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BioNTech Aktie Analyse 

NASDAQ: BNTX

Von Jan Fuhrmann und Christian Lämmle

▲ BioNTech SE | WKN: A2PSR2 | ISIN: US09075V1026 | Ticker: BNTX (Nasdaq)

BioNTech ist eine Abkürzung und steht für „Biopharmaceutical New Technologies“. Das Unternehmen erlangte weltweit Bekanntheit, als es 2020 als erstes einen erfolgreichen Wirkstoff für eine Impfung gegen das neuartige Coronavirus „COVID-19“ entwickelte. Die mRNA-Technologie, die dahintersteckt, ist nur eine von vier Wirkstoffklassen, die BioNTech verwendet. Sie wird auch gegen andere schwere Krankheiten eingesetzt.

Der Podcast zu unserer BioNTech Aktienanalyse

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Inhaltsverzeichnis

Kurzportrait

BioNTech ist ein deutsches Biotech-Unternehmen, welches im Zuge der Corona-Pandemie einen weltweiten Bekanntheitsgrad erlangte. Der führende Impfstoff gegen den COVID-19-Virus wurde in einer Rekordzeit entwickelt, getestet, freigegeben und gilt bei seiner Wirksamkeit von 95 % mit als sicherster Impfstoff.

Generell beschäftigt sich BioNTech aber mit Krebsimmuntherapien und hat diesbezüglich auch einige Produkte in der Pipeline.

Vom Erfolg des Impfstoffs profitierten natürlich auch die Aktionär*innen: Der Chart zeigt einen sehr dynamischen Aufwärtstrend, welcher nach einer sagenhaften Rallye von mehreren hundert Prozent nun schwächelt. Seit dem Allzeithoch hat sich die Aktie halbiert, aber der langfristige Aufwärtstrend ist weiterhin problemlos intakt: Ist es also an der Zeit für einen Einstieg oder einen Nachkauf?

Die Analyse bezieht sich auf den Kenntnisstand unserer Recherche vom 16.10.2021.

WKN/ ISINA2PSR2 / US09075V1026
BrancheGesundheitswesen
Peter Lynch EinordnungFast Grower
Fundamentales WLA-Rating?/10
Technisches WLA-Rating?/10
Marktkapitalisierung60,71 Mrd. USD
Dividendenrendite0,00 %
KGV12,73
FirmensitzMainz (Deutschland)
Gründungsjahr2008
Mitarbeiter*innen2.047 (31.12.2020)

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1. Das Unternehmen

Historie

Durch die Corona-Pandemie wurde BioNTech zu einem weltbekannten Konzern, da sie den meist verwendeten Impfstoff entwickelten und nun mit Pfizer diesbezüglich zusammenarbeiten. Gegründet wurde das deutsche Unternehmen aber bereits im Jahr 2008.

Gründung

Uğur Şahin, Özlem Türeci und Christoph Huber gründeten 2008 die BioNTech RNA Pharmaceuticals GmbH. Der Name ist eine Zusammensetzung von Biopharmaceutical New Technologies, was übersetzt “biopharmazeutische neue Technologien” bedeutet. Das Unternehmen beschäftigte sich vorrangig mit individualisierten Krebsimmuntherapien und wurde von ein paar Investor*innen mit einem Startkapital von 150 Mio. EUR ausgestattet. Dies vergibt natürlich niemand einfach so – BioNTech konnte bereits zum Zeitpunk der Gründung auf Forschungen mehrerer Jahre zurückgreifen, die auch staatlich gefördert wurden.

2009 kam es dann zu zwei Unternehmensübernahmen und dem Beginn von zwei klinischen Phase-1-Studien.

Expansion

Die folgenden Jahre waren von vielen Forschungsergebnissen in Bezug auf den mRNA-Mechanismus geprägt. Zwischen 2014 und 2018 publizierte BioNTech hier zahlreiche neue Erkenntnisse und arbeitete ab 2015 auch mit verschiedenen Konzernen zusammen. Darüber hinaus erfolgte die Anmeldung von diversen Patenten.

Im Rahmen der Corona-Pandemie ist immer die Rede vom BioNTech/Pfizer-Impfstoff. Die Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Pharma-Riesen startete bspw. bereits 2018. Der Anlass war die Forschung und Entwicklung eines Grippe-Impfstoffes auf Basis der mRNA-Technologie. Die Vereinbarung war damals, dass BioNTech die erste klinische Studie durchführt und Pfizer anschließend für die weitere Entwicklung und Vermarktung zuständig ist.

Im September 2019, also wenige Monate vor dem ersten Corona-Fall in Wuhan (China), investierte die Bill & Melinda Gates Foundation 55 Mio. USD in BioNTech mit der Option auf eine Verdopplung des Kapitals zu einem späteren Zeitpunkt. 

Das IPO an der Nasdaq-Börse

Nachdem BioNTech einen neuen Standort in Cambridge (Massachusetts) in den USA eröffnete, erfolgte im Oktober 2019 der Börsengang an der Nasdaq-Börse. Man wagte den Schritt an den Kapitalmarkt bewusst in den USA, da man auf diesem Wege womöglich viel mehr Kapital einsammeln konnte als in Deutschland. Das ist einfach auf die Größe des Marktplatzes zurückzuführen. Der Bruttoerlös des Börsengangs belief sich auf 150 Mio. USD und lag damit rund 100 Mio. USD unter den eigenen Erwartungen des Unternehmens. Umgerechnet startete BioNTech mit einer Bewertung von rund 3 Mrd. EUR an der Börse in Deutschland wäre das wohl kaum möglich gewesen.

COVID-19-Impfstoff

Im Januar 2020 entschied sich BioNTech mit dem Projekt Lightspeed, die Impfstoffentwicklung so schnell wie möglich voranzubringen. Im März schloss das deutsche Biotech-Unternehmen dann zwei Partnerschaften für die spätere Vermarktung: Mit Fosun Pharma für den chinesischen Markt und mit Pfizer für die restliche Welt. Nur einen Monat später begannen die ersten klinischen Tests.

