
CrowdStrike Aktie Analyse
Der beste Cybersecurity Play?
Analyse vom 25.08.2024
von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann
Kurzvorstellung
CrowdStrike dürfte vielen erst seit einigen Wochen ein Begriff sein. Am 19. Juli 2024 führte ein fehlerhaftes Update der Cybersecurity Plattform des Unternehmens, die in der Cloud läuft und für Sicherheit bei den Kunden sorgen soll, zu einem globalen Ausfall von mehr als 8 Millionen Windows PCs. In den Medien wird dieser Vorfall als größter gleichzeitiger Ausfall in der bisherigen Geschichte der Informationstechnologie bezeichnet. In Folge des Vorfalls stürzte die Aktie von CrowdStrike zunächst zweistellig ab. Auf der anderen Seite zeigt das aber auch, wie wichtig die Software von CrowdStrike für die globale Wirtschaft ist und wie groß die Tragweite der Funktionalität ist. In dieser Analyse stellen wir uns die Frage, ob sich ein Einstieg bei der Aktie von CrowdStrike jetzt lohnt, oder ob zunächst Vorsicht geboten ist, da so ein Vorfall ja durchaus einen Rattenschwanz an Klagen nach sich ziehen kann.
1. Das Unternehmen CrowdStrike
Geschäftsmodell von CrowdStrike
Einleitung
Als CrowdStrike im Jahr 2011 gegründet wurde, war es für Hacker häufig sehr einfach, einen Cyberangriff auf Unternehmen, welche lediglich über eine On-Prem-Software verfügten, durchzuführen. Dies nahmen die Gründer von CrowdStrike als Anlass, einen grundlegend anderen Ansatz zu wählen: Die Einführung einer cloudbasierten Plattform namens Falcon. Diese verfolgt den Anspruch, durch ihre umfassenden Module, auf die wir im weiteren Verlauf dieses Abschnitts eingehen werden, sämtliche Bedrohung umgehend stoppen zu können. Hierfür werden auf der Falcon-Plattform u. a. Daten von allen Nutzern gesammelt und integriert, um die künstliche Intelligenz auf die Erkennung von Gefahren sowie deren umgehende Eliminierung zu trainieren. Dieses Vorgehen bezeichnet das Unternehmen auch als „Power of the Crowd“.
Die Falcon-Plattform
Wie zuvor beschrieben, will CrowdStrike mit der Falcon-Plattform, die in der Cloud läuft, sämtliche Arten von Bedrohungen in der digitalen Welt stoppen. Hierfür werden auf Falcon verschiedene sogenannte Module zur Verfügung gestellt, welche die Kunden bei Bedarf buchen können. Hierzu gehören folgende:
- Cloud Security
- Endpoint Security and XDR
- Exposure Management
- Managed Services
- usw.
Diese Module zielen selbstverständlich auf unterschiedliche Anwendungsbereiche ab. Während der Bereich „Cloud Security“ bspw. die grundsätzlichen Funktionen der Plattform (Workload Protection, Monitoring) umfasst, werden durch das Modul „Endpoint Security and XDR“ in erster Linie Lösungen gegen Malware oder der Schutz von IoT-Geräten (also den Endpunkten eines Netzwerks) angeboten. Der Umfang der Falcon-Plattform ist an dieser Stelle als wesentliche Säule des Geschäftsmodells von CrowdStrike hervorzuheben, da diese die wichtigsten Sicherheitslücken von Unternehmen heutzutage abdeckt.
Wachstumsstrategie
Um die Wachstumsraten auf Konzernebene langfristig aufrechterhalten zu können, verfügt CrowdStrike über eine detaillierte Wachstumsstrategie, welche eine Vielzahl an Punkten umfasst. Als wichtigste Zielsetzung ist an dieser Stelle selbstverständlich die fortlaufende Akquise von neuen Kunden hervorzuheben, wodurch nicht nur die Abhängigkeit von bestehenden Großabnehmern reduziert werden kann, sondern auch zusätzliche Daten für die Falcon-Plattform gewonnen werden können, wodurch die Software wiederum verbessert werden kann, was u. U. neue Kunden anzieht. Darüber hinaus strebt das Unternehmen danach, seine bestehenden Kunden zu einer immer umfassenderen Nutzung unternehmenseigener Lösungen zu bewegen. In diesem Zusammenhang werden bspw. kostenlose Trials der Module innerhalb der Falcon-Plattform angeboten. Dies soll den Kunden einen Einblick in die unterschiedlichen Funktionen gewähren.
Weitere Bestandteile der Strategie sind folgende:
- geographische Expansion
- Erweiterung der Plattform für zusätzliche Branchen
- Akquise von Kunden des öffentlichen Sektors
Historie von CrowdStrike
Gründung
CrowdStrike wurde 2011 von George Kurtz, Dmitri Alperovitch und Gregg Marston gegründet. Kurtz übernahm dabei die Rolle des CEOs, Alperovitch fungierte als CTO, während Marston als CFO tätig war, bis er sich in den Ruhestand verabschiedete. Im Jahr 2012 trat Shawn Henry, ein ehemaliger Beamter des Federal Bureau of Investigation (FBI), dem Unternehmen bei und übernahm die Leitung der Tochtergesellschaft CrowdStrike Services, die Security- und Response Services anbietet.
Im Juni 2013 brachte CrowdStrike mit Falcon das erste Produkt auf den Markt, ein Antivirus-Programm. Das Unternehmen konnte sich in den ersten Jahren bereits einen guten Namen machen, indem es Hacker aufspürte und die Informationen an die Justiz übergab. So wurden fünf chinesische Militärhacker aufgrund von Industriespionage sowie die Hackergruppe Energetic Bear aufgespürt und angeklagt.
Auch nach dem Hackerangriff auf Sony Pictures 2014 konnte CrowdStrike Beweise vorlegen, welche die Regierung Nordkoreas als Urheber identifizierten und den Ablauf des Angriffs nachzeichnen konnten.
2015 veröffentlichte CrowdStrike Informationen über VENOM, eine kritische Sicherheitslücke in einem Open-Source-Hypervisor, die es Angreifern ermöglichte, auf sensible persönliche Daten zuzugreifen. Im Oktober desselben Jahres enthüllte das Unternehmen, dass chinesische Hacker trotz einer öffentlichen Vereinbarung zwischen den USA und China weiterhin Technologie- und Pharmaunternehmen angreifen und spionieren würden.
Auf dieser Basis ging das Unternehmen in mehrere Finanzierungsrunden, wo bis 2019 insgesamt 480,00 Mio. USD gesammelt werden konnten. Investiert hatte u. a. auch Google. Mit dem Ende der Finanzierungsrunden ging das Unternehmen an die Börse und führte ein Initial Public Offering (IPO) an der Nasdaq durch.
Akquisitionen
2020 erwarb CrowdStrike Holdings das Unternehmen Preempt Security, einen Anbieter von Zero-Trust- und Conditional-Access-Technologien, für 96,00 Mio. USD. Kein Jahr später folgte die Übernahme der dänischen Log-Management-Plattform Humio für 0,40 Mrd. USD. CrowdStrike plante, Humios Log-Aggregation in sein erweitertes Erkennungs- und Reaktionsangebot (XDR) zu integrieren. Im selben Jahr folgte das SaaS-basierte Cybersicherheitsunternehmen SecureCircle, um die Zero-Trust-Sicherheitsstrategie des Unternehmens auf Datenebene auszuweiten.
In Zusammenarbeit mit Cribl.io führte das Unternehmen den CrowdStream-Dienst ein und intensivierte damit die Verbindungen mit der US-Regierung. 2023 wurde das israelische Cybersicherheits-Start-up Bionic.ai erworben und in diesem Jahr folgte das israelische Start-up Flow Security. Seit Juni ist CrowdStrike im S&P 500-Index zu finden.
CrowdStrike Holdings wurde mehrfach von Gartner und Forrester in verschiedensten Bereichen als einer der Leader ausgezeichnet. Weiterhin konnten die Security Services bei Auswertungen durch MITRE Engenuity ATT&CK® und SE Labs herausragende Ergebnisse erzielen.
Aktionärsstruktur von CrowdStrike
Die Aktionärsstruktur von CrowdStrike Holdings wird angeführt durch den CEO selbst. Kurtz hält 55,16 % der B-Shares und damit 20,12 % der Stimmrechte. Weitere 40,77 % der B-Shares hält die US-amerikanische Investmentgesellschaft Accel, was 14,39 % der Stimmrechte entspricht.
Betrachtet man die im free-float befindlichen A-Shares, finden sich hier, wie so oft, zwei der größten Investmentgesellschaften der Welt: BlackRock und Vanguard. BlackRock führt die Liste mit 7,35 % (4,77 % der Stimmrechte), gefolgt von Vanguard mit 6,83 % (4,43 % der Stimmrechte). Alle weiteren Aktionäre halten weniger als 5,00 % der Anteile am Unternehmen und wurden deshalb nicht veröffentlicht.
Geschäftsführung
George Kurtz
Kurtz ist der CEO und Gründer von CrowdStrike Holdings. Vor der Gründung war er in führenden Positionen bei McAfee tätig, ebenfalls einem Sicherheitsunternehmen. Dort bekleidete er die Rollen des weltweiten CTO, General Manager und Executive Vice President. Hiervor gründete er im Jahr 1999 Foundstone, ein weltweit agierendes Unternehmen für Sicherheitsprodukte und -dienstleistungen. Foundstone galt als eines der führenden Unternehmen im Bereich der Reaktionsdienste bei Sicherheitsvorfällen und wurde im Oktober 2004 von McAfee übernommen.
Kurtz hat einen Bachelor in Accounting von der Seton Hall University in New Jersey, USA.
CEO-Vergütung
Die Vergütung des CEOs schwankte in den letzten Jahren stark. 2022 belief sich die Gesamtvergütung auf 147,70 Mio. USD, 2023 lag diese bei 36,53 Mio. USD und für das Geschäftsjahr 2024 wurde Kurtz mit 46,98 Mio. USD vergütet. In den vergangenen Jahren machten die Stock Awards bei weitem den größten Anteil der Vergütung aus. Im Geschäftsjahr 2024 lagen diese bei einem Gegenwert i. H. v. 44,09 Mio. USD und das Grundgehalt belief sich auf 0,95 Mio. USD. Über einen Incentive Plan erhielt Kurtz 1,24 Mio. USD und über alle weiteren Vergütungen verdiente er 0,70 Mio. USD.
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