Royal Dutch Shell
EURONEXT AMSTERDAM: RDSA

Autoren dieser Analyse:

Christian Lämmle

Christian Lämmle

"Markets are never wrong, only opinions are."
- Jesse Livermore

1. Das Unternehmen

Kurzvorstellung

Wenn sich Anleger über den Öl-Sektor austauschen, sind die Meinungen meistens sehr gespalten. Hohen Dividendenrenditen stehen Abwärtstrends und wenig bis kein Zukunftspotenzial gegenüber.
Allerdings wollen sich Unternehmen wie Royal Dutch Shell auch umorientieren und auf die Energiewende einstellen. Ob das gelingt, ist wiederum eine andere Frage. Die Öl-Nachfrage steigt stetig weiter an, auch wenn es 2020 durch den weltweiten Lockdown Einbußen gab.

Charttechnisch ist Shell in einem Abwärtstrend, welcher lediglich in einer ganz langfristigen Perspektive (seit den 1980er-Jahren) noch als Korrektur einer Aufwärtsbewegung gesehen werden kann.

Die Analyse bezieht sich auf den Kenntnisstand unserer Recherche vom 23.06.2021.

WKN/ ISINA0D94M (A0ER6S) / GB00B03MLX29 (GB00B03MM408)
BrancheEnergie
Einordnung nach Peter LynchZykliker
Marktkapitalisierung130,00 Mrd. EUR
Dividendenrendite3,42 %
KGV-7,4
FirmensitzLondon (Großbritannien) / Den Haag (Niederlande)

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Geschäftsmodell & Branche

Die Muschel des Logos geht zurück aufs Jahr 1833. Damals war die „Shell-Muschel“ das Symbol eines Kuriositätengeschäfts, in dem
u. a. dekorative Muscheln (engl.: Shell) verkauft wurden.
Heute hat Shell relativ wenig mit Muscheln zu tun. Das Unternehmen ist eines der größten Mineralöl- und Erdgasunternehmen der Welt und sollte fast jedem ein Begriff sein.

Das Geschäftsmodell ist simpel, denn Shell ist an der ganzen Wertschöpfungskette der Ölbranche beteiligt.
Diese besteht aus drei Bereichen: Upstream, Midstream und Downstream (siehe Abb. 1a).
Die drei Begriffe sind später für die Segmente nochmal wichtig. Bildlich vorgestellt also: Aus dem Boden hoch, Transport in der Mitte und dann wieder runter in den Tank. 

Öl und Gas wird gefördert, weiterverarbeitet und entweder über Tochterfirmen, Partner oder das eigene Tankstellennetz an den Verbraucher gegeben. Shell hat das weltweit größte Netzwerk an Tankstellen (siehe Abb. 1d).

20 Unternehmen weltweit sind für den Ausstoß von einem Drittel aller Treibhausgase verantwortlich. Shell belegt Platz sieben in dieser Liste. Dafür steht Shell heftig in der Kritik. Seit neuestem wird deswegen auch in erneuerbare Energien investiert und das Ziel „Zero Emissions“ gesetzt. Emissionen konnten insgesamt schon gesenkt werden (siehe Abb. 1c). Shell hat trotzdem noch einen langen Weg bis zum klimaneutralen Konzern. 

Im Folgenden haben wir die einzelnen Segmente genauer unter die Lupe genommen:

Oil Products

Das mit Abstand wichtigste Segment “Oil Products”, z. Dt. “Ölprodukte“, beinhaltet alles, was von Shell erwartet wird. 

Der Kern des Segments ist die Wertschöpfung aus Rohöl, also Veredelung zu Produkten, die weltweit über sämtliche Wege, wie bspw. über das bereits erwähnte, eigene und größte Tankstellennetzwerk, vermarktet werden.

Nutzen für die Produkte findet sich im häuslichen, industriellen und Transportgebrauch. Diese sind:

– Benzin
– Diesel
– Heizöl
– Flugzeugtreibstoffe
– Schiffskraftstoffe
– CO2 reduzierte Treibstoffe 
– Schmierstoffe
– Bitumen 
– Schwefel

Außerdem bietet man Kunden den Einbau von E-Ladestationen an oder das Laden von E-Autos an Shell Tankstellen.

Integrated Gas

Dieser Teil umfasst Shells Aktivitäten im Bereich Flüssigerdgas (LNG = liquefied natural gas) und die Umwandlung in Gas-To-Liquid (Gas in Flüssigkeit)-Treibstoffe. Mitinbegriffen sind auch sämtliche Infrastruktur- Einheiten aus dem Upstream- und Midstream-Bereich. LNG wird vor allem an Schwerlastfahrzeuge und Schiffe abgegeben. 

Das Segment verdient außerdem Geld durch den Handel von Strom und Kohlenstoff-Emissionsrechten.

Upstream 

Das gleichnamige Segment hat seine Kernaufgabe im ersten Sektor der Wertschöpfungskette der Ölindustrie. Shell fördert Erdöl, Erdgas und Erdgasflüssigkeiten. Allerdings sind hier auch einige Aktivitäten aus dem Midstream-Bereich involviert, also Transport und Lagerung der Rohstoffe.

Chemicals

Der kleinste Teil der Angebotspalette von Shell versorgt Kunden mit einer Reihe von Basis- und Zwischenchemikalien, die zur Herstellung von Alltagsprodukten benötigt werden.

2. Fundamentale Ansicht

Kennzahlen

Vorab: Um einen ganzheitlichen Eindruck von Shells zyklischem Charakter zu erhalten, sollten u. U. längere Zeiträume als in dieser Analyse betrachtet werden. Der Umsatz von Shell entwickelt sich in Abhängigkeit zum Ölpreis und der gesamtwirtschaftlichen Lage sehr zyklisch und unbeständig. Im betrachteten Zeitraum ist der Umsatz um durchschnittlich ca. 6,2 % pro Jahr geschrumpft (seit 2016). Dabei sollte jedoch beachtet werden, dass im Zuge der Corona-Pandemie ein Einbruch von fast 50 % verzeichnet wurde. Außer bei „Corporate“ wurden in allen Segmenten negative Wachstumsraten verzeichnet. Bis 2023 soll der Umsatz wieder auf ungefähr 292 Mrd. USD ansteigen, was einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 17,41 % entspricht. Analog zum Umsatz ist auch die Gewinnentwicklung von Shell sehr zyklisch. Während von 2016 bis 2019 gute Wachstumsraten beim EBT und Konzerngewinn erzielt werden konnten, wurde im Jahr 2020 ein Verlust vor Steuern in Höhe von 26,97 Mrd. USD erwirtschaftet. Dieses Ergebnis ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die operativen Kosten von Shell in der Corona-Pandemie größtenteils stagnierten, während der Umsatz stark eingebrochen ist. Darüber hinaus sind die Kosten für Abschreibung, Erschöpfung und Amortisation von 28,7 Mrd. USD in 2019 auf 52,4 Mrd. USD in 2020 förmlich explodiert. 

Der Umsatz von Shell lässt sich wie folgt aufgliedern: Integrated Gas steht für Aktivitäten, die die Verarbeitung und den Handel mit Erdgas betreffen. Das „Shell Ventures“-Portfolio gehört ebenfalls hierzu. Das Upstream-Segment beschäftigt sich mit der Exploration, Förderung und Vermarktung von Rohöl und Erdgas sowie der Infrastruktur für die Transportation. Der Bereich Oil Products beinhaltet die Raffination von Rohöl und die weltweite Vermarktung der daraus entstehenden Produkte (z. B. Benzin, Diesel, Kerosin). Unter dem Segment Chemicals wird das Geschäft mit Chemikalien für verschiedenste Anwendungen betrieben. Corporate bezeichnet nicht-operative Aktivitäten, die Shells interne Prozesse (z.B. Finanzmanagement) unterstützen.

Geografisch ist der Umsatz im Jahr 2020 auf drei Kontinente verteilt. 36 % entfallen auf Asien und je 28 % auf die USA und Europa. Die restlichen 8 % sind Mittel- und Südamerika zuzordenen.

Zum ersten Mal seit 1945 wurde außerdem die Dividende gekürzt. Während 2019 noch 1,88 USD pro Aktie ausgeschüttet wurden, erhielten die Aktionäre 2020 nur noch 0,65 USD pro Anteil, was einer Kürzung von 65,4 % entsprach. Strategisch war dies sicherlich richtig. Zum Zeitpunkt der Kürzung waren die zukünftigen Aussichten sehr unsicher, weswegen die Liquidität des Konzerns sicher gestellt werden musste. Die gekürzte Dividende wurde zwischenzeitlich bereits wieder leicht angehoben. Auch künftig wird eine moderate jährliche Steigerung erwartet.

Einordnung nach Peter Lynch

Chancen und Risiken

Die Chancen von Shell liegen u. a. in der niedrigen Bewertung. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2021 beträgt je nach Schätzung ungefähr 9. Der zyklische Charakter der Gewinnentwicklung darf dabei jedoch nicht vergessen werden. Zudem kann der Aktie von Shell eine Art „Inflationsschutz“ zugeschrieben werden, denn die Unternehmensentwicklung (Umsatz, Gewinn) wird maßgeblich vom Ölpreis beeinflusst. Derzeit kostet ein Barrel Rohöl der Sorte Brent ungefähr 75 USD. Im Falle einer starken Inflation und somit steigenden Rohstoffpreisen würde Shell indirekt profitieren. Royal Dutch Shell ist als Zykliker einzuordnen. Im CS Research-Rating für Slow Grower [BETA] erzielt Royal Dutch Shell 5 von 10 Punkten. Darüber hinaus stellen die Investitionen von Shell in erneuerbare Energien eine weitere interessante Chance dar. Nach eigenen Angaben werden jährlich bis zu 2 Mrd. USD in saubere Energielösungen wie Wind oder Solar investiert. Außerdem beteiligt sich der Konzern im Rahmen seines Venture-Portfolios an jungen, disruptiven Unternehmen und unterstützt diese in der Wachstumsphase. Hier muss jedoch erwähnt werden, dass Shell in der Vergangenheit die selbst gesetzten Ziele nicht immer eingehalten hat. 

Das offensichtlichste und größte Risiko für Shell besteht darin, dass der weltweite Bedarf an Öl nachhaltig abnimmt und gleichzeitig der Umschwung zu erneuerbaren Energien misslingt. Denn wie ersichtlich, waren im Geschäftsjahr 2020 mehr als 70 % von Shells Umsatz auf das Geschäft mit Öl zurückzuführen, wodurch sich eine nicht zu vernachlässigende Abhängigkeit von der Entwicklung dieses Bereichs ergibt. Der Konzern ist sich diesem Risiko durchaus bewusst. Vorstandsmitglied Huibert Vigeveno ist der Meinung, dass das Zeitalter von „Big Oil“ vor dem Ende steht und geht davon aus, dass Wind, Solar und Wasserstoff diesen Platz einnehmen werden. In einem Gespräch mit dem Handelsblatt sagte er, dass Shell „neue Geschäftsmodelle entwickeln und kosteneffizienter werden“ müsse. Bis 2050 will das Unternehmen Klimaneutralität erreichen. Interessant ist, dass die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) bzgl. der langfristigen Nachfrage nach Mineralölprodukten eine andere Meinung vertritt. In der Studie „World Oil Outlook“ aus dem Jahr 2020 geht die OPEC davon aus, dass die Erdölnachfrage u. a. aufgrund des Wirtschaftswachstums in China und Indien bis 2045 auf 109,1 Mio. Barrel pro Tag anwachsen wird. Diese Prognose gilt unter Experten jedoch als umstritten.

3. Charttechnische Trendeinordnung

Aussicht

Shell befindet sich langfristig in einem Abwärtstrend, wobei der letzte Abverkauf erneut von einer gewissen Stärke geprägt war. Nun konnte mit einem steigenden Ölpreis auch wieder ein mittelfristiger Aufwärtstrend etabliert werden, welcher über 18,688 EUR erneut bestätigt wird. Sollte dies gelingen, ist der Weg nach oben weiter “frei” – aber auch nur bedingt.

Insgesamt muss bei Shell berücksichtigt werden, dass etliche Widerstandszonen auf die Bullen warten. Regelmäßige Korrekturen sind bei einer Aufwärtsbewegung also durchaus einzuplanen. Zudem befindet man sich langfristig nur in einer Aufwärtskorrektur – der übergeordnete Trend zeigt abwärts.

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