrtausendwende kam es ein Jahr später zu einer Zusammenarbeit mit der NASA. Auf der Raumfähre Endeavour führte man Untersuchungen von einem Medikament an Astronauten durch. Da diese besonders an Knochenabbau leiden (sechs Monate im Weltraum wirken sich auf die Alterung des Skeletts genauso aus wie 20 Jahre auf der Erde) bat es sich an experimentelle Zwecke durchzuführen, um dem entgegegenzuwirken.

2005 gründete Amgen die Stiftung Breakaway from Cancer, welche allgemein u. a. auf die Krankheit und die Betroffenen aufmerksam machen soll. Heute hat man laut eigener Aussage schon mehrere hunderttausend Menschen erreichen und informieren können.

2006 nahm das Biotech-Unternehmen an der Women’s Genome Health Study teil und kooperierte mit Partnern, um genetische Variationen, die einer Reihe von schweren Krankheiten wie Herzerkrankungen, Schlaganfall, Diabetes, Brustkrebs und Osteoporose zugrunde liegen können, zu identifizieren.

Natürlich forschte Amgen während der ganzen Zeit stetig weiter und viele andere Medikamente wurden zugelassen. Daher nun in Abbildung 4 ein Überblick, um die Frequenz von solchen Neuzulassungen einschätzen zu können. Die Frage nach der Fortschrittlichkeit der Pipeline stellen sich auch aktuell viele Analysten (wir auch ;)) bei anderen Unternehmen wie bspw. BioNTech. Bis ein Medikament in die Zulassungsphase kommt dauert es nunmal immer seine Zeit.

Übernahmen und Kooperationen

Die Expansion wurde durch Kooperationen mit anderen Unternehmen aus der Branche und Übernahmen stetig vorangetrieben. Dies ist generell ein übliches Vorgehen, aber in der Pharma-Branche ganz besonders. Das liegt daran, dass gerade die erste Phase der Entwicklung und Forschung ein besonderes Risiko des Scheiterns beinhaltet. Bei Amgen lässt sich gut beobachten, dass sie viele Unternehmen übernommen haben, deren Forschung relativ weit fortgeschritten war und das Medikament stand kurz vor der Zulassung. Amgen zahlt auf diese Weise zwar deutlich mehr Geld, aber kann die Pipeline mit vielversprechenden Projekten füllen, die vergleichsweise ein kleineres Risiko haben.

Das älteste Joint Venture entstand 1984 mit Kirin, einem japanischen Unternehmen aus der Getränkebranche, welches aber auch in anderen Segmenten wie der Pharmazie tätig ist. Der ursprüngliche Gedanke war die gemeinsame Kommerzialisierung einer Entdeckung von Amgen, welche zu dem Zeitpunkt ja noch ganz am Anfang standen. Seit 2017 ist Kirin-Amgen in alleiniger Hand von dem Biotech-Konzern. Im Zuge dessen betonte der CEO und Chairman noch einmal wie wichtig die Zusammenarbeit für die Entwicklung des Unternehmens war.

Weitere Übernahmen füllten vor allem die Pipeline von Amgen bzw. integrierten weitere Medikamente in das Unternehmen. So z. B. Immunex in 2002, Tularik in 2004 und BioVex in 2011. Mit der Übernahme von Bergamo im selben Jahr baute man auch die Präsenz im Ausland weiter aus — hier speziell in Brasilien. Dies ist beispielhaft für viele weitere Akquisitionen zu sehen, die in den nächsten Jahren noch folgten.

Amgen gab 2011 aber auch z. B. die Zusammenarbeit mit einer Behörde des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums (Centers for Disease Control and Prevention) bekannt. Das Ziel ist eine verbesserte Infektionskontrolle für Krebspatienten.

Eine interessante Übernahme geschah dann noch im Jahr 2012 als Amgen deCODE Genetics, ein weltweit etabliertes Unternehmen im Bereich der Humangenetik, übernahm. Gemäß eigener Aussage sind solche Akquisitionen Teil der Forschungs- & Entwicklungsstrategie, denn man möchte Arzneimittelziele verfolgen, die durch die Humangenetik validiert sind.

Auch wenn der Großteil der gekauften Firmen eher unbekannt ist, so ist eine strategische Partnerschaft aus 2019 durchaus nennenswert. 2019 kaufte Amgen 20,50 % von BeiGene für 2,80 Mrd. USD, um die Präsenz in China im Bereich der Onkologie auszubauen. 174,85 USD zahlte man somit im Schnitt pro Aktie — der aktuelle Kurs liegt bei ca. 250 USD und zeitweise lag er auch schon über 400 USD.

Weltweite Expansion

Mit zunehmendem Erfolg der Medikamente expandierte Amgen natürlich auch weltweit. Dies begann bereits 1989 mit einem europäischen Hauptsitz in der Schweiz, auf den weitere Standorte auf dem Kontinent folgten. 1993 wagte man den Schritt nach Südamerika, genauer gesagt Puerto Rico, wo sich heute der wichtigste Produktionsstandort mit einer Fläche von 1,70 Mio. Quadratmetern befindet — das entspricht rund 238 Fußballfeldern.

Der Kendall Square (ein Stadtviertel in Cambridge, USA) ist heute ein wichtiger Ort für Forschung und Entwicklung sämtlicher Zukunftstechnologien. Alphabet, Meta, IBM usw.: Viele Unternehmen haben Niederlassungen für ihre eigene Forschung in dieser Region und auch das weltbekannte MIT (Massachusetts Institute of Technology) befindet sich hier. Amgen war eines der ersten Unternehmen, welches sich hier im Jahr 2001 ebenfalls niederließ.

Im Jahr 2014 eröffnete Amgen eine neue Einrichtung in Singapur, welche dieselben Kapazitäten hat, aber gleichzeitig weniger Platz benötigt und in Bezug auf den Wasser- und Energieverbrauch sowie den Abfall und die Emissionen von Treibhausgasen effizienter ist. Das asiatische Zentrum für Forschung & Entwicklung von dem Konzern befindet sich in Shanghai.

2018 begann der Bau des Werks einer “nächsten Generation” in Rhode Island (USA), welches im Sinne der Effizienz, Schnelligkeit und Flexibilität einen neuen Maßstab setzen soll.

Auch wenn hier bei weitem nicht alle Standorte genannt wurden, kann man gut erkennen wie Amgen, vor allem in den letzten Jahren, weltweit expandiert und auf allen wirtschaftlich relevanten Kontinenten vertreten ist.

Börsengang

Bereits nach kurzer Zeit, im Jahr 1983, wagte Amgen den Schritt an die Börse und sammelte rund 40 Mio. USD an Kapital ein. Nicht einmal zehn Jahre darauf erfolgte der Aufstieg in den S&P 500, einen der bekanntesten Indizes der USA, und man schaffte es in die Fortune 500 —also unter die 500 umsatzstärksten Unternehmen aus den USA. In den Dow Jones Industrial Average wurde Amgen im Jahr 2020 aufgenommen.

Mission, Werte und Nachhaltigkeit

Mission

Amgen hat sich als Mission gesetzt den Patienten zu dienen. Dies führt der Konzern näher mit der dahinterstehenden Strategie aus, welche vorsieht, dass man neue innovative Humantherapien entdeckt, entwickelt, herstellt und schlussendlich dem Patienten zur Verfügung stellt.

Verantwortung und Werte

Amgen sieht sich in der Verantwortung für ein besseres Morgen zu arbeiten — nicht nur aus rein medizinischer Sicht, sondern allgemein. Dieser Anspruch lässt sich auch gut an den ganzen Auszeichnungen erkennen, die man bspw. im Jahr 2021 erhalten hat. Fortune zählt das Unternehmen zu den weltbesten Arbeitgebern, Forbes sieht Amgen als eines von Amerikas fairsten Unternehmen und das Wall Street Journal lobt vor allem das Management. Newsweek und Statista zählen Amgen zu den Unternehmen aus den USA, welche am meisten Verantwortung zeigen.