Nachdem das Bundesministerium für Bildung und Forschung BioNTech mit bis zu 375 Mio. EUR bei der Impfstoffentwicklung finanziell förderte und auch die Europäische Investitionsbank einen Kredit über 100 Mio. EUR zusagte, verkündete das Unternehmen mit Pfizer im November 2020 die Wirksamkeit des entwickelten Impfstoffs, welche 95 % beträgt. Für den Produktionsausbau nutzte BioNTech zwar einen Teil vom Bundeszuschuss, aber nur rund ein Drittel (Stand: Februar 2021).

Am 21. Dezember 2020 erfolgte die bedingte Zulassung der Europäischen Kommission für den Impfstoff. Die Impfungen begannen noch im selben Jahr. Die Zulassung zur Notfallverwendung in den USA erhielt BioNTech schon wenige Wochen zuvor. Viele andere Länder folgten – im Juni 2021 waren es bereits mehr als 70 Länder, die eine bedingte oder Notfallzulassung erteilten.

Mission, Werte und Nachhaltigkeit

Mission

Wir wollen die Gesundheit der Menschen weltweit verbessern, indem wir das volle Potenzial des Immunsystems nutzen. Unsere Basis sind unsere biotechnologischen Innovationen.

BioNTech SE

Vision

Die Mission spezifiziert BioNTech in der eigenen Vision noch genauer: Bei Immuntherapien möchte man eine neue “Ära” einleiten und generell gegen Krebs und andere Infektionskrankheiten innovative Ansätze entwickeln.

Wichtig sind für das Unternehmen dabei die eigenen Leitprinzipien:

  • wissenschaftliche Rigorosität
  • operative Exzellenz

Laut eigener Aussage setzt sich BioNTech auch für einen berechtigten und bezahlbaren Zugang zu COVID-19-Impfstoffen für alle Länder ein.

Werte

Das Unternehmen präsentiert selbst drei Werte, die die alltägliche Arbeit stets begleiten sollen:

Im Bereich CSR (Corporate Social Responsibility), also der gesellschaftlichen Unternehmensverantwortung, sieht sich BioNTech in den folgenden Segmenten gefordert:

Nachhaltigkeit

In Bezug auf den Klimawandel möchte BioNTech bis zum Jahr 2030 vollständig klimaneutral sein. Generell orientiert man sich an den Pariser Klimazielen und bezieht bereits jetzt 92 % des gesamten Energieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen.

Im Nachhaltigkeitsbericht betont das Unternehmen mehrmals die Rolle der Frauen im Unternehmen, welche auch in den führenden Ebenen viele Positionen einnehmen. 54 % der gesamten Mitarbeiter*innen sind weiblich und im oberen Management beläuft sich die Quote auf 45 %. Des Weiteren setzt sich BioNTech gegen eine Benachteiligung wegen des Geschlechts bei der Bezahlung ein.

Im Bereich der Forschung sind auch heute Tierversuche noch gängig, wozu BioNTech aber klar Stellung bezieht. Für das deutsche Unternehmen gilt das 4R-Prinzip, wonach diese Versuche vermieden (replace), verringert (reduce) und verbessert (refine) werden sollen. Darüber hinaus müsse man Verantwortung für die Tiere und die Versuche zeigen (responsibility).

Im Rahmen der Nachhaltigkeit muss aber unbedingt auch der Ehrenpreis für Nachhaltigkeit erwähnt werden, den die Gründer Uğur Şahin und Özlem Türeci im Dezember 2020 für die Entwicklung des Corona-Impfstoffs erhalten haben. Der Preis würdigt ökologisches und gesellschaftliches Engagement und ist der in diesem Bereich bekannteste in Deutschland. Für ihre Leistung zur Eindämmung der Corona-Pandemie erhielten die Gründer zudem auch das Bundesverdienstkreuz im März 2021.

Geschäftsmodell

Einleitung

BioNTech ist ein Pharmaunternehmen, das sich auf die Immuntherapien der nächsten Generation fokussiert hat. Dabei geht es darum, Krankheiten mithilfe des körpereigenen Immunsystems (Abwehrsystem gegen Krankheiten) zu besiegen. BioNTech will dabei das Immunsystem beeinflussen, vor allem mit Hilfe von Impfungen.

Krankheiten, die den Schwerpunkt der Arbeit des Unternehmens ausmachen, sind schwere Erkrankungen wie zum Beispiel Krebs. Dafür wurde bereits in der Vergangenheit Pionierarbeit geleistet. Weltweite Bekanntheit erlangte das Unternehmen aber durch die Entwicklung des Corona-Impfstoffes „BNT162“ während dem Höhepunkt der weltweiten COVID-19-Pandemie.

Insgesamt besteht das Unternehmen aus vier Kerngeschäften, welche auch jeweils unterschiedliche Wirkstoffklassen der Immuntherapie darstellen. Diese haben wir aufgeschlüsselt.

mRNA-Therapien

Der Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus „COVID-19“ basiert auf einem Konzept, welches erst kürzlich „industriell“ eingesetzt wurde: Dem mRNA-Wirkstoff.

Der Impfstoff enthält den genetischen Bauplan der Oberfläche eines Coronavirus. Diese Oberfläche ist mit sogenannten „Spike-Proteinen“ besetzt. Die DNA-Codes dieser Spike-Proteine werden mithilfe der messenger-Ribonukleinsäure (mRNA) in die Zelle eingeschleust, wo sie von Ribosomen hergestellt werden und an die Zelloberfläche gelangen. Das Immunsystem reagiert auf die fremde Zelloberfläche und produziert Antikörper zur Erkennung und Zerstörung befallener Zellen. Der Bauplan für die Antikörper bleibt auch nach dem Ende der künstlichen Infektion noch im Körper, was dazu führt, dass das Immunsystem bei einem echten Angriff schneller reagieren kann.

BioNTech entwickelt ein ganzes Portfolio an Immuntherapien, die unter anderem auf vier verschiedenen mRNA-Formaten und drei verschiedenen Formulierungen, um fünf verschiedene Plattformen für die Behandlung von Krebs abzuleiten. Krebs ist die bösartige/falsche Neubildung von Zellen. Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen hier mit den größten Konzernen der Industrie wie Pfizer (USA) und Sanofi (Frankreich) zusammen.  

