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Halloween – Horroraktien der Finanzcommunity

Veröffentlicht am 30.10.21 | Lesedauer: 15 Minuten

Von Sven Klünder 

 Horroraktien der Finanzcommunity

Sonntag ist es wieder so weit. Halloween – der gruseligste Tag im Jahr. Wir haben 4 Finanzblogger von Instagram nach ihren persönlichen Horroraktien gefragt.

Einleitung

Es ist mal wieder soweit: Am Sonntag ist Halloween. Der für viele Menschen gruseligste Tag im Jahr steht an. Für Aktionäre gibt an an diesem Tag wenig zu befürchten, da die Börse am Sonntag geschlossen hat. Allerdings gab es in diesem Jahr bereits einige Kursverläufe die Anlass zum Gruseln bieten:

  • Der Finanzdienstleister Lang und Schwarz baute in den letzten 6 Monaten um 30% ab.
  • Gegen die Deutsche Lufthansa mit 44% an Kursverlusten im Jahresverlauf wirkt das fast noch harmlos.
  • Das Softwareunternehmen Teamviewer fiel im Jahresverlauf sogar um ganze 70%.
  • Das Immobilienunternehmen Evergrande liegt mit Kursverlusten von 82% im Jahresverlauf bei dieser Auszählung an der Spitze.
 

Der Oktober hat in der Börsenwelt zwar allgemein einen schlechten Ruf, bedingt durch historische Kursverluste wie den “Schwarzen Freitag” (25.10.1929) oder den “Schwarzen Montag” (19.10.1987), statistisch gesehen ist jedoch der September der schlechteste Börsenmonat. Abbildung 1 zeigt dies am Beispiel des DAX eindrucksvoll.

Aber genug von Statistiken. Schauen wir nun einmal die Horroraktien von vier Finanzbloggern an:

Performance DAX Monatsbasis Aktienanalyse
Abb. 1: Statistisch gesehen ist der September der schlechteste Börsenmonat.

Lisa @aktiengram

Lisa ist 30 Jahre alt und ausgebildete Fachinformatikerin für Systemintegration. Berufsbegleitend studiert Lisa seit Januar 2020 mit dem Ziel ihren Bachelor of Science in Informatik und IT-Sicherheit zu erlangen.

Als Ausgleich zu Arbeit und Studium macht Lisa viel Sport, reist sehr gern und verbringt Zeit mit dem Hund von Freunden. Ihren Instagramaccount @aktiengram hat Lisa im Januar 2020 gestartet. Unter dem Motto „mehr Freiheit durch Aktien“ möchte Lisa mehr Menschen für die Themen Geldanlage und Börse begeistern und dazu ermuntern, die Finanzen in die eigene Hand zu nehmen.

Was ist deine persönliche Horroraktie?
Bonterra Energy Corp.: Ein kanadisches Öl- und Gasunternehmen.
 
Was hat sie zur Horroraktie gemacht?
Die Aktie “entdeckte” ich irgendwo im Netz und fand vor allem einen Punkt klasse: Monatliche Dividende! So wanderten über die Jahre 2014 und 2015 Aktien im Wert von ca. 2500 € in mein Depot. Ich war der Meinung hier einen richtig guten Kauf gemacht zu haben. Die folgenden 2-3 Jahre sprachen auch dafür, insgesamt gab es ca. 400 € Dividende über diese Zeit für mich. Seit 2018 machte sich dann aber schon der “Abstieg” bemerkbar.
Seit April 2020 sprudelte überhaupt keine Dividende mehr und auch der Kurs machte bereits seit zwei Jahren einen ordentlichen Abgang.
Lisa Aktiengram Aktienanalyse Horroraktien
Abb. 2: Neben Beruf und Studium beschäftigt sich Lisa mit Aktien und reist sehr gerne.

Was hast du daraus gelernt?
Ich habe hier gleich mehrere Fehler auf einmal gemacht: 1. Die Aktie nur gekauft wegen der “attraktiven” Dividende. Auch die Tatsache der monatlichen Auszahlung hat mich hier angesprochen – kein Faktor, den man für seine Investmententscheidung als entscheidendes Kriterium in Betracht ziehen sollte. Dann habe ich die Aktie deutlich zu lange gehalten und mich einfach nicht ausreichend über das Unternehmen informiert. Eine ganze Weile lang lang sie als “Mahnmahl” noch im Depot, bis ich dann schließlich den Entschluss fasste, sie mit Verlust zu verkaufen. Das einzig Positive daran: Eine Menge Erfahrung und ein wenig Geld im Verlusttopf, das mit Gewinnen aus anderen Verkäufen verrechnet werden kann.