Im Alltag setzt der Biotech-Konzern diesen Anspruch mit folgenden Werten um, die das Handeln stets begleiten sollen:

Engagiert ist Amgen aber auch im Rahmen der Amgen Foundation, welche die nächste Generation an Innovatoren fördern soll und die Gesellschaft dort unterstützt, wo Mitarbeiter von Amgen leben. Insgesamt hat man seit der Gründung in 1991 schon über 325 Mio. USD an lokale, regionale und internationale gemeinnützige Organisationen gespendet. Weitere 175 Mio. USD wurden zur Förderung der wissenschaftlichen Bildung bereitgestellt.

Nachhaltigkeit

Im Sinne der Umwelt hat Amgen einen Plan mit Zielen für das Jahr 2027 herausgegeben, welcher auch als “The Road to Net Zero” (“Der Weg zur Netto-Null”) bezeichnet wird. Man möchte bis dahin die Kohlenstoffneutralität (Emissionen) erreichen und den Wasserverbrauch um 40 % und die Abfallmenge um 75 % reduzieren. 

Geschäftsmodell

Einleitung

Seit 40 Jahren ist Amgen als Biotechnologie-Unternehmen im Bereich Humantherapie tätig. Inzwischen arbeiten 24.000 Mitarbeiter in fast 100 Ländern für den weltweit führenden Konzern. Das Mantra lautet: „Die Antworten liegen ins uns selbst“. Kern des Geschäftsmodells von Amgen ist die Forschung. Zunächst gilt es, eine Krankheit von Grund auf zu verstehen, bevor man für sie eine Therapie entwickelt. Amgen ist nach der Entdeckung einer möglichen Therapie für eine Krankheit am kompletten Prozess der Medikamententwicklung beteiligt. Die Herstellung ist ebenfalls inbegriffen.

Krankheiten nehmen weltweit zu. Das liegt an der immer älter werdenden Bevölkerung und der zunehmend ungesunden Lebensweise, die sich in der modernen Zivilisation, vor allem in der ersten Welt entwickelt hat. Deutschland ist deswegen ein repräsentatives Beispiel für fast alle westlichen Länder. In Deutschland sterben die meisten Menschen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auf Platz 2 sind Neubildungen, also vor allem Krebs.

Wissenschaft, Forschung und Produktion

Bei Amgen will man Patienten mit schweren Erkrankungen das volle Potenzial der Biologieforschung im 21. Jahrhundert zugänglich machen. Wie bereits erwähnt folgt man hierfür dem „Biology-First“-Prinzip. Das bedeutet, dass man zunächst die komplexen molekularen Mechanismen erforscht, bevor man an einer Heilung arbeitet; im Prinzip betreibt das Unternehmen also eigene Grundlagenforschung. Erst ein Erkennen der Zusammenhänge führt dann ggf. zu einem Heilungsansatz. Ist eine Heilungsmethode nicht so erfolgreich wie erhofft, ist man auch bereit komplett neu zu denken und wieder zurück zur Forschung, dem Verstehen der Krankheit zu gehen. Das ist ja nicht immer der Fall in der Pharmabranche, vor allem wenn bereits viel Geld in die Entwicklung eines Medikaments geflossen ist.

Definition Grundlagenforschung: Grundlagenforschung besteht aus experimentellen oder theoretischen Arbeiten, deren Ziel in erster Linie ist, neue Erkenntnisse über grundlegende Phänomene und wahrnehmbare Tatsachen zu gewinnen, ohne dabei jedoch auf eine bestimmte Anwendungsmöglichkeit oder Nutzung hinzuarbeiten.

Die Produkte von Amgen

Wir besprechen hier nur die Produkte, die bereits voll aus der klinischen Phase raus sind. Einige der Medikamente von Amgen wie Eventity und Kyprolis generieren bereits signifikanten Umsatz, befinden sich aber noch im Endstadium der klinischen Phase. Mehr dazu in den Abschnitten „Die klinischen Phasen“ und „Die Pipeline von Amgen“. Medikamente, die wir dort erwähnen, werden wir hier nicht nochmal besprechen. Wenn ein Medikament zwei Namen hat, dann ist der erste Name meistens der Marketingname und der zweite der Name des Wirkstoffes.

Wichtig: Es handelt sich hier um teilweise hochspezifische, medizinische Themen. Amgen schreibt in ihren eigenen Berichten nur ein Wort zu den Krankheiten, auf die ihre Medikamenten wirken. Wir haben jeweils immer recherchiert und euch ein paar zusammenfassende Worte zu den Krankheiten und der Wirkungsweise der Präparate von Amgen geschrieben. Wir können aber nicht garantieren, dass die Umformulierungen hier zu 100 % medizinisch richtig sind.

Die wichtigsten Produkte (nach Umsatzanteil) sind:

ENBREL (Wirkstoff: Etanercept)

Entzündungshemmende Proteine, die bei Krankheiten wie rheumatoider Arthritis (Knochenentzündung), Morbus Bechterew (Beckengelenksentzündung) und schwerer Psoriaris (Schuppenflechte) zum Einsatz kommen, oft dann, wenn herkömmlichere Medikamente nicht geholfen haben.

Prolia® / XGEVA® (Wirkstoff: Denosumab)

Antikörper, der die Effekte von Osteoporose verringert. Bindet sich an das menschliche Protein RANKL und verringert so die „Arbeitsgeschwindigkeit“ der für die Knochenresurption (Abbau von Mineralien in den Knochen, Übertragung von Kalzium ins Blut) verantwortlichen Zellen.

Der Wirkstoff lässt sich auch als Behandlung von Tumorzellen des Knochens anwenden. Hier heißt das Medikament dann „Prolia“, bei gleichem Wirkstoff.

Neulasta® (Wirkstoff: Pegfilgrastim)

Dieses Medikament unterstützt Patienten mit Hautkrebs, die eine zytotoxische Chemotherapie durchlaufen. Durch die Chemotherapie wird viel Schaden (auch ungewollter) im Körper erzeugt. Das betrifft u. a. das Immunsystem.

Neulasta regt die Neubildung von neutrophilen Granuloyten im Knochenmark an. Das ist eine Unterart von weißen Blutkörperchen, die etwa 50-65 % aller weißen Blutkörperchen im menschlichen Körper ausmachen.

Aranesp® (Wirkstoff: Darbepoetin alfa)

Aranesp wird bei Patienten mit symptomatischer Anämie eingesetzt, oft aufgrund von chronischem Nierenversagen oder einer Tumorerkrankung. Bei einer Anämie ist die Anzahl von roten Blutkörperchen und somit Sauerstoff im Blut gering. Das kann langfristig zu Herzmuskelschwäche und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Darbepoetin alfa steigert die Produktion von roten Blutkörperchen und verhindert somit die Folgeerscheinungen.

Weitere Produkte aus Abb. 10

  • Otezla® (derzeit in der klinischen Phase, siehe Abschnitt „Pipeline von Amgen“)
  • KYPROLIS® (derzeit in der klinischen Phase, siehe Abschnitt „Pipeline von Amgen“)
  • Repatha® (derzeit in der klinischen Phase, siehe Abschnitt „Pipeline von Amgen“)
Biosimilars

Bei einigen in der klinischen Phase befindlichen und bereits in der Hauptproduktreihe vorhandenen Medikamenten von Amgen handelt es sich um Biosimilars. Das sind Nachahmerprodukte eines bereits seit mehreren Jahren auf dem Markt befindlichen Wirkstoffes. Biosimilars sind oft in der Herstellung simpler und somit auch im Verkauf deutlich günstiger. Somit können Biosimilars z. B. in ärmeren Ländern besser verkauft werden.