Das Konzept haben wir in den folgenden Abbildungen nochmal grafisch und schematisch dargestellt.

Programmierbare Zelltherapien

Hierbei werden die T-Zellen des Immunsystems der Patient*innen so verändert, dass sie auf krebsspezifische Antigene abzielen. In Abbildung 12 haben wir das Immunsystem für ein besseres Verständnis dieser Therapiemethode grafisch dargestellt.

Antikörper der nächsten Generation

Hierbei sollen Antikörper „der nächsten Generation“ auf bestimmte Teile des Immunsystems abzielen und die Immunantwort der Patient*innen vor allem auf Krebs, aber auch andere Infektionskrankheiten verändern, bzw. verbessern. Das läuft in Zusammenarbeit mit dem dänischen Unternehmen Genmab, welches sich eben genau auf diese Art der monoklonaren Produktion von Antikörpern in der onkologischen Therapie spezialisiert hat. Onkologie ist der Fachbegriff für eine Unterdisziplin der Medizin: Die Behandlung von Krebs.

BioNTech hat außerdem eigene Patente und Forschungsschwerpunkte, die dafür gesorgt haben, dass sich bereits zwei Produkte, die auf der Technologie basieren auf der klinischen Forschungsstufe befinden.

Ein Beispiel für so ein Programm haben wir uns angeschaut.

Small-Molecule Immunmodulatoren

Immunmodulatoren sind pharmakologisch wirksame Stoffe, die das körpereigene Immunsystem stärken oder schwächen (z. B. bei Autoimmunerkrankungen wie Rheuma, bei denen der Körper sich selbst angreift).

BioNTech nutzt diesen Ansatz und will mithilfe von niedermolekularen Wirkstoffen (Small-Molecules) die Wirkung von anderen Wirkstoffen verbessern. In der Immunmodulation nennt man das Immunstimulation. Ein Modulator, mit dem Namen „TLR7-Immunmodulator“, befindet sich hierfür bereits in der klinischen Prüfung. Er zielt auf die Behandlung von soliden Tumoren ab.

Geschäftsführung

Prof. Dr. Uğur Şahin

Der CEO und Vorstandsvorsitzende von BioNTech ist der gebürtige Türke Uğur Şahin, welcher inzwischen (zusammen mit Özlem Türeci, die Chief Medical Officer ist) das Bundesverdienstkreuz erhalten hat. Der 56-Jährige ist zudem auch Mitbegründer des Unternehmens.

Şahin zog mit seinen Eltern im Alter von vier Jahren nach Deutschland und absolvierte an seiner Schule als erstes türkischstämmiges Kind eines Gastarbeiters das Abitur. Anschließend studierte er an der Universität zu Köln Medizin und erwarb dort auch seinen Doktor-Titel (Abschluss mit summa cum laude). An der Fernuniversität Hagen studierte er dann noch Mathematik, während er bereits als Arzt an der Universitätsklink (erst in Köln, dann in Homburg) tätig war. Seit 2001 war er in diversen leitenden Positionen am Universitätsklinikum in Mainz tätig – speziell in der Immunologie und Krebsforschung.

Ein Forschungsprojekt, welches er in Mainz führte, erhielt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Förderung. Auf Basis dessen wurde dann BioNTech gegründet.

Aber schon im Jahr 2001 machten sich Şahin und seine Frau mit Ganymed Pharmaceuticals selbständig. Das Unternehmen entwickelte einen Antikörper, der gegen Speiseröhren- und Magenkrebs eingesetzt werden soll. 2016 konnte es an Astellas Pharma für einen dreistelligen Millionenbetrag verkauft werden.

Bei BioNTech hält der Mitbegründer 17,25 % der Anteile, womit sich sein Vermögen auf mehrere Mrd. Euro beläuft.

2. Fundamentale Ansicht

Kennzahlen

Aktienfinder
Aktienfinder

Die Prognosen aus diesem Abschnitt werden vom Aktienfinder zur Verfügung gestellt.

Umsatz

Entwicklung

Für die Betrachtung der bisherigen fundamentalen Entwicklung von BioNTech stehen die Geschäftsjahre ab 2017 zur Verfügung.

Bevor es dem Konzern Ende 2020 erstmals gelungen ist, die Zulassung für ein eigenes Medikament zu erhalten und infolgedessen zum ersten Mal Erlöse aus Produktverkäufen zu erwirtschaften, handelte es sich um ein reines Forschungs- und Entwicklungsunternehmen.

Daher besitzen die Zahlen der Geschäftsjahre bis einschließlich 2019 nur eine eingeschränkte Aussagekraft. Nichtsdestotrotz konnte das Unternehmen auch in diesem Zeitraum gute Wachstumsraten verbuchen, bevor die Umsätze in 2020 förmlich explodiert sind und um 344,17 % auf 482,33 Mio. EUR gesteigert werden konnten. Seit 2017 kommt BioNTech somit auf ein durchschnittliches Umsatzwachstum in Höhe von 98,57 % pro Jahr.

Aufgrund des enormen Erfolgs des Vakzins soll das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr in der Lage sein, die Erlöse um 3.345,90 % auf 16,62 Mrd. EUR zu steigern. Das vergangene Wachstum beruht natürlich auf einer vergleichsweise geringen Basis und BioNTech wird nicht in der Lage sein, diese Geschwindigkeit aufrechtzuerhalten.

Für die Jahre nach 2022 ist nämlich vorerst mit schrumpfenden Umsätzen zu rechnen, da die Analyst*innen einen Rückgang der Nachfrage nach dem Impfstoff von BioNTech prognostizieren, welchen das Unternehmen voraussichtlich nicht kompensieren können wird.

Umsatzverteilung nach Segmenten

Bis 2019 gliederte BioNTech die operative Tätigkeit in die Segmente Clinical, Technology Platform, Manufacturing, Business Service und Product Sales & External Services. Im vergangenen Geschäftsjahr fokussierte der Konzern sich jedoch insbesondere auf den Impfstoff gegen SARS-CoV-2 und verwendete einen Großteil der finanziellen Ressourcen für diese Forschung. Daher hat der Vorstand beschlossen, die bisherige Segmentaufteilung vorerst aufzugeben und das Unternehmen als Ganzes zu steuern.

Dennoch können 37,08 % der Erlöse von BioNTech in 2020 als Forschungs- und Entwicklungsumsätze deklariert werden. Im Rahmen verschiedener Kooperationen mit anderen Pharmaunternehmen erbringt das Unternehmen Dienstleistungen bezüglich der Erforschung von potenziellen medizinischen Produkten und wird entsprechend entlohnt. Ungefähr zwei Drittel dieser Entlohnungen entstammten dabei Kollaborationen mit Pfizer. Bis einschließlich 2019 machten diese sogar den größten Anteil an den Einnahmen des Mainzer Konzerns aus.

Seit 2020 sind die kommerziellen Umsätze von BioNTech aber weitaus relevanter. Diese umfassen nämlich die Erlöse, welche aus dem Verkauf des Impfstoffs gegen SARS-CoV-2 resultieren. Somit war dieses Segment hauptsächlich für das erläuterte Umsatzwachstum von BioNTech verantwortlich.

Die besagten kommerziellen Umsätze müssen jedoch erneut wie folgt aufgegliedert werden:

  • Verkäufe an Kollaborationspartner (Pfizer, Fosun Pharma)
  • Direkter Verkauf durch BioNTech
  • Anteil am Bruttogewinn des Kollaborationspartners

Diese Aufteilung wird vorgenommen, da BioNTech nur in wenigen Ländern die exklusiven Vertriebsrechte besitzt. Der Konzern wird daher auch am jeweiligen Bruttogewinn beteiligt, den die Partner in anderen Ländern erwirtschaften.

Während die kommerziellen Umsätze in 2020 nur für 62,92 % der Erlöse verantwortlich waren, hat die Bedeutung in den vergangenen Monaten drastisch zugenommen. Betrachtet man die letzten vier Quartale, so beträgt der Anteil der Impfstoffumsätze bereits mehr als 95 %.

Umsatzverteilung nach Regionen

Eine Umsatzverteilung nach Regionen lässt sich bei BioNTech nicht ohne weiteres abbilden. Denn zum einen werden die Forschungs- und Entwicklungsumsätze, auch wenn sie Kollaborationen mit ausländischen Unternehmen entstammen, offiziell in Deutschland realisiert, da sich hier der Unternehmenssitz befindet. Zum anderen erzielte BioNTech den überwiegenden Anteil der Erlöse in den vergangenen Monaten durch den Verkauf des Impfstoffs gegen COVID-19. Das Unternehmen besitzt aber lediglich die Marketing- und Vertriebsrechte für Deutschland und die Türkei. Während Fosun Pharma den Vertrieb in China übernimmt, hat Pfizer das Recht, den Impfstoff in allen restlichen Ländern der Welt zu vermarkten. Wie bei der Umsatzverteilung nach Segmenten erläutert, steht BioNTech daher ein Anteil am dadurch erwirtschafteten Bruttogewinn der Kollaborationspartner zu. Diese Umsätze werden aber auch vollständig so erfasst, als wären sie in Deutschland realisiert worden.

Um dennoch einen Überblick zu geben, wird in Abbildung 16 dargestellt, welche Länder oder Staatenverbunde wie viele Dosen des Impfstoffes bestellt haben. Diese Statistik bezieht sich auf den 01. März des laufenden Geschäftsjahres.

Mit einem Anteil von ungefähr zwei Dritteln gehören die EU und die USA zu den größten Abnehmern des Impfstoffs. Alle restlichen Länder, die auf der ganzen Welt verteilt sind, haben deutlich weniger Dosen bei BioNTech und seinen Kooperationspartnern bestellt.

EBIT und Konzerngewinn

Auf Basis vollständiger Geschäftsjahre war BioNTech bisher nicht in der Lage, ein positives EBIT zu erwirtschaften. Allein die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung überstiegen die Umsatzerlöse in jedem Jahr bei weitem, sodass stark schwankende Verluste im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich verzeichnet wurden.

Die Konzerngewinne entwickelten sich zwar etwas volatiler, größtenteils jedoch analog zu den operativen Ergebnissen. In 2020 konnte BioNTech sogar einen Gewinn in Höhe von 15,20 Mio. EUR verbuchen, welcher aber ausschließlich auf Steuervorteile zurückzuführen ist.

Einhergehend mit der Zulassung des Impfstoffs verbesserte sich das Geschäft von BioNTech im vierten Quartal des vergangenen Geschäftsjahres schlagartig. Im Vergleich zu den ersten drei Monaten konnten die Umsätze mehr als verzehnfacht und erstmals ein operativer Gewinn ausgewiesen werden. Diese Entwicklung konnte in 2021 fortgesetzt werden, sodass BioNTech im ersten Halbjahr ein operatives Ergebnis von 5,86 Mrd. EUR erzielen konnte.

Sowohl das EBIT als auch der Konzerngewinn von BioNTech sollen in 2022 ihren vorläufigen Zenit erreichen und in den folgenden Jahren vorerst schrumpfen.

Margen

Die beschriebenen historischen Verluste von BioNTech spiegeln sich selbstverständlich auch in den erzielten Margen wider. In 2017 und 2019 überstiegen die Verluste sogar die Erlöse, sodass Gewinnspannen jenseits von -100 % erwirtschaftet wurden.

Jedoch zeichnet sich auch hier seit dem Ende von 2020 eine sehr positive Entwicklung ab, denn das Vakzin gegen COVID-19 lässt sich äußerst profitabel vermarkten. In den letzten vier Quartalen betrug die EBIT Marge von BioNTech somit unglaubliche 76,17 % und übertrumpft die meisten anderen Pharmaunternehmen bei weitem.

Bis 2023 prognostizieren die Analyst*innen zwar leicht rückläufige Margen, welche nichtsdestotrotz auf einem vergleichsweise hohen Niveau verbleiben.

Dividendenpolitik

Bevor der Impfstoff gegen SARS-CoV-2 zugelassen wurde, handelte es sich bei BioNTech um ein Unternehmen, welches noch kein Produkt in der Marktreife hatte und jedes Jahr hohe Verluste erzielte. Daher wurden bisher keine Ausschüttungen an die Aktionär*innen vorgenommen.

Auch in den kommenden Jahren kann nicht mit Dividendenzahlungen von BioNTech gerechnet werden. Der Konzern besitzt eine umfassende Pipeline mit mehreren potenziellen Medikamenten in klinischen Studien und kann die immensen Erträge aus dem Verkauf des Corona-Impfstoffs sehr gut nutzen, um noch aggressiver als zuvor in Forschung und Entwicklung zu investieren.

Bewertung

Historische Bewertung

Um die historische und erwartete Bewertung des analysierten Unternehmens abzubilden, ermitteln wir die Börsenwerte normalerweise anhand der Schlusskurse von der jeweiligen Heimatbörse. Im Fall von BioNTech handelt es sich hierbei um die Nasdaq in New York, wo die Anteile in USD gehandelt werden. Da der Konzern jedoch in EUR bilanziert, ziehen wir die Kurse der Frankfurter Wertpapierbörse heran.

Da der Börsengang erst im Oktober 2019 erfolgte, können die vorherigen Jahre nicht betrachtet werden.

KUV

Trotz der Rallye, welche die Aktie BioNTech seit dem IPO hingelegt hat, lässt sich anhand des Kurs-Umsatz-Verhältnisses ein deutlicher Rückgang des Bewertungsniveaus erkennen. Während das Multiple in 2019 noch bei 63,70 lag, wird zum Ende des laufenden Jahres ein KUV in Höhe von 3,12 erwartet. Diese Entwicklung ist selbstverständlich auf den immensen Umsatzanstieg zurückzuführen, welchen der Konzern in Folge der Corona-Pandemie verzeichnen konnte.

Aufgrund der Prognose, dass die Erlöse von BioNTech in 2022 ihren vorläufigen Höhepunkt erreichen werden, nimmt das KUVe anschließend wieder zu und liegt für 2023 bei 4,64.

KGV

Die historischen Kurs-Gewinn-Verhältnisse von BioNTech haben nur eine sehr bedingte Aussagekraft, denn im vorliegenden Zeitraum war der Konzern gemessen am operativen Ergebnis nicht profitabel. In 2019 lag das Multiple daher im negativen Bereich. Aufgrund der besprochenen Steuervorteile wurde in 2020 trotzdem ein Konzerngewinn ausgewiesen, anhand dessen sich ein KGV von 1.153,73 berechnen lässt.

Wie zuvor erläutert, konnte BioNTech im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres ein positives EBIT erwirtschaften und war somit aus eigener Kraft profitabel. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für die letzten vier Quartale liegt lediglich bei 12,73. Analog zur erwarteten Umsatzentwicklung sollen die Konzerngewinne von BioNTech bis einschließlich 2022 weiter ansteigen, in den folgenden Jahren jedoch wieder rückläufig sein, was sich in den erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnissen widerspiegelt. Für 2023 wird ein KGV in Höhe von 8,94 prognostiziert.

KBV

Die historischen und erwarteten Kurs-Buchwert-Verhältnisse ähneln der Entwicklung der zuvor beschriebenen Multiples. In 2019 wurde BioNTech mit dem 14,02-fachen Eigenkapital bewertet. Durch mehrere Kapitalerhöhungen konnte ein deutlich höherer Buchwert akkumuliert und infolgedessen ein Rückgang des KBVs verzeichnet werden.

In Bezug auf das zweite Quartal von 2021 liegt das Multiple nunmehr bei 9,46. Im Unterschied zur prognostizierten Umsatz- und Gewinnentwicklung, rechnen die Analyst*innen auch nach 2022 mit steigenden Buchwerten. Das KBVe von BioNTech in 2023 liegt demnach bei 1,88.

Unsere Bewertung

Der Eigenkapitalzins

Beim Abzinsungssatz müssen wir zunächst ein paar Kleinigkeiten aufklären. In unseren vorherigen Bewertungen haben wir den Abzinsungssatz immer WACC genannt. Dies war methodisch nicht komplett korrekt (der WACC wird nur für ein DCF-Verfahren verwendet). Richtig wäre es gewesen, den Begriff Eigenkapitalzins zu verwenden. An der Herleitung ändert sich nichts.

Bestimmen wir diesen, so handelt es sich bei der Branche von BioNTech um ein Biotechnologie-Unternehmen. Hierfür nehmen wir einen Abzinsungssatz von 8,00 %. Da die Zukunft von BioNTech extrem ungewiss ist, weil die ganzen Produkte der Pipeline maximal in Phase 2 sind, erhöhen wir den Zins um weitere 2,50 %.

Für das relativ hohe Eigenkapital von 60,00 % gibt es keine Zu- oder Abschläge beim Zinssatz. Insgesamt bleibt es damit bei 10,50 % (fiktiven) Eigenkapitalzins.

Im Übrigen wird der faire Wert in USD festgestellt, da die Hauptbörse von BioNTech in den USA liegt. Als Schätzungsgrundlage haben wir hier die Schätzungen des Aktienfinders herangezogen.

Optimistisches Szenario

Die Jahre bis 2022 sind durch die Impfstoffumsätze relativ sicher und planbar. Ab 2023 wird jedoch ein Rückgang erwartet. Im optimistischen Szenario wird davon ausgegangen, dass dieser bis einschließlich 2026 anhält. Fiktiv haben wir im Jahr 2027 die Annahme getroffen, dass ein Medikament aus der Pipeline den Umsatz ordentlich ankurbelt und so auch die Marge wieder nach oben treibt. Damit kalkulieren wir ab dem Jahr 2027 mit einem Umsatzwachstum, welches sich bis ins Jahr 2031ff fortsetzt.

Unsere Erwartungen zur Entwicklung der Marge haben wir in der unten aufgeführten Excel anschaulich erklärt.

Insgesamt kommt man dann auf einen fairen Wert von 311,90 USD je Aktie und einer Unterbewertung von -21 %.

Die Renditeerwartung pro Jahr würde sich bei einem fiktiven KGV von 25 auf rund 9,20 % pro Jahr belaufen.

Pessimistisches Szenario

Das pessimistische Szenario ist natürlich trotzdem noch positiv angehaucht. Im schlimmsten Fall fährt BioNTech nach den Impfstoffeinnahmen keine Umsätze mehr ein und geht langsam aber sicher bankrott. Dieses Szenario sehe ich (Christian) bei maximal 10,00 % – 15,00 %.

Wir kalkulieren hier, dass die Zulassung eines neuen Produkts noch ein Jahr länger geht als im optimistischen Szenario. Zusätzlich sind deutlich geringere Margen einkalkuliert und auch in der ewigen Rente ist das dauerhafte Wachstum geringer als im optimistischen.

Die Überbewertung beträgt dann 25 % und die Renditeerwartung pro Jahr beträgt bei einem fiktiven KGV von 20 nur 1 % pro Jahr.

Unsere Einschätzung

Meine derzeitige Meinung zur Renditeerwartung liegt zwischen den beiden Szenarien, jedoch deutlich näher am optimistischen. Ich gehe derzeit somit von rund 8,50 % pro Jahr aus.

Die genaue Berechnung kann der Exceltabelle durch einen Klick entnommen werden. 

Einordnung nach Peter Lynch

BioNTech lässt sich ohne Zweifel als Fast Grower einordnen. In den letzten Jahren haben sich die Erlöse und die Profitabilität des Unternehmens überaus positiv entwickelt. Für diese Einordnung sprechen außerdem die aggressiven Investitionen in Forschung und Entwicklung.

Fundamentales Wir Lieben Aktien-Rating

BioNTech erfüllt fast alle Kriterien unseres fundamentalen Wir Lieben Aktien-Ratings für Fast Grower und erreicht somit 9 von 10 Punkten. Das Unternehmen kann zum aktuellen Zeitpunkt hohe Wachstumsraten aufweisen, erwirtschaftet attraktive Margen und ist kaum verschuldet.

Der einzige Punktverlust resultiert daraus, dass auf Basis abgeschlossener Geschäftsjahre seit 2017 das EBIT nicht verbessert werden konnte.

3. Konkurrenzvergleich und Branchenanalyse

Allgemeine Infos über die Branche

BioNTech ist als Unternehmen selbstverständlich der Biotechnologiebranche zuzuordnen. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) definiert den Begriff wie folgt: „Die Anwendung von Wissenschaft und Technologie auf lebende Organismen […] mit dem Ziel, lebende und nicht lebende Materialien für die Produktion von Wissen, Waren und Dienstleistungen zu verändern“.

Dabei kann zwischen verschiedenen Anwendungsgebieten der Biotechnologie unterschieden werden, wie zum Beispiel:

  • Medizin
  • Landwirtschaft
  • Industrie
  • Meereslebewesen

In Bezug auf Arzneimittelumsätze gewinnt die Biotechnologie weltweit zunehmend an Bedeutung. Dies wird durch die nebenstehende Abbildung verdeutlicht. Während die Erlöse konventioneller Medikamente zwischen 2006 und 2020 ein jährliches Wachstum von 1,80 % aufwiesen, konnten auf Biotechnologie basierende Produkten durchschnittlich um 9,67 % wachsen.

Zukünftig soll das Wachstum durch den demographischen Wandel und technologischen Fortschritt sogar beschleunigt werden, denn bis 2026 wird eine jährliche Steigerung von 10,07 % auf einen Umsatz von 505 Mrd. USD erwartet. Der Anteil der Biotechnologie würde somit auf 35,27 % anwachsen.

Da die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit von BioNTech auch Vakzine umfasst, betrachten wir den weltweiten Umsatz mit Impfstoffen zwischen 2012 und 2019. Mit einem durchschnittlichen Wachstum von 3,53 % wuchs der Markt zwar langsam, aber stabil und erreichte in 2019 Erlöse in Höhe von 32,5 Mrd. USD.

Überblick über die Konkurrenz

Im folgenden Konkurrenzvergleich betrachten wir die vier Konzerne, welche zusammen mit ihren Kollaborationspartnern die meisten bestellten Dosen an Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 aufweisen können.

Unternehmen BioNTech Moderna Novavax AstraZeneca
WKN / ISIN A2PSR2 / US09075V1026 A2N9D9 / US6077K1079 A2PKMZ / US6700024010 886455 / GB0009895292
Mitarbeiter*innen 2.047 1.300 791 76.100
Hauptsitz Mainz, Deutschland Cambridge, USA Gaithersburg, USA Cambridge, Großbritannien
Marktkapitalisierung 51,85 Mrd. EUR 130,87 Mrd. USD 12,06 Mrd. USD 135,51 Mrd. GBP
Umsatz 7,77 Mrd. EUR 7,02 Mrd. USD 1,18 Mrd. USD 29,53 Mrd. USD
Umsatzwachstum (letzten 5 Jahre) 98,57 % p.a. (seit 2017) 64,99 % p.a. 135,92 % p.a. 3,72 % p.a.
Erwartetes Umsatzwachstum (nächsten 3 Jahre) 199,05 % p.a. 142,97 % p.a. 85,75 % p.a. 14,52 % p.a.
Bruttomarge 85,01 % 86,45 % - 76,46 %
EBIT 5,92 Mrd. EUR 3,82 Mrd. USD -0,93 Mrd. USD 5,68 Mrd. USD
EBIT-Marge 76,17 % 54,39 % -78,68 % 19,24 %
KUV 6,67 18,64 10,21 6,32
KGV 12,73 37,44 - 49,50
KGVe 2023 8,94 24,80 8,62 14,67
KBV 9,46 19,52 16,18 11,90
Eigenkapitalquote 59,93 % 41,50 % 27,12 % 21,31 %

In Relation zu seinen Konkurrenten kann BioNTech insbesondere mit einem starken Wachstum, hohen Margen sowie einer stabilen Eigenkapitalquote überzeugen. Auch anhand der betrachteten Multiples scheint das Unternehmen nicht teuer bewertet zu sein. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass BioNTech nach 2022 schrumpfende Kennzahlen prognostiziert werden.

Moderna

Bei Moderna handelt es sich um ein Biotechnologieunternehmen, welches sich ebenfalls auf die mRNA-Technologie fokussiert. Im Dezember vergangenen Jahres wurde der Impfstoff des Unternehmens erstmals in den USA zugelassen.

Novavax

Novavax ist ein US-amerikanisches Unternehmen mit jahrelanger Erfahrung in der Impfstoffentwicklung. Bei dem entsprechenden Vakzin handelt es sich um einen Totimpfstoff, welcher sich scheinbar kurz vor der Zulassung befindet.

AstraZeneca

Der britisch-schwedische Pharmariese AstraZeneca zählt zu den größten Arzneimittelherstellern der Welt. Ebenfalls im Dezember letzten Jahres erhielt der Vektorimpfstoff des Konzerns die ersten Zulassungen.

2-Jahres-Performance

Bei dem Performancevergleich ist klar ersichtlich, dass sich AstraZeneca deutlich unabhängiger von dem Impfstoff und der Pandemie entwickelt hat als BioNTech, Moderna und Novavax. BioNTech und Moderna performten relativ identisch und Novavax konnte sich noch einmal positiv von den beiden anderen Unternehmen abheben.

4. Chancen und Risiken

Chancen

Zunehmende Bedeutung und Akzeptanz von mRNA-Medikamenten (1)

Mit dem Impfstoff gegen SARS-CoV-2 ist BioNTech der Proof of Concept von mRNA-basierten Medikamenten gelungen, denn es war weltweit das erste zugelassene medizinische Produkt, welches auf dieser Technologie beruht. In diesem Bereich kann der Konzern auf Jahre an Expertise zurückgreifen.

Im Vergleich zu herkömmlichen Impfstoffen weist die mRNA-Technologie die in Abbildung 11 beschriebenen Vorteile auf. Zum einen enthalten darauf basierende Vakzine keine Viren, sondern lediglich Informationen über einen Teil des jeweiligen Virus, welche aus DNA-Sequenzen entnommen werden. Dies ermöglicht große Kapazitäten in einer vergleichsweise geringen Zeit.

Außerdem können die Produktionsprozesse standardisiert werden, sodass einfacher und schneller auf Mutationen eines Erregers reagiert werden kann, indem die entsprechende mRNA-Sequenz angepasst wird.

Experten zufolge wird der weltweite Umsatz mit Pharmaprodukten, die auf der mRNA-Technologie basieren, bis 2028 jedoch erst rückläufig sein, bevor das Wachstum erneut an Fahrt aufnehmen wird.

Außerdem wird prognostiziert, dass erst im Jahr 2027 weitere mRNA-Pharmaprodukte zugelassen werden, welche sich nicht gegen COVID-19 richten. Deren Anteil wird daher bis 2035 voraussichtlich auf 32 % sinken.

In der Vision von BioNTech werden zunächst mRNA-Impfstoffe als neue Wirkstoffklasse etabliert. Anschließend soll die Technologie bestehende Therapien ersetzen oder ergänzen und in ferner Zukunft sei auch denkbar, dass mRNA für weitere Indikationsfelder genutzt werden kann.

Erschließung weiterer Märkte durch umfassende Produktpipeline (2)

Die unten abgebildete Pipeline von BioNTech umfasst potenzielle Medikamente verschiedener Wirkstoffklassen für weitere Indikationsfelder wie Tumore, HIV oder Tuberkulose. Viele dieser Produktkandidaten befinden sich bereits in einer klinischen Phase und beinhalten für BioNTech das Potenzial, weitere Märkte zu erschließen.

Die benötigte Dauer von klinischen Studien kann zwar je nach Produktkandidat variieren, dennoch kann man sich an folgenden Zeiträumen orientieren:

  • Phase 1: 1 bis 2 Jahre
  • Phase 2: 2 bis 3 Jahre
  • Phase 3: 2 bis 4 Jahre

In Abbildung 30 ist das erwartete Wachstum des Marktvolumens von Therapeutika der Onkologie dargestellt. Bis 2026 wird hier ein jährliches Wachstum in Höhe von 9,32 % auf 268 Mrd. USD erwartet. Der Teilbereich der Krebsimpfstoffe soll bis 2027 um 8,27 % pro Jahr wachsen.

Erhalten die entsprechenden Produktkandidaten Zulassungen, kann BioNTech von diesen Entwicklungen profitieren.

Risiken

Rückläufiger Bedarf an Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 (1)

Eintrittswahrscheinlichkeit: hoch
Auswirkung: mittel

Mit einer zunehmenden Anzahl der gegen COVID-19 geimpften Menschen geht langfristig ein Rückgang der Nachfrage an entsprechenden Impfstoffen einher. Da im Laufe der Zeit eine nachlassende Immunantwort beobachtet werden kann, sind die Impfstoffentwickler zwar der Meinung, dass Auffrischungen in den kommenden Jahren notwendig sein werden, jedoch wird BioNTech das aktuelle Niveau der Erlöse nicht dauerhaft halten können.

Ein Nachteil des Vakzins von BioNTech besteht darin, dass es bisher stark gekühlt werden musste. Seit dem 17. Mai diesen Jahres konnten die Bedingungen zur Kühlung aber gesenkt werden.

In Abbildung 32 sind die erwarteten Umsätze führender Impfstoffe gegen COVID-19 dargestellt. Diese Prognose berücksichtigt jedoch nicht die verbesserten Bedingungen für die Aufbewahrung des Impfstoffs von BioNTech und Pfizer, weshalb wir nicht davon ausgehen, dass die Erlöse dermaßen stark schrumpfen werden, wie nebenstehend abgebildet.

Die fundamentale Auswirkung dieses Risikos muss zwangsläufig in Verbindung mit dem Szenario betrachtet werden, dass BioNTech zukünftig nicht in der Lage sein wird, für weitere Medikamente Zulassungen zu erhalten. Je nach Erfolg weiterer Produkte könnte BioNtech nämlich rückläufige Umsätze kompensieren.

Schädigung der Reputation (2)

Eintrittswahrscheinlichkeit: mittel
Auswirkung: mittel/ hoch

Seit der Zulassung des Vakzins gegen COVID-19 handelt es sich bei BioNTech nicht mehr um ein reines Forschung- und Entwicklungsunternehmen. Als weltweit bekannter Konzern der Biotechnologie-Branche, welcher aktiv Medikamente vertreibt, unterliegt BioNTech trotz hoher Qualitätsansprüche dem Risiko, dass die Produkte gesundheitliche Schäden an Menschen verursachen.

Zudem muss in Betracht gezogen werden, dass Medikamente unter Umständen zurückgerufen werden müssen oder nicht in ausreichender Menge produziert werden können.

Die besprochenen Szenarien könnten empfindliche Strafzahlungen nach sich ziehen und je nach Schwere die Reputation von BioNTech beschädigen. Somit würde der künftige Vertrieb von Therapeutika beeinträchtigt werden.

Burggraben

Den Burggraben von BioNTech sehen wir zu einem großen Teil in der Expertise des Unternehmens, welche auf jahrzehntelanger Erfahrung der Mitarbeiter*innen, zum Beispiel im Bereich der mRNA-Technologie, beruht. Weiterhin profitiert BioNTech durch zahlreiche Patente und mehrjährige  Kooperationen mit namhaften Pharmakonzernen wie Pfizer oder Sanofi.

Außerdem hat BioNTech in einer Meinungsumfrage zur Sicherheit verschiedener Impfstoffe in Deutschland sehr positiv abgeschnitten: Zwei Drittel der Befragten waren im Februar diesen Jahres der Auffassung, dass das Vakzin sicher sei. Positive Erfahrungen in Verbindung mit BioNTech verbessern die Wahrnehmung des Unternehmens und erleichtern somit tendenziell die Akzeptanz zukünftiger Produkte.

5. Technische Ansicht

Charttechnische Trendeinordnung

Übersicht

Lang- und Mittelfristig

Der langfristige Trend bei BioNTech ist eindeutig aufwärtsgerichtet und auch durch die aktuelle Korrektur nicht gefährdet.

Im Wochen-Chart sieht man die derzeitige Korrektur zwar, allerdings ist auch hier weiterhin ein Aufwärtstrend intakt. Auch wenn die aktuelle Korrektur einen Kursverlust von über 50 % misst, ist diese im Kontext der sehr dynamischen Aufwärtsbewegung zuvor als gesund anzusehen.

Kurzfristig

Kurzfristig ist die Aktie zwar in einem Abwärtstrend, aber stabilisiert sich derzeit. Oberhalb des Zwischenhochs bei 258 USD ergibt sich die Möglichkeit auf eine neue Aufwärtsstruktur.

Aussicht

Wenn die Unterstützungszone, in der sich BioNTech gerade befindet, hält und eine neue Aufwärtstruktur etabliert werden kann, dann stehen die Chancen auf eine Fortsetzung des langfristigen Aufwärtstrends durchaus gut. An den markierten Widerstandszonen sollten Rücksetzer eingeplant werden.

Unterhalb der grünen Zone ist der langfristige Aufwärtstrend zwar weiterhin intakt und es gibt weitere Unterstützungsbereiche, aber man sollte zwangsläufig erst eine Stabilisierung des Kurses abwarten, um nicht in ein fallendes Messer zu greifen.

Technisches Wir Lieben Aktien-Rating

BioNTech ist erst seit 2019 an der Börse gelistet, weshalb einige Punkte unseres Ratings schlichtweg einfach noch nicht überprüft werden können. Über die längerfristige Trendstabilität kann derzeit noch keine Aussage getroffen werden und auch für den sehr langfristigen Trend ist die Aussagekraft nur bedingt gegeben. Dennoch geben wir aufgrund des gesunden Trends für letzteren Aspekt die Punkte.

Insgesamt schafft es die Aktie somit auf 7 Punkte. Nur die kurze Charthistorie und ein Volumenwiderstand über dem aktuellen Kurs sind zu bemängeln.

6. Fazit

Mit dem Projekt Lightspeed hat BioNTech unglaubliches bewältigt. Bisher dauerte es durchschnittlich fünf bis zehn Jahre, um einen Impfstoff bis zur Marktreife zu entwickeln. In Kooperation mit Pfizer und Fosun Pharma ist es dem Mainzer Konzern gelungen, diesen Prozess in nur sechs Monaten vollständig abzuschließen.

Dementsprechend hat das Unternehmen weltweit an Popularität gewonnen und konnte eine regelrechte Explosion der Erlöse verzeichnen. Es ist jedoch fraglich, ob BioNTech in den kommenden Jahren erneut in der Lage ist, ein Medikament erfolgreich auf den Markt zu bringen. Daher sollten interessierte Anleger*innen beobachten, mit welchem Erfolg die bestehenden Produktkandidaten und klinischen Studien fortgeführt werden, denn der Konzern wird sich nicht ewig auf den Impfstoffumsätzen durch COVID-19 ausruhen können. Eine Investition wäre demnach als eher spekulativ einzuordnen.

Sollte BioNTech Erfolg haben und zukünftig weitere Zulassungen erhalten, so ist die stetige Transformation zu einem etablierten Pharmakonzern vorstellbar.

Der langfristige Aufwärtstrend bei BioNTech läuft sehr dynamisch und erfährt derzeit die erste größere Korrektur seit längerer Zeit. Diese ist als angemessen einzustufen und nach einer kurzfristigen Stabilisierung könnte die übergeordnete Aufwärtsrichtung wieder aufgenommen werden. Aufgrund des gesunden Trends erzielt die Aktie auch im technischen Wir Lieben Aktien-Rating 7 von 10 Punkten. 

Autoren dieser Analyse: 

Christian Lämmle
Christian Lämmle

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