Bonterra Energy Corp.

Bonterra Energy ist ein kanadischer Öl- und Gasproduzent. Das Unternehmen wurde 1981 gegründet.

Bonterra ist ausschließlich in Kanada aktiv. Der Anteil der Ölproduktion beträgt zwei Drittel, der Anteil der Gasproduktion ein Drittel. Die wirtschaftlich gewinnbaren Reserven reichen aktuell noch für 9,5 Jahre. Die reine Ölproduktion beträgt etwa 12.000 Barrel pro Tag. (Zum Vergleich: Der weltweite Verbrauch lag 2020 bei etwa 88,4 Millionen Barrel pro Tag). Damit zählt Bonterra zu den kleineren Produzenten der Branche. Shell produziert über 3,8 Millionen Barrel pro Tag. Bonterra ist einer der größten Betreiber im Pembina Cardium Ölfeld. Hierbei handelt es sich um eines der größten und produktivsten Öl- und Erdgasfelder der Provinz Alberta in Kanada. Kleinere Anlagen befinden sich in den Provinzen Saskatchewan und British Columbia.

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Abb. 3: Trendeinordnung für Bonterra Energy

Christian @wirliebenaktien

Christian ist 24 Jahre alt, kommt aus Baden-Württemberg und ist Student. Aktuell schreibt Christian seine Masterarbeit im Bereich Steuerrecht, um in 1,5 Jahren Steuerberater zu werden. Neben seinem Studium arbeitet Christian in einer Unternehmensberatung, ist im Aktienhandel aktiv und besitzt mehrere Geschäftsbeteiligungen.

Seine Freizeit verbringt Christian am liebsten beim Sport und mit seiner Freundin. 

Christian betreibt keinen eigenen Finanzaccount auf Instagram, ist aber verantwortlich für den Betrieb der Wir lieben Aktien Seite. Hier meldet sich Christian mehrmals die Woche persönlich zu Wort.

Was ist deine persönliche Horroraktie?
Meine persönliche Halloween- oder auch Horror-Aktie ist die im DAX gelistete Continental AG. Dies war nämlich die zweite Einzelaktie, welche ich jemals gekauft hatte. 

Was hat sie zur Horroraktie gemacht?
Damals war mein Kaufkriterium die Betrachtung des Verlaufes der letzten 12 Monate. Wenn eine Aktie relativ nahe am tiefsten Stand der letzten 12 Monate stand, war sie für mich interessant (Also extrem Naiv).   

Abb. 4: Christian machte mit Continental einen Anfängerfehler und zog die richtigen Schlüsse.

Gesagt getan, ich kaufte Continental für einen vermeintlichen „Schnäppchenpreis“ ein. Tatsächlich belohnte mich der Kauf zunächst und die Aktie stieg. Allerdings hielt meine Freude über die Buchgewinne nicht zu lange an und die Aktie fiel mit der Zeit immer weiter unter meinen Einstiegskurs. Irgendwann war das Motto meiner Mentalität: „Jetzt warte ich bis ich wieder im Plus bin und verkaufe dann“.
Problem: die Aktie stieg nicht mehr wirklich an und Stand von Woche zu Woche immer noch tiefer. Irgendwann hatte ich allerdings keine Lust mehr die Aktie zu halten und verkaufte mit dickem Minus (Ich glaube es waren am Ende – 35 %).

Was hast du daraus gelernt?
Ich hatte keine vernünftige Strategie und habe keinerlei Research betrieben. Es waren typische Anfängerfehler und mir war klar, dass ich dies ändern musste. Rückblickend kann ich extrem froh sein, dass ich dieses Learning sehr früh in meiner Börsenkarriere hatte. So musste ich mich zwangsläufig weiterbilden um mir eine valide Börsenstrategie anzueignen. 

Continental 

Continental ist ein deutscher Zulieferer der Automobilindustrie. Das Unternehmen wurde 1871 als Aktiengesellschaft gegründet. Größter Einzelaktionär ist die Schaeffler AG mit 46% der Aktien.

Das Geschäft von Continental ist in zwei Bereiche – Gummiprodukte und Automobiltechnologie – unterteilt. Im Bereich Gummiprodukte sind die Businessunits Reifen und technische Kunststoffe angeordnet, im Bereich Automobiltechnologie die Businessunits autonomes Fahren und Sicherheit, Fahrzeugnetzwerk und Informationen. Die Antriebstechnik wurde am 16. September 2021 als Spin-Off unter dem Namen Vitesco Technologies an die Börse gebracht.
Continental hat weltweit ca. 193.000 Mitarbeiter an 561 Standorten in 58 Ländern. 2020 gehörte Continental zu den Top 3 Automobilzulieferern weltweit gemessen am Umsatz.

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Abb. 5: Trendeinordnung für Continental

Martin @mitverstandzumkapital

Martin ist 38 Jahre alt, kommt aus Mecklenburg-Vorpommern und ist angestellter. Nach seiner handwerklichen Ausbildung hat sich Martin zur Führungskraft im Einkauf eines großen deutschen Elektroausstatters hochgearbeitet. Neben seinem Beruf ist Martin als Buy-and-Hold Investor und Swing-Trader aktiv.

Als Familienmensch verbringt Martin seine freie Zeit am liebsten mit seiner Frau und den beiden Söhnen. Er spielt mit seinen Söhnen gern Konsolengames ist aber auch viel in der Natur, besonders auf dem Wasser, unterwegs. Sein wichtiges Projekt zurzeit ist der Bau des Eigenheims. Seit November 2019 betreibt Martin bei Instagram seinen Blog @mitverstandzumkapital. Sein Motto “Schluss mit Ausreden, Investiere in deine Zukunft”.

Was ist deine persönliche Horroraktie?
Meine persönliche Horroraktie ist Aurora Cannabis: Ein kanadische Cannabis und Marihuana Unternehmen.

Was hat sie zur Horroraktie gemacht?
Der Kurs hat sich bewegt wie eine Achterbahn. Die ganze Zeit habe ich auf News hinsichtlich der Legalisierung gehofft, wurde aber immer wieder enttäuscht. Dann kamen die Zahlen und die riesige Blase ist für mich geplatzt.

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Abb. 6: Martin investierte in Cannabisaktien in der Hoffnung auf die weitgehende Legalisierung.

Was hast du daraus gelernt?
Auf politische News zu hoffen ist zocken auf einem hohem Level. Zukünftig werde ich meine Strategien noch öfter und genauer prüfen. Die Gewichtung solcher Positionen in meinem Portfolio werde ich deutlich kleiner halten.

Aurora Cannabis

Aurora Cannabis ist ein kanadischer Cannabisproduzent. Das Unternehmen wurde 2006 gegründet, der Börsengang erfolgte 2018. Aurora Cannabis zählt zu den drei größten Konzernen der Branche gemeinsam mit Canopy Groth und Aphria.

Aurora Cannabis stellt Produkte für zwei Unternehmensbereiche her: Consumer Brands und Medical Brands. Im Bereich Medical Brands existieren 4 Eigenmarken. Hier wird medizinisches Marihuana inklusive des nötigen Beratungsnetzwerkes vertrieben. Im Bereich Consumer Brands werden Marihuana und Marihuanaprodukte als Rauschmittel vertrieben. Die sechs verschiedenen Eigenmarken werden online oder in speziellen Geschäften, in Abhängigkeit von den jeweiligen gesetzlichen  Normen, als getrocknete Pflanzenteile, Öle oder Esswaren wie Gummibärchen angeboten. Aurora Cannabis hat 25 Standorte auf 5 Kontinenten. In Deutschland gibt es in Leuna (Sachsen-Anhalt) eine Produktionsplantage für medizinisches Marihuana sowie einen Bürostandort in Berlin.

Abb. 7: Trendeinordnung für Aurora Cannabis

Patrick @dividente

Patrick ist 38 Jahre alt, wohnt in Köln und ist seit Mitte 2021 selbstständig. Die Auflösung seiner alten Firma hat Patrick genutzt, um den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Seine Tätigkeitsfelder sind Aktien, Trading, Affiliate und Geschäftsbeteiligungen. Auf seinem Account @dividente postet Patrick täglich Beiträge zu den Themen Aktien und Mindset.

Patrick ist ein absoluter Familienmensch und verbringt so viel Zeit wie möglich mit seinem Sohn und seiner Frau. Mit seiner Familie ist er gern auf Reisen, er liebt veganes Essen und Puddingteilchen, zockt gern mit seinem Sohn und ist jeden Tag mit der Familienhündin unterwegs.

Was ist deine persönliche Horroraktie?
Meine persönliche Horroraktie ist, wie bei so vielen von euch, Wirecard.

Was hat sie zur Horroraktie gemacht?
Für mich war es eine Kombination von drei Faktoren: Zum einen der Betrug selber, den ich so nicht für möglich gehalten hätte. Dann mein größter Börsenverlust, den ich realisieren musste. Ich habe etwa 17.000 € verloren. Und natürlich auch durch die Community. Ich hatte am Tag des Crashs über 500 Nachrichten von betroffenen Abonnenten, das ging mir sehr nah.

Abb. 8: Patrick zog aus dem Wirecard Skandal seine Lehren.

Was hast du daraus gelernt?
Rückblickend war Wirecard damals schon am Straucheln. Die Aktie wurde vielfach geshortet und der Kurs war eine Achterbahn. Ich habe  mich zu sehr auf unkritische Stimmen in Internetforen und auf Instagram verlassen. Die “Gerüchte” um Wirecard gab es ja schon so lange und nie war etwas passiert. Dadurch wurde ich unvorsichtig, ja fast gierig, und kaufte mehrfach Aktien nach. Am Ende war die Wirecard Position unverhältnismäßig hoch im Vergleich zum restlichen Portfolio.
Als Konsequenz habe ich danach mein Risikomanagement hinsichtlich der Positionsgröße optimiert und werde meine Informationen noch kritischer prüfen.  

Wirecard

Wirecard ist ein insolventer deutscher Zahlungsabwickler und Finanzdienstleister. Wirecard wurde 1999 gegründet, die Insolvenz wurde am 25. Juni 2020 als Folge fehlender Milliardenbeträge bekannt gegeben. Wirecard bot Lösungen für den elektronischen Zahlungsverkehr an.

Erste kritische Stimmen am starken Wachstum von Wirecard wurden bereits 2015 von der Financial Times erhoben. Anfang 2019 legte das Magazin nach und erhob erstmals konkrete Vorwürfe darunter Geldwäsche und Betrug. Als Folge verbot die Bafin das Shorten von Wirecard und Wirecard sowie die Bafin klagten gegen entsprechende Vorwürfe. Da diese jedoch nicht abebbten beauftragte Wirecard im Herbst 2019 eine Sonderprüfung der Bücher. Das Ergebnis der Sonderprüfung im April 2020 ließ aber wesentliche Fragen offen. Am 18. Juni 2020 wurde anstelle der mehrfach verschobenen Jahresbilanz bekannt gegeben, dass 1,9 Milliarden € fehlten. Am 25. Juni wurde die Insolvenz erklärt. 

Die Dimension der Wirecardinsolvenz u.a. hinsichtlich der Rolle der Bafin, von Politikern oder auch der Abschlussprüfer ist nicht final geklärt. Den Bericht des Untersuchungsausschusses des Bundestages findest du hier. Die rechtliche Aufarbeitung und damit die Schuldfrage steht noch aus. Im Zuge des Wirecardskandals wurden 23 Milliarden € an Börsenwert verbrannt.

Auf eine Trendeinordnung von Wirecard verzichten wir aufgrund der Insolvenz.

Abschluss

Auch wenn Halloween eher gruselig ist, statistisch müssen wir Aktionäre uns keine Sorgen machen. Der historisch schlimmste Börsenmonat September ist für dieses Jahr geschafft. Die Horroraktien von Lisa, Martin, Christian und Patrick zeigen jedoch, dass jedes Investment kritisch beäugt und analysiert werden sollte. Wir lieben Aktien bedankt sich bei allen für die Teilnahme und die offenen Worte.

Was ist deine persönliche Horroraktie?

Ich bedanke mich fürs Lesen und hoffe auf ein baldiges Wiedersehen bei Wir Lieben Aktien.

Liebe Grüße

Sven Klünder

Autor dieses Blogs:

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