
Netflix Aktie Analyse
Seltene Kaufchance beim Streaming-Pionier?
Analyse vom 30.08.2026
von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann
Kurzvorstellung
Vor einigen Jahren war Netflix ein Herausforderer, der etablierten Fernsehsendern und Filmstudios ihre Zuschauer abnahm. Heute ist der Konzern selbst der Etablierte und sieht sich einem Angriff von allen Seiten ausgesetzt: Amazon, Disney und Apple investieren Milliarden in eigene Inhalte, während die verbliebenen Medienkonzerne durch Zusammenschlüsse die nötige Größe suchen. Netflix hat auf diesen Druck mit Preiserhöhungen, einem werbefinanzierten Abonnement und dem Vorgehen gegen geteilte Zugangsdaten reagiert und ist damit auf seinen Wachstumspfad zurückgekehrt. Nach der Korrektur der vergangenen Monate notiert die Aktie zugleich auf einem Bewertungsniveau, wie man es von diesem Wert lange nicht gesehen hat. Wir analysieren, ob der Streaminganbieter ein attraktives Chance-Risiko-Profil bietet.
1. Das Unternehmen Netflix
Geschäftsmodell von Netflix
Einleitung
Am Anfang stand ein Versandhandel für DVDs, der seine Filme per Post verschickte. Heute zahlen weltweit mehr als 325 Millionen Haushalte monatlich dafür, dass sie auf die Inhalte von Netflix zugreifen dürfen. Das Geschäftsmodell ist dabei denkbar einfach geblieben: Der Konzern produziert oder lizenziert Serien und Filme, stellt sie über seine Plattform bereit und finanziert das Ganze über wiederkehrende Abonnementgebühren.
Abonnements und Services
Die Erlöse stammen fast vollständig aus Abonnements, die je nach Land und Tarif unterschiedlich bepreist sind. Über die Jahre hat Netflix diese Preise regelmäßig angehoben, ohne dabei nennenswert Kunden zu verlieren. Seit 2022 kommt ein zweiter Ertragsstrom hinzu: ein günstigeres, werbefinanziertes Abonnement, das inzwischen den Großteil der Neuanmeldungen ausmacht und dem Konzern Zugang zu den Budgets der Werbetreibenden verschafft. Ergänzt wird das Angebot um erste Vorstöße in Videospiele und Live-Übertragungen.
Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die Skalierbarkeit: Eine Serie kostet in der Produktion dasselbe, unabhängig davon, ob sie eine Million oder hundert Millionen Haushalte sehen. Jedes zusätzliche Abonnement schlägt daher nahezu vollständig auf die Gewinne durch, was den kräftigen Margenanstieg der vergangenen Jahre erklärt.
Eigenproduktionen als Kern
In den Anfangsjahren lebte Netflix von lizenzierten Inhalten fremder Studios. Da diese Studios inzwischen eigene Plattformen betreiben und ihre Rechte zunehmend zurückhalten, hat der Konzern die Produktion konsequent selbst übernommen. Eigenproduktionen binden Kapital über Jahre, gehören dem Unternehmen anschließend jedoch dauerhaft und lassen sich weltweit ohne zusätzliche Lizenzkosten verwerten. Aus dieser Bibliothek erwächst ein Bestand, der mit jedem Jahr wächst und von Wettbewerbern nicht nachgebildet werden kann.
Historie von Netflix
Von der Mahngebühr zur Streaming-Idee
Reed Hastings und Marc Randolph gründeten Netflix am 29. August 1997 in Scotts Valley, Kalifornien, zunächst als DVD-Versandverleih. 1998 ging Netflix.com mit rund 925 Titeln online, 1999 folgte das abonnementsbasierte Modell ohne Verzugsgebühren. Im Mai 2002 ging Netflix unter dem Kürzel NFLX an die Börse.
2007 startete Netflix seinen Streamingdienst, der zunächst nur rund 1.000 Titel umfasste, während auf DVD knapp 70.000 Titel verfügbar waren. Diese frühe Wette erwies sich als entscheidender Vorsprung: Der einstige Platzhirsch Blockbuster musste 2010 Insolvenz anmelden, während Netflix seine internationale Expansion vorantrieb.
Aufbau der Content-Maschine
Mit „House of Cards” veröffentlichte Netflix 2013 seine erste Eigenproduktion. Der durchschlagende Erfolg leitete den Umbau vom Lizenz-Aggregator zum Content-Studio ein. Bis 2020 wuchs die Abonnentenbasis auf über 200 Millionen und Netflix übertraf Disney erstmals bei der Marktkapitalisierung.
Neuausrichtung unter neuer Führung
2023 übernahmen Ted Sarandos und Greg Peters als Co-CEOs von Reed Hastings. Ab 2022/2023 führte Netflix ein werbefinanziertes Abo sowie ein Vorgehen gegen Passwort-Sharing ein. Seit Januar 2026 setzt Netflix verstärkt auf organisches Wachstum, insbesondere durch den Ausbau des Werbegeschäfts und des Live-Sport-Angebots.
Aktionärsstruktur von Netflix
Der größte Anteilseigner ist die Vanguard Group mit 8,70 – 9,00 %, gefolgt von BlackRock mit 6,50 – 7,30 % und FMR/Fidelity mit 5,30 %. Mitgründer Reed Hastings, der Mitte 2026 aus dem Board ausschied, hält nach mehreren Aktienschenkungen noch rund 0,50 % der Aktien von Netflix.
Geschäftsführung von Netflix
Ted Sarandos und Greg Peters
Seit 2023 führen Ted Sarandos und Greg Peters Netflix als Co-CEOs. Sarandos ist seit dem Jahr 2000 im Unternehmen und verantwortet die Bereiche Content, Marketing und Recht. Peters ist seit 2008 bei Netflix und ist für die Bereiche Produkt, Technik und Finanzen zuständig. Sie lösten Mitgründer Reed Hastings ab, der bis Sommer 2026 als Executive Chairman fungierte.
CEO-Vergütung
Im Geschäftsjahr 2025 erhielt Ted Sarandos eine Gesamtvergütung von 53,90 Mio. USD, Greg Peters kam auf 53,20 Mio. USD. Bei beiden ist dies ein Rückgang gegenüber 2024, als sie jeweils über 60,00 Mio. USD verdienten. Dies ist auf niedrigere Bonuszahlungen zurückzuführen.
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