Biosimilars können z. B. biotechnologisch erzeugte Proteine sein, ihre Definition ist aber nicht immer klar. Es gibt lediglich vier festgelegte Grundsätze laut Wikpedia:

  • Vermarktung nach Patentablaufzeit des Originals
  • Verkauf zu einem deutlich reduzierten Preis im Vergleich zum Original
  • Es ist dem Referenzprodukt sehr ähnlich trotz der natürlichen Variabilität biologischer Produkte
  • Es gibt keine bedeutenden medizinischen Unterschiede in Bezug auf Wirkung, Qualität und Sicherheit

Von der Forschung zum Medikament

Im Schnitt dauert es ca. zwölf Jahre, bis ein Medikament von der ersten Forschung nach einem Wirkstoff zur Zulassung kommt. Die Kosten belaufen sich auf ca. 800 Mio. bis 2 Mrd. USD. Das bezieht sich jetzt auf die komplette Pharmabranche. Denn auch wenn ein Wirkstoff gefunden wurde — die Regularien legen fest, dass es für ein Medikament genug klinische Tests geben muss, bevor es zugelassen wird. So kann die Sicherheit zu einem hohen Prozentsatz garantiert werden.

Von der Forschung bis zur Zulassung und dem Verkauf werden auf Basis der Forschung Millionen von Substanzen erforscht, die dann mehrere Phasen durchlaufen. Insgesamt sind es drei wichtige Phasen: Forschung, die präklinische Phase und die klinische Phase, die sich wiederum aus drei Phasen zusammensetzt. Interessant wird es, wenn eine Substanz die klinische Phase erreicht. Ab hier besteht bereits gutes Potenzial auf Erfolg.

Die klinischen Phasen

Die klinische Phase ist deswegen so wichtig, weil sie letztendlich über Erfolg oder Misserfolg eines neuen Medikaments bestimmt. Eine klinische Studie kann bis Phase 2 erfolgreich sein; wenn sich in Phase 3 herausstellt, dass das Medikament schlechter wirkt als bereits vorhandene Wirkstoffe, ist die ganze Arbeit umsonst gewesen (zumindest an diesem Präparat). Erst wenn diese drei Phasen vollständig durchlaufen wurden, kann ein Medikament bei den nationalen Behörden zur Zulassung freigegeben werden.

Phase 1/I

In der ersten Phase werden einige wenige Freiwillige gesucht, die sich das Medikament verabreichen lassen. Je nach Wirkstoff und Krankheit kann es sich dabei um erkrankte oder auch gesunde Personen handeln.

Ziel der ersten Phase ist es, sich vorsichtig an die Anwendung am Menschen heranzutasten. Hierfür wird angefangen, ein Wirkstoff sehr gering zu dosieren und zusätzlich zu Schätzungen immer weiter zu erhöhen. All das geschieht natürlich unter professioneller Überwachung. Außerdem wird untersucht, wie lange die positive Wirkung anhält, was für Nebenwirkungen es gibt und wie schnell der Körper den Wirkstoff wieder abbaut.

Phase 2/II

Die zweite Phase ist im Endeffekt eine Erweiterung der ersten Phase. Hier gilt es, noch mehr Daten zu sammeln und weitere Dosierungen zu optimieren. Somit soll eine höhere Sicherheit entstehen, bevor es in die dritte Phase geht.

Phase 3/III

Die dritte Phase ist die letzte und wichtigste Phase. Hier wird oft schon international an mehreren Tausend Patienten getestet. Die Wirkung soll statistisch weiter belegt werden, außerdem soll festgestellt werden, ob das Medikament wirklich einen signifikanten Mehrwert bietet, vor allem im Gegensatz zu Konkurrenzprodukten, die bereits auf dem Markt sind.

(Phase 4/IV)

Diese Phase gehört nicht mehr zur klinischen Phase, kann aber trotzdem als Erweiterung gesehen werden. Hier ist das Medikament bereits zum Verkauf zugelassen, es wird aber trotzdem weiter optimiert und erforscht. Die Datenmenge ist nun bereits enorm (oft mehrere Zehntausend Patienten weltweit, je nach Krankheit).

Die Pipeline von Amgen

Nun zur Antwort auf die Frage, warum wir Dir diesen Prozess so detailliert erklären. Das ist ganz einfach. Wir schauen uns nun die Pipeline von Amgen an, zumindest einige Beispiele: Also welche Wirkstoffe befinden sich derzeit in der klinischen Phase und auf welche Krankheiten zielen sie ab? Das ist wichtig für den zukünftigen Erfolg des Unternehmens.

Manche Medikamente wirken für mehrere Krankheiten. Es kann also sein, dass sich ein bestimmtes Medikament mit drei Anwendungsbereichen bei zwei Krankheitsbildern in Phase 3 befindet und bei einem erst in Phase 1. Wir zählen jeden Anwendungsbereich als eigenen „Pipeline-Platz“. Wenn unten in der Grafik bei Phase 2 z. B. „9 Weitere steht“, kann es sein, dass der Wirkstoff auch schon in Phase 3 aktiv bei einigen Krankheitsbildern ist. Am Ende kommt es aber darauf an, wann der Wirkstoff auf den Markt kann und das geht eben schon ab dem ersten erfolgreich getesteten Krankheitsbild.

Viele der neuen Krebstherapien in Phase 1 basieren auf der BiTE®-Molekül-Forschung von Amgen. Der Name ist rechtlich gesichert worden. Dabei handelt es sich um ein Fusionsprotein, das die Kraft des Immunsystems zur Behandlung von Krebs nutzbar machen soll. Einfach erklärt bildet das BiTE®-Molekül eine Brücke zwischen den T-Zellen des körpereigenen Immunsystems und der Oberfläche eines Krebstumors. In der Regel werden mutierende Zellen vom Immunsystem erkannt und sofort eliminiert. Passiert das nicht direkt, hat das Immunsystem Probleme bei der Erkennung der Tumoroberfläche als Eindringling und Gefahr. Das BiTE®-Molekül hilft den T-Zellen, die dann wiederum die B-Plasmazellen und T-Killerzellen/T-Fresszellen aktivieren — somit ist der Name „Bite“, auf Deutsch: Biss, eigentlich ganz passend. In Abbildung 15 haben wir den Aufbau des Immunsystems aus unserer BioNTech Analyse nochmal für ein besseres Verständnis eingefügt.

Phase 1/I Medikamente
  • ACAPATAMAB / BiTE® (Therapie für Prostatakrebs und Non-Small-Lungenkrebs) beide Krankheitsbilder sind in Phase 1
  • PAVURUTAMAB / BiTE® (Therapie für Morbus Kahler, einer der häufigsten Arten von Knochentumoren)
  • TARLATAMAB / BiTE® (Therapie für kleinen Lungenkrebs und neuroendokrinen, seltenen Prostatakrebs, der in hormonbildenden Zellen entsteht) beide Krankheitsbilder sind in Phase 1
Phase 2/II Medikamente
  • Olpasiran (Medikament für Atherosklerose, eine Herzkrankheit, die vor allem durch Rauchen und hohen Blutdruck verursacht wird und die Arterienwände beschädigt — das erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt)
  • Rozibfusq alfa (Medikament für Lupus erythematodes, dt.: Schmetterlingsflechte, eine seltene Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem verschiedene Zellstrukturen, je nach Krankheitsform, angreift)
  • ABP 938 (Biosimilar für Makuladegeneration, eine Krankheit, bei der die Sehschärfe des Auges abnimmt und im Endstadium zur Blindheit führen kann)
Phase 3/III Medikamente
  • EVENITY® (Medikament für Osteoporose und Glasknochenkrankheit bei Männern wie Krankheiten, die oft im Alter auftreten und die Knochendichte verringern — die Knochen werden schwächer und gebrechlicher) bei Osteoporose ist das Medikament in Phase 3, bei der Glasknochenkrankheit in Phase 1
  • KYPROLIS® (Medikament für wiederkehrenden Knochenkrebs und Leukämie, die Besonderheit bei diesem Wirkstoff ist die Möglichkeit der wöchentlichen Dosierung) bei Knochenkrebs ist das Medikament in Phase 3, bei Leukämie in Phase 2
  • Nplate® (Chemotherapie für Thrombozyttopenie, eine Krankheit, bei der zu wenige Blutplättchen im Körper vorhanden sind, was zu inneren und äußeren Blutungen führt)
  • Otezla® (Medikament für Psoriasis Arthritis im Genitalbereich, eine Autoimmunerkrankung, bei der sich die Haut entzündet und teilweise Schuppenflechten bildet — das Medikament wirkt auch gegen Symptome von COVID-19 als Entzündungshemmer) insgesamt gibt es sechs Anwendungsbereiche in ähnlichen (Entzündungs-) Krankheitsbildern bei diesem Medikament, fünf davon sind in Phase 3, eines in Phase 2
  • Repatha® (Medikament gegen eine Reihe von lardiovaskulären Erkrankungen, also Erkrankungen und Symptome, die das Herz-Kreislauf-System betreffen)

Burggraben

Amgen ist im Bereich der Biotechnologie nicht nur das größte, sondern auch das profitabelste Biotechnologie-Unternehmen. Die fundamentalen Kennzahlen sprechen für das Unternehmen. Amgen weist mit 36,70 % ein sehr hohes Verhältnis von Free Cash Flow zu Umsatz und somit eine gute operative Ertrags- und Finanzierungskraft auf. Auch im Vergleich zu den direkten Mitbewerben erzielt das Unternehmen die höchste operative Marge, auf die wir im Abschnitt Konkurrenzvergleich noch detaillierter eingehen.

Durch das Prinzip der Economies of Scale, zu Deutsch Skaleneffekt, bedingt durch die marktführenden Technologien und Prozesse sowie dem Größenvorteil, befindet sich Amgen in einer Vormachtstellung innerhalb der Biotechnologie-Branche. Ferner besitzt Amgen Inc. zahlreiche immaterielle Vermögenswerte wie Patente inkl. damit verbundener Expertise, die ebenfalls als starker Burggraben zu werten sind.

Porters Five Forces

Nachstehend die Branchenstrukturanalyse nach Michael E. Porter. Diese dient einer Einordnung von externen Kräften, welche auf die Unternehmen einer Branche einwirken. Unsere Skala reicht hierbei von 0 bis 5. Je besser Amgen aufgestellt ist, desto höher ist die Punktzahl, welche wir vergeben. 

Externe Kraft Stärke Begründung
Rivalität unter bestehenden Wettbewerbern 2/5 Amgen bewegt sich in einem Umfeld gesät von sehr starker Konkurrenz. Hier sehen wir vor allem das Thema der Biosimiliars als Gefahr für Amgen. Obwohl auch Amgen Biosimilars in seinem Produktportfolio führt, werden wie erwarte auch einige von Amgen entwickelte Produkte mittlerweile von der Konkurrenz kopiert und vermarktet.
Bedrohung durch neue Wettbewerber 3/5 Die Biotech-Branche ist aktuell noch ein Nischenmarkt. Neuartige Medikamente setzen enorme Investitionen in die Forschung & Entwicklung dieser voraus. Selbstverständlich wird auch die erforderliche Expertise dazu benötigt. Eine Analyse des Branchenverbandes Bio Deutschland bekräftigt die Problematik der Finanzierung und dadurch die erschwerten Bedingungen für Neueinsteiger.
Verhandlungsmacht der Lieferanten 2/5 Amgen bezieht laut eigen Angaben einen Teil der Rohstoffe und Medizinprodukte zur Herstellung deren Produkten von unabhängigen Dritten die zum Teil die einzigen Lieferanten für solche Materialen sind. Für kritische Rohstoffe wird ein erhöhter Lagerbestand geführt.
Verhandlungsmacht der Kunden 4/5 Die Verhandlungsmacht der Kunden sehen wir als eine der schwächsten Kraft nach Porter an. Hier stehen klar viele Kunden nur einer Handvoll großer Biotechnologieunternehmen gegenüber. Durch die teils starke Differenzierung der Produktpalette zur Konkurrenz, sowie dem zuvor genannten Argument vergeben wir hier 4 von 5 Punkte.
Bedrohung durch Ersatzprodukte 3/5 Dieser Punkt geht einher mit der Bedrohung durch neue Wettbewerber. Ersatzprodukte in gleicher Qualität bzw. Preisklasse sind schwer zu finden. Weiters müssen Ersatzprodukte von den Kunden auch angenommen werden.

Geschäftsführung

Robert A. Bradway

Robert A. Bradway ist der CEO und Chairman von Amgen und übt diese Positionen bereits seit 2010 und 2012 aus. Zu dem Konzern kam er bereits im Jahr 2006 als Vice President für die Strategie des operativen Geschäfts. Ein Jahr später wurde er dann zum Executive Vice President und Chief Financial Officer.

Vor seiner Zeit bei Amgen arbeitete Bradway bei Morgan Stanley als Managing Director. Dabei trug er die Verantwortung für die Bankabteilung des Unternehmens und die Unternehmensfinanzierungen in Europa. Er ist allerdings nicht komplett branchenfremd gegenüber Pharma und Biotech, denn er begann seine Karriere bei Morgan Stanley als Investment Banker für den Sektor Gesundheitswesen im Jahr 1985.

Heute ist der CEO und Chairman von Amgen auch Mitglied des Boards bei Boeing, der W. M. Keck Foundation und der PhRMA (Handelsgruppe der Pharma-Unternehmen aus den USA).

Auch an seinen Studienabschlüssen kann man seine Kompetenz in der Geschäftsführung, aber auch speziell der Branche, erkennen. Während er seinen Bachelor in Biologie am Amherst College machte, absolvierte er den Master-Studiengang in Business Administration an der Elite-Universität in Harvard.

2. Fundamentale Ansicht

Kennzahlen

Aktienfinder
Aktienfinder

Die Prognosen aus diesem Abschnitt werden vom Aktienfinder zur Verfügung gestellt.

Umsatz

Entwicklung

Trotz eines durch COVID-19 herausfordernden und unvorhersehbaren Jahres, konnte das Unternehmen den Umsatz im Jahr 2020 wie prognostiziert steigern. Die Gesamterlöse stiegen um 8,83 % auf einen Rekordwert 25,42 Mrd. USD, angetrieben von einer Reihe von Faktoren:

Viele der neueren innovativen Medikamente lieferten im Jahresvergleich ein zweistelliges Wachstum. Darunter z. B. das Produkt zur Cholesterinbehandlung Repatha® mit einer Absatzsteigerung von +34 % gegenüber dem Vorjahr. Amgens Migränetherapie Aimovig® sowie die Osteoporose-Medizin EVENITY® erfuhren ein Wachstum von  +24 % und +85 %. Das Wachstum wurde laut Geschäftsbericht vorwiegend durch Volumengewinne, sprich dem Mehrverkauf dieser Produkte, generiert anstatt aus Preiserhöhungen.

Mit der erfolgreichen Integration von Otezla®, ein Konkurrenzprodukt, deren weltweite Rechte sich Amgen im Jahr 2019 für 13,40 Mrd. USD sicherte, will Amgen die jahrzehntelange Führung im Bereich Entzündungshemmer weiter stärken. Otezla® erzielte im Jahr 2020 einen Umsatz von 2,29 Mrd. USD und wird als starker Wachstumstreiber für die kommende Jahre gesehen.

Der Jahresumsatz der Biosimilars stieg auf 1,70 Mrd. USD an. Zudem konnten die Gesamterlöse außerhalb der USA um 10 % auf mehr als 6 Mrd. USD gesteigert werden. Die Asien-Pazifik-Region übertraf zum ersten Mal die Eine-Milliarden-Dollar-Marke.

Analysten erwarten im Jahr 2023 einen Umsatz von 27,94 Mrd. USD, was einem jährlichen Umsatzwachstum von 3,19 % entspricht.

Umsatzverteilung nach Produktion und Region

Wie zuvor bereits angedeutet, generiert das Unternehmen ausschließlich Erlöse aus dem Verkauf und Vermarktung der in Abbildung 20 angeführten Produkten. Mit 5,34 Mrd. USD (21 %) am Gesamtumsatz trägt das Produkt ENBREL bei. Der Tumornekrosefaktor (TNF) Blocker ist ein Arzneistoff, der in der Behandlung von entzündlichen Erkrankungen Anwendung findet. Das 1998 auf den Markt gebrachte Medikament wird hauptsächlich in den USA vermarktet.

Das nach Umsatz zweistärkste Produkt Prolia® mit 2,80 Mrd. USD (11 %) wird hauptsächlich in den USA, in Europa und im asiatisch-pazifischen Raum vermarktet. Das im Jahr 2010 eingeführte Produkt wird zur Behandlung von Osteoporose bei Frauen in der letzten Phase der Wechseljahre eingesetzt.

Neulasta® wird vorwiegend in den USA und Europa vermarktet. Durch Neulasta® wird die Bildung weißer Blutkörperchen im Körper angeregt und oft in Kombination mit einer Chemotherapie verabreicht. Erwähnenswert ist, dass der Umsatzanteil durch Neulasta® in den letzten zwei Jahren sich mehr als halbiert hat. Im Jahr 2018 machte dieses Produkt noch 20 % vom Portfolio aus. Aktuell belaufen sich die Erlöse auf nur 9 %. Wir sehen diesen Umsatzrückgang hauptsächlich in Verbindung mit den Biosimilars der Konkurrenzprodukte. Mit 9 % des Gesamtumsatzes liegt das Produkt gleichauf mit Otezla®, dem Neuzugang des Unternehmens. Das hauptsächlich in den USA und Europa vermarktete Produkt konnte nicht nur den starken Umsatzrückgang bedingt durch Neulasta® ausgleichen, sondern erhöhte die im Jahr 2020 erzielten Gesamterlöse auf, die bereits erwähnten, 25,42 Mrd. USD.

Die Anteile am Gesamtumsatz der weiteren dargestellten Produkte wie XGEVA®, Aranesp®, KYPROLIS® sowie Repatha® blieben in den letzten Jahren konstant unverändert Sonstige Einnahmen (Abbildung 22) bestehen hauptsächlich aus Lizenzeinnahmen und Einnahmen von Unternehmenspartnern.

EBIT und Konzerngewinn

Auffällig ist hier sofort der Gewinneinbruch im Jahr 2017. Dieser sollte dabei jedoch nicht überbewertet werden, denn hier steckt eine US-Steuerreform dahinter, auf die wir bereits in unserer Analyse zu Lockheed Martin eingegangen sind. Das Kernstück der US-Steuerreform bildete hier die Senkung der Körperschaftsteuer von 35 % auf 21 %. Des Weiteren mussten im Ausland erzielte Gewinne nachversteuert werden. Der Unternehmensgewinn reduzierte sich daher durch die Rückführungsteuer auf ausländische Erträge (Einmalabgabe) sowie der Neubewertung bestimmter latenter und sonstiger Steuerschulden.

In Summe beliefen sich laut dem Geschäftsbericht von 2017 die Auswirkungen des Steuergesetzes auf 6,10 Mrd. USD. Im Umkehrschluss beliefen sich somit die bereinigten Gewinne im Jahr 2017 auf 8,08 Mrd. USD.

Seit 2011 stieg der Gewinn kontinuierlich an (mit Ausnahme 2017) und erreichte im Jahr 2018 mit 8,39 Mrd. USD den vorläufigen Höhepunkt. Seit 2018 verbuchte das Unternehmen einen jährlichen Gewinnrückgang von 6,97 %, welcher mit dem Rückgang der Nettomarge korreliert und auf höhere Investitionen in Forschung & Entwicklung zurückzuführen ist. Hier wurden die Ausgaben für Forschung & Entwicklung seit 2018 um jährlich 6,10 % erhöht. Auf den gesamten Zeitraum (2016-2020) verzeichnet Amgen somit einen Gewinnrückgang von 1,52 % pro Jahr.

Kostenanalyse

Die Pharmabranche ist grundlegend sehr kostenintensiv. Daher schauen wir uns genau, an wie sich diese Kosten zusammensetzen und ob sich hier ein Muster erkennen lässt, auf welches man als Investor achten sollte.

Amgen muss natürlich immer stark in die Forschung und Entwicklung investieren, um auch zukünftige Umsätze sichern zu können.

Was direkt auffällt ist, dass sich die Forschungs- und Entwicklungskosten relativ gesehen recht parallel zum Umsatz entwickeln. Die Kostenposition hat voluminös immer zwischen 16 % und 18 % der Gesamtumsätze eingenommen.

Zum Vergleich: Dieselbe Kostenposition beim Konkurrenten AbbVie nahm durchschnittlich seit 2018 rund 19 % des Umsatzes in Anspruch.

Ein letzter sehr transparenter Fakt von Amgen ist die Tatsache, dass sie konkret aufzeigen, wie viel Geld in welche Phase der Forschung und Entwicklung gesteckt wird. Man kann also aus dem Geschäftsbericht ablesen, wie viel Geld in die sehr junge Pipeline, in die weiter entwickelte Pipeline und wie viel in die bereits zugelassenen Produkte investiert wird. Die Aufteilung der letzten drei Jahre zeigt hier keine große Besonderheit auf. In 2020 waren die Kosten sogar fast exakt auf alle drei Kategorien verteilt. Beim zuvor angesprochenen Konkurrenten AbbVie konnten wir eine solche Aufteilung nicht finden, was auf jeden Fall als Pluspunkt für Amgen gewertet werden kann.

Ausgaben für Forschung & Entwicklung 2020 2019 2018
Forschung und Präklinische Phase 1,41 Mrd. USD 1,65 Mrd. USD 1,20 Mrd. USD
Klinische Phase 1,37 Mrd. USD 1,06 Mrd. USD 1,03 Mrd. USD
Vermarktete Produkte 1,44 Mrd. USD 1,41 Mrd. USD 1,50 Mrd. USD
Gesamtausgaben 4,21 Mrd. USD 4,12 Mrd. USD 3,74 Mrd. USD

Bei den Produktkosten fällt auf, dass diese seit 2018 fortlaufend gesteigert werden. 2020 wurde dies vom Unternehmen auf höhere Abschreibungen und Lizenzgebühren zurückgeführt. Erste sollen duch Akquisitionen zustande gekommen sein. 2021 sind die Kosten bisher ebenfalls leicht gestiegen. Künftig sollte man daher besonders auf diese Kostenposition achten. Ebenfalls sind natürlich die Forschungs- und Entwicklungskosten im Auge zu behalten.

Die sonstigen Kosten sind relativ gleich geblieben. Daher bedarf es hier keiner besonderen Betrachtung.

Margen

Amgen erzielte im Jahr 2020 eine operative Marge von 35,90 % sowie eine Nettomarge von 28,60 %. Obwohl in beiden Fällen ein Rückgang von jährlich 4,16 % sowie 3,96 % zu Buche steht, sind die Margen trotzdem noch als sehr ordentlich anzusehen. Dies ermöglicht Amgen problemlos noch höhere Investitionen in Forschung & Entwicklung neuer Medikamente sowie Akquisitionen aussichtsreicher Firmen.

Dividendenpolitik

Amgen schüttete erstmalig im Jahr 2011 eine Dividende i. H. v. 0,56 USD aus. Seitdem haben sich die Dividendenzahlungen jährlich um 30,09 % erhöht. Für das Geschäftsjahr 2020 wurde vom Vorstand eine Ausschüttung von 6,40 USD genehmigt, die in den Monaten Februar, Mai, August und November an die Aktionäre ausbezahlt wird.

Zum Ende des Jahres 2021 lag die Ausschüttung bei 7,04 USD pro Aktie. Bei dem aktuellen Kurs von 235,36 USD pro Aktie entspricht das einer Dividendenrendite von 2,99 %. Die Ausschüttungsquote beträgt 36,80 % auf den Free Cashflow und 51,60 % auf den Gewinn. Die Geschäftsführung geht auch in Zukunft von einer Fortführung der Dividendenzahlung sowie Erhöhung aus.

Wie aus Abbildung 26 ersichtlich, kauft das Biotechnologie-Unternehmen seit dem Höhepunkt im Jahr 2003 mit 1,34 Mrd. ausgegebenen Anteilsscheinen, kontinuierlich Aktien zurück. Die Anzahl der ausstehenden Aktien verringerte sich somit in den letzten fünf Jahren um 21,75 %. Im Jahr 2020 kaufte Amgen Stammaktien in Höhe von 3,50 Mrd. USD zurück, im Jahr 2019 wurden Stammaktien in Höhe von 7,60 Mrd. USD zurückgekauft. Durch das Aktienrückkaufprogramm wird somit Kapital an die Aktionäre zurückgegeben. Auch für die Zukunft werden weiter Aktienrückkäufe erwartet.

Historische Kennzahlen

KUV

Im betrachteten Zeitraum stieg das Kurs-Umsatz-Verhältnis um jährlich 2,71 % an und bewegte sich zwischen 4,80 im Jahr 2016 und 6,28 im Vorjahr. Für das abgelaufene Geschäftsjahr betrug dieses Multiple 5,34 und liegt somit nahe dem Mittelwert (5,49) der letzten fünf Jahre. Durch die konstant leicht steigenden Umsätze, bei zugleich zunehmender Marktkapitalisierung, gibt es hier keine Auffälligkeiten zu berichten. Zum Wochenschlusskurs der Kalenderwoche 3 beträgt das KUV 5,46. Bis 2023 sollen die Umsätze jährlich um 3,19 % anziehen und dementsprechend das Multiple auf 4,59 zurückgehen.

KGV

Auffällig auch hier wieder das Jahr 2017. Das Unternehmen wird in dem genannten Jahr mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 64,59 zu Unrecht als überteuert dargestellt. Betrachtet man den bereinigten Gewinn von 8,08 Mrd., also ohne die Auswirkungen des Steuergesetztes, so beläuft sich das KGV auf 15,82. Unter dieser Berücksichtigung ergibt sich ein Mittelwert von 16,58. Ausgehend vom aktuellen KGV von 19,12 soll sich das Multiple bis ins 2023 um jährlich 13,72 % reduzieren und somit 11,99 betragen.

KCV

Das Kurs-Cashflow-Verhältnis betrug zum Jahresende der berichteten Periode 12,92 und lag somit nahe dem Mittelwert der letzten fünf Jahre (12,50). Der Operating Cash Flow pro Aktie soll bis 2023 um jährlich 6,72 % ansteigen. Bei einem fiktiven durchschnittlichen Aktienkurs von 225,14 USD bis 2023 ergibt sich dadurch eine Verminderung dieses Multiples um jährlich 6,95 %. Analysten erwarten dadurch ein Multiple von 10,41 im Jahr 2023. Zum Erscheinungszeitpunkt dieser Analyse beträgt der Kurs 235,36 USD und somit ergibt sich ein KCV von 13,23.

Einordnung nach Peter Lynch

Das Biotechnologie-Unternehmen Amgen wird nach den Kriterien von Peter Lynch als Slow Grower eingestuft. Wie berichtet steigerte sich der Umsatz in den letzten fünf Jahren jährlich um 2,55 %. Im Pandemiejahr erzielte man ein Jahr-zu-Jahr-Wachstum von 8,83 %. Für die nächsten drei Geschäftsjahre erwarten die Analysten, dass sich die Erlöse mit Wachstumsraten von rund 3,19 % pro Jahr einpendeln werden.

Fundamentales Wir Lieben Aktien-Rating

Amgen erfüllt aktuell 7 von 10 Kriterien unseres fundamentalen Wir Lieben Aktien-Ratings für Slow Grower und erreicht demnach ein gutes Ergebnis. Mit nur 2,55 % wurde die 3 %-Hürde für die Vergabe eines Punktes, bezogen auf das Umsatzwachstum der letzten fünf Jahre, knapp verfehlt. Ebenfalls mussten wir auch aufgrund des negativen EBIT Wachstums der letzten fünf Jahre einen Punkt abziehen sowie der zu geringen Eigenkapitalquote.

3. Konkurrenzvergleich und Branchenanalyse

Allgemeine Infos über die Branche

Vorab möchten wir den Begriff Biotechnologie erklären:

Als Biotechnologie wird die Umsetzung von Erkenntnissen aus der Biologie und der Biochemie in technische oder technisch nutzbare Elemente verstanden. Die moderne Biotechnologie zeichnet sich dadurch aus, dass sie vor allem mit Methoden der Gentechnik und der Molekularbiologie arbeitet. Die Biotechnologie unterteilt sich in verschiedene Zweige:

Das Biotechnologie-Unternehmen Amgen befindet sich demzufolge zweifellos im Zweig der roten Biotechnologie, welche sich mit der Herstellung von Medikamenten und Diagnostika befasst. Neben der Biotechnologie bilden konventionelle Medikamente und nicht klassifizierte Medikamente die drei Bestandteile des pharmazeutischen Marktes (Abbildung 32).

Zweig Anwendungsgebiete
Grüne Biotechnologie Landwirtschaft
Rote Biotechnologie Medizintechnik/ Pharmazeutik
Blaue Biotechnologie Produkte aus dem Meer
Weiße Biotechnologie Industrieprozesse
Graue Biotechnologie Abfallwirtschaft
Braune Biotechnologie Technische/ Umwelt- Biotechnologie
Gelbe Biotechnologie Herstellung von Lebensmitteln und Grundstoffen

Anhand der dargestellten Grafik ist gut zu erkennen, dass die Biotechnologie in der pharmazeutischen Industrie immer mehr an Bedeutung gewinnt. An dieser Stelle möchten wir nochmal auf die am 17. Oktober 2021 erschienene Analyse zu dem ebenfalls in der Biotechnologie-Branche tätigen Unternehmen BioNTech verweisen.

Die Umsatzverteilung nach Regionen wird in Abbildung 33 dargestellt und in sechs Bereiche unterteilt. Im Jahr 2020 entfielen hier 49 % des weltweiten Pharmaumsatzes auf die Region Nordamerika, wobei die USA hier den wesentlichen Teil ausmacht. Im Vergleich dazu entfielen nur zu 23,90 % auf Europa.

Legt man diese Statistik auf die Top-Nationen weltweit, nach Wert der Biotech-Unternehmen, ergibt sich folgende Marktverteilung nach Ländern, dargestellt in Abbildung 34. Auch hier zeigt sich wieder die Dominanz der USA in diesem Sektor.

Die nächste Statistik geht auf den Wertanteil nach Therapiegebiet bzw. Anwendungsgebiet der Biotechnologie ein. Basierend auf die durch Statista bereitgestellten Daten, erfasst im November 2021, beträgt der Anteil der Onkologie am gesamten globalen Biotech-Sektor weltweit 39,30 % und liegt somit klar vor den beiden weiteren Anwendungsgebieten der Neurologie und dem Gebiet der seltenen Krankheiten mit jeweils 11,60 %. 4,50 % des Wertanteils belaufen sich auf Medikamente.

Die Statistik in Abbildung 36 zeigt eine Auswahl der weltweit meistverkauften Biotech-Medikamente, geordnet nach ihrem Umsatz im Jahr 2020. Das Immunsuppressivum Humira war 2020, wie in den Jahren zuvor, das umsatzstärkste Medikament der Welt aus der Biotechnologie. Der amerikanische Pharmakonzern AbbVie erwirtschaftete allein mit diesem Produkt im Jahr 2020 19,83 Mrd. USD. Zum Vergleich: Amgens Gesamtumsatz im Jahr 2020 betrug 25,42 Mrd. USD. Nach Einschätzung des Branchendienstes Evaluate Pharma wird der im Jahr 2002 eingeführte Blockbuster auch 2024 noch das hier gezeigte Arzneimittelranking anführen.

Überblick über die Konkurrenz

Einleitung

Im folgenden Konkurrenzvergleich betrachten wir die beiden größten Unternehmen (gemessen an der Marktkapitalisierung in 2021) sowie das Unternehmen, welches am meisten Umsatz mit verschreibungspflichtigen Biotech-Medikamenten erzielen konnte. Die Top-6-Unternehmen beider Kategorien werden in Abbildung 37 und Abbildung 38 aufgelistet.

Kennzahlen  

In folgender Tabelle vergleichen wir die direkten Konkurrenten von Amgen anhand der Kennzahlen.

Unternehmen Amgen AbbVie Novo Nordisk Roche
WKN / ISIN 867900/ US0311621009 A1J84E/ US00287Y1091 A1XA8R/ DK0060534915 855167/ CH0012032048
Mitarbeiter 24.000 47.000 45.323 101.465
Hauptsitz Thousand Oaks, USA Lake Bluff, USA Bagsværd, Dänemark Basel, Schweiz
Marktkapitalisierung 132,57 Mrd. USD 236,05 Mrd. USD 1,46 Bio. DKK 314,59 Mrd. CHF
Umsatz 25,42 Mrd. USD 45,80 Mrd. USD 126,95 Bio. DKK 53,32 Mrd. CHF
Umsatzwachstum (letzten 5 Jahre) 2,55 % p.a. 15,62 % p.a. 3,23 % p.a. 3,63% p.a.
EBIT 9,14 Mrd. USD 3,40 Mrd. USD 54,12 Bio. DKK 17,97 Mrd. CHF
Gewinn 7,26 Mrd. USD 4,56 Mrd. USD 42,14 Bio. DKK 14,30 Mrd. CHF
KGV 16,26 31,8 31,7 22,5
KUV 4,91 3,97 9,43 5,02
KCV 12,29 10,5 25,0 16,3
Dividendenrendite 2,99 % 3,98 % 1,47 % 2,49 %

Abseits der aktuellen Konkurrenz zu Amgen haben wir für Euch noch die aktuell größten an der Börse gelisteten deutschen Unternehmen zusammengestellt.

  • BioNTech – Börsenwert: 47,53 Mrd. USD
  • Curevac – Börsenwert: 4,57 Mrd. USD
  • Qiagen – Börsenwert: 11,19 Mrd. USD
  • Evotec – Börsenwert 6,17 Mrd. USD
  • Morphosys – Börsenwert: 1,03 Mrd. USD

Performance seit 10 Jahren

Auf 10-Jahressicht ist die Outperformance von Novo Nordisk klar erkennbar, allerdings löste AbbVie den dänischen Konzern kürzlich von der Spitze ab. Der klare Verlierer im Performance-Vergleich ist Roche und im Mittelfeld bewegt sich Amgen.

4. Chancen und Risiken

Chancen

Bedeutung der Biotechnologie nimmt zu (1)

Die oberhalb dargestellte Statistik zeigt ein kontinuierliches Wachstum der Biotechnologie über das letzte Jahrzehnt sowie eine Prognose bis zum Jahr 2026. Im vergangenen Jahr 2020 machte die Biotechnologie 30 % des weltweiten Pharmaumsatzes aus, während die konventionelle oder nicht klassifizierte Technologie 70 % ausmachte. Basierend auf den Erwartungen diverser Analysten, wird der Biotechnologie-Markt weiterhin anwachsen. So sollen bis 2026 biotechnologische Produkte sowie biotechnologische Impfstoffe und Biologika auf knapp 40 % Marktanteil ansteigen.

Umfassende Produktpipeline (2)

Unter Pipeline wird in der Pharma- und Biotechnologie-Branche die langwierige und in verschiedenen Phasen ablaufende Erforschung neuer Wirkstoffe bezeichnet. Aktuell befinden sich insgesamt 57 Wirkstoffe in der klinischen Entwicklungsphase. Wie wir bereits in dem Abschnitt Geschäftsbereich erwähnt haben, ist es für das Unternehmen überlebenswichtig eine stetig gefüllte Pipeline im Portfolio zu haben.

In den letzten Jahren investierte Amgen rund 4 Mrd. USD in die Forschung & Entwicklung. Eine robuste Pipeline, die modernste Wissenschaft und Molekulartechnik nutzt und sich auf die Suche nach transformativen Arzneimitteln mit großer Wirkung bei schweren Krankheiten konzentriert, stellt somit die Grundlage für vielversprechende Innovationen sowie in weiterer Folge für marktreife Medikamente in den Bereichen Immunologie, Virologie und Onkologie dar.

Risiken

Biosimilars (1)

Eintrittswahrscheinlichkeit: hoch
Auswirkungen: niedrig-mittel

Ein Biosimilar ist eine andere Version eines biologischen Produkts, für das eine Marktzulassung beantragt oder erhalten wurde, basierend auf dem Nachweis, dass es dem ursprünglichen Referenzprodukt „sehr ähnlich“ ist. Es ist also dem Referenzbiologikum in Bezug auf Sicherheit, Reinheit und Wirksamkeit sehr ähnlich. Natürlich kann ein Konkurrent nicht einfach bestehende Produkte anderer aufgreifen und selbst auf den Markt bringen. Dies ist nur zulässig, sobald das dementsprechende Produktpatent abgelaufen ist. In den Vereinigten Staaten haben Unternehmen jetzt Biosimilar-Versionen von EPOGEN®, NEUPOGEN® und Neulasta® auf den Markt gebracht und Biosimilars für ENBREL zugelassen. Amgen geht daher von einer Verschärfung des Wettbewerbs aus. Zum einen sieht Amgen negative Auswirkungen des Biosimilar-Wettbewerbs auf deren Umsätze mit Originalpräparaten sowie in weiterer Folge eine Verschärfung des Wettbewerbs durch mehrere Biosimilar-Versionen von Amgens Originalprodukten und dem dadurch verbundenen Rückgang an Nettopreisen. Trotzdem geht Amgen davon aus, dass viele Patienten, Anbieter und Kostenträger weiterhin großen Wert auf den Ruf, die Zuverlässigkeit und die Sicherheit von Amgens Produkten legen werden.

Preispolitik (2)

Eintrittswahrscheinlichkeit: mittel
Auswirkungen: hoch

Angesichts steigender Kosten im Gesundheitswesen üben staatliche Stellen zunehmenden Druck auf die Preispolitik der Biotech- und Pharma-Unternehmen aus. Unternehmen wie Amgen sind daher gezwungen, belastbare Daten gegenüber staatlichen Stellen vorzulegen, um zu beweisen, dass deren Produkte einen Mehrwert bieten und die hohen Kosten gerechtfertigt sind. Abgesehen von der Hürde, nachweisen zu müssen, dass ein Medikament klinisch wirksam ist, muss eben auch zusätzlich noch die Wirtschaftlichkeit der Produkte gegeben sein.

Ein Eingreifen des Staates oder sogar eine Preisdeckelung für gewisse Medikamente könnte unter Umständen nach zu ernsthaften operativen Herausforderungen führen. Denn wie bereits in der Analyse erwähnt, ist die pharmazeutische Industrie mit Abstand die Branche mit dem höchsten Verhältnis von Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen zu Nettoumsatz. Diese Kosten müssen daher auch wieder zurückverdient werden.

Eine mögliche negative Auswirkung und natürlich logische Konsequenz des Preisdrucks wären ein Zurückfahren der Investitionen. Viele neue Produkte auf dem heutigen Markt wurden nur durch die Reinvestition gesunder finanzieller Erträge aus verkauften Medikamenten ermöglicht. Ist dieser Cashflow nicht mehr gegeben, wird sich die Forschung und Entwicklung verlangsamen, was letztendlich dazu führen könnte, dass die Pipeline der Branche versiegt.

5. Unsere Bewertung

Der fiktive Eigenkapitalzins

Der Abzinsungssatz für die zukünftigen Gewinne bei Amgen ist deutlich geringer als bei den meisten anderen Unternehmen, die wir bisher analysiert haben.

Für die Pharmabranche nehmen wir einen nur moderat hohen Abzinsungssatz von 7  %, da die Margen dauerhaft sehr hoch sind und sich die Branche auch recht unzyklisch verhält.

Zwei kleinere Zuschläge vergeben wir aber dennoch. Zum einen 0,50 %, da Amgen recht hohe Entwicklungs- und Forschungskosten hat, welche zukünftige Cashflows sichern müssen. Zum anderen verfügt Amgen über eine sehr geringe Eigenkapitalquote, was einen hohen Leverage (Hebel) zur Folge hat, welcher für Investoren (also Eigenkapitalgeber) ein gewisses Risiko darstellt. Die niedrige Eigenkapitalquote ist allerdings nicht sonderlich beunruhigend, da diese vor allem durch Aktienrückkäufe und andere Akquisitionen herbeigeführt wurde. Somit vergeben wir auch hierfür nur einen Zuschlag von 0,50 %.

Insgesamt kommen wir somit auf einen Abzinsungssatz von 8 %.

Optimistisches Szenario

Wir kalkulieren, dass Amgen dauerhaft um 3-4 % pro Jahr wächst und die EBIT Marge sich konstant bei 47-48 % einpendelt. So kommt ein erwarteter Umsatz von 36 Mrd. USD in 2031 zustande.

Der faire Wert je Aktie würde sich dann bei 362,86 USD einpendeln. Die Unterbewertung wäre -35 %.

Erwähnenswert ist auch, dass wir nicht miteinkalkuliert haben, dass sich die Anzahl der Aktien weiter verringern würde. Diese Annahme ist als durchaus konservativ zu betrachten.

Erwartet man ein KGVe 2031 von 20 und geht man von einer Ausschüttungsquote von rund 60 % aus, so kommt man auf eine Renditeerwartung von knapp 10 % pro Jahr.

Pessimistisches Szenario

Die Annahmen sind relativ analog zu dem optimistischen Szenario. Die angenommenen Wachstumsraten sind hier 2-3 % pro Jahr. Allerdings kalkulieren wir auch zwei Umsatzrückgänge, in welchen sich die Marge auch entsprechend verschlechtert. Der Umsatz in 2031 soll demnach bei rund 30 Mrd. liegen.

Der faire Wert je Aktie beträgt dann 290,16 USD. Damit kommt man immer noch auf eine Unterbewertung von -19 %.

Bei einem KGVe 2031 von 18 und einer Ausschüttungsquote von 60 % beträgt die erwartete Renditeerwartung pro Jahr knapp 7 %.

Unsere Einschätzung

Ich (Christian) sehe das optimistische Szenario als relativ realistisch an. Daher erachte ich die Aktie auch als kaufenswert, wenn man auf der Suche nach einem Unternehmen in der Pharmabranche ist. Somit sehe ich die fundamentale Renditeerwartung bei rund 10 % pro Jahr. Dies klingt zwar nicht nach einer überdurchschnittlich hohen Rendite, dafür ist aber das auch das entsprechende Risiko durch die hohen Margen stark begrenzt. Ich bin derzeit nicht auf der Suche nach einem Pharmaunternehmen, weswegen derzeit kein Kauf für mich in Betracht kommt. Sollte sich dies ändern, würde ich das natürlich mit Euch kommunizieren.

Auf was ich bei Amgen achten würde, wenn ich investieren würde:

  • Das Umsatzwachstum
  • Die Produktkosten
  • Die Forschungs- und Entwicklungskosten
  • Die EBIT Marge

Die genaue Berechnung kann der Exceltabelle durch einen Klick entnommen werden.

6. Technische Ansicht

Charttechnische Trendeinordnung

Übersicht

Langfristig

Da Amgen schon seit 1983 an der Börse gelistet ist, lohnt sich hier eine Betrachtung des Drei-Monats-Charts mit dem sehr langfristigen Trend. Dieser ist zwar stets aufwärtsgerichtet, allerdings sieht man deutlich eine Abflachung der Dynamik nach der Jahrtausendwende.

Der langfristige Trend von Amgen ist grundsätzlich ebenfalls aufwärtsgerichtet, allerdings wird in den Korrekturen immer wieder ein Großteil der vorherigen Trendbewegung korrigiert. Dies ist im Sinne des Trends legitim, spricht aber nicht für eine Stärke. Genau genommen wurde die Aufwärtsstruktur im Monats-Chart sogar gebrochen, aber nur wenn man den Fehlausbruch im Januar 2021 als wirkliches neues Trendhoch zählt.

Mittelfristig

Der mittelfristige Abwärtstrend wurde gebrochen und eine starke Aufwärtsbewegung konnte eingeleitet werden. Noch handelt es sich aufgrund der fehlenden Struktur nicht um einen Aufwärtstrend, aber die Stärke ist dennoch nennenswert.

Kurzfristig

Kurzfristig ist Amgen in einem Aufwärtstrend, welcher erst vergangene Woche mit einem neuen Hoch bestätigt wurde.

Aussicht

Amgen hat im Tief an der relevantesten Unterstützungszone gedreht und konnte bereits eine nachhaltige Trendumkehr einleiten. Aus diesem Grund ist nicht damit zu rechnen, dass die Tiefs bspw. noch einmal getestet oder unterschritten werden — kann natürlich trotzdem passieren, aber es ist unwahrscheinlich. Über dem aktuellen Kurs liegen nun noch ein paar Widerstände, an denen Rücksetzer einzuplanen sind. Erst wenn die rote Zone nachhaltig überboten wurde, ist die Aktie final über den Berg. Sollte es zu einem Rücksetzer kommen, dienen die Zonen als Unterstützungen und ein Einstieg ist möglich.

Technisches Wir Lieben Aktien-Rating

Im technischen Wir Lieben Aktien-Rating erzielt Amgen 8 von 10 Punkten. Der sehr langfristige Aufwärtstrend und die hervorragende Trendstabilität sind klare Pluspunkte der Aktie, allerdings liegt ein kleiner Volumen-Widerstand über dem derzeitigen Kurs (nicht dramatisch). Den Punkt für den langfristigen Trend bekommt Amgen, da das Hoch aus dem Januar 2021 von uns als Fehlausbruch gewertet wird und die Trendstruktur somit nicht gebrochen wurde. Aufgrund von diesem kleinen Makel gibt es unter “Sonstiges” aber nur einen Punkt.

7. Fazit

Amgen ist ein breit aufgestellter Biotech-Konzern, der es mit unterschiedlichen Medikamenten an die Spitze der Branche geschafft hat. In dem stetig von Bedeutung zunehmenden Wachstumsmarkt hat man einige erfolgversprechende Präparate in der Pipeline, die in den nächsten Jahren auf den Markt kommen könnten und die Unternehmensgeschichte weiter prägen werden. Eine operative Marge von 35,90 % sowie eine Nettomarge von 28,60 % erlauben es dem Slow Grower durchaus, noch mehr in die Forschung neuer Medikamente zu stecken. Analysten erwarten zudem in den nächsten Jahren steigende Umsätze (3,19 % p. a.) sowie Gewinne (13,78 % p. a.).

Die neu eingeführte Ampel steht daher auf grün, was bedeutet, dass ich (Christian) die Aktie für fundamental kaufenswert erachte, sofern man auf der Suche nach einem stabilen Pharmawert ist. Die Renditechance sehe ich bei ca. 10 % pro Jahr. 

Die Amgen-Aktie befindet sich in einem stabilen Aufwärtstrend, welcher seit Jahren stabil läuft. Die aktuelle Korrektur ist als gesund einzustufen und der mittelfristige Abwärtstrend ist bereits beendet, was dafür spricht, dass die Aktie ihr Tief bereits ausgebildet hat.

Autoren dieser Analyse: 

Christian Lämmle
Christian Lämmle

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