
Embracer Aktie Analyse
Ein Wachstumstitel der Gamingbranche?
Analyse vom 04.08.2024
von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann
Kurzvorstellung von Embracer
Warum in aller Welt ist das Einleitungsbild der Aktienanalyse zu Embracer ein Bild von mehreren Ziegen? Das lässt sich ganz einfach erklären. In dieser Analyse stellen wir dir den schwedischen Gamingkonzern Embracer (WKN: A3C36T, ISIN: SE0016828511) vor. Einer der erfolgreichsten Franchises der Schweden ist der Goat Simulator, also Ziegen-Simulator. Alleine diese witzige Tatsache sollte die Aktie von Embracer schon spannend machen. Jetzt gilt es nur noch zu klären, ob sich auch ein Investment bei der Embracer Aktie lohnt. Zuletzt ist der Kurs stark unter die Räder geraten mit einem Drawdown ab Allzeithoch von bis zu -89 % und auch die Dividendenrendite liegt bei 0,00 %. Ist die Aktie jetzt ein Kauf?
1. Das Unternehmen Embracer
Geschäftsmodell
Einleitung
Der vollständige Name des Unternehmens der vorliegenden Analyse lautet nicht grundlos Embracer „Group“. Denn beim schwedischen Gaming-Konzern handelt es sich um eine Art Holding, welche sich aus aus insgesamt zehn operativen Gruppen zusammensetzt, welche sich mit unterschiedlichen Segmenten der Industrie bzw. verschiedenen Teilen der zugrundeliegenden Wertschöpfungskette befassen. Diese umfassen wiederum 106 Entwicklerstudios, die sich auf dem ganzen Globus befinden. Sowohl die einzelnen Gruppen von Embracer als auch deren Herkunft bzw. geographische Fokussierung können Abbildung 1 entnommen werden.
Die zehn operativen Gruppen verfügen gemeinsam über eine äußerst breite Palette an Franchise, worunter man die Marken der Spiele wie Saints Row, Goat Simulator oder Borderlands versteht. Darüber hinaus ist Embracer seit der Übernahme von Asmodee als Hersteller von Brettspielen tätig. In diesem Kontext kooperieren die Schweden mit weltweit bekannten Marken wie Marvel, Star Wars oder Stranger Things und stellen für diese Gesellschaftsspiele her.
Der entsprechende Geschäftsbereich trägt den Namen „Tabletop Games“ und wird im Anschluss an die geplante Aufspaltung als eingeständiger Konzern agieren. Als weitere Geschäftsbereiche lassen sich nachfolgende identifizieren:
- PC/Console Games
- Entertainment & Services
- Mobile Games
Diese fließen durch die anstehende Aufspaltung in verschiedene Gruppen ein. So werden die Blockbuster bzw. AAA-Titel in den Konzern „Middle-earth Enterprises & Friends“ eingebracht. Die weniger populären A/AA- bzw. Indie-Titel werden hingegen im Rahmen von „Coffee Stain & Friends“ fortgeführt.
Wachstumsstrategie
Die Embracer Group besitzt eine einzigartige Wachstumsstrategie, welche erheblichen Einfluss auf die Umsatz- und Gewinnentwicklung hat, sodass wir diese separat thematisieren wollen. Denn zum einen setzt der schwedische Konzern unter der Führung von Lars Wingefors auf einen „entrepreneurial Spirit“ innerhalb der Unternehmensgruppen, welchen darüber hinaus möglichst freie Hand gelassen wird, was zu einer bestmöglichen Entfaltung führen soll. Doch als weitaus wichtigerer Hebel in der Entwicklung der fundamentalen Kennzahlen sind Akquisitionen hervorzuheben. So hat Embracer in den vergangenen Jahren unglaublich viele Übernahmen durchgeführt, welche die Entwicklung der Umsätze positiv beeinflussten.
Neben einer Beschleunigung des Wachstums aus eigener Kraft hat diese Strategie selbstverständlich weitere Auswirkungen. So wäre die Embracer Group niemals in der Lage, dieses Vorgehen allein mit Fremdkapital umzusetzen ohne sich maßlos zu überschulden. So werden die Akquisitionen in der Regel mit der Ausgabe neuer Aktien finanziert, was zu einer Verwässerung der Aktionäre führt. Von daher sollte man im Auge behalten, ob das Unternehmen bei der Auswahl seiner Akquisitionsziele geschickt vorgeht und auch einen überdurchschnittlichen Anstieg des (bereinigten) Ergebnisses je Aktie erzielen kann.
Darüber hinaus häuft Embracer durch den unfassbar hohen Umfang an Übernahmen einen immer größeren Bestand an Goodwill an, welcher hin und wieder abgeschrieben werden muss. Dieses Vorgehen hat einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der ungereinigten operativen Ergebnisse und Konzerngewinne, wie wir im weiteren Verlauf der Analyse aufzeigen werden.
Historie
Gründung
Die Historie von der Embracer Group beginnt mit den ersten Unternehmungen des späteren Mitgründers und aktuellen CEO Lars Wingefors. Er wuchs in einer ländlichen Gegend in Schweden auf und startete ein Geschäft mit gebrauchten Comics, indem er seine Sammlung von Lee Falks „The Phantom” verkaufte.
Mit 15 Jahren betrieb Wingefors den größten Versandhandel für Comics in Schweden. Als er in einem anderen Comicladen gebrauchte Videospiele entdeckte, entschied er sich ebenfalls in den Videospielemarkt einzusteigen und sein Business zu erweitern. Noch bevor er 20 Jahre alt wurde, führte er ein Großhandelsgeschäft in Karlstad, Schweden, und erzielte ein Umsatz von 100,00 Mio. SEK (8,56 Mio. EUR). In dieser Stadt liegt übrigens auch der heutige Hauptsitz von Embracer.
Dotcom Blase
Mit 22 Jahren betrieb Wingefors das größte unabhängige Videospiele-Großhandelsunternehmen in Schweden. Zur Jahrtausendwende entschied er sich den Ökonomen Erik Stenberg einzustellen, um die Marge des Unternehmens deutlich zu verbessern und um attraktiver für Investoren zu werden. Typisch für diese Zeit wurde auch schnell ein Investor gefunden: Das Unternehmen Gameplay investierte 8,00 Mio. GBP (9,49 Mio. EUR). Kurze Zeit später platzte die Dotcom-Blase und das Unternehmen war nahezu wertlos.
Im Jahr 2004 entschied sich Wingefors für einen Neustart unter dem Namen „Outlet Europe“. Das Unternehmen fokussierte sich auf den Handel aller Arten von Videospielen, außer Neuerscheinungen. Vertrieben wurden diese in ganz Europa. Damit wurden erneut stabile Gewinne erzielt und es folgte wieder ein stetiges Wachstum.
Nordic Games
Als nächsten Schritt begann das Unternehmen eigene Marken aufzubauen. Nordic Games konzentrierte sich auf die Nischenmärkte, insbesondere im mittleren und unteren Preissegment. Sehr erfolgreich war dabei das Karaoke-Spiel We-Sing für die Nintendo Wii.
Im Jahr 2011 erfolgte die Übernahme des insolventen Publishers JoWooD Entertainment und damit der Beginn einer größeren Welle an Akquisitionen. Darunter war Darksiders, THQ, Destroy All Humans und Titan Quest. In dem Jahrzehnt wurden auch die deutschen Entwicklerstudios Black Forest Games und Handygames aufgekauft. Die übernommenen Unternehmen wie bspw. THQ waren zum Teil auch wesentlich älter als Nordic Games selbst, denn THQ wurde bereits 1989 gegründet.
Embracer Group
Im Jahr 2019 wurde der Name zur Embracer Group geändert und damit eine Muttergesellschaft aufgebaut, die als Bindeglied zwischen den ganzen Tochtergesellschaften dient. Embracer ging weiter den Weg der Akquisitionen und erwarb bekannte Entwicklerstudios wie Piranha Bytes, Milestone und Gunfire Games. Neben Entwicklerstudios erwarb Embracer auch die Rechte an „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“.
In diesem Jahr begann für das Unternehmen eine neue Businessstrategie. Der Fokus soll vom Wachstum über Akquisitionen zur Generierung von Cashflow wechseln. Im Zuge des Restrukturierungsprogramms wurde die Absicht angekündigt, sich in drei separate, börsennotierte Einheiten aufzuteilen.
Aktien von den abgespalteten Unternehmen Asmodee und Coffee Stain & Friends sollen gemäß der Lex ASEA-Regeln als Dividende an die Aktionäre von Embracer verteilt und an der Nasdaq Stockholm notiert werden. Das dritte Unternehmen Middle-earth Enterprises & Friends soll innerhalb der derzeit börsennotierten Embracer Group verbleiben, die anschließend umbenannt wird. Die Notierung und Verteilung der Aktien von Asmodee wird innerhalb von zwölf Monaten erwartet, während die Notierung und Verteilung der Aktien von Coffee Stain & Friends im Kalenderjahr 2025 erfolgen soll.
Aktionärsstruktur
Die Aktionärsstruktur von der Embracer Group wird angeführt durch den CEO selbst, der durch sein Investment somit auch stark von der Performance der Aktie abhängig ist. Dieser hält mit seiner Holding 19,60 % der Anteile. Darauf folgt das saudische Investmentunternehmen Savvy Gaming mit 7,46 %, welches sich auf Videospieleunternehmen fokussiert. Mit 6,24 % folgt ein US-amerikanisches Entwicklerstudio für Videospiele. Knapp über der 5,00 %-Marke liegt die Investmentgesellschaft DNB Asset Management. Alle weiteren Aktionäre halten einen geringeren Anteil am Unternehmen. Zu erwähnen wäre hierbei noch Vanguard mit 2,44 %.
Geschäftsführung
Lars Wingefors
Wingefors ist Co-Founder und CEO von Embracer sowie seit 2011 Board Member. Er gründete seine erste Videospielfirma bereits im Alter von sechzehn Jahren und verfügt über eine umfassende und langjährige Erfahrung in den Bereichen Unternehmertum und Unternehmensführung.
Im Gegensatz zu vielen anderen Geschäftsführern, hat Wingefors nicht studiert, sondern sogar die Schule abgebrochen. Seiner Karriere stand das nicht im Weg. Bereits mit 13 Jahren begann er mit dem Weiterverkauf von Comicheften und weitete seine Tätigkeit schnell auf Videospiele aus. Mit 15 Jahren hatte er das größte Versandhandel-Comic-Business in Schweden aufgebaut. Bis heute ist er mit seinen Ideen und der Umsetzung erfolgreich und konnte so sein Business immer weiter erweitern.
CEO-Vergütung
Die Vergütung von Wingefors ist deutlich geringer als bei vielen anderen CEOs. Er erhält lediglich ein Grundgehalt von 1,00 Mio. SEK (85,98 Tsd. EUR). Erzeugte Aktiengewinne mit seiner Holdinggesellschaft werden hierbei nicht eingerechnet.
Man erkennt bei Wingefors also deutlich, dass die Performance seiner Investition in Embracer wesentlich wichtiger für ihn ist, als das Gehalt. Es liegt somit nahe, dass er nichts tun würde, dass seiner eigenen Investition schaden würde. Ein solcher CEO denkt in der Regel auch langfristiger und konzentriert sich nicht auf die kurzfristige Performance bzw. Kursentwicklung eines Unternehmens.